SPD und Bündnis 90/Die Grünen in eine Krise. Gerhard Sensenschmidt, Bürger dieses Bundeslandes, brachte seine Krisenbeobachtungen in Versform zu Papier:
In Düsseldorf am Rheine gab's einen lauten Knall: es stand Rot-Grün, die Kleine Koalition, schon vor dem Fall. Wir fragten uns nun, nachdem's so gekracht: Wie haben sie sich durch die Krise gebracht? Wir haben sie unter die Lupe genommen, das Fernsehen ist uns zu Hilfe gekommen. Da steht "Wolf" Clement, der harte Mann, als "Kronprinz" will zeigen er, was er kann. Als Superminister für Wirtschaft, Verkehr ist zuständig er für vieles und mehr. Stets hält in der Hand er die Zigarette, als wenn er sonst nichts zu "begreifen" hätte: ein Kettenraucher - das Fernsehen verrät -, der angeblich klug mit sich selber umgeht. Zum Ausgleich nämlich treibt er Sport, bewegt sich joggend am Rheinufer fort; quält ab sich dabei, man sieht es ihm an; man möchte zurufen diesem Mann: "Mensch, hör auf zu rauchen, am besten gleich, sonst spielt dir dein Herz einen üblen Streich! Auch Lungenkrebs ist hundsgemein, und denk auch an das Raucherbein! Auch dein Gesicht würde danken es dir (gegerbte Raucherhaut ist keine Zier), und auch deine Stimme würde gewinnen und wieder schöner zu klingen beginnen." Klaus Matthiessen, zweiter im Bunde ist er: als Landwirtschafts- und Umweltminister verkündete rauchend er bei einem Bier, wie rein die Luft heute ist im Revier. Jetzt führt er die SPD-Landtagsfraktion; er hofft wohl auch noch auf den Thron und zeigt, daß auch er zwei Dinge hätte: viel Härte und oft eine Zigarette. Wir können ihn dafür wirklich nicht loben; doch glaubt er, nur dieser Weg führt ihn nach oben. Dabei hatte er, der Mann aus dem Norden, so gut einst begonnen mit Taten und Worten. Und Landesvater Johannes Rau, der sehr sich zurückhielt und meint, dies war schlau? Auch "Bruder Johannes", der Bibelfeste, greift gern in die Tasche der dunklen Weste und holt sicher heraus eine Zigarette, als wenn er kein ärztliches Rauchverbot hätte. Meist sucht er sein Rauchwerkzeug zu verstecken, doch Fernsehleute es trotzdem entdecken. "Die Sucht ist zu stark, ich schaffe das nicht", denkt "Jo" mit zerknittertem Gesicht, "da hilft kein Beten, hilft keine Bibel, die Krise ist ein zu großes Übel!" Und schließlich ist er kein Calvinist, nein, er ist ein moderner Christ, der Rauchen und Trinken toleriert (auch wenn's die Gesundheit ruiniert ...). Ob's Frau Christine so behagt? Wir wissen nicht, was sie dazu sagt. Wir hoffen, daß sie ihre Kinder vermag zu schützen vorm Rauche Tag für Tag! Ob auf der anderen Seite die Grünen nur gute Umwelt-Noten verdienen? So fragten wir uns und schauten uns an, wie aus der Sitzung kam Frau und Mann. Doch was entdeckten wir zu dieser Stund'? Die meisten hatten die Fluppe im Mund und sogen, laut schimpfend vor sich hin, tief in ihre Lungen das Nikotin. Von ihnen Nichtraucherschutz zu erwarten, das hieße wohl Setzen auf falsche Karten. - Was wir beobachtet ohne Rast, das lautet kurz zusammengefaßt: Die SPD - wem wär' wohl dabei? - ist eine "starke" Raucherpartei; ihr ist noch immer unbekannt, daß zwei Drittel Nichtraucher sind im Land. Woher soll'n da die Prozente kommen, mit denen Wahlen werden gewonnen? Die Grünen wissen nicht - und dies empört -, was alles zum Umweltschutz gehört. Sie rauchen drauflos, es ist ein Graus, und viele seh'n deshalb sehr ungesund aus. Vom Rauchen sind auch ihre Stimmen kaputt; hört man sie sprechen, gerät man in Wut. Wo bleibt da das natürliche Leben, nach dem sie angeblich so streben? Und alle zusammen - da hilft keine Mahnung -, sie haben nicht die geringste Ahnung, was Vorbildverhalten von ihnen verlangt, wenn ernsthaft man um die Jugend bangt. So viele süchtige Rauchergestalten, die m ü s s e n doch weiter zusammenhalten; drum gibt wohl auch weiterhin an den Ton in Düsseldorf die Tabak-Koalition!
Gerhard Sensenschmidt sandte dieses Gedicht allen Spitzenpolitikern der im Landtag vertretenen Parteien zu. Von Michael Vester (Bündnis 90/Die Grünen) erhielt er folgende Antwort:
Ich bedanke mich für Ihr Schreiben vom 19.03.1996, in dem Sie sich kritisch -und in Versform - über das öffentliche Rauchen von Spitzenpolitikern äußern. Ich darf Ihnen dazu mitteilen, daß ich selbst in meinem ganzen Leben noch nicht geraucht habe. Auch ich empfinde das Verhalten mancher Raucherinnen und Raucher gelegentlich als rücksichtlos. Bei Grünen-Sitzungen herrscht im übrigen in der Regel Rauchverbot.
Daß es auch unter den Landtagsabgeordneten der CDU eine ganze Reihe Raucher gibt, soll nicht unerwähnt bleiben. Die CDU steht als Oppositionspartei jedoch zwangsläufig nicht so im Blickpunkt der Öffentlichkeit wie die Parteien der Regierungskoalition.