Frauen rauchen aus anderen Gründen als Männer - und wenn sie von der Zigarette lassen wollen, ist es wichtig, diese Unterschiede zu beachten. Das berichtet die Medizinerin Anita Schmeiser-Rieder in der Wiener Medizinischen Wochenschrift. Streßmanagement, Verhaltenstraining, Ernährungsberatung und die Kombination mit einer Nikotinersatztherapie (z.B. Nikotinpflaster) sind die Säulen einer Raucherinnentherapie.
Laut vieler Untersuchungen, so Schmeiser-Rieder, greifen Frauen zur Zigarette, um mit Konflikten, Streß und Ängsten besser fertig zu werden. Darüber hinaus "setzten sie die Zigarette oftmals als Appetitzügler und damit zur Gewichtskontrolle ein".
Auch die Motive für einen Rauchstop unterscheiden sich von denen der Männer. Für Frauen gibt es neben den allgemein mit dem Rauchen verbundenen Gesundheitsgefahren spezifische Risiken, z.B. bei Einnahme der Anti-Baby-Pille oder während Schwangerschaft und Stillzeit. Raucherinnenrisiko ist auch ein frühzeitiges Eintreten der Wechseljahre. Entsprechend sind "Schwangerschaft" und "Angst vor gesundheitlichen Problemen" Hauptgründe für den Wunsch, mit dem Rauchen aufzuhören, gefolgt von "finanziellen Ersparnissen" und "Rücksichtnahme".
Da Frauen aus anderen Gründen rauchen als Männer, haben auch Rückfälle andere Ursachen: Während Männer eher in angenehmen Situationen, etwa beim Bier mit Freunden, wieder zur Zigarette geifen, werden Frauen rückfällig bei Konflikten, in Streßsituationen oder wenn sie Verluste erleiden, erklärt Schmeiser-Rieder. Auch nach Geburt und Stillzeit entfalle vielfach eine Hauptmotivation für den Rauchstop. Eine zusätzliche Schwierigkeit liege in derAngst zuzunehmen - obwohl die Gewichtszunahme bei weiterhin gleicher Ernährung höchstens fünf Prozent betragen könne.
Entwöhnungsmotive und spezielle Schwierigkeiten sollten deshalb bei der Raucherinnenberatung stärker berücksichtigt werden, so Schmeiser-Rieder. Auch eine soziale Unterstützung sei für die (Ex- )Raucherin wichtig. Lebensstilmanagement, also z.B. zu lernen, mit Streßsituationen umzugehen, die Ernährung in den Griff zu bekommen und die medizinischen Belange des eigenen Körpers zu berücksichtigen, sowie Verhaltensänderung seien hier besonders sinnvoll.
Rauchen ist jedoch nicht nur eine dumme Angewohnheit: Die reine Nikotinabhängigkeit, berichtet die Wiener Wissenschaftlerin, ist "ein nicht unbedeutender Faktor, der es erschwert, mit dem Rauchen aufzuhören". Wie bei den Männern seien etwa 50 bis 80 Prozent der rauchenden Frauen als nikotinabhängig zu bezeichnen. Das bedeute, daß der Körper sich an die regelmäßige Nikotinzufuhr gewöhnt hat und auf die fehlende Zufuhr mit Entzugserscheinungen reagiere. Dazu gehören beispielsweise Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen, Gereiztheit, Hunger, Nervosität und Müdigkeit. Diese Entzugserscheinungen, so Schmeiser-Rieder, können durch therapeutische Nikotinzufuhr (z.B. Nikotinpflaster) beherrscht und somit die Rückfallgefahr durch Entzugserscheinungen weitestgehend gebannt werden.
Lüdenscheider Nachrichten
vom 4.12.95