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Raucharme Zigarette im Test

Seit Anfang April testet der Zigarettenhersteller R.J. Reynolds Tobacco in Augsburg sein neuestes Produkt, die raucharme Zigarette HI.Q. Sie besteht aus einem 1 cm langen Zylinder aus gepreßtem Kohlenstoff an der Spitze, der von kleinen Luftkanälen durchzogen und von hitzeisolierenden Glasfaserschichten umhüllt ist. In die Kohlenstoffmasse eingebunden ist - aus sensorischen Gründen - pulverisierter Tabak, entsprechend 5 bis 10 Prozent des Tabakgehalts einer gewöhnlichen Zigarette. Weiterhin ist ein dünnes Tabakblatt in der Glasfaserabdichtung verborgen. Die Tabakfüllung ist mit einem Nikotin enthaltenden Tabakextrakt versetzt und mit 50 Prozent Glycerin getränkt. Eine Hülle aus Aluminium-Folie im oberen Teil sorgt für Wärmedämmung, Verdunstungsschutz und Kontrolle der Luftzufuhr.

Zum Rauchen wird die Kohlenstoffspitze angezündet. Die dabei entstehende Hitze bringt das Gemisch aus Glycerin, Nikotin und Tabakextrakt zum Verdampfen. Es bildet sich ein feines, inhalierbares Aerosol, das zu 80 Prozent aus Glycerin und Wasser besteht. Der sichtbare Rauch löst sich daher sehr rasch auf. Nach 8 bis 10 Zügen erlischt die Kohlenstoffglut. Die Zigarette behält ihre ursprüngliche Länge bei. Nur der mit der Glasfaserhülle verschmolzene Aschekegel an der Zigarettenspitze - und der Geruch - weist das Produkt als verbraucht aus.

Die durch die Verbrennung entstehenden Schadstoffe im Haupt- und Nebenstromrauch werden nach Herstellerangaben um etwa 90 Prozent reduziert, so daß eine deutliche Senkung des Krebsrisikos zu erwarten ist. Gleich hoch wie bei der gewöhnlichen Zigarette ist jedoch die Menge der beiden Schadstoffe, die besonders auf das Herz-Kreislauf-System einwirken: Nikotin und Kohlenmonoxid. Über die tatsächlichen Mengen der anderen Inhaltsstoffe ist nichts bekannt.

Für den Passivraucher gibt es daher zwar auch ein deutlich verringertes Krebsrisiko, doch bleibt das bisherige Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhalten. Eine Stunde Aufenthalt in einem von HI.Q-Zigaretten verräucherten Raum würde den Kohlenmonoxidgehalt in der Ausatemluft bzw. im Blut eines Nichtrauchers weiterhin verdoppeln. Hier einige Zahlen über die HI.Q aus der Pressemappe von Reynolds:

Daß der Qualm der raucharmen Zigarette HI.Q Gardinen und Wände weitaus weniger verfärbt als der Qualm der gewöhnlichen Zigaretten, ist offensichtlich. Einleuchtend ist aber auch, daß die nun 84 mm langen "Kippen" eine erhebliche Abfallbelastung darstellen. Darüber hinaus offenbaren die Einzelteile der HI.Q, daß ein ungeheurer technischer, Resourcen verschlingender Aufwand betrieben wird, um Menschen durch "Genuß" schneller ins Grab zu bringen. Es bleibt dabei: Die beste Zigarette ist die - aus ökologischen Gründen - nicht produzierte und - aus gesundheitlichen Gründen - ungerauchte Zigarette.

Auch in den USA und in Schweden wird die HI.Q getestet. Sie heißt dort ber Eclipse und Inside.

Daß die Strategie von Reynolds gegen die Bemühungen um einen gesetzlichen Nichtraucherschutz gerichtet ist, zeigt die Tatsache, daß die Regionalfluglinie Augsburg Airways, die seit 1991 rauchfrei fliegt, nun für einen zeitlich begrenzten Test das Rauchverbot wieder aufgehoben hat - allerdings nur für Raucher von Zigaretten der Marke HI.Q.

Mitteilungen des ÄARG Nr. 8 - 6/96

Reynolds Pressemappe vom 7.5.96

Süddeutsche Zeitung vom 4.7.96


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