Nikotin macht nicht nur seelisch, sondern auch körperlich abhängig und ähnelt in seiner Wirkungsweise Rauschgiften wie Kokain und Morphium. So fassen Gaetano Di Chara und seine Mitarbeiter von der Universität Cagliari in Süditalien die Ergebnisse ihrer neuesten Forschungsarbeiten zusammen (Nature, Bd. 382, S. 255, 1996).
Die Wissenschaftler injizierten Ratten geringe Dosen Nikotin (wenige hunderttausendstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht), ungefähr soviel wie ein Raucher bei einem Zug inhaliert. Daraufhin wurde im Gehirnbereich Nucleus accumbens, der vermutlich für Sexualverhalten, Motivation und Wohlbefinden
zuständig ist, vermehrt der Nervenbotenstoff Dopamin ausgeschüttet. Er spielt eine Rolle bei Belohnung, Gefühlen und Sucht. Zudem erhöhte das Nikotin im Nucleus accumbens den Energieumsatz, auch dies ist mit dem Effekt harter Drogen vergleichbar. Es fügt sich damit ein weiteres Glied in die bereits solide Beweiskette, die belegt, daß Nikotin abhängig macht.
Nikotin wirkt in kleinen Dosen anregend und in hohen Dosen dämpfend (ambivalente Wirkung des Nikotins). Etwa 60 Milligramm Nikotin, also 0,06 Gramm, sind für einen Menschen tödlich.
Die Zeit vom 2.8.96
Süddeutsche Zeitung vom 24.8.96