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Die Antworten einiger Bundestagsabgeordneter bewegten NID-Mitglied Gerhard Sensenschmidt zu folgendem Gedicht:

Der "tolerante" Nichtraucher

Ein Mensch war viel zu klug im Leben,

als sich dem Tabak hinzugeben.

Wenn andre rauchten um die Wette

Zigarre, Pfeife, Zigarette,

hielt er sich stets kühl distanziert,

hat nicht ein einz'ges Mal probiert.

Doch hielt er andrerseits den Raucher

für einen nützlichen Verbraucher,

dem man begegnet mit Respekt,

wenn er auch angeblich verdreckt,

vergiftet gar die Luft im Raum.

"So schlimm", dacht' er, "ist es wohl kaum,

wie's jene wollen glauben machen,

die einen bösen Kampf entfachen

zum Schutze derer, die nicht rauchen.

Als würde man im Ernste brauchen

ein Schutzgesetz für Tabakfeinde."

Zuwider war ihm der vereinte

Verband der engagierten Leute,

die ganze wildgeword'ne Meute,

die leider Toleranz nicht kennt

und sich in dummes Zeug verrennt. -

So schätzten Nichtraucher ihn ein

als ihresgleichen, duft' und fein.

Den Rauchern war er recht gerad'

als Passivraucher von Format.

Wen beide Seite so sehr loben,

den trägt die Politik nach oben.

Und bald sitzt er im Bundestag.

Dann eines Tages, ob er's mag,

ob nicht, heißt's: Wir beraten jetzt

für Nichtraucher ein Schutzgesetz.

In dieser Sache' sich zu entscheiden,

fällt ihm nicht schwer: er will vermeiden,

daß Raucher werden ausgegrenzt;

drum spricht er laut - sein Auge glänzt -:

"Ich will treu meiner Meinung sein:

Nichtraucherschutz? Ich sage nein!"

Doch eines Nachts kam ihm ein Traum:

Er saß in einem kleinen Raum

und ringsum Raucher, die laut lachten

und nicht an Rücksichtnahme dachten.

Die Luft im Raum war dick und schwer,

er konnte gar nicht atmen mehr.

Er rang nach Luft, droht' zu ersticken;

die Welt entschwand schon seinen Blicken.

Er fühlte sich wie sterbenskrank;

da wachte auf er gottseidank.

Noch war ihm vor den Augen trüb,

bis schließlich ihm die Frage blieb:

"Ist die erlebte große Not

des Passivrauchers täglich Brot?

Und ich hab' alle diese Klagen

bisher nur in den Wind geschlagen,

hab' nur gefunden schöne Reden,

wo schnelle Hilfe war vonnöten?"

Dem Menschen wurde plötzlich klar,

wie groß bisher sein Irrtum war,

und der Entschluß war schließlich da:

"Nichtraucherschutz? Ich sage ja!"

Wenn diesen Traum in seinem Bette

so mancher Nichtraucher doch hätte,

statt nur von "Toleranz" zu träumen

und dabei völlig zu versäumen,

mit klaren Schutzrechten zu sorgen

für ein gesundes Volk von morgen.

Gerhard Sensenschmidt

Februar 1997


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