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Veranwortungsbewußten Journalismus angemahnt

Ingeborg Henke, Mitglied der Nichtraucher-Initiative München, hat sich in einem Leserbrief an die Süddeutsche Zeitung des Themas Schleichwerbung für Tabak angenommen:

"Ein Vergleich einiger Beiträge Ihrer Ausgaben vom 8.-10. Januar 1997 legt die Frage nahe: Ist die Redaktion der SZ schizophren, dumm oder der Tabakindustrie hörig, d.h. abhängig von deren Produkten oder finanziellen Zuwendungen? - Im Wissenschaftsteil von Nr. 6, S. 24, gibt der Arzt J. Scholl, ein ausgewiesener Fachmann, einen sachlich fundierten und ebenso sachlich formulierten Bericht ("Besser radeln als rauchen") über die durch Rauchen verursachten horrenden Schäden und Kosten, die Notwendigkeit der Prävention und die beschämend verantwortungslose Untätigkeit der Gesundheitspolitiker in Deutschland.

Im Feuilleton von Nr. 5, S. 11, wird hingegen das Rauchen glorifiziert: durch zwei Großaufnahmen eines Models mit Zigarette und einen Text ("Nadja raucht"), der so einfältig ist, daß man ihn nur für eine Auftragsarbeit halten kann oder für eine Gefälligkeitsanbiederung des Verfassers an die Tabakindustrie. Denn die Dimension der Zeit erschließt sich aus jeder Sequenz von Abbildungen, dazu braucht's keine Zigarette; die Schönheit eines Gesichts drückt sich nicht im Rauchen aus; und die Imagination des Betrachters würde ebenso angeregt, wenn das Model ein anderes Requisit in der Hand hielte, einen Lippenstift, eine Haarspange, einen Kugelschreiber. Das schwachsinnige Gefasel und das auffallend großformatige Doppelfoto dienen offensichtlich dem Ziel, das Rauchen in Wort und Bild werbemäßig herauszustellen; der Hinweis auf die Frankfurter Ausstellung und den Bildband bedurfte keiner so aufwendigen Inszenierung. Für Tabakwerbung ist das Feuilleton jedenfalls nicht der rechte Ort.

Als gehorsamer Werbeträger für die Tabakindustrie erweist sich auch das - in der Vergangenheit schon mehrfach einschlägig kompromittierte - SZ-Magazin Nr. 2 mit Titelblatt und Großfoto - Text auf S. 4-5. Das Titelfoto erweckt zudem den Verdacht, daß die Zigarette nachträglich hineinretuschiert worden ist - um so mehr, als der Hollywood-Star Tom Hanks im Inneren des Heftes nirgends mit Zigarette zu sehen ist und im Interview das Thema Rauchen nicht vorkommt.

Der Leser eine überregionalen, angeblich unabhängigen und liberalen Tageszeitung erwartet seriöse Information und ausgewogene Kommentare. Untergeschobene Schleichwerbung für gesundheitsschädliche Suchtmittel im redaktionellen teil ist unter dem Niveau eines solchen Blattes und seiner Leser, die im Abonnement immerhin jährlich 410,- DM erlegen müssen und dafür einwandfreie Ware verlangen dürfen, d.h. vor allem verantwortungsbewußten Journalismus.

Bitte beschränken Sie die Werbung für Tabakwaren - wenn Sie schon nicht ganz darauf verzichten wollen, was vernünftiger wäre - künftig ausschließlich auf den Anzeigenteil, wo sie als solche offen deklariert und von den Auftraggebern entsprechend bezahlt werden muß."


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