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Wie es zum falschen Ergebnis

einer RTL-TED-Umfrage kam

Die Einbringung des Nichtraucherschutz-Gesetzentwurfs in den Bundestag nahm die RTL-Mittagssendung Punkt 12 zum Anlaß für eine TED-Umfrage. Die Zuschauer sollten durch Wahl der Telefonnummer 01 37 00 11 (Ja) oder 01 37 00 12 (Nein) kundtun, wie sie zu der Gesetzesinitiative stehen. Dieser Aufforderung kam auch Marie-Antoinette de Contes, Mitglied der Nichtraucher-Initiative München, nach. Doch während bei all ihren Ja-Anrufen ihr Telefon stumm blieb, hörte sie bei einem zur Kontrolle durchgeführten Nein-Anruf die Stimme: "Ihr Anruf wurde gezählt. Bitte legen Sie auf."

Daraufhin rief sie bei RTL in Köln an und bat die Telefonistin, diese Panne zu melden bzw. zu verhindern, daß falsche Zahlen veröffentlicht werden. Nichtsdestotrotz: Nach der Werbepause brachte die Moderatorin als Ergebnis: 54,9 Prozent für ein Nichtraucherschutz-Gesetz, 45,1 Prozent dagegen. Da es bei allen in den letzten Jahren durchgeführten TED-Umfragen zu viel eindeutigere Ergebnissen pro Nichtraucherschutz kam (meist etwa 75 zu 25 Prozent), verfaßte das NI-Mitglied ein Schreiben an RTL und sandte der NID eine Kopie zu. Die NID forderte nach Rücksprache mit einem sachverständigen Münchner Telekom-Mitarbeiter RTL auf, Antwort auf folgende Fragen zu geben:

1. Wieviel Leitungen haben Sie jeweils für die beiden Telefonnummern gemietet?

2. wie lange waren die Leitungen für die beiden Telefonnummern freigeschaltet?

3. Wieviel Anrufer sind jeweils pro Telefonnummer gezählt worden.

Als nach drei Wochen immer noch keine Stellungnahme eingetroffen war, äußerte die NID in einem Erinnerungsschreiben einen Manipulationsverdacht. Prompt kam noch am selben Tag eine Antwort per Fax. Abgerundet wurde diese durch eine Stellungnahme der Frankfurter Telekom-Niederlassung. Aus all den der NID vorliegenden Informationen ist es wahrscheinlich aus folgenden Gründen zu dem befremdlichen TED-Umfrage-Ergebnis gekommen:

Zunächst einmal war die Zahl der Anrufer sehr hoch - mit anderen Worten: höher als bei Punkt-12-TED-Umfragen üblich. Wenn noch dazu - wie aus früheren Umfragen zum Thema Nichtraucherschutz bekannt - das Verhältnis von Ja- und Nein-Anrufern bei etwa 3 : 1 liegt, dann muß es bei der Anzahl der Freischaltungen (240 je 12 Sekunden je Einzugsbereich) zu Überlastungen kommen. Diese Überlastungen wirken sich aber nun so aus, daß die Nein-Anrufe vollständig gezählt, die Ja-Anrufe dagegen nur zum Teil gezählt werden. Viele Anrufer geben nach dem zweiten oder dritten vergeblichen Anruf auf. Die Anrufe verteilen sich nämlich nicht gleichmäßig auf die zur Verfügung stehende Zeit, sondern sind in den ersten drei Minuten nach dem Anruf besonders zahlreich. Die Schlußfolgerung daraus ist: Bei Umfragen zum Thema Nichtraucherschutz muß die Redaktion von Punkt 12 deutlich mehr Leitungen mieten als am 20. Februar 1997.


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