Gegen den erklärten Willen von EU-Sozialkommissar Padraig Flynn hat die EU-Kommission beschlossen, den Tabakanbau weiterhin mit rund 2 Milliarden Mark jährlich zu subventionieren. EU-Agrarkommissar Franz Fischler begründet dies damit, daß niemand mit dem Rauchen aufhören werde, wenn die EU den Anbau nicht mehr fördert. Statt dessen würden die rund 135.000 Tabakerzeuger in der Gemeinschaft vor dem sicheren Aus stehen, da ein Ende der Förderungen den Import verstärken, nicht aber den Verbrauch senken würde.
Westfälische Nachrichten vom 21.12.96
Die deutschen Tabakbauern, die vor allem im Süden und Südwesten der Bundesrepublik angesiedelt sind, werden von der EU direkt mit rund 50 Millionen Mark gefördert. Indirekt erhalten sie weitere Millionenbeträge, weil für sie die Landesanstalt für Pflanzenbau (Bezeichnung bis 1970 Landesanstalt für Tabakbau und Tabakforschung Forchheim, davor Bundesanstalt für Tabakforschung) in Rheinstetten bei Karlsruhe mit gegenwärtig 70 Mitarbeitern tätig ist. Aufgabe dieser Einrichtung ist es, "das Produkt Rohtabak aufgrund seiner Qualität marktgängig zu machen und die Existenz des Pflanzers zu sichern" (aus der Zeitschrift zum 50jährigen Jubiläum der Anstalt 1977).
Höhe der Förderung soll geheim bleiben
Der Kneipp-Bund Baden-Württemberg versuchte im Herbst 1996, vom zuständigen Ministerialbeamten in Stuttgart den deutschen Anteil an den EU-Subventionen zu erfahren. Dieser wollte jedoch keine Auskunft geben und verwies den Kneipp-Bund an den Landesverband Tabak. Doch statt einer klaren Antwort erhielt der Kneipp-Bund eine klare Abfuhr: "Ich gebe Ihnen die Zahlen nicht, damit Sie hinterher dagegen schreiben."