Die Gesundheitsminister der Europäischen Union (sie bilden in diesem Fall als zuständige Fachminister den EU-Ministerrat) beschlossen am 4. Dezember 1997 mehrheitlich, die Tabakwerbung auf die Tabakverkaufsläden zu beschränken. Beim Sponsoring von Sport- und Musikveranstaltungen wird es Auslauffristen von bis zu acht Jahren geben.
Vor der Abstimmung gab es lange Verhandlungen. Dabei setzten sich vor allem Deutschland, vertreten durch Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer, und Österreich vehement gegen das Verbot der Tabakwerbung in der Öffentlichkeit zur Wehr. Bis zum Schluß blieben sie bei ihrem Nein, Dänemark und Spanien enthielten sich, die anderen elf Länder stimmten mit Ja.
Die EU-Richtlinie zur Beschränkung der Tabakwerbung soll bis zum Jahr 2001 im nationalen Recht der Mitgliedstaaten verankert werden. Dabei gelten für die verschiedenen Werbeformen höchst unterschiedliche Übergangsfristen. Während das Verbot von Tabakwerbung in Presse-Erzeugnissen bereits spätestens im Jahr 2002 wirksam werden muß, gilt für das Sponsoring von Kulturveranstaltungen eine Übergangsfrist bis zum Jahr 2003. Die längste Schonzeit haben die Minister für weltweit stattfindende Sport- und Musikveranstaltungen wie Formel-1-Rennen vereinbart. Dort muß bis spätestens 1. Oktober 2006 die Werbung für Zigaretten und andere Tabakprodukte verschwinden.
Zudem wird die indirekte Werbung mittels Feuerzeugen, Schuhen, Textilien, Parfüm usw. verboten. Ausnahmen gelten für bereits etablierte Artikel. Sie dürfen zwar weiterhin unter dem gleichen Markennamen verkauft werden, z.B. Camel-Boots, ihr Logo muß jedoch verändert werden. Neue Artikel mit einem so deutlichen Bezug zum Rauchen dürfen aber nicht auf den Markt gebracht werden.
Dem Beschluß des EU-Ministerrates müssen allerdings noch die Abgeordneten des Europäischen Parlaments zustimmen. Diese hatten sich in früheren Abstimmungen eindeutig hinter den EU-Kommissionsvorschlag zur Beschränkung der Tabakwerbung gestellt.
Vertreter der Bonner Oppositionsparteien forderten die Bundesregierung zur schnellen Umsetzung der EU-Richtlinie auf. Die SPD-Politikerin Regina Schmidt-Zadel verlangte, die Bundesregierung solle nicht länger als "Bremser beim Schutz vor den Gefahren des Rauchens" auftreten, der EU-Ministerratsbeschluß sei ein "Sieg der Vernunft". Ähnlich äußerte sich Gerald Häfner vom Bündnis 90/Die Grünen. Er erklärte, nicht nur seine Partei, sondern viele Menschen in Europa würden nach diesem Beschluß "aufatmen". Die Entscheidung der EU-Gesundheitsminister sei ein Schritt in die "notwendige und richtige Richtung".