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Strenge Rauch- und Werbebeschränkungen in der Türkei

Nach einer einjährigen Eingewöhnungszeit ist in der Türkei ein Gesetz in Kraft getreten, das zu den schärfsten auf der Welt gehört.

Ab sofort wird es kaum mehr einen Ort geben, an dem für Tabakprodukte geworben werden darf; statt dessen sollen Plakate vor den schädlichen Folgen des Rauchens warnen. Außerdem ist der Genuß von Zigaretten, Zigarren und ähnlichen brennbaren Gegenständen in allen öffentlichen Gebäuden verboten. Dazu gehören nicht nur Behörden, sondern auch Flughäfen, Bahnhöfe, Schulen, Universitäten, Gerichte, Banken, Krankenhäuser und Sporteinrichtungen. Auch in öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen keine Stengel mir glimmen. Was für europäische Ohren merkwürdig klingt, war in der Türkei früher selbstverständlich: Kaum ein Busfahrer wäre imstande gewesen, sein Fahrzeug ohne Zigarette zu lenken.

Inzwischen kann er es, und auch seine Landsleute haben sich in den vergangenen zwölf Monaten weitgehend an das Rauchverbot gehalten - überraschend schnell und ohne allzu großes Murren. Schalterhallen von Post und Banken, die früher eher an verrauchte Nachtclubs erinnerten, können mittlerweile ohne Angst vor Atemnot betreten werden. Auch auf den Flughäfen herrscht mittlerweile frische Luft.

Raucher wie Nichtraucher im Lande sind sich allerdings einig darin, daß diese Selbstbeschränkung nicht auf bessere Einsicht zurückzuführen ist. Vielmehr hätten die - gemessen am Durchschnittseinkommen - ziemlich hohen Geldstrafen von umgerechnet 100 Mark einen gehörigen Abschrekungseffekt gehabt.

Während also die Bilanz nach der einjährigen Umstellungszeit im großen und ganzen positiv ausfiel, zogen sich die Massenmedien erneut Kritik zu. Nach dem Buchstaben des Gesetzes hätten alle Fernsehsender in den vergangenen zwölf Monaten regelmäßig Aufklärungsfilme über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens ausstrahlen müssen - und dies nicht zu knapp: mindestens 90 Minuten im Monat. Weil sich kein Sender mit einem derartigen Quotenkiller belasten wollte, kann sich niemand daran erinnern, jemals irgendwo ein Aufklärungsprogramm gesehen zu haben. Die TV-Stationen beharren allerdings darauf, sich an die Vorschriften gehalten zu haben. Des Rätsels Lösung: Vermutlich wurden die Anti-Raucher-Spots zwischen drei und vier Uhr nachts ausgestrahlt.

Süddeutsche Zeitung vom 28.11.97


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