Aus der bislang umfangreichsten Studie der Welt über die Risiken des Rauchens geht hervor, daß schon heute täglich 2000 Menschen in China an den Folgen ihres Tabakkonsums sterben. Im Jahr 2025 wird die Zahl bei über 5000 liegen, sollte der Trend weiter anhalten. Die Gefahren des Rauchens sind - so ein Ergebnis der Studie - nicht ausreichend bekannt. 60 Prozent der Chinesen wissen nicht, daß Rauchen Lungenkrebs verursacht, und 96 Prozent ist nicht bekannt, daß Rauchen zu Herz-Kreislauf-Krankheiten führen kann.
Die Studie ist ein Gemeinschaftswerk chinesischer Wissenschaftler von der nationalen Medizin-Akademie und Wissenschaftlern der Universitäten Oxford in Großbritannien und Cornell in den USA. Sie spürten den Lebensläufen von einer Million Toten nach und klopften 250.000 noch lebende Raucher auf Herz und Nieren ab.
Die Regierung steckt in einer Zwickmühle. Zwar ist Staatspräsident Jiang Zemin überzeugter Nichtraucher, doch ist er auf eine andere Weise abhängig vom Nikotin: Seine Regierung verdient kräftig daran. Das staatliche Tabakmonopol machte 1997 einen Gewinn von fast 19 Milliarden Mark, das sind mehr als ein Zehntel der Staatseinnahmen. Erlassene Werbeverbote für Tabakwaren werden offen mißachtet, "Marlboro" sponsert die chinesische Fußball-Liga und Konkurrent "Hilton" Basketball. Rauchverbote werden leidlich beachtet.
Süddeutsche Zeitung vom 20.11.98