<< , >> , Inhalt, NID

Hält die neue Bundesregierung die Klage gegen EU-Tabakwerbeverbot aufrecht?

Ein Wechselbad der Gefühle löst die neue Bundesgesundheitsministerin Andrea Fischer aus. Zunächst einmal gewöhnte sie sich das Rauchen ab - wie schon die frühere Bundesgesundheitsministerin Katherina Focke bei ihrem Amtsantritt 1972. Als Ministerin, die vor Gesundheitsschäden warne, könne sie ja schlecht zur Zigarette greifen, äußerte Fischer. Eine solche Einstellung ist sehr lobenswert. Zu tadeln jedoch ist, daß sie nach wie vor nicht eindeutig Stellung gegen die noch von der CDU/CSU-FDP-Regierung kurz vor dem Regierungswechsel eingereichte Klage gegen das EU-Tabakwerbeverbot bezogen hat. Sie könne und wolle den kommenden Beratungen der Regierung nicht vorgreifen, sagte sie am 12. November während eines Treffens der EU-Gesundheitsminister.

Auch der neuen Bundesgesundheitsministerin müßte inzwischen bekannt sein: Jugendliche lassen sich durch die Werbebotschaften der Tabakindustrie stark beeinflussen, da sie in der Phase der Identitätsbildung für Symbole der Erwachsenenwelt besonders empfänglich sind. Zudem können sie im Vergleich zu Erwachsenen die Werbestrategien schlechter durchschauen und sich nicht entsprechend dagegen wehren. Bereits Kinder erinnern sich gut an Zigarettenwerbung und sind mit bestimmten Werbefiguren besser vertraut als Erwachsene. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Kieler Instituts für Therapie- und Gesundheitsforschung. Die Untersuchung bestätigt die Resultate anderer internationaler Studien, wonach der Tabakkonsum abnimmt, wenn ein - umfassendes - Tabakwerbeverbot verhängt wird. Beispiele hierfür sind Norwegen, Finnland, Neuseeland und Frankreich.

Seehofer hielt Studie geheim

Auftraggeber der Kieler Studie war der Vorgänger von Andrea Fischer, Horst Seehofer. Da ihm das Ergebnis der bereits im Dezember 1997 vollendeten Studie nicht in den Kram paßte, ließ er sie einfach in der Schublade verschwinden. Das Wohlergehen der von der Tabakwerbung Profitierenden war ihm mehr wert als das Leben von Millionen Kindern und Jugendlichen.

Andrea Fischer und Bündnis 90/Die Grünen sowie die SPD müssen sich jetzt entscheiden, ob sie sich zum Büttel von skrupellosen, nur an Profit interessierten Wirtschaftsteilnehmern machen lassen wollen oder ob sie sich bei ihren Entscheidungen vor allem am Wohl der nachwachsenden Generation orientieren.

Sie, lieber Leser, können den Entscheidungsprozeß unterstützen, indem Sie den verantwortlichen Personen Ihre Meinung mitteilen: der Bundesgesundheitsministerin, dem Bundeskanzler, den Fraktionsvorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen und der SPD, den Vorsitzenden und Mitgliedern des Gesundheitsausschusses und des Wirtschaftsausschusses sowie dem Parteivorsitzenden bzw. Parteisprechern.

Bundesgesundheitsministerin

Andrea Fischer

Am Propsthof 78 a

53121 Bonn

Bundeskanzler

Gerhard Schröder

Adenauerallee 139-141

53113 Bonn

Anschrift aller anderen:

Görresstr. 15

53113 Bonn

Sprecher der Fraktion

Bündnis 90/Die Grünen

Rezzo Schlauch + Kerstin Müller

Vorsitzender der

SPD-Fraktion

Dr. Peter Struck

Vorsitzender des

Gesundheitsausschusses

Klaus Kirschner

Stellv. Vorsitzender des

Gesundheitsausschusses

Wolfgang Zöller

Ausschußmitglieder der

Regierungsparteien:

Hubertus Heil, SPD

Eike Hovermann, SPD

Barbara Imhof, SPD

Helga Kühn- Mengel, SPD

Eckhart Lewering, SPD

Dr. Martin Pfaff, SPD

Dr. Hansjörg Schäfer, SPD

Gudrun Schaich- Walch, SPD

Horst Schmidbauer, SPD

Regina Schmidt- Zadel, SPD

Dr. Margrit Spielmann, SPD

Dr. Wolfgang Wodarg, SPD

Katrin Dagmar Göring- Eckardt, Grüne

Monika Knoche, Grüne

Vorsitzender des Ausschusses

Wirtschaft und Technologie

Matthias Wissmann

Stellv. Vorsitzender des Ausschusses

Wirtschaft und Technologie

Christian Müller

Ausschußmitglieder der

Regierungsparteien:

Hans Martin Bury, SPD

Rolf Hempelmann, SPD

Uwe Hiksch, SPD

Jelena Hoffmann, SPD

Dr. Uwe Jens, SPD

Volker Jung, SPD

Sabine Kaspereit, SPD

Christian Lange, SPD

Thomas Sauer, SPD

Ernst Schwanhold, SPD

Dr. Sigrid Skarpelis- Sperk, SPD

Dr. Ditmar Lothar Staffelt, SPD

Wolfgang Weiermann, SPD

Dr. Rainer Wend, SPD

Dr. Margrit Wetzel, SPD

Klaus Wiesehügel, SPD

Engelbert Clemens Wistuba, SPD

Michaele Hustedt, Grüne

Werner Schulz, Grüne

Margareta Wolf, Grüne

_____________________________

SPD-Parteivorsitzender

Oskar Lafontaine

Ollenhauerstr. 1

53113 Bonn

Parteisprecher B'90/Die Grünen

Gunda Röstel + Antje Radcke

Postfach Baunscheidstr. 1 a

53113 Bonn


<< , >> , Inhalt, NID