<< , >> , Inhalt, NID

Raucher-Reizworte: Diskriminierung und Militant

Immer wieder werden in Diskussionen zwischen Rauchern und Nichtrauchern Worte verwendet, deren Bedeutung nicht allen Beteiligten klar ist. Hier sollen einmal die Begriffe Diskriminierung und militant reflektiert werden.

Reizwort: Diskriminierung

In der Diskussion um die Berechtigung eines Nichtraucherschutz-Gesetzes oder auch einer Nichtraucher- Initiative fällt in der Regel von Seiten der Raucher oft das Wort "Diskriminierung". Eine Kampagne für den Schutz der Nichtraucher sei eine Diskriminierung der Raucher.

Wie ist die Sachlage? Nichtraucher- Schutz, so wie ich ihn verstehe, zielt auf zwei verschiedene Punkte ab:

1. den Schutz derjenigen zahlreichen Menschen, die von Zigarettenrauch in Ihrer Gesundheit, ihrem Wohlbefinden oder auch nur bei ihrem Wunsch nach sauberer Luft beeinträchtigt fühlen.

2. den Schutz der minderjährigen Nichtraucher davor, durch Werbung und andere Suggestionen zu Rauchern zu werden.

Punkt 1 kann z.B. erreicht werden durch Ausweisung und Überwachung von Nichtraucherzonen, Punkt 2 durch Verbot von Tabakreklame. Die vermeintlich diskriminierten Raucher sind nur von den Maßnahmen zu Punkt 1 betroffen. Punkt 2 trifft ausschließlich die Zigaretten- und Werbeindustrie.

Die Maßnahmen, die zur Verwirklichung von Punkt 1 vorgeschlagen werden, entsprechen - um eine Analogie zum Straßenverkehr heranzuziehen - im wesentlichen einer Ausweisung einer Fußgängerzone oder einer Tempo- 30Zone. Klar, ein Ferrari- Besitzer würde gerne überall mit 200 km/h rumbrausen, aber dazu wird er auf die Autobahnen verwiesen. Ich kann mir nicht vorstellen, daß sich ein Ferrari- Fahrer deshalb diskriminiert fühlt. Vielleicht wird er sich mit den Wohngebietsvereinen streiten und versuchen, die Gesetzeslage nach seinen Wünschen zu ändern. Genauso werden die Leute, die sich selbst und ihre Kinder gerne heil auf der anderen Straßenseite ankommen sehen, für eine Ausweitung der Langsamfahrzonen aussprechen und auch dafür kämpfen. Aber das ist ein ganz normaler Konflikt zwischen Parteien, die sich über irgendetwas uneinig sind. Vielleicht so wie ein Ehepaar, das sich streitet, wo der nächste Urlaub verbracht werden soll. Der eine mag es lieber kühler im Sommer, der andere ganz heiß. Aber auch hier wird niemand diskriminiert. Auch nicht im Raucher- Nichtraucher- Konflikt.

Trotzdem nehmen viele Raucher eine Diskriminierung wahr, und es kann nicht sein, daß diese alle an Paranoia leiden. Meine Hypothese ist, daß diese Diskriminierung von den Rauchern selbst herbeigesehnt wird.

Voraussetzung für einen sinnvoll ablaufenden Streit ist nämlich, daß beide Konfliktpartner für ihr Handeln voll verantwortlich sind. Wenn ein Raucher sagt: "Ich rauche, weil es mir schmeckt, und ich möchte das gerne überall tun können. Wenn es sein muß, kann ich es natürlich auch lassen, aber mir macht es eben Spaß." Oder wenn ein Nichtraucher sagt: "Ich finde, daß der Rauch, der von einer Zigarette ausgeht, widerlich stinkt, und ich möchte, daß in meiner Umgebung niemand raucht", dann kann auch eine Auseinandersetzung funktionieren.

Aber wenn der Raucher sagt: "Hör mal, Du brauchst mir gar nicht mit Rauchverbot kommen, denn ich muß ja rauchen, weil ich süchtig bin", dann scheint sich dieser Raucher sich aus der Verantwortung stehlen zu wollen und sich als Antwort erhoffen: "Mit Dir brauche ich mich nicht streiten, Du bist ja nicht Herr Deiner Sinne". Und dann kann er natürlich weiterrauchen. Jemanden zu bezichtigen, er wäre nicht Herr seiner Sinne, ist eine Art von Diskriminierung, und wir als Nichtraucher sollten aufpassen, daß wir nicht den Rauchern den Gefallen tun, sie in dieser Weise zu diskriminieren. Werner Eberl

Reizwort: militant

Wenn man Fremdwörter verwendet, sollte man eigentlich wissen, was sie bedeuten. Der blaue Dunst scheint das Beurteilungsvermögen von manchen Rauchern jedenfalls schon arg zugesetzt zu haben, wenn sie Nichtraucher, die sich auf rechtlichem und demokratischem Wege um den Schutz vor der Raucherwillkür bemühen, als "militant" beschimpfen. Laut Fremdwörter-Duden werden als militant in erster Linie jene Menschen bezeichnet, die "mit kriegerischen Mitteln für eine Überzeugung kämpfen". Davon kann wohl bei einem Nichtraucher, der den Nichtraucherschutz auf demokratischem und/oder rechtlichem Weg durchsetzen will, nicht die Rede sein.

Schon eher ist das Wort "militant" auf Raucher anzuwenden, die trotz Erkenntnissen über die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens, zumindest aber um dessen Beeinträchtigung des Wohlbefindens wissen, den Tabakqualm als Waffe gegen die Nichtraucher einsetzen. Das Bundesgesundheitsamt stellte 1988 fest, daß Passivrauchen mindestens 100mal krebsgefährlicher ist als Asbeststaub in einer Konzentration von 1000 Fasern pro Kubikmeter. Anständige Raucher lassen daher schon aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen von sich aus den Tabakqualm vor der Tür. Ich kenne einige von diesen rücksichtsvollen Rauchern. Leider gibt es davon nicht sehr viele.

Ernst-Günther Krause


<< , >> , Inhalt, NID