Vierzig Jahre lang rauchte Jesse Williams drei Packungen Marlboro am Tag. Fünf Monate nachdem sein Arzt 1997 Lungenkrebs diagnostizierte, starb der frühere Hausmeister aus Portland. Nun soll seine Familie vom weltweit größten Tabakkonzern Philip Morris 81 Millionen Dollar (umgerechnet mehr als 140 Millionen Mark) bekommen. Dies jedenfalls beschloß Ende März eine Jury im Bundesstaat Oregon einstimmig in erster Instanz. Die Anwälte der Angehörigen hatten argumentiert, Williams sei nikotinsüchtig geworden und habe nur aus blindem Vertrauen weitergeraucht, daß Philip Morris kein gesundheitsgefährdendes Produkt verkaufen würde. Die Anwälte des Tabakkonzerns kündigten gegen das Urteil Berufung an, und so schlecht stehen die Chancen nicht, daß die nächste Instanz zugunsten des Tabakmultis entscheidet - so wie es bisher schon in den vier Fällen geschehen ist, die zunächst negativ für den Zigarettenhersteller endeten.
Erst im Februar hatte ein Geschworenengericht in San Francisco der 52jährigen Patricia Henley 51 Millionen Dollar Schadensersatz und Schmerzensgeld zugesprochen. Sie hatte dem Tabakunternehmen vorgeworfen, sie im Alter von 15 Jahren süchtig gemacht zu haben. Der im vergangenen Jahr festgestellte Lungenkrebs ist dank Chemo- und Strahlentherapie auf dem Rückzug. Das Geld will die Ex-Raucherin - sollte die Berufungsverhandlung positiv ausgehen - für Aufklärungsprogramme über das Rauchen spenden.