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Umfrage über Rauchen in Gaststätten von Zigarettenindustrie finanziert?

Die Zigarettenindustrie läßt nicht locker. Angesichts der neuen Initiative für ein Nichtraucherschutz-Gesetz versucht sie, eine gesetzliche Regelung des Nichtraucherschutzes auch in Gaststätten über von ihr gesteuerte Meinungsbefragungen zu verhindern. Daß sie ihre Hand dabei im Spiel hat, ist für Außenstehende jedoch nicht immer erkennbar, denn Auftraggeber der kürzlich vom Marktforschungsinstitut INRA durchgeführten Studie "Rauchen in Gaststätten ist die Standpunkt Gesellschaft für Öffentlichkeitsarbeit mbH, Gazellenkamp 40, 22529 Hamburg, Tel: (0 40) 58 03 33. Dahinter verbirgt sich ein Dr. Manfred Körner mit der gleichen Adresse sowie der Telefonnummer 58 73 34 und der Faxnummer 58 67 29. Körner war zumindest früher ein leitender Angestellter der Zigarettenindustrie. In dieser Eigenschaft nahm er auch an öffentlichen Diskussionen teil.

Doch nun zum Inhalt der INRA-Umfrage. Jeder Fachmann weiß, daß durch die Fragen selbst und die Art der Fragestellung erheblichen Einfluß auf die Antworten genommen werden kann. Beispiel: Die Frage "Würden Sie den Nichtraucherschutz lieber ohne Gesetz regeln?" findet auch unter Nichtrauchern viel Zustimmung, weil die Bedingung "wenn es möglich wäre" eingeschlossen ist. Lautet dagegen die Frage "Halten Sie ein Nichtraucherschutz-Gesetz für notwendig?", denken die Nichtraucher bei ihrer Antwort an die vielen leidvollen Erfahrungen mit erfolglosen Bitten um Rücksicht und stimmen mit Ja. Um Umfragezahlen fundiert bewerten zu können, müssen auch die Fragen bekannt sein. Dies ist bei der INRA-Studie nicht der Fall. Insofern sind die veröffentlichten Ergebnisse (welche verschwiegen wurden, ist unbekannt) mit Vorsicht zu genießen.

Danach sprechen sich 92 aller 3.000 Befragten gegen ein kategorisches Rauchverbot in Gaststätten aus (das ist auch in einem Nichtraucherschutz-Gesetz nicht vorgesehen). 31 Prozent fordern jedoch eine Trennung von Rauchern und Nichtrauchern oder eine angemessene Lüftung (29 Prozent). 60 Prozent der Nichtraucher gehen selten oder nie in ein Lokal, jedoch nur 40 Prozent der Raucher. Um gut 15 Prozent höher liegt der Anteil der Raucher bei den regelmäßigen Besuchern (mindestens zwei- bis dreimal im Monat) gegenüber den Nichtrauchern. Die Differenz zwischen den Monatsausgaben der Raucher und denen der Nichtraucher verringerte sich von 38,- DM (1993) auf 8,- DM (1998).

All diese Zahlen unterstreichen wieder einmal deutlich, daß viele Nichtraucher keine Gaststätte aufsuchen, weil es ihnen zu sehr stinkt. Und aus dem selben Grund verzehren sie auch nicht so viel und verlassen das Lokal eher. Wer der Gastronomie mehr Umsätze bescheren will, muß für rauchfreien Genuß sorgen. Denn eine verrauchte Kneipe hat für Nichtraucher etwa dieselbe Anziehungskraft wie ein Topf kochendes Wasser für einen Eiswürfel.


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