Über Monate hinweg hatten Mitarbeiter der Plan- und Leitstelle Gesundheit des Berliner Bezirks Hohenschönhausen 1999 nach Tabakwerbung in der Umgebung von Schulen und Jugendfreizeitheimen Ausschau gehalten. Sie stellten dabei eine Vielzahl von Verstößen fest. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Werbung für Zigaretten der Tabakkonzerne Reemtsma und Philip Morris. Nun musste noch ein Konkurrent gefunden werden, der die beiden Zigarettenproduzenten vor die Schiedsstelle des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) bringen konnte. Schließlich erklärte sich Camel-Hersteller Reynolds Tobacco bereit, das Schiedsverfahren einzuleiten.
Mitte April teilte der VdC Bezirksbürgermeisterin Dr. Bärbel Grygier das Ergebnis des Verfahrens mit. Danach müssen Reemtsma und Philip Morris jeweils 50.000 DM an den VdC zahlen, weil sie gegen die freiwillige "Vereinbarung über Richtlinien auf dem deutschen Cigarettenmarkt" verstoßen hätten. Der Betrag werde jedoch an den Kinderschutzbund weitergeleitet (was inzwischen geschehen ist). Die Höhe des Bußgeldes begründete Reynolds mit der "hohen Bedeutung des Schutzes Minderjähriger vor den Wirkungen der Cigarettenwerbung".
Nicht nur diese scheinheilige Begründung veranlasste die Plan- und Leitstelle Gesundheit, ein alternatives Schiedsgericht mit der Bezirksbürgermeisterin als Richterin einzuberufen, das die Werbeplakate im Hinblick auf die Richtlinien untersuchen sollte. Das Gericht bediente sich einer Jury, die sich aus Schülern, Mitgliedern des Jugendparlamentes, der Jugendstadträtin Dr. Christa Sobanski und dem Bildungsstadtrat Michael Szulczewski zusammensetzte.