Oktober 2001
Inhalt
NID zur Änderung
des JSchÖG: Verkauf von Tabakwaren nur an Volljährige!
Einladung zur Mitgliederversammlung
am 13. April 2002
Mitgliedsbeiträge in Euro
Bürgeranträge
gegen Tabakwerbung
Alfred Stock gestorben
Informationsstand
beim Trostberger Gesundheitstag
Lungenposter fanden großen
Anklang
NID-Vizepräsident
Ernst-Günther Krause erhielt Bundesverdienstkreuz
Sonderangebot
für NI-Mitglieder (Schweiz)
Gastronomieführer im
Internet (Schweiz, Frankreich, Großbritannien)
MitstreiterInnen
für rauchfreies Musik- und Kulturcafé gesucht
Rauchfrei reisen
nach und in Südafrika
Beherbergungsbetriebe,
die NID-Mitglieder sind
Image Transfer
BAT wollte
NID für public relations missbrauchen
Der Philip Morris Forschungspreis - ein
heimtückisches Instrument zur Förderung des Nikotinkonsums
Preisabsprachen bei Tabakkonzernen
Gallaher übernimmt
Austria Tabak
Marlboro-Tours hört auf
Entlarvende Äußerungen
Philip
Morris manipuliert tschechische Politiker
19.000 Kubikmeter
Frischuft für eine Zigarette
Änderung
der Arbeitsstättenverordnung zum Jahreswechsel?
Mehr als 36.000 Lungenkrebse
Tabakqualm ist ein Eizell-Killer
Tabakrauch verursacht
Baby-Koliken
Depressiven fällt
Nikotinentzug schwer
Flüssige
Zigarette soll bei Nikotinentzug helfen
Kräuterzigaretten
nicht empfehlenswert
Passivrauchen
schwächt Herz bereits nach 30 Minuten
Zahlen aus dem Jahrbuch
Sucht 2001
Morgenzigarette im Bett
nicht grob fahrlässig
Zigarettenschmuggler
erhält fünf Jahre
EU scheitert
mit Milliardenklage in den USA
EU will Tabaksubventionen
streichen
Japan: Dorf
der Gesundheit und Langlebigkeit
20 Jahre Nichtraucherbund
Berlin e.V.
Bahn testet
in Bonn Rauchverbot auf dem Bahnhof
Gedicht: Im Ferienhotel (Gerhard Sensenschmidt)
Raucheranteile und Rauchbeginn
Nicht 2 Millionen,
aber immerhin 500.000
Wowereit
verhängt Rauchverbot im Sitzungssaal des Senats
Terminkalender
NID zur Änderung des JSchÖG: Verkauf von Tabakwaren nur an Volljährige!
Die Gruppe der vier "Nichtraucherschutz-Abgeordneten": Uta Titze-Stecher (federführend), Werner Lensing, Sylvia Voß (neu) und Hildebrecht Braun haben eine interfraktionelle Initiative für eine Änderung des Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit (JSchÖG) ergriffen. Dazu hat die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) im Vorfeld sowohl der Initiativgruppe als auch Ulla Schmidt, Bundesministerin für Gesundheit, und Christine Bergmann, Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, eigene Vorschläge unterbreitet:
> Die NID ist für die völlige Abschaffung der öffentlich zugänglichen Zigarettenautomaten, denn die Einführung des Chipkartensystems führt zu keiner hinreichend wirksamen Beschränkung des Zugangs zu Zigaretten für Kinder und Jugendliche, wie es bei einem Verkauf an der Ladentheke möglich ist. Darüber hinaus stellen die Zigarettenautomaten einen Werbeträger dar, der ständig eine Reizwirkung gerade auf junge Menschen ausübt.
> Sollte es für die Abschaffung der Zigarettenautomaten in dieser Legislaturperiode keine Mehrheit geben, stellt sich die NID jedoch nicht völlig gegen das Chipkartensyste". Sie fordert allerdings für Minderjährige ein Verkaufsverbot für Tabakprodukte sowohl an der Ladentheke als auch am Zigarettenautomaten. Es muss sichergestellt sein, dass eine Überprüfung des Alters über die Chipkarte am Zigarettenautomaten erfolgt. Den Automatenbetreibern ist außerdem deutlich zu machen, dass mit dem Chipkartensystem keine Bestandsgarantie für die Zigarettenautomaten verbunden ist. Dies gilt besonders dann, wenn eine Evaluation zu dem Ergebnis kommt, dass diese Art der Zugangsbeschränkung weitgehend unwirksam ist. Auf ein Rauchverbot für Minderjährige in der Öffentlichkeit ist die NID bereit zu verzichten (vgl. dazu Seite 30).
> Die NID verlangt darüber hinaus, dass alle Zigarettenautomaten im Umkreis von 250 Metern Luftlinie um Schulen und Einrichtungen für Kinder und Jugendliche innerhalb eines halben Jahres nach In-Kraft-Treten der Gesetzesänderung zu entfernen sind. Das Unterlassen der Beseitigung ist als Ordnungswidrigkeit zu behandeln und mit einer Geldbuße zu belegen, ebenso wie der Verkauf und die Weitergabe von Zigaretten an Minderjährige.
Begründung:
1. Das Chipkartensystem kann als Übergangslösung bis zur völligen Abschaffung der öffentlich zugänglichen Zigarettenautomaten den Zugang Minderjähriger zu Zigaretten erschweren, eine grundlegende Verbesserung des Jugendschutzes ist damit jedoch nicht zu erreichen, da Zigarettenautomaten auch als Werbeträger dienen.
2. Die 16-Jahre-Grenze für das Rauchverbot in der Öffentlichkeit ist völlig willkürlich und wurde zu einem Zeitpunkt gewählt (1957), als nur wenige Jugendliche unter 16 Jahren rauchten und die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die verheerenden Wirkungen des Rauchens für Kinder, Jugendliche und Erwachsene noch gering waren. Das Rauchen von 17-Jährigen ist ebenso schlecht für die Gesundheit wie das Rauchen von 15-Jährigen. Nur die Volljährigkeit bietet eine einigermaßen glaubwürdige Begründung für die staatliche Zulassung eines Produkts, das, käme es heute erstmals auf den Markt, auf Grund der seit vielen Jahren geltenden gesetzlichen Bestimmungen keine Chance hätte, zugelassen zu werden.
3. Die Entscheidung zum Rauchen darf schon allein aufgrund des Suchtpotentials des Nikotins keinem Minderjährigen freigestellt werden - weder vom Staat noch von den Eltern. Die Entscheidung zum Rauchen muss Minderjährigen außerdem verwehrt werden, weil sie in diesem Alter die langfristigen Folgen nicht abschätzen können. Aus vergleichbaren Gründen ist die Geschäftsfähigkeit und Deliktsfähigkeit bei Minderjährigen beschränkt. Bei der Strafmündigkeit ist sogar bei 18- bis 20-Jährigen (sie gelten als Heranwachsende) die Möglichkeit gegeben, das Jugendstrafrecht anzuwenden.
4. Der derzeitige Geschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie, Dr. Ernst Brückner, sprach sich am 28. Juni 1980 in einem telefonischen Interview im Rahmen der Jugendsendung "Zündfunk" im Bayerischen Rundfunk dafür aus, dass Jugendliche erst mit 18 Jahren entscheiden sollen, ob sie rauchen oder nicht rauchen. Der genaue Wortlaut:
Klaus Kastan: Was würden Sie denn sagen, von welchem Alter
man von sich aus entscheiden könne, ob man raucht oder nicht?
Ernst Brückner: Also, ich meine, wenn man schon reif genug
ist, die Repräsentanz im politischen Bereich zu wählen, dann
sollte man auch die persönliche Entscheidung treffen können.
Kastan: Das heißt, so ab achtzehn.
Brückner: Ja.
Einladung zur Mitgliederversammlung 2002
Der Vorstand hat nach Abstimmung mit den Nichtraucher-Initiativen folgende Entscheidung getroffen: Die nächste Mitgliederversammlung findet am 13. April 2002 in der Nichtraucher-Pension Seiffer in Gerabronn statt. Das wie ein Hotel ausgestattete Haus verfügt über einen großen Tagungsraum und ein beheiztes 4 x 8 Meter großes Hallenbad. Alle 45 Zimmer sind mit Dusche/WC ausgestattet. Rund um das Haus gibt es viele Wandermöglichkeiten. 23 Kilometer sind es bis nach Rothenburg ob der Tauber.
Die Preise betragen pro Person (Doppelzimmer):
Übernachtung mit Frühstück 40 DM
Halbpension 52 DM
Vollpension 60 DM
Einzelzimmerzuschlag 10 DM
Zuschlag bei Aufenthalt von weniger als 4 Tagen 10 DM
Das Tagungshaus ist mit dem PKW erreichbar über die A6, Ausfahrt Crailsheim, dann weiter auf der B290 Richtung Bad Mergentheim über Rot am See bis Brettenfeld. Dort biegt man ab Richtung Gerabronn und fährt weiter, bis der Wegweiser "Pension Seiffer" auftaucht. Von da ab sind es noch 2 Kilometer.
Anschrift: Pension Seiffer, Horschhof 1,
74582 Gerabronn, Telefon 07952/ 9268-0, Fax 9268-18,
E-Mail: pension-seiffer@t-online.de,
Internet: home.t-online.de/home/Pension.Seiffer
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Um "krumme" Mitgliedsbeiträge ab 2002 vermeiden, schlägt der Vorstand vor, die DM-Beträge zu halbieren und gegebenenfalls auf volle Euro abzurunden. Dies ist zum Vorteil für die Mitglieder und führt zu folgenden Euro-Beiträgen:
statt 60 DM 30 Euro
statt 30 DM 15 Euro
statt 90 DM 45 Euro
statt 45 DM 22 Euro
statt 100 DM 50 Euro
Dies gilt bis zu einem anderslautenden Beschluss der Mitgliederversammlung.
Bürgeranträge gegen Tabakwerbung - Zwischenbilanz und weitere Strategien
Nach den Aufrufen zu Bürgeranträgen gegen Tabakwerbung auf kommunalen Werbeflächen (vgl. Nichtraucher-Info Nr. 42 und 43) wurden von mir insgesamt 53 unterschriftsreife Anträge angefordert. Inzwischen sind 16 Reaktionen auf diese Anträge von Städten und Gemeinden bei mir eingetroffen, so dass sich eine Zwischenbilanz zur weiteren Strategieplanung lohnt.
Einige ermutigende problemorientierte Reaktionen möchte ich zitieren: "Für Ihr engagiertes Eintreten zum Schutz unserer Jugend und der Gesundheit der Bevölkerung dürfen wir uns ganz herzlich bedanken" (Lahnstein). - "Inhaltlich bin ich mit Ihnen der Auffassung, dass Zigarettenwerbung Einfluss auf das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen hat. Empirische Studien zeigen dies in aller Deutlichkeit" (Neu-Ulm). - "Die Gemeinde Puchheim ... würde es selbstverständlich ebenfalls begrüßen, wenn die öffentliche Werbung für Suchtmittel eingeschränkt werden könnte." - Die Stadtväter von Solingen hoffen auf ein europaweites Verbot der Zigarettenwerbung. Auch die Verwaltung von Erftstadt teilte mit: "Die mit dem Antrag verfolgte Zielsetzung, den Tabakkonsum zu reduzieren, kann sowohl aus allgemeinen gesundheitspolitischen wie auch aus jugendpolitischen Gründen nur unterstützt werden."
Dagegen gab die Stadt Leipzig deutlich zu erkennen, dass sie auch weiterhin an der Tabakwerbung und damit an der Verführung von Jugendlichen zum Rauchen verdienen möchte: "Bei einem Ausfall der Werbung für Tabakwaren in den Werbeanlagen von J. C. Decaux und DSM ist mit einer Verringerung der Dienstleistungen für den Bürger oder gegebenenfalls ein Rückbau von Fahrgastunterständen in Leipzig zu rechnen." Dabei ist wichtig zu wissen, dass von der Werbefirma J. C. Decaux in Leipzig ca. 650 Fahrgastunterstände mit Werbeanlagen aufgestellt worden sind.
Da die Firma Decaux ihre Zentrale in Frankreich hat, wo ein generelles Tabakwerbeverbot besteht, weiß sie genau, wie man Werbeverträge ohne Tabakwerbung gestaltet. Bereits 1991 hat sie einen solchen Vertrag sehr zur Zufriedenheit der Stadtväter in Karlsruhe abgeschlossen, der heute noch besteht. Man muss also auf beiden Seiten nur wollen.
Generell kam in den Antworten der 16 Städte bisher zum Ausdruck, dass Entscheidungen über die Tabakwerbung in die Kompetenz des Bundestages gehören. Einige Städte wollen die Werbefirmen bitten, auf entsprechende Werbeplakate freiwillig zu verzichten oder die Tabakwerbung wenigstens einzuschränken.
Für die weitere Strategie bei der Durchsetzung eines Tabakwerbeverbots in Deutschland erscheinen mir auf kommunaler Ebene drei Forderungen zur Zeit realistisch, die wir in einer weiteren Petition stellen sollten:
1. Die Städte und Gemeinden sollten gebeten werden, nach Vertragsablauf ein Werbefirma zu suchen, welche freiwillig auf Zigarettenwerbung verzichtet, was rechtlich ohne weiteres möglich ist.
2. Die Städte und Gemeinden sollten zwischenzeitlich mit dem Betrag, den sie durch die Tabakwerbung erhalten, eine Anti-Tabakwerbung und eine Tabakprävention bei Schülern finanzieren, z.B. das Programm "Be Smart - Don't Start" (Ansprechpartner: Gudrun Wiborg und Dr. Rainer Hanewinkel, Tel. 0431/57029-0). Die NID und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit können dabei behilflich sein.
3. Die Städte und Gemeinden sollten dringend gebeten werden, auf dem Deutschen Städtetag den Deutschen Bundestag aufzufordern, das von der EU-Kommission und dem EU-Parlament befürwortete totale Tabakwerbeverbot in nationales Recht umzusetzen, da die Tabakindustrie in den Städten verstärkt auf privaten Werbeflächen für ihr tödliches Produkt wirbt und gezielt Kinder und Jugendliche zum Rauchen verführt.
Ich möchte hiermit bitten, dass die bisherigen Antragsteller des Bürgerantrags mir eine Kopie des Antwortschreibens der Stadtverwaltungen und eventuelle Presseberichte zuschicken, damit ich diese in meine weitere Strategieplanung einbeziehen kann. Sie können dann wieder eine unterschriftsreife Petition mit den drei erwähnten Forderungen bei mir anfordern:
Prof. Dr. med. Ekkehard Schulz
Hungenberg 29
51429 Bergisch Gladbach
Tel./Fax: 02204/54141
Alfred Stock neben Ernst-Günther Krause bei der Mitgliederversammlung der NID 1995 in Stuttgart.
Kurz nach seinem 90sten Geburtstag starb Alfred Stock, Gründer
und langjähriger Vorsitzender der Aktiven Kappelner Nichtraucher e.V.
Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat er im hohen Norden die Interessen der
Nichtraucher öffentlichkeitswirksam vertreten. Bei seinen zahlreichen
Informationsständen kam er mit vielen Menschne in Kontakt und überzeugte
auch viele Raucher von den Vorteilen eines Lebens ohne Tabakrauch. Alfred
Stock fertigte zahlreiche Medien an, die teilweise noch heute verwendet
werden. Seine Töpferkunst stellte er in den Dienst seiner ehrenamtlichen
Arbeit. Wer ihn kennt, wird ihn in guter Erinnerung behalten. EGK
Informationsstand beim Trostberger Gesundheitstag
"Chronische und allergische Lungen- und Bronchialerkrankungen und Schlafapnoe"
war das Thema des Trostberger Gesundheitstages am 7. Juli 2001. Klar, dass
bei diesem Thema Rauchen und Passivrauchen eine große Rolle spielt.
Die NI-Mitglieder Anton Sturm, Brigitte Edhofer, Marion Bethge-Keller und
Joachim Keller nahmen für die NID die Gelegenheit wahr, die Besucher
über die Gefahren des Nikotinkonsums und seine Auswirkungen auch auf
Nichtraucher zu informieren.
Der vorab informierten Presse gefiel vor allem das Lungenposter der
NID. Kein Wunder also, dass der "Motivations-Artikel" in den Trostberger
Nachrichten drei Tage vor der Veranstaltung zur Hälfte aus der Abbildung
der Raucher- und der Nichtraucherlunge bestand.
Sicher gibt es auch noch in vielen anderen Orten Gesundheitstage oder Veranstaltungen, bei denen sich das Thema Rauchen/Nichtrauchen/Nichtraucherschutz gut ansprechen lässt. Und sicher gibt es auch noch in einigen anderen Orten Mitglieder der NID, die einen solchen Tag zum Anlass nehmen könnten und wollen, sich z.B. als "Ortsgruppe" der NID mit einem Informationsstand zu beteiligen. Das erforderliche Material erhalten sie von der NID zur Verfügung gestellt. Melden Sie sich doch einfach schriftlich oder telefonisch bei der NID.
Lungenposter fanden großen Anklang
Norbert Schulters, Fachberater der Kaufmännischen Krankenkasse, verwendet bei seinen Vorträgen an Schulen auch NID-Material. Seinen Dank drückt er in einem Schreiben an die NID aus:
"Zunächst möchten wir uns ganz herzlich für die freundliche Unterstützung der Nichtraucher-Initiative Deutschland bedanken. Die Lungenposter fanden hier bei uns in Wesel eine sehr gute Resonanz. Nicht nur die Mitglieder unserer KKH, sondern auch viele Bürger unserer Stadt Wesel sind von der Darstellung des Lungenposters tief beeindruckt. Es würde uns freuen, wenn Sie uns bei der nächsten Verteilung mit berücksichtigen. Großen Anklang hatten wir auch mit Ihren Postern an Schulen. ..."
Zum Foto unten: Vor laufender Kamera informiert Norbert Schulters die Schüler einer Klasse der Hamminkelner Realschule im Rahmen des Projekts Raucherprophylaxe. Der Referent gestand den Schülern, selbst einmal geraucht zu haben. Vor 14 Jahren habe er es jedoch aufgegeben. Freunde und sein Cousin, ein Arzt, hätten ihm dabei geholfen. Die Aufnahmen des WDR-Kamerateams waren übrigens später im ARD-Kinderkanal Kika zu sehen.
An dieser Stelle ruft die NID alle Krankenkassen auf, mehr für die Prävention des Rauchens zu tun. Einem Verhalten, das schon nach kurzer Zeit zu starker körperlicher Abhängigkeit führt, in jungen Jahren vorzubeugen, ist billiger als die spätere Behandlung dahinsiechender Erwachsener.
NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause erhielt Bundesverdienstkreuz
Für seine nunmehr 24-jährige ehrenamtliche Arbeit für die Nichtraucher-Initiative München als Vorsitzender und - seit 1988 - für die Nichtraucher-Initiative Deutschland als Vizepräsident erhielt Ernst-Günther Krause das Bundesverdienstkreuz am Bande. Der Geehrte sieht dies auch als Anerkennung der Nichtraucherschutzbewegung insgesamt, die nun zehn BVK-Träger in ihren Reihen hat, zuletzt Prof. Dr. Friedrich Wiebel, Vorsitzender des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit. Von den zahlreichen Glückwunschschreiben anlässlich der Verleihung sei das von Prof. Dr. Peter Paul Gantzer, Notar und Mitglied des Bayerischen Landtags, wiedergegeben:
"Herzlichen Glückwunsch zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande. Diese Auszeichnung haben Sie mehr als viele andere verdient. Seit vielen Jahren verfolge ich Ihre Arbeit in der Nichtraucher-Initiative. Vor allem Ihren Einsatz für den Nichtraucherschutz halte ich für sehr wichtig. Sie haben mit Ihrer Arbeit viel für die Volksgesundheit getan. Der Orden ist daher wirklich verdient."
Dass der Beschluss des Deutschen Bundestages am 31. Mai 2001, in dem die Bundesregierung dazu aufgefordert wird, den Nichtraucherschutz in der Arbeitsstättenverordnung explizit zu verankern, ausgerechnet mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes zusammenfällt, ist zwar rein zufällig, doch dafür umso erfreulicher.
Ich weiß: Ernst-Günther Krause macht die Arbeit nicht wegen irgendwelcher Orden, sondern weil er es für wichtig hält, dass jeder Mann und jede Frau seine bzw. ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten nützt, um die Welt ein bisschen lebenswerter zu machen. Lebenswerter heißt auch rauchfreier. Der Schutz der Nichtraucher ist dabei von großer Bedeutung.
Gerhard Haußmann
Schweiz: Sonderangebot nur für NI-Mitglieder
Das Nichtraucher-Hotel Stutz im Schweizer Höhenkurort Grächen
(mit Blick auf das Matterhorn) macht den Mitgliedern von Nichtraucher-Initiativen
ein besonderes Angebot. Es bietet eine 5-Tage-Tourenwoche für 340
Euro bzw. 640 DM pro Person im Doppelzimmer oder Einzelzimmer an. Im Preis
eingeschlossen sind die Übernachtung mit Halbpension und die "Marsch"-Verpflegung
einschließlich Tee sowie der Transport bei den Ausflügen. Hans
und Ursula Oggier, die beiden Wirtsleute, führen die drei - leichten
- Bergwanderungen (je vier Stunden mit maximal 500 Meter Höhendifferenz)
selbst. Hinzu kommt ein Ausflug nach Zermatt oder Saas Fee.
Termin: 8. bis 13. Juli 2002.
Interessenten melden sich beim Hotel Stutz, An der Hauptstraße,
CH-3925 Grächen, Telefon: (00 41) 279 563 657, Fax: 279 563 658; über
Internet erreichbar unter: hotel.stutz@smile.ch bzw. www.graechen.ch/stutz.
Schweiz: Die Zürcher Lungenliga gibt allen Internetsurfern Gelegenheit, sich die Anschriften von ganz oder zumindest teilweise rauchfreien Gastronomiebetrieben in der Schweiz (am 31. Mai 2001 waren es 20 Eintragungen) über das weltweite Datennetz zu besorgen. Die Adresse: www.eat-smokefree.ch. (Anmerkung des Webmasters: Unter nichtraucher.org stehen viel mehr Betriebe drin!)
Frankreich: Auch im Nachbarland Frankreich
gibt es die Möglichkeit, das Internet zur Erkundung rauchfreier bzw.
raucharmer Gastronomiebetriebe zu nutzen. Den Vorschriften zufolge müssten
eigentlich alle Restaurants einen Nichtraucherbereich ausweisen. Doch nicht
alle Gastwirte halten sich daran oder sie deklarieren ungünstig gelegene
Zonen als rauchfreie Zonen. Die Internetseite lautet: www.droit-air-pur.com/nosmokingrestaurants.htm.
Großbritannien: In Großbritannien
kann man sich dank der Internetseite www.nonsmokingzone.com über
rauchfreie Hotels, Pensionen und Restaurants informieren.
MitstreiterInnen für rauchfreies Musik- und Kulturcafé gesucht
In Berlin will eine Gruppe von Nichtrauchern den vielen Missständen
entgegenwirken und das erste rauchfreie Musik- und Kulturcafé aufmachen.
Dazu benötigen sie "MitstreiterInnen," die sich als Anleger beteiligen.
Um einschätzen zu können, wie viele potentielle Interessenten
es gibt, bitten sie um eine Kontaktaufnahme unter E-Mail
oder unter Telefon (0 30) 342 29 71.
Rauchfrei reisen nach und in Südafrika
Seit 1995 ermöglicht es Amanzi Tours Naturliebhabern aus aller Welt, die Schönheit des Landes durch "sanftes Reisen" zu erkunden. Menschen der verschiedensten Kulturkreise sollen sich beim Wandern in den Naturschutzparks oder bei den verschiedensten Sportarten begegnen. Eine Reisegruppe besteht aus maximal fünf bis sechs Personen. Sie werden in liebevoll hergerichteten Gästehäusern untergebracht und haben mit den Familien und Begleitern vor Ort persönlichen Kontakt, denen die Reisegelder den Lebensunterhalt sichern.
Damit die Reise rundum gelingt, hat die Gesundheit bei Amanzi Tours einen wichtigen Stellenwert. Dazu gehört, dass nur Nichtraucher teilnehmen können und ausschließlich malariafreie Gebiete bereist werden. Gefahren wird in einem komfortablen VW-Bus. Das Tagespensum liegt bei maximal 350 Kilometern. Die Ziele sind so gewählt, dass die Reiseteilnehmer viel Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung haben. Immer wird darauf geachtet, dass die Natur geschont und die sozialen Bedingungen beachtet werden. Das umfangreiche Angebot umfasst u.a. Wal- und Delfinbeobachtungen, Fotosafaris, sportliche und kulturelle Ereignisse und ökologische Exkursionen.
Interessenten wenden sich an Amanzi Tours, Neue Rommelshauser Str. 24,
71332 Waiblingen,
Telefon (0 71 51) 539 92, Fax (07 11) 60 03 26, EMail.
Beherbergungsbetriebe, die NID-Mitglieder sind
Nichtraucher-Pension Ulrich
01239 Dresden
0351/4706146
Haus Tango
23683 Scharbeutz
04503/72996
Ferienhaus Birgit Andresen
25917 Sprakebüll
04662/2258
Haus Villa Hügel
54587 Birgel/Eifel
06597/960333
Pension Sondermann
57462 Olpe-Rhode/Biggesee
02761/61846
Haus Lucia
78141 Schönwald
0711/748604
Pension Haus am Wald
79736 Rickenbach-Egg
07761/92430
Gästehaus Margeritenhof
83229 Aschau
08052/90470
Haus Kuntze-Fechner
83707 Bad Wiessee
08022/83666
Ferienwohnung Lorke
87534 Oberstaufen
08386/960391
Pension Sonnleitn
94227 Zwiesel
09922/1824
Nichtraucher-Gästehaus Iris
94249 Bodenmais
09924/1843
Öhrlein's Hof
95336 Rothwind
09229/7197
Eine Anzeigenserie in der Zeitung mitten im Sommerloch. Keine ordinäre Produktwerbung auf den ersten Blick, nein, eine Einladung, der Hitze des Sommers und den Wirren des Alltags zu entfliehen: Badeseen rund um Dresden. Jede Woche ein neuer Frische-Tipp: Talsperre Malter, Stauseebad Cossebaude, Mittelteichbad Moritzburg und so weiter. Inserent ist nicht der Tourismus-Verband. Die Freizeit- und Freizügigkeitsoasen mit FKK-Stränden wurden entdeckt von CABINET fresh. Wer ist das?
Die Anzeigen verraten es nicht. Müssen sie auch nicht. Hierzulande ist die Marke bekannt. Würden sie sich als Zigarettenreklame outen, so müssten die Anzeigen die allseits bekannte hässliche Warnung vor dem Rauchen tragen. Dies wäre der hier offerierten Verheißung eher abträglich. Ausspannen, Abstand vom Alltag, burschikoses Leben in freier Natur, Freizügigkeit, Gelassenheit, sich etwas gönnen - ach wie schön wäre das da draußen am See! Packen wir's? Wenn nicht - dann heißt der Frische Tipp eben: CABINET fresh. Die Glücksverheißung verschmilzt mit dem Zigaretten-Logo.
Positive Vorstellungen, Gefühle, Sehnsüchte oder Befindlichkeiten auf ein Produkt projizieren - so funktioniert Werbung. Die Experten der Tabakwerbung beherrschen diese Technik meisterhaft. Ihnen gelingt es immer wieder, das Schmuddelimage der Schadstoff produzierenden Stäbchen so rein zu waschen, dass sie wie ein naturreines, unbelastetes Lebensmittel angeboten und von arglosen Konsumenten auch gekauft werden. Die Zigarettenwerbung verspricht Erlebnisse, Frohsinn, Gesundheit, Erfolg und Zufriedenheit.
"Ich gehe meilenweit ..." Dieser Slogan ist populär und weckt positive Vorstellungen: Laufen ist gesund und schont die Umwelt! Was ich dazu brauche, sind bequeme Schuhe. Welche wohl? CAMEL Boots! Das Erlebnis - Wandern und Trekking - verbindet sich mit dieser Marke. Für Ausdauer und Genügsamkeit steht das Kamel als Markenzeichen.
Wilde Pferde, schnelle Flitzer - genau richtig für Leute auf der Suche nach Tempo und Risiko. Reiten - das Hobby vieler Mädchen - und Rennfahren - der Traum viele Jungen -: beides läuft auf ein Markenzeichen hinaus. Die Marketingexperten haben die Zeichen der Zeit erkannt. Der Marlboro-Mann musste den Sattel einer jungen Frau überlassen und sich in einen Formel-1-Wagen klemmen. Ferrari-Hengst und Country-Stute starten unter einem gemeinsamen Logo und nehmen so Jungen und Mädchen, Männer und Frauen gleichermaßen gefangen - so sie sich fangen lassen.
Es wäre naiv und gefährlich, der Zigarettenindustrie zu glauben, sie spräche mit ihren Werbebotschaften nur erwachsene Raucher und nicht etwa auch neugierige Kinder und Jugendliche an. Heranwachsende fahren viel stärker als Erwachsene auf Produktmarken ab, deren Image der Lebensart und dem Lebensgefühl ihrer Generation entspricht. Zigarettenreklame zeigt das, was Kinder und Jugendliche verheißungsvoll und spannend finden. Ob das die Einladung zum Baden am See, zu einer Abenteuertour, zum Ritt auf wilden Pferden, zur Fahrt mit schnellen Flitzern oder einfach zum Rendezvouz ist, die Botschaft soll dem Marken-Logo vor allem bei jungen Menschen Sympathie-Punkte einbringen.
Bei eingeführten Marken ist es überhaupt nicht mehr erforderlich, das Produkt in der Anzeige oder im Werbespot vorzuführen, es genügt, das Logo in Verbindung zu bringen mit Situationen, Ereignissen, Angeboten oder Kreationen, mit denen sich junge Menschen identifizieren. Es dauert nicht lange, und die Marke gehört zu ihrer Welt. Ganz gleich, ob sie das Produkt mögen oder nicht, die Marke müssen sie kennen, denn die hat Kultstatus.
Der direkte Hinweis auf das Produkt und seine Eigenschaften könnte bei jungen Menschen mit einer skeptischen Haltung gegenüber dem Rauchen Sympathie-Punkte kosten. Deshalb wird immer häufiger Sympathie-Werbung für das Label betrieben, die scheinbar überhaupt nicht mit dem Produkt zu tun hat. Marlboro lancierte kürzlich eine Zeitungsmeldung (keine Annonce!), in der jungen Leuten die Möglichkeit geboten wird, für 11 Tage in den USA in der Landwirtschaft zu arbeiten, um urtypische amerikanische Jobs kennenzulernen.
f6, die meistverkaufte Zigarettenmarke in den neuen Bundesländern, lädt zum vierten Music Award ein, der besonders Nachwuchsbands fördern will. Immer wieder ist es ein typischer Ausschnitt aus der Erlebniswelt junger Menschen, der unter dem Logo einer Zigarettensorte vermarktet wird.
Ein besonders perfides Beispiel für Image Transfer:
Sponsern von Schüler-Aktionen gegen das Rauchen
Den größten Coup versucht das Zigaretten-Marketing einzufädeln, indem es anbietet, Aktionen von Schülern gegen das Rauchen zu sponsern oder wenn möglich unter dem Namen eines seiner Produkte zu betreiben. Nachdem das Institut für Therapieforschung IFT Nord in Kiel das Angebot der Tabakindustrie, den Schülerwettbewerb "Be smart - Don't Start!" zu übernehmen und in eigener Regie weiterzuführen, energisch zurückgewiesen hat, versuchen Zigarettenfirmen immer wieder, sich in ähnliche Projekte als edle Spender und Förderer einzubringen. So wurde der Sächsischen Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e.V. bei der Vorbereitung eines Schülerwettbewerbs zur Förderung des Nichtrauchens von einer Werbeagentur der Tabakkonzern Philip Morris als Kooperationspartner empfohlen.
Gelänge es der Zigarettenindustrie, sich bei solchen Projekten zu etablieren, so könnte sie auf einen Sympathiegewinn vor allem bei Jugendlichen hoffen, die sich gegenwärtig (noch) gegen das Rauchen engagieren. Langfristig aber rechnet sie bei ihren Aktionen gegen das Rauchen bei Minderjährigen mit einem Effekt, der in der Psychotherapie als paradoxe Intention bekannt ist. Der Therapeut löst eine Handlungsblockade, indem er seinen Probanden dazu auffordert, die letztlich beabsichtigte Handlung zu unterlassen. Der innere Widerstand stößt auf das von außen gesetzte Tabu und verliert sich dabei. Die doppelte Verneinung wird zum Ja!
Es ist nicht leicht, die Raffinesse des Tabakmarketings zu durchschauen und ihr etwas Wirksames entgegenzusetzen. Abgesehen von der berechtigten Forderung nach Werbeverboten für Tabakwaren und dem Verbot des Verkaufs von Gebrauchsgegenständen und des Ausrichtens von Veranstaltungen unter dem Logo einer Zigarettenmarke geht es auch darum, Heranwachsende gegen die Verführung immun zu machen, die über das Zigaretten-Logo vermittelt wird. Sie müssen die Tricks erkennen lernen, auf die sie hereinfallen sollen. Es ist alles andere als cool, wenn einer den Werbegauklern auf den Leim gegangen ist.
So verlockend die Botschaft auch ist, die von Marlboro, Camel & Co. ausgeht: Glück, Zufriedenheit und Erfolg sind Ergebnisse eigener Anstrengung. Wer clever ist, erschließt sich seine Lebenswelt selbst, anstatt kommerziellen Trendsettern zu folgen. Beim Blick auf die bunte Zigarettenreklame kann er selbstbewusst feststellen: "Ich schaff's auch ohne ..."
Dr. Wolfgang Schwarz
"Ferrari- und Marlboro-Hengst" Michael Schumacher
BAT wollte NID für public relations missbrauchen
"Im Auftrag des Cigarettenherstellers British American Tobacco sprechen wir, die Kommunikationsberatung Kohtes Klewes, Sie heute an. Sie vertreten eine Organisation, die sich gegen das Rauchen engagiert. Wir laden Sie ein, diese kritische Haltung in ein Projekt einzubringen, das die British American Tobacco in den nächsten Monaten durchführen wird."
So beginnt das Einladungsschreiben an NID-Präsident Prof. Schulz, in dem dieser zu einem einstündigen Interview gebeten wird. Die Interviewpartner sollen dazu befragt werden, "welche gesellschaftlichen Themen sie für vorrangig halten, wie sie unternehmerische Verantwortung für die Tabakindustrie definieren und wie sie in diesem Kontext die British American Tobacco einschätzen." BAT sei überzeugt, dass unternehmerisches Denken und Handeln heute mehr heiße, als nur den Blick auf die eigenen Bilanzen zu richten. Als Teil der Gesellschaft übernehme BAT die Verantwortung dafür, gesellschaftliche, wirtschaftliche, soziale und ökologische Probleme im eigenen Wirkungsbereich nachhaltig in Angriff zu nehmen. Unabdingbare Voraussetzung hierfür sei es, gesellschaftliche Positionen nachvollziehen zu können und zu wissen, was die Menschen von der Tabakindustrie und von BAT erwarten. Das Unternehmen lege Wert darauf, "dass kritische Einstellungen von Anfang an berücksichtigt werden." Selbstverständlich würden die Ergebnisse der Befragung durch die Sinus Sociovision GmbH anonymisiert an British American Tobacco weitergegeben.
NID lehnt ab
"Im Auftrag von NID-Präsident Prof. Dr. Ekkehard Schulz darf ich Ihnen mitteilen, dass er Ihre Einladung zur Befragung nicht annimmt. Teilen Sie bitte Ihrem Auftraggeber mit, dass mit einem Unternehmen, das absolut gesundheitsschädliche und für Millionen Menschen tödliche Produkte herstellt, ein Dialog über gesellschaftliche Verantwortung unmöglich ist. Hinzu kommt, dass BAT in Zusammenarbeit mit anderen Tabakkonzernen nichts unversucht gelassen hat, die Erkenntnisse über die wahren Ausmaße der Schädlichkeit des bestimmungsgemäßen Gebrauchs der Glimmstängel zu verschleiern.
Der geplante BAT-Sozialbericht kann nichts weiter sein als der Versuch, der Öffentlichkeit ein X für ein U vorzumachen. Zumindest in einer Marktwirtschaft ist das Hauptziel eines Unternehmens immer noch die Gewinnmaximierung. Wie der Forschungspreis des Konkurrenten Philip Morris hat auch der Sozialbericht die Aufgabe, dieses Hauptziel durch public relations zu fördern."
Ernst-Günther Krause
Nachträglich wurde bekannt, dass BAT weltweit auch noch andere
"Tabakgegner" zu "Interviews" eingeladen hat - wie nicht anders zu erwarten
mit durchwegs mit negativem Ergebnis.
Der Philip Morris Forschungspreis
- ein heimtückisches Instrument
zur Förderung des Nikotinkonsums
Der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit hat - nach gründlichen Recherchen - dem Philip Morris Forschungspreis eine Sonderausgabe seiner Mitteilungen 19 - 2001 gewidmet, die hier in Auszügen wiedergegeben wird.
Die Aussagen, die Philip Morris zum Zweck des Forschungspreises nach außen und nach innen hin macht, stoßen hart aufeinander. Nach außen, an die Öffentlichkeit gewandt, nennt Philip Morris für den Preis einen gesellschaftlichen Auftrag:
"Der Philip Morris Forschungspreis Herausforderung Zukunft ist eine Initiative der Philip Morris Stiftung München.... Ziel dieser Initiative ist es, das Interesse der Gesellschaft an der Forschung zu erhöhen."
Die internen Papiere von Philip Morris sprechen eine andere Sprache. Hier heißt es in einem Aktionsplan von 1991 mit kühlem unternehmerischen Kalkül:
"Der Preis verschafft uns zudem die Unterstützung der Wissenschaftler in unserem Kampf gegen das Verbot des Sponsorings, das Teil der gegenwärtig im Parlament verhandelten neuen Gesetzgebung ist."
Welchen Aussagen können die Gesellschaft, die Wissenschaftler und
politischen Verantwortungsträger Vertrauen schenken? Ist das gesellschaftliche
Engagement oder der Eigennutz die Triebfeder für die Förderung
der Forschung durch Philip Morris?
Bei der Antwort auf diese Frage stützt sich der Ärztliche
Arbeitskreis ausschließlich auf Aussagen des Unternehmens selbst,
sowohl auf externe als auch interne Papiere.
Die Berichte über die Erfolge des Forschungspreises geben einen guten Eindruck davon, was sich Philip Morris von diesem insgeheim erhofft. Ein eingehender Bericht findet sich in dem Aktionsplan 1991 von Philip Morris EEC, dem europäischen Zweig des Unternehmens. Treffenderweise werden die Angaben zu dem Preis unter dem Kapitel ‚Unternehmens-Kommunikation' und nicht dem Kapitel ‚Wissenschaft' aufgeführt. Der Aktionsplan nennt zunächst die Ausgangslage für die Wahl der Kommunikationsstrategien. Philip Morris ist unter anderem darüber besorgt, dass das Unternehmen als ‚internationaler Tabakkonzern' angesehen wird und dass dieses Image sich "negativ auf das Lobbying und die Pressearbeit" auswirkt. Ziel der ‚Unternehmens-Kommunikation' ist es daher:
"zu erreichen, dass PM Beachtung als ein dynamischer und diversifizierter Konzern findet, mit einer breitgestreuten wirtschaftlichen Grundlage in Europa und dem Image von "Offenheit" sowie der vollen Teilhabe am Leben der Gesellschaft."
Eine der Hauptaktivitäten der ‚Unternehmens-Kommunikation' ist die Ausschreibung des Philip Morris Forschungspreises:
"Der PM Forschungspreis existiert nun in Deutschland, Frankreich und Italien. Er hat einen sehr hohen Grad an Anerkennung in wissenschaftlichen Kreisen in diesen Ländern erreicht und findet eine ausgedehnte (und zunehmende) Berichterstattung in den Medien."
Was PM sich von dem Forschungspreis verspricht, lässt sich am deutlichsten
dem Bericht aus Frankreich entnehmen:
Die Einführung des Prix Scientifique Philip Morris im Jahr 1989
hatte eine beträchtliche Berichterstattung, die Einrichtung einer
hochrangigen Jury, einen sehr guten Zugang zu den Kreisen der französischen
Wissenschaftler und einen hervorragenden Kontakt zum Wissenschaftsberater
von Präsident Mitterand zur Folge.
Die zweite Vergabe des Preises 1990 hat sein Ansehen gefestigt und den Zugang zu den Wissenschaftskreisen weiter verbessert. Ebenso hat die Berichterstattung zugenommen. Der Prix Scientifique Philip Morris ist jetzt der zweitwichtigste Preis seiner Art in Frankreich.
Auch in Deutschland ist es Philip Morris gelungen, einflussreiche Wissenschaftler und Politiker wie den Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft und mehrere Staatsminister in die Aktivitäten um den Forschungspreis einzubeziehen.
Neben dem Forschungspreis sponsert Philip Morris auch die Forschung selbst. Warum?
"Die [Tabak-]Industrie in Deutschland scheint einen größeren Einfluss auf die Regierung zu haben als die Industrie in den U.S. und aus diesem Grund ist die Industrie der Ansicht, dass es wichtig ist, eine deutliche Präsenz in der Forschung aufrecht zu erhalten."
"... Die Tatsache, dass wir Forschung sponsern ... könnte erheblich dazu beitragen, ein Gericht davon zu überzeugen, dass wir unserer Pflicht Forschung zu betreiben genügen. Weiterhin, denke ich, sollten wir die Bedeutung von wissenschaftlichen Kontakten in einem so wichtigen Land wie Deutschland nicht herunterspielen."
"... Es sollten ständig Anstrengungen gemacht werden, um Kontakte mit einzelnen Wissenschaftlern oder Behördenvertretern herzustellen, deren Absichten zu erfahren, Meinungen zu ändern und Einwirkungsversuchen auf nationale Regierungsstellen zuvorzukommen."
Eine der Aufgaben der Abteilung für Wissenschaft und Technologie (Science and Technology / S&T) von Philip Morris Europe wird wie folgt beschrieben:
"S&T ist auch aktiv bei dem Versuch, Kommunikationslinien mit Mitgliedern der Wissenschaftswelt herzustellen, die nicht im Bereich Rauchen und Gesundheit tätig sind - als Mittel unseren guten Willen und unser Ansehen zu kultivieren. In diesem Zusammenhang vergibt S&T auch kleine 'Universitäts-Forschungsbeihilfen', um Projekte zu unterstützen, die nichts mit Rauchen und Gesundheit zu tun haben."
Abschließende Betrachtung
Die vorliegenden internen Dokumente von Philip Morris geben einen guten Aufschluss darüber, welche Zielvorstellungen das Unternehmen mit dem Forschungspreis und Forschungssponsoring verbindet. An keiner Stelle der Dokumente wird auch nur ansatzweise ein Interesse am Gemeinwohl spürbar. Die Ziele der Forschungsförderung werden vielmehr vom erklärten Eigennutz des Unternehmens bestimmt. Drei Hauptmotive ziehen sich durch die Dokumente. Philip Morris möchte:
> in der Öffentlichkeit als ein ‚offenes', dem Gemeinwohl verpflichtetes Unternehmen erscheinen,
> die Sympathie und Unterstützung der Wissenschaftler gewinnen,
> auf politische Entscheidungen Einfluss nehmen.
Der Forschungspreis ist ein ideales Instrument zur Erreichung dieser Ziele. Er positioniert Philip Morris an die Schnittstelle von Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik. Ein treibendes Moment des Preises sind die PR-Kampagnen, mit denen unverdächtige Wissenschaft verknüpft mit dem Namen des Unternehmens in die breite Öffentlichkeit gebracht werden kann. Den Wissenschaftlern winken Preisgelder und Kontakte zu Wirtschaft und Politik. Den Politikern wird ein Forum geschaffen, auf dem sie sich als Patrone zukunftsweisender Wissenschaft und Technologie ausweisen können.
Letztlich will das Unternehmen mit dem Forschungspreis auf subtile Weise Abhängigkeiten erzeugen, die dazu helfen sollen, seine Geschäftsgrundlage, die soziale Akzeptanz seiner Produkte und die günstigen gesetzlichen Rahmenbedingungen zu erhalten. Diese Form der Einflussnahme auf Öffentlichkeit, Wissenschaft und Politik wäre vielleicht hinnehmbar, wenn nicht die Geschäftsgrundlage des Unternehmens auf der Herstellung und Vermarktung von Produkten beruhte, die suchterzeugend sind und bei bestimmungsgemäßem Gebrauch Krankheit und Tod verursachen.
Der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit stützte sich bei seinen Ausführungen auf folgende Quellen:
1. Philip Morris Forschungspreis, Die Wettbewerbsunterlagen, Stand Juli 1998
2. M EEC Corporate Affairs Agenda for 1991, Philip Morris EEC Corporate Affairs Department. 1990 Communications and Issues Management Status and 1991 Plans, BAT Nr. 2500013889
3. Philip Morris Forschungspreis‚ Magazin '98, Hrsg.: Philip Morris Stiftung, 1998
4. Memorandum von C.R. Wall to M.H. Bring, Inter-Office Correspondence, 23.07.1992, BAT Nr. 2022850392
5. H. Gaisch, Direktor, Science and Technology, Philip Morris Europe. "Extramural and Defensive Activities: Original 22nd April, 1983, Up-Date: 3rd June, 1983, Objectives and Strategies" - Strictly Confidential, BAT Nr. 2501001600
6. Memorandum, Bericht zu den Forschungsaktivitäten von Philip
Morris Europe Science and Technology an C.R. Wall (PM) und A. Holtzmann
(PM), 1990, BAT Nr. 2023036828
Preisabsprachen bei Tabakkonzernen
Die Mitarbeiter von BAT, Philip Morris und anderen weltweit operierenden
Tabakkonzernen hätten versucht, in Teilen Europas, Afrikas, Lateinamerikas
und des Nahen Ostens Preiserhöhungen zu koordinieren und den Wettbewerb
zu begrenzen, berichtete das Wall Street Journal. Dies gehe aus vielen
internen Branchendokumenten hervor. Danach hat es Vereinbarungen zwischen
konkurrierenden Unternehmen gegeben, die Preise anzuheben, Marktanteile
aufzuteilen und die Produktion sowie die Werbung in verschiedenen Märkten
außerhalb der USA zu begrenzen. Das hat nun zu Kartellklagen geführt,
, in denen den Tabakfirmen Preisabsprachen und anderes wettbewerbsschädigendes
Verhalten vorgeworfen wird.
Süddeutsche Zeitung, 7.7.01
Gallaher übernimmt Austria Tabak
Der britische Tabakkonzern Gallaher kauft das bisher vom österreichischen
Staat gehaltene 41,13-prozentige Aktienpaket für umgerechnet rund
759 Millionen Euro (1,5 Milliarden DM) von Austria Tabak. Über ein
Angebot an die Kleinaktionäre - sie sollen 85 Euro je Aktie erhalten,
knapp ein Euro mehr als der Kurs am 20. August - will er anschließend
die Mehrheit übernehmen. Durch den Kauf kommt Gallaher in Europa auf
Platz vier nach dem US-Konzern Philip Morris, British American Tobacco
und der französisch-spanischen Gruppe Altadis.
Süddeutsche Zeitung, 21.8.01
Wenige Wochen nach der Übernahme der LTU-Reiseveranstalter durch den Kölner Handelskonzern Rewe, zu dem auch ITS-Reisen und das Deutsche Reisebüro (DER) gehören, stellte der US-Tabakkonzern Philip Morris, Inhaber der Marlboro-Namensrechte, für die seit Jahresanfang zum Frankfurter Geschäftsbereich DER der Rewe-Touristik gehörenden "Marlboro-Reisen" alle Ampeln auf Rot. Mit dem Ende des laufenden Sommerprogramms kommt am 31. Oktober das Aus für die reisenden "Cowboys". Die Zentrale von Philip Morris in den USA begründete den Ausstieg lapidar damit, dass man sich in Zukunft auf die Kernaktivitäten des Unternehmens konzentrieren wolle.
Tatsächlich dürfte aber eine entscheidende Rolle gespielt
haben, dass "Marlboro-Reisen" immer wieder und überzeugend begründet
der Schleichwerbung für die Zigarettenmarke verdächtigt wurde.
Für Zigaretten darf im Umfeld von Schulen oder im Fernsehen nicht
geworben werden, für "Marlboro-Reisen" aber wohl. Die Werbung für
Zigaretten mit jungen, sportlichen Menschen ist unzulässig, die Werbung
für "Marlboro-Reisen" aber nicht. Daraus entstand der berechtigte
Vorwurf der Umgehung von Werbebeschränkungen durch "Marlboro-Reisen",
bei denen jeder sofort an eine Zigarette denke. Mit dieser Entscheidung
greift der Tabakkonzern auch dem drohenden EU-weiten Verbot der Tabakwerbung
vor, das die Verwendung von Markennamen für tabakfremde Produkte untersagt.
Weser-Kurier, 19.5.01
Philip Morris manipuliert tschechische Politiker
Zigarettenrauchen sei gut für die Volkswirtschaft, behauptete Philip Morris und belegte dies mit einer selbst in Auftrag gegebenen Studie. Anlass dafür waren Vorwürfe tschechischer Politiker, die Zigarettenindustrie belaste die öffentlichen Finanzen. Allein im Jahr 1999 hätte Tschechien 337 Millionen Mark an den Rauchern verdient. Ihr frühzeitiger Tod ersparte demnach bis zu 69 Millionen Mark an Behandlungskosten, so Philip Morris.
Dass dies eine Milchmädchenrechnung ist, wird schnell klar, wenn man die Schlussfolgerung aus der Behauptung der Tabakbosse zieht. Danach würde der Staat am meisten sparen, der die meisten Raucher hat. Menschen, die frühzeitig sterben, früher invalide werden und häufiger krank sind, produzieren auch weniger Güter oder erbringen spärlichere Dienstleistungen als gesunde und länger lebende. Am deutlichsten wird dies, wenn man den Staat auf z.B. zehn Personen reduziert, von denen alle rauchen. Dieser Raucherstaat wäre zwangsläufig weniger leistungsfähig als ein gleich großer Staat mit nichtrauchenden Bürgern.
Dass das Kamel für Zigaretten wirbt, wissen schon kleine Kinder.
Die Plan- und Leitstelle Gesundheit des Berliner Stadtbezirks Hohenschönhausen hat 241 Kinder zwischen vier und sechs Jahren in 23 Kindertagesstätten zur Zigarettenwerbung befragt. Die Kinder erhielten eine Karte, auf der ein Kamel abgebildet war. Auf der zweiten Karte waren Männer mit Cowboyhüten zu sehen, die um ein Lagerfeuer saßen. Aufgabe der Kinder war es, die Karten einem bestimmten Produkt zuzuordnen. Es standen Zigaretten, Autos, Spielzeug und Süßigkeiten zur Auswahl. Das Ergebnis: 60 Prozent der Kinder legten ihre Bilder auf die Zigaretten. Was sagt Ernst Brückner, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Cigarettindustrie (VdC), dazu?
Der VdC könne dem Vorschlag nichts abgewinnen. In Deutschland sei es - mit wenigen Ausnahmen - überall erlaubt, für Zigaretten zu werben. "Wir haben uns selbst verpflichtet, in der Nähe von Schulen und Jugendeinrichtungen davon Abstand zu nehmen, aber nicht vor Kindertagesstätten." Nach Brückners Einschätzung sind die dort betreuten Kinder nicht anfällig für das Rauchen.
Statt den Vorschlag zu machen, die Kindertagesstätten nachträglich
in die - freiwillige - Selbstbeschränkungsvereinbarung aufzunehmen,
entlarvt sich VdC-Geschäftsführer Brückner als ein eiskalter
Interessenvertreter, der alles unternimmt, um Kindern so früh wie
möglich den Weg zum Nikotin zu ebnen. EGK
19.000 Kubikmeter Frischluft für eine Zigarette!
Martin Junker, ehemaliger Doktorand an der Professur Umwelthygiene der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, stellte sich die Frage, ab welcher Konzentration Tabakrauch von Nichtrauchern wahrgenommen wird. Die Ergebnisse sind erstaunlich. Die ermittelte Geruchsschwelle für Tabakrauch liegt wesentlich tiefer als bisher angenommen. Als Testpersonen wurden 24 Nichtraucherinnen mit normalem Geruchsempfinden gewählt. Ausgehend von der ermittelten Geruchsschwelle berechnete Junker die benötigte Menge Frischluft, um eine Zigarette geruchlich zu neutralisieren. Pro gerauchte Zigarette müssten demzufolge 19.000 Kubikmeter frische Luft zugeführt werden. Bezogen auf die Haupthalle des Hauptgebäudes der ETH (ohne Nebenhöfe) würde dies bedeuten, dass bereits nach zwei gerauchten Zigaretten die Luft der gesamten Halle ausgetauscht werden müsste.
Die bloße Wahrnehmung von Tabakrauch bedeutet allerdings noch nicht zwingend negative Auswirkungen auf das Wohlbefinden. In einem weiteren Versuch konnte Junker jedoch zeigen, dass der Geruch die wichtigste Größe für die subjektive Beurteilung der Luftqualität darstellt. Das Experiment wurde in einer speziell eingerichteten Testkammer durchgeführt. Die Versuchspersonen wurden abwechselnd mit frischer Luft und mit unterschiedlichen Tabakrauch-Konzentrationen konfrontiert und mussten in jeder Phase des Experimentes ihr subjektives Wohlbefinden auf einem Fragebogen festhalten. Dabei zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen der Stärke des Geruchs und dem Wohlbefinden. Auch bezüglich Augen- und Nasenreizungen ließ sich ein Zusammenhang herleiten. Um unter der festgestellten Reizschwelle für Augen, Nase und Hals zu bleiben, müssten pro gerauchte Zigarette mindestens 3.000 Kubikmeter Frischluft zugeführt werden.
Die ermittelten Schwellenwerte haben große Auswirkungen auf die
geforderte Luftqualität in Räumen. Lüftungsmaßnahmen
alleine genügen nicht, um Nichtraucherinnen und Nichtraucher vor Passivrauch
zu schützen. Die notwendige Zufuhr von Frischluft würde insbesondere
in der Heizperiode einen gigantischen Energieaufwand mit sich bringen.
"Es gibt keine wirksame Lösung, um die Nichtraucher vor Passivrauch
zu schützen, außer der physischen Trennung", erklärt Prof.
Theodor Koller vom Institut für Hygiene und Arbeitsphysiologie.
Web-Zeitung der ETH Zürich, 28.3.01
Änderung der Arbeitsstättenverordnung zum Jahreswechsel?
Bis Redaktionsschluss konnte die NID nicht sicher ermitteln, wann die
Bundesregierung den Nichtraucherschutzparagraphen 3a in die Arbeitsstättenverordnung
einfügt. Daher forderte die NID Bundesarbeitsminister Walter Riester
auf dafür zu sorgen, dass die Änderung der Arbeitsstättenverordnung
spätestens zum Jahreswechsel in Kraft tritt.
Unter den etwa 179.000 Frauen und 168.00 Männern, die im Jahr 1998
erstmals an Krebs erkrankten, befinden sich 36.827 Personen mit Lungenkrebs.
Wegen der früher deutlich geringeren Zahl der Raucherinnen liegen
die Männer bei den Lungenkrebserkrankungen mit 27.892 gegenüber
8.935 bei den Frauen weit vorn. Letztere haben dafür eine mit dem
Rauchverhalten korrelierende Steigerung zu "bieten". Neun von zehn Bronchialkarzinomen,
wie der Lungenkrebs im Fachjargon genannt wird, sind auf das Rauchen zurückzuführen.
Auch bei anderen Krebsarten spielt das Rauchen eine Rolle, insbesondere
bei Krebsen der Atemstraße (Mundhöhle, Rachen, Kehlkopf) und
des Verdauungsbereichs (Magen, Darm) sowie der Blase. LZG Info 5/6 2001
Tabakqualm ist ein Eizell-Killer
Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital in Boston bewiesen
biochemisch, dass Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs zum Tod von Eizellen
führen. Dadurch verringert sich auch ihre Zahl und damit auch die
Chance einer Schwangerschaft (Nature Genetics, Bd. 28, S. 355, 2001). Als
Übeltäter identifizierten die Forscher so genannte polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), die im Tabakrauch, aber auch in Autoabgasen
vorkommen. Diese Stoffe treiben die Eizellen von Mäusen in den Selbstmord.
Sie aktivieren nämlich das Bax-Gen, das den programmierten Zelltod
auslöst. Um zu prüfen, ob diese Beobachtungen auf den Menschen
übertragbar sind, pflanzten die Wissenschaftler Mäusen menschliches
Eierstockgewebe unter die Haut. Injizierten sie den Tieren die Schadstoffe,
stieg daraufhin die Zahl degenerierter Eizellen in dem Gewebe stark an.
Der Verlust von Eizellen könnte auch erklären, warum Raucherinnen
früher als Nichtraucherinnen in die Wechseljahre kommen, vermuten
die Wissenschaftler. Süddeutsche Zeitung, 24.7.01
Tabakrauch verursacht Baby-Koliken
Raucht eine werdende Mutter während der Schwangerschaft munter
weiter, erhöht sich das Risiko, dass der Nachwuchs seine Eltern nach
der Geburt gehörig nervt. Denn Babys von Müttern, die bis zur
Geburt weitergeraucht hatten, leiden anschließend doppelt so oft
unter Koliken als andere Säuglinge, berichten dänische Wissenschaftlicher
im Fachblatt Pediatrics. An ihrer Studie nahmen 1.820 Mütter teil,
die während der 16. und 30. Schwangerschaftswoche sowie acht Monate
nach der Entbindung Fragen bezüglich ihrer Rauch- und anderer Lebensgewohnheiten
sowie des sozialen Umfelds beantwortet hatten. Insgesamt litten 10,8 Prozent
aller Kinder unter Koliken.
Berliner Morgenpost, 18.8.01
|
raucht weder während der Schwangerschaft noch nach der Geburt! |
Depressiven fällt Nikotinentzug schwer
Die Einnahme eines Antidepressivums kann beim Nikotinentzug helfen,
besonders bei jenen Rauchern, die zu Depressionen neigen. Dies schließen
US-Forscher um Alexander Glassmann vom New York State Psychiatric Institute
aus dem Ergebnis ihrer Untersuchung, an der hundert Personen teilnahmen,
die mehr als zwanzig Zigaretten am Tag rauchten und die an einem Entwöhnungsprogramm
teilnehmen wollten. Alle hatten zuvor schon einmal unter schweren Depressionen
gelitten. Diese Probanden erhielten während des Entzugsprogramms ein
Antidepressivum mit dem Wirkstoff Sertralin oder ein Scheinmedikament.
Berliner Zeitung, 27.6.01
"Flüssige Zigarette" soll bei Nikotinentzug helfen
Rauchern soll demnächst eine Art "flüssige Zigarette" bei
der Entwöhnung helfen. Amerikanische Forscher vom Medizinischen Zentrum
der Duke University in Raleigh (North Carolina) haben einen Nikotindrink
entwickelt, der einfach in andere Getränke gemixt werden kann. Studienteilnehmer
hatten Konzentrationen von 2,5 bis 10 Milligramm pro Drink getestet. Drei
Milligramm der Lösung entsprechen etwa einer Zigarette. Wie Studienleiter
Erin Westman berichtet, soll der neue Drink wirksamer als die bislang verfügbaren
Nikotinersatzpräparate sein und zudem weniger Nebenwirkungen haben.
Einziger Nachteil: Der Nikotindrink schmeckt ein bisschen nach Aschenbecher.
In andere Getränke gerührt, soll dies jedoch nicht mehr zu schmecken
sein. Die Forscher suchen nun nach einem Pharma-Hersteller, der das patentierte
Produkt in klinischen Studien testet. Berliner Morgenpost, 4.8.01
Kräuterzigaretten nicht empfehlenswert
Es hört sich sehr verlockend an: Rauchen, um sich das Rauchen abzugewöhnen.
Die NTB Kräuterretten der Firma Arko Pharma, die es in der Apotheke
gibt, sollen es möglich machen. Statt Tabak und Nikotin enthalten
sie eine Kräutermischung aus Haselnuss, Papaya, Eukalyptus und Menthol.
Die ist zwar pestizidfrei, wie das vom ÖKO-TEST-Magazin beauftragte
Labor feststellte. Doch Teer wird beim Rauchen dennoch durch das Kondensat
des Zigarettenpapiers freigesetzt. Aber nicht nur den teerhaltigen Rauch
beurteilt der Arzneimittelexperte Prof. Gerd Glaeske kritisch. Die enthaltenen
Kräuterextrakte seien nicht geeignet, eine Nikotinentwöhnung
oder gar eine Abhängigkeit auszugleichen. Als Entwöhnungshilfe
sind die NTB Kräuterretten damit nicht empfehlenswert.
ÖKO-TEST 8/01
Passivrauchen schwächt Herz bereits nach 30 Minuten
Das unfreiwillige Inhalieren von Tabakqualm hat dramatische Auswirkungen auf den Blutfluss im Herzen. Eine halbe Stunde genügt, um wichtige Zellen vorübergehend zu schädigen, hat eine Wissenschaftlergruppe der Universität Osaka/Japan herausgefunden.
Eine ganze Reihe von Untersuchungen haben ergeben, dass anhaltendes Einatmen von Tabakrauch das Risiko eines Nichtrauchers, an einer Herzerkrankung zu sterben, um etwa 30 Prozent erhöht. Dass jedoch schon 30 Minuten Passivrauchen die Blutzirkulation im Herzen beeinflusst, war bisher höchstens vermutet worden. Das Team um Ryo Otsuka von der Universität Osaka hatte 30 japanische Männer im Alter von durchschnittlich 27 Jahren untersucht. Die eine Hälfte der Gruppe bestand aus gesunden Nichtrauchern, die andere aus Rauchern ohne Symptome einer Herzkrankheit. Um Passivrauchen zu simulieren, mussten die Testpersonen für 30 Minuten Tabakschwaden einatmen.
Vor und nach der Qualmphase studierten die Wissenschaftler mit einem speziellen Ultraschallverfahren das Herz und die umliegenden Gefäße der Freiwilligen. Auf diese Weise ließ sich die so genannte koronare Flussgeschwindigkeitsreserve (CFVR) bestimmen. Dieser Wert gibt Aufschluss über den Zustand der endothelialen Zellen, die Herzkammern und Blutgefäße auskleiden.
Wenn sie gesund sind, tragen diese Zellen zur Weitung der Gefäße bei und unterstützen so die Blutzirkulation. Ist dagegen ihre Funktion beeinträchtigt, können sich die Gefäße verengen. Dadurch erhöht sich das Risiko, an Arteriosklerose oder anderen Herzleiden zu erkranken, die im schlimmsten Fall zu einem tödlichen Infarkt führen.
Bei Nichtrauchern lagen die CFVR-Werte zunächst deutlich höher.
Doch das änderte sich nach dem Inhalieren dramatisch: "Unsere Daten
zeigten, dass die CFVR-Werte bei Nichtrauchern durch das vorübergehende
Passivrauchen abrupt gesenkt wurden, während die Werte bei aktiven
Rauchern unbeeinflusst blieben", berichteten die Forscher in der Fachzeitschrift
Journal of the American Medical Association. Dies sei ein "direkter Nachweis
für die schädigende Wirkung des Passivrauchens auf die koronare
Zirkulation bei Nichtrauchern."
www.spiegel.de/wissenschaft/0,1518,146897,00.html
Zahlen aus dem Jahrbuch Sucht 2001
Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren e.V. gibt jährlich ein Jahrbuch Sucht heraus. Der neuesten Ausgabe hat Gerhard Sensenschmidt die folgenden Daten entnommen:
Die Raucheranteile bei Jugendlichen sind seit 1995 kräftig angestiegen: in den alten Bundesländern um 10 bis 13 Prozent, in den neuen um 18 bis 26 Prozent (die höheren Zahlen betreffen weibliche Raucher).
Auch bei Erwachsenen im Osten Deutschlands ist ein erhebliches Anwachsen der Zahl rauchender Frauen festzustellen, bei erwachsenen Männern dagegen ein leichter Rückgang der Raucheranteile.
Der Zigarettenverbrauch erhöhte sich in den letzten sechs Jahren um 13 Prozent. Bei Zigarren und Zigarillos hat sich nach jahrzehntelangem kontinuierlichem Rückgang der Konsum in den letzten sechs Jahren verdoppelt.
Die Einnahmen aus der Tabaksteuer in diesen sechs Jahren (1994 - 1999) sind um 17 Prozent gestiegen auf 22,8 Milliarden DM. Der Mehrbetrag von rund 1,2 Milliarden DM im Jahr 1999 ist etwa doppelt so hoch wie der des Vorjahres 1998.
Die Ausgaben der Verbraucher für Tabakwaren haben sich um 23 Prozent auf 41,2 Milliarden DM erhöht. Jugendliche gaben im Jahr 1999 4 Milliarden DM für Tabakwaren aus.
1999 wurden in Deutschland 145 Milliarden Zigaretten verbraucht (besser: geraucht). Das sind 7 Milliarden mehr als im Vorjahr; dies bedeutet einen Anstieg um 5 Prozent. Der Anstieg seit 1993 beträgt 13,4 Prozent.
Der Zigarettenvertrieb verteilt sich auf 37 Prozent im Lebensmittelhandel (meist Supermärkte), 29 Prozent aus Automaten, 17 Prozent in Tankstellen, nur 5 Prozent im Fachhandel und 12 Prozent im "Nebenhandel" (Kioske, Drogeriemärkte ...).
1999 waren nach dem Mikrozensus 76,5 Prozent der Bevölkerung (einschließlich Kinder und Säuglinge) Nichtraucher: 71,4 Prozent der männlichen und 81,4 Prozent der weiblichen Bevölkerung.
70 bis 80 Prozent der Raucher sind nikotinabhängig (8 bis 9 Millionen Männer und 5 bis 6 Millionen Frauen). Zum Vergleich: 250.0000 bis 300.000 Konsumenten harter Drogen, 270.000 regelmäßige Cannabiskonsumenten und rund 1,7 Millionen Alkoholabhängige.
Aktuelle Ergänzung: Der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes
vom 19. Juli 2001 ist zu entnehmen, dass im zweiten Vierteljahr 2001 35,7
Milliarden Zigaretten versteuert wurden, das sind 1,6 Prozent weniger als
im gleichen Zeitraum 2000. Bei den Zigarren und Zigarillos gab es dagegen
einen weiteren Anstieg um 9,5 Prozent auf nunmehr 698 Millionen Stück.
Morgenzigarette im Bett ist nicht grob fahrlässig
Das Rauchen im Bett ist oft genug Ursache von Bränden. Denn die Gefahr, dass der Raucher dabei einschläft und die leise vor sich hin glimmende Zigarette unbemerkt Bettzeug und Wohnung in Flammen setzt, ist riesengroß. Häufig weitet sich der Brand auf das ganze Haus aus und führt zum Tod vieler Menschen. Das Landgericht Düsseldorf hat, wie der NID erst jetzt bekannt wurde, unter Aktenzeichen 24 U 77/98 entschieden, dass eine Morgenzigarette anders zu bewerten sei als die vor dem nächtlichen Schlaf.
Eine Raucherin aus Neuss hatte sich morgens vor dem Aufstehen noch im Bett eine Zigarette angesteckt. Ein Teil der Glut fiel dann - ohne dass sie es merkte - auf das Bettzeug. Nachdem die Verkäuferin aufgestanden war und das Haus verlassen hatte, setzte die weiter glimmende Asche zuerst das Bett und dann die ganze Wohnung in Brand. Die Versicherung stellte sich später auf den Standpunkt, die Frau habe für den Schaden aufzukommen, da sie den Brand grob fahrlässig verursacht habe.
Die Richter vom Landgericht Düsseldorf sahen den Fall jedoch anders.
Rauchen im Bett sei nicht immer als grob fahrlässig einzustufen. Es
komme auf die Situation an. Wer sich abends im Zustand der Übermüdung
eine "Einschlafzigarette" anstecke, verletze tatsächlich seine Sorgfaltspflicht,
da die Gefahr, beim Rauchen einzuschlummern, sehr groß sei. In der
"Morgenzigarette" vor dem Aufstehen sei dagegen nicht unbedingt eine Pflichtverletzung
zu sehen, da kein hohes Einschlaf-Risiko bestehe.
Das neue Blatt, 18.7.001
Kommentar: Die Meinung der Richter geht völlig an der Realität
vorbei. Denn wer mit Gegenständen hantiert, die so brandgefährlich
sind wie Zigaretten, hat auch dafür zu sorgen, dass kein Schaden entstehen
kann, ganz egal, ob am Abend, nachts, am frühen Morgen oder tagsüber.
Wie viel Unheil die Glut von Zigaretten auslösen kann, ist fast tagtäglich
in den Zeitungen zu lesen. Verwunderlich ist daher, dass sich die Versicherung
mit der Entscheidung in erster Instanz zufrieden gegeben hat. EGK
Zigarettenschmuggler erhält fünf Jahre
Ein Spediteur aus Zug ist vom Rostocker Landgericht wegen Zigarettenschmuggels
zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und neun Monaten verurteilt worden.
Der 35-jährige Schweizer hatte zwischen September 1999 und Juni 2000
mehr als 40 Lieferungen mit insgesamt 172 Millionen Schmuggelzigaretten
transportiert. Die Ware stammte aus Lettland und war als Torf deklariert.
Der Angeklagte und Mitarbeiter seiner Firma brachten die Zigaretten dann
entweder in ein Zwischenlager in Butzbach in Hessen, in die Niederlande
oder in die Schweiz. Dem deutschen Staat entgingen insgesamt 31 Millionen
Mark an Steuern. Der Spediteur war Teil einer international tätigen
Schmugglerorganisation, die von der Schweiz aus operiert.
Neue Züricher Zeitung, 11.7.01
EU scheitert mit Milliardenklage in den USA
Die Europäische Union hat in ihren Bemühungen, den Zigarettenschmuggel zu bekämpfen, eine Niederlage einstecken müssen. Nach dem Urteil eines US-Bundesrichters in New York hat sie keinen Anspruch auf Schadensersatz von den Tabakkonzernen Philip Morris und Reynolds. Die EU habe keine direkte Auswirkung auf den Gemeinschaftshaushalt nachweisen können, begründete der Richter sein Urteil. Zwar wird das Budget zum Teil aus den Zolleinnahmen finanziert. Die Gemeinschaftsinstitutionen haben jedoch keine volle Hoheit über die Einnahmen, weil grundsätzlich die EU-Länder für die Schließung von Haushaltslücken verantwortlich sind. Der EU-Haushalt, der derzeit etwa 90 Milliarden Euro (176 Milliarden DM) umfasst, wird im Wesentlichen durch Überweisungen der Mitgliedsstaaten finanziert. Die Einnahmen richten sich nach einem bestimmten Schlüssel, unter anderem der Wirtschaftskraft eines EU-Staates.
Zusätzlich zu Schadensersatzleistungen - die EU schätzt, dass ihr jährlich zwei Milliarden Euro an Einnahmen entgehen - sollten die Tabakkonzerne gerichtlich auch dazu verpflichtet werden, den Zigarettenschmuggel künftig zu verhindern. Dazu erklärte einer der beklagten Tabakkonzerne in einer Stellungnahme: "Der Schmuggel und die Fälschung von Zigaretten sind für Philip Morris eine ebenso große Sorge wie für die EU."
Diese Äußerung ist aber - so sieht es die NID - nur als scheinheilig zu bezeichnen, da es den Tabakkonzernen letztlich wohl gleichgültig ist, an wen sie ihre Zigaretten verkaufen. Ihr Gesamtabsatz erhöht sich durch Schmuggelzigaretten allein schon deshalb, weil die dem Staat zustehenden Tabaksteuern zwischen Schmugglern und Konsumenten aufgeteilt werden. Letztere können, weil die Schmuggelzigaretten in der Regel billiger sind, nun größere Mengen Zigaretten kaufen. Darüber hinaus liegen der EU schon etliche Beweise für eine aktive Beteiligung der Tabakkonzerne am Zigarettenschmuggel vor.
Trotz ihrer Niederlage will die EU- weiter gegen die Tabakkonzerne vorgehen:
"Betrugsbekämpfung und besonders der Kampf gegen den Zigarettenschmuggel
sind und bleiben unsere Prioritäten", erklärte die für den
EU-Haushalt zuständige Kommissarin Michaela Schreyer. Weser-Kurier,
19.7.01
Süddeutsche Zeitung, 19.7.01
EU will Tabaksubventionen streichen
EU-Verbraucherschutzkommissar David Byrne erklärte gegenüber
dem Focus, dass die Europäische Union die Subventionen für den
Tabakanbau auslaufen lassen wolle. Es sei inkonsequent, dass sich die EU
seit Jahren für ein weit gehendes Tabakwerbeverbot einsetzt, gleichzeitig
aber den Anbau von Tabak jährlich mit einer Milliarde Euro unterstützt.
Damit solle nun Schluss sein. Einen Zeitplan nannte Byrne jedoch nicht.
Tagesspiegel, 25.6.01
Japan: Dorf der Gesundheit und Langlebigkeit
Im Dorf Hukaura im Bezirk Aomori, ganz im Norden der Hauptinsel Hondschu, beschloss der Gemeinderat, alle öffentlich zugänglichen Automaten zu entfernen, die jugend- oder gesundheitsgefährdende Produkte wie Zigaretten und Spirituosen sowie erotische Bücher, Zeitschriften und Videokassetten feilboten. Gleichzeitig erklärte sich Hukaura zum "Dorf der Gesundheit und Langlebigkeit". Sogar der Bürgermeister Takayoshi Hirasawa, bis zu diesem Zeitpunkt selbst starker Raucher, stellte seinen Nikotinkonsum ein, um ein vorbildlicher Bürger zu werden.
Ferner beschloss der Gemeinderat, entwöhnungswilligen Rauchern die Hälfte der Kosten von Nikotinpflastern zu erstatten. Das Entfernen der Automaten rechtfertigte der Bürgermeister so: "Es gibt viele Jugendliche, die rauchen. Wenn wir die Verkaufsmaschinen abschaffen, verringern sich die Möglichkeiten, Zigaretten zu kaufen und zu rauchen. Außerdem müssen Menschen, die Zigaretten und Spirituosen im Laden kaufen, mit dem Verkäufer reden. Ein Gespräch zwischen Menschen fördert das Zusammenleben."
Die Besitzer von Automaten waren verständlicherweise gegen die Vorschläge des Bürgermeisters. Sie befürchteten starke Umsatzeinbußen. Auch der Tabakkonzern Japan Tobacco zog gegen den Automatenabbau zu Felde. Doch viele Japaner erklärten sich mit dem Bürgermeister und dem Gemeinderat solidarisch und unterstützten in zahlreichen Briefen die Abschaffung der Automaten. Sie bezeichneten Japan als ein fortschrittsfreudiges Land besonders beim Zigarettenkonsum. Nach offiziellen Statistiken rauchen beispielsweise "nur" 37 Prozent der männlichen und 16 Prozent der weiblichen Abiturienten.
Zum Jahrtausendwechsel initiierte die japanische Regierung das Projekt "Gesundes Japan 21". Mit ihm soll unter anderem auch der Anteil rauchender Jugendlicher deutlich gesenkt werden. Ob solche Initiativen Erfolg haben, ist zweifelhaft, zumal sich immer wieder Parlamentarier, die von Tabakfirmen finanziell unterstützt werden, hinter den Kulissen kontraproduktiv betätigen. Man benötigt mehr solcher mutigen Leute wie den Bürgermeister von Hukaura, um dem Einfluss der Zigarettenhersteller zu widerstehen.
Ob sich alles so entwickelt, wie es der Bürgermeister und der Gemeinderat
beschlossen haben, bleibt freilich zweifelhaft. Denn den Beschlüssen
fehlen die Sanktionsmöglichkeiten bei Verstößen. Ob Mahnungen
und die Veröffentlichung der "Sünder" ausreichen, den Willen
der gewählten Vertreter der Gemeinde Hukaura in die Praxis umzusetzen,
muss die Zukunft zeigen.
Yasuo Hori
Der Artikel erschien in der Juli-Ausgabe der Esperanto-Zeitschrift MONATO
(2001) und wurde ins Deutsche übersetzt von Astrid Hanke und nachbearbeitet
von Ikuko Koyama-Krause, beide NID-Mitglieder.
20 Jahre Nichtraucherbund Berlin e.V.
Zum 20-jährigem Jubiläum hatte der Nichtraucherbund Berlin seine und die Mitglieder der Nichtraucher-Initiative Brandenburg zu einer Dampferparty geladen. Ein "Kahn" (MS Charlottenhof) mit fröhlichen Leuten, mit Musik, Tanz und einem Trompeter, der unter den vielen Brücken sein Horn erschallen ließen, bewegte sich auf den Wasserstraßen rund um das schöne Potsdam.
Eigentlich nichts Besonderes, könnte man meinen. Und doch: Eine rauchfreie Dampferparty auf den Brandenburger und Berliner Havelseen ist nicht alltäglich. Rauchfrei über und unter Deck. Keine stinkenden Aschenbecher, essen und trinken in sauberer und frischer Luft, keine Belästigung durch Tabakqualm. Man konnte alles genüsslich auf sich wirken lassen: den Aufenthalt auf dem Schiff, den sanften Fahrtwind, das Umfeld und die herrliche Landschaft und viele mehr, was sich nicht so einfach in Worte fassen lässt. Das sind Freuden, die echte Lebensqualität beinhalten.
Zum Schluss das reizende Panorama mit den vielen Fahrgastschiffen der Weißen Flotte an der Anlegestelle Lange Brücke - ein buntes Bild, das sich einprägt und lange in guter Erinnerung bleiben wird. Mit diesen positiven Eindrücken ging es dann auf die Heimreise.
Der Hauptbahnhof Potsdam ist von der Straße nur schwer als Bahnhof zu erkennen. Man nimmt ihn eher Verkehrsknotenpunkt wahr, der eine Zugabe für die Supermärkte bildet. An dem sehr langen, schönen Bahnsteig gibt es weit und breit nur zwei Sitzbänke für jeweils vier Personen.
Rund 15 Minuten blieben mir noch bis zur Abfahrt - zu wenig zur Einkehr und zu viel, um im Stehen zu warten. Auf einer Sitzbank war noch ein Platz frei, die anderen Plätze waren mit sich langweilenden rauchenden Jugendlichen besetzt. Das konnte ich mir jedoch nicht antun - nicht nach der schönen rauchfreien Jubiläums-Dampferparty.
Helmut Batzke Vorsitzender der NI Brandenburg e.V.
Bahn testet in Bonn Rauchverbot auf dem Bahnhof
Den Hauptbahnhof Bonn hat sich die Deutsche Bahn AG für ein Pilotprojekt ausgewählt. Sie will drei Monate testen, ob ein Rauchverbot auf dem Bahnhof durchzusetzen ist. Geraucht werden darf nur noch in bestimmten gekennzeichneten Bereichen. Bei beharrlichem Verstoß gegen das Rauchverbot will die Bahn 30 Mark kassieren. Bahnchef Hartmut Mehdorn geht es dabei vor allem um saubere Bahnhöfe.
Kommentar: Die Deutsche Bahn AG ist auf dem richtigen Weg. Entscheidend
für den Erfolg wird jedoch sein, ob sie die Verstöße gegen
das Rauchverbot auch konsequent ahndet - damit Helmut Batzke den Aufenthalt
auf dem Potsdamer Bahnhof qualmfrei genießen kann. EGK
Es gaben alle sich viel Müh,
ob abends oder in der Früh,
uns rauchfrei zu bedienen.
Wir hatten vorher es gewagt
und deutlich unsern Wunsch gesagt -
sie hörten's ohne Grienen.
Das Essen, es war wirklich gut,
gesund und schmackhaft. Frohgemut
stets konnten wir dann starten
zu unsren Touren durch das Land,
wo immer sich viel Schönes fand,
wir mussten nie drauf warten.
In unsren Zimmern roch es auch
nicht unbedingt nach Tabakrauch,
man hatte gut gelüftet.
Doch stets, wenn Wäschewechsel war,
die Tücher rochen sonderbar,
die man uns neu gestiftet.
Uns war schnell klar, wonach es roch:
die Wäsche hatte vorher noch
in einem Raum gelegen,
in dem man rauchte öfter mal,
obwohl der Raum sehr klein und schmal
- das nennt man Wäsche pflegen ...
Und manchmal, wenn vom Personal
- wie waren viele dürr und fahl -
kam jemand in die Nähe,
dann roch es widerlich nach Rauch,
der hing wohl in den Kleidern auch
recht penetrant und zähe.
Dann einmal, in der Mittagsruh,
da kam gerade ich dazu,
wie sie Besprechung hielten:
fast das gesamte Personal,
und was dabei war sehr fatal:
sie rauchten wie die Wilden!
Da wusste gründlich ich Bescheid
und ich beschloss zur gleichen Zeit,
in Zukunft zu beachten:
Logier ich mich für länger ein,
dann sollt' das Haus ganz rauchfrei sein,
danach will stets ich trachten.
Das allerdings ist heut noch schwer,
Wo nimmt man solche Häuser her?
Man muss oft lange suchen.
Im Gastro-Heft der NID
ich einige verzeichnet seh,
dort sollte man auch buchen!
Gerhard Sensenschmidt,Kärnten, im Mai 2001
Gastronomieführer für Nichtraucher
für 5 DM (2,56 Euro)
bei der
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID)
Carl-von-Linde-Str. 11, 85716 Unterschleißheim
Telefon: 089/3171212 - Fax: 089/3174047 - nid@nichtraucherschutz.de
Bezahlung nach Zustellung der Broschüre
durch Überweisung des Betrages auf das NID-Postbank-Konto!
Raucheranteile und Rauchbeginn
Im Rahmen des Bundes-Gesundheitssurveys wurden 7.124 Männer und Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren unter anderem nach ihren Rauchgewohnheiten befragt. Danach rauchte im Jahr 1998 ein Drittel der Bevölkerung im Alter von 18 bis 79 Jahren, 37 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen. In den jüngsten Altersgruppen sind die Raucheranteile am höchsten: 49 Prozent der männlichen 18- bis 24-Jährigen und 44 Prozent der weiblichen rauchen.
Anteil der Raucher, die bis zum Alter von 20 Jahren mit dem Rauchen begonnen haben, in Prozent, 1998
Quelle: Junge, Burckhard: Das Rauchverhalten in Deutschland, in: Beiträge
1999/2000 - WHO-Partnerschaftsprojekt gegen Tabakabhängigkeit, Dezember
2000
Noch erschreckender aber ist, dass sich der Rauchbeginn auf immer jüngere Jahrgänge verlagert. Aus der Tabelle geht hervor, dass rund 95 Prozent aller gegenwärtigen Raucher unter 30 bis zum Alter von 20 Jahren mit dem Rauchen begonnen haben. Deutlicher als durch diese Zahlen kann man gar nicht zeigen, wie wichtig es ist, den Zugang Minderjähriger zur Zigarette zu beschränken. Dies ist ein bedeutsames Argument bei der jetzt anstehenden Änderung des Gesetzes zum Schutze der Jugend in der Öffentlichkeit.
In diesem Zusammenhang gilt es zu bedenken, dass auf ein Rauchverbot
für Minderjährige in der Öffentlichkeit verzichtet werden
kann, weil es in der Praxis nicht durchsetzbar ist. Selbst wenn jemand
so risikobereit wäre, einem großen 17-Jährigen die Zigarette
aus dem Mund bzw. der Hand zu nehmen: Eine solche Handlungsweise ist unrechtmäßig.
Ansprechpartner sind und bleiben die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten.
Viel wichtiger ist es, diejenigen zur Rechenschaft ziehen zu können,
die Minderjährigen Tabakwaren ausgehändigt haben.
23./24. November 2001
Forum Kinder-Umwelt und Gesundheit in München
Telefon 089/31603208, Fax 089/31603270
2. Februar 2002
Faschingsball in Wiesbaden
Telefon 06122/2194
13./14. April 2002
Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland
und
Informationsaustausch der Nichtraucher-Initiativen in Gerabronn
Telefon 089/3171212
20. bis 22. Juni 2002
3. Europäische Konferenz Rauchen oder Gesundheit in Warschau/Polen
Telefon ++4822/8319173, Fax ++4822/8319177
ecoth2002@mazurkas.com.pl - www.mazurkas.com.pl
Nicht 2 Millionen, aber immerhin 500.000
Der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit hatte berechnet, dass diejenigen, die über 50 Jahre hinweg den Gegenwert von einer Packung Zigaretten (5 DM täglich, jährlich 1.825 DM) anlegen, nach 50 Jahren über 2.124.133 DM verfügen. Die Rechnung stimmt, meint Prof. Walter Ernst, doch der Zinssatz von 10 Prozent sei viel zu hoch. Rechnet man mit realistischen 6,22 Prozent, also mit der durchschnittliche Entwicklung des DAX in den letzten 40 Jahren, käme man aber immerhin noch auf 510.157 DM. Das reicht in vielen Gegenden Deutschlands für ein Haus.
Wowereit verhängt Rauchverbot im Sitzungssaal des Senats
In Berlin wird im Oktober ein neuer Landtag (Abgeordnetenhaus) gewählt. Zumindest vom derzeitigen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) ist seit August bekannt, wie er zum Nichtraucherschutz steht. Im Sommermonat verhängte er nämlich ein Rauchverbot für den Sitzungssaal des Senats. Der Senat ist die Landesregierung Berlins. "Ich bin der Meinung, dass Rauchen der Konzentration abträglich ist", sagte er. Kultursenatorin Adrienne Goehler stellte daraufhin einen Aschenbecher auf den Rathausbalkon - für den Fall von Nikotinmangelerscheinungen. Zur Überraschung aller war jedoch Gabriele Schoetzler, die für Gesundheit zuständige Senatorin, die erste, die den Balkon während der Senatssitzung aufsuchte.
Als Eberhard Diepgen noch Regierender Bürgermeister war, gab es
kein Rauchverbot im Senats-Sitzungssaal. Diepgen rauchte Pfeife. Wie Frank
Steffel, der CDU-Kandidat für das Amt des Regierenden Bürgermeisters,
zum Nichtraucherschutz steht, konnte die NID bis Redaktionsschluss nicht
ermitteln.
Der Tagesspiegel online, 21.8.01