Nichtraucher-Info Nr. 45 - I/02

Januar 2002













Inhalt:

Anteil der Raucher bei den 12- bis 14-Jährigen seit 1995 verdreifacht
Einladung zur Mitgliederversammlung sm 24. April 2002 in Gerabronn
Riester: Änderung der ArbStVO im Mai
NRW-Initiative Nichtrauchen macht Spaß
Kölner  Stadtrat beschloss Sondernutzungsgebühr für Zigaretten-Automaten
Bundesregierung gegen Verbot der Produktion starker Zigaretten
Sachverständigenrat empfiehlt eine "Nationale Anti-Tabak-Kampagne"
Höhere Tabaksteuer 2002 und 2003
Nichtraucherschutz Thema für eine ökologische Partei
Gedicht: Zur seligen Weihnachtszeit
Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2002: Tabakfreier Sport
Kampagne Rauchfrei 2002: 10.000 Euro zu gewinnen!
Anforderung von Medien der NID
Glosse: Rauchende Vorbilder? "Eigengeprägte Raucherpersönlichkeiten bei DFB
Schreiben Sie dem (Ober-)Bürgermeister
Sonderangebot für NI-Mitglieder: Urlaub in der Schweiz
Die Lust, nicht zu rauchen
Günter Grass Pfeifenraucher 2001
Medienpreis 2001 an stern-Redakteure
Bahn macht ernst mit rauchfreien  Bahnhöfen
Bald keine Raucherabteile auf Regionalstrecken?
Rauchverbot im ICE gilt auch für Personal
Blauer Dunst im Bürgerbüro Neuss
Konstanzer Uni will durch Rauchverbot Geld sparen
AOK München schützt Nichtraucher
Rauchverbot in neuer Heilbronner Harmonie
Nichtraucherschutz an der Uni Augsburg:  Fachbereich Physik positiv, Fachbereich Pädagogik negativ
Unseriöse Raucherentwöhnung
Buch "Anstiftung zum Nichtrauchen"
Wer raucht, trinkt gern Alkohol und nimmt illegale Drogen
Neues Faltblatt mit 10 Tipps zur Raucherentwöhnung
EU: Mindeststeuersätze auf Tabaksteuern
USA: Richter reduziert Entschädigung für Raucher
USA: Tabakkonzerne werben weiter um Jugendliche
Südafrika: Geldstrafe und Haft bei Verstößen gegen Rauchverbot
Passivrauchen in der Kindheit erhöht Asthma-Risiko im Erwachsenenalter
Passivrauchen stört Herzfunktion
Raucher arbeiten ineffizienter
15 Jahre Nichtraucher-Initiative Wiesbaden
Warten in der Raucherglocke
400 Euro für einen Kippy
Berlin: Rauchverbot für U-Bahn-Zugführer
Charterflüge rauchhaltig
Tabak-Manager gesteht Dokumentenvernichtung
USA: Geldbuße, wenn Rauch in andere Wohnung dringt
George Harrison gestorben
 

Anteil der Raucher bei den 12- bis 14-Jährigen seit 1995 verdreifacht!

Eine katastrophale Entwicklung des Tabakkonsums bei Jugendlichen - nicht anders kann man die Ergebnisse einer bayerischen Studie zur Jugendgesundheit interpretieren, die der Staatsminister für Gesundheit und Verbraucherschutz, Eberhard Sinner, am 25. Oktober 2001 der Öffentlichkeit vorstellte. Lag der Anteil der Raucher bei den 12- bis 24-Jährigen 1995 noch bei 28 Prozent, liegt er im Jahr 2000 bei 35 Prozent. "Besorgnis erregend", so der Minister, "ist vor allem, dass immer jüngere Menschen zur Zigarette greifen. So habe sich der Anteil der Raucher bei den 12- bis 14-Jährigen innerhalb von fünf Jahren verdreifacht.

Während 1995 55 Prozent der Jugendlichen vor dem 16. Lebensjahr mit dem Rauchen begonnen haben, sind es jetzt fast zwei Drittel. Dies ist vor allem auf den sprunghaften Anstieg bei denjenigen zurückzuführen, die im Alter von 12 bis 13 Jahren das Rauchen angefangen haben (1995: 15 Prozent, 2000: 23 Prozent). Junge Menschen, die noch zur Schule gehen oder auf einer Hochschule studieren, rauchen seltener ( 25 bzw. 34 Prozent) als die in einer beruflichen Ausbildung stehenden (47 Prozent). Dabei ist das Rauchverhalten deutlich schichtabhängig. Arbeiter rauchen wesentlich häufiger (52 Prozent) als Angestellte (45 Prozent) und unter den Jugendlichen mit Hauptschulabschluss finden sich mehr Raucher (54 Prozent) als bei denjenigen mit mittlerer Reife oder Abitur (32 Prozent).

Befragt nach den Attributen des Rauchens, geben Raucher sehr häufig "Abbau von Nervosität und Stress", "Gemütlichkeit", "Ablenkung", "Geschmack" und "Befriedigung" an. Verglichen mit 1995 fällt besonders auf, dass die Reduktion von Stress als Argument an Bedeutung gewonnen hat. Im Vergleich zu 1995 gibt es eine verstärkte Zustimmung zu Aussagen wie Rauchen "ist in", "sieht cool aus" oder "ist Freiheit".

Die meisten Raucher schätzen ihr Verhalten als gesundheitsschädlich ein. Allerdings sehen sie - im Gegensatz zu früheren Erhebungen - das Rauchen mittlerweile als weniger wichtig für den Erhalt der persönlichen Gesundheit an. Für drei Viertel der Nichtraucher stellt das Rauchen eine eklige Angelegenheit dar.

Die Einschränkung von Zigarettenwerbung findet nach wie vor bei gut zwei Dritteln der jungen Menschen Zustimmung - obwohl nur 60 Prozent glauben, dass diese Werbung mitentscheidend für das Rauchen sei.

Die Studie belegt, dass Raucher weitaus häufiger mit anderen Rauchern zusammen sind als Nichtraucher. Während fast jeder Dritte der jungen Raucher sagt, dass die meisten seiner engeren Freunde und Bekannten ebenfalls rauchen, trifft dies bei den Nichtrauchern "nur" auf jeden Fünften zu. Raucher fühlen sich - so eine der Schlussfolgerungen - häufiger einsam und suchen deshalb eher die Nähe anderer Menschen als Nichtraucher.

Jugendliche, die sich durch die schulischen Anforderungen belastet fühlen, greifen signifikant häufiger zur Zigarette. Bei den 15- bis 17-Jährigen dieser Gruppe liegt die Raucherrate knapp 15 Prozentpunkte über dem Durch schnitt der Gleichaltrigen. 36 Prozent der Schüler, die einmal eine Klasse wiederholt haben, rauchen, bei den anderen Schülern sind es 21 Prozent. Von den durchgefallenen Schülern konsumieren außerdem 21 Prozent illegale Drogen, 23 Prozent trinken regelmäßig Alkohol und 7 Prozent nehmen regelmäßig Medikamente ein.

Jugendliche, die ihre Eltern schätzen, sich von ihnen geachtet fühlen, sind weniger anfällig für Rauchen, Alkoholkonsum und illegale Drogen. Hingegen wirken sich mangelndes Verständnis, Stress und Konflikte zu Hause negativ auf das Gesundheitsverhalten aus.

Lassen die Eltern ihre Kinder nicht selbständig werden, wenden sie sich verstärkt Gruppen von Gleichaltrigen oder Älteren zu und übernehmen häufig deren riskante Verhaltensweisen wie den Konsum von Drogen.

Schlussfolgerung: Verbot der Tabakwerbung und der Zigarettenautomaten!

Die starke Zunahme der jugendlichen Raucher müsste eigentlich jeden verantwortungsvollen Politiker aufschrecken und ihn bewegen, alles Erdenkliche zu tun, um den Trend umzukehren. Dazu gehören die Beschränkung des Verkaufs von Tabakwaren auf Volljährige und ein völliges Verbot der Tabakwerbung in der Öffentlichkeit. Wer jetzt nicht konsequent handelt, lädt künftigen Generationen die fatalen Folgen auf: ein Heer von kranken Rauchern, die letztlich von gesunden Nichtrauchern (mit)versorgt werden müssen. Das mindert nicht nur die (nationale) volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sondern beeinträchtigt auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit - was offensichtlich noch vielen Unternehmern noch nicht bewusst ist.

Erfreulicherweise zieht der bayerische Gesundheitsminister Eberhard Sinner die richtige Schlussfolgerung und befürwortet eine "weitere Beschränkung der Tabakwerbung". Außerdem fordert er dazu auf, über ein Verbot der Zigarettenautomaten "nachzudenken". Da beides in die Kompetenz der Bundesregierung bzw. des Bundestages fällt, ist sein Appell wohl eher als einer an die eigene Partei zu verstehen, da die CSU und die von ihr geführte Staatsregierung bisher zu den Bremsern sowohl beim Nichtraucherschutz als auch beim Tabakwerbeverbot gehörten. Aber das muss ja nicht so bleiben.

Werbespot von Philip Morris als Tabakwerbung eingestuft

Zu begrüßen ist auch die Stellungnahme des bayerischen Gesundheitsministers zum Kino-Werbespot von Philip Morris. "Der diesem Vorgang zugrunde liegende Werbespot stellt Werbung für Tabakerzeugnisse dar, da über die Angabe der Internet-Adresse die Verbindung zu einem Tabakkonzern hergestellt wird. Dadurch macht dieser Konzern auf seine Produkte aufmerksam, auch wenn er sie nicht explizit darstellt oder nennt... Die Erkenntnis der Urheberschaft des Werbespots kann dazu führen, dass die vordergründig verfolgte Absicht, nämlich Jugendliche vom Rauchen abzuhalten, verfehlt wird."

Be smart. Don't start. und Klasse 2000 wirkungslos?

Obwohl sich auch in Bayern sehr viele Jugendliche an dem seit mehreren Jahren laufenden europäischen Wettbewerb "Be smart. Don't start." beteiligt haben und das Projekt Klasse 2000 an etlichen Schulen zum Einsatz gekommen ist, scheinen beide Maßnahmen zumindest bisher keine durchschlagenden positiven Auswirkungen auf das Nichtrauchverhalten der Minderjährigen gehabt zu haben. Wer täglich einer Vielzahl von Verführungen ausgesetzt ist, z.B. durch rauchende Eltern, rauchende Filmstars, unbeschränkten Zugang zur Zigarette, zur Tabakwerbung usw., hat es schwer, stark dem Glimmstängel fern zu bleiben.
 

Mitgliederversammlung am 13. April 2002 in Gerabronn

Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland findet
am 13. April 2002 um 14 Uhr in der rauchfreien Pension Seiffer in Gerabronn statt. Am Tag darauf treffen sich die Nichtraucher-Initiativen zu ihrem traditionellen Informations- und Erfahrungsaustausch von 9 bis 13 Uhr am selben Ort.

Tagesordnung
1. Bericht des Vorstands
2. Bericht der Rechnungsprüfer
3. Diskussion und Entlastung des Vorstands
4. Wahl des Vorstands
5. Wahl der Rechnungsprüfer
6. Euro-Mitgliedsbeiträge
7. Verschiedenes

An geeigneter Stelle wird NID-Mitglied Gerhard Sensenschmidt einige seiner Gedichte zu den verschiedenen Aspekten des Rauchens und des Nichtraucherschutzes vortragen. Dr. Thomas Stüven, Apotheker und Vorsitzender des Aktionskreises Stuttgarter Nichtraucher, berichtet über "Raucherentwöhnung heute".

Wie in den vergangenen Jahren erstattet die NID den Teilnehmern die Hälfte des Preises für die Bahnfahrt oder die Hälfte der vom Finanzamt festgesetzten PKW-Kilometerpauschale.


 

Riester: Änderung der ArbStVO im Mai 2002

In seiner Antwort auf eine schriftliche Anfrage des CDU-Bundestagsabgeordneten Werner Lensing teilt Bundesarbeitsminister Walter Riester mit, dass dem Bundestagsbeschluss vom 31. Mai 2001 "so schnell wie möglich entsprochen" wird. "Ich beabsichtige, den vom Parlament empfohlenen Wortlaut zur Änderung der Arbeitsstättenverordnung im Rahmen der 'Verordnung zur Rechtsvereinbarung im Bereich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, der Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes' umzusetzen. Der Entwurf befindet sich gegenwärtig in der Ressortabstimmung. Die Verordnung wird voraussichtlich im Mai 2002 in Kraft treten."
 

NRW-Initiative Nichtrauchen macht Spaß

Bei der zehnten Landeskonferenz verständigten sich Vertreter von Ärzten, Krankenkassen und der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf zwei Initiativen: eine zum Impfen gegen Masern, Mumps und Röteln und eine mit dem Motto "Nichtrauchen macht Spaß". Mit dem zweiten Projekt sollen nach den Worten von Gesundheitsministerin Birgit Fischer vor allem Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Schichten angesprochen werden. Westf. Nachrichten, 19.1.01

Kölner Stadtrat beschloss Sondernutzungsgebühr für Zigarettenautomaten

Auch wenn die Sondernutzungsgebühr für alle Automaten gilt: Zahlenmäßig trifft der Beschluss des Kölner Stadtrats vor allem die Zigarettenautomaten. Allgemein gilt nun, dass für alle Automaten, die bis zu 30 Zentimeter in den Straßenraum hineinragen, pro Jahr vom Betreiber 30 Mark zu zahlen sind. Nehmen die Automaten noch mehr Platz in Anspruch wird laut Satzung eine monatliche Gebühr von 11,50 bzw. 12,50 Mark erhoben. Kein Wunder also, dass der Bundesverband Deutscher Tabakwarenhändler und Automatenaufsteller dagegen - erfolglos - protestierten.
Kölner Stadt-Anzeiger, 13.9.01

Ein Wermutstropfen trotzdem: Die Sondernutzungsgebühr füllt die Stadtkasse und erhöht den Widerstand gegen die Abschaffung der Zigarettenautomaten. EGK
 

Bundesregierung gegen Verbot der Produktion starker Zigaretten

Auf die Bitte Niedersachsens klagt die Bundesregierung vor dem EU-Gerichtshof gegen die EU-Tabakprodukt-Richtlinie. Begründung: Ein Verbot der Herstellung starker Zigaretten auch für den Export in Länder außerhalb der EU würde Arbeitsplätze gefährden. Wie viele Menschen durch ein Ausfuhrverbot für diese Zigaretten vor Krankheit, Siechtum und vorzeitigem Tod bewahrt werden, blieb unerwähnt.
 

Sachverständigenrat empfiehlt eine "Nationale Anti-Tabak-Kampagne"

Der Sachverständigenrat des Bundesgesundheitsministeriums hat sich nachdrücklich für einen Neuanfang in der "Anti-Tabak-Politik" ausgesprochen und der Bundesregierung empfohlen, eine "Nationale Anti-Tabak-Kampagne" zu starten. Eine wirksame Strategie müsste dabei drei Ziele verfolgen:

1. Nichtrauchen und rauchfreie Räume zum Normalfall werden zu lassen und damit das Tabakrauchen, nicht aber rauchende Menschen, gesellschaftlich zu marginalisieren;
2. den Einstieg in den Konsum zu verhindern. Dies betrifft insbesondere Jugendliche, da der Einstieg in der Regel im Jugendalter stattfindet;
3. den Ausstieg bzw. die Konsumreduktion zu erleichtern. Dazu bedarf es flächendeckend leicht erreichbarer und zielgruppenspezifischer Angebote für alle Raucher.

Der erste Schritt zur Ingangsetzung eines solchen anspruchsvollen gesundheitspolitischen Projektes - so der Sachverständigenrat - sei ein klares Bekenntnis der Bundesregierung sowie der Landesregierungen mit selbstverpflichtendem Charakter. Auf dieser Basis dürfte es möglich sein, die relevanten Akteure, das sind Repräsentanten des Bildungswesens einschließlich der Volkshochschulen, der Sport- und sonstigen Freizeitvereine, der Krankenversorgung und Rehabilitation, der Wohlfahrts- und Jugendverbände, der Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, der Sozialversicherungen und der Kirchen, für eine solche Politik und damit relativ kurzfristig für eine "Nationale Anti-Tabak-Kampagne" zu gewinnen.

Die strategischen Ziel sollen durch eine Reihe von Maßnahmen erreicht werden, die mit den Forderungen der NID weit gehend übereinstimmen. Dazu gehören u.a. die Beschränkung des Tabakwarenverkaufs auf Volljährige, ein Verbot öffentlicher Tabakwerbung und des Sponsorings sowie der wirksame Schutz der Nichtraucher an allen öffentlich zugänglichen Orten, damit Rauchen buchstäblich zum Ausnahmefall wird. Ob die Hoffnung berechtigt ist, dass nicht nur die Gesundheitsministerien, sondern auch die Regierungen in Bund und Ländern das Sachverständigen-Gutachten beherzigen, wird sich spätestens im kommenden Jahr zeigen.

Mitglieder des Sachverständigenrates für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen sind:

• Prof. Dr. med. Friedrich Wilhelm Schwarz, Medizinische Hochschule Hannover
• Prof. Dr. rer. pol. Eberhard Wille, Universität Mannheim
• Prof. Dr. med. Gisela C. Fischer, Medizinische Hochschule Hannover
• Prof. Dr. phil. Adelheid Kuhlmey, Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel
• Prof. Dr. med. Dr. sc. Karl W. Lauterbach, Universität Köln
• Prof. Dr. rer. pol. Rolf Rosenbrock, Wissenschaftszentrum für Sozialforschung, Berlin
• Prof. Dr. med. Dr. med. h.c. Peter C. Scriba, Medizinische Klinik, München
 

Höhere Tabaksteuer 2002 und 2003

Um Anti-Terror-Maßnahmen zu finanzieren, wird - neben der Versicherungssteuer - die Tabaksteuer in zwei Schritten zum 1. Januar 2002 und 1. Januar 2003 um jeweils einen Cent (rund 2 Pfennige) pro Zigarette erhöht. Ursprünglich wollte der Finanzminister die Tabaksteuer um 2 Cent auf einen Schlag heraufsetzen. Dann meldete sich die Automatenindustrie zu Wort und verkündete, dass die Umstellung aller Zigarettenautomaten auf einen Packungspreis von 3,50 Euro bis zum vorgesehenen Termin nicht durchzuführen sei und frühestens am 1. April 2002 abgeschlossen werden könne. Die Tabakindustrie argumentierte zusätzlich, dass der Termin 1. Januar 2002 nur einzuhalten sei, wenn die Erhöhung in zwei Schritten erfolge. Durch Verringerung der Stückzahl könne der Packungspreis bei 3 Euro bleiben. Auf diesen Preis (6 DM) seien bereits viele Automaten eingestellt.

Das entscheidende Argument für eine Erhöhung der Tabaksteuer in zwei Schritten aber ist die Erkenntnis, dass dadurch die Nikotinkonsumenten leichter bei der Stange gehalten werden können. Bei einer geringfügigeren Heraufsetzung des Preises vermindert sich nämlich das "Risiko", dass verschreckte Raucher ernsthaft versuchen könnten, sich aus ihrer Nikotinabhängigkeit zu befreien. Der Finanzminister, der auch an einer langfristig sprudelnden Steuerquelle interessiert ist, konnte sich diesem Argument nicht verschließen.
 

Nichtraucherschutz Thema für eine ökologische Partei

Dr. Bernd Köppl, früher gesundheitspolitischer Sprecher der bündnisgrünen Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, fragt in der kommunalpolitischen Zeitschrift AKP 6/2001: Warum ist Nichtraucherschutz eigentlich kein Thema für eine ökologische Partei? Und er gibt auch gleich die Antwort: "Nichtraucherschutz ist ein klassisches Thema für eine ökologische Partei, denn es geht um die Reinheit der Atemluft vor giftigen und krebserregenden Schadstoffen, die oftmals im Innenraum alle Grenzwerte übersteigen, die die Grünen so gerne gegenüber der Industrie durchfechten wollen". Bisher habe sich zumindest auf Länderebene außer der Berliner keine Grüne Fraktion dieses Themas angenommen und eigene Initiativen dazu gestartet. "Damit verschenken die Grünen ein Thema, das in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird und mit dem außerhalb von politischen Lagern BürgerInnen überzeugt werden können."

Bisher sieht es nicht danach aus, dass Köppls Worte ernst genommen werden. Aber das kann sich ja ändern. Unabhängig davon ist es wichtig, dass alle politisch aktiven NI-Mitglieder jede Gelegenheit wahrnehmen, das Thema Nichtraucherschutz innerhalb ihrer Partei immer wieder auf die Tagesordnung zu setzen. Nur beharrliches Wirken kann den Widerstand uneinsichtiger Raucher brechen.
 

Zur seligen Weihnachtszeit

Wenn sich das Jahr zum Ende neigt,
sich immer das Bedürfnis zeigt,
im frohen Kreise der Kollegen
Gemeinschaftsgeist und -sinn zu pflegen,
Dazu gehört ein gutes Essen,
ein guter Wein - nicht zu vergessen -
und für die Raucher schließlich auch
ein kräftiger Tabak und viel Rauch.
Denn sonst fehlt die Gemütlichkeit,
die man sich wünscht in dieser Zeit.

Der Chef von seiner neuen Pfeife
entfernt Geschenkpapier und Schleife.
Er stopft den Pfeifenkopf ganz sacht
voll Tabak, während stolz er lacht.
Das Streichholz halten schon bereit
vier, fünf Getreue längre Zeit.
Nun ist's so weit: der Chef tief zieht,
die ersten Tabakwolken sieht
man steigen in den Feierraum,
in dem schon brennt der Weihnachtsbaum.

Für andre Raucher das Signal,
nun auch zu paffen in den Saal.
Doch man erkennt und staunt dabei:
Es sind ja nur noch weitre drei,
die zu den Rauchern sich bekennen;
als große Mehrzahl muss man nennen
die Gruppe derer, die noch nie
dem Tabak frönten oder die
das Rauchen haben aufgegeben,
um besser, länger auch zu leben.

Doch so viel Mut würd' keiner fassen,
um sich nicht vollrauchen zu lassen.
So dürfen also die vier rauchen,
so viel sie wollen, und verbrauchen
dabei den Sauerstoff im Raum.
Bald steht im Dunst der Tannenbaum.
Jedoch man trinkt, man singt und lacht,
und auf die Luft gibt man kaum Acht.
Diejenigen, die drunter leiden,
sie wagen nicht, zu geh'n beizeiten ...

Man kommt nach Haus dann,
stinkt nach Rauch;
die Frau riecht es - die Kinder auch.
Sie schreit: "Es stinkt im ganzen Haus!
Zieh die Klamotten ganz schnell aus!
Häng alles auf auf dem Balkon,
dass der Gestank sich macht davon!
Die Unterwäsch' in die Maschine,
du selber in die Duschkabine! -
Wo ihr gefeiert, welche Luft:
das Gegenteil von Weihnachtsduft!
Ihr seid doch nicht mehr ganz gescheit:
Das nennt ihr selige Weihnachtszeit?!"

Gerhard Sensenschmidt,
Dezember 1999


 
 

Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2002: Tabakfreier Sport

Den diesjährigen Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2002 widmet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem tabakfreien Sport: Tobacco Free Sports - Play it clean. Dabei geht es der WHO weniger darum darzutun, dass Sport und Rauchen nichts miteinander zu tun haben, sondern eher um den Einfluss, den die Tabakindustrie in vielen Ländern der Welt auf den Sport ausübt. Mit den Worten "Play it clean" fordert die WHO dazu auf, die Verbindung zwischen Tabakindustrie und Sport zu kappen.

Warum die Tabakindustrie sich im Sport engagiert, zeigt ein internes Dokument des Tabakkonzerns R.J. Reynolds (u.a. Camel): "We're in the cigarette business. We're not in the sports business. We use sports as an avenue for advertising our products." (Wir sind im Zigarettengeschäft. Wir sind nicht im Sportgeschäft. Wir benutzen den Sport als Straße zur Werbung für unsere Produkte.) Da sowohl die Teilnehmer als auch die Zuschauer bei sportlichen Ereignissen mehrheitlich der jüngeren Generation angehören, ist die Tabakwerbung sehr effektiv. 1996 sponserte BAT den Indian World Cup Cricket. Eine Untersuchung zeigte wenig später einen Anstieg des Tabakkonsums unter den Teenagern in Indien. Eine vergleichbare Wirkung hat die Tabakwerbung bei Autorennen (Formel 1).

Das deutsche Motto stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.
 

Kampagne Rauchfrei 2002: 10.000 Euro zu gewinnen!

Unterstützt vom Bundesministerium für Gesundheit und von der WHO startet am 13. Februar 2002 (Aschermittwoch) die Kampagne Rauchfrei 2002. Möglichst viele Raucherinnen und Raucher sollen dazu bewegt werden, mindestens einen Monat lang, d.h. im Mai, nicht zu rauchen. Teilnahmekarten gibt es in allen Apotheken und vielen Arztpraxen, Krankenhäusern, Suchtberatungsstellen, Betrieben und auch bei den meisten Nichtraucher-Initiativen. Die Anmeldungen werden zentral im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKZF), dessen Stabsstelle Krebsprävention die Rauchfreikampagne koordiniert, gesammelt.

Teilnehmen können Raucher und Nichtraucher!

Erstmals werden in Deutschland je zwei nationale Preise für Erwachsene und für Jugendliche unter 18 Jahre in Höhe von je 2.500 Euro vergeben. Teilnehmen und gewinnen können sowohl Raucher als auch Nichtraucher, die ihnen dabei helfen. Durch einen Cotinin-Test wird vor Geldübergabe an die Gewinner festgestellt, ob sie tatsächlich einen Monat lang nicht geraucht haben.

Weitere Informationen:
DKFZ - Rauchfrei 2002
Im Neuenheimer Feld 280
69120 Heidelberg
( 06221/42-3007, ( 42-3020
Rauchfrei2002@dkfz.de
@ www.dkfz.de

Beispielhaft zeigt hier die Schloss-Apotheke, wie man das Schaufenster zum Welt-Nichtrauchertag - mehrere Wochen lang - gestalten kann. Damit noch mehr Apotheker in gleicher Weise handeln, sollten die Leser dieser Zeilen auch "ihre" Apotheke dazu anregen, den Welt-Nichtrauchertag und die Aktion Rauchfrei 2002 zum Anlass zu nehmen, ihr Schaufenster themengerecht zu dekorieren. Material gibt es beim DKFZ, bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (( 0228/ 8992-0, ( 8992-257), bei den Krankenkassen und nicht zuletzt auch bei der NID. Dem Umsatz dienlich ist es zudem, wenn die Apotheken Raucherentwöhnungsprodukte anbieten. Deren Hersteller sind gern bereit, mit Displays und anderen Werbemitteln den Verkauf zu fördern.

Schild an einem Restaurant in Kanada:
 

Anforderung von Medien der NID

Bitte stellen Sie mir folgende Medien kostenlos zur Verfügung:
(A = Aufkleber | B = Broschüre | K = Postkarte | P = Poster | T = Tischaufsteller)

A Nichtraucher - Na klar! (rund, Papier + PVC)
___ St. 4 cm Papier ___ St. 9 cm PVC ___ St. 20 cm PVC

A Nichtraucherschutz - Na klar (rund, Papier + PVC)
___ St. 4 cm Papier ___ St. 9 cm PVC ___ St. 20 cm PVC

A Marlboro: Gestank von Abhängigkeit und Langeweile (Papier)
___ St. 4 x 5 cm ___ St. 5 x 7 cm ___ St. 7 x 10 cm

A Marlboro, weil ich ein Rindvieh bin (Papier)
___ St. 5 x 7 cm ___ St. 7 x 10 cm

A ___ Raucher stinken - vor sich hin und in sich hinein! (Papier, 5 x 3 cm)

A Raucher stinken - Auch die Raucher empfinden ... (Papier)
___ St. 7 x 5 cm ___ St. 10 x 7 cm

A ___ St. Nicht mal ein Esel geht meilenweit für eine Zigarette (Papier, 9 x 9 cm)

A ___ St. Rauchen macht impotent (Papier, 7 x 10 cm)

A ___ St. Gestank-Genießer (Papier, 7 x 10 cm)

A Rauchverbotsaufkleber (rund oder rechteckig, PVC, max. 1 Stück kostenlos!)
___ St. 4 cm ___ St. 9 cm ___ St. 20 cm
___ St. 4 x 3 cm ___ St. 8 x 6 cm ___ St. 12 x 9 cm

A Rauchverbotsaufkleber mit Text "Bitte haben Sie Verständnis..." (w.o.)
___ St. 9 x 10,5 cm ___ St. 20 x 23 cm

A Rauchfrei aufwachsen! (Papier, 4 x 9 cm)
___ St. gelb ___ St. blau

T Reserviert für Nichtraucher (Karton)
___ St. 10 x 5 cm ___ St. 17 x 7 cm

K+P Passivrauchen macht krank
K ___ St. (A6) P ___ St. (A3)

K+P Raucher- und Nichtraucher-Lunge mit Text "Würden Sie auch dann noch rauchen, ..."
K ___ St. (A6) P ___ St. (A3) P ___ St. (A2)

P ___ St. Raucher- und Nichtraucher-Lunge bei Operation (A4, max. 1 Stück)

B ___ St. Rauchfrei aufwachsen! (A6, 32 Seiten)

B ___ St. Informationen rund um den Nichtraucherschutz (A5, 16 Seiten, ab Febr. 2002)

B ___ St. Nichtraucher-Info - aktuelle Ausgabe

Zustellung an: Name: ______________________________________________
Straße: ______________________________________________
Postleitzahl,Ort: ______________________________________________
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. - Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim

Die neuen Rauchverbotsaufkleber der NID:

Die NID kann aus Wettbewerbsgründen (die Aufkleber sind auch in Geschäften gegen Bezahlung erhältlich) nur einen Aufkleber pro Person kostenlos abgeben. Größere Mengen sind zu folgenden Preisen erhältlich:

1. Aufkleber mit Rauchverbotszeichen, rechteckig
ca. 4 x 3,5 cm 0,10 Euro/St.
ca. 8 x 6,5 cm 0,30 Euro/St.
ca. 12 x 9,5 cm 0,60 Euro/St.

2. Aufkleber mit Rauchverbotszeichen, rundgestanzt
ca. 4 cm 0,15 Euro/St.
ca. 9 cm 0,40 Euro/St.
ca. 20 cm 1,30 Euro/St.

3. Aufkleber mit rundem Rauchverbotszeichen und dem Text "Bitte haben Sie Verständnis. Passivrauchen ist gesundheitsschädlich.", rechteckig
ca. 9 x 10,5 cm 0,40 Euro/St.
ca. 20 x 23 cm 1,30 Euro/St.

Preise zuzüglich Porto. Mehrwertsteuer fällt nicht an.
 
 
Am besten wäre es, wenn nur die Bereiche gekennzeichnet werden müssten, wo geraucht werden darf.
Leider sind wir noch nicht überall so weit.

GLOSSE : Rauchende Vorbilder? "Eigengeprägte Raucherpersönlichkeiten" beim DFB

Es ist unbestritten, dass Rauchen und Höchstleistungssport wie Feuer und Wasser einander gegenüberstehen. Wer also zum Beispiel im Spitzenfußball ein Vorbild sein will (und eigentlich auch sein muss!), der raucht zumindest nicht in der Öffentlichkeit und erst recht nicht vor den Spielern, am besten natürlich überhaupt nicht. Das käme auch seiner eigenen Gesundheit (und Schönheit) zugute.

Als "GMV" (Gerhard Mayer-Vorfelder) DFB-Präsident wurde, war ich tatsächlich so naiv zu glauben, dass dieser Mann mit dem vom Tabakkonsum bereits gezeichneten Gesicht inzwischen Nichtraucher geworden sei - bis zu dem Länderspiel gegen die Ukraine in Kiew, wo ihn die Fernsehkamera mehrmals nervös Zigarette rauchend auf der Zuschauertribüne aufspürte. Das ist also nun unser Fußball-Oberster ... Genutzt haben übrigens die Zigaretten nichts: es blieb beim Unentschieden.

Anders bei Klaus Toppmöller, Trainer von Bayer Leverkusen. Er glaubt wirklich, wenn er auf der Trainerbank (!) raucht: pro Zigarette ein Tor. Und die Fernsehmoderation nimmt das noch in herzerfrischend unbefangener Fröhlichkeit auf und deklariert den zu viel gerauchten Giftstängel als "freiwillige Zugabe", worauf der Herr Trainer völlig arglos kontert: "Nein, nein, ich wollte noch ein Tor!" Was für ein Spaß im SPORTSTUDIO ... Aufwachen wird er wohl erst dann aus seinem lächerlichen Wahn, wenn einmal der Gegner seine Tore an der Zahl der gerauchten Toppmöller-Zigaretten bemisst (was eigentlich nichts als eine gerechte Strafe wäre!).

Alle diese Probleme hat einer nicht: Rudi Assauer, der Schalke-Manager. Bei ihm geht auch im Stadion (ja sogar auf dem Spielfeld!) die Zigarre nie aus; denn ehe es so weit ist, geht sie nahtlos in die nächste über - es gibt nichts zu zählen.

Da hebt sich "Kaiser" Franz Beckenbauer (demnächst vielleicht UEFA-Präsident) deutlich und souverän ab: er raucht nur "ab und zu" eine Zigarre, vor allem in würdiger Gesellschaft, aber dann nicht irgendeine: eine Davidoff muss es schon sein ...

Wir sehen: viele von den Oberen sind eigengeprägte Raucherpersönlichkeiten - beim DFB.

Gerhard Sensenschmidt
28. November 2001
 

Schreiben Sie dem (Ober-)Bürgermeister!

Den folgende Schriftwechsel der NID mit dem Stadtoberhaupt von Heilbronn sollten Sie, lieber Leser, zum Anlass nehmen, auch in Ihrer Stadt oder Gemeinde mehr Nichtraucherschutz in der Gastronomie anzuregen.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

von unserem Mitglied und Ihrem Mitbürger Heinz Nübel sind Sie darauf aufmerksam gemacht worden, dass es in Heilbronn für Nichtraucher keine Möglichkeit gibt, in einer Gaststätte qualmfrei zu speisen. Auf seine Bitte hin, dies zu ändern, haben Sie geantwortet, dass sich das wie in den USA von selbst regeln würde.

Ihre Worten ist zu entnehmen, dass Sie die Entwicklung in der USA falsch einschätzen. Denn genauso wie in anderen Ländern mit wirksamem Nichtraucherschutz in der Gastronomie haben auch dort die Wirte nicht von selbst auf Kundenbedürfnisse reagiert, sondern sind vom Gesetz- bzw. Verordnungsgeber, darunter auch die Kommunen, mit gezielten Vorschriften dazu gezwungen worden.

Das mangelnde Eigeninteresse der Gastwirte ist wohl vor allem darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Nikotiniker in der Gastronomie erheblich über ihrem durchschnittlichen Anteil in der Gesamtbevölkerung Bevölkerung liegt. Von daher ist es kein Wunder, dass das Verständnis für die Belange der Nichtraucher in der Gastronomie unterentwickelt ist. Das jedenfalls belegen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes für Deutschland.

Uns ist sehr wohl bekannt, dass die Kommunen hierzulande keine gesetzgeberischen Kompetenzen haben. Aber wie wäre es mit einem Aufruf an die Gastwirte von Ihrer Seite aus? Wie wäre es mit einem Wettbewerb um das beste nichtraucherfreundliche Angebot? Wie wäre es mit einer besonderen Werbung im Rahmen des Heilbronner Marketings? Wie wäre es mit einem familienfreundlichen Engagement des Oberbürgermeisters für Gaststätten, in denen Eltern mit ihren Kindern vor dem gesundheitsschädlichen Tabakqualm geschützt sind?

Sie sehen: Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten. Packen Sie es an!

Die Antwort des Oberbürgermeisters:

... Anfragen des Amts für öffentliche Ordnung bei der Heilbronn Marketing GmbH sowie beim Hotel- und Gaststättenverband Baden-Württemberg e.V. (HGV-BW) ergaben, dass für Heilbronn bisher keine Zahlen über nichtraucherfreundliche Gaststätten vorliegen. Der HGV-BW wird nun auf Anregung des Amts für öffentliche Ordnung eine Umfrage starten, um auch für Heilbronn einen Überblick über rauchfreie Gastronomiebetriebe bzw. Gaststätten mit rauchfreien Zonen zu erhalten. Hierfür wird das Amt für öffentliche Ordnung die Anlagen*) Ihres Schreibens an die Geschäftsstelle des HGB-BW in Heilbronn zur Information weiterleiten.

*) Empfehlungen der NID für die Einrichtung rauchfreier Räumlichkeiten in der Gastronomie
 

Sonderangebot für NI-Mitglieder

Wanderwoche in der Schweiz - Walliser Höhenwege 2002 - vom 8. Juli bis 13. Juli 2002

mit Unterkunft im


(für Infos siehe auch www.graechen.ch/stutz)

Preis pro Person im Doppel- oder Einzelzimmer: EUR 340,-

Leistungen: Hotelunterkunft mit Halbpension, 3 geführte Höhenweg-Wanderungen, Ausflug nach Saas Fee oder Zermatt,
Bergbahnen/Lunch

Anmeldung: Nichtraucher-Hotel Stutz
Schmidji 463 - CH-3925 Grächen
Tel ++41 / 27 / 956 36 57
Fax ++41 / 27 / 956 36 58
E-Mail hotel.stutz@smile.ch
Anmeldung bis 31. Mai 2002
Teilnehmerzahl beschränkt
 

Die Lust, nicht zu rauchen

Die Lust, mal rein gar nichts zu tun, sich hinzulümmeln und die Seele baumeln zu lassen, lässt sich ohne Schwierigkeiten nachempfinden. Schön, nicht wahr? Die Lust, nicht zu rauchen - das nachzuvollziehen ist schon etwas schwieriger. Warum? In beiden Fällen geht es doch darum, etwas nicht zu tun.

Beim Nichtstun erleben wir Entspannung nach ermüdender Anspannung. Es macht Lust, zu erleben, wie sich Körper und Geist erholen.

Wenn sich ein Raucher dazu entschließt, dauerhaft auf Tabakkonsum zu verzichten, erholen sich Körper und Geist ebenfalls. Doch dieser Wiederherstellungsvorgang geht zunächst mit Abstinenzbeschwerden einher, die alles andere als Lust aufkommen lassen. Die Genugtuung über den Sieg gegen sich selbst und ein besseres Wohlbefinden kommen erst später. Beim Anblick von Rauchern erleben dann viele ehemalige Raucher die Lust auf ihr neues Leben in Freiheit ohne den lästigen Zwang, rauchen zu müssen. Wie aber ist denen die Lust auf Nichtrauchen nahe zu bringen, die noch keine Erfahrungen mit den Tücken der Tabakabhängigkeit haben?

Von Kindern und Jugendlichen wird das "Nicht" vor dem Rauchen häufig und gern im Sinne von "nicht dürfen", sich "nicht trauen" oder "nicht können" verstanden, als eine Schranke, die es zu überwinden gilt. Der Nichtraucher gilt ebenso wie ein Nichtschwimmer oder ein Nichttänzer als ein Typ "dem man noch etwas beibringen muss".

Im Selbstverständnis des Heranwachsenden erscheint der Begriff "Nichtrauchen" häufig als "Noch-nicht-Rauchen". Rauchen wird als ein Erfahrungsbereich gesehen, der irgendwann im Leben vielleicht doch einmal wichtig wird, ebenso wie etwa die Beziehung zum anderen Geschlecht. Der Begriff "Nichtrauchen" lässt das Rauchen als normale, allgemein übliche Verhaltensweise erscheinen, während das "Nicht" für etwas von der Regel Abweichendes zu stehen scheint. Denken wir nur an den "Nicht-Wähler".

Der Begriff belastet

Warum gibt es für "Nichtrauchen" keinen positiven Begriff? Muss das, was wir für normal ansehen, über ein von Natur aus abnormes Verhalten definiert werden?

Die gängige Terminologie ist durchaus dazu in der Lage, aus dem Nichtraucher gedanklich einen Außenseiter und aus der Nichtraucherzone ein Reservat für Exoten zu machen. Hinter dem Sprachgebrauch steckt eine Haltung der Gesellschaft, die das Rauchen überall und jederzeit als normal im wirtschaftlichen Zusammenhang sogar als wünschenswert ausgibt.

Wie sieht der Sprachgebrauch bei anderen Formen der Abhängigkeit aus? Das Gegenstück zum Tablettenabhängigen ist der normale, gesunde Mensch, der ohne Medikamente auskommt. Niemand spricht vom Nichttablettenkonsumenten, obwohl dieser angesichts der großen Gruppe von
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Menschen, die auf eine ärztlich verordnete Medikamenteneinnahme angewiesen ist, schon eher eine Ausnahmerolle einnimmt. Dennoch wird Medikamentenkonsum als Abweichung vom Normalen angesehen. Der Gesunde braucht keine Medikamente.
Ein gesunder Mensch braucht kein Nikotin.

Das Pendant zum Raucher wäre folglich ein Mensch, der es nicht nötig hat, seine körperliche und geistige Verfassung mit Hilfe von Tabakrauch aufzupäppeln, der die Kraft dafür aus sich selbst hervorbringt.

Wir brauchen eineImage-Strategie!

Um den negativen Begriff für unser positives Anliegen zu überwinden, brauchen wir eine Image-Strategie zugunsten von Lebens- und Verhaltensweisen, bei denen Rauchen überflüssig und das "Nicht"-Rauchen demzufolge kein Thema mehr ist.

Diese Strategie sollte dazu anregen, sich ohne Scheu zu seinen Gefühlen zu bekennen und die positiven Eigenheiten der Persönlichkeit zur Geltung zu bringen. Hierbei ist das Rauchen nicht nur überflüssig, sondern schädlich, weil es beides verformen und beschädigen kann.

Mögliche Botschaften wären:

"Lieber Schmetterlinge im Bauch als Ruß in der Lunge"
oder
"Besser Schwung in den Knochen als Kalk in den Adern".

Die Lust, nicht zu rauchen, entpuppt sich dann als die Lust am unverfälschten Wahrnehmen der eigenen Befindlichkeiten und am erfolgreichen Probieren und Ausspielen der eigenen körperlichen und geistigen Möglichkeiten. Ich habe eben keine Lust dazu, mir und anderen etwas vorzumachen, indem ich mit der Zigarette mein Gefühlsleben manipuliere und nach außen hin den starken Max markiere. Raucher verscherzen sich oft die Sympathien ihrer Mitmenschen, nicht nur wegen der Zumutung für die anderen, den Tabakrauch mitzuschlucken. Sie sind auch in ihren Gefühlsäußerungen, in ihrer Körpersprache und in ihrem Verhalten nicht immer echt, weil sie das Rauchen dazu benutzen, sich anders zu fühlen, als ihnen zumute ist, und sich anders zu geben, als sie sind. Der Raucher gebraucht die Zigarette als ständig verfügbares Werkzeug, um mit den Widrigkeiten des Alltags fertig zu werden, um Langeweile zu verscheuchen, Stress abzubauen, Ärger zu dämpfen, Unsicherheit zu verbergen und anderes mehr.

Raucher wollen sich durch Rauchen anders fühlen, als ihnen zumute ist.

Wer nicht raucht, verfügt gewöhnlich über ein reicheres Inventar an Fähigkeiten, um mit seinen Gefühlen umzugehen und um seine Beziehungen zur Umwelt zu gestalten. Statt mit der Zigarette innere Leere auszufüllen oder die Zeit totzuschlagen, fällt ihm eher etwas Kreatives ein. So wie den erzgebirgischen Kunsthandwerkern, deren Holzfiguren uns jedes Jahr zur Weihnachtszeit erfreuen. Zwei Gattungen von Menschen haben die Künstler hölzerne Denkmale gesetzt: Die Wichtigtuer stehen als Nussknacker da: lang, großes Maul, bunt und nicht zu übersehen. Die Kleineren, das sind die Räuchermännchen. Sie verbreiten ihren Duft, um Beachtung zu finden.

Wer sich das Innenleben dieser Figuren schon einmal genauer angesehen hat, kann die Erfahrungen der Handwerker aus dem Erzgebirge bestätigen: "Nur wer innen hohl ist, kann auch richtig qualmen!"
Wolfgang Schwarz
 

Günter Grass Pfeifenraucher des Jahres 2001

Günter Grass ist eine Lichtgestalt, besonders dann, wenn er von der Flamme, mit der er den Tabak seiner Pfeife anzündet, beleuchtet wird. Ansonsten muss er schon sehr eitel sein - oder zunehmend schwach im Geiste. Denn was kann denn sonst einen Literatur-Nobelpreisträger dazu bewegen, sich für den eigenen Drogenkonsum auszeichnen zu lassen?

Es gibt etliche literarische Zeitgenossen, die wissen um ihre Nikotinabhängigkeit. Sich dafür einen Orden umhängen zu lassen, käme ihnen aber nie in den Sinn. Und als Reklamemännchen für ein Produkt, das sie selbst und viele andere Menschen um fruchtbare Jahre ihres Lebens bringt, wollen sie sich nicht missbrauchen lassen. Der eigene Glanz muss schon arg verblasst sein, wenn man bereit ist, sich zum Pfeifenkopf - Verzeihung - Pfeifenraucher des Jahres küren zu lassen.
EGK
 

Medienpreis 2001 an stern-Redakteure

Die Koalition gegen das Rauchen verlieh ihren Medienpreis 2001 am 5. November 2001 in Braunschweig den beiden stern-Redakteuren Jürgen Steinhoff und Thomas Osterkorn. Hier ein Auszug aus der Laudatio von Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum:

Am 16. März 2000 erschien der stern mit einem Editorial von Chefredakteur Thomas Osterkorn zu "Die legalen Dealer und die Droge Nikotin" sowie mit einem neunseitigen Artikel von Jürgen Steinhoff zum Thema "Und sie rauchen immer noch". Thomas Osterkorn hat als Chefredakteur des stern mit seinem Editorial deutlich zum Ausdruck gebracht, dass Raucher für ihn zumeist Süchtige sind, die als Droge Zigaretten benutzen. Im Gegensatz zu den Süchtigen, die illegale Drogen konsumieren, werden die Raucher jedoch anders behandelt, denn sie haben - so Osterkorn - eine mächtige Lobby als "Dealer": die Zigarettenindustrie. Und der Staat verdient mit über 20 Milliarden Mark Tabaksteuer an diesem Deal. Osterkorn macht allerdings klar: "Abhängigen muss man helfen, egal, ob sie süchtig sind nach Nikotin, Heroin oder Alkohol. Und genau dies versuchte das Magazin stern im Jahr 2000 mit Nachdruck und äußerst erfolgreich.

Zeitgleich mit dem Erscheinen der stern-Ausgabe vom 16. März 2000 startete der Journalist und Raucher Jürgen Steinhoff seinen Ausstieg aus der Nikotinabhängigkeit. Im Internet veröffentlichte er sein persönliches Ausstiegstagebuch, das er in den ersten fünfzig Tagen täglich führte.

Parallel zu diesem Tagebuch richtete der stern im Internet ein Forum ein mit inzwischen über 150.000 Beiträgen und bis zu 40.000 Zugriffen täglich. Dieses Forum kann als größte Selbsthilfegruppe ausstiegswilliger und ehemaliger Raucher bezeichnet werden. Nach über einem Jahr zog Jürgen Steinhoff im stern 17/2001 seine persönliche Bilanz: "Nichtraucher - endlich!".

Die Koalition gegen das Rauchen honoriert die Leistungen von Thomas Osterkorn und Jürgen Steinhoff, weil sie die Thematik "Tabakabhängigkeit - Sucht - Ausstiegsmotivation" sowie die Kritik an der Tabakindustrie einem Millionenpublikum von Lesern (6 Millionen) auf der Basis von gut recherchierten Fakten nahe gebracht haben. Hinzu kommt, dass sich Chefredakteur Thomas Osterkorn trotz zu erwartender wirtschaftlicher Nachteile für den stern (Verminderung der Anzeigen) kritisch mit dem Einfluss der Tabakindustrie auseinander gesetzt hat. Nur wenige Medienmacher haben dazu den Mut.


 

Bahn macht ernst mit rauchfreien Bahnhöfen

Mit dem erfolgreichen Pilotprojekt in Bonn begründet die Deutsche Bahn AG ihre Absicht, ab Juli 2002 in 63 großen Bahnhöfen Deutschlands das Rauchen bis auf weniger Raucherzonen zu beschränken. "Wir wollen weg von Gleisen, die wie Aschenbecher aussehen", hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn schon Mitte letzten Jahres entsprechende Schritte angekündigt. Auch wenn es der Bahn vor allem um die Reinigungskosten geht: die NID begrüßt den schon lange überfälligen Schritt. Was in vielen Flughäfen schon geschafft ist, müsste auch in den Bahnhöfen durchsetzbar sein - notfalls mit einer Reinigungsbuße für Verstöße.
 

Bald keine Raucherabteile auf Regionalstrecken?

Die Deutsche Bahn AG testet in Bayern erstmals den Einsatz von reinen Nichtraucher-Zügen im Regionalverkehr. Nach Abschluss des Pilotprojekts solle entschieden werden, ob das Modell auch auf andere Strecken übertragen wird, sagte ein Bahnsprecher. Auf der Strecke Landsberg am Lech nach Augsburg ist ein neuer Zugtyp im Einsatz, in dem sich Raucher- und Nichtraucherabteile nicht durch Türen trennen lassen.

"Raucher sind Schweine", wird der Lokführer Heinz König in einem ddp-Bericht zitiert. Und tatsächlich befinden sich in einem Raucherabteil der Regionalbahn RB 21517 auf einem halben Quadratmeter Linoleum zwischen Zweisitz und Vierergruppe sechs ausgetretene Kippen, ein paar Häufchen Asche und eine leere Getränkedose. Ganz anders dagegen im neuen VT 642: Das funkelnd rote Gefährt mit viel Glas ist so sauber wie die Wohnung einer Superhausfrau nach dem Frühjahrsputz. Keine Kippen, kein Müll, keine Mandarinenschalen. Hier hat Heinz König nichts zu kritisieren: "So sollte es immer sein."

Die Entscheidung der Bahn über rauchfreie Regionalzüge wird auch vom Ergebnis der Befragung der Fahrgäste durch das Meinungsforschungsinstitut Soziogramma abhängen. Den Angaben einiger Interviewer zufolge äußerten sich die meisten Fahrgäste durchwegs positiv zur rauchfreien Fahrt. Auch manche Raucher meinten, dass sie es eine Stunde gut auch ohne Zigaretten aushalten könnten.
Süddeutsche Zeitung, 8.10, 29.10., 30.11.01
 

Rauchverbot im ICE gilt auch für Personal

Einige Briefe und etliche Seiten Text wechselten zwischen Mitarbeitern des Kundendialogs Region Nord der Deutschen Bahn AG und der NID sowie ihrem Mitglied Peter Würdig hin und her. Dann kam die Mitteilung: "Das Rauchen in den durch entsprechende Piktogramme gekennzeichneten Nichtraucherbereichen ist weder unseren Mitarbeitern noch unseren Kunden gestattet. Ausgangspunkt für den Schriftwechsel war ein Fehlverhalten von Bahnmitarbeitern. Diese rauchten nämlich in einem Abteil eines Nichtraucherwagens. Das Belüftungssystem transportierte den Tabakrauch auch in alle anderen Abteile des Wagens. Peter Würdigs Protest blieb erfolglos.
 

Blauer Dunst im Bürgerbüro in Neuss

Eine Beglaubigung für die Bundesversicherungsanstalt für Angestellte brauchte Brigitte Bollongino. Dazu suchte sie im Neusser Rathaus das Bürgerbüro auf. Was sie dort empfing, war nichts als Tabakgestank in hoher Konzentration. Darüber beschwerte sie sich beim Bürgermeister Herbert Napp. Dieser schrieb ihr zurück:

"Mit Bedauern habe ich Ihrem Schreiben entnehmen müssen, dass Sie sich bei Ihrem Besuch im Rathaus der Stadt Neuss durch Nikotingestank belästigt fühlten.

Ich darf Ihnen versichern, dass mir und meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Zufriedenheit der Rathauskunden sehr am Herzen liegt. So hat die Stadtverwaltung bereits 1992 Regelungen zum Schutz der Nichtraucher eingeführt, in denen an die Vernunft der einzelnen Bediensteten appelliert und darum gebeten wird, das Rauchen in Räumen mit Besucherverkehr zu unterlassen. Das Nichtrauchergebot hat sich in der Vergangenheit gut bewährt. Dies schließt natürlich nicht vollkommen aus, dass im Einzelfall Belästigungen der Besucher, wie von Ihnen geschildert, auftreten können.

Ich bitte dabei jedoch zu beachten, dass die Stadtverwaltung bereits vor mehr als einem Jahr zur Schaffung einer höheren Kundenzufriedenheit eine durchgehende Sprechzeit für fast alle Dienststellen eingeführt hat. Diese Regelung bringt zwar viele Vorteile für die Besucher, jedoch auch Nachteile für die Raucher unter meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit sich, die über Stunden ohne Raucherpause für das Publikum tätig sind. Die Mitarbeiterin des Bürgeramtes, die Sie besucht haben, hat mir versichert, dass sie das Rauchen einstellt, sobald Publikum das Zimmer betritt. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie kurz vorher geraucht hat, ohne dass anschließend eine gründliche Lüftung erfolgte.

Ich werden den von Ihnen geschilderten Vorfall zum Anlass nehmen, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter besonders im Bereich des Bürgeramtes nochmals anzuweisen, die Bestimmungen zum Nichtraucherschutz strenger zu beachten und eine bessere Lüftung der Diensträume mit Publikumsverkehr vorzunehmen."

Mit dieser Einstellung zum Nichtraucherschutz macht sich der Bürgermeister lächerlich. Tabakgestank braucht viele Stunden, wenn nicht Tage, Wochen oder gar Monate, um aus einem Raum, in dem jeden Tag kräftig geraucht wird, restlos zu verschwinden. Da hilft keine kurzfristige Lüftung. Die einzige akzeptable Lösung ist ein spezieller Raum zum Rauchen oder ein Platz im Freien. Wer es zudem nur bei einem Appell an seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belassen will, geht die Sache nicht ernsthaft an. Es gibt keine "strengere Beachtung", es gibt nur den Fall einer Missachtung einer Anweisung. Und für den, der eine Anweisung missachtet, muss es dienst- bzw. arbeitsrechtliche Folgen haben. Sonst bleiben alle Worte nur in den Wind gesprochen. EGK
 

Konstanzer Uni will durch Rauchverbot Geld sparen

Mit Beschwerden beim Gesundheitsamt haben Konstanzer Studierende ein weit gehendes Rauchverbot an der Universität erzwungen. Rektor Gerhard von Graevenitz untersagte das Rauchen im großen Eingangsbereich der Uni, nachdem das Amt als zuständige untere Landesbehörde auf bestehende Vorschriften zum Nichtraucherschutz für Landesdienststellen hingewiesen hatte. Die Universität, die zunächst auf Strafen bei Verstoß gegen das Rauchverbot verzichten will, hofft nun, dass die neue Regelung auch ihrem Etat nützt. Bisher gab sie für das Aufsammeln der Kippen jedes Jahr 20.000 Mark aus. Dieses Geld will die Uni jetzt in Forschung und Lehre einsetzen. Süddeutsche Zeitung, 13.11.01
 

AOK München schützt Nichtraucher

Im Schreiben vom 8. Oktober 2001 teilt die Direktion München der AOK Bayern der NID mit, dass sie seit 1. Oktober in allen Geschäftsräumen ein "absolutes Rauchverbot" erlassen habe. Das Rauchen sei nur noch in gesondert ausgewiesenen Raucherzonen gestattet.
 

Rauchverbot in neuer Heilbronner Harmonie

Musikalische Ereignisse sind in der Neckarstadt jetzt auch rauchfrei zu genießen. In der neuen Heilbronner Harmonie wurde auch für das Foyer ein Rauchverbot verhängt.
Heilbronner Stimme, 15.10.01
 

Uni Augsburg: Fachbereich Physik positiv, Fachbereich Pädagogik negativ

Ein Student  beschreibt die Situation beim Nichtraucherschutz an der Universität Augsburg unterschiedlich. Danach ist der Fachbereich Pädagogik zwar offiziell als Nichtraucherzone ausgewiesen - wozu der Student eine ganze Menge beigetragen hat -, doch werde dies leider häufig ignoriert. Dagegen gebe es vom Fachbereich Physik Positives zu melden. Dort hatte er beim Sicherheitsingenieur per E-Mail angefragt, ob man nicht auf den Fluren Rauchverbotsschilder aufhängen könne. Zur Überraschung des Studenten dauerte es nicht lang, bis sein Wunsch erfüllt wurde. Und im Fachbereich Physik halten sich fast alle daran.

Der Student ist seit kurzem Mitglied der NID. Seine Begründung: "Ich sehe es zum einen als Dank für Ihre damals geleistete Hilfe (ohne dass Sie, Herr Krause, jemals eine Mitgliedschaft von mir gefordert hatten), zum anderen ist es selbstverständlich, dass ich die Aktivitäten der NID in jeder Hinsicht unterstütze."
 
 
Jahrbuch Sucht 2002
mit Zahlen und Fakten zum Tabakkonsum und anderen Suchtstoffen, Suchtformen und ihren Auswirkungen. Außerdem:
Konsumtrends und -verhalten.
Erschienen im Neuland-Verlag, 288 Seiten für 13,90 Euro.
Tel. 04152/81342  Fax 81343

Unseriöse Raucherentwöhnung

Seit über einem Jahr erscheinen vor allem in kostenlosen Anzeigenblättern halbseitige Inserate der "Deutschen Nichtraucher-Hilfe", in denen entwöhnungswilligen Rauchern versprochen wird, dass sie "in drei Stunden endlich Nichtraucher" sind, wenn sie die "ENDO-CHI"-Methode (eine Spezial-Ohrakupunktur) des Heilpraktikers Leonhard Kröning für 350 Mark und "ohne die sonst so gefürchteten Entzugserscheinungen" anwenden. Gepriesen wird die Methode als die "erfolgreichste", "beste", "bahnbrechendste" und "schnellste und erfolgreichste" Raucherentwöhnung. Wer die Realität kennt, weiß, dass diese Versprechungen nur dazu dienen, entwöhnungswillige Raucher zu ködern, um an ihnen zu verdienen.

Auch wenn die Anzeigen von der "Arbeitsgemeinschaft Deutsche Nichtraucher-Hilfe" aufgegeben werden: Dahinter stecken Leonhard Kröning und seine Lebensgefährtin Petra Landgraf. Gegen Kröning haben die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs und der Hersteller von Nikotinpflastern, Pharmacia & Upjohn, erfolgreich geklagt. Doch Kröning ignorierte die Gerichtsentscheidungen und zieht weiter durch die Lande. Die der NID vom Amtsgericht Kassel zugesprochene Bußzahlung blieb Kröning schuldig - angeblich wegen Zahlungsunfähigkeit.

Die Blätter, in denen Kröning seine Anzeigen platziert, werden hauptsächlich von Menschen mit geringerer Bildung und kleinerem Einkommen gelesen. Diese lassen sich leichter manipulieren. In Anzeigen im ersten Quartal 2001 bezeichnete er sich - um Eindruck zu erzielen - z.B. als "Dr. h. c. - USA" (in späteren Anzeigen fehlt dieser Titel). Ohne Skrupel verwendete er auch den Namen "Nichtraucher-Initiative e.V." als Befürworter seiner Methode. Vom Nichtraucherbund Berlin e.V. behauptet er sogar, dass dieser seine Raucherentwöhnungsmethode "aktiv" unterstütze. Wie das Landgericht Leipzig am 29. 8. 2001 feststellte, kann Leonhard Kröning keine Belege für den Erfolg seiner Raucherentwöhnungsmethode liefern, da er überhaupt keine Nachkontrolle durchführt.

Als sich einige interessierte Raucher bei der NID über die Seriosität von Krönings Methode erkundigten, wurde die NID auf Kröning und seine Werbemethode aufmerksam. Sie verlangte von ihm, entweder den Namen "Nichtraucher-Initiative e.V." nicht mehr zu gebrauchen oder den Verein - falls es ihn geben sollte - mit seinem Sitz aufzuführen. Im anderen Fall würde die NID eine Unterlassungsklage erheben. Auch wenn in Telefonanrufen immer wieder versichert wurde, dass eine Antwort in den nächsten Tagen kommen werde oder sogar schon unterwegs sei: alles Schwindel. Die NID-Drohung zeigte jedoch Wirkung: In späteren Anzeigen tauchte "Nichtraucher-Initiative e.V." nicht mehr auf.

Die NID fordert angesichts dieser Fakten ihre Mitglieder dazu auf, diese Informationen an alle interessierten Personen und Organisationen weiterzugeben, um der Manipulation Hilfe suchender Menschen entgegenzuwirken und zu verhindern, dass die NID bzw. die ihr angeschlossenen Nichtraucher-Initiativen in schlechten Ruf geraten.

Zum Erfolg der Entwöhnungsmethoden:

Die Erfolgsquoten der verschiedenen Raucherentwöhnungsmethoden unterscheiden sich höchstens am Anfang erheblich. Später, d.h. nach einem halben oder einem Jahr, nähern sie sich einander an. Dem unabhängigen Raucherentwöhnungs-Experten Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Stumpfe zufolge liegt die langfristige Erfolgsquote bei Rauchern, die von sich aus, d.h. ohne besondere Hilfe, aufhören wollen, bei 8 bis 10 Prozent. Höher sei die Quote nur bei intensiver Anwendung einer oder bei Kombination von zwei oder mehr Methoden. Nach einem Jahr rauchen dann noch bis zu 25 Prozent nicht mehr.
 

Buch: Anstiftung zum Nichtrauchen

Vom Vorsitzenden des Nichtraucher Freiburg e.V., Dr. med. Klaus Weiers-Croissant ist im Verlag für Medizin und Gesundheit der Medisan-Ratgeber "Anstiftung zum Nichtrauchen - Zündende Ideen, die Ihnen helfen" erschienen (ISBN 3-932977-07-6). Der Verfasser stellt verschiedene Raucherentwöhnungsmethoden vor und geht auch auf 16 der insgesamt 170 Seiten auf gesellschaftliche Bedingungen für das Rauchen ein. Am Ende des Buches findet der Leser die Anschriften von bundesweiten Organisationen, zu deren Aufgabenbereich auch die Raucherentwöhnung gehört.

Der 47-jährige Autor, Internist mit den Schwerpunkten Lungenheilkunde, Allergologie und Umweltmedizin, geht die Raucherentwöhnung vor allem vom Verstand her an. Sachlich schildert er die Vor-, teilweise auch die Nachteile der verschiedenen Methoden und gibt Hinweise, was bei der Anwendung zu beachten ist. Für die "Tage danach" erteilt er klare Handlungsanweisungen. Ungewöhnlich, vielleicht aber gerade deshalb hilfreich, ist das Kapitel über "Atemübungen, die Ihnen helfen" von Irmgard Haupt . Das Buch - mit einer Einführung durch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk - kostet im Handel 29,80 DM.
 

Wer raucht, trinkt gern Alkohol und nimmt illegale Drogen

Anil Batra und Gerhard Buchkremer von der Universität Tübingen stellen im Deutschen Ärzteblatt vom 5.10.01 ihre Untersuchungsergebnisse vor: "Alkohol- und Drogenabhängigkeit treten oft als kombinierte Störung auf, gehen aber noch häufiger mit einem abhängigen und starken Tabakkonsum einher. Tabak kann andererseits auch als Einstiegsdroge für den Konsum von Alkohol, Cannabis, Kokain und anderen illegalen Drogen angesehen werden. ... Zahlreiche Gründe sprechen dafür, künftig aus gesundheitlichen und suchttherapeutischen Überlegungen die Behandlung der Tabakabhängigkeit stärker in die therapeutischen Bemühungen mit einzubeziehen.
 

Neues Faltblatt mit 10 Tipps zur Raucherentwöhnung

Mehr als die Hälfte der Kinder lebt in Raucher-Haushalten. Zwar gibt es immer mehr rauchende Mütter, doch die Anzahl der Väter, die zum Glimmstängel greifen, ist noch deutlich höher. Aus diesem Grund ziert die erfreuliche Mitteilung "Papa raucht nicht mehr" das Faltblatt des WHO-Partnerschaftsprojektes Tabakabhängigkeit. Es kann unter ( 0228/9872716 bzw. ( 6420024 auch in größerer Stückzahl kostenlos angefordert werden. Wie man zum Nichtraucher wird, ist auf dem Faltblatt in 10 "qualitätsgesicherten Empfehlungen" festgehalten.

10 Tipps zur Raucherentwöhnung

1. Legen Sie ein Datum für Ihren Rauchstopp fest. Ab jetzt keine Zigaretten mehr! Entsorgen Sie Ihre Zigaretten, Aschenbecher, Feuerzeuge.

2. Sagen Sie Ihrer Familie, Ihren Freunden und Bekannten, dass Sie aufhören wollen - und bitten Sie um Unterstützung.

3. Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker nach medikamentösen Hilfen wie Nikotinpflaster und Nikotin-Kaugummis. Sie können sich damit die erste Zeit erleichtern.

4. Denken Sie positiv: jeder Tag ohne Zigarette zählt und ist Ihr Erfolg.

5. Keine Angst vor Gewichtszunahme: wer bewusst isst und auf fettreiche Kalorienbomben verzichtet, hat wenig zu befürchten.

6. Trinken Sie viel: am besten Wasser oder verdünnte Säfte. Essen Sie zwischendurch Obst und Gemüse!

7. Bewegen Sie sich: Sport hält fit und ist gut für die Linie. Außerdem macht's wieder Spaß - mit längerem Atem.

8. Meiden Sie zunächst Orte, die Sie mit Rauchen verbinden. Finden Sie Alternativen zu Ihren Rauchritualen.

9. Verzichten Sie unbedingt auf "die eine Zigarette ausnahmsweise": Rückfallgefahr!

10. Belohnen Sie sich für Ihren Erfolg: Wer nicht raucht, spart Geld! Erfüllen Sie sich damit kleine Extrawünsche oder freuen Sie sich auf eine volle Sparbüchse.
 

Europäische Union: Mindeststeuersätze auf Tabaksteuern

Um dem Zigarettenschmuggel in der EU einen Riegel vorzuschieben, haben sich die EU-Staaten auf gemeinsame Mindeststeuersätze auf Tabakprodukte geeinigt. Das bedeutet, dass die Tabaksteuer in Ländern, in denen die Steuersätze deutlich unter dem EU-Durchschnittsniveau liegen (Spanien, Griechenland, Italien, Portugal und Luxemburg), erhöht werden muss.
 

USA: Richter reduziert Entschädigung für Raucher

Statt drei Milliarden Dollar soll der Tabakkonzern Philip Morris dem krebskranken ehemaligen Raucher Richard Boeken noch 100 Millionen Dollar zahlen. Der heute 56-Jährige hatte im Alter von 13 Jahren mit dem Rauchen angefangen und 40 Jahre lang täglich zwei Schachteln Marlboro geraucht. Er argumentierte, Philip Morris habe in all diesen Jahren die Öffentlichkeit über die Risiken des Rauchens belogen.
Saarbrücker Zeitung, 11.8.01
 

USA: Tabakkonzerne werben weiter um Jugendliche

Trotz der Versuche, sich als geläuterte Sünder zu präsentieren, scheinen nicht alle Unternehmen ihre Praktiken geändert zu haben. Denn eine Untersuchung von Tabakwerbung, die in den amerikanischen Medien auf breites Interesse gestoßen ist, kam zu dem Ergebnis, dass die Tabakunternehmen ihre Werbung weiterhin auf Kinder und Jugendliche ausrichten. Eine im August im Fachblatt New England Journal of Medicine veröffentlichte Studie zeigt, dass die Tabakkonzerne Werbung in Magazinen platzieren, die sich an jugendliche Leser wenden - obwohl die Tabakindustrie 1998 versprochen hat, diese Zielgruppe bei der Werbung auszusparen.

Allein Philip Morris brach aus der Phalanx der Branche aus und zog die Werbung in 50 Publikationen zurück, die entweder über zwei Millionen Leser im Alter zwischen 12 und 17 Jahren haben oder deren Leserschaft zu mindestens 15 Prozent aus jungen Lesern besteht. Letztlich ist dies aber nur ein verschwindend kleiner Beitrag, da Kinder und Jugendliche an vielen anderen Orten mit Tabakwerbung konfrontiert werden. So werben zum Beispiel riesige "Camele" an Häuserfronten für die gesundheitsschädigende Verhaltensweise. FAZ, 23.8.01
 

Südafrika: Geldstrafe und Haft bei Verstößen gegen Rauchverbot

Wegen Rauchens in einem Gerichtsgebäude sind zwei Tabakkonsumenten zu einer Geldstrafe von umgerechnet etwa 30 Euro verurteilt worden. Da sie die Strafe nicht zahlen konnten, mussten sie für zwanzig Tage in Haft. Es ist die erste Verurteilung seit In-Kraft-Treten des Gesetzes, das das Rauchen in der Öffentlichkeit außerhalb von Raucherzonen verbietet. FAZ, 23.7.01
 

Passivrauchen in der Kindheit erhöht Asthma-Risiko im Erwachsenenalter

Eine schwedische Arbeitsgruppe von Lungenärzten und Arbeits-/Sozialmedizinern untersuchte an 6.489 Nichtrauchern, ob ein Zusammenhang zwischen der Exposition mit Tabakrauch in der Kindheit und dem Auftreten von Asthma im Erwachsenenalter besteht. Ihre Ergebnisse lassen keinen Zweifel an einem solchen Zusammenhang. Passivrauchen in der Kindheit erhöht das Risiko, als Erwachsener an Asthma zu erkranken, um 30 Prozent. Der Zusammenhang ist noch stärker bei denjenigen ausgeprägt, die keine familiäre Belastung für Asthma aufweisen. Waren diese als Kinder dem Tabakrauch ausgesetzt, so stieg ihr Asthma-Risiko später um annähernd 80 Prozent an.

Tabakrauch Hauptauslöser für Reizungen der unteren Lungenwege

Die Arbeitsgruppe untersuchte weiterhin, welche Bedeutung der Tabakrauch als Auslöser für die Reizung der unteren Lungenwege besitzt. Nach ihren Befunden liegt Tabakrauch mit 21 Prozent an der Spitze der möglichen Auslöser vor körperlicher Anstrengung bei Kälte (20 %), Staub (20 %), körperlicher Anstrengung (16 %), Parfüm (15 %), kalter Luft (12 %), Pollen (10 %) und Haustieren (8 %).
Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit 21-2001.
 

Passivrauchen stört Herzfunktion

Bei 16 Nichtrauchern im Alter von 21 bis 76 Jahren wurden kontinuierlich über acht Stunden hinweg die Herzschlagfrequenz und der Sauerstoffgehalt des Blutes gemessen. Ergebnis: Passivrauchen verändert nicht den Sauerstoffgehalt, hat jedoch einen negativen Einfluss auf die Variabilität des Herzschlags.
Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit 21-2001.
 

Raucher arbeiten ineffizienter

Rauchende Mitarbeiter verursachen für Arbeitgeber beträchtliche verborgene Kosten. Zu diesem Schluss kommt eine Studie zur Arbeitsleistung von je 100 Rauchern, Ex-Rauchern und Nichtrauchern, die an den Schaltern einer US-Fluggesellschaft tätig sind. Die rauchenden Angestellten waren im Jahr durchschnittlich 6 Tage krankgemeldet, die Ex-Raucher 4,5 Tage und die Nichtraucher 3,9 Tage. (Ähnliche Werte ermittelte auch das Statistische Bundesamt für Deutschland.)

Die Raucher schnitten auch bezüglich ihrer Arbeitseffizienz, die anhand des erzielten Umsatzes, der Dauer der Telefonate und der kurzzeitigen Abwesenheit vom Arbeitsplatz ermittelt wurde, schlechter ab als die Nichtraucher. Während sich die Arbeitsleistung im ersten Jahr nach einem Rauchstopp zunächst verringerte, stieg sie in den folgenden ein bis vier Jahren wieder über die Leistung der Raucher an. Die Autoren führen die geringere Arbeitseffizienz der Raucher auf deren schlechteren Gesundheitszustand und die häufigen Rauchpausen zurück.
Mitteilungen des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit 21-2001.
 

15 Jahre Nichtraucher-Initiative Wiesbaden

Eine der aktivsten Nichtraucher-Initiativen und mit 463 Mitgliedern die drittgrößte feierte am 18. November ihr 15-jähriges Jubiläum. Seit ihrer Gründung von Horst Keiser mit viel Einsatz und auch Erfolg geleitet, informiert und unterstützt sie vor allem die unter Passivrauchen leidenden Nichtraucher. Die vielen rauchfreien Tanzveranstaltungen, Kegelabende, Bus- und Schifffahrten, Stammtische usw. zeigen, dass das auch ganz praktisch geschieht. Für entwöhnungswillige Raucher hält die NIW das Venturi-Filter-System mit der stufenweisen Nikotinreduzierung innerhalb von vier Wochen bereit. Tausende Briefe an Behörden, Politiker und an die Presse sowie mehr als 200 Informationsstände belegen, dass die NIW dazu beigetragen hat, die Einstellung der Bevölkerung zum Recht auf Nichtraucherschutz zu verbessern. Die NID wünscht der NIW auch weiterhin viel Energie und Erfolg auf dem Weg zu einer rauchfreien Gesellschaft!


 

Warten in der Raucherglocke

Heute habe ich mal wieder im Regen gestanden. Freiwillig. Denn sie hat mich eiskalt erwischt: Die Bushaltestellen-Raucherglocke. Da kommt man am frühen Morgen gut gelaunt zu seiner Haltestelle. Die Luft ist klar gefiltert vom leichten Regenschleier - jeder Atemzug Sauerstoff pur. Haare und Haut duften nach Wellness-Dusche und Wildkräuter-Packung, die Bluse ist jungfräulich aprilfrisch. Doch dann nimmt der Regen zu, die Wartenden rücken eng zusammen unter das Dach des Wartehäuschens - und dann steckt sich jemand in der hinteren Reihe eine Zigarette an. Wie ein bleierner Schleier senkt sich der Qualm nieder, schließt einen wie unter einer Glocke ein. Und mit dem Frischegefühl (keine Stunde alt) ist es vorbei. Deshalb raus in den Regen. Denn wenn sich die Frische mittags in der Kantine verflüchtigt, ist das noch früh genug.
Claudia Sewig im Hamburger Abendblatt vom 29. November 2001
 

400 Euro für einen Kippy

Die Bremer Straßenbahn stattet zurzeit die Haltestellen in der Innenstadt mit speziellen Aschenbechern aus. Überdimensionale Zigaretten auf den Deckeln sollen klar machen, wofür die Behälter gedacht sind. Die Sparkasse Bremen unterstützt die Aufstellung und die regelmäßigen Entleerungen. Da die Stadt Bremen Eigentümer der Sparkasse ist, zahlen letztlich alle Bürger dafür, dass der Raucherdreck von den Haltestellen verschwindet. Besser wäre es, die Tabakindustrie für die Entsorgung der Raucherabfälle zahlen zu lassen, die sich das Geld wiederum von ihren Kunden holen kann.
Weser-Kurier, 21.11.01


 

Berlin: Rauchverbot für U-Bahn-Zugführer

Nach mehreren Bränden in der Berliner U-Bahn dürfen die Zugführer bei der Arbeit nicht mehr rauchen. Bisher wurde dies stillschweigend geduldet. Nach einem erneuten Brand in einer U-Bahn wurden damit Konsequenzen aus insgesamt drei Vorfällen in kurzer Zeit gezogen. Das strikte Rauchverbot ist mit der Personalvertretung abgesprochen. Es wird vermutet, dass mindestens ein Brand durch eine vom Zugführer aus dem Fenster geworfene Zigarettenkippe entstanden ist.
 

Charterflüge rauchhaltig

Dass die Linienflüge weltweit rauchfrei sind, ist erfreulich. Wer jedoch in Flugzeugen unterwegs ist, die von Reise-Unternehmen gechartert sind, kann unter Umständen ganz schön eingequalmt werden. So geschehen auf dem Rückflug der NI-Mitglieder Karl Naumann und Ursula Fölsing von Ägypten nach Deutschland. Zwar wurden sie ihrem Wunsch entsprechend in den Nichtraucherbereich eingeteilt, doch im Gegensatz zum Hinflug genau an der Grenze zum Raucherbereich. Kein Wunder also, dass der Flug kein Genuss, sondern eine Qual war. Um ihre Leiden zu mindern, richteten sie ihre eigenen Luftdüsen auf die Reihe hinter ihnen - was den dort sitzenden Rauchern allerdings nicht recht war. Doch hatten sie und auch die Flugbegleiter den entschieden auftretenden NI-Mitgliedern nichts entgegenzusetzen. Veranstalter der ansonsten sehr schönen Reise: Neckermann-Reisen.
 

Tabak-Manager gesteht Dokumentenvernichtung

Der frühere Tabak-Manager Ron Tully hat zugegeben, die Zerstörung von fast einer Million Dokumenten während seiner siebenjährigen Tätigkeit im Tobacco Information Centre in Auftrag gegeben zu haben. Es ging um Briefe, die der Regierung bei Klagen gegen die Tabakindustrie hätten helfen können. Die Dokumente hätten u.a. auch belegt, dass die Tabakindustrie mit Erpressung und Bestechung versucht hat, ihre Kritiker zum Schweigen zu bringen.
GLOBAlink Tobacco News, 7.12.01
 

USA: Geldbuße, wenn Rauch in andere Wohnung dringt

Im amerikanischen Bezirk Montgomery in der Nähe der amerikanischen Hauptstadt Washington droht von Februar 2002 an eine Geldbuße von bis zu 750 US-Dollar, wenn sich Wohnungsnachbarn durch Tabakrauch, der durch Fenster oder Türritzen zieht, belästigt fühlen. Das Rauchen in der eigenen Wohnung werde, so Bezirksabgeordnete, nicht verboten, sondern nur die Grenzüberschreitung von Tabakrauch. Der Raucher müsse dafür sorgen, dass seine "Tabak-Abgase" keine anderen Menschen beeinträchtigen
FAZ, 22.11.01
 

George Harrison gestorben

Der jüngste der vier Beatles, George Harrison, erlag im Alter von 58 Jahren einem Krebsleiden. Lange Zeit hatte er noch auf eine erfolgreiche Behandlung gehofft, doch der Lungenkrebs, eine Folge jahrelangen Rauchens, war zu weit fortgeschritten. "It reminds you that anything can happen" (Es erinnert dich daran, dass alles Mögliche passieren kann), waren seine Worte, als die Ärzte die Krankheit diagnostizierten. Hoffentlich nehmen sich viele junge Leute, insbesondere die Musiker jeglicher Richtung sein am Ende tragisches Schicksal zu Herzen.