Nichtraucher-Info Nr. 46 - II/02

April 2002


 

Inhalt:

1,8 Millionen Euro von der Tabakindustrie für Aufklärungskampagne
Änderung der Arbeitsstättenverordnung angemahnt
www.stimmt-leider.de
Welt-Nichtrauchertag 2002
Auch AOK Memmingen aktiv
NRW: Kampagne Leben ohne Qualm gestartet
NRW: Auswertung der Bürgeranregungen zum Verzicht auf Tabakwerbung
Berlin-Steglitz-Zehlendorf: Keine Tabakwerbung mehr auf Werbetafeln des Bezirks
Baden-Württemberg verhindert höhere Steuer für Tabakprodukte
Die Realpolitiker
BAT-Dialog-Veranstaltung ein Reinfall
Michael Naumann im Abseits
Tabakwerbung im Vorpann von Harry Potter
Schulleiterin gestattete Rauchen wegen der Sponsoren
Schleswig-Holstein: Kein Rauchverbot in Schulen
Was halten Schüler vom Rauchverbot für Jugendliche
Azubis von Develey verdienen mehr, wenn sie nicht rauchen
Mut zum Risiko
Die aktuellen NID-Medien
Wanderwoche in der Schweiz
Rauchfreie Firma in Hamburg
Nichtraucherschutz im Rathaus von Malchin
Rauchfreie Bahnhöfe ab Juli
Rauchverbot im Luxushotel kein Reisemangel
Rauchende Nachbarn
Imperial Tobacco kauft Reemtsma
Tabak-Boss rät seinen Kindern, nicht zu rauchen
TED-Umfrage: 78 Prozent für die Abschaffung der Zigarettenautomaten
Organisierte Kriminalität: Zigarettenschmuggel
2001: Tabakkonsum nahm zu (Zahlen des Statistischen Bundesamtes)
EU-Kommissare scheitert beim Subventionsabbau
USA: 150 Millionen Dollar für Raucher
Österreich: 74 Prozent für ein Rauchverbot in Kinofoyers
Italien: Autofahrer musste weggeworfene Kippe suchen
Kanada: Grässliche Bilder reduzieren Tabakkonsum
Nichts immer hinnehmen, was schlecht ist
Wie man Tabakqualm im Fressnapf bes.
Skandalöse Zustände in HNO-Klinik in Essen
Astrid Benöhr: Laufen statt Rauchen
Rauchverbot bei Gala wegen Donald Sutherland
Sprechende Zigarettenschachtel
Terminkalender
 


Tabak-Deal der Drogenbeauftragten:
11,8 Millionen Euro von der Tabakindustrie für Aufklärungskampagne







Nach monatelangen Verhandlungen zwischen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, hat Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt am 20. März 2002 eine Vereinbarung unterschrieben, wonach die Tabakindustrie 11,8 Millionen Euro, verteilt über fünf Jahre, für eine Aufklärungskampagne bereit stellt, mit der Kinder und Jugendliche vom Rauchen abgehalten bzw. abgebracht werden sollen. Vertragspartner sind neben dem Verband der Cigarettenindustrie die größten Tabakunternehmen auf dem deutschen Markt: Philip Morris, British American Tobacco, Reemtsma, Japan Tobacco International, Austria Tabak und Heintz van Landewyck.

Dass eine solche Vereinbarung dem Gesundheitsministerium bzw. der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung jedoch keine freie Hand gibt, geht auch aus dem Vertrag hervor. Danach darf das Geld nicht für eine allgemeine Anti-Raucher-Kampagne verwendet werden und die Maßnahmen dürfen "nicht die Zigarettenindustrie, deren Produkte oder den Zigarettenhandel diskriminieren oder erwachsene Raucher verunglimpfen".

Zugleich legt die Vereinbarung fest, dass "die Zuwendung ohne Gegenleistung" erfolgt. Damit will die Gesundheitsministerin möglichen Spekulationen vorbeugen, die Regierung hätte sich mit dem Deal weitere Maßnahmen gegen die Tabakbranche abkaufen lassen, d.h. sich verpflichtet, auf gesetzliche Regelungen zur Beschränkung des Tabakkonsums und des Nichtraucherschutzes zu verzichten.

Nach Ansicht von Caspers-Merk soll mit dem Abkommen erreicht werden, dass die Tabakkonzerne "Verantwortung für ihr Produkt übernehmen". Die Tabakindustrie habe laut Vertrags-
Fortsetzung nächste Seite

text keinerlei Mitwirkungs- und auch keine inhaltlichen Mitspracherechte. Ein Sachverständiger soll sich lediglich über die Kampagne informieren und die Erkenntnisse an die Unternehmen weiterleiten. Mögliche Streitigkeiten zwischen der Tabakindustrie und der Bundesregierung soll ein Schlichter klären. Die Drogenbeauftragte sieht die Vereinbarung eines "Tabak-Präventionsfonds" als Vorbild für Spirituosenproduzenten und die Hersteller gefährlicher Sportgeräte.

Was ist von der Vereinbarung zu halten?

Wer mit der Tabakindustrie einen Pakt schließt, wird in der Regel reingelegt. Für jährlich rund 2,5 Millionen Euro soll die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) eine Kampagne gegen das Rauchen von Kindern und Jugendlichen entwickeln, die nur auf eine kleine Zielgruppe gerichtet ist und nicht das Rauchen von Erwachsenen "verunglimpfen" darf. Darum kann sie der Tabakindustrie nicht schaden. Denn wer Kinder zum Rauchen bringen will, braucht ihnen nur zu sagen, dass Rauchen etwas für Ältere, also Erwachsene, ist. Wirksame Kampagnen müssen so gestaltet sein, dass sie alle Bevölkerungsgruppen umfassen. Das wissen die Glimmstängel-Hersteller und so konnten sie getrost zustimmen - erst recht angesichts des lächerlichen Betrages. Denn jedes Jahr geben sie mehr als hundert Mal so viel Geld für die Werbung für absolut gesundheitsschädliche Produkte aus.

Die Gesundheitsministerin kann nun, ohne den Bundeshaushalt zu belasten, Aktivität demonstrieren und die Tabakindustrie kann sich als "verantwortungsvoll" handelnder Wirtschaftszweig darstellen. Den Betrag für diese exzellente Public-Relations-Maßnahme zahlen die Drogenproduzenten aus der Portokasse.

Auch wenn in der Vereinbarung festgelegt ist, dass "die Zuwendung ohne Gegenleistung" gezahlt wird, bleibt ein äußerst ungutes Gefühl. Nahezu unvorstellbar ist, dass die Tabakindustrie die jährlichen Raten weiter zahlt, wenn ihr durch gesetzliche Maßnahmen Umsatzeinbußen drohen. Dies wäre zum Beispiel bei einem Verkaufsverbot für Tabakwaren an Minderjährige der Fall. Durch Passivität und bewusste Verzögerung von Initiativen kann sehr leicht "unter der Hand" im Sinne der Tabakindustrie gehandelt werden. Wie die Spendenskandale in letzter Zeit zeigen, ist nichts unmöglich.

Damit wird nicht den Verantwortlichen im Gesundheitsministerium unterstellt, dass sie sich von der Tabakindustrie kaufen lassen. Aber angesichts von Klagen der früheren und der derzeitigen Bundesregierung gegen EU-Beschlüsse, die zur Minderung des Tabakkonsums beitragen sollen, und angesichts von Spendenskandalen in Deutschland ist es sicher verständlich, wenn Zweifel daran laut werden, dass der "Tabak-Deal" den Zweck erfüllt: Jugendliche vom Rauchen abzuhalten.

Warum wird nicht die Tabaksteuer um 0,023 % erhöht? Das entspricht genau den 2,5 Millionen Euro!
 

Änderung der Arbeitsstättenverordnung angemahnt

Bundesarbeitsminister Walter Riester hatte der interfraktionellen Nichtraucherschutz-Initiative im Deutschen Bundestag Ende letzten Jahres mitgeteilt, dass die um den Nichtraucherschutzparagrafen ergänzte Arbeitsstättenverordnung (ArbStVO) voraussichtlich im Mai 2002 in Kraft treten werde. Dies sollte zusammen mit der Betriebssicherheitsverordnung (Betr
SichVO) in einem sogenannten "Sicherheitspaket" geschehen. Da es bei der Betriebssicherheitsverordnung strittige Punkte gab, war Anfang dieses Jahres abzusehen, dass sich dies auch auf die Arbeitsstättenverordnung auswirken würde. Deshalb hat die NID die Mitglieder der Nichtraucherschutz-Initiative gebeten, bei Minister Riester vorstellig zu werden.

In seinem Schreiben vom 1. März 2002 führte Werner Lensing für die vierköpfige Gruppe u.a. an, dass ein weiteres Festhalten an der Absicht, beide Verordnungen aneinander gekoppelt zu behandeln, die Umsetzung des Bundestagsbeschlusses vom 31. Mai in unzumutbarer Weise verzögern würde. Der Bundesarbeitsminister wurde daher dringend gebeten, "die veränderte Arbeitsstättenverordnung unabhängig von der strittigen Betriebssicherheitsverordnung in Kraft zu setzen, damit der vor einem Jahr beschlossene Nichtraucherschutz zum 31. Mai 2002 wirksam werden kann." Bis Redaktionsschluss lag noch keine Antwort vor.

Unabhängig davon ist die NID dabei, eine Broschüre zu erstellen, in der auf der Basis des künftigen Nichtraucherschutz-Paragrafen konkrete Informationen zur Umsetzung gegeben werden. Die Broschüre nichtraucherschutz.de ist ab Mai 2002 bei der NID kostenlos erhältlich.
 


 

www.stimmt-leider.de


Eine neue informative Web-Seite hat Dietmar Elsner, Mitglied der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden, erstellt. Als Motivation nennt er " mehrere Todesfälle von Rauchern durch Lungenkrebs und Herzinfarkt in meinem persönlichen Umfeld. Wer eine weinende verzweifelte Witwe neben dem gerade verstorbenen Mann gesehen hat, versteht unter "Verantwortung gegenüber Rauchern" etwas anderes als die Tabakkonzerne. Ich war Führungskraft in einem globalen Konzern, bin nun im Ruhestand und setze mich für die unabhängige Information der Bürger im Sinne von Dr. Gro Harlem Brundtland, Generaldirektorin der WHO ein. ..."
 

Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2002
Motto: Ja zum Sport heißt Nein zum Tabak!

Eine große Mehrheit der befragten Organisationen und Verbände entschied sich dafür, den von der Weltgesundheitsorganisation ausgerufenen Welt-Nichtrauchertag in Deutschland unter das Motto "Ja zum Sport heißt Nein zum Tabak!" zu stellen. Da auch die großen Sportverbände ihre Zustimmung gaben, ist zu hoffen, dass eine große Koalition auch eine große Wirkung erzielen kann. Spätestens Anfang Mai wird auch ein Plakat zu haben sein, das bis auf wenige kleine Änderungen so aussehen wird:

Das Poster kann bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, ( 0228/729900, angefordert werden.

Das Thema des Welt-Nichtrauchertages 2002 kann man auch poetisch anpacken:
 
 
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Rauchen und Sport sind wie Feuer und Wasser,
sie schließen einander völlig aus.
Das Rauchen macht dich blass und blasser,
nimmt dir die Luft, macht dir den Garaus;
dein Körper wird es dir nicht verzeih'n.
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Der Tabak gehört zu den schlimmsten Drogen,
er hat ein enormes Suchtpotential.
Und wer dem Tabak bleibt gewogen,
traf todsicher eine falsche Wahl,
wird abhängig werden, gefangen sein.
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Darum ihr alle, die im Sport
etwas zu sagen haben:
es zählt hier nicht nur euer Wort;
zu euren guten Gaben
gehört auch das Vorbild im Verin
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Zu werben für Sport mit Tabakreklame,
ist dumm und ist verantwortungslos.
Erbringt es auch gute Geldeinnahme,
sagt euch von der Verführung los
und von dem trügerischen Schein!
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Der Sport soll der Sportler Kräfte entfalten
und sie bewahren vor dem falschen Genuss.
Der Sport soll sie gesund erhalten,
das ist sein Ziel, das ist sein Plus.
Drum muss es seine Losung sein:
Sagst ja du zum Sport, sag zum Tabak nein!

Gerhard Sensenschmidt


 

Auch AOK Memmingen aktiv

Den Artikel mit Bild über Informationsveranstaltungen der Kaufmännischen Krankenkasse in Wesel im Nichtraucher-Info Nr. 44 nahm Werner Glatz vom Schulservice der AOK Direktion Memmingen zum Anlass, die NID über eigene Aktionen zu informieren: "Ich bin seit Jahren mit einer eigens konzipierten Ausstellung, dem Raucher-Max, Dias u.v.m. in allen Hauptschulen unterwegs, mittlerweile werde ich auch von Wirtschafts- und Realschulen sowie Gymnasien angefordert. Heuer war ich bereits in zwei Schulen und konnte, da ich in der 5. Klasse beginne, nahezu 40 Klassen mit über 800 Schülern über die Gefahren des Rauchens informieren. Natürlich verwende ich dabei auch Ihr Material (Lungenposter, Broschüren, Aufkleber).


Werner Glatz in der Hauptschule Babenhausen
 

Kampagne gestartet: Leben ohne Qualm in NRW

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin Birgit Fischer hat am 6. März 2002 die Kampagne "Leben ohne Qual in NRW" gestartet. Jugendliche sollen sich pfiffige Sprüche zum Thema "Pro Nichtrauchen" einfallen lassen und sich bei einer Jury melden (( 0208/300 69 31). Die besten Sprüche sollen dann für Anti-Tabak-Kampagnen genutzt werden. Angesichts der immer größer werdenden Zahl Jugendlicher, die zur Zigarette greifen, sind solche Maßnahmen dringend erforderlich.
www.netdoctor.de, 7.3.02

NRW-Auswertung der Bürgeranregungen zum Verzicht auf Tabakwerbung

Die von NID-Präsident Prof. Dr. Ekkehard Schulz angeregten Bürgerbegehren zum Verzicht auf Tabakwerbung auf gemeindlichen Werbeflächen führten in Nordrhein-Westfalen zum folgenden - vorläufigen - Ergebnis:

Die Städte Bergisch Gladbach, Dormagen, Erftstadt, Kaarst und Meerbusch haben beschlossen, bei Neu- oder Folgeverträgen mit Werbefirmen auf Tabakwerbung zu verzichten. Die Städte Alfter, Bonne, Düsseldorf, Erkrath, Köln, Neuss, Solingen, Sankt Augustin und Wuppertal sehen leider aufgrund der gegenwärtigen Gesetzeslage keine Möglichkeit, ihre meist langfristigen Verträge zu ändern und wünschen sich ein gesetzliches Tabakwerbeverbot durch den Gesetzgeber, das heißt den Deutschen Bundestag. Die Stadt Wuppertal hat die Bannmeile um Schulen für Tabakwerbung auf 120 Meter und für neue Zigarettenautomaten auf 200 Meter ausgedehnt. Nur die Stadt Leverkusen lehnte den Antrag einstimmig ab, da aufgrund der vertraglichen Vereinbarung ein Verbot der Werbung für Tabakerzeugnisse nicht durchgesetzt werden könne.
 

Berlin-Steglitz-Zehlendorf: Keine Tabakwerbung mehr auf Werbetafeln des Bezirks

Auf den 50 Werbegroßtafeln, die auf bezirkseigenen Grundstücken stehen, darf nicht mehr für Zigaretten und andere Tabakprodukte geworben werden. Dies hat die Gesundheitsstadträtin Anke Otto (Bündnis 90/Die Grünen) entschieden. Das Verbot erfolgte im Rahmen der Gesundheitskampagne "Leben ohne Rauch".
Berliner Zeitung, 8.3.02
 

Unerfreulich: Baden-Württemberg verhindert höhere Steuer für Tabakprodukte

In seiner Pressemitteilung vom 20. Februar 2002 brüstet sich das baden-württembergische Wirtschaftsministerium damit, dass es Bundesfinanzminister Eichel davon überzeugen konnte, dass die Marke "West Single Packs" von Roth-Händle tabaksteuerlich als Feinschnitt behandelt werden müsse. Wäre das Feinschnitt-Tabakprodukt als Zigarette besteuert worden, hätte sich der Preis mehr als verdoppelt. Dies hätte wahrscheinlich das Aus für die Firma Roth-Händle und den Verlust von 550 Arbeitsplätzen bedeutet. Wer's glaubt, wird selig!
 

Die Realpolitiker

Eine Betrachtung vier Jahr nach dem Scheitern des Nichtraucherschutz-Gesetzes

Der Kanzlerkandidat der Union, der Nichtraucher Edmund Stoiber, hat zwar unter dem, was er als Kanzler alles besser machen will, auch - als Letztes - die Gesundheitspolitik genannt. Aber von ihm zu erwarten, dass er mehr für den Nichtraucherschutz und für die Prävention des Rauchens tun werde als der Havanna-Kanzler Gerhard Schröder, wäre wohl naiv.

Beide sind - und das betonen sie selbst - Realpolitiker und wollen zunächst einmal eine möglichst hohe Tabaksteuer-Einnahme für die Bundeskasse verbuchen. (Die Tabaksteuer ist für den Bund die viertwichtigste Steuer nach Mehrwert-, Einkommen- und Mineralölsteuer.) Dass zum Beispiel im Jahr 2000 den 22,4 Milliarden DM Tabaksteuer-Einnahmen rund 34 Milliarden DM Ausgaben für tabakbedingte Krankenbehandlungen, Produktionsverluste sowie Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit gegenüberstanden, interessiert die große Politik nicht: erst einmal die Steuergelder im Staatssäckel haben! -

Werfen wir einen Blick zurück auf das Scheitern des Nichtraucherschutz-Gesetzes im Februar 1998: Hier hatten wir immerhin eine - wenn auch sehr knappe - Mehrheit der SPD-Fraktion neben ganz deutlichen Mehrheiten der Grünen und der PDS. Gescheitert ist das so wichtige, weil umfassende Schutzgesetz an der sehr klaren Ablehnung durch unsere beiden christlichen Parteien, angeführt vom damaligen Gesundheitsminister, dem eingefleischten Pfeifenraucher Seehofer (CSU), den uns Herr Stoiber womöglich wieder präsentieren würde ... Noch höher war die Quote der Neinsager bei der nun einmal so liberalen FDP (trotz des erfreulichen Ja von Hans-Dietrich Gentscher).

Beide Realpolitiker, die sich im Herbst 2002 um das Kanzleramt bewerben, wissen ganz bestimmt auch die noblen Parteispenden aus Kreisen der Tabakindustrie zu schätzen. Als die deutsche Bundesregierung mit der bereits vom Kabinett Kohl erhobenen Klage gegen das Tabakwerbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof erfolgreich war, reagierte Luk Joossens, Sprecher der Internationalen Union gegen den Krebs, am 5. Oktober 2000 in Brüssel ganz spontan mit den markanten Worten: "In Deutschland finanziert die Tabakindustrie beide großen Parteien. Deutschland ist eine Katastrophe!" Hinzuzufügen wäre noch, dass natürlich auch die FDP kassiert hat. Ja, selbst unsere grüne Umweltpartei ließ sich mindestens einen Parteitag von einer nicht ganz unbekannten Zigarettenfirma sponsern und antwortete auf Anfrage ganz keck: "Ja, warum denn nicht?"

Aber die weisesten Worte sprach zweifellos damals vor der Abstimmung am 5. Februar 1998 der "Sachverständige" Heckler, Sprecher des Bundesverbandes der deutschen Tabakpflanzer: "Alle unsere Vorfahren sind gestorben, ob sie Raucher oder Nichtraucher waren" ... Gerhard Sensenschmidt
 

Dialog-Veranstaltung für BAT ein Reinfall

Sie sollte in Deutschland der Einstieg zum "Social Reporting" werden: die Dialog-Veranstaltung der British American Tobacco (BAT) Germany GmbH am 23. Januar 2002 in Berlin. Weltweit sei BAT dabei, durch "ein standardisiertes Verfahren ihr Vorgehen im Bereich ‚Soziale Verantwortung' messbar und nachvollziehbar" zu machen. Die beauftragte Agentur Kohtes & Klewes hatte sogar Theo Sommer, den langjährigen Chefredakteur und Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, eingeschaltet, um den Präsidenten der NID als Teilnehmer zu gewinnen. Doch die Veranstaltung in der Vertretung der Freien und Hansestadt Hamburg in Berlin musste ohne Prof. Dr. Ekkehard Schulz stattfinden, zumal BAT nicht bereit war, die Namen der 15 bis 20 potentiellen Teilnehmer zu nennen. Über das Ergebnis des Dialoges mit den erschienenen Personen war BAT nicht bereit Auskunft zu geben. Außer Spesen nichts gewesen.
 

Michael Naumann im Abseits


Am 4. November 2001 tagte der ARD-Presseclub. Mit dabei Dr. Michael Naumann, ehemals Kultur-Staatsminister im Kabinett Schröder und derzeit Chefredakteur und Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit. Von Gerhard Sensenschmidt in seiner Funktion als Referent für den Sachbereich Schulen/Hochschulen schriftlich auf sein verantwortungsloses Rauchen im Presseclub angesprochen, reagierte Naumann mit drei Sätzen:

"Ich danke für Ihren Brief vom 12. November. Ich erlaube mir allerdings den Hinweis darauf, dass ich mich überhaupt nicht darüber wundere, dass es inzwischen auch eine Nichtraucher-Initiative in unserem Land gibt, in dem bekanntlich der Zeigefinger besonders lang zu wachsen pflegt. Glauben Sie mir, Ihre Sorgen möchte ich haben."

Über diese Äußerungen informierte Gerhard Sensenschmidt die Nichtraucher-Initiative Wiesbaden, deren Vorsitzender Horst Keiser den Zeit-Herausgeber Naumann am 24. Januar über die schädlichen Folgen des Rauchens informierte und ihm ein Verantwortungsbewusstsein insbesondere Kindern und Jugendlichen gegenüber absprach. Gleichzeitig kündigte Keiser an, die "absurde und beschämende" Äußerung Naumanns zu veröffentlichen.

Was dann folgte, ist kaum zu fassen: Der Ex-Staatsminister und aktive Pressemann schrieb am 4. Februar an Horst Keiser: "Ich darf Sie darauf aufmerksam machen, dass ich in einem persönlichen Brief eine Meinung geäußert haben, die zu verbreiten ich Ihnen untersage: dabei berufe ich mich auf das Persönlichkeitsrecht, aber auch auf Anstand und Sitte und, sie werden es erraten, auf das Briefgeheimnis."

Kommentar: Rauchen will Naumann öffentlich, Kritik an seinem Verhalten und seinen Äußerungen dazu sollen dagegen geheim bleiben. Eine solche Einstellung ist eines Zeitungsmannes völlig unwürdig. EGK
 

Tabakwerbung im Vorspann von Harry Potter

Der Film Harry Potter bricht alle Zuschauerrekorde. Freigegeben ist er ab sechs Jahren. Davor jedoch laufen Werbespots mit Alkohol- und Tabakwerbung. Alle Versuche, im Jugendschutzgesetz die Werbung für legale Drogen vor Kinderfilmen zu verbieten, scheiterten bisher am Widerstand aus Politik und Wirtschaft. Die einzige Beschränkung, die sich die Tabakindustrie selbst auferlegt hat: Glimmstängel-Werbung darf erst nach 18 Uhr in den Kinos laufen. Am einfachsten wäre es, Werbung für Produkte, die bei bestimmungsgemäßem Verbrauch gesundheitsschädlich sind, generell zu verbieten.
 

Schulleiterin gestattete Rauchen wegen der Sponsoren

So geschehen in München an einer Grundschule: Die Eltern einer 8-jährigen Schülerin beschwerten sich bei der Schulleiterin darüber, dass bei Schulfesten regelmäßig innerhalb des Schulgebäudes geraucht wurde, sogar an den Ständen, an denen Essen verkauft wurde. Deren Antwort ist kaum zu fassen:

"Das Thema Rauchverbot bei Schulfesten, das Sie in Ihrem Schreiben fordern, ist ein heikles Thema. Am Freitag, den 14.12. nahm ich Ihren Brief zum Anlass und informierte die Vorsitzende des Elternbeirates. Sie erklärte sich umgehend bereit, das Rauchverbot an den Ständen zu überwachen. Ob es zu Zwischenfällen kam, konnte ich nicht feststellen, da ich wie alle anderen Lehrerinnen in den Klassenzimmern beim Basteln war.

Die Meinung der Vorsitzenden des Elternbeirates, und ich schließe mich ihr an, ist, dass der größte Teil der Eltern unsere Feste nicht mehr besucht, falls wir ein solches Verbot aussprechen. Die Einnahmen des Elternbeirates und somit das Sponsoring für viele unserer Unternehmungen werden von den Eltern finanziert, die unsere Feste besuchen. Unsere Schülerinnen und Schüler müssten dann auf vieles verzichten.

Sollten die Eltern unsere Aktivitäten nicht mehr wahrnehmen, fallen sie auch automatisch weg. Ob das im Sinne der Schulgemeinschaft ist, bezweifle ich. Dass meine Argumente für Sie nicht zu akzeptieren sind, nehme ich an. Bei der nächsten Elternbeiratssitzung werde ich das Thema ansprechen."
Die auf Empfehlung der NID von den Eltern über diese unglaubliche Einstellung informierte Schulrätin rief sofort die Schulleiterin an mit dem Ergebnis, dass diese den Eltern mitteilte:
"Ab sofort wird in allen Räumen und Gängen, in denen sich berechtigterweise Schüler und Schülerinnen aufhalten, bei Schulfesten ein Rauchverbot erteilt. Zukünftig werde ich in Einladungen die Eltern auffordern, das Rauchen ... zu unterlassen."
Damit vermied sie, dass die Presse über den Fall informiert wurde.

Kein Rauchverbot an Schulen in Schleswig-Holstein

Die Oppositionsfraktion stellt den Antrag auf ein Rauchverbot an Schulen, die Regierungsfraktion lehnt den Antrag ab oder überweist ihn zur weiteren Beratung an einen Ausschuss. So geschehen in Schleswig-Holstein, so geschehen in München und in anderen Städten und Gemeinden. Die Begründung ist immer dieselbe: Ein allgemeines Rauchverbot würde es erst recht attraktiv machen zu rauchen. Außerdem könne jede Schule selbst beschließen, ob geraucht werden dürfe oder nicht. Schüler, denen es nach dem Jugendschutzgesetz gestattet ist, in der Öffentlichkeit zu rauchen, würden dann einfach das Gebäude zum Rauchen verlassen. Viele von ihnen sind darüber hinaus nikotinabhängig. An Berufsschulen sei es erst recht nicht möglich, ein totales Rauchverbot durchzusetzen. Besser wäre es, auf Schulhöfen Raucherzonen mit geringerer Attraktivität zu schaffen. Diese müssten abgelegen und zugleich gut kontrollierbar sein.

Als engagierter Gymnasiallehrer muss ich gestehen, auch keine besseren Rezepte zu haben. Um das heimliche Rauchen zum Beispiel auf den Toiletten zu unterbinden, ist es bei Süchtigen - und das sind nicht wenige - erforderlich, ihnen einen anderen Ort zuzuweisen. Das darf kein Raucherzimmer sein. Im Gebäude muss Rauchen zumindest für Schüler (meines Erachtens auch für Lehrer) tabu sein. Abgelegene Raucherecken bleiben die einzige Alternative. Helmut Mannhart
 

Was halten Schüler vom Rauchverbot für Jugendliche?

Max Roth und Anja Berner äußerten sich für den Leistungskurs Soziologie der 11. Klasse des Bremer Gymnasiums Obervieland in einem Leserbrief im Weser-Kurier vom 25.6.01:

"Wir unterstützen einmütig die Drogenbeauftragte, Frau Marion Caspers-Merk, in ihrem Anliegen, Jugendlichen unter 16 Jahren das Rauchen generell zu verbieten. Nachdem wir das Thema "Jugend und Gesundheit" diskutiert haben, meinen wir aber, dass ein solches Verbot allein nicht ausreicht. Die allgemeine Werbung für Zigaretten wie auch die Aufstellung von Zigarettenautomaten vor Schulen müssten generell verboten werden, um dem Nichtrauchen endlich die notwendige gesellschaftliche Anerkennung zu verschaffen. Für Kinder muss der einfache Zugang zu Zigaretten deutlich erschwert werden. Allein vor unserer Schule stehen zwei Automaten.

Doch nicht nur durch Verbote, sondern auch durch Belohnungen sollte versucht werden, das Alter der Neueinsteiger wieder zu erhöhen. Wie wäre es mit Prämien, wenn man nachweislich bis zum 18. Lebensjahr rauchfrei geblieben ist? ... Anstelle von Werbung für Zigaretten sollten viel mehr Anti-Rauch-Kampagnen gegen die "größten Drogen-Händler der Welt" durchgeführt werden. Am Ende wirken vielleicht nur drastische Preiserhöhungen, um Kinder und Jugendliche vor den bekannten gesundheitlichen Gefährdungen zu bewahren."
 

Auszubildende bei Develey verdienen mehr, wenn sie nicht rauchen

"Wir wollen Jugendlichen ein schlagkräftiges Argument geben, nicht zu rauchen", begründet Michael Durach, der Geschäftsführer des Senf- und Soßenherstellers in Unterhaching, einem 20.000 Einwohner zählenden Ort südlich von München. Seit mehr als zwanzig Jahren übernimmt Develey die Sozialabgaben der Auszubildenden, die vertraglich zustimmen, während der dreijährigen Lehre die Finger konsequent von der Zigarette zu lassen. Wer nicht durchhält, muss die bis dahin gesparten Sozialabgaben zurückzahlen. In den zwei Jahrzehnten kam es kein einziges Mal vor, dass ein Auszubildender das Geld zurückgeben musste. Durach: "Gerade als Lebensmittelbetrieb wollen wir ein gesundes Bild vermitteln. Außerdem sollen die Geschmacksnerven der Auszubildenden neutral sein, wenn sie an den Produktionsvorgängen teilnehmen. Denn das Produkt wird geschmacklich getestet."


 
 

Mut zum Risiko

"Messer, Gabel, Schere, Licht sind für kleine Kinder nicht!" bemühen sich besorgte Eltern ihren Jüngsten beizubringen.

"Wie ist's mit der Zigarette? Ich wär' schon groß, wenn ich sie hätte!" ergänzt manch kindliches Gemüt in Gedanken.

Was haben beide Sprüche gemeinsam? Hier wie dort geht es um Risiken, bei denen das Kind im Spannungsfeld zwischen Neugier und Tabu steht. Eltern handeln verantwortungsvoll, wenn sie Tabus setzen. Schließlich ist das Kind allein noch nicht handlungsfähig. Es bedarf noch der Fürsorge und des Schutzes seiner Eltern. Körperlich abgenabelt hängt es noch lange an einer sozialen "Nabelschnur". Das bedeutet auch: Eltern haben für das Tun ihrer Kinder einzustehen. Entwicklungsaufgabe des Kindes ist es, sich Schritt für Schritt von seinen Eltern abzunabeln, das heißt Verantwortung für sein Tun selbst zu tragen. Dazu muss es sich auch mit Risiken auseinandersetzen, um zu lernen, damit umzugehen und sie zu meistern. Wenn das Kind laufen lernt, läuft es Gefahr, hinzufallen und sich eine Schramme zu holen. Nur wenn es bereit ist, sich diesem Risiko zu stellen, wird das Kind lernen, seine Motorik zu koordinieren und die Gefahr zu bannen. Jede noch ungewohnte Handlung trägt das Risiko, zu versagen. Doch je deutlicher ich die Umstände erkenne, die mein Tun bestimmen, und die Folgen abschätzen kann, die durch mein Handeln ausgelöst werden können, um so geringer wird die Gefahr, der ich mich aussetze, um so weniger bedarf es der Obhut durch andere.

Messer, Gabel, Schere, Licht lernt das Kind zu gebrauchen, ohne Gefahr für sich selbst und für seine Umwelt. Dem Erwachsensein ist es damit um einige Schritte näher gekommen. Der Mut zum Risiko hat sich gelohnt.
Wie geht es nun weiter auf dem Weg nach oben? Die Zigarette - auch ein Risiko, dem ich mich stellen muss, um nun endlich erwachsen zu werden?

Es gibt Risiken, denen sich viele Leute nur mit sehr viel Überwindung stellen, weil sie es nicht in der Hand haben, den Ablauf des Geschehens zu beeinflussen. Dazu gehören Flugreisen oder auch Bungee-Jumping. In beiden Fällen ist das Risiko dank streng kontrollierter Sicherheitsmaßnahmen eher gering. Für die Sicherheit stehen die Betreiber und die kontrollierenden Behörden ein. Wer das Risiko eingeht, ist ein anderer als der, welcher dafür gerade steht.

Genau so ist es beim Rauchen. Nur mit einem Unterschied: Das Risiko ist extrem hoch. Dennoch ist die Überwindung, sich in Gefahr zu begeben, bei weitem geringer als beim Bungee-Jumping. Die Gewissheit, dass hier jemand einsteht, wenn etwas passieren sollte, scheint unerschütterlich zu sein. Ebenso wie sich das kleine Kind im Vertrauen auf die Obhutspflicht der Eltern bei jeder gefährlichen Manipulation in Sicherheit wiegt, baut offensichtlich der Raucher auf die Obhutspflicht der Gesellschaft. Für die Folgekosten stehen schließlich die Beitragszahler der Krankenkassen in der Pflicht, allen voran diejenigen, die durch vernünftige Lebensweise Kosten einsparen, um Gelder für die Behandlung von Raucherkrankheiten frei zu machen.

Für das Verhalten eines Kindes haften dessen Eltern, weil das Kind die Folgen seines Tuns noch nicht in vollem Umfang abschätzen kann. Der Raucher könnte dies, aber für die Folgekosten wird nicht zuerst er, auch nicht der Produzent des Übels, sondern eine "Solidargemeinschaft" zur Kasse gebeten, die überwiegend aus Nichtrauchern besteht. Dieses "Solidarprinzip" erlaubt es dem Raucher, sich aus der Verantwortung für sein Tun zu stehlen und sich wie ein Kind an eine soziale "Nabelschnur" zu hängen. Mit der Zigarette hängt symbolisch noch ein Stück Nabelschnur aus seinem Mund heraus, gleichsam als Erkennungsmerkmal einer noch nicht vollständig gelungenen Emanzipation.

Emanzipation - die Befreiung aus der Abhängigkeit - ist dort erreicht, wo der Mensch die Verantwortung für sich und für sein Tun selbst trägt. Die Bereitschaft zum Risiko fördert die Emanzipation, wenn damit gelernt wird, Möglichkeiten auszuschöpfen und Gefahren abzuwenden.

Wer es vermeidet, sich den Herausforderungen der Realität zu stellen, etwas zu riskieren und dafür Verantwortung zu tragen, behindert sich selbst in seiner Emanzipation und verzögert so das Erwachsenwerden.

Wer Verantwortung scheut, sucht gewöhnlich nach anderen Mitteln, um sich zu beweisen. Abwegige Vorstellungen vom Mut zum Risiko lassen das Rauchen als ein Verhalten erscheinen, das Emanzipation und Erwachsensein fördert. In Wirklichkeit ist es aber eher eine Fluchtreaktion auf die echten Herausforderungen des Lebens. Die Konfrontation mit diesem Risiko taugt nicht dazu, Körper, Geist und Persönlichkeit herauszubilden.

Sehr oft wird die Zigarette gebraucht, um Probleme und Konflikte beiseite zu schieben, die im Zuge des Erwachsenwerdens eigentlich gelöst und bewältigt werden sollten. Der Einsatz eines solchen "Stresskillers" hindert Heranwachsende daran, den Umgang mit Problemen und Konflikten zu lernen.

Das Bestreben, mit der Zigarette oder mit anderen ungeeigneten Mitteln den leichten Ausweg zu suchen, steht in engem Zusammenhang mit einer eher etwas laxen Lebenshaltung. Den Nährboden dafür liefert die Spaßgesellschaft, bei der es darum geht, durch Äußerlichkeiten aufzufallen und sich auf Kosten anderer zu amüsieren. Wer sich viel leistet, gilt mehr, als wer viel leistet. Konsumenten werden umworben. Wer Geld bietet, dem stehen alle Türen offen. Wer aber Kenntnisse und Fähigkeiten anbietet, hat auf dem Arbeitsmarkt oft keine Chance. Was in der Gesellschaft gut läuft, setzt sich auch in der Schule durch. Spaß- oder Leistungsgesellschaft?

Hierzulande genießen erfolgreiche Schüler bei vielen ihrer Mitschüler als "Streber" wenig Ansehen. Als cool gilt eher, in der Clique ein Angeber und dafür in der Schule ein Versager zu sein. Die Ergebnisse dieser Mentalität wurden durch die PISA-Studie überzeugend dokumentiert.

Wir brauchen ein Klima, in dem individuelle Leistung und persönliche Ausstrahlung mehr gelten als Pomp, Glamour und der Duft der großen weiten Welt. Dazu müssen wir die heranwachsende Generation dafür begeistern, sich echten Herausforderungen zu stellen, auch auf die Gefahr hin, dass noch vorhandene persönliche Schwächen offenbar werden. Am Ende steht schließlich die Freude über den selbst errungenen Erfolg. Mit den wachsenden Fähigkeiten wachsen auch die Möglichkeiten, frei zu entscheiden und selbstständig zu handeln.

Schön, wer von sich sagen kann: "Ich werd' allein erwachsen - ich brauch' dazu kein Räucherstäbchen!"

Dr. Wolfgang Schwarz
 

Aktuelle Medien der NID

Verzeichnis der Medien, die Sie bei der NID kostenlos (mit Ausnahme der Rauchverbotsaufkleber) beziehen können!


 


 

Anforderung von Medien der NID

Bitte stellen Sie mir folgende Medien kostenlos zur Verfügung:
(A = Aufkleber | B = Broschüre | K = Postkarte | P = Poster | T = Tischaufsteller)

A Nichtraucher - Na klar! (rund, Papier + PVC)
___ St. 4 cm Papier ___ St. 9 cm PVC ___ St. 20 cm PVC

A Nichtraucherschutz - Na klar (rund, Papier + PVC)
___ St. 4 cm Papier ___ St. 9 cm PVC ___ St. 20 cm PVC

A Marlboro: Gestank von Abhängigkeit und Langeweile (Papier)
___ St. 4 x 5 cm ___ St. 5 x 7 cm ___ St. 7 x 10 cm

A Marlboro, weil ich ein Rindvieh bin (Papier)
___ St. 5 x 7 cm ___ St. 7 x 10 cm

A ___ Raucher stinken - vor sich hin und in sich hinein! (Papier, 5 x 3 cm)

A Raucher stinken - Auch die Raucher empfinden ... (Papier)
___ St. 7 x 5 cm ___ St. 10 x 7 cm

A ___ St. Nicht mal ein Esel geht meilenweit für eine Zigarette (Papier, 9 x 9 cm)

A ___ St. Rauchen macht impotent (Papier, 7 x 10 cm)

A ___ St. Gestank-Genießer (Papier, 7 x 10 cm)

A Rauchverbotsaufkleber (rund oder rechteckig, PVC, 1 Stück kostenlos!)
___ St. Durchmesser 4 cm ___ St. Durchmesser 9 cm ___ St. Durchmesser 20 cm
___ St. 4 x 3 cm ___ St. 8 x 6 cm ___ St. 12 x 9 cm

A Rauchverbotsaufkleber mit Text "Bitte haben Sie Verständnis..." (PVC, 1 Stück kostenlos!)
___ St. 9 x 10,5 cm ___ St. 20 x 23 cm

A Rauchfrei aufwachsen! (Papier, 4 x 9 cm)
___ St. gelb ___ St. blau

T Reserviert für Nichtraucher (Karton)
___ St. 10 x 5 cm ___ St. 17 x 7 cm

K+P Passivrauchen macht krank
K ___ St. (A6) P ___ St. (A3)

K+P Raucher-Nichtraucher-Lunge "Würden Sie auch dann noch rauchen, ..."
K ___ St. (A6) P ___ St. (A3) P ___ St. (A2)

P ___ St. Raucher-Nichtraucher-Lunge bei Operation (A4, max. 1 Stück)

B ___ St. Rauchfrei aufwachsen! (A6, 32 Seiten)

B___ St. Nichtraucherschutz.de (A5, 16 Seiten, ab Mai 2002)

B ___ St. Nichtraucher-Info - aktuelle Ausgabe

Zustellung an: Name: ______________________________________________
Straße: ______________________________________________
Postleitzahl, Ort: ______________________________________________
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. - Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim
 

Sonderangebot für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen:

Wanderwoche in der Schweiz
Walliser Höhenwege 2002 vom 8. Juli bis 13. Juli 2002
mit Unterkunft im


(für Infos siehe auch www.graechen.ch/stutz)

Preis pro Person und Woche im Doppel- oder Einzelzimmer: EUR 340,-

Leistungen: Hotelunterkunft mit Halbpension, 3 geführte Höhenweg-Wanderungen, Ausflug nach Saas Fee oder Zermatt,
Bergbahnen/Lunch

Anmeldung: Nichtraucher-Hotel Stutz
Schmidji 463 - CH-3925 Grächen
Tel ++41 / 27 / 956 36 57
Fax ++41 / 27 / 956 36 58
E-Mail hotel.stutz@smile.ch
Anmeldung bis 31. Mai 2002 - Teilnehmerzahl beschränkt
 

Rauchfreie Firma in Hamburg

Seit zwölf Jahren ist die Firma des Hamburger Pharma-Händlers Michael Jörß (60) rauchfrei. Rund 4.000 Stoffe, von Acetylsalicylicadid bis Vitamin K3 USP hat die B.M.P. Trading AG in ihrem Programm. Darunter befinden sich auch einige Drogen. Auf dem Betriebsgelände ist eine Droge jedoch streng verpönt: Nikotin. Alle 30 Mitarbeiterinnen sind bekennende Nichtraucher oder rauchen zumindest nicht während der Arbeitszeit. Wie man das schafft? Jörß: "Es hat sich so ergeben."

Als er 1979 seine Firma gründete, war Jörß noch starker Raucher mit bis zu 100 Zigaretten pro Tag. 1984 schockierte ihn seine Sekretärin mit dem Satz: "Essen Sie die Zigaretten doch gleich, das geht schneller." Ab sofort steckte er keinen Glimmstängel mehr an. Unter seinen Mitarbeitern gab es sieben Jahre lang einige, die ihre Zigarettenpause auf dem Hof verbrachten. Seit 1991 raucht niemand mehr. Die Firma entwickelte sich prächtig. Vor zwei Jahren brachte Jörß sie an die Börse und in diesem Jahr gab es 16 Prozent Dividende.
Hamburger Abendblatt, 20.3.02

Nichtraucherschutz im Rathaus von Malchin

Im Herbst 2001 wollte der Personalrat Bürgermeister Jörg Lange noch vor das Verwaltungsgericht bringen. Inzwischen hat er sich mit ihm geeinigt. Seit 1. Februar 2002 ist das Rauchen im Malchiner Rathaus grundsätzlich verboten, die Ausnahmen sind in der Dienstvereinbarung sowohl örtlich als auch zeitlich festgehalten. Damit hat sich der Bürgermeister in dem monatelangen Streit um das Rauchen in den Verwaltungsräumen des zentral in Mecklenburg-Vorpommern gelegenen Städtchens durchgesetzt.

Einen gewissen Anteil an der gefundenen Regelung hatte auch die NID, die den Bürgermeister darüber informierte, dass er die Einschränkung des Rauchens mit dem Schutz der nichtrauchenden Beschäftigten begründen müsse. Für die Ratschläge bedankte sich Bürgermeister Jörg Lange bei der NID in einem persönlichen Telefongespräch.

Das Rathaus von Malchin: seit Februar 2002 weitgehend rauchfrei.
 

Ab Juli wird es ernst: Rauchfreie Bahnhöfe

Deutsche Bahn AG will ab Juli 2002 auf 63 großen Bahnhöfen eine ähnliche Regelung wie im Rathaus Malchin: ein grundsätzliches Rauchverbot mit Ausnahmen in Form von ausgewiesenen Raucherzonen. Das Bild links stammt vom Hauptbahnhof Bonn. Dort testete die Bahn, ob ein hinreichend großer Teil der Fahrgäste die Regelung akzeptieren würde.

Doch was nützen rauchfreie Bahnhöfe, wenn der Tabakgestank in den Zügen manche Fahrt zu einer Qual werden lässt? Weder im IC noch im ICE können die installierten Belüftungsanlagen den Mief wirkungsvoll von Nichtrauchern fernhalten. Hier gibt es für die Bahn noch viel zu tun!
 

Rauchverbot im Luxushotel ist kein Reisemangel

Ein rauchendes Ehepaar hatte einen Urlaub in einem 5-Sterne-Hotel gebucht. Wie von früher her gewohnt wollte es auch beim Essen nicht von den Glimmstängeln lassen. Doch wohin beide blickten: im gesamten Restaurantbereich des Hauses leuchtete ihnen ein Rauchverbotsschild entgegen. Auf ihre Beschwerde hin bot man ihnen an, Frühstück und Abendessen an einem separaten Tisch im Clubraum mit eigener Bedienung und Meerblick zu servieren. Damit waren sie jedoch nicht einverstanden und nahmen ihre Mahlzeiten außer Haus ein. Nach der Rückkehr verlangten sie eine Minderung des Reisepreises sowie Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden.

Doch das Amtsgericht Frankfurt/Main wies ihre Klage ab. Das Rauchverbot, so der Richter, stelle keinen Mangel dar. Es mindere den Wert oder die Tauglichkeit der erbrachten Reiseleistung nicht, da weder in der Prospektbeschreibung noch sonst wie zum Ausdruck gebracht worden ist, dass im Hotelrestaurant beim Essen geraucht werden könne. Der Kläger könne nicht davon ausgehen, dass das Rauchen beim Essen zum gewöhnlichen Nutzen gehöre. In den letzten zehn Jahren habe sich ein starker Bewusstseinswandel in weiten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens gegenüber dem Rauchen vollzogen. Ein Reiseveranstalter sei außerdem angesichts der Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens eher verpflichtet, die gesundheitlichen Belange seiner Kunden zu wahren als das Genussinteresse eines bestimmten Teils seiner Kundschaft.
Hätte der Kläger darauf Wert gelegt, nur in einem Hotel untergebracht zu sein, in dem die Möglichkeit bestand, auch während des Essens zu rauchen, hätte es an ihm gelegen, vor der Buchung seinen entsprechenden Wunsch vorzutragen, um sich ein entsprechendes Hotel empfehlen zu lassen.
(Urteil des Amtsgerichts Frankfurt/Main vom 15.11.2001, Aktenzeichen 30 C 1726/01-25)

Was das rauchende Ehepaar jetzt gegen sich gelten lassen muss: den Trend weg vom uneingeschränkten Rauchen, erlebte König Jakob von England zu Beginn des 17. Jahrhunderts in genau anderer Richtung:

"Ist es nicht sowohl große Selbstgefälligkeit wie auch Unsauberkeit, dass man sich bei Tisch, einem Ort der Rücksicht, der Reinlichkeit und der Bescheidenheit, nicht schämt, sich auf Tabakpfeifen zu stürzen, dass einer dem andern den Rauch ins Gesicht bläst, den schmutzigen Rauch und Gestank über die Schüsseln hin aushaucht und die Luft verpestet? ... Der allgemeine Gebrauch hierin, zu allen Zeiten und an allen Orten, hat sich nun schon so durchgesetzt, dass verschiedene Männer ... schließlich gezwungen wurden, ihm auch zu frönen, ohne Verlangen darnach ..., weil sie sich schämten, eigentümlich zu erscheinen."
Counterblast to Tobacco (zitiert bei Will Durant: Kulturgeschichte der Menschheit; Bd. 20: Englands Goldenes Zeitalter, Seite 114 f.)
 

Rauchende Nachbarn

Es ist schon ein Graus, rauchende Nachbarn zu haben - vor allem dann, wenn sie qualmen wie ein Schlot und für die Empfindungen ihrer Mitmenschen auch nicht das geringste Verständnis aufbringen. Glücklich können sich diejenigen schätzen, die ihr Häuschen im Grünen haben, fernab von jeglichem Tabakgestank. Viele Menschen, besonders die mit geringerem Einkommen, wohnen jedoch in Häusern mit einer Vielzahl von Nachbarn. Dabei kommt es vorwiegend auf das Rauch-/Nichtrauchverhalten der unterhalb bzw. rechts und links wohnenden Nachbarn an. Manchmal dringt der Tabakmief über mehrere Stockwerke, Flure und Treppenhäuser hoch.

Von einer Rechtsprechung, wie sie am Arbeitsplatz gilt, sind wir beim Schutz gegen rauchende Nachbarn noch weit entfernt. Auch wenn es einzelne Urteile gibt, die ein wenig Hoffnung lassen: ein Urteil, das einen Mieter oder Eigentümer zum Rauchen aus dem Haus verbannt, steht noch aus. Mietminderungen von 5 oder 10 Prozent sind kein Ausgleich für verlorene Lebensqualität. Hoffnung verspricht bisher allein die Abdichtung aller möglichen rauchdurchlässigen Stellen, zunächst der Türen, Fenster und Steckdosen. Zu überprüfen ist dann, ob es kleine und kleinste Risse im Boden oder an den Stellen gibt, wo die Gas- Wasser- und Heizungsrohre in die Wohnung hinein- und hinausführen. Bei Abluftkaminen ist dafür zu sorgen, dass die Luft durch Erzeugung von Überdruck wirklich nur nach außen entweichen kann und nicht an einer anderen Stelle in die Wohnung strömt. Die Belüftung der Wohnung kann derzeit mit Erfolg nur auf der Basis von Fensteröffnungszeiten bei Gericht durchgesetzt werden. Alles in allem eine deutliche Minderung der Wohn- und Lebensqualität.

Wer als Vermieter nur an Nichtraucher vermieten will, sollte folgende Klausel in den Mietvertrag aufnehmen und gesondert unterschreiben lassen:

Tabakrauchen kann für Nichtraucher zu einer Belästigung, Gefährdung oder Schädigung der Gesundheit führen. Der Tabakrauch dringt über nicht völlig abzudichtende Türen, Kabel- und Rohrleitungen, Abluftkamine sowie über geöffnete Fenster in andere Wohnungen und in den Hausflur ein. Tabakrauchen auf dem Balkon führt dazu, dass der Aufenthalt auf den darüber liegenden Balkonen für Nichtraucher nicht ohne unzumutbare Belästigung möglich ist.
Um all dies zu vermeiden und den Hausfrieden zu wahren, ist der Mieter mit einem Verbot des Rauchens von Tabakprodukten in der Wohnung und auf dem Balkon einverstanden. Dieses Rauchverbot gilt für alle sich in der Wohnung aufhaltenden Personen. Der Mieter ist für die Einhaltung des Rauchverbots verantwortlich. Verstöße gegen das Rauchverbot berechtigen den Vermieter zur Kündigung des Mietvertrages.
 

Imperial Tobacco kauft Tabakkonzern Reemtsma

Mit dem Verkauf von Reemtsma an die britische Imperial Tobacco ist der letzte große deutsche Zigarettenhersteller in ausländische Hände übergegangen. 75,1 Prozent der Anteile hielt bisher die Hamburger Tchibo Holding AG. Zunächst übernimmt Imperial Tobacco 90,01 Prozent der Anteile und bezahlt dafür 5,221 Milliarden Euro. Zusätzlich sollen die Gesellschafter von Reemtsma eine Dividende von 810 Millionen Euro sowie weitere Zahlungen von rund 230 Millionen Euro erhalten. Für die restlichen Anteile hat Imperial Tobacco eine Kaufoption bis 2004/05. Der Erwerb muss noch von den Aktionären des britischen Konzerns sowie von der EU-Kommission gebilligt werden. Mit Hilfe von Reemtsma will Imperial Tobacco jetzt auch in Osteuropa Fuß fassen.
Berliner Zeitung, 8.3.02

Kommentar: Der Verkauf von Reemtsma nach England lässt ein Ereignis des vorigen Jahres plötzlich in neuem Licht erscheinen: Als die EU eine neue Tabakrichtlinie plante, in der die zulässigen Grenzwerte für Nikotin und Teer herabgesetzt werden sollten, sah das Werk in Langenhagen bei Hannover seine 600 Arbeitsplätze bedroht, denn dort werden überwiegend starke Zigaretten hergestellt, deren Werte über den geplanten Grenzwerten liegen. Nicht nur die Gewerkschaften kritisierten die Bedrohung der Arbeitsplätze, auch die Regierungen in Niedersachsen und Berlin protestierten und reichten sogar Klage gegen die EU-Richtlinie ein.

Doch schon damals drängte sich dasberühmte Bild vom Schwanz auf, der mit dem Hund wedelt. Und aus heutiger Sicht muss man sich sogar fragen, ob das Protestgebrüll von Reemtsma wirklich nur den 600 Arbeitsplätzen galt oder vielmehr dem zu erwartenden Verkaufspreis. Denn ein Werk, das vor der Schließung steht, dürfte wohl kaum noch an den Mann zu bringen sein. Ist das der Karren, vor den sich Regierung und Gewerkschaften so bereitwillig spannen ließen? Paul Lenz
 

Tabak-Boss rät seinen Kindern, nicht zu rauchen

Martin Broughton, Chef des weltweit zweitgrößten Tabakkonzerns British American Tobacco (BAT), raucht selbst nicht und rät auch seinen Kindern, Zigaretten nicht anzurühren. Rauchen sei gesundheitsschädlich. Das sagt ausgerechnet der Mann, dessen Unternehmen viel Geld dafür ausgibt, um die Kinder anderer Leute zum Rauchen zu verführen. Laut BAT-Finanzbericht sind junge Erwachsene unter 30 Jahren die Zielgruppe des Konzerns. Es ist zu hoffen, dass diese Aussagen Rauchern in den USA bei ihren Prozessen gegen die Zigarettenhersteller helfen.
 

TED-Umfrage:

78 Prozent für Abschaffung der Zigarettenautomaten
An einer TED-Umfrage des Westdeutschen Rundfunks für die Fernsehsendung WESTPOL am 18. Januar 2002 beteiligten sich 8.500 Zuschauer. 77,8 Prozent forderten eine völlige Abschaffung der Zigarettenautomaten, 22,2 Prozent waren dagegen.
 

Organisierte Kriminalität: Zigarettenschmuggel

157 Millionen unversteuerte Zigaretten beschlagnahmten die Fahnder 2001 in den Bundesländern Berlin und Brandenburg. Mehr als 7.600 Strafverfahren wurden eingeleitet. Von 470 illegalen Handelsplätzen allein in der Hauptstadt Berlin gehen die Ermittler aus. Alles Daten, die auf eine organisierte Kriminalität schließen lassen. Dabei gehen die Täter nicht nur raffiniert, sondern immer gewaltbereiter vor. Der Schmuggel vollzieht sich zunehmend in wirtschaftlichen Strukturen. So wird der gewerbliche Güterverkehr auf den Landstraßen und auf dem Wasser zum Schmuggeln genutzt. Scheinfirmen werden gegründet und renommierte Wirtschaftsunternehmen zur Tarnung krimineller Machenschaften missbraucht. Meldungen aus anderen Bundesländern (Hamburg: 9,4 Millionen Zigaretten mit einem Steuerschaden von 854.000 Euro; Münster: 22,5 Millionen Zigaretten mit einem Steuerschaden von 5,3 Millionen Euro) unterstreichen, dass der Zigarettenschmuggel kein Problem ist, das sich auf eine Region beschränkt.
Hamburger Abendblatt, 20.3.02
Berliner Zeitung, 21.1.02
Westfälische Nachrichten, 22.9.01
 

2001: Tabakkonsum nahm zu
 
Tabakerzeugnisse
Versteuerte
Verkaufswerte
Veränderung
zum Vorjahr
Versteuerte
Mengen
Veränderung
zum Vorjahr
Zigaretten
19,9 Mrd. Euro
+ 3,6 %
142,5 Mrd. Stück
+ 2,1 %
Zigarren und Zigarillos
499 Mill. Euro
- 1,5 %
2.511 Mill. Stück
- 1,8 %
Feinschnitt
810 Mill. Euro
+ 9,4 %
13.803 Tonnen
+ 8,2 %
Pfeifentabak
94 Mill. Euro
+ 2,5 %
924 Tonnen
+ 1,7 %
Feinschnittrollen
330 Mill. Euro
+ 32,6 %
2.469 Tonnen
+ 33,3 %
insgesamt
21,6 Mrd. Euro
+ 4,0 %
X
X

Auch wenn die Erhöhung der Tabaksteuer zum 1. Januar 2002 den Umatz zum Jahresende noch einmal angekurbelt hat: Festzustellen ist, dass das Jahr 2001 eine Steigerung des Tabakkonsums gebracht hat. Die Zunahme des Rauchens bei Jugendlichen findet in den vorliegenden Daten ihre Bestätigung. Der Rückgang bei den Zigarren und Zigarillos, beides Produkte, die fast ausschließlich von Erwachsenen geraucht werden, weist ebenfalls darauf hin, wo angesetzt werden muss, wenn man den Raucheranteil in der Bevölkerung ernsthaft senken will.

Wie sich das 12. Euro-Einführungsgesetz auf den Tabakkonsum und die Tabaksteuer-Einnahmen auswirken wird, kann noch niemand abschätzen. Seit August 2001 können sich nämlich Raucher für den privaten Bedarf per Post bis zu 800 Zigaretten tabaksteuerfrei aus dem EU-Ausland schicken lassen. Während in Deutschland eine Schachtel Zigaretten durchschnittlich 3,30 Euro kostet, muss der Käufer in Portugal ca. 1,80 Euro zahlen. Da die Regelung nur für Privatpersonen gilt, hält sich der Steuerausfall wohl in Grenzen.
Süddeutsche Zeitung, 25.9.01
 

EU-Kommissare scheitern beim Subventionsabbau

EU-Agrarkommissar Franz Fischler und Verbraucherkommissar David Byrne scheiterten mit ihrem Vorschlag, die Tabaksubventionen abzubauen, an der Mehrheit der Landwirtschaftsminister der EU-Mitgliedsstaaten. Diesmal waren nicht die Deutschen die Bremser. Agrar- und Verbraucherschutzministerin Renate Künast unterstützte zusammen mit ihren Kollegen aus Großbritannien und den Niederlanden eine formelle Erklärung der Kommission, die an ihrem Konzept festhalten will, den Tabakbauern mittelfristig andere Einkommensquellen zu erschließen.

Für die Kommission ist das Auslaufen der Tabaksubventionen von derzeit rund einer Milliarde Euro im Jahr eine Frage der Glaubwürdigkeit. Doch die Agrarminister setzten durch, dass die Beihilfen in den nächsten drei Jahren unverändert bleiben. Ihr einziges Zugeständnis: Der Fond, aus dem Initiativen zur Umstellung der Tabakerzeugung auf andere Produkte, etwa Erdbeeren, gefördert und Informationskampagnen gegen das Rauchen finanziert werden sollen, wird aufgestockt.
 

USA: 150 Millionen Dollar für Raucher

Ein Gericht in Portland im US-Bundesstaat Oregon sprach den Erben der an Lungenkrebs gestorbenen Raucherin Michelle Schwarz 150 Millionen US-Dollar zu. Es wies dem Tabakkonzern Philip Morris 51 Prozent Schuld an dem Tod der Frau zu. Zwar habe die Verstorbene selbst die Entscheidung getroffen zu rauchen, doch habe der Marlboro-Produzent seinerzeit fälschlicherweise leichte Zigaretten als sichere im Vergleich zu normalen Zigaretten dargestellt. Das Gericht teilte die Strafsumme auf in 25 Millionen Dollar wegen Fahrlässigkeit, 10 Millionen Dollar für Haftung und 115 Millionen Dollar wegen Täuschung. Süddeutsche Zeitung, 25.3.02
 

Österreich: 74 Prozent für ein Rauchverbot in Kinofoyers

Interaktiv per Internet ließen die "Hollywood Megaplex"-Kinos über die Frage abstimmen, ob in den Kinofoyers geraucht werden darf. Das Ergebnis war eindeutig: 75 Prozent befürworteten das Rauchverbot, 15 Prozent lehnten es ab und 10 Prozent setzten ihr Kreuzchen bei "egal".
 

Italien: Autofahrer musste weggeworfene Kippe suchen

Italienische Verkehrspolizisten haben einem Autofahrer in Südtirol eine besondere Strafe auferlegt: Sie ließen ihn eine zuvor aus dem Autofenster weggeworfene Zigarettenkippe auf der Brenner-Staatsstraße bei Trient suchen. Er sollte nicht nur ein Bußgeld zahlen, sondern den Ort des Vergehens - so wie es das Gesetz vorschreibt - "wieder in seinen ursprünglichen Zustand" versetzen. Hoffentlich ziehen auch noch andere Autofahrer die Lehre aus dem Vorfall.
Süddeutsche Zeitung, 26.3.02
 

Erfahrungen in Kanada: Grässliche Bilder reduzieren Tabakkonsum

Seit letztem Jahr müssen in Kanada Zigarettenpackungen außen zur Hälfte mit Bildern bedeckt sein, auf denen ein Lungentumor, ein geschädigtes Herz, ein Gehirn nach einem Schlaganfall, ein verunstalteter Mund samt Zähnen oder eine schlaffe Zigarette, die symbolisieren soll, dass Rauchen auch zu sexuellen Störungen führen kann, zu sehen ist. Ferner müssen Einlageblätter auf weitere Gefahren hinweisen sowie Tipps zur Raucherentwöhnung geben.

90 % der Raucher haben diese Warnungen zur Kenntnis genommen und die Hälfte sei nun stärker betroffen, was die gesundheitlichen Auswirkungen anbelangt, und etwas mehr motiviert, mit dem Rauchen aufzuhören - so die Canadian Cancer Society (Kanadische Krebsgesellschaft).

Einer Studie zufolge haben 20 % der Raucher wegen dieser Bilder ihren Zigarettenkonsum reduziert. Ken Kyle, Direktor der Canadian Cancer Society sagte: "Für mich ist klar, dass diese Warnungen funktionieren und dass das Ergebnis eine verbesserte Gesundheit für viele Kanadier bedeuten wird".

Ein Langzeitraucher bestätigte, dass ihn die Vorstellung von verrotteten und vergilbten Zähnen schockierte, da es sichtbare Auswirkungen des Rauchens sind. Allerdings veranlasse es wohl den chronischen Raucher dennoch kaum zum Aufhören. Eine starke Preiserhöhung würde wohl für ihn eine stärkere Motivation zur Reduzierung oder zum Aufhören bedeuten als diese Bilder auf den Verpackungen. So habe dieser Raucher auf einer Englandreise vor kurzem 11 Can$ für eine Packung mit 20 Zigaretten bezahlt. Diesen Effekt haben auch Nichtrauchervereinigungen erkannt und sie votieren deshalb für eine Wiedereinführung der bis vor kurzem erhobenen Zigarettensteuern.

Die Studie über die bildhaften Warnungen auf Zigarettenpackungen wurde übrigens im Sept./Okt. 2001 an 633 erwachsenen kanadischen Rauchern und 1.398 Nichtrauchern durchgeführt. Dr.Kyle bestätigte, dass ein ähnliches Programm Ende Januar in Brasilien verabschiedet werden soll und dass die WHO überlegt, weltweit diese bildhaften Warnungen zu fordern.
www.globeandmail.com, Januar 2002
Übersetzung: Georg Bachmaier

Raucheranteil fällt auf 23%

Der Raucheranteil hat in Kanada den niedrigsten Stand erreicht, der jemals festgestellt wurde. Ein markanter Unterschied zu den Tagen, als eine Packung Zigaretten in der Tasche jedes zweiten Kanadiers steckte.

Gemäß den letzten Statistiken von Health Canada (Kanadisches Bundesamt für Gesundheit) konsumiert heutzutage - dank steigender Tabaksteuer, effektiven Werbeverboten und auf Zigarettenpackungen gedruckten Gesundheitswarnungen (siehe obigen Bericht) - nicht einmal jeder vierte Kanadier Tabakprodukte.

In der ersten Jahreshälfte 2001 haben 23% der über 15-jährigen Kanadier geraucht, verglichen mit 24% im Jahr davor. Das ist der niedrigste Stand seit 36 Jahren, als Kanada begann, solche Statistiken zu führen.

Männer paffen durchschnittlich immer noch mehr als Frauen, außer in der Kategorie der 15- bis 19-jährigen. Die Umfrage zeigt, dass 26% der weiblichen Teenager rauchen, verglichen mit 20% der männlichen Teenager.

Die meisten Raucher sind stark abhängig, wobei mehr als die Hälfte angegeben haben, eine Zigarette innerhalb der ersten halben Stunde nach dem Aufstehen anzuzünden.

Die Bundesregierung hofft, den durchschnittlichen Raucheranteil noch weiter zu senken, auf 20% bis 2011, ein Ziel, das klar in Sicht ist.

"Ich würde nicht sagen, dass es ein radikaler Unterschied ist," meinte Andrew Swift, Sprecher von Health Canada, zur 1%igen Verminderung, aber "wenn es in diesem Ausmaß weitergeht, werden wir unser Ziel früher als erwartet erreichen."
Nichtraucher-Organisationen haben sich über die Nachricht gefreut. "Das sind fantastische Zahlen," sagte Cynthia Callard, Vorstandsdirektorin der Physicians for a Smoke-Free Canada (Ärzte für ein rauchfreies Kanada). "Sie sind wirklich eine willkommene Veränderung." Und Francis Thompson, ein Politikexperte der Non-Smokers´ Rights Association (Vereinigung für die Rechte der Nichtraucher) meinte, die Statistiken zeigen, dass Maßnahmen zur Einschränkung des Tabakkonsums funktionieren.

72% der Befragten zwischen 15 und 19 Jahren gaben an, niemals geraucht zu haben. Der höchste Raucheranteil ist unter den 20- bis 24-Jährigen anzutreffen: 24%.

Bill Corrigall, Direktor für Rauchen und Nikotinabhängigkeit am Toronto Centre for Addiction and Mental Health (Zentrum für Sucht und Psychische Gesundheit in Toronto), meint, dass die neuen Zahlen überhaupt nicht überraschend sind. "Ich sage nicht, dass der einprozentige Rückgang nichts Neues ist und dass er unwichtig ist," sagte Mr. Corrigal. "Es ist eine großartige Neuigkeit. Ich denke nur, dass auch schon die anderen Daten aus den letzten Jahren in dieselbe Richtung zeigten."
Er ist sich nicht so sicher, dass der Raucheranteil weiter sinken würde, in Anbetracht des Ausmaßes, in dem er in den frühen 90ern sprunghaft gestiegen ist, als es kein Werbeverbot für Tabak gab, geschmuggelte Zigaretten den Markt überschwemmten und die Bundesregierung beim Versuch, die illegale Zigarettenflut zu bekämpfen, die Steuern reduzierte.
"Wir wissen, dass der Raucheranteil gesunken ist, aber wir kennen nicht den langfristigen Trend", sagte der Forscher. "Er hat sich ziemlich stark bewegt, oder?"

Der Raucheranteil nach Provinzen hielt einige Überraschungen bereit, wobei Neufundland einen gewaltigen Rückgang von 28% im ersten Halbjahr 2000 auf 22% in 2001 verzeichnete.

Auch in Quebec haben sich die Dinge verbessert. Dort sank der Raucheranteil von 28 % auf 26 %. Ein Rückgang, den Mr. Thompson teilweise auf die Entscheidung der Provinzregierung, die Kosten für Medikamente zur Raucherentwöhnung zu übernehmen, zurückführt.

Nur British Columbia (17%) und Ontario (22%) sind unter dem nationalen Durchschnitt, während Prince Edward Island und Manitoba mit jeweils 28% für die zweifelhafte Ehre stehen, den höchsten Raucheranteil zu haben. Dazwischen liegen Saskatchewan (26%), New Brunswick (26%), Alberta (25%) und Nova Scotia (24%).

Die Umfrage von Health Canada und Statistics Canada basiert auf Interviews mit 10.700 Teilnehmern, die im Februar bis Juni letzten Jahres geführt wurden.

Kanada 23%
Neufundland 22%
Prince Edward Island 28%
Ontario 22%
Manitoba 28%
Saskatchewan 26%
Nova Scotia 24%
New Brunswick 26%
Quebec 26%
Alberta 25%
British Columbia 17%
www.globeandmail.com, Januar 2002

Übersetzung: Alfred Steyrer
 

Nichts immer hinnehmen, was schlecht ist!

NID-Mitglied Edmund Kaliske ruft dazu auf, im Nichtraucher-Info über Erlebnisse zu berichten, die die Leser ermutigen könnten, überall dort für eine Änderung schlechter Verhältnisse zu sorgen, wo es möglich ist. Hier sein Beitrag:

"Ich selbst bin im Umgang mit Raucherinnen und Rauchern nicht der vorbildliche Diplomat und daher bei meinen Bekannten als überzeugter Nichtraucher akzeptiert. In meiner großen Verwandtschaft, wo ich oft eingeladen bin, probiert keiner, sich in meiner Nähe oder gar im selben Zimmer eine Zigarette anzuzünden. Selbst wenn ich die Wohnungen betrete, wird vorher gut gelüftet. Der Grund dafür sind meine oft spitzen Bemerkungen und überzeugenden Vorträge gegen das Übel des Rauchens.

In der Gastronomie habe ich eigentlich kein Recht, gegen Raucher zu wettern. Doch muss sich ein Tischnachbar, der nach mir kommt und sich eine Zigarette anzündet, meine Bemerkungen anhören, die ich natürlich nicht direkt an seine Adresse richte, sondern an meine Frau neben mir und eventuell an die Tischrunde. Ich riskiere damit möglicherweise Streit, wobei ich natürlich verbal einigermaßen gut drauf sein muss. Aber meistens kann ich bei solchen Gewohnheits- oder Suchtrauchern eine gewisse Verunsicherung schaffen. Meine Bekannten versuchen mich bei solchen Attacken oft zu bremsen, weil sie Unannehmlichkeiten befürchten. Doch ich stehe auf dem Standpunkt, dass ich mich äußern muss, wenn ich belästigt werde, genauso wie die meisten jammern, wenn sie Schmerzen haben.

Hier wird ein Problem sichtbar, das zu den typisch deutschen Problemen gehört: Man meckert zwar gerne hinter vorgehaltener Hand, möchte aber um alles in der Welt keine Unannehmlichkeiten riskieren. Lieber leiden und jammern. So sieht es eben traurig aus bei uns mit der berühmten Zivilcourage.

Im September war ich zehn Tage im Krankenhaus. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich dort durch rauchendes Personal belästigt werden könnte. Doch da hatte ich mich getäuscht. Nach einigen Tagen kam die stellvertretende Stationsschwester aus dem Urlaub zurück und stellte sich bei mir vor. Beim Pulsmessen bemerkte ich bei ihr einen durchdringenden ‚Rauchdunst'. Zuerst war ich schockiert, doch dann wurde mir immer klarer, dass ich das so nicht akzeptieren konnte.

Nach einer Stunde kam sie wieder in mein Zimmer, diesmal in Begleitung einer Auszubildenden. Das nahm ich zum Anlass, sie zu bitten, vor einem Besuch bei mir nicht mehr zu rauchen. Dazu erläutere ich ihr näher, dass das Rauchen für Nichtraucher belästigend sei. Die Angesprochene sah zwar keinen Grund zur Entschuldigung, doch stammelte sie mehrmals mit hochrotem Kopf: "Ja, ja".

Am anderen Tag kam sie wieder, etwas reserviert, aber ohne nach Tabakrauch zu stinken. Wir verstanden uns übrigens später immer besser, ohne das Thema zu erwähnen. Ich denke, ich habe ein Zeichen gesetzt und sie hat darüber nachgedacht.
 

Wie man Tabakqualm im "Fressnapf" beseitigt

Jahrelang kaufte NID-Mitglied Anton Sturm ausschließlich in der Fressnapf-Filiale Traunreuth Futter und Streu für seine Katze ein. Vor zwei Jahren jedoch bemerkte er im Kassenbereich Tabakgestank. Seine mehrmalige Beschwerde wurde von der Kassiererin jedoch mit hilflosem Achselzucken abgetan. Einmal verwies sie auf einen - unschuldigen - Lkw-Fahrer, der gerade Waren anlieferte. Ursache für den Tabakgestank war jedoch, dass eine jüngere Mitarbeiterin im Lager bei offenstehenden Türen rauchte. Anton Sturm machte das, was jeder Kunde tun sollte, dessen berechtigte Beschwerden unbeachtet bleiben: Er kaufte bei der Konkurrenz ein.

Im Herbst 2001 entschloss er sich zu einem Schreiben sowohl an die örtliche Filiale als auch an die Zentrale der Fressnapf Tiernahrungs GmbH in Krefeld. Er würde an sich gerne wieder bei Fressnapf einkaufen, wenn er sich nicht mehr über Tabakgestank beklagen müsste. Als Anlage fügte er eine Kopie sämtlicher Rechnungen und Quittungen von den Geschäften bei, in denen er inzwischen Katzenstreu und Katzenfutter eingekauft hatte. Gesamtsumme immerhin: 804,23 DM.
Eineinhalb Monate später teilte ihm die für den südostbayerischen Bereich zuständige P. Papachryssanthou oHG mit:

"Wir bedauern sehr, dass Sie in unserem Geschäft Tabakqualm ausgesetzt wurden. Hierzu möchten wir feststellen, dass in unserem Geschäft absolutes Rauchverbot besteht, welches von unseren rauchenden Mitarbeiterinnen auch peinlichst eingehalten wird (dies wurde von den nichtrauchenden Mitarbeitern auch bestätigt).

Unsere Mitarbeiterinnen verbringen einen Teil ihrer Kurz- bzw. Mittagspausen außerhalb des Geschäftes und es liegt nicht in unserer Befugnis, den Damen das Rauchen außerhalb der Geschäftsräume zu verbieten. Sollte eine der Mitarbeiterinnen vor der etwas offen stehenden Lagertür geraucht haben und der Wind ungünstigerweise den Rauch in das Lager und somit auch in den Verkaufsraum geblasen haben, bitten wir dies zu entschuldigen.

Da auch wir Nichtraucher und über gesundheitliche Risiken des Rauchens informiert sind, kennen wir die Probleme zwischen Nichtrauchern und Rauchern. Aber mit etwas gegenseitiger Toleranz können sicher Raucher und Nichtraucher miteinander auskommen (wie Sie selbst in Ihrem Brief schreiben, ist das Rauchen eines jeden Menschen Privatsache, wenn auch eine ungesunde).

Wir bitten Sie hiermit nochmals um Entschuldigung für die Belästigung durch Tabakqualm und hoffen, Sie demnächst wieder als Kunden begrüßen zu dürfen."

Es folgen die eigenhändigen Unterschriften von acht Mitgliedern des Traunreuther Fressnapf-Teams.
 

Skandalöse Zustände in HNO-Klinik in Essen

Ein Patient der Hals-Nasen-Ohren-Klinik der Universität Essen berichtet:

Ich habe wegen meines jahrelangen Rauchens Kehlkopfkrebs bekommen (Alkohol habe ich nie im Übermaß zu mir genommen) und musste mich deshalb operieren lassen. Dabei lernte ich die skandalösen "Rauch-Zustände" in der HNO-Klinik der Uni Essen kennen. Zwar ist den Patienten das Rauchen innerhalb der Klinik verboten, doch schon beim Betreten des Gebäudes ist die gewaltige Qualmwolke der Patienten vor dem Eingang zu passieren. In der Ambulanz wird man von den pausenlos rauchenden Sekretärinnen in den Schreibstuben gequält. Die Türen sind immer offen.

Auf den Stationen herrscht von Seiten der Angestellten dieselbe Ignoranz gegenüber den an Krebs Erkrankten und denjenigen, die endlich mit der Tod bringenden Sucht aufhören sollen: In den Schwesternzimmern wird - bei meist offenen Türen - geraucht, bis man die Hand nicht mehr vor Augen sieht. Wenn die Kinder auf ihrer Station Spiel- und andere Sachen haben wollen, müssen sie dazu ins verräucherte Schwesternzimmer gehen.

Ein Arzt, den ich dazu befragte, sagte mir, dass er allein nicht den Mut besäße, die Missstände zu beseitigen. Sonst sei ihm die offene Feindschaft der ignoranten Mitarbeiter gewiss.

Nach der Operation wird man in den Aufwachraum verlegt, der direkt neben dem Frühstücksraum der OP-Schwestern liegt. Wegen der Überwachung ist natürlich auch hier die Tür ständig geöffnet. Nach einer schweren Operation frische Luft zu bekommen, ist schier unmöglich.

Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass ich mich nicht persönlich bei der Klinikleitung beschwere. Ich bin durch meine Krankheit an diese Klinik gebunden und fürchte mich vor Repressalien - und so geht es sicherlich auch anderen Patienten.

Solche oder ähnliche Berichte erreichen die NID immer wieder, wobei das Ausmaß der Gesundheitsbeeinträchtigung nicht immer so groß ist wie in diesem Fall. Wie sind solche Verhältnisse zu ändern? Grundsätzlich kann man sagen, dass es in der Regel nicht von heute auf morgen geht, sondern ein erhebliches Maß an Beharrlichkeit erforderlich ist. Die Möglichkeiten reichen von dem Anprangern dieser Zustände in der Öffentlichkeit über die direkte Ansprache der Verantwortlichen bis hin zur Klage vor Gericht. Für welchen Weg man sich auch letztendlich entscheidet: klare rechtliche Regelungen erleichtern die Argumentation.

Zwar betrifft die Arbeitsstättenverordnung zunächst nur die Arbeitnehmer, doch wirkt sie sich auch auf andere Lebensbereiche aus. Wenn der vom Bundestag beschlossene Nichtraucherschutz endlich in Kraft tritt, muss z.B. ein Krankenhaus das Rauchen in allen Arbeitsräumen (auch im Schwesternzimmer) verbieten; denn auf jeder Station wird sich wohl mindestens eine Nichtraucherin befinden.
 

Astrid Benöhr: Laufen statt Rauchen

1979 hatte ihr Chef zu der heute 44-jährigen Ultratriathlon-Läuferin gesagt: "Laufen Sie lieber, statt zu rauchen!" Seitdem läuft sie und läuft und läuft... In der Woche nach Ostern begann sie ihren Laufen-statt-Rauchen-Lauf quer durch Deutschland - 1.115 Kilometer von München über Köln nach Hamburg in 14 Tagen.
Süddeutsche Zeitung, 30.3.02
 

Rauchverbot bei Gala wegen Donald Sutherland

Am 11. Februar trafen sich eine ganze Reihe von Hollywood-Stars und auch deutsche Prominente auf dem Gendarmenmarkt in Berlin zur Benefiz-Gala "Cinema for Peace" zu Gunsten von Unicef. Es herrschte absolutes Rauchverbot - wegen der Allergie von Donald Sutherland gegen Tabakqualm.
B.Z., 12.2.02

Sprechende Zigarettenschachtel

Der englischen Firma Molins wurde das Patent für eine sprechende Zigarettenschachtel erteilt (GR2351061). Ein eingebauter Sensor aktiviert einen Sprachchip, sobald die Packung geöffnet wird. Über einen im Boden versteckten Mini-Lautsprecher wird der Raucher nun vor seinem Tun gewarnt - z.B. durch einen Trauermarsch oder gesprochene Worte. Damit ergänzt die sprechende Zigarettenschachtel die Warnungen, die auf der Verkaufspackung laut Vorschrift in Bild und Schrift erscheinen müssen. Doch was ist, wenn der Chip ausgetauscht wird, z.B. gegen einen, der das Rauchen verherrlicht? Computer & Co. 4/01
 
 
Immer an das Positive denken!
Alle 8 Sekunden stirbt ein Raucher.
Richtig.
Wichtiger jedoch ist,
dass in den 7 Sekunden dazwischen
kein Raucher stirbt!

Terminkalender
 
13./14. April 2002
Mitgliederversammlung der
Nichtraucher-Initiative
Deutschland e.V.
und
Informationsaustausch der
Nichtraucher-Initiativen
in Gerabronn
' 089/3171212

20. bis 22. Juni 2002
3. Europäische Konferenz
Rauchen oder Gesundheit
in Warschau/Polen
' ++4822/8319173
6 ++4822/8319177
administration@ectoh2002.org
scientific@ectoh2002.org
www.ectoh2002.org

4. bis 6. Juli 2002
3. Interdisziplinärer Kongress
für Suchtmedizin in München
' 08191/125-433
6 08191/125-600
r.lohwieser@m-i-c.de
www.suchtkongress.de