Nichtraucher-Info Nr. 51 - III/03 Juli 2003
Inhalt:
Tabakrauch verdunkelt deutsche Fernsehserien vor allem in ARD und ZDF
Welt-Nichtrauchertag in Deutschland
Pressemitteilung der Grünen-Fraktion
Gedicht zur Mitgliederversammlung
SPD-Parteitag für WHO-Abkommen
40.000 Krebstote durch Rauchen
Tabaksteuer-Erhöhung gut und schlecht
Tabaksteuer-Erhöhung schafft Arbeitsplätze
Grüße aus dem Nichtraucher-Paradies Kanada
Umsatz im Gastgewerbe rückläufig
Gastronomieführer für Nichtraucher
Was hat sich getan beim Nichtraucherschutz?
Nichtraucherschutz an Hochschulen
Willkommen in der rauchfreien Universität Ulm
Aschenbecher konterkarieren Rauchverbot
CDU-Kreisparteitag in Karlsruhe rauchfrei
Rauchen nur noch an geraden Tagen
Rauchfreie Bahnhöfe in Berlin mit Kommentar
USA: New Yorks Gastronomie rauchfrei
USA: Richter lehnen Sammelklage ab
Frankreich: Nichtraucherschutz in Theorie und Praxis
Goethe-Preis für Gro Harlem Brundtland
Tabak - die Droge, die Bäume fällt
Tabakverarbeitung erbringt nur 1 Promille der deutschen Wirtschaftsleistung
Tabakwarenverkauf im 1. Quartal 2003 - 5,1 Prozent weniger Zigaretten verkauft
Ärztlicher Arbeitskreis fordert rauchfreie Fußball-WM
Alleinerziehende Mütter häufiger Raucherinnen
Raucher verlieren drei Mal so viel Zähne wie Nichtraucher
Lutschen gegen Rauchen (NiQuitin)
Nichtraucher-Disco in Dortmund
Tabakrauch verdunkelt deutsche Fernsehserien
vor allem in ARD und ZDF
Das von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebene Motto Tobacco free film - Tobacco free fashion: Action! nahm die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) zum Anlass, Daten über die Darstellung des Rauchens in Fernsehserien und Spielfilmen zu gewinnen. Sie ließ dazu in der Woche vom 5. bis 11. Mai 2003 65 Fernsehserien und 20 Spielfilme, die zwischen ca. 14 und 24 Uhr in den bundesweit empfangbaren öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF sowie in den privaten Fernsehsendern RTL, RTL2, Sat.1, Pro 7., Kabel 1 und Vox liefen, beobachten, von manchen Fernsehserien auch mehrere Folgen.
Welche Fernsehserien und Spielfilme beobachtet wurden, hing von den rund 30 Beobachtern ab, die sich freiwillig und ohne Bezahlung zur Verfügung stellten. Die Beobachter waren bei der Auswahl der Fernsehserien und Spielfilme völlig frei. Es wurde ihnen gegenüber lediglich die Bitte geäußert, wenn möglich primär deutsche Fernsehserien und Spielfilme und sekundär Comedy-Serien zu wählen sowie primär Fernsehserien und Spielfilme mit Herstellungsdatum zwischen 1990 und 2003. Die Beobachter erhielten ein Beobachtungsblatt, auf das sie in Strichfeldern folgende Daten eintragen sollten:
Häufigkeit von Rauchbildern: Zahl der im Film rauchend dargestellten Personen, der gezeigten Rauchsituationen und der gerauchten Zigaretten;
Art des Rauchvorgangs: Zigarette anzünden, genüssliches Rauchen, gequältes Rauchen;
Rauchanlass/Rauchsituation: Stress, Entspanntsein. kein Anlass erkennbar;
Tabakwerbung: Tabakwerbung (z.B. auf Plakat) erkennbar, Zigarettenautomat erkennbar, Zigarettenmarke auf Packung erkennbar.
Außerdem sollten die Beobachter das Rauchverhalten der Schauspieler in den Haupt- und Nebenrollen festhalten und bewerten, ob sie eher Sympathen oder Unsympathen sowie Sieger- oder Verlierertypen darstellen.
Auswertung
Diese Beobachtung von Fernsehserien und Spielfilmen unter dem Aspekt Rauchen ist - soweit bekannt - bisher einmalig und kommt einer Pilotstudie gleich. Die dabei gemachten Erfahrungen dienen als Basis für eine spätere umfangreichere Forschungsarbeit zur Ermittlung detaillierter Daten vor allem über die Entwicklung der Darstellung des Rauchens in Fernsehserien und Spielfilmen.
Der ersten Auswertung zum Welt-Nichtrauchertag auf der Basis der Zahl der in Fernsehserien und Spielfilmen rauchend dargestellten Personen werden weitere Auswertungen folgen. Da alle Beobachtungsdaten über das Internet (www.nichtraucherschutz.de) zur freien Verfügung stehen, können sich Interessierte daran beteiligen.
Die Beobachtung der 65 Fernsehserien und 20 Spielfilme in der Woche vom 5. bis 11. Mai 2003 brachte - kurz gefasst - folgende Ergebnisse:
1. Auswertung nach Ländern
Weit über 90 Prozent aller hierzulande gezeigten Fernsehserien und Spielfilme sind entweder in Deutschland oder in den USA hergestellt worden. Deshalb macht nur ein Vergleich zwischen diesen beiden Ländern Sinn.
In 11 von 12 deutschen Spielfilmen (91,7 %) wurden 1 bis 9 Personen rauchend dargestellt, während nur in 5 von 8 US-Spielfilmen (62,5 %) 1 bis 2 Personen rauchend zu sehen waren.
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In deutschen Spielfilmen
wird deutlich mehr geraucht als in US-Spielfilmen. |
In 32 von 51 deutschen Fernsehserien (62,7 %) wurden 1 bis 11 Personen rauchend dargestellt. Dagegen traten nur in 2 von 13 US-Fernsehserien (15,4 %) rauchende Personen auf.
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In deutschen Fernsehserien wird viermal so häufig geraucht wie in US-Fernsehserien. |
In den 5 deutschen Spielfilmen, die im Jahr 2003 hergestellt wurden, waren zwischen 1 und 9 Personen rauchend zu sehen (9, 5, 4, 1, 1). Im Durchschnitt der 11 deutschen Spielfilme mit Rauchern aus den Jahren 2000 bis 2003 traten 4,2 Personen rauchend auf. Aufgrund der geringen Anzahl lässt sich kein Trend ablesen. Bei den 5 US-Spielfilmen mit Rauchern aus den Jahren 1992 bis 2000 traten durchschnittlich 1,2 Personen rauchend auf.
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In deutschen Fernsehserien wird viermal so häufig geraucht wie in US-Fernsehserien. |
In 3 von den 4 neuen Fernsehserien aus dem Jahr 2003 wird geraucht. Einsam an der Spitze liegt dabei die Krimiserie "Wilde Engel" (RTL), in der 11 Personen rauchend auftreten. Die in den Jahren 2001 und 2002 begonnenen Fernsehserien sind genau zur Hälfte mit rauchenden Personen belastet. Bei den seit 1997 hergestellten 7 US-Fernsehserien sind nur einmal (2001) rauchende Personen zu sehen.
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In deutschen Fernsehserien wird seit dem Jahr 2000 unverändert viel geraucht. |
2. Auswertung nach Sendern
In 8 von 11 Spielfilmen (72,7 %) in den beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD (5 von 7) und ZDF (3 von 4) werden Personen rauchend dargestellt; bei den privaten Fernsehsendern Kabel 1, Pro 7, RTL, RTL 2, Sat.1 und Vox geschieht dies in 8 von 9 Spielfilmen (88,9 %).
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In den privaten Fernsehsendern wurden geringfügig mehr Spielfilme mit rauchenden Personen gezeigt als in den beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF. |
In 23 von 36 Fernsehserien (63,9 %), die in den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD (16 von 24) und ZDF (7 von 12) liefen, werden Personen rauchend dargestellt; bei den privaten Fernsehsendern gilt dies für 11 von 29 Fernsehserien (37,9 %). Der Grund hierfür ist darin zu sehen, dass in den öffentlich-rechtlichen Sendern weitaus mehr rauchbelastete deutsche Fernsehserien gezeigt werden als in den privaten Fernsehsendern, wo US-Produktionen überwiegen.
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In den beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern ARD und ZDF wurden doppelt so viel Fernsehserien mit rauchenden Personen gezeigt wie in den privaten Fernsehsendern. |
Bewertung
Die Beobachtung rund der Hälfte der in einer Mai-Woche gezeigten Fernsehserien und Spielfilme liefert hinreichend Daten zur Unterstreichung der These, dass durch deutsche Fernsehsender beträchtlicher Einfluss auf den Tabakkonsum ausgeübt wird. Die Stimulierung des Rauchens geht dabei hauptsächlich von deutschen Produktionen und von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern aus.
Man mag entgegenhalten, dass viele Zigaretten von Unsympathen und Verlierertypen geraucht werden. Für die Annahme und Weitergabe von Verhaltensweisen ist jedoch entscheidend, dass das Rauchen als eine völlig normale Verhaltensweise dargestellt wird, die keiner Beschränkung unterliegt. So sind auch die Fälle, in denen in den Fernsehserien und Spielfilmen auf die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens abgehoben wird, an den Fingern einer Hand abzuzählen.
Man mag entgegenhalten, dass rund ein Drittel der Fernsehzuschauer selbst raucht. Dabei übersieht man, dass der Rauchvorgang selbst bei einer Schachtel Zigaretten am Tag nur einen geringen Teil der Wachzeit ausmacht und viele relevanten Handlungen nur ohne Zigarette ablaufen können.
Bei ungezielten Beobachtungen von Spielfilmen und Fernsehserien in den beiden Wochen vor und nach der ausgewählten Fernsehbeobachtungswoche wurden vergleichbare Daten ermittelt.
Die vor allem in privaten Fernsehsendern laufenden US-Comedy-Serien sind in der Regel frei von rauchenden Personen. Da nur 5 von über 50 Comedy-Serien beobachtet wurden, stehen die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender noch viel schlechter da als oben ausgeführt. Den Tatsachen entspricht:
In den öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern werden mehr als dreimal so viel FERNSEHSERIEN mit rauchenden Personen gezeigt wie in den privaten Fernsehsendern.
Das bedeutet, dass die Bürger mit ihren Rundfunkgebühren unfreiwillig dazu beitragen, den Tabakkonsum zu fördern. Die übermäßige Darstellung rauchender Personen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ist somit ein Missbrauch der staatlich festgesetzten Rundfunkgebühren.
Zur Auswahl stehende und beobachtete Fernsehserien und Spielfilme
| Sender |
Fernsehserien |
Spielfilme |
||||
| zur Auswahl | beobachtet | Prozent | Zur Auswahl | beobachtet | Prozent | |
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ARD ZDF RTL Sat.1 Pro 7 RTL 2 Kabel 1 Vox |
25 13 30 12 22 14 23 42 |
24 12 11 6 4 0 2 6 |
96,0 92,3 36,7 50,0 18,2 0,0 8,7 14,3 |
8 5 2 3 6 5 2 7 |
7 4 1 3 2 0 0 3 |
87,5 80,0 50,0 100,0 33,3 0,0 0,0 42,9 |
| Insgesamt | 181 | 65 | 35,9 | 38 | 20 | 52,6 |
Allen Beobachtern, die sich der Mühsal unterzogen haben, das Geschehen auf dem Bildschirm gezielt zu betrachten und die geforderten Daten auf das Beobachtungsblatt in Strichfelder einzutragen sowie die Rolle der Schauspieler zu bewerten, einen herzlichen Dank!

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Hotel
Hubertus garni Wolfratshauser Str. 53 82067
Ebenhausen/Isartal ' + 6 08178 3951 Nichtraucherzimmer
und rauchfreier Frühstücksraum |
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Der Welt-Nichtrauchertag in Deutschland
Es war im Grunde wie in den vergangenen Jahren. Die Presseleute suchten schon lange vor dem 31. Mai nach Informationen und warteten danach nicht den Welt-Nichtrauchertag ab, sondern versorgten ihre Leser zum Teil schon Wochen vorher mit den Inhalten, die sie für interessant und wichtig hielten. Kein Wunder also, dass das eigentliche Thema bei einem solchen Vorgehen nur geringe öffentliche Aufmerksamkeit findet.
Das Aktionsbündnis Nichtrauchen und die Deutsche Krebshilfe hielten beispielsweise am Vortag eine gemeinsame Pressekonferenz ohne größere Resonanz ab. Immerhin stand die Auszeichnung der RTL-Fernsehserie Gute Zeiten, schlechte Zeiten mit dem ersten Rauchfrei Siegel in Deutschland an. Das Rauchfrei-Siegel zielt auf Produktionen, "in denen auf rauchende Charaktere verzichtet wird oder in denen Raucher - wenn aus dramaturgischen Gründen dringend notwendig - als Kriminelle, Bösewichte und Verlierertypen dargestellt werden."
Das findet der Rechtsanwalt Theodor Meckert gar nicht gut. Nach seiner Ansicht werde damit "offensichtlich die Menschenwürde anderer dadurch angegriffen, dass Teile der Bevölkerung, hier der Raucher, böswillig verächtlich gemacht werden, indem sie ausschließlich als Kriminelle, Bösewichte oder Verlierertypen dargestellt werden." Gleichzeitig, so Meckert, werde "dazu aufgerufen, diese Teile der Bevölkerung medienwirksam ausschließlich in der geschilderten Weise darzustellen, um offensichtlich zum Hass gegen diesen Bevölkerungsteil aufzustacheln." Sein Schreiben an die Deutsche Krebshilfe e.V. vom 2. Juni 2003 beendet Meckert mit einem den Worten: "Ganz offensichtlich spiegelt diese Aktion eine tiefgreifende Verankerung faschistischen Gedankengutes wieder. Ich habe daher zur weiteren Klärung zunächst Strafantrag bei der Staatsanwaltschaft Bonn gegen ihren Verein gestellt."
Manche müssen halt immer etwas zu meckern haben. Und wenn es nichts zu meckern gibt, dann muss man halt einfach Tatsachen verdrehen und anderen Menschen übelste Absichten unterstellen. So ein Verhalten ist Ausdruck einer tiefgreifenden Unzufriedenheit mit sich selbst.
Wer die Justizvollzugsanstalten von innen kennt, weiß auch, dass der Anteil der Raucher bei den männlichen Gefangenen bei mindestens 90 und bei den weiblichen bei mindestens 80 Prozent liegt. Daraus zu schließen, dass die meisten Raucher Kriminelle sind, wäre unlogisch und objektiv falsch. Wenn jedoch Autoren und Regisseure in Büchern und Filmen der Rolle eines Kriminellen realitätsnahe Handlungen zuordnen müssen, dann können sie sich beim Rauchen auf eindeutige Erkenntnisse stützen: neun von zehn männlichen Kriminellen rauchen. Das mag dem Rechtsanwalt Theodor Meckert nicht passen. Aber wenn er nicht einmal bereit ist, jederzeit nachprüfbare Tatsachen zu akzeptieren, dann wehe seinen Mandanten! EGK
Am 31. Mai 2003 lud das Nichtraucher-Hotel Privat in Dresden zu einer Gartenparty ein. Niveauvolle Gastronomie und Nichtrauchen sind eine gute Kombination. Dies wollten Doris und Lothar Richter, die Inhaber des Hotels, ihren Gästen zum Welt-Nichtrauchertag zeigen. Etwa 70 Besucher erlebten einen rundum angenehmen Abend mit kulinarischen, optischen und akustischen Genüssen und ohne lästigen Tabakrauch. Die Dresdner Rock 'n' Roll-Tänzer und eine sächsische Marktfrau warben für Bewegung und eine gehörige Portion Humor als zusätzliche Gesundheitsquellen.
Leider musste der Infostand mit den Materialien der NID wegen gelegentlicher Regenschauer vom Eingangsbereich des Hotels in eine Laube im hinteren Teil des Gartens umziehen. Dadurch fand er weniger Beachtung als erwartet. Im Laufe des Abends interessierten sich jedoch immer mehr Besucher für die Materialien und für Auskünfte über die Arbeit der NID. Neben Hotelgästen und Besuchern aus Dresden waren auch Vertreter einer örtlichen Zeitung und der gastronomischen Fachpresse erschienen. Durch ihre Berichte wird die nichtraucherfreundlichen Gastronomie sicher weitere Freunde finden. Dr. Wolfgang Schwarz
Pressemitteilung der Grünen-Fraktion
Biggi Bender, die gesundheits- und drogenpolitischer Sprecherin der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, nahm den Welt-Nichtrauchertag zum Anlass für eine Pressemitteilung und Darstellung der Position ihrer Partei zu diesem Themenbereich mit der Überschrift: "Ein Welt-Nichtrauchertag, dem am besten 364 private folgen".
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Mit diesem Plakat warb der Non-Smokers Dance Club für seine rauchfreie Tanzparty am Welt-Nichtrauchertag in der "Fabrik" (Barnerstr. 36, 22765 Hamburg). Die Premiere der rauchfreien Tanzveranstaltungen in Hamburg fand bereits am 26. April mit rund 600 Gästen statt. Nächster Termin: 27. September 2003 um 22 Uhr. Bilder von den Veranstaltungsräumen gibt es im Internet unter www.nonsmokersdanceclub.de. |
Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID) am 26. April 2003 in Oberwesel
1. Protokoll
Herr Dr. Wolfgang Schwarz, Vizepräsident der NID, begrüßte um 14:15 Uhr 34 Mitglieder, 8 Vertreter von Nichtraucher-Initiativen und 23 Gäste zur 13. ordentlichen Mitgliederversammlung und stellte die Beschlussfähigkeit fest. Er entschuldigte den Präsidenten der NID, Herrn Prof. Dr. Ekkehard Schulz, der seine Teilnahme wegen schwerer Erkrankung leider absagen musste und der Versammlung einen guten Verlauf wünschte.
Danach trug Herr Ernst-Günther Krause, Vizepräsident der NID, unter Verwendung eines PC mit Beamer den Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 2002 vor. Einige Mitglieder und Gäste ergänzten den Vortrag durch Berichte über die Situation vor allem an ihren Hochschulen bzw. ihrem Arbeitsplatz. Herr Prof. Dr. Friedrich Wiebel, Vorsitzender des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, stellte unter Verwendung von Diagrammen das Ergebnis der Befragung von Gastronomiebetrieben in mehreren EU-Ländern dar. Er dankte der NID und den beteiligten Nichtraucher-Initiativen für ihren großen Einsatz bei der
Befragung der deutschen Gastwirte. Herr Dr. Thomas Stüven bestätigte anschließend die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungsführung, die er zusammen mit Herrn Gerhard Haußmann vorgenommen hatte, und stellte Antrag auf Entlastung des Vorstands. Der Antrag wurde einstimmig bei vier Enthaltungen angenommen.
Da das Abendessen im Jugendgästehaus für 18 Uhr angesetzt und die Zeit schon sehr fortgeschritten war, beschloss die Mitgliederversammlung einstimmig, den Tagesordnungspunkt 5 (künftige Strategien und Schwerpunkte) beim Informations- und Erfahrungsaustausch der Nichtraucher-Initiativen am nächsten Tag zu behandeln.
Anschließend bat Herr Krause alle Anwesenden um Mithilfe bei der Beobachtung der Rauchsituationen in Fernsehserien und Spielfilmen und legte dazu die Unterlagen aus.
Herr Dr. Schwarz dankte danach allen Mitgliedern für Ihren Einsatz und schloss die Mitgliederversammlung um 18:10 Uhr.
2. Rechenschaftsbericht
Hauptaufgabe der NID im Geschäftsjahr 2002 war es, Informationen über die künftige bzw. ab 3. Oktober 2002 geltende Regelung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz zu verbreiten. Dazu erstellte die NID die Broschüre Nichtraucherschutz.de. Die Druckkosten für die erste Auflage von 10.000 Stück übernahm die Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung. Seit April 2002, also sechs Monate bevor die Änderung der Arbeitsstättenverordnung durch Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt in Kraft trat, versandte die NID die Broschüre an alle Gewerbeaufsichtsämter, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften und andere Organisationen, um deren Kenntnisse auf den neuesten Stand zu bringen. Kein Wunder also, dass der Postversand weiter zugenommen hat. Hinzu kommt die Beantwortung vieler individueller Anfragen per E-Mail. Die folgende Übersicht enthält nur den registrierten Versand der NID-Geschäftsstelle. Hinzu kommen noch zahlreiche Briefe sowohl des NID-Präsidenten, Prof. Dr. Ekkehard Schulz, als auch von Gerhard Sensenschmidt (Referat Schulen/Hochschulen) und Anton Sturm (Referat Südostbayern).
| Versandart | 2001 | 2002 |
| Postbriefe | 158 | 133 |
| E-Mails | 178 | 429 |
| Pakete | 125 | 149 |
| Druckschriften | 5.162 | 5.504 |
Am Ende des Geschäftsjahres erstellte die NID einen Leitfaden für Nichtraucherschutz an Hochschulen.
Schon in den Monaten vor dem In-Kraft-treten des Nichtraucherschutz-Paragrafen und erst recht danach half die NID mit Rat und Tat bei der Herstellung rechtskonformer Zustände. Das reichte von der Information des Betriebes bis hin zur Information der zuständigen Behörde. Inzwischen können sowohl einige Mitglieder als auch Nichtmitglieder dank der NID ihre Arbeit rauchfrei erledigen.
Zu gewissen Fortschritten kam es auch an verschiedenen Hochschulen. Wegen der heterogenen Personengruppen (Beschäftigte und Studierende) und deren ungleicher Rechtssituation (im ersten Fall gilt der explizite Nichtraucherschutz der Arbeitsstättenverordnung, im zweiten Fall der allgemeine Anspruch auf Schutz vor Gesundheitsgefahren) und den unterschiedlichen Sanktionsmöglichkeiten sowie dem Jahresarbeitsrhythmus (Semester) und bürokratischer Trägheit ist hier noch einiges zu tun. Die NID wird alles daran setzen, den Umsetzungsprozess zu intensivieren und zu beschleunigen.
Mit der Aktion Bürger gegen Tabakwerbung förderte die NID die negative Einstellung gegenüber der Anpreisung absolut gesundheitsschädlicher Produkte.
Am Welt-Nichtrauchertag, der unter dem Motto Ja zum Sport, heißt Nein zum Tabak! stand, beteiligte sich die NID vor allem mit Materialversand und Öffentlichkeitsarbeit.
Mehr als ein Dutzend Pressemitteilungen und Presseinterviews sowie mindestens zehn Leserbriefe steuerte die NID u.a. zur öffentlichen Meinungsbildung bei. Die Anschrift der NID steht in etlichen großen Deutschland- bzw. EU-weiten Datenbanken. In vier Ausgaben des Nichtraucher-Infos informierte die NID Mitglieder und Öffentlichkeit über Wissenswertes zu unseren Themen. Die Broschüre Rauchfrei aufwachsen! ist inzwischen in der dritten Auflage (die Druckkosten übernahm die Dieter Mennekes Umwelt-Stifung) erschienen.
Die gute Zusammenarbeit zwischen der NID und den Nichtraucher-Initiativen sowie anderen bundesweiten Gesundheitsorganisationen förderte die Verfolgung vieler der gesetzten Ziele.
Die NID dankt allen Mitgliedern, die mit Sonderspenden dazu beigetragen haben, den vom Hochwasser geschädigten Gastronomiebetrieben zu helfen. Dr. Wolfgang Schwarz und Ehefrau Ilse sorgten durch engagierten Einsatz dafür, dass die Spenden den Bedürftigsten zugute kamen.
Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 694 auf 715 (694 Einzelpersonen, davon 449 männlich und 245 weiblich, 15 Nichtraucher-Initiativen und 6 Firmen).
Allen, die sichtbar oder unsichtbar mitgeholfen haben, den Nichtraucherschutz zu verbessern und den Tabakkonsum zu mindern, sei an dieser Stelle recht herzlich gedankt!
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Nichtraucher-Initiative
Deutschland e.V. Bericht
über die Finanzbewegungen im Geschäftsjahr
2002 |
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1 Steuerfreie Einnahmen |
2001 |
2002 |
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1.1 Mitgliedsbeiträge |
17.870,62 |
17.210,68 |
|
1.2 Spenden |
5.691,40 |
4.816,60 |
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1.3 Zinserträge |
461,86 |
454,19 |
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1.4 Materialverkauf |
135,08 |
323,15 |
|
1.5 Werbung im Nichtraucher-Info |
0,00 |
0,00 |
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1.6 Verkauf Gastronomieführer |
2.722,14 |
200,13 |
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1.7 Sonstige Einnahmen/Fehlüberweisungen |
12,27 |
385,00 |
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1.8 Steuerfreie Einnahmen insgesamt |
26.893,38 |
23.389,75 |
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2. Ausgaben |
2001 |
2002 |
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2.1 Porto und Telefon |
7.031,54 |
6.052,40 |
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2.2 Versandmaterial |
448,11 |
356,43 |
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2.3 Bürokosten |
1.111,00 |
18,51 |
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2.4 Druck- und Kopierkosten |
14.180,32 |
9.176,23 |
|
2.5 Fahrt- und Tagungskosten |
2.364,06 |
1.679,59 |
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2.6 Mitgliedsbeiträge/Förderung |
153,39 |
200,00 |
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2.7 Sonstige Ausgaben (u.a. Kontogebühren) |
178,09 |
176,52 |
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2.8 Rückzahlung Fehlüberweisungen Vorjahr |
319,05 |
0,00 |
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2.9 Ausgaben insgesamt |
25.785,55 |
17.659,68 |
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3.
Schlussbestände |
2001 |
2002 |
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3.1 Kassenbestand |
0,05 |
273,40 |
|
3.2 Postbankkonto |
1.473,97 |
4.476,50 |
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3.3 Festgeldkonto |
10.587,27 |
13.041,46 |
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3.4 Schlussbestände insgesamt |
12.061,29 |
17.791,36 |
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| Doppelt so viel Mitglieder und Gäste wie in den Jahren zuvor kamen zur NID-Mitgliederversammlung ins Jugendgästehaus Oberwesel. Stehend: Dr. Wolfgang Schwarz. |
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| Prof. Dr. Friedrich Wiebel bei der Darstellung des Ergebnisses der EU-Umfrage zum Nichtraucherschutz in der Gastronomie. Links sitzend: Ernst-Günther Krause. |
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| Ernst-Günther Krause im Gespräch mit dem "Nachwuchs": Doreen Otto-Pfütze (rechts) und Karoline Foerster. |
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Tagung am herrlichen Mittelrhein von Gerhard Sensenschmidt |
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Wenn es Frühling ist geworden, trifft sich munter jedes Jahr meist an immer neuen Orten eine frohgemute Schar. Rauchfrei zu leben ist ihre Freude, rauchfreie Jugend ein hohes Ziel.
So sind an den Rhein gefahren wir im Jahr 2003, wo einstmals mit "güldnen" Haaren saß die Jungfrau Loreley, singend vom Felsen hoch überm Strome, mit goldnem Kamme kämmend ihr Haar.
Um die Landschaft zu erhalten am bildschönen Mittelrhein mit den Burgen all, den alten, und den Hängen voller Wein: Weltkulturerbe ist sie geworden, von der UNESCO hierzu erwählt.
Wo die Schönburg tief nach unten grüßt ins Rheintal weit hinaus, haben wir Quartier gefunden in dem Jugendgästehaus. Rauchfrei zu leben war weithin möglich in diesem Haus hoch überm Rhein.
Gerhard Haußmann war's zu danken, dass wir hier am Mittelrhein, wo ringsum sich Reben ranken, konnten froh zusammen sein. Er erwies sich als Organisator mit großem Einsatz und viel Talent. |
Eine schlechte Nachricht leider mischte zu Beginn sich ein: Unser Präsident als Leiter grüßte krank uns von daheim. Viel gute Wünsche wir ihm alle schrieben von unserm Standort am schönen Rhein.
Rauchfrei leben: unser Thema hier an diesem Wochenend. Vieles passte gut ins Schema, manchmal stört' das Temp'rament. Gastronomie, unsre Schulen und Hochschulen, Nichtraucherschutz standen zur Diskussion.
Eine ganz besondre Freude war die ziemlich große Zahl der erschien'nen jungen Leute, anwesend zum ersten Mal. Sie zu gewinnen für unser Anliegen ist ein für uns sehr wichtiges Ziel.
Abends dann in froher Runde fand im Keller man sich ein zum Gesang noch manche Stunde: Wanderlieder sollten's sein. Fröhlich erklangen die frischen Lieder aus guten alter Wandervogel-Zeit.
Viele konnten länger weilen, fuhr'n zu Schiffe auf dem Rhein, sahn die Burgen rings, die steilen, und noch manches Städtchen fein. Wiederzukommen nach Oberwesel, das war der meisten inniger Wunsch ... |
Die Mitgliederversammlung machte es möglich. Doreen Otto-Pfütze erklärte sich bereit, in Thüringen der Ansprechpartner für die NID zu sein und in eigener Regie Aktionen zu organisieren. Einem Beamten half sie schon mit Informationen über die Arbeitsstättenverordnung. Und der war durch einen Artikel in der Thüringer Allgemeinen auf sie aufmerksam geworden. Ihre Anschrift: Friesstr. 43, 99423 Weimar, Tel. 03643 516636.
Die NID hat ein Ausstellungs-Set mit laminierten Bild- und Informations-Plakaten zusammengestellt. Die 36 Ausstellungsstücke im Format A4 (5), A3 (16) und A2 (15) können gegen Erstattung der Versandkosten (Postpaket) für etwa eine Woche ausgeliehen werden. Alle Ausstellungsstücke sind an den vier Ecken gelocht, so dass sie sich sowohl für die Befestigung mit Reißnägeln als auch mit Klebeband eignen. Die Informationsplakate, die neben Zahlen und Fakten zu legalen und illegalen Drogen insbesondere auch Aspekte des Tabakkonsums und des Nichtraucherschutzes zum Gegenstand haben, lassen sich u.a. auch gut als Grundlage für Preisausschreiben verwenden.
Durch Anrufe und Schreiben der Stadt Ulm und eines Zigarettenautomatenhändlers in der Stuttgarter Gegend wurde die NID davon in Kenntnis gesetzt, dass ihre Lungen-Plakate an Stellen angebracht wurden, für die keine Genehmigung vorlag. Der Vorstand der NID versichert, dass er weder einen Auftrag zu einer irgendwie gearteten Anbringung erteilt, noch direkt oder indirekt jemand dazu aufgefordert hat bzw. auffordern wird, von der NID herausgegebene Medien ohne Genehmigung anzubringen. Ein Verkäufer von Tabakwaren kann auch nicht dafür zur Verantwortung gezogen werden, dass Raucher häufig dort rauchen, wo es verboten ist, oder ihre Kippe einfach auf der Straße "entsorgen".
SPD-Parteitag unterstützt WHO-Abkommen
Die Delegierten des SPD-Parteitags Anfang Juni haben den folgenden von der Ministerpräsidentin Schleswig-Holsteins, Heide Simonis, eingebrachten Antrag einstimmig angenommen:
Infolge des Konsums von Tabak sterben jährlich über 100.000 Menschen in Deutschland. Damit verursacht der Tabakkonsum jährlich mehr Todesfälle als AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Suizide zusammen. Hinzu kommen tabakbedingte Krankheitskosten in Höhe von jährlich über 17 Mrd. Euro.
Im vergangenen Jahrzehnt hat die Tabakindustrie das Produkt Zigarette mit fast 2,5 Mrd. Euro beworben. Der Zusammenhang zwischen Tabakwerbung und dem beängstigend ansteigenden Tabakkonsum von Kindern und Jugendlichen ist unstrittig. Ein Werbeverbot wird deshalb von allen europäischen Mitgliedsstaaten als gesundheitspolitisch notwendig und gerechtfertigt eingefordert. Die Glaubwürdigkeit der von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag vereinbarten nationalen Anti-Tabak-Kampagne hängt in großem Maße von der Haltung der Bundesregierung in der europäischen und internationalen Tabakkontrollpolitik ab.
Die Bundesregierung wird deshalb aufgefordert, insbesondere
1. sich für die baldige Unterzeichnung des von der WHO erarbeiteten Rahmenabkommens zur weltweiten Tabakkontrolle (Framework Convention on Tobacco Control - FCTC) durch die Staaten der Europäischen Union aktiv einzusetzen.
2. das von der Mehrheit der EU-Länder geforderte Werbeverbot für Tabakwaren mit zu tragen und auf eine erneute Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zu verzichten.
Dieser Beschluss dürfte es der Bundesregierung schwer fallen, wie bisher als Erfüllungsgehilfe der Tabakindustrie und der Printmedien weiter zu machen. Schließlich muss der Koalitionspartner nicht erst überzeugt werden, denn die Politik von Bündnis 90/Die Grünen lag schon bisher auf der WHO-Linie.
40.000 Krebstote durch Rauchen
Zum Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai und damit kurz vor dem SPD-Parteitag gab das Statistische Bundesamt bekannt, dass in Deutschland im Jahr 2001 40.053 Personen an Krebserkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten stehen, starben. Neben dem Lungenkrebs (38.525 Sterbefälle) zählen auch der Kehlkopfkrebs (1.484 Sterbefälle) und der Luftröhrenkrebs (44 Sterbefälle) zu den Folgeerkrankungen des Rauchens.
Der Lungenkrebs stellt in Deutschland die fünfthäufigste Todesursache dar, bei den Männern sogar die dritthäufigste. Der Lungenkrebs bei den Frauen rückte innerhalb eines Jahres von Platz 9 auf Platz 7 vor. Das durchschnittliche Alter der an diesen drei Krebsarten Gestorbenen lag bei 68,9 Jahren. Bösartige Neubildungen bei Lungen-, Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs waren der vierthäufigste Grund für einen stationären Krankenhausaufenthalt von Männern und der 46-häufigste von Frauen. Im Durchschnitt waren die Patientinnen und Patienten 63,7 Jahre alt.
Tabaksteuer-Erhöhung gut und schlecht zugleich
Die NID begrüßt grundsätzlich die Erhöhung der Tabaksteuer, weil dadurch viele Kinder und Jugendliche vom Griff zur Zigarette abgehalten bzw. abgebracht werden können. Dies ist besonders deshalb nötig, weil die Suchtwirkung um so stärker ist, je früher mit dem Rauchen begonnen wird. Auch wenn es manche nicht wahrhaben wollen: Die Suchtwirkung des Nikotins ist der des Heroins vergleichbar.
Die NID bedauert zugleich die Erhöhung der Tabaksteuer, weil die dadurch gewonnenen Mittel nicht für Maßnahmen zur Minderung des Tabakkonsums eingesetzt werden. Die vorgesehene Verwendung macht den Staat noch mehr als bisher von der Tabaksteuer abhängig und ihn weniger geneigt, gegen eine Verhaltensweise einzuschreiten, die in Deutschland jährlich weit mehr als 100.000 Menschenleben fordert und damit deutlich mehr als Aids, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Morde und Selbstmorde zusammen.
Tabaksteuer-Erhöhung schafft Arbeitsplätze
Bei jeder Erhöhung der Tabaksteuer erklingt das Lied vom Abbau der Arbeitsplätze. Dabei verschweigen die Glimmstängelhersteller geflissentlich, dass sie seit 1960 70.000 Arbeitsplätze abgebaut haben - und das trotz einer Vervielfachung der Produktionsmengen. Im Jahr 1960 weist das Statistische Bundesamt noch 80.000 Beschäftigte (nur alte Bundesländer!) in der Tabakindustrie aus. Danach sank die Zahl der Arbeitsplätze kontinuierlich um fast 2.000 pro Jahr auf 10.314 am Ende des Jahres 2002 (alte und neue Bundesländer!). Kein Wirtschaftszweig hat auch nur einen annähernd vergleichbaren Arbeitsplatzabbau hinter sich bei gleichzeitig ständig steigenden Absätzen und Umsätzen.
Hinzu kommt, dass die Zigarettenkonzerne es verstanden haben, Produktionsstandorte in einem Bundesland zu schließen und in einem anderen mit zwei- und dreistelligen DM-Millionen an staatlichen Zuschüssen zu errichten. Am alten Standort gingen alle Arbeitsplätze verloren und am neuen reichte die halbe Mannschaft aus, um Produktionsrekorde aufzustellen.
Jeder Euro, der nicht für Tabak ausgegeben wird, fließt in andere Wirtschaftsbereiche. Diese sind wesentlich arbeitsintensiver als die Tabakindustrie. Ein Beschäftigter in der Tabakverarbeitung sorgt dank Rationalisierung für einen mehr als sechs Mal so hohen Umsatz wie im Durchschnitt ein Beschäftigter im gesamten Verarbeitenden Gewerbe. Selbst wenn man den Anteil der Tabaksteuer und die Handelsspanne herausrechnet, verhilft die Automation dem in der Tabakverarbeitung Beschäftigen noch zu einem doppelten Umsatzplus. Ein Rückgang des Tabakkonsums - und der ist mit jeder stärkeren Tabaksteuererhöhung verbunden, führt deshalb zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Für hundert Arbeitsplätze, die in der Tabakindustrie verloren gehen, entstehen in anderen Wirtschaftszweigen mehr als zweihundert neue.
Grüße aus dem Nichtraucher-Paradies Kanada
Viele herzliche Reisegrüße aus dem Westen Kanadas sendet Ihnen NID-Mitglied Andreas Kloß. Es ist ein Genuss, als Nichtraucher Urlaub in Kanada zu machen. Ganz egal, in welchem Restaurant ich bisher gespeist habe, nirgendwo war ein Aschenbecher zu sehen. Weil in jedem Speiselokal das Rauchen verboten war, trübte kein Grauschleier die Sicht. Das Essen hat daher besonders gut geschmeckt.
Es stößt mir jetzt schon sauer auf, wenn ich an die Ankunft in Deutschland denke, an den ganzen Raucher-Müll, an rauchende Jugendliche, an neunmalkluge Politiker, die mit vorausschauendem Handeln nichts am Hut haben. Aber ich bin dankbar, dass es die NID gibt. Kanada ist eine Reise wert, Deutschland dagegen nicht.
Unter bestimmten Umständen gilt der zweite Teil des letzten Satzes nicht: Wer als Unterkunft nichtraucherfreundliche Gastronomiebetriebe wählt, kann auch hierzulande zumindest annähernd rauchfrei Urlaub machen.
Umsatz im Gastgewerbe weiter rückläufig
Der Umsatz des Gastgewerbes lag nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im April 2003 nominal (in jeweiligen Preisen) um 8,0 % und real (in konstanten Preisen) um 8,5 % niedriger als im Vorjahresmonat. In den ersten vier Monaten des Jahres 2003 setzten die Unternehmen des Gastgewerbes nominal 7,9 und real 8,8 % weniger um als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Damit gingen im siebten Monat in Folge die Umsätze im Gastgewerbe stark zurück. Im Beherbergungsgewerbe (Betriebe mit Übernachtung) sanken die Umsätze im Jahresvergleich noch stärker: nominal um 10, 3 und real um 10,9 %.
Wie stark die nichtraucherfreundlichen Gastronomiebetriebe vom Wirtschaftsabschwung betroffen sind, lässt sich nicht sagen, da es keine differenzierten Datenerhebungen gibt - ganz abgesehen davon, dass der unterschiedliche Rauchfreiheitsgrad eine Bewertung der nackten Zahlen erschwert. Doch unabhängig davon gilt:
Wer die nichtraucherfreundliche Gastronomie wirtschaftlich wie politisch fördern will, muss seine Bedürfnisse bei jeder passenden Gelegenheit kund tun und verstärkt, wenn nicht gar ausschließlich die Angebote wahrnehmen, die bereits bestehen.
Gastronomieführer für Nichtraucher
Im Jahr 2000 aktualisierte die NID ihren Gastronomieführer für Nichtraucher mit viel zeitlichem und finanziellen Einsatz und ließ 5.000 Exemplare drucken. Vergleichbares ist auf absehbare Zeit nicht mehr möglich. Eine gezielte Aktualisierung würde nicht nur mehrere tausend Euro für die Datenermittlung verschlingen, sondern auch einen Arbeitsaufwand erfordern, der - so die Erfahrung aus den vergangenen Jahren - bei mindestens 200 Arbeitsstunden liegt. Hinzu kämen noch die Kosten für den Druck der Broschüre. Der Preis zur Deckung der Selbstkosten wäre so hoch, dass die Broschüre wohl kaum die wirtschaftlich erforderliche Mindestzahl an Käufern finden würde.
Aus diesen Gründen wird künftig keine gezielte Aktualisierung erfolgen - außer bei Gastronomiebetrieben, deren E-Mail-Adresse der NID bekannt ist. Alle Neumeldungen und Änderungen werden jedoch weiterhin in die bestehende Internet-Datenbank übernommen. Interessenten mit Internetzugang können sich die gewünschten Daten selbst holen (www.nichtraucher.org). Allen anderen wird die NID ab 2004 die Möglichkeit bieten, sich die gewünschten Daten gegen eine geringe Gebühr pro Seite und die Erstattung der Portokosten zusenden zu lassen.
Was hat sich getan beim Nichtraucherschutz?
Ein dreiviertel Jahr ist er nun in Kraft, der Paragraf 3a Arbeitsstättenverordnung. Zeit also zu fragen, ob und - wenn ja - was sich in welchem Ausmaß in diesen Monaten beim Nichtraucherschutz getan hat.
Während in der Presse nur sehr wenig von der Änderung der Arbeitsstättenverordnung zu lesen war, tat sich in den Betrieben schon deutlich mehr. So wurde z.B. in einem 500-Mann-Betrieb im nordbayerischen Hof nach Einschaltung der NID und des Gewerbeaufsichtsamtes eine rechtskonforme Lösung gefunden. Der Einsatz der NID für die durch Mobbing und arbeitsrechtliche Maßnahmen bedrohten nichtrauchenden Arbeitnehmer hat sich also voll gelohnt (vgl. Nichtraucher-Info Nr. 50, Seite 7). Ohne Einschaltung von außen gelangten Geschäftsleitung und Betriebsrat der Siemens AG am Standort Erlangen G zu einer Vereinbarung, die den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entspricht.
In einer Reihe von der NID bekannten größeren privatwirtschaftlichen und öffentlich-rechtlichen Betrieben laufen derzeit noch Verhandlungen zwischen Geschäftsleitung und Betriebs- bzw. Personalrat über die konkrete Regelung des Nichtraucherschutzes. Um diesen Prozess nicht zu stören, wird hier auf Namensnennung verzichtet.
Vor kurzem hat der Gesamtpersonalrat der Landeshauptstadt München die Dienststellenpersonalräte darüber informiert, dass die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung zwingend zu erfüllen sind, also auch dann, wenn sich ein nichtrauchender Arbeitnehmer nicht vom Tabakrauch belästigt oder gesundheitlich geschädigt fühlt. Das bedeutet, dass ein Vorgesetzter, der nicht dafür sorgt, dass nichtrauchende MitarbeiterInnen vor Tabakrauch geschützt sind, sich schuldig macht und regresspflichtig wird, wenn bei den passivrauchenden MitarbeiterInnen gesundheitlicher Schaden entsteht. Die Behandlungskosten für einen Asthma-Anfall oder einen Herzinfarkt erreichen sehr schnell eine vier- oder fünfstellige Höhe.
Eine völlig verwirrende Regelung gibt es bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG). Dort werden die MitarbeiterInnen auf das Rauchverbot auf den Bahnhöfen mittels folgendem Aufkleber hingewiesen:

Schlussfolgerung einiger rauchender MitarbeiterInnen: In den Diensträumen darf geraucht werden. Im Auftrag eines nichtrauchenden Mitarbeiters (NID-Mitglied) hat die NID deshalb die BVG aufgefordert, eine den Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung entsprechende Lösung zu finden und auch durchzusetzen.
Nichtraucherschutz an Hochschulen
Auch der Nichtraucherschutz an den Hochschulen hat vom Nichtraucherschutz-Paragrafen 3a ArbStättV profitiert, allerdings lang noch nicht in dem gewünschten Ausmaß. Um die Akzeptanz genereller Rauchverbote mit kleinräumigen Rauchererlaubnissen in größeren Gebäudekomplexen zu erhöhen, müssen die konkreten Maßnahmen taktisch geschickt gewählt und zeitlich gut aufeinander abgestimmt werden. Das kann und wird in Mammuteinrichtungen wie sie Hochschulen nun einmal sind, länger dauern als in kleinen, übersichtlichen Organisationseinheiten. Spätestens zum Wintersemester 2003/ 04 jedoch gibt es keine Ausrede mehr. Die NID unterstützt im Rahmen ihrer Möglichkeiten alle Arbeitnehmer und Studierenden, die ihr Recht auf Nichtraucherschutz durchsetzen wollen.
Willkommen in der rauchfreien Universität Ulm
Diese Überschrift wählte der Personalrat, um allen MitarbeiterInnen der Universität Ulm mitzuteilen, was vor einigen Jahren noch für kaum denkbar gehalten wurde: ein generelles Rauchverbot für alle Gebäude der Universität Ulm. Seit 7. April 2003 ist es in Kraft. Wer unbedingt rauchen will, kann dies an den mit Aschenbechern ausgestatteten überdachten Eingangsbereichen. Das Rauchverbot, das in erster Linie auf eine Initiative des Senats und des Rektors zurückgeht, gilt selbstverständlich auch für die Studierenden. Der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz wirkt transformierend zugunsten derjenigen, die in keinem Arbeitsverhältnis stehen. Diesen Ansatz gilt es künftig weiter zu verfolgen, wenn andere Mittel nicht zum Ziel führen.
Aschenbecher konterkarieren Rauchverbot
NID-Mitglied Karoline Foerster weiß ein Lied davon zu singen: Alle Bemühungen zur Durchsetzung eines Rauchverbots sind vergebens, wenn neben dem Rauchverbotsschild ein Aschenbecher steht. Selbst ein am Aschenbecher angebrachter Zettel - so ihre Erfahrungen an der Uni Münster - mit der Aufschrift "Dies ist kein Aschenbecher" kann Raucher davon abhalten, den Aschenbecher als Aufforderung oder als Erlaubnis zum Rauchen zu interpretieren. Wer ein Rauchverbot durchsetzen will, muss die Faktoren beachten, die menschliches Verhalten in hohem Maß (mit)bestimmen.
Dazu gehört auch folgende Erkenntnis: Raucher akzeptieren Rauchverbote tendenziell nur in wirklich rauchfreien Räumen. Dringt Tabakrauch aus anderen Räumen in einen Raum mit Rauchverbot, dann sieht der Raucher das Rauchverbot als Schikane und ignoriert es. Wenn eine Universität die im NID-Leitfaden für den Nichtraucherschutz an Hochschulen vorgeschlagenen neun Punkte zur Umsetzung des Paragrafen 3a ArbStättV beachtet, dann dürfte es keine größeren Schwierigkeiten bei der Durchsetzung geben:
1. Festsetzung eines Termins, von dem ab die Nichtraucherschutz-Regelungen gelten
2. Festlegung der Raucherbereiche
3. Aufnahme eines allgemeinen Rauchverbots mit Hinweis auf ausgewiesene Raucherbereiche in die Hausordnung
4. Schriftliche Information sämtlicher Beschäftigten über die Nichtraucherschutz-Regelungen und Sanktionen bei Verstößen
5. Schriftliche Information sämtlicher Studierenden bei der Immatrikulation und bei der Verlängerung des Studiums über die Nichtraucherschutz-Regelungen und Sanktionen bei Verstößen
6. Rechtzeitige Ankündigung der Nichtraucherschutz-Regelungen durch Aushang vor allem an den Stellen, an denen bisher geraucht wird
7. Entfernung sämtlicher Aschenbecher im Gebäude mit Ausnahme der gekennzeichneten Raucherbereiche
8. Einteilung und Schulung der Beschäftigten, die die Nichtraucherschutz-Regelungen in Hausgängen, Fluren, Treppenhäusern und Bereichen vor Lehr- und Unterrichtsräumen kontrollieren
9. Anbringen von Aufklebern, Schildern oder Plakaten an besonders sensiblen Stellen
Karoline Foerster musste Anfang der 90er-Jahre vier Semester warten, bis das gesamte Hörsaalgebäude der Mathematischen Institute der Uni Münster nach vielen Bemühungen als rauchfreie Zone ausgewiesen wurde. Heute haben sich die Chancen auf schnelle Durchsetzung erheblich verbessert.
Der Fall Universität Tübingen zeigt allerdings, dass auch noch gegen die Unwissenheit über den Geltungsbereich der Arbeitsstättenverordnung gekämpft werden muss. Für den Rektor gilt als Arbeitsstätte nur ein Raum und nicht auch das Treppenhaus und der Flur. Seine MitarbeiterInnen sieht er geschützt, wenn in Räumen nicht geraucht werden darf. Dass zur Arbeitsstätte auch Verkehrswege gehören (§ 2 Abs. 2 ArbStättV), hat er entweder nicht mitbekommen oder er hat den Begriff Verkehrsweg ausschließlich auf den Autoverkehr bezogen. Er musste sich erst darüber aufklären lassen, dass es auch einen Fußgängerverkehr gibt, der sich auf den Verbindungswegen. zwischen den Räumen eines Gebäudes abspielt. Es ist, so gesehen, noch viel zu tun - packen wir's an!
Kreisparteitag der CDU Karlsruhe rauchfrei
Beim Kreisparteitag der CDU Karlsruhe am 23. Mai 2003 konnte ich durchsetzen, dass während der ca. vierstündigen Veranstaltung im Saal nicht geraucht wird. An den überraschten Reaktionen der - rauchenden - Parteimitglieder war zu erkennen, dass dies wohl der bisher geübten Praxis widersprach. Mitverantwortlich für das Rauchen im Saal bei früheren Parteitagen war nicht zuletzt der Wirt, der auch an diesem Tag jeden Tisch mit einem Aschenbecher bestückt hatte. Erfreulich war, dass sich das Plenum an die Vorgabe hielt. Am wenigsten Verständnis für diese Regelung zeigte der Sprecher der CDU-Stadtratsfraktion, ein Facharzt und Raucher. Steffen Schmid (NID-Mitglied)
Beginnen wir unsere Betrachtung mit einem scheinbar absurden Gedanken, dem Vergleich von zwei ungleichen Situationen.
Situation 1: Herr A lädt Herrn B in seine neue Wohnung ein. Während Herr A das Gastmahl vorbereitet und sein kleiner Sohn im Wohnzimmer spielt, zündet sich Herr B eine Zigarette an und verbreitet seine Rauchschwaden in der ganzen Wohnung.
Situation 2: Herr B führt Herrn A seinen neuen Swimmingpool vor. Als Herr B seine erste Runde durch das Becken zieht, pinkelt der Filius von Herrn A voller Übermut in den Pool, ohne dass der Vater einschreitet.
Wagen wir einen sachlichen Vergleich beider Situationen. In beiden Fällen wird das Umfeld, in dem sich der Betroffene aufhält, verschmutzt. Im Fall 1 dringt der Schmutz in das Körperinnere ein, im Fall 2 benetzt er lediglich die Hautoberfläche. Die umweltverschmutzenden Substanzen in Situation 1 sind hochgiftig, die in Situation 2 eher harmlos. Welche Schlussfolgerungen sind also aus diesem Vergleich zu ziehen?
Die öffentliche Meinung ist sich sofort einig: Situation 2 kann unter gar keinen Umständen toleriert werden. Bei Situation 1 wird vielleicht ein wenig Rücksichtnahme von Herrn B erwartet ("Wenn's genehm ist, dann bitte nicht vor dem Essen!"), im Gegenzug aber dann ein gehörig Maß an Toleranz von Herrn A ("Ein guter Gastgeber muss doch die Wünsche seiner Gäste respektieren!").
Wieso wird unsere sachliche Bewertung beider Situationen durch die öffentliche Meinung derart auf den Kopf gestellt?
Fortsetzung nächste Seite Gesellschaftliche Wertungen weichen oft von der sachlich-wissenschaftlichen Bewertung von Sachverhalten ab. Die Selbstverständlichkeit, mit der eine nachweisbar extreme Gefahrenquelle wie das Rauchen/Passivrauchen hingenommen wird, ist wahrlich bedrückend. Wodurch hält sich in einer permanent misstrauischen Gesellschaft wie der unseren bei weiten Teilen der Bevölkerung das Vertrauen auf die unbedenkliche Genießbarkeit von Tabakwaren? Ein abgelaufenes Verfalldatum bei Lebensmitteln schreckt gewöhnlich mehr ab als der Warnhinweis auf der Zigarettenpackung.
Der Hinweis auf legitime Konsumbedürfnisse erklärt den aus wissenschaftlicher Sicht unverständlichen Sachverhalt nicht. Die Rinderseuche BSE hat gezeigt, wie schnell die Gesellschaft zum Konsumverzicht bereit ist, wenn Gefahren sich auch nur andeuten. Entscheidend ist, wie offizielle Stellen und Massenmedien auf die Gefahrensituation reagieren. Damals wurde die von den Massenmedien angeheizte Besorgnis der Bevölkerung bekräftigt durch spektakuläre staatliche Aktionen, die Massenschlachtung und Vernichtung von Rindern.
Bei Tabak geschieht nichts Spektakuläres. "Alles im grünen Bereich!" scheint die offizielle Stellungnahme bei jährlich über 140.000 Toten allein in Deutschland infolge Tabakkonsums zu lauten. Drastische Maßnahmen dort und dezente Zurückhaltung hier - in der Wahrnehmung der Gefahrenlage verschieben sich die Gewichte erheblich. "Wenn Tabakwaren wirklich so gefährlich wären, dann würde das Verbraucherschutzministerium schon reagieren!" Es ist ja eigens zur Überwachung von Lebens- und Genussmitteln eingerichtet worden. Das Ministerium schweigt. Der Raucher greift beruhigt zur nächsten Zigarette.
Wir haben es hier mit einem sehr heimtückischen Kontrastphänomen zu tun. Es wirkt bestimmt nicht zufällig, sondern wird von geschickten Regisseuren zelebriert. Die Bedenken gegen das Rauchen werden zerstreut, das Geschäft floriert.
Im Grunde ist das dramaturgische Konzept sehr einfach: Alles, was den Bürger bedroht, belästigt oder stört, wird sehr wichtig genommen und mit der Härte des Gesetzes bestraft. Mit einer Ausnahme. Wir wissen schon, welche. Dazu wahllos einige Beispiele:
Wer sich unter Drogeneinfluss ans Steuer setzt, handelt kriminell. Illegale Drogen sind ebenso tabu wie Alkohol. Eine Art von Drogenkonsum wird nicht beanstandet. Welche wohl? Eine sachliche Begründung dafür gibt es nicht, denn Raucher verursachen im Straßenverkehr nachweislich deutlich mehr Unfälle als Nichtraucher.
Fortsetzung nächste Seite Gegen ruhestörenden Lärm schreiten die Ordnungsbehörden ein, Belästigungen durch Tabakrauch ist dagegen kein ordnungsrelevantes Thema, zumindest nicht im zivilen Sektor. Hundekot erfordert behördliches Einschreiten, über die Zigarettenkippen in der Landschaft blickt das Auge des Gesetzes meist hinweg.
Der Drogenkonsum der Bevölkerung wird von offiziellen Stellen mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Zunehmend finden neben illegalen auch legale Drogen Beachtung. Wenn es um die Behandlungsbedürftigkeit des zugrunde liegendenden Suchtverhaltens geht, dann stehen illegale Drogen ganz oben, danach folgen Alkoholismus, Medikamentenabhängigkeit und vielleicht noch Spielsucht. Für die Betroffenen gibt es flächendeckend Suchtberatungsstellen und professionelle Hilfe. Erforderliche Medikamente werden von den Krankenkassen mitfinanziert.
Bei einer Sucht gibt es offenbar keinen (Be-)Handlungsbedarf, sie wird - wie es scheint - noch nicht einmal zu den Süchten gezählt, sondern gilt als ganz normales, alltägliches, von Jedermann zu jeder Zeit verständnisvoll toleriertes Verhalten. Ihr haftet kein Schmuddel-Image wie dem Alkoholismus an. Kaum jemand will das gegenüber Alkohol, Kokain und Heroin bei weitem höhere Suchtpotential der Droge Tabak zur Kenntnis nehmen. Unterstützung bei der Raucherentwöhnung? Beteiligung der Krankenkassen an der Finanzierung therapeutischer Maßnahmen einschließlich Medikamente? Das Bundesministerium für Gesundheit entschied dazu: "In der Abstinenz von Tabakrauch und Nikotin und einer Entwöhnung im Falle einer Abhängigkeit wird abweichend hierzu" (zur Alkohol- und Heroinabhängigkeit) "ein eigenverantwortliches Verhalten, das selbstständig zu leisten ist, gesehen".
Hier ist sie wieder, diese Ausnahme, die das Rauchen fernab jeglichen Übels rückt. Die versteckte Botschaft an die Raucher lautet: Eigentlich sind wir überhaupt nicht daran interessiert, dass jemand mit dem Rauchen aufhört. Wer's dennoch tut, ist selbst schuld! Den strukturellen Gegebenheiten und offiziellen Verlautbarungen zufolge erscheint das Rauchen als die unproblematischste und harmloseste Form von Sucht.
Wenn es überhaupt von offizieller Seite her problematisiert wird, dann als Verhalten von Kindern und Jugendlichen. Fortsetzung nächste Seite Stirbt ein Erwachsener in scheinbar bester körperlicher Verfassung plötzlich und unerwartet, so werden alle denkbaren Umstände in Betracht gezogen: "Hat er Drogen genommen?", "Stand er unter Alkoholeinfluss?", "Was hat er gegessen?", "Hat er sich körperlich übernommen?" und vieles mehr. Nur eines in der Regel nicht: "Hat er geraucht?" Dabei ist der Zusammenhang zwischen Rauchen und plötzlichem Herztod seit längerem bekannt. Ein irrationales Selbstverständnis sträubt sich dagegen, im Rauchen einen Todesumstand sehen zu wollen. Der vom Rauchen getrübte Verstand ist dann schon eher bereit, in diesem Verhalten eine Art Lebenszeichen zu erkennen, etwa im Sinne von Wilhelm Busch: "Fünf Tage war der Frosch so krank, jetzt raucht er wieder - Gott sei Dank!"
Wenn Rauchen als Lebensäußerung und Ausdrucksverhalten von der landläufigen öffentlichen Meinung beinahe so selbstverständlich hingenommen wird wie Luft holen und Sprechen, dann hat eine groß angelegte Image- und Verharmlosungskampagne Früchte getragen.
Akteur dieser Kampagne ist die Tabakindustrie im Verein mit korrumpierten Wissenschaftlern, Politikern und Medienvertretern. Um das sehr subtil aufgebaute Selbstverständnis zu brechen, hilft es nicht, Schreckgespenster entgegenzusetzen. Auch eine Abschreckungskampagne gegenüber dem Passivrauchen wird die Öffentlichkeit nicht dazu bewegen, die eingangs geschilderte Situation 1 abscheulicher zu finden als die Situation 2. Wir müssen die Hebel dort ansetzen, wo am falschen und gefährlichen Selbstverständnis gebastelt wird: Bei der Tabakwerbung, bei die Schwerpunkte verschiebenden und die Tatsachen verdrehenden wissenschaftlichen Erlebnisberichten, bei irrationalen politischen Entscheidungen, bei die Raucher begünstigenden strukturellen Gegebenheiten und bei der Darstellung des Rauchens als alltägliche Lebensäußerung in den Medien.
Zum Umgang mit dem Rauchen und den Rauchern muss schrittweise und konsequent, aber auch sehr behutsam ein neues, stimmiges Selbstverständnis aufgebaut werden. Mark Twain formulierte das so: "Gewohnheit kann man nicht einfach zum Fenster hinauswerfen; man muss sie die Treppe hinunterlocken - Stufe für Stufe".
Dr. Wolfgang Schwarz
Rauchen nur noch an geraden Tagen
Ein alltäglicher Fall: Ein Raucher raucht am offenen Fenster oder auf dem Balkon; der über ihm wohnende Nichtraucher wird dadurch erheblich belästigt. Die ungewöhnliche Lösung: Rauchen am offenen Fenster oder auf dem Balkon nur noch an geraden Tagen erlaubt. Dieser Vorschlag der Schlichtungskommission der Wohnungsbau-Genossenschaft Treptow Nord (Berlin) wurde von beiden Parteien akzeptiert. Auf diese Weise wird der Verlust an Lebensqualität auf Nichtraucher und Raucher gleichmäßig verteilt und nicht einseitig allein auf den Nichtraucher.
Ein alltäglicher Fall: Ein nichtrauchendes Ehepaar wohnt seit Jahren im Seniorenwohnheim. Unter ihnen zieht ein Kette rauchendes Ehepaar ein. Die Nichtraucher können kaum lüften. Ständig haben sie den Tabakgestank in der Nase. Die Heimleitung meint, sie könne nichts dagegen machen. Eine individuelle Lösung: Das Raucher-Ehepaar zieht in die nächste frei werdende Wohnung im obersten Stockwerk um. Eine generelle Lösung: Raucher erhalten grundsätzlich nur Wohnungen in den obersten Stockwerken oder in einem eigenen Gebäude.
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Sicherheitsgründe bewegen ihren Hinweisen zufolge die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) zu einem Rauchverbot in den Fahrzeugen und im U-Bahnbereich. Die Gründe können den Nichtrauchern im Prinzip egal sein, vorausgesetzt das Rauchverbot wird auch durchgesetzt. Die Deutsche Bahn lässt sich ihre "rauchfreien" Bahnhöfe in Berlin einiges kosten. An den Eingangstüren der S-Bahnhöfe Alexanderplatz und Friedrichstraße wurden neben auffallenden Schildern große Aschenbecher aufgestellt. Gesamtkosten: 16.000 €. Ein Vergleich der bereits "umgerüsteten" mit anderen S-Bahnhöfen zeigt eindeutig, dass die DB mit ihrem Konzept auf dem richtigen Weg ist: Die Sauberkeit von Boden und Luft hat seh- bzw. riechbar zugenommen. |
| Kommentar in: Die Zeitung für unterwegs vom 24. April 2003
Dass sich auf den Bahnhöfen auch endlich etwas in Sachen Nichtraucherschutz und gegen die Verschmutzung der Anlagen mit Kippen tut, ist sehr begrüßenswert: Allerdings: Die Maßnahmen gehen nicht weit genug. Schon der Name "Rauchfreier Bahnhof" verspricht leider viel zu viel. Denn wirklich rauchfrei sind sie ja nicht. Es lauern noch immer eine ganze Menge Raucherbereiche mitten auf den Plattformen – die Raucherschwaden ziehen weiter munter zu den nichtrauchenden Reisenden.
Offenbar wird das Rauchen noch immer als normales Verhalten betrachtet, was Argumentationen zeigen wie: "Wir müssen aufpassen, dass die Raucher nicht diskriminiert werden." Ein falscher Denkansatz, denn: Rauchen ist kein Menschenrecht, kein Bürgerrecht, vielmehr eine private Sucht, die den Mitmenschen belästigt und ihm Schaden wie dem Raucher selbst zufügt. Also inakzeptabel. Konsequenz sollte angesagt sein: So schnell es geht, alle Bahnhöfe einbeziehen und Raucherinseln auf ein Minimum beschränken. Schließlich geht man ja auf die Bahnsteige, um in Züge einzusteigen, aber nicht, um seine Zeit und seine Gesundheit totzuschlagen. Fünf oder zehn Minuten ohne Glimmstängel beim Warten auf den Zug sind doch machbar, nicht wahr? Michael-Peter Jachmann |
USA: New Yorks Gastronomie rauchfrei
Die Unterschrift des Gouverneurs des Bundesstaates New York, George Pataki, besiegelte den Beschluss des New Yorker Stadtrats, die Gastronomie vom Tabakqualm zu befreien. Seit Ende März 2003 dürfen Raucher ihre Glimmstängel nur noch im Freien in blauen Dunst aufgehen lassen. Erlaubt der Gastwirt seinen Kunden trotzdem weiter zu rauchen, werden Bußgelder von mindestens 200 Dollar fällig. Die Initiative für diese Regelung ging vom Bürgermeister der Stadt, Michael Bloomberg aus. Einige Gastwirte bieten ihren rauchenden Gästen inzwischen Nikotinkaugummis an, um ihnen den Besuch erträglich zu machen.
USA: Richter lehnen Sammelklage ab
Ein Berufungsgericht im US-Bundesstaat Florida hat Mitte Mai 2003 ein Urteil aus dem Jahr 2000 gekippt. Damals sprach ein Gericht in Miami den Klägern die Rekordsumme von 145 Milliarden Dollar zu. Dieses Urteil wurde jetzt aufgehoben mit der Begründung, die Kläger hätten sich für den Prozess gegen die fünf größten Tabakkonzerne nicht zusammenschließen dürfen. Außerdem sei die Höhe der Strafe gesetzeswidrig. "Das Schicksal der gesamten Industriebranche und von nahezu einer Million Einwohnern Floridas darf nicht von einem derart unfairen Prozess abhängen", meinte das Berufungsgericht.
Es ist damit zu rechnen, dass dieses Urteil auch erhebliche Folgen für andere, laufende Sammelklagen haben wird, u.a. auch auf einen Prozess im Bundesstaat Illinois. Dort hatte ein Richter erst im April entschieden, dass der Tabakkonzern Philip Morris nur sechs statt zwölf Milliarden Dollar als Kaution für ein Berufungsverfahren hinterlegen muss. Berliner Zeitung, 16.4.03 Süddeutsche Zeitung, 23.5.03
Frankreich: Nichtraucherschutz in Theorie und Praxis
Theoretisch sind die Franzosen in der Gastronomie vor Tabakrauch geschützt. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus. Diese Erfahrungen machten die NI-Mitglieder Elke und Prof. Dr. Kurt Pitzler bei ihrer Frankreichreise in diesem Frühjahr. In vielen Restaurants stünden auf den Tischen wegen möglicher Kontrollen keine Aschenbecher. Doch auf Wunsch sind die Gastwirte häufig bereit, die Aschenbecher für die Zigarette danach auf den Tisch zu stellen. Deshalb könne man in einem Restaurant nie sicher vor Tabakqualm sein.
Goethe-Preis für Gro Harlem Brundtland
Die langjährige Generaldirektorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Gro Harlem Brundtlandt, ist für ihr herausragendes Engagement beim weltweiten Kampf gegen den Tabakkonsum mit dem Johann-Wolfgang-von-Goethe-Preis ausgezeichnet worden.
Tabak - die Droge, die Bäume fällt
Dreiviertel des Tabaks wird in Ländern der Dritten Welt angebaut - noch, denn ein einstündiger Bericht am 6. Juni 2003 in arte zeigte die verheerenden Auswirkungen des Tabakanbaus auf Land und Menschen Ostafrikas und die Zerstörung der Lebensgrundlagen. Die internationalen Tabakkonzerne sind nicht nur daran beteiligt, sie spielen die entscheidende Rolle. Reinhard Behrend vom Rettet den Regenwald e.V., Hamburg, hat sich dazu Gedanken gemacht:
"Go West" befahl einst ein großer Zigarettenhersteller. Doch in Europa und den USA verzeichnen die Tabakkonzerne, angeschlagen von Milliardenklagen und Anti-Rauch-Gesetzen, sinkende Absätze. Deswegen setzen die Tabak-Multis auf eine Verlagerung von Produktion und Konsum. "Go South" heißt jetzt die Direktive Der Tabak soll in Zukunft dort geraucht werden, wo er auch in zunehmendem Maße angebaut wird: in der Dritten Welt.
Doch die Gesundheitshüter der WHO und Umweltschützer schlagen Alarm. Dass der Tabak auch für die grünen Lungen der Welt schädlich ist, steht auf keiner Zigarettenpackung. In Tansania zum Beispiel beherrschen Tabak-Multis wie R.J. Reynolds und BAT den Markt vom Tabaksetzling bis zur ausgedrückten Kippe. Die Bauern sind durch gezielte Anbauförderung abhängig vom Tabakanbau. Der Tabak-Boom verursacht eine Umweltkatastrophe ohnegleichen. Der ökologisch fragile Miombo, der größte Trockenwaldgürtel der Erde, wird rigoros abgeholzt, um neue Anbauflächen zu schaffen. Außerdem wird Holz für das "flue curing", ein gebräuchliches Verfahren zur Tabaktrocknung, gebraucht.
Mit aggressivem Marketing wird die Ware gleich vor Ort an den Mann gebracht. Und nicht nur an den: Besondere Zielgruppe der Werbekampagnen sind Jugendliche und Frauen. Selbst der Zigarettenschmuggel soll unter der Schirmherrschaft der Tabakindustrie stehen. Die Folgen dieser "Dritte-Welt-Offensive" sind unabsehbar.
Weitere Infos unter www.regenwald.org.
Tabakverarbeitung erbringt nur 1 Promille der deutschen Wirtschaftsleistung
Die deutsche Tabakverarbeitung hat seit 1970 erheblich an Bedeutung verloren. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Bruttowertschöpfung dieses Wirtschaftsbereiches im Jahr 2000 bei rund 2 Mrd. Euro (in jeweiligen Preisen), das entspricht einem Anteil von 0,1% am Bruttoinlandsprodukt (1970: 0,2%). Im Jahr 2000 waren rund 14 000 Arbeitnehmer in diesem Bereich beschäftigt, die 740 Mill. Euro Entgelt erhielten. In den letzten 30 Jahren ging der Anteil der in der Tabakverarbeitung tätigen Arbeitnehmer von 0,2% im Jahr 1970 auf 0,04% im Jahr 2000 spürbar zurück. Alle Ergebnisse für das Jahr 2000 beziehen sich auf Deutschland, die Vergleichsdaten für 1970 auf das frühere Bundesgebiet.
Die Produktivität in der Tabakverarbeitung (reale Bruttowertschöpfung je Erwerbstätigen) stieg seit 1970 im jährlichen Durchschnitt um 5,7%, und die Lohnkosten (Arbeitnehmerentgelt je Arbeitnehmer) nahmen durchschnittlich um 6,9% pro Jahr zu. Für die Lohnstückkosten (Relation Lohnkosten zu Produktivität) ergab sich damit für den Zeitraum 1970 bis 2000 eine jahresdurchschnittliche Erhöhung von rund 1,2%, die deutlich hinter dem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten (+ 3,0%) blieb. Anders ausgedrückt: Weil die Tabakverarbeitung immer stärker automatisiert wurde, sanken die Lohnstückkosten weit stärker als in anderen Wirtschaftsbereichen.
Im ersten Quartal 2003 5,1 Prozent weniger Zigaretten verkauft
|
Tabakerzeugnis |
Versteuerte Verkaufswerte |
1.
Quartal 2003 gegenüber 1.
Quartal 2002 |
Versteuerte Mengen |
1.
Quartal 2003 gegenüber 1.
Quartal 2002 |
|
Zigaretten |
5.100,000
Mrd. € |
+
1,6 % |
31,9
Mrd. St. |
–
5,1 % |
|
Zigarren und Zigarillos |
0,136
Mrd. € |
–
2,1 % |
723
Mill. St. |
–
1,0 % |
|
Feinschnitt |
0,319
Mrd. € |
+
46,1 % |
4.083
t |
+
24,7 % |
|
Pfeifentabak |
0,023
Mrd. € |
+
8,2 % |
220
t |
+
3,5 % |
|
Insgesamt |
5.600,000
Mrd. € |
+
3,4 % |
X |
X |
Die Spalte mit den versteuerten Verkaufswerten zeigt deutlich: Die Fabrikzigaretten bestimmen die Höhe des Tabakkonsums. Auch wenn der Feinschnittverkauf zum Selbstdrehen von Zigaretten mengenmäßig um 24,7 Prozent zugenommen hat, macht er doch nur einen Bruchteil des Konsums der Fertigzigaretten aus. Auf der Basis von einem Gramm Tabak pro Zigarette gleicht die Zunahme beim Feinschnitt die Abnahme bei den Fabrikzigaretten bei weitem nicht aus.
In der Zunahme der versteuerten Verkaufswerte und der Abnahme der versteuerten Mengen spiegelt sich die Tabaksteuererhöhung zum Jahreswechsel wider. Die vom Bundeskabinett am 25. Juni gebilligte zusätzliche Erhöhung der Tabaksteuer um einen Euro pro Schachtel - das sind immerhin rund 30 Prozent des bisherigen Verkaufspreises, voraussichtlich verteilt auf 18 Monate - dürfte zu einem stärkeren Rückgang des Absatzes bei den Fabrikzigaretten führen und noch einmal zu einer deutlichen Steigerung beim Feinschnittverkauf. Trotzdem ist mit Steuermehreinnahmen zu rechnen, die zur Deckung versicherungsfremder Leistungen verwendet werden sollen mit dem Ziel, die Sozialversicherungsbeiträge stabil zu halten bzw. zu senken. Es gibt keine Erfahrungswerte, wie sich starke Erhöhungen der Tabaksteuer in vergleichbarer wirtschaftlichen Situation auf den Tabakkonsum auswirken.
Im Kundenmagazin DB mobil 04/03 erschien ein Bericht über eine Frau, die die erste Zigarre speziell für Frauen entwickelt (und natürlich auch verkauft und daran verdient) hat. Mit dieser getarnten Zigarrenwerbung hat die Redaktion ihrem Unternehmen jedoch keinen Gefallen getan. Der mit "Lust auf blauen Dunst" überschriebene Artikel konterkariert geradezu die Bemühungen der DB, die Bahnhöfe zwecks Kostenersparnis vom Raucherabfall jeglicher Art zu befreien. Um derart imageschädigende Veröffentlichungen zu verhindern, sollte der Vorstand von seiner Richtlinienkompetenz Gebrauch machen und das Rauchen verherrlichende Berichte generell untersagen.
Ärztlicher Arbeitskreis fordert rauchfreie Fußball-WM
| Die Olympischen Spiele des Jahres 2000 in Australien und die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Japan und Südkorea fanden rauchfrei statt, d.h. geraucht werden durfte nur in genau bezeichneten Räumen bzw. Zonen. Über den Stadien gab es nur Dampf- und keine Rauchwolken zu sehen. Eine derartige Regelung verlangt der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit vom Organisations-Komitee des Deutschen Fußball-Bundes für die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die NID unterstützt diese Forderung voll und ganz. |
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Alleinerziehende Mütter häufiger Raucherinnen
Der Anteil der regelmäßigen Raucherinnen ist unter den alleinerziehenden Müttern mit 45,8 % nahezu doppelt so hoch wie bei den verheirateten (23,6 %). Eine Erklärung dafür ist, dass Frauen, die höherer sozialer Belastung ausgesetzt sind und geringer sozial eingebunden sind - was für alleinerziehende Mütter zutrifft -, häufiger rauchen als solche in unbelasteten Lebenssituationen.
Die bekannten Zusammenhänge zwischen Schulbildung und Rauchverhalten zeigen sich auch innerhalb der Gruppe der alleinerziehenden Mütter: Diejenigen mit Hauptschulabschluss rauchen zu 56,2 % (die verheirateten zu 30,5 %) regelmäßig, diejenigen mit Abitur nur zu 27,6 % (13,5 %). Bei allen Schulabschlussarten rauchen die alleinerziehenden nahezu doppelt so häufig wie die verheirateten Mütter. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, Heft 14, April 2003
Raucher verlieren drei Mal so viele Zähne wie Nichtraucher
Rauchen ist der größte Risikofaktor für die schwere Form der Zahnfleischentzündung, die umgangssprachlich als Parodontose bezeichnet wird. Jüngere Raucher haben ein zehnfach erhöhtes Risiko, an einer Parodontitis zu erkranken. Weil die Therapie schlechter anschlägt, verlieren Raucher trotz Behandlung drei Mal so viele Zähne wie erkrankte Nichtraucher. Berliner Morgenpost, 28.3.03
Zum 5. Mai 2003 führte der Pharma-Konzern GlaxoSmithKline das bereits in den USA, Großbritannien und weiteren Ländern erhältliche Tabakentwöhnungsmittel NiQuitin Lutschtabletten ein. Das nikotinhaltige Medikament ist verschreibungspflichtig und in den Wirkstärken 2 mg und 4 mg verfügbar. Damit steht Rauchern, die sich von ihrer Nikotinabhängigkeit befreien wollen, ein weiteres Medikament zur Verfügung, das ihnen über die ersten Wochen ohne Glimmstängel hinweg helfen soll.
Zwar sind Nikotinersatzprodukte weit weniger gesundheitsschädlich als der Tabakrauch, doch sollten auch sie nicht länger als zehn bis zwölf Wochen genommen werden. US-Forscher konnten jetzt nachweisen, dass Nikotin indirekt die Krebsentstehung fördert. Medical Tribune 12/2003
Der Pharma-Konzern Pharmacia, Hersteller des als Pflaster und Kaugummi erhältlichen Tabakentwöhnungsmittels Nicorette, gibt einen deutsch-sprachigen kostenlosen Newsletter heraus, der angefordert werden kann bei Pharmacia GmbH, Am Wolfsmantel 46, 91058 Erlangen.
Vorwiegend zur Information und zum Gedankenaustausch über Nichtraucherschutz:
www.smokefreeliving.net
Ironisch gegen Rauchen und Raucher:
www.ralfherter.de
Nichtraucher-Disco in Dortmund
Am 1. Juni 2003 eröffnete die Nichtraucher-Disco Magic Music im Club-Synchron.de (Eingang gegenüber Klettermax), Faßstr. 1 (Stiftsforum), in Dortmund-Hörde ihre Pforten. Ansprechpartner nur per E-Mail: PeterKlapprot@ gmx.de.
Ohne Pause rauchfrei durch den Sommer tanzt man bei MEERA in Bremen. Anprechpartnerin: Martina Pruß, ( 0421 371248, E-Mail: meeraparty@t-online.de, www.meeraparty.de.
Die 23. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie (die Brustdrüse betreffend) vom 19. bis 21. Juni 2003 in München wurde als "Nichtraucher-Kongress" angekündigt und auch durchgeführt. Tagungspräsident Prof. Dr. Hansjörg Sauer setzt sich schon seit vielen Jahren für einen wirksamen Nichtraucherschutz ein. Die Folgen des Rauchens und Passivrauchens erlebt er hautnah jeden Tag im Klinikum Großhadern.
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Spams heißen die unerwünschten E-Mails, die jeden Tag auch bei der NID in großer Zahl eingehen! Wer verhindern will, dass seine E-Mail an die NID als Spam behandelt und von vornherein gelöscht wird, muss seine E-Mail mit einem auf die NID und ihre Tätigkeit bezogenen Betreff versehen. |
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3. bis 8. August 2003 12.
Weltkonferenz Rauchen
oder Gesundheit in
Helsinki wctoh2003@congcreator.com www.wctoh2003.org 18. September 2003 Fachtagung Nichtrauchen
an Hochschulen in
Frankfurt/Main www.gesundheitsfoerdernde- hochschulen.de 27. September 2003 Rauchfreie
Tanzparty in
Hamburg www.nonsmokersdanceclub.de 11. Oktober 2003 Jahreshauptversammlung Ärztlicher
Arbeitskreis Rauchen
und Gesundheit in Heidelberg ' + 6 089 3162525 14. Februar 2004 Faschingsball
in Wiesbaden ' 06122 2194 |
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Nichtraucher-Info ist ein
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