Nichtraucher-Info Nr. 54 - II/04

April 2004

 

Inhalt:

 

Manipulationen der DEHOGA

Das Gastgewerbe im Jahr 2000

EU-Kommissar Byrne will rauchfreie Gatstätten

Bundesbürger wollen rauchfreie Gaststätten

Nachtrag zu Gastronomiebetrieben, die oder deren Inhaber Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen sind

Nichtraucherschiff

Aus Verantwortung rauchfreies Restaurant

Welt-Nichtrauchertag 2004: Wer raucht, ist arm dran!

Mit Rauchfrei 2004 10.000 Euro gewinnen

Rauchfrei-Siegel zu vergeben

Tabakindustrie kein Sponsor für die NID

Zweckgebundene. Gesundheitsabgaben auf Tabakwaren

Leuchttürme

Daten zum Rauchverhalten von Berufsschülern

Farbe bekennen: Mit Buttons für rauchfreie Atemluft

Dr. Scharedis Lustiger Nichtraucherpass

Anzeigen-Motiv Schwangere

1. Deutsche Konferenz zur Tabakkontrolle

1. Heidelberger Deklaration für Tabakkontrolle

Die neuen Zahlen der Tabaksteuer-Erhebung

Tabakkonsum ging 2003 zurück

Ulla Schmidt will Jugendliche schützen

Renate Künast will Subventionen für Tabakanbau kürzen

Zigarettenkippe kostet in Aachen 15 Euro

Nichtrauchen. Tief durchatmen

Leben ohne Qualm

Amt ohne Qualm

Thomas Cook Airlines rauchfrei seit Winter 2003/04

Ryanair verhängt "Beförderungsverbot" gegen renitente Raucher

Nichtraucherschutz an der Uni Karlsruhe

Auf Balkon rauchen hilft den Kindern nicht

Nur rauchfreie Gastronomie bietet effektiven Schutz.

Zappelphilipp-Syndrom durch Rauchen in der Schwangerschaft

Häufiger Krebs bei Katzen von Rauchern

Rauchen bleibt Kollektivschwachsinn

Fristlose Kündigung wegen Anstrich-Schadstoffen

Rauchopfer - ein Film über die Droge, die Bäume fällt

USA: Tabakgelder stopfen Haushaltslöcher

Griechenland: Wettbewerb zum 6. Jugendfestival

Schule macht Zeitung: Thema Rauchen dominiert

Karl-Heinz Flick gestorben

Raucherklage geht in die zweite Instanz

Rauchfrei tanzen in Hamburg

Gruppenversicherung für Nichtraucher

Buchtipp: Der zuverlässige Weg zum Nichtraucher

Ein Lehrstück in Sachen Gesundheitspolitik

UEFA verhängt Rauchverbot auf der Trainerbank

Terminkalender

Impressum

Gastronomische Anzeigen

 

Manipulationen der DEHOGA

Es gäbe "bislang überhaupt kein repräsentatives aussagekräftiges Datenmaterial zum Nichtraucherangebot in der Gastronomie", schrieb die Stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der DEHOGA, Ingrid Hartges, am 31. Oktober 2003 an den Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit. Auch die DEHOGA habe "ein größtmögliches Interesse daran, vorhandene Nichtraucherangebote besser zu kommunizieren und auch zum derzeitigen Umfang des Nichtraucherangebotes einen Überblick zu erhalten", heißt es weiter.

"Vor diesem Hintergrund haben wir in einer aktuellen großen nationalen Studie der Firma Marktplatz Hotel zwei Fragen zum Nichtraucherschutz aufgenommen. Folgende Fragen werden den Betrieben gestellt:

1. Stellen Sie derzeit eine gesteigerte Nachfrage Ihrer Gäste nach speziellen Angeboten für Nichtraucher fest? O Ja O Nein 2. Gibt es in Ihrem Unternehmen bereits Angebote für Nichtraucher? O Separater Gastraum/Nichtraucher O Nichtraucherzone O Nichtrauchertische O Nichtraucherzimmer (Hotel)

Ebenso wird diese Umfrage Aufschluss darüber geben, inwieweit es sich um getränkeorientierte oder speiseorientierte Gastronomie handelt oder auch, um welchen Betriebstyp von der Bar übers Bistro, Cafe, Disko, Kneipe, Fastfood, Imbiss, Restaurant, gehobene Küche, bürgerlich-traditionell etc.

Sobald uns das Ergebnis dieser Umfrage vorliegt, werden wir dies selbstverständlich auch Ihnen zur Verfügung stellen."

Da die NID durch zahlreiche Aktualisierungen ihres Gastronomieführers für Nichtraucher und zwei eigene Umfragen fundierte Erfahrungen auf diesem Gebiet nachweisen kann, schlug sie im Auftrag des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit der DEHOGA u.a. folgende Änderungen vor:

"Das Wort derzeit bei Frage 1 ist zu unbestimmt und kann von dem einen Befragten mit einer Woche, von einem anderen mit mehreren Monaten gleichgesetzt werden. Wir halten es für sinnvoller, einen bestimmten Zeitraum vorzugeben, z.B. 2003 oder in den letzten zwölf Monaten.

Bei Frage 2 sind die Vorgaben zum Teil völlig unklar. Was ist der Unterschied zwischen Nichtraucherzone und Nichtrauchertischen? Wir halten es für unbedingt erforderlich zu ermitteln, wie groß der Anteil der Nichtraucherplätze im Vergleich zum gesamten Platzangebot ist, ob es also 10 von 100 oder 50 von 100 oder 80 von 100 Plätzen sind, die als Nichtraucherzone deklariert sind.

Bei Hotels gilt es auch noch zu erfragen, ob es einen rauchfreien Frühstücksraum oder eine rauchfreie Zone im Frühstücksraum gibt. Was nützt eine Übernachtung in einem Nichtraucherzimmer, wenn man beim Frühstück eingequalmt wird?"

Die DEHOGA reagierte mit keinem Wort auf diese Vorschläge. Anfang des Jahres 2004 behauptete der Präsident der DEHOGA, Ernst Fischer, wie nicht anders zu erwarten, dass das Gastgewerbe in Deutschland auf den Markt reagiert und bereits zahlreiche Angebote für Nichtraucher geschaffen habe. Diese Aussagen stützen "sich u.a. auf eine repräsentativ durchgeführte Untersuchung eines renommierten Forschungsinstitutes, bei der über 5.000 gastgewerbliche Unternehmer befragt wurden. Danach verfügen 39 % der befragten Restaurantbesitzer/-betreiber und 41 % der befragten Barbetreiber über einen separaten Gastraum für Nichtraucher." - so Heike Lehmann von der DEHOGA in ihrer E-Mail vom 13. Febraur 2004 an NID-Mitglied Bernhard Seelmann. Weiter heißt es:

"Da es sich hierbei um eine anonyme Umfrage gehandelt hat, liegen uns leider keine Daten hinsichtlich der Unternehmensnamen oder der genauen Standorte vor. Wir bitten Sie dafür um Ihr Verständnis."

Dies ist weder überzeugend noch glaubhaft, spricht doch die Stellvertretende Geschäftsführerin von einer "aktuellen großen nationalen Studie der Firma Marktplatz Hotel". Bei dieser Firma handelt es um ein Unternehmen, das u.a. - gegen Bezahlung - Adressen von Hotels und Gaststätten nach bestimmten Anforderungsprofilen anbietet. Auf eine schriftliche Anfrage der NID antwortete die Marktplatz Hotel GmbH am 4. März 2004:

"Leider haben wir ein solches Merkmal nicht in unserer Datenbank und können Ihnen dementsprechend auch kein Adressmaterial (zur nichtraucherfreundlichen Gastronomie) liefern.

Die einzige Chance sehe ich in einer Teilnahme an der Gesamtmarktbefragung 2004/2005 mit der Platzierung einer Frage. Wir werden wie im letzten Jahr 250.000 Betriebe der Hotellerie und Gastronomie mit Hilfe eines Fragebogens zum Einkaufsverhalten, zu Ausstattungsmerkmalen etc. befragen. Hier besteht für unsere Kunden die Möglichkeit, eigene Fragen an die Branche zu platzieren und umfangreiche Ergebnisse aus dieser Studie zu erhalten."

1.000 Euro ausgesetzt

Ein Mitglied der NID ist bereit, 1.000 Euro einer Person zu zahlen, die bis 1. Juli 2004 als erste in Deutschland eine Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern findet, in der 4 von 10 Restaurants oder 4 von 10 Bars einen separaten und uneingeschränkt nur für Nichtraucher bestimmten Gastraum anbieten!

Dass es niemand gelingen wird, diese Bedingung zu erfüllen, ist sicher. Denn die von der DEHOGA vorgelegten Zahlen lassen keinen anderen Schluss als den einer Manipulation zu. Eine Möglichkeit gibt es allerdings noch: die DEHOGA hat sich um eine Zehnerstelle verrechnet. 4 Prozent sind ein Wert, der jedoch erst dann realistisch ist, wenn die Schnellrestaurants (z.B. McDonalds) und Stehcafés (z.B. Starbucks) überproportional in eine Umfrage einbezogen werden.

Die NID ist gern bereit, die Kosten für die Überprüfung der Umfrage durch einen unter Eid stehenden Sachverständigen unter der Bedingung zu übernehmen, dass diesem sämtliche Umfrage-Unterlagen - also auch die Daten der befragten Betriebe - zur Verfügung gestellt werden.

Die DEHOGA geht anscheinend davon aus, dass ihr eine Behauptung, die sie nicht belegen kann und die der Erfahrung der Kunden des Gastgewerbes völlig widerspricht, einfach abgenommen wird. Mit einer solchen Einstellung kann sie nur verlieren. Falsche oder widersprüchliche Zahlen sorgen dafür, dass sie auch in der Politik nicht mehr ernst genommen wird. Das kann der NID in gewisser Hinsicht nur recht sein.

Persönliche Daten sind zu Recht schutzwürdig. Das fängt mit dem Geburtsdatum an und hört bei Gesundheitsdaten noch lange nicht auf. Auch politische Einstellungen müssen unter Verschluss bleiben, wenn sie anonym erfragt werden. Warum aber sollen Daten geheim bleiben, die angebotsorientiert sind? Gastwirte können kein Interesse daran haben, dass ihr nichtraucherfreundliches Angebot unter Verschluss bleibt – im Gegensatz zur DEHOGA, wenn die Umfrageergebnisse nicht ins Konzept passen. EGK

Das Gastgewerbe im Jahr 2000

Umsatzsteuerpflichtige Unternehmen des Gastgewerbes im Jahr 2000 laut
Statistischem Bundesamt:

Hotels  

Gasthöfe          

Pensionen       

Hotels garni     

Klassische Betriebsarten 

Erholungs- und Ferienheime     

Ferienzentren   

Ferienwohnungen         

Sonstige          

Beherbergungsgewerbe       

Speisewirtschaften       

Schankwirtschaften      

Bars, Diskotheken u.ä.     

Cafés   

Eisdielen         

Imbisshallen     

Trinkhallen       

Gaststättengewerbe 

Kantinen und Caterer

Gastgewerbe insgesamt       

11.448

19.968

7.033

3.674

42.123

441

174

3.276

2.966

48.980

92.642

49.548

4.196

9.582

6.785

24.408

7.514

194.675

8.210

202.885

 

Auf die E-Mail von Heike Lehmann (siehe oben) antwortete NID-Mitglied Bernhard Seelmann:

Ich fühle mich von Ihrer Antwort einfach nur "verarscht". Mir ist es bis heute nicht gelungen, in den von mir angefragten Städten und Landkreisen auch nur ein rauchfreies Restaurant oder eines mit einem rauchfreien Zimmer zu finden. Sie scheinen sich Ihrer Aussagen sehr sicher zu sein. Würden Sie diese auch unter Eid wiederholen? Dann müssten Sie den Nachweis erbringen und könnten sich nicht hinter fadenscheinigen Behauptungen verstecken.

 

EU-Kommissar Byrne will rauchfreie Gaststätten

In der EU-Kommission gibt es Bestrebungen, die Nichtraucher europaweit in den Gaststätten vor dem gesundheitsschädlichen Tabakqualm zu schützen. Das Recht auf einen rauchfreien Arbeitsplatz müsse auch für die Jobs in Bars und Restaurants gelten, äußerte EU-Verbraucherschutz-Kommissar David Byrne gegenüber der Tageszeitung Die Welt.

In Irland ist vom 29. März 2004 an das Rauchen in fast allen öffentlichen geschlossenen Räumen verboten. Wer in Pubs, Restaurants oder am Arbeitsplatz dennoch raucht, muss dann mit bis zu 3.000 Euro Strafe rechnen. Damit ist Irland das erste Land in Europa, das ein derart umfassendes Rauchverbot einführt. Für den irischen Gesundheitsminister Michael Martin sind die Spekulationen und Debatten vorbei: "Es kann keinen Streit über den schädigenden Effekt von Tabak und Passivrauchen geben."

 

Bundesbürger wollen rauchfreie Gaststätten

Die Bundesbürger wollen mehrheitlich rauchfreie Gaststätten. Der TED-Umfrage von Sat.1 TEXT vom 18./19. Januar 2004 zufolge entschieden sich bis 21:15 Uhr 7706 Anrufer für ein "Rauchverbot in Kneipen" (71,8 %) und nur 3.020 dagegen (28,2 %) - und das, obwohl die Frage so gestellt wurde, dass Mitleid für die Raucher wecken sollte: "Die EU-Kommission denkt darüber nach, in Kneipen und Restaurants das Rauchen zu verbieten. Bislang sah man nur in den USA frierende Kneipenbesucher vor der Türe beim Rauchen. Nun könnte das auch in Europa Realität werden. Finden Sie das gut?" Jeder Anruf kostete übrigens 0,24 Euro. Auch wenn diese Umfrage nicht repräsentativ ist: die Tendenz ist eindeutig.

 

Nachtrag zu den Gastronomiebetrieben, die oder deren Inhaber Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen sind, gehören auch:

Ferienwohnung Lucia 78141 Schönwald, Schubertstr. 38 0711/748604, Angebot: W

Ferienwohnung Huber 88690 Unteruhldingen, Gartenstr. 11 0711/748604, Angebot: W

Annenheim-Appartements A-9762 Weissensee/Kärnten, Oberdorf 26 (D-)08331/9610-835, Angebot: W

 

Nichtraucher-Schiff

Cynthia Bardowicks, langjähriges Mitglied der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden, bietet unter der Reiseagentur TheoTours rauchfreie Reisen auf dem Schiff Paradise an. Die Karibischen Inseln stehen genauso auf dem Programm wie Routen, die sich mit Kalifornien-Rundreisen verbinden lassen. Rauchfreie Kreuzfahrten auf Europas Flüssen (mit Bordsprache Englisch) sind ebenfalls möglich. ( 06128 973836, www. theotours.de/badowicks.

 

Aus Verantwortung rauchfreies Restaurant

Am 1. Mai 2004 soll am Tegeler See in Berlin ein Nichtraucher-Restaurant eröffnet werden. Es gehört der LisKon Med GmbH. Die Arztpraxis des Geschäftsführers Dr. Torsten Wünscher wird im Obergeschoss untergebracht sein. "Es wird deshalb ein Nichtraucher-Restaurant, weil ich natürlich als Arzt eine besondere Verantwortung gegenüber meinen Mitarbeitern habe und sie nicht den Krankheitsrisiken aussetzen möchte, die durch Tabakrauch entstehen", äußerte er Mitte Januar gegenüber der Bezirkszeitung Der Nordberliner. Nichtalkoholische Getränke sollen deutlich günstiger sein als alkoholische. "Wir wollen kein Gourmetrestaurant ansiedeln, sondern leckeres Essen zu bezahlbaren Preisen anbieten." Anschrift: Eisenhammerweg 20, 13507 Berlin, Bezirk Tegel.

 

Welt-Nichtrauchertag 2004: Wer raucht, ist arm dran!

Für den Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2004 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) als Thema "poverty and tobacco" vorgegeben. Der WHO geht es dabei vor allem um die Erkenntnis, dass der zunehmende Tabakkonsum in den Ländern der Dritten Welt deren Armutsprobleme noch verstärkt.

Auch wenn das Rauchen in Industriestaaten wie Deutschland auf den ersten Blick kaum auf Armut schließen lässt: Tatsache ist, dass der Raucheranteil in den unteren Einkommensschichten weit über dem in den höheren Einkommensschichten liegt. Darüber hinaus gibt es noch ein paar andere Armutsaspekte, die das Aktionsbündnis Nichtrauchen zu dem Entschluss brachten, den Vorschlag des Dresdner Arbeitskreises der NID aufzugreifen und als deutsches Motto "Wer raucht, ist arm dran!" zu wählen.

Die Deutsche Krebshilfe will zum Welt-Nichtrauchertag wie im Vorjahr ein Poster herausbringen, das spätestens Mitte April unter ( 0228 72990-0 oder ( 72990-11 angefordert werden kann.

 

Mit Rauchfrei 2004 10.000 Euro gewinnen

Im Auftrag der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und unterstützt von der Weltgesundheitsorganisation führt das Deutsche Krebsforschungszentrum wieder die Aktion Rauchfrei 2004 durch - einen "Wettbewerb zum Rauchstopp von Erwachsenen und Jugendlichen" unter Schirmherrschaft von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt.

Wer als Raucher an dem Wettbewerb teilnehmen will, muss sich verpflichten, vom 1. Mai 2004 (auch Anmeldeschluss) an 4 Wochen nicht zu rauchen. Wer als Nichtraucher einen Raucher zur Teilnahme motiviert und ihn in den vier Wochen unterstützt, kann sich auf der Anmeldung als Helfer eintragen. Gewinnt der Teilnehmer (Raucher) einen Preis, bekommt auch der Helfer (Nichtraucher) einen Preis. Während ein Raucher sich nur einmal als Teilnehmer anmelden kann, können sich Nichtraucher bei mehreren Rauchern als Helfer eintragen und dadurch ihre Chance zu gewinnen vergrößern.

Nur die ausgelosten Gewinner müssen mit einem Urintest nachweisen, dass sie im Mai 2004 nicht geraucht haben, alle anderen nicht.

Teilnahmekarten gibt es in Apotheken, in Geschäftsstellen der AOK und der Barmer Ersatzkasse sowie in vielen Arztpraxen, Kliniken, sozialen Einrichtungen und Betrieben sowie beim dkfz, Rauchfrei 2004, Postfach 10 19 49, 69009 Heidelberg. E-Mail: Rauchfrei 2004@dkfz.de. Die Anmeldung ist auch unter www.rauchfrei2004.de möglich. Rauchertelefon des dkfz: 06221 424200 (Mo bis Fr von 15 bis 19 Uhr).

Das neue Jahr, so NID-Mitglied Jutta Bastian, hätte im Großraum Heidelberg schon vielversprechend angefangen. Die Rhein-Neckar-Zeitung mache eine Großaktion: Zwei ihrer Redakteure hätten das Rauchen "öffentlich" aufgegeben. Der enge Bezug zur Rauchfrei 2004-Kampagne werde fast täglich hergestellt. Jeden Tag fänden die Leser einen "Mut-mach-Artikel". Auch ein Leserforum sei eingerichtet worden. Das sollte den Lesern des Nichtraucher-Infos Mut machen, den Redakteuren "ihrer" lokalen Zeitung vorzuschlagen, den Rauchfrei 2004-Wettbewerb zum Anlass für eine breit angelegte Rauchfrei-Aktion zu nehmen. Gründe dafür gibt es genug.

 

Rauchfrei-Siegel zu vergeben

Das Aktionsbündnis Nichtrauchen wird zusammen mit der Deutschen Krebshilfe anlässlich des diesjährigen Welt-Nichtrauchertages das 2. Rauchfrei-Siegel vergeben. Mit diesem Siegel werden TV- und Film-Produktionen ausgezeichnet, in denen bewusst auf rauchende Charaktere in Identifikationsrollen verzichtet wird. Wenn Raucher aus dramaturgischen Gründen dargestellt werden müssen, sollten es keine Identifikationsfiguren, sondern negative Rollenträger sein. Dazu zählen u.a. Kriminelle, Bösewichte und Verlierertypen. Vorschläge sind bis 5. April 2004 zu richten an die Deutsche Krebshilfe e.V., Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn (E-Mail: jt@krebshilfe.de).

 

Tabakindustrie kein Sponsor für die NID

Zusammen mit vielen anderen Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) hat die NID einen Aufruf unterzeichnet, in dem diese sich verpflichten, keinerlei Gelder von der Tabakindustrie anzunehmen. Mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer sollten gesundheitsfördernde Projekte finanziert werden ohne Einflussnahme der Tabakindustrie

Mit folgendem Schreiben an den Mitherausgeber der Wochenzeitung Die Zeit, Dr. Theo Sommer, wies die NID die Einladung zur Teilnahme an der Dialogveranstaltung der British American Tobacco (Germany) GmbH am 30. März 2004 in Berlin zurück:

Sehr geehrter Herr Dr. Sommer, NID-Präsident Prof. Dr. med. Ekkehard Schulz hat nie mit dem Gedanken gespielt, durch seine Anwesenheit zur Verbesserung des BAT-Images beizutragen. Insofern ist Ihre Formulierung: "an der Sie leider nicht teilnehmen konnten" unzutreffend1). Sie, Herr. Dr. Sommer, scheinen sich den Nachruf sichern zu wollen, einen Beitrag zur Verringerung der durchschnittlichen Lebenserwartung geleistet zu haben. Immerhin übernehmen Sie die Moderation für einen der Tabakkonzerne, mit deren Vertretern der frühere US-Surgeon General2) Everett Koop keine Gespräche führen wollte. Seine Worte: "Mit dieser Mörderbande diskutiere ich nicht!"

1) Gemeint ist eine der beiden Veranstaltungen, die im Januar und November 2002 stattfanden.

2) Höchster Beamter der US-Gesundheitsbehörde

 

Zweckgebundene Gesundheitsabgaben auf Tabakwaren

Eine Kostenumschichtung nach dem Verursacherprinzip wird von der großen Mehrheit der Bundesbürger als gerecht empfunden, weil dadurch gesundheitsschädliche Verhaltensweisen zurückgedrängt, Krankenkassen entlastet und Lohnnebenkosten gesenkt werden. Dies stärkt den Standort Deutschland im globalen Wettbewerb.

Solange Tabaksteuererhöhungen für die Terrorbekämpfung eingesetzt werden, betrachten Raucher und Tabakindustrie Tabaksteuererhöhungen und damit auch das Raucherbein als ein nationales Opfer für unsere Sicherheit (Erhöhung der Tabaksteuer vom 1. Januar 2002).

Vom Dezember 2002 bis Februar 2003 habe ich die Forderung nach zweckgebundenen Gesundheitsabgaben zur Finanzierung der Folgekosten tabakassoziierter Erkrankungen an den Bundeskanzler, die Bundesgesundheitsministerin, die Mitglieder der Rürup-Kommission, die Gesundheitsminister/innen der Länder, den Bundesratsausschuss für Gesundheit, die CDU-Kommission zur Reform der sozialen Sicherungssysteme sowie an einige Mitglieder des Bundestages gesandt.

Neun Gesundheitsministerien antworteten. Fünf davon, nämlich die in Hessen, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg, unterstützten unsere Forderung ohne Wenn und Aber. Aus drei dieser Briefe möchte ich einige Passagen zitieren:

1. Der Gesundheitsminister Günter Baske des Landes Brandenburg schrieb kurz und bündig: "Unser Haus hält die Forderung, Gesundheitsabgaben auf Tabakwaren zur Prävention und zur Finanzierung tabakassoziierter Krankheiten einzusetzen, für berechtigt."

2. Die Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Marianne Linke, antwortete mir: "Mecklenburg-Vorpommern hat schon im Jahre 2000 eine Initiative zur zweckgebundenen Erhöhung der Alkoholsteuer in die 73. Konferenz der Gesundheitsminister (GMK) eingebracht und keine Mehrheit gefunden. Unabhängig vom Schicksal der damaligen Initiative meines Landes auf der GMK halte ich an dem Gedanken einer möglichst zweckgebundenen Abgabe auf gesundheitsgefährdende Güter fest. Insgesamt wäre eine stringentere Tabakkontrollpolitik in Deutschland, ähnlich der in fast allen industrialisierten Ländern, wünschenswert."

3. Aus dem Staatsministerium für Soziales in Sachsen erfuhr ich folgendes: "Das Sächsische Sozialministerium hat alle diesbezüglichen Beschlüsse der Gesundheitsministerkonferenzen 1997 und 1998 zur Überprüfung produktbezogener Gesundheitsabgaben auf Alkohol und Tabak fachlich unterstützt. Auch in anderen Ländern sind positive gesundheitspolitische Resultate mit einer solchen Gesundheitsabgabe erreicht worden. Frau Ministerin Weber hat aus all diesen Gründen im Rahmen der Vorbereitung der für Juli dieses Jahres geplanten GMK eine Prüfung Ihres Vorschlages für eine zweckgebundene Gesundheitsabgabe auf Tabakwaren veranlasst, die auch die gegenwärtig praktizierte Tabakpolitik der Europäischen Union mit einbeziehen soll."

Außerdem ist zu erwähnen, dass die Gesundheitsministerin von Nordrhein-Westfalen, Birgit Fischer, im April 2003 - wie bereits die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Regina Schmidt-Zadel, im Juli 2001 - eine Gesundheitsabgabe auf Tabakwaren von der Bundesregierung forderte.

Das Sozialministerium Baden-Württemberg und die Gesundheitssenatorin von Berlin unterstützten die Forderung einer Zusatzabgabe auf Tabakwaren zur Finanzierung der Prävention. Das Gesundheitsministerium von Rheinland-Pfalz sprach von der Hoffnung einer schrittweisen Verdoppelung der Tabak- und Alkoholsteuer. Die Gesundheitsministerin von Niedersachsen, Ursula von der Leyen, hielt es für erforderlich, die vorgetragenen Aspekte in die GMK einzubringen.

Leider fiel der von der 76. GMK am 2./3. März 2003 in Chemnitz gefasste Beschluss bezüglich zweckgebundener Abgaben auf Tabakwaren nur sehr mager aus. Im Aktionsplan Drogen und Sucht findet man unter Ziffer 5 u.a. folgenden Beschluss: "Verbesserung der Finanzierungsmöglichkeiten im Präventions- und Hilfebereich auch durch zweckgebundene Abgaben auf Alkohol- und Tabakerzeugnisse". Freuen wir uns über diesen kleinen Hoffnungsschimmer bei der GMK!

Enttäuschend war die Antwort aus dem Bundeskanzleramt auf mein Schreiben. Negativ überrascht hat mich die Antwort von MdB Werner Lensing: "Es liegt weder im Interesse der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, noch entspricht es meinem Weltbild, anhand massiver Steuererhöhungen die Gewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger zu beeinflussen." Er vergaß dabei völlig die immer mehr und früher rauchenden Kinder und Jugendlichen, die durch Preiserhöhungen auf Zigaretten vom Rauchen abgehalten werden können.

Verbündete bei unserem Anliegen sind die Krankenkassen: So verlangte die Barmer Ersatzkasse im Januar 2003, Tabak und Alkohol mit einer Gesundheitsabgabe zu verteuern, wobei die Mittel zweckgebunden im Bereich der Gesundheit eingesetzt werden müssen.

In Europa erheben Belgien, Frankreich, Finnland, Norwegen, Rumänien, Portugal, Estland, Polen, Island, Slowenien, Griechenland und Lettland zweckgebundene Gesundheitsabgaben auf Tabakwaren. Außerhalb Europa sind es laut www.globalink.org immerhin 15 Länder.

Wir sollten nicht erst abwarten, wie sich die beschlossenen drei Tabaksteuererhöhungen auswirken, sondern unabhängig davon bei jeder sich bietenden Gelegenheit unsere Forderung nach einer zweckgebundenen Gesundheitsabgabe auf Tabakwaren vortragen.

Prof. Dr. Ekkehard Schulz

 

Leuchttürme

Der Seemann schaut nach ihnen, um sein Ziel zu erreichen. Wenn es in der Wirtschaft darum geht, nach einem stürmischen Wellengang endlich wieder Land erblicken zu wollen, dann wird nach Leuchttürmen Ausschau gehalten. So werden die leistungsstärksten Unternehmen einer Region genannt. Sie stehen für wirtschaftlichen Aufschwung und gelten als Ankerplätze für Folgeinvestoren, die dann weitere Arbeitsplätze an Land ziehen.

In Dresden, inmitten einer von Arbeitslosigkeit gebeutelten Region, machen zwei Leuchttürme von sich reden. Mit der Ansiedlung der Chiphersteller Infineon Dresden und AMD Saxony rückten die Stadt und die Region zum führenden Zentrum der Mikroelektronik in Europa auf. Nach Infineon hat nun auch AMD damit begonnen, sein zweites Werk in Dresden zu errichten.

Wer nun aber glaubt, eines dieser beiden Unternehmen sei die Nummer Eins in Dresden, der täuscht sich. Das umsatzstärkste Unternehmen der Stadt ist die f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH. Mit ihren 404 Beschäftigten erzielt sie einen höheren Umsatz als AMD mit bisher 2000 oder Infineon mit 4600 Beschäftigten. Die Angaben beziehen sich auf das Jahr 2002 und wurden Ende Dezember 2003 veröffentlicht. Während AMD gegenüber 2001 100 Arbeitsplätze und Infineon 300 Arbeitsplätze neu geschaffen haben, baute die f6 Cigarettenfabrik 96 Arbeitsplätze ab, und das jeweils bei steigenden Umsätzen.

Die Zigarettenindustrie als Platzhirsch im Wirtschaftsgefüge - umsatzstark und effizient?

Infineon und AMD haben ihre modernsten und damit auch effizientesten Werke in Dresden. Die Wertschöpfung von 2000 oder 4600 hochqualifizierten Beschäftigten in einer innovativen Fertigung ist natürlich um ein Vielfaches höher als die von 404 minder qualifizierten Arbeitskräften in einer bis aufs Äußerste durchrationalisierten Massenproduktion. Zudem schaffen die Chiphersteller in den eigenen Fabriken und in ihrem Umfeld neue Arbeitsplätze. Sie sorgen so für Kaufkraftzuwachs und wirtschaftlichen Aufschwung.

Ganz anders bei der Zigarettenindustrie. Deren vermeintliche Wertschöpfung, die sich am Ende als gigantische Wertvernichtung erweist, wird trotz steigendem Umsatz immer geringer. Profitrate und Steuererlös werden dafür immer höher. Geld, das für Zigaretten ausgegeben wird, vermindert die Nachfrage nach Gütern, an deren Produktion in höherem Umfang menschliche Arbeitsleistung beteiligt ist. So vernichtet die Tabakindustrie nicht nur Arbeitsplätze in den eigenen Werken, sondern zwingt auch andere Betriebe zum Arbeitsplatzabbau mangels ausreichender Nachfrage nach deren Produkten.

Kaufkraftschwund? - Hilft alles nix, aber wir brauchen die Steuern, um Löcher zu stopfen!

Welche Löcher? - Nun, die entstehen, wenn wir Steuern senken!

Wozu senken? - Um dem Kaufkraftschwund abzuhelfen, natürlich!

Ist das nicht eine amüsante Pirouette, die unsere Reformer hier drehen?

Für den Staat und die Gesellschaft ist das Geschäft mit dem Tabak ein doppeltes Verlustgeschäft. Zum einen geht Arbeitsplätze erhaltende Kaufkraft verloren. Mit dem Verkauf von Tabakwaren verpufft schließlich mehr Kaufkraft als Steuern hereinkommen. Zum anderen verursacht das Rauchen Schäden und Sozialkosten, die den Steuererlös bei weitem übersteigen. Die Folgen hat jeder von uns dieses Jahr beim ersten Arztbesuch und anschließend in der Apotheke am eigenen Geldbeutel sehr eindrucksvoll verspürt. Gesundheit wird immer teurer und am Ende schlichtweg unbezahlbar. Etwa ein Fünftel der Kosten - so wird geschätzt - geht zu Lasten des Rauchens. Neuere Schätzungen kommen noch auf weitaus höhere Anteile.

Eine zukunftsträchtige Gesundheitsreform muss bei der Gesundheit ansetzen und nicht am Geldbeutel der Patienten. Weitsichtige Gesundheitspolitik geht den Ursachen von Krankheit, Siechtum und vorzeitigem Tod zu Leibe und fördert, was Gesundheit und Leistungsfähigkeit stärkt. Durch keine andere Einzelmaßnahme kann mehr zur Verhütung von Krankheiten und zur Rettung von Menschenleben getan werden als durch eine drastische Verminderung des Tabakkonsums. Dies stellte die Weltgesundheitsorganisation bereits 1974 fest. Unsere Gesundheitsministerin hätte hier die Erfolg verheißende Möglichkeit, einen Leuchtturm zu setzen.

Bisher gab es seitens der Bundesregierung keinen ernsthaften Versuch, das Rauchen in Deutschland als Verhalten aller Bevölkerungsschichten in Frage zu stellen. Im Gegenteil: Der Raucher wird als edler Steuerspender hofiert. Jede Steuererhöhung wurde als Opfergabe für einen guten Zweck verherrlicht: als Beitrag zur Terrorismusbekämpfung oder als rettender Obolus für das Sozialsystem. Der Raucher als patriotischer Held. Thomas Christian Dahme regte die Heroisierung der legal Süchtigen dazu an, dies so zu glossieren:

"Ich trinke für die Regenwälder und rauche für die Steuergelder - dass ich, wenn ich mir Mühe gebe, sozialverträglich früh ablebe."

Die Steuern auf Tabakwaren bringen dem Staat und damit der Gesellschaft derzeit überhaupt nichts, denn allein die wirtschaftlichen Schäden durch das Rauchen sind bei Weitem höher als das, was durch Steuereinnahmen ausgeglichen werden kann. Eine Abgabe auf Tabakwaren ist sinnvoll, wenn sie zweckgebunden eingesetzt wird und nicht im allgemeinen Steuertopf verschwindet. Der wichtigste Zweck der Gesundheitsabgabe muss sein, den Tabakwarenkonsum stetig und dauerhaft zu senken. Nur so werden sich die eingenommenen Gelder auf lange Sicht auszahlen: als gesundheitliches und wirtschaftliches Wohlergehen jedes Einzelnen und der Gesellschaft. Für beide gilt:

"Wer raucht, ist arm dran!"

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Daten zum Rauchverhalten von Berufsschülern

Die Berufsschule besuchen sie in der Regel nur an einem Tag in der Woche. An den anderen Tagen arbeiten sie im Betrieb. Beim Einkommen liegen sie weit unter dem Durchschnitt, beim Tabakkonsum jedoch deutlich darüber. Das zeigen die Ergebnisse einer schriftlichen anonymen Befragung von Schülern einer kaufmännischen Berufsschule in München seit 1987. Die 57 Prozent Raucheranteil sind ebenfalls nur ein Durchschnitt. Rauchten zwischen 1987 und 1990 nur 52 Prozent, waren es zwischen 1999 und 2003 schon 63 Prozent.

Die Eltern tragen ganz erheblich zum Rauchverhalten ihrer Kinder bei - wie die Grafik zeigt. Sie stellen jedoch nur einen von mehreren Faktoren dar, die zu einer Raucherkarriere führen. Rauchen Vater und Mutter, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder auch rauchen, bei 3 zu 2. Sind die Eltern Nichtraucher, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder rauchen, etwa bei 3 zu 4.

 

Was könnte Sie am ehesten

vom Rauchen abhalten bzw. hat Sie vom Rauchen abgehalten?

Antworten

Lehrer, die nicht rauchen

Eltern, die nicht rauchen

Sachliche Information über die Schädlichkeit des Rauchens

Positive Darstellung der Vorteile des Nichtrauchens

Rauchen erzeugt Gestank

Grässliche Bilder, z.B. Raucherbein, Verunstaltung durch Krebs

Spätere gesundheitliche Schädigung

Freunde/Freundinnen, die nicht rauchen

Bereits spürbare gesundheitliche Schädigung

Rauchen kostet Geld

Raucher

1

7

8

8

11

19

27

30

33

40

Nichtraucher

5

16

29

23

35

28

38

23

14

60

744 von 921 Schülern einer kaufmännischen Berufsschule in München kreuzten eine oder mehrere der vorgegebenen Antworten an (416 Raucher und 327 Nichtraucher).

Die Antworten zeigen, dass das wichtigste "Argument" gegen das Rauchen bei Rauchern (40 %) wie bei Nichtrauchern (60 %) der Geldbeutel ist. Insofern dürfte sich die Erhöhung der Tabaksteuer segensreich auswirken. Bei anderen Punkten gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede bei der Präferenz. Während bei Nichtrauchern eine sachliche Information über die Schädlichkeit des Rauchens gute Chancen hat (29 %), spielt sie bei Rauchern nur eine untergeordnete Rolle (8 %). Auch die positive Darstellung der Vorteile des Nichtrauchens sagt Rauchern nichts (8 %), während sie bei den Nichtrauchern immerhin 23 % Befürworter findet. Dass Nichtrauchern der Tabakrauch stinkt, wird durch die 35 % Zustimmung unterstrichen (Raucher 11 %). Grässliche Bilder wirken bei 28 % der Nichtraucher vorbeugend gegen den Tabakkonsum (Raucher 19 %).

Interessant ist, dass die Raucher über die Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens gut ansprechbar sind. Immerhin ziehen 27 % in Erwägung, das Rauchen wegen späterer gesundheitlicher Schädigung und sogar 33 % bei bereits spürbaren gesundheitlichen Schädigungen zu lassen. Den Nichtrauchern hingegen reicht die mögliche spätere Gesundheitsschädigung (38 %), um überhaupt nicht erst mit dem Rauchen anzufangen. Noch viel mehr als die Nichtraucher (23 %) würden die Raucher das Rauchen wegen Freunden/Freundinnen, die nicht rauchen, aufgeben.

 

Farbe bekennen: Mit Buttons für rauchfreie Atemluft

Der Selbsthilfeverein Probleme mit dem Passivrauchen e.V. fordert dazu auf, Farbe zu bekennen und durch Tragen von Buttons für rauchfreie Atemluft einzutreten. Keinem Menschen sehe man an der Nasenspitze an, dass er rauchfreie Atemluft wünscht. Deshalb müsse der Wunsch ohne Worte für alle sichtbar getragen werden. Die himmelblauen Buttons (37 mm Durchmesser) gibt es mit folgenden Motiven:

* "Ich brauche rauchfreie Atemluft"

* "Ich möchte rauchfreie Luft atmen"

* "Ich bin für rauchfreie Atemluft"

* "Ich bin für rauchfreie Luft dankbar"

* "Ich bevorzuge rauchfreie Atemluft" * "PRO rauchfreie Atemluft"

* "Rauchfreie Atemluft" mit Smiley *

Die Buttons können unter www.problem-passivrauchen.de zum Selbstkostenpreis (80 Cent/Stück + 3,60 € Verpackungs- und Versandkosten) bestellt werden. Hier eine Abbildung von drei Motiven mit einem 1-Cent-Stück zum Größenvergleich:

 

Dr. Scharedis Lustiger Nichtraucherpass

Nichtrauchern entgehen wichtige Persönlichkeitsmerkmale:

gelbe Zähne, schlechter Atem, stinkende Kleidung.

Dieser Spruch ist einer von vielen Sprüchen in "Dr. Scharedis Lustiger Nichtraucherpass" (ISBN 3-934116-31-0, Preis: 2,50 €), erschienen im Rostocker Verlag Redieck & Schade. Das 160 Seiten starke Büchlein ist etwa so groß wie eine Zigarettenschachtel und karikiert das Rauchen mit Sprüchen, Gedichten, Zeichnungen, Kreuzworträtseln und vielem mehr. Bei ihrer satirischen Auseinandersetzung orientieren sich die Verfasser vor allem an Verhaltens- und Denkmustern von "Otto-Normalverbraucher". Der Buchdeckel enthält folgenden "Gefährdungshinweis":

Rauchen macht schön. Schön blöd.

 

Anzeigen-Motiv Schwangere

Die MKK Müller Agentur für Kreative Kommunikation GmbH, Hamburg, hat die Anzeige auf Seite 16 gestaltet. Sie ist bisher - für die NID kostenlos - in mindestens vier Eltern-Zeitschriften erschienen. Der Wert einer farbigen einseitigen Anzeige liegt jeweils zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Im verkleinerten Schwarzweiß-Druck kommt die Verfärbung des Kinderfingers (ähnlich wie beim Raucherbein) nicht so gut zur Geltung wie beim Farbdruck in einer Zeitschrift im Format A4.

 

1. Deutsche Konferenz zur Tabakkontrolle

Am 10./11. Dezember 2003 fand in Heidelberg im Kommunikationszentrum des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) die 1. Deutsche Konferenz zur Tabakkontrolle statt. Organisiert hatte die Veranstaltung das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle. Mit über 300 Teilnehmern war es wohl eine der größten Tagungen zu diesem Themenbereich in Deutschland. Gekommen waren hauptamtlich und ehrenamtlich Tätige aus vielen Bundesländern.

Der international gebräuchliche Begriff Tabakkontrolle (tobacco control) umfasst alle Themen, die irgendwie mit Tabak zu tun haben - sozusagen von der Herstellung des Produkts bis zu seiner Verwendung einschließlich aller damit verbundenen Folgen: den gesundheitlichen, politischen, finanziellen usw. Dem gemäß war die Konferenz sehr breit angelegt. Die Einflussnahme der Tabakindustrie auf die WHO und die Politik stand genauso auf der Tagesordnung wie der Nichtraucherschutz, die Tabakentwöhnung (jetzt üblich für Raucherentwöhnung) und die Prävention.

Bild oben: die eine Hälfte des Plenums

Bild unten: Informationsstand der NID

Bild unten: Sie organisierten die Tagung: das Team rund um Dr. Martina Pötschke-Langer (2. von rechts)

 

Ernst-Günther Krause berichtete für die NID über seine Arbeit und seine Erfahrungen unter "Nichtraucherschutz von unten: Möglichkeiten für ArbeitnehmerInnen ohne Mobbing, Karriereknick und Kündigung". Sein Vortrag ist allen Interessierten zugänglich als Word-Datei in Verbindung mit einer Powerpoint-Datei auf der NID-Webseite www.nichtraucherschutz.de.

Zum Abschluss verabschiedeten die Teilnehmer die

1. Heidelberger Deklaration für Tabakkontrolle.

Durch Rauchen sterben in Deutschland mehr Menschen als durch Verkehrsunfälle, Alkohol, illegale Drogen, Morde und Selbstmorde zusammen. Dies sind jährlich weit über 100.000 Menschen. Die Hälfte von ihnen verstirbt bereits im mittleren Lebensabschnitt.

Die Tabakindustrie macht den Zigarettenmarkt zunehmend zu einem Markt für Kinder und Jugendliche: Über 80 % der Raucher beginnen weit vor dem 18. Lebensjahr zu rauchen. Im letzten Jahrzehnt kam es zu einer Verschiebung des Rauchbeginns in immer jüngere Jahrgänge. Die erste Zigarette wird zunehmend vor dem 12. Lebensjahr geraucht.

Daher fordert die 1. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg:

1. Der Deutsche Bundestag und Bundesrat sollen ohne Einschränkungen an der bereits beschlossenen Tabaksteuererhöhung von jeweils 1,5 Cent pro Zigarette in drei Stufen bis Mitte 2005 festhalten. Die geplante Tabaksteuererhöhung darf nicht auf Druck der Tabaklobby abgesenkt, verzögert und gestreckt werden. Die Tabaksteuererhöhung ist nachweislich das wichtigste Instrument, um Kinder und Jugendliche vor Tabak zu schützen.

2. Die Bundesregierung und alle Fraktionen des Bundestages sollen vorbehaltlos die Ratifizierung und konsequente Umsetzung der Rahmenkonvention für Tabakkontrolle vornehmen. Diese beinhaltet unter anderem ein umfassendes Tabakwerbeverbot, die Abschaffung von Zigarettenautomaten, den konsequenten Nichtraucherschutz in allen öffentlichen Einrichtungen sowie in der Gastronomie.

3. Aus ethischen Gründen sollen Bundesgesundheitsministerium, Länderministerien, Behörden und Nicht-Regierungs-Organisationen kein Geld zur Finanzierung von Projekten der Tabakprävention, einschließlich von Kinder- und Jugendkampagnen, von der Tabakindustrie oder ihren Auftraggebern annehmen und bereits bestehende Verträge aufkündigen. Zur Tabakprävention sollte ein aus Tabaksteuern finanzierter Präventionsfonds geschaffen werden.

4. Die Bundesregierung soll eine unabhängige Bundesstelle für Tabakkontrolle zur Regulation von Tabakprodukten und zur Koordinierung wirksamkeitsüberprüfter Maßnahmen einrichten.

Erhöhung der Tabaksteuer für Zigaretten geringer und in größerem Abstand

Leider haben sich Regierung und Opposition von der Heidelberger Deklaration nicht beeindrucken lassen: Die Tabaksteuer auf Zigaretten wurde zum 1. März um 1,2 Cent pro Stück erhöht. Weitere Erhöhungen um jeweils 1,2 Cent erfolgen erst zum 1. Dezember 2004 und zum 1. September 2005.

 

Die neuen Zahlen der Tabaksteuer-Erhebung

Zeitraum

Zigaretten

Steuer pro Stück

Steuer vom KVP

Steuer-Minimum

01.03.04-30.11.04

6,85 Cent

24,27 %

13,50 Cent

01.12.04-31.08.05

7,56 Cent

24,82 %

14,87 Cent

ab 01.09.05

8,27 Cent

25,29 %

? Cent

Zeitraum

Zigarren und Zigarillos

Steuer pro Stück

Steuer vom KVP

Steuer-Minimum

01.03.04-30.11.04

1,4 Cent

1,3 %

01.12.04-31.08.05

1,4 Cent

1,4 %

ab 01.09.05

1,5 Cent

1,5 %

Zeitraum

Feinschnitt

Steuer pro kg

Steuer vom KVP

Steuer-Minimum

01.03.04-30.11.04

27,03 Euro

16,67 %

41,40 Euro/kg

01.12.04-31.08.05

30,55 Euro

17,94 %

47,34 Euro/kg

ab 01.09.05

34,06 Euro

19,04 %

53,28 Euro/kg

Zeitraum

Pfeifentabak

Steuer pro kg

Steuer vom KVP

Steuer-Minimum

01.03.04-30.11.04

13,32 Euro

11,98 %

01.12.04-31.08.05

14,49 Euro

12,76 %

ab 01.09.05

15,66 Euro

13,46 %

KVP = Kleinverkaufspreis (Preis, den der Hersteller als Einzelhandelspreis bestimmt)

Das Steuerminimum bei den Zigaretten ab 1. September 2005 wird vom Bundesfinanzministerium auf der Basis der Bestimmungen in § 4 Abs. 1 Nummer 5 Tabaksteuergesetz berechnet.

Zigaretten sind Tabakstränge, die sich unmittelbar zum Rauchen eignen, wenn sie nicht wie Zigarren oder Zigarillos mit einem Deckblatt oder mit einem Deckblatt und einem Umblatt umhüllt sind.

Als Zigaretten gelten auch Tabakstränge, die dazu bestimmt sind, durch einen einfachen nichtindustriellen Vorgang in eine Zigarettenpapierhülse geschoben oder mit einem Zigarettenpapierblättchen umhüllt zu werden.

Feinschnitt ist Rauchtabak, wenn mehr als 25 Prozent des Gewichts der Tabakteile weniger als 1 mm lang oder breit sind. Helgoland und Büsingen gehören nicht zum Tabaksteuergebiet.

 

Tabakkonsum ging 2003 zurück

Tabakerzeugnis

Versteuerte
Verkaufswerte

Veränderung
zum  Vorjahr

Versteuerte
Mengen

Veränderung
zum Vorjahr

Zigaretten

21,1 Mrd. €

–2,3 %

132,6 Mrd. St.

– 8,6 %

Zigarren und
Zigarillos

569 Mill. €

+ 0,6 %

3 117 Mill. St.

+ 1,6 %

Feinschnitt

1,5 Mrd. €

+ 39,1 %

18 603 t

+ 20,2 %

Pfeifentabak

91 Mill. €

+ 4,8 %

870 t

+ 2,7 %

Insgesamt

23,2 Mrd. €

– 0,3 %

X

X

Auch ohne kräftige Steuererhöhung sank 2003 der Absatz der Fabrikzigaretten um 8,6 %. Er wurde geringfügig kompensiert durch die Zunahme beim Feinschnitt, dem Tabak zum Selbstdrehen. Bemerkenswert ist, dass es auch bei den Steuereinnahmen zu einem kleinen Minus kam. Erklärbar ist dies ebenso wie bei der Menge durch die zum 1. Januar 2003 wirksam werdende Steuererhöhung, die die Raucher veranlasst hat, im letzten Quartal 2002 noch einmal kräftig zuzulangen.

"Wir erwarten eine Katastrophe", wird der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie, Ernst Brückner im Berliner "Tagesspiegel" zitiert. Die Branche rechne 2004 mit einem Rückgang um 10 bis 20 Prozent. Dagegen meint Wolfgang Twardawa, Marketingleiter der GfK Marktforschung, dass die Preiserhöhung von 40 Cent pro Zigarettenpackung (etwa die Hälfte davon ist durch die Erhöhung der Tabaksteuer bedingt) nur wenige Raucher dazu bewegen wird, mit dem Rauchen aufzuhören. Stattdessen würden sie auf Billigzigaretten aus dem Discounter oder legale oder illegale Ware aus Osteuropa umsteigen. Schon jetzt werde jede dritte Zigarette, die in den neuen Bundesländern geraucht wird, nicht in Deutschland versteuert, weil sie aus Osteuropa kommt.

Will die Bundesregierung von der Erhöhung der Tabaksteuer profitieren, muss sie mehr gegen den Tabakschmuggel tun - und auch gegen die Umgehung der deutschen Tabaksteuer durch den Kauf von Markenzigaretten in den mit einer niedrigen Tabaksteuer operierenden EU-Staaten wie Spanien und Portugal. Zwar wird seit der Änderung des Tabaksteuergesetzes vom 23. Dezember 2004 die Mitnahme von Zigaretten durch Privatpersonen für andere Personen, z.B. Freunde und Bekannte, als gewerblichen Zwecken dienend angesehen und damit steuerpflichtig, doch muss diese Regelung auch noch in der Praxis durchgesetzt werden. Nötig ist eine umfassende Kontrolle der Herstellung und des Vertriebs von Tabakwaren.

 

Ulla Schmidt will Jugendliche schützen

Der Verkauf von einzelnen Zigaretten und von Packungen mit weniger als 17 Zigaretten sowie das Verschenken von Zigaretten zu Werbezwecken sollen verboten werden. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt hat ein Gesetz auf den Weg gebracht, das u.a. verhindern soll, dass die Tabakindustrie mit kleinen Packungen den Preis optisch niedrig hält. Der Gesetzentwurf sieht auch eine Sondersteuer auf süße alkoholhaltige Getränke ("Alcopops") vor.

 

Renate Künast will Subventionen für Tabakanbau kürzen

Das wird die Tabakbauern nicht freuen: Renate Künast, Bundesministerin für Ernährung, Verbraucherschutz und Landwirtschaft, hat die EU aufgefordert, die Subventionen für Tabakanbau zu kürzen. Angesichts massiver Gesundheitsprobleme durch das Rauchen sei es widersinnig, den Tabakanbau finanziell zu fördern.

 

Zigarettenkippe kostet in Aachen 15 Euro

Wer Zigarettenkippen, Papiertaschentücher, Kaugummi, Frittentüte, Heroinspritzen und anderen Müll auf Straßen und Plätzen "entsorgt", muss in Aachen damit rechnen, zwischen 10 und 35 Euro Verwarngeld zu zahlen. Damit soll ein Müllbewusstsein bei Personen bewirkt werden, bei denen man mit Appellen nichts erreicht. Verteilt werden die "Müllknöllchen" von 40 "Umwelt-Sheriffs" des Ordnungsamtes. Diese haben polizeiähnliche Befugnisse. Sie dürfen auch Personalien aufnehmen. Wer sich weigert, das Verwarngeld zu zahlen, dem droht ein wesentlich höheres Bußgeld.

 

Nichtrauchen. Tief durchatmen

Die schleswig-holsteinische Gesundheitsministerin Heide Moser hat eine "auf Dauer angelegte Präventionskampagne mit dem Slogan Nichtrauchen.Tief durchatmen initiiert. Die verfolgten Ziele kann die NID voll unterstützen. Ob allerdings die Einsendung der Unterstützer-Postkarte mit der Anschrift des Absenders an die Ministerin weiterhilft, muss bezweifelt werden.

 

Leben ohne Qualm

Die nordrhein-westfälische Landesinitiative Leben ohne Qualm (LoQ) hat auch eine ganze Reihe von Zielen zusammen mit einem Grußwort von Gesundheitsministerin Birgit Fischer auf Papier festgehalten. Allein die konkreten Maßnahmen fehlen, mit denen diese Ziele erreicht werden sollen.

 

Amt ohne Qualm  

In der Kreisbehörde gilt seit Januar Rauchverbot

 

Bad Tölz – Im Landratsamt weht neuerdings ein frischer Wind. Nun ja, zumindest die Luft kommt einem etwas frischer vor. Seit Beginn des Jahres gilt in der Behörde selbst und ihren Außenstellen Rauchverbot: keine Zigarren mehr, keine Zigaretten, nicht einmal ein lieblich duftendes Pfeifchen ist noch erlaubt. "Die Gesundheit der Mit­arbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der Schutz der Gesundheit sind für das Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen von grundsätzlichem Interesse", lautet die Botschaft in den nunmehr rauchfreien Fluren. Personalrat und Amtsleitung befürworteten Regelungen, welche die Gesundheit der Bediensteten fördern – und nicht gefährden. Daraus ergab sich die "Dienstvereinbarung zur Einführung eines allgemeinen Rauch­verbotes".

Dabei handelt es sich nicht nur um eine interne Anweisung: Besucher 

der Behörde könnte beim nächsten Amtsgang ein Schild darauf hinweisen, dass sie den Glimmstängel ausdrücken müssen. Denn die Anordnung gilt ebenso für Personen, die sich im Rahmen des Parteiverkehrs oder als Teilnehmer von Besprechungen im Landratsamt oder seinen Außenstellen aufhalten. Heimlich auf dem Klo zu rauchen wie zu Schulzeiten ist übrigens auch keine Lösung: Das Verbot gilt uneingeschränkt, auf allen Gängen, im Fahrstuhl, im Keller wie im Dachgeschoss, in den Besprechungsräumen, in Sitzungssälen und in Dienstfahrzeugen – und in allen Toiletten.

Beamten und Angestellten, die nicht vom Tabak lassen können, bleibt nur der Rückzug in spezielle Raucher-Zonen. Allerdings müssen sie sich für jede Zigarette an der Stechuhr abmelden. Verstöße werden als Dienstvergehen behandelt.

Wolfratshauser Ausgabe der Süddeutschen Zeitung, 19. Januar 2004

Kommentar: Eine vorbildliche Regelung.

 

Thomas Cook Airlines rauchfrei seit Winter 2003/04

Seit 1. November 2003 sind alle Flüge der Thomas Cook Airlines Nichtraucherflüge. Mit diesem Schritt folgt die Ferienfluggesellschaft dem Wunsch der Fluggäste, sich an Bord in einer völlig rauchfreien Umgebung aufzuhalten. Die Ergebnisse der regelmäßigen Kundenbefragungen hatten gezeigt, dass die überwiegende Mehrheit der Passagiere reine Nichtraucherflüge bevorzugt. Positive Erfahrungen wurden auch in der Komfort-Klasse gesammelt, in der es traditionell ausschließlich Nichtraucherplätze gibt. Bislang standen bei Thomas Cook Airlines rund ein Fünftel aller Sitzplätze für Raucher zur Verfügung. Die Plätze befanden sich stets im hinteren Teil der Kabine.

"In einem dynamischen Marktumfeld, in dem sich die Produktgrenzen zwischen Linie und Charter zunehmend verwischen, erwarten unsere Fluggäste auch im Ferienflugbereich Nichtraucherflüge", erläuterte Dr. Rudolf Tewes, Bereichsvorstand von Airline System der Thomas Cook AG. "Wir sind überzeugt, dass unsere Kunden diese Entscheidung begrüßen werden", prognostizierte er bei der Ankündigung.

"No Smoking" auch bei SunExpress

Im Zuge der Harmonisierung aller Ferienfluggesellschaften der Thomas Cook AG bietet auch SunExpress, eine Tochtergesellschaft der Thomas Cook AG und Turkish Airlines, ab dem Winterflugplan ausschließlich Nichtraucherflüge an. Den gleichen Schritt hatte Thomas Cook Airlines Belgium bereits im vergangenen März 2003 unternommen. Die britische Thomas Cook Airlines UK (vormals JMC Airlines) ist bereits seit einigen Jahren rauchfrei.

Die Thomas Cook AG ist einer der führenden Touristikkonzerne der Welt. Die fünf Ferienfluggesellschaften des Unternehmens betreiben insgesamt 87 Flugzeuge. Seit April 2003 fliegen alle Flugzeuge - mit Ausnahme von SunExpress - im neuen, einheitlichen Thomas-Cook-Design. Die Geschäftsanteile an der Thomas Cook AG werden zu jeweils 50 Prozent von der Deutschen Lufthansa AG und der KarstadtQuelle AG gehalten.

 

Ryanair verhängt "Beförderungsverbot" gegen renitente Raucher

Die Billigfluggesellschaft Ryanair hat acht Raucher von der Beförderung in ihren Flugzeugen ausgeschlossen. Die renitenten Passagiere hätten sich während des Fluges eine Zigarette angezündet und damit die Sicherheit der Mitreisenden gefährdet, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Es gebe eine kleine Minderheit von Passagieren, die immer wieder "dumm und rücksichtslos" handle. Ryanair werde die Fälle der Polizei übergeben.

 

Nichtraucherschutz an der Uni Karlsruhe

"Ich habe noch einen weiteren Grund, mich sehr bei Ihnen zu bedanken. Mein Sohn, Student an der Universität Karlsruhe, hatte sich wegen des dort mangelhaften Nichtraucherschutzes an Sie gewandt. Sie wurden aktiv über das Gewerbeaufsichtsamt und Sie hakten auch noch ein zweites Mal nach. Hier die ersten Erfolgsmeldungen:

In der Mensa und in der Cafeteria herrscht jetzt uneingeschränktes Rauchverbot - bis auf eine räumlich abgetrennte Raucher-Cafeteria. Es wurden auch in den Fluren vor dem CIP-Computer-Pool und dem Tulla-Hörsaal entsprechende Hinweise angebracht. Vor Beginn der Weihnachtsferien waren allerdings noch nicht überall die geforderten Reaktionen spürbar. Mein Sohn wird Ihnen nach Ende der Ferien noch einmal über den Stand der Dinge berichten."

Waltraud Baumbusch am 1.1.04 an die NID

 

Auf dem Balkon rauchen hilft den Kindern nicht!

Selbst wenn Eltern "rücksichtsvoll" zum Rauchen auf den Balkon gehen, gefährden sie ihre Kinder erheblich. Zu diesem Ergebnis kommt eine schwedische Studie der Medizinerin Anna-Karin Johansson von der Universität Linköping. Untersuchte Kleinkinder von "rücksichtsvollen" Eltern hatten fast doppelt so viel Nikotin-Abbauprodukte im Körper wie die Sprösslinge von Nichtrauchern. Bei Kindern, deren Eltern keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, war die Belastung allerdings 15-fach erhöht. Womöglich ist das Gift über die Kleidung und Haare der Eltern zu den Kindern gelangt, vermuten die Autoren. Das hält auch Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum für plausibel. "Die Kleidung von Rauchern ist vollgesogen mit den unterschiedlichsten Giften des Zigarettenrauchs. Die schädigen Kinder bei jedem Kontakt erheblich." Auch die doppelte Nikotinbelastung beeinträchtige die gesunde Entwicklung. Süddeutsche Zeitung, 12.2.04

 

Nur rauchfreie Gastronomie bietet effektiven Schutz

Nichtraucher-Zonen in Restaurants schützen die Gäste nicht vor dem Passivrauchen. Zu diesem Ergebnis kamen australische Mediziner der Sydney Public Health Unit. Sie führten Tests in 17 Gastronomiebetrieben mit Raucher- und Nichtraucher-Bereichen durch. In den Nichtraucher-Zonen waren die Nikotinwerte und die Werte anderer Chemikalien niedriger, sie blieben aber trotzdem vergleichsweise hoch. Im besten Falle verringerten sie sich um 50 Prozent. Getrennte Nichtraucher-Räume schnitten nur geringfügig besser ab. Die Mediziner kamen zu dem Schluss, dass nur rauchfreie Betriebe wirklichen Schutz bieten. www.ngo-online.de, 28.2.04

 

Zappelphilipp-Syndrom durch Rauchen in der Schwangerschaft

Rauchende Mütter können ihre Kinder in der Schwangerschaft auch psychisch schädigen. Ihre Kinder entwickeln viermal so häufig das Zappelphilipp-Syndrom wie die von nichtrauchenden Frauen. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Studie des Suchtforschungsverbundes Baden-Württemberg.

Die Wissenschaftler Martin Schmidt und Manfred Laucht ermittelten, dass Verhaltensauffälligkeiten wie Unaufmerksamkeit, Impulsivität und Hyperaktivität - drei Leitsymptome des Zappelphilipp-Syndroms - viermal so häufig auftreten, wenn Schwangere rauchen. Hinzu kommt, dass diese Kinder einen niedrigeren Intelligenzquotienten haben. Die Daten der Studie wurden im Rahmen einer Mannheimer Längsschnittstudie erhoben, in der 362 Kinder von der Geburt bis zur späten Kindheit in ihrer Entwicklung begleitet wurden. www.ngo-online.de, 15.2.04

 

Häufiger Krebs bei Katzen von Rauchern

Passivrauchen schadet auch der Gesundheit von Hauskatzen: Die Tiere bekommen mehr als doppelt so häufig Krebs wie ihre Artgenossen, die in einem Nichtraucherhaushalt leben. Die Tiermediziner um Elizabeth Bertone von der kanadischen Universität Amherst hatten die Daten von 180 Katzen untersucht, die in einer Tierklinik wegen eines Lymphoms - einer Krebserkrankung des Lymph-Gewebes - oder wegen Nierenversagens behandelt worden waren. Ergebnis: Je länger und je stärker die Tiere dem Zigarettenrauch ausgesetzt waren, desto größer war auch das Krebsrisiko. Katzen, die in einem Haushalt mit zwei Rauchern lebten, erkrankten sogar mehr als viermal so häufig.

Die Tiere atmen den Qualm ein und lecken sich schädliche Substanzen aus dem Fell, erläutern die Tiermediziner. "Dieser Kontakt der Katzen mit dem Zigarettenrauch ist mit dem von Kleinkindern vergleichbar, die in einem Haushalt mit Rauchern leben", betonen die Wissenschaftlerin und ihre Kollegen. "Auch Kinder atmen den Rauch ein und stecken kontaminierte Gegenstände in den Mund." www.wissenschaft.de, 17.2.04

 

Rauchen bleibt Kollektivschwachsinn

Die gedanklichen Einlassungen der Autorin haben mich ein wenig enttäuscht, denn sie folgen exakt einem klischeehaft weit verbreiteten sozialen Missverständnis: Raucher sind unter allen wackeren Steuerzahlern die wackersten und entlasten nebenbei noch die Rentenkasse durch das von mir nicht erfundene, aber dennoch öffentlich zitierte "sozialverträgliche Ableben". Dies ist exakt die halbe Wahrheit. Die ganze ist, dass Raucher mehr als 50 % – der genaue Prozentsatz für Deutschland ist mir allerdings nicht bekannt – aller Gesundheitskosten verursachen. Stich­worte: Koronarleiden, Durchblutungs­störungen, Raucherbein, chronische Bronchitis, Bronchialkrebs, Mesothe­liom etc. Würde – was natürlich un­möglich ist – ab morgen kein einziges Tabakblatt mehr auf diesem Planeten erhältlich sein, wäre in circa 15 Jahren durchaus eine

50-prozentige Reduktion unserer Krankenkassenbeiträge denkbar. Dies wäre eine etwas andere Dimension als die "paar Milli­arden Euro", die an Tabaksteuer dann wegfallen würden. Dann würde der Schweiß auf der Stirn von Herrn Eichel möglicherweise bald trocken oder zumindest von der Gesundheitsministerin weggewischt werden. Also: Rauchen ist und bleibt ein suchtbedingter, habitueller Kollektivschwachsinn des 20. und 21. Jahrhunderts, dem aber Millionen Menschen zum Opfer fallen. Dieses rätselhafte Suizidalverhalten einer hoch entwickelten Spezies wird möglicherweise unseren Nachfahren nach der nächsten Eiszeit einige Rät­sel aufgeben. Dass sie dabei über den 17. Oktober 2003 stolpern werden, halte ich für unwahrscheinlich.

Prof. Dr. Ludger Sunder-Plassmann

in seinem Leserbrief im

Deutschen Ärzteblatt vom 23.1.04

 

Fristlose Kündigung wegen Anstrich-Schadstoffen

Das Landgericht Lübeck entschied am 21. November 2000 unter Aktenzeichen 6 S 2/00, dass ein Mietvertrag fristlos gekündigt werden kann, "wenn die Benutzung der Mieträume mit einer erheblichen Gefährdung der Gesundheit verbunden ist, wobei eine nur vorübergehende leicht behebbare Schädigung nicht ausreicht. Sind nur einige Räume innerhalb der Mietsache gesundheitsgefährdend, hängt die Kündigungsmöglichkeit davon ab, welche Auswirkungen die Mängel auf die Brauchbarkeit der gesamten Räumlichkeiten haben, und ob im Hinblick auf die Benutzung die Gesundheitsgefährdung erheblich erscheint." Zum Zeitpunkt der Kündigung war noch nicht absehbar, wie lange es noch dauern würde, bis die Ausdünstung der Schadstoffe vollständig beendet ist. Tabakrauch ist als Schadstoffgemisch nicht weniger, sondern in der Regel weit gefährlicher als die Schadstoffe, die bei einem Isolieranstrich freigesetzt werden. Die logische Schlussfolgerung: Wenn ein Mieter wegen relativ geringer Schadstoffbelastung durch Anstrichstoffe kündigen kann, dann gilt dies erst recht für einen nichtrauchenden Mieter, der dem Tabakrauch des Wohnungsnachbarn ausgesetzt ist. Was aber ist zu tun, wenn der Nichtraucher in der Wohnung bleiben will? Dann hat der rauchende Nachbar auszuziehen - zumindest dann, wenn er nicht in der Lage ist, seine Schadstoffemissionen so abzuleiten, dass seine Nachbarn nichts abbekommen. In die gleiche Richtung geht ein Urteil des Amtsgerichts Hamburg vom 5. Februar 2002 unter Aktenzeichen 48 C 322/01. Danach muss es ein Mieter nicht hinnehmen, dass vor seinem Schlaf- und Wohnzimmerfenster Müllbehälter aufgestellt werden. Dadurch entstünde eine nicht unerhebliche Geruchsbelästigung und Einschränkung der Sicht, die für den Mieter eine unzumutbare Härte bedeuten würde.

 

Rauchopfer - ein Film über die Droge, die Bäume fällt

Sie setzen ihre Interessen mit Sponsoring, Spendengeldern und Bestechung durch. Sie behindern die Gesetzgebung fremder Länder. Sie sind eine mächtige und gefährliche Kraft auf den internationalen Märkten. Unter dem Vorwand einer freien Weltordnung erpressen sie die Öffnung neuer Länder und Absatzmärkte, indem sei mit einem Handelsembargo ihrer Länder drohen. Gemeint sind vor allem die Tabakkonzerne in den USA, aber auch die in Europa. Peter Hellers Film über Tabakschäden für Natur, Umwelt und Menschen sowie über neueste Konsumentenstrategien der Hersteller legaler Drogen verfolgt die Geschichte des Journalisten John Waluye, der seit dreißig Jahren mit seinen geringen Mitteln und unter hohem Risiko gegen die Tabakkonzerne kämpft, die seinem Heimatland Tansania und anderen ostafrikanischen Staaten die Zukunft verbauen. Das Buch zum Film (Rauchopfer. Die tödlichen Strategien der Tabakmultis, ISBN 3-89502-181-4, E 9,90) schildert auf 176 Seiten in eindruckvoller Weise dieses Treiben der Tabakkonzerne.

 

USA: Tabakgelder stopfen Haushaltslöcher

Das hatten sich die Nichtraucher-Organisationen in den USA anders vorgestellt. Statt die mit der Tabakindustrie im Vergleich von 1998 vereinbarten Gelder in Programme zur Verminderung des Tabakkonsums zu stecken, stopfen die meisten der 50 Bundesstaaten damit ihre Haushaltslöcher. Nur vier Bundesstaaten stellten annähernd die Summe bereit, die das Bundesgesundheitsamt CDC empfiehlt. Dabei haben Beispiele wie im Bundesstaat Main gezeigt, dass gute Kampagnen die Raucherquote unter Jugendlichen um 40 Prozent senken können. Nach Angaben der Parlamentarierkonferenz NCSL haben die Bundesstaaten seit 1998 von der Tabakindustrie 39,4 Milliarden Dollar erhalten. 47 Prozent flossen in den normalen Haushalt, 3 Prozent wurden für Kampagnen gegen das Rauchen verwendet.

Das in einer schwierigen Finanzlage befindliche Kalifornien sichert seine Anleihen mit Tabakgeldern ab. North Carolina, der größte Tabakanbaustaat in den USA, gab einer Gemeinde 400.000 Dollar aus dem Tabakgeld, um das Abwassersystem aufzurüsten und damit ein neues Tabakverarbeitungs-Unternehmen anzulocken. In New York wurden 700.000 Dollar aus dem Tabakgeld dazu verwendet, die neue Sprinkler-Anlage eines Golfplatzes zu bezahlen.

Auch mit den vereinbarten Werbeeinschränkungen klappt es nicht so recht. So ist es den von Tabakwerbung profitierenden Firmen vor Gericht gelungen, das Recht auf Werbung im Umkreis von Schulen und auf Augenhöhe von Teenagern im Supermarkt durchzusetzen. Die Werbespots von Tabakfirmen, in denen junge Leute mit erhobenem Zeigefinger vor dem Rauchen gewarnt werden, erreichten eher das Gegenteil. Die Werbeausgaben der Tabakkonzerne stiegen nach Angaben der Handelskommission FTC von 1998 bis 2001 von 6 auf 11,2 Milliarden Dollar. Saarbrücker Zeitung, 22.11.03

Doch eines muss man den US-Amerikanern lassen: Beim Nichtraucherschutz sind sie die führende Nation. In keinem anderen Land stehen derart viele Raucher vor der Tür, damit das Gebäude innen rauchfrei bleibt. Verstöße gegen Rauchverbote sind die Ausnahme und nicht die Regel.

 

Griechenland: Wettbewerb zum 6. Jugendfestival

Wer zwischen 15 und 25 Jahre alt ist, kann einen dreitägigen Aufenthalt im Gästehaus der International Olympic Academy einschließlich Flug gewinnen. Voraussetzung dafür ist, dass er eine eigene "Anti-Smoking-Message" in einer der folgenden Kategorien kreiert: Essays (Prosa oder Lyrik), Zeichnungen, Fotos, Comics, Cartoons, Musik, Tanz, Theater. Die offizielle Sprache ist Englisch. Selbstverständlich können auch Gruppen an dem Wettbewerb teilnehmen. Einsendeschluss ist der 30. Juni 2004. Nähere Informationen: Hellenic Action Against Cancer, 4, Semitelou Str., Athen 115 28, Griechenland, helaca@hol.gr, www.helact againstcancer.gr.

 

Schule macht Zeitung: Thema Rauchen dominiert

Alljährlich lädt die Dithmarscher Landeszeitung (DLZ) in Heide die Schulen im Kreis Dithmarschen ein zur Teilnahme an dem Projekt "Schule macht Zeitung". Themen werden nicht vorgegeben, sondern von den teilnehmenden Schülerinnen und Schülern, die sich in Projektgruppen zusammenfinden, selbst gewählt. Über die Arbeitsergebnisse berichten dann in einer Sonderbeilage der Zeitung die von den beteiligten Gruppen gewählten Redaktionsteams. So ergibt sich in der Regel ein weit gezogener Themenkreis mit meist aktuellem Bezug. Das mehrmalige Auftauchen desselben Themas ist die seltene Ausnahme.

Umso mehr fiel es diesmal auf, dass sich - unabhängig voneinander - vier Projektgruppen (an zwei Gymnasien und zwei Realschulen) mit dem Thema Rauchen beschäftigt haben, wie die DLZ-Sonderbeilage vom 12. Januar 2004 auswies. Dies zeigt, welche Aktualität heute viele Jugendliche dem Rauchproblem beimessen.

Die Schüler/innen haben aktuelles statistisches Material zusammengetragen und Befragungen durchgeführt, zum Teil mit selbst erstelltem Fragebogen. Die Literatur über die gesundheitlichen Folgen des Rauchens wurde studiert. Es wurden genaue Beobachtungen angestellt (Zahl, Alter und Geschlecht der in der Schule rauchenden Kinder und Jugendlichen, Verhalten der Lehrer und der Eltern, Tabakwerbung, Zigarettenautomaten, Zigarettenpreis, das Rauchen in Kinofilmen und im Fernsehen).

Als Ursachen für den (frühen) Rauchbeginn werden erkannt: ein falscher "Coolness"-Begriff, das Akzeptanz-Bedürfnis, der Gruppenzwang (insbesondere der Cliquenzwang, z.B. bei Partys, bei Feten, in Discos), Stress-Situationen, aber auch langes Wartenmüssen und Langeweile oder einfach das Überredetwerden, das Probierenwollen aus Neugier oder das Angebenwollen.

Die Schüler/innen konstatieren und bedauern das immer früher einsetzende Rauchen von Kindern, besonders von Mädchen, das Versagen vieler Eltern, die Einrichtung von Raucherecken in Schulen, die weitgehende Ohnmacht der Lehrerinnen und Lehrer, den leichten Zugang zu Zigaretten (Automaten, immer noch zu niedriger Preis), die fehlenden Vorbilder (hier auch das Rauchen in Film und Fernsehen) und die immer noch viel zu geringe Aufklärung über die Gefahren des Rauchens. Sie verweisen auch auf einschlägige Informationen im Internet.

Die Projektteilnehmer/innen lassen damit klare Vorstellungen darüber erkennen, warum Tabak zu den gefährlichsten Drogen gehört und welche wichtigen Maßnahmen zur Bekämpfung des Rauchens, besonders der jungen Menschen, ergriffen werden müssten.

Es wäre sehr zu wünschen, dass alle, die im Schulbereich Verantwortung tragen (vom Kultusministerium bis in die einzelnen Schulen), die Ergebnisse der entsprechenden Arbeitsgruppen des Projektes "Schule macht Zeitung" mit großer Aufmerksamkeit zur Kenntnis nehmen.

Gerhard Sensenschmidt

 

Karl-Heinz Flick gestorben

Im Alter von 82 Jahren starb der Stifter des Medienpreises für eine rauchfreie Gesellschaft, der Fabrikant Karl-Heinz Flick. Als ehemaliger Raucher kannte er aus eigener Erfahrung die Folgen des Rauchens. Den Beitritt zur NID einige Monate nach ihrer Gründung und die ansehnlichen Spenden sah er als seinen Beitrag, die Zahl der Raucher zu vermindern und die Nichtraucher davor zu schützen, passiv mitrauchen zu müssen. Mit dem 1992 zum ersten Mal verliehenen Medienpreis für eine rauchfreie Gesellschaft wurden Personen geehrt, die sich wiederholt und wirkungsvoll in den Massenmedien für eine tabakrauchfreie Gesellschaft eingesetzt oder Maßnahmen befürwortet haben, die die Bemühungen um eine tabakrauchfreie Gesellschaft fördern. Zu den Medienpreisträgern zählen u.a. der damalige Leiter des ZDF-Gesundheitsmagazins Praxis, Hans Mohl (1994), die Sprechstunden-Moderatorin und "Fernsehärztin" Dr. Ante Kühnemann (1995), der langjährige Vorsitzende des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, Prof. Dr. Ferdinand Schmidt, und die vier Bundestagsabgeordneten, die den 1998 gescheiterten Entwurf für ein Nichtraucherschutz-Gesetz initiiert haben: Roland Sauer (CDU), Uta Titze-Stecher (SPD), Gerald Häfner (Grüne) und Dr. Burkhard Hirsch (FDP). Roland Sauer hält die Medienpreis-Figur, einen stilisierten Umweltengel, geschaffen von German Heimrath ("Ein Künstler, der Holz zum Klingen bringt"), in der Hand.

Medienpreisverleihung am 24. April 1998 in Bonn (von links): Ernst-Günther Krause, Roland Sauer, Gerald Häfner, Uta Titze-Stecher, Dr. Burkhard Hirsch.

 

Raucherklage geht in die zweite Instanz

Der Anwalt des 56-jährigen Wolfgang Heine hat Anfang Januar 2004 Berufung beim Oberlandesgericht Hamm gegen das Urteil des Landgerichts Arnsberg eingelegt, das die 213.000-Euro-Klage des Rauchers gegen den Tabakkonzern Reemtsma abgewiesen hatte. Heine macht den Ernte 23-Hersteller mitverantwortlich für seine Nikotinabhängigkeit, weil dieser suchtfördernde und suchtverstärkende Substanzen beimischt.

 

Rauchfrei tanzen in Hamburg

Viele Möglichkeiten, rauchfrei zu tanzen gibt es hierzulande nicht. Und die wenigen sind noch zu wenig bekannt. Im Internet wird man am ehesten fündig. Hier ein paar Adressen aus Hamburg:

Nonsmokers Dance, Club Barnerstr. 36 (Fabrik), www.nonsmokersdanceclub.de

Tangoball im Museum für Völkerkunde, Rothenbaumchaussee 64, www.tangogotan.de

Buddhas Beatbox, Beerenweg 1 d, www.toulouse.de

Hamburger Tanzhaus, Thedestr. 99, www.tanzhaus-hamburg.de

Baladin - Tanz am Freitag, Stresemannstr. 374, www.baladin.de

 

Gruppenversicherung für Nichtraucher

Der vor einigen Jahren zwischen der NID und der AXA Krankenversicherungs AG abgeschlossene Gruppenversicherungsvertrag bietet NID-Mitgliedern u.a. folgende Vorteile:

1. Gruppenrabatt, d.h. für eine Familie bis zu 400 Euro Beitragsersparnis im Jahr

2. Genereller Wartezeiterlass in der Krankenversicherung

3. Versicherung auch der Familienangehörigen

4. Versicherungsschutz in der Krankheitskostenvollversicherung und als Ergänzung zur gesetzlichen Krankenversicherung

Neben dem Gruppenrabatt bietet in der privaten Krankenvollversicherung der Tarif Vital einen "Nichtraucher-Bonus" in Höhe von 50 Euro. Zusätzlich erhalten Personen, die ein gesundes Verhältnis von Körpergröße zu Körpergewicht aufweisen, einen weiteren Bonus in dieser Höhe. Pflichtversicherte können eine Zusatzversicherung zur gesetzlichen Krankenversicherung abschließen und erhalten dabei Vorteile, die in der Einzelversicherung nicht geboten werden können. Wermutstropfen: Wer beihilfeberechtigt ist, hat keine besonderen Vorteile durch den Gruppenversicherungsvertrag

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an: Versicherungsagentur Lutz J. Rölle, Max-Pechstein-Str. 2 22115 Hamburg (/( 040 7157485

 

Buchtipp: Der zuverlässige Weg zum Nichtraucher

Leicht lesbar aus der Praxis für die Praxis der Raucherentwöhnung. So lässt sich das Taschenbuch von Dietmar Elsner, erschienen im Goldmann-Verlag, prägnant beschreiben. Auf 190 Seiten hat der Autor festgehalten, was in den ersten 30 von 365 rauchfreien Tagen entscheidend ist. Dabei greift er auf alle Erfahrungen zurück, die er mit seiner Online-Raucherentwöhnung unter www.nichtmehrraucher.de gesammelt hat. Erschienen in Mosaik-Reihe des Goldmann-Verlages (ISBN 3-442-16600-4, € 6,80).

 

Ein Lehrstück in Sachen Gesundheitspolitik

Ein ausgezeichneter Artikel über die Auswirkungen des "Tabak-Deals" vom März 2002 zwischen der Bundesregierung und der Tabakindustrie ist im Internet unter www.telepolis.de/deutsc h/inhalt/co/15709/1.html (Heise Zeitschriften Verlag, Hannover) zu finden. Die Journalistin Andrea Dachs untersucht darin sehr detailliert, wer den größten Nutzen von der derzeit laufenden "Jugendschutz-Kampagne" der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat. Sie kommt zu dem Schluss, dass der Gewinner in mehrfacher Hinsicht die Tabakindustrie ist. Wer keinen Internetzugang hat, kann sich an die NID wenden.

 

UEFA verhängt Rauchverbot auf der Trainerbank

Das Exekutiv-Komitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA) hat ein generelles Rauchverbot auf Trainerbänken bei allen UEFA-Veranstaltungen erlassen. Der Tabakkonsum in der "Coaching-Zone" sei schädlich für das Bild des Fußballs und diene nicht der Vorbildfunktion für Jugendliche. Die Trainer selbst hatten diesen Vorschlag eingereicht. Die von der kommenden Saison an geltende Regelung wird einigen Trainern und Spitzenfunktionären wie dem Schalker Manager Rudi Assauer sicher nicht gefallen. Wenn sie sich nicht daran halten, riskieren sie außer Platzverweisen auch Sperren und Geldstrafen. Zuständig für die Verstöße ist die Disziplinarkammer der UEFA.

 

Terminkalender  

 

3./4. April 2004

Mitgliederversammlung der

Nichtraucher-Initiative

Deutschland e.V.

und

Informationsaustausch der

Nichtraucher-Initiativen

in Dresden

' 089 3171212

 

14./15. Mai 2004

7. Nikotinkonferenz

in Erfurt

' 0361 64508-0

www.inr-online.de

 

15./16. Dezember 2004

2. Deutsche Konferenz

für Tabakkontrolle

in Heidelberg

' 06221 423007

su.schmidt@dkfz.de

 

 

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein
Mitteilungsorgan der
Nichtraucher-Initiative
Deutschland (NID) e.V.
für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen
und die Öffentlichkeit.
Der Bezugspreis ist im
Mitgliedsbeitrag enthalten.
Erscheinungsweise vierteljährlich
Herausgeber: NID
Redaktion:
Ernst-Günther Krause (verantwortlich)
unter Beteiligung von Mitgliedern
Anschrift:
Carl-von-Linde-Str. 11
85716 Unterschleißheim
Telefon: 089 3171212
Fax: 089 3174047
E-Mail: nid@nichtraucherschutz.de
Internet: http://www.nichtraucherschutz.de
Konto:
Postbank München - BLZ 700 100 80
Konto-Nr. 192 445 803
Herstellung:
Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos
erscheint mit Beihefter.

 

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Einzelzimmer inkl. Frühstück 42,00 bis 63,00 €

Winterpreise:                              Doppelzimmer inkl. Frühstück 56,00 bis 76,00 €
                                                  Einzelzimmer inkl. Frühstück 34,00  bis 51,00 €

 Inhaber: Jörg und Anne Schlusnus, Diekseepromenade 17, 23714 Bad Malente
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