Nichtraucher-Info Nr. 55 - III/04
Juli 2004
Aktionen zum Welt-Nichtrauchertag 2004
Film-Spot Sachliche Romanze ausgezeichnet
Rauchfrei-Siegel für TV-Serie Marienhof
Rauchfrei 2004 mit 90.184 Teilnehmern
Aktionen gegen Umweltzerstörung durch Tabak
Anzeige: Verkaufe Eigentumswohnung in Berlin
Rauchfrei-Plakat in Berliner Trambahn zum Welt-Nichtrauchertag
Tagung "Rauchen - gesellschaftliche oder private Verantwortung" in Schwerin
Anzeige: Bergwanderwoche in der Schweiz
NID-Infostand bei der Körperwelten Ausstellung in Frankfurt/Main
BZgA-Wettbewerb "Tabakprävention vor Ort"
Bei E-Mails an die NID verständlichen Betreff angeben!
Mitgliederversammlung der NID am 3. April 2004 in Dresden
Poetischer Rückblick auf die Tagung im schönen Elbflorenz
Ehrenmitglied Gerhard Haußmann
Anzeige: Urlaub in Schönberg im Bayerischen Wald
Bericht über die 7. Deutsche Nikotinkonferenz in Erfurt
Suchtprävention gegen Rauchen in Schulen
Bayerischer Minister will rauchfreie Schulen auf freiwilliger Basis
TED-Umfrage im WDR: 89 Prozent für ein Rauchverbot an Schulen
Philologenverband hält Rauchverbot an Schulen für überlegenswert
Berliner Abgeordnetenhaus für generelles Rauchverbot an Schulen
Engagiert für rauchfreie Kinderveranstaltungen
Passivrauchen im Jugendclub ist strafrechtlich eine MIsshandlung Schutzbefohlener
Tabakentwöhnungs-Kampage Just be Smokefree,
Tabakverkauf im ersten Quartal 2004
Tabakindustrie in der Existenzkrise?
Dialog mit Tabakkonzernen? Nein danke!
Rückenlage - Richtiges Babybett - Rauchfrei
Bundesregierung will Einzelverkauf von Zigaretten verbieten
USA: Weniger Herzinfarkte nach Rauchverbot
USA/Kalifornien: 20 Kilometer Strand rauchfrei
USA: Flughafen Philadelphia ganz rauchfrei
Schweden/Norwegen: Rauchverbot in Gaststätten
USA/New York: Rauchverbot schaffte Arbeitsplätze
Keine EU-Subventionen mehr für Tabakbauern
Universität von Kalifornien untersucht die Auswirkungen der Tabakkontroll-Politik
Zunächst gefreut, dann bereut: Anwalt kassierte für Zigarren-Brandschaden
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In einem Interview mit der
Süddeutschen Zeitung zum Welt-Nichtrauchertag
2004 bezeichnete der Tabakexperte Stanton Glantz, der an der Universität von
Kalifornien in San Francisco forscht und lehrt, die Tabakkonzerne als Banditen,
weil sie mit heimtückischen Methoden arbeiteten. Das sei auch kein Wunder.
Andere Industriezweige könnten auf neue Erkenntnisse reagieren und zum Beispiel
umweltfreundliche Farben herstellen oder Katalysatoren in Autos einbauen. Aber
es sei eben unmöglich, Zigaretten herzustellen, die nicht tödlich sind.
Heimtückisch seien insbesondere die sogenannten "Jugendkampagnen der Tabakindustrie". Sie vermittelten seinen Untersuchungen zufolge keine Anti-Rauch-Botschaften, sondern Botschaften, die zum Rauchen verführen: "Wenn du erwachsen bist, ist Rauchen okay". Und warum rauchen Kinder? Weil sie erwachsen wirken wollen. In den Archiven der Tabakindustrie könne man lesen, dass die Kampagnen zweierlei erreichen sollen: Sie sollen den politischen Druck verringern, indem sich die Tabakindustrie verantwortungsbewusst präsentiert. Und sie sollen junge Leute zum Rauchen bringen. Wenn Spots funktionierten, seien sie nicht von der Tabakindustrie gemacht worden. In den erfolgreichen Spots wird gezeigt, wie die Tabakbosse wirklich über ihre Kunden denken. Da sieht man unsympathische Manager sitzen und hört sie sagen: "Die Tabakindustrie braucht jeden Tag 3.000 frische Freiwillige. Schließlich hören jeden Tag 2.000 Amerikaner mit dem Rauchen auf. Weitere 1.100 hören auf, weil sie - technisch gesagt - sterben." Darüber lachen sie fies. Das wirkt auf Kinder widerwärtig. |
Das Thema hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegeben: Rauchen und Armut (tobacco and poverty). Damit zielt die WHO besonders auf die so genannten Länder der Dritten Welt, in denen ein Großteil der Menschen in bitterer Armut lebt. Sie sind vor allem von der Strategie der Tabakkonzerne betroffen, neue Absatzmärkte für ihre Produkte zu finden, deren Verkauf in den Ländern der Ersten Welt spürbar nachlässt.
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Die Marketing-Strategie der Tabakkonzerne führt in den Entwicklungsländern jedoch dazu, dass gerade die armen Menschen zur Zigarette greifen. Damit wird ein Kreislauf in Gang gesetzt, aus dem es wegen des süchtig machenden Nikotins schwer fällt auszubrechen. Die Ausgaben für Tabakprodukte entziehen einer Familie Mittel, die dringend für Nahrung, Hygiene, Kleidung und Bildung gebraucht werden. Je geringer diese Mittel, desto trostloser wird die eigene Situation empfunden und desto eher zur Zigarette gegriffen. Das hat, verbunden mit der Tatsache, dass der Tabakkonsum nicht nur zur Abhängigkeit führt, sondern außerdem krank macht, auch negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und das Sozialprodukt des Landes. Während eine kleine Gruppe am Tabakkonsum verdient, stürzt der Tabakkonsum den größeren Teil der Bevölkerung ins Elend.
In Deutschland stellt sich die Situation zwar nicht ganz so drastisch dar, doch auch hier gibt es einen engen Zusammenhang zwischen Einkommen und Tabakkonsum: Je geringer das Einkommen, desto größer der Anteil der Raucher (Mikrozensus 1999). Die Bereitschaft zum Rauchen ist aber auch vom Bildungsgrad abhängig: Je geringer die Bildung, desto größer der Anteil der Raucher. Wer raucht, ist also in jeder Hinsicht arm dran.
Die Deutsche Krebshilfe hat gemeinsam mit dem AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN zum Welt-Nichtrauchertag das abgebildete Motiv als Poster und Postkarte herausgebracht. Beide können angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn (Fax 0228 72 99 011, jt@ krebshilfe.de, www.krebshilfe.de).
Die NID hat bei ihren Veröffentlichungen auf dieses Angebot aufmerksam gemacht und selbst zahlreiche Anforderungen nach eigenem Material termingerecht erfüllt. Der Schwerpunkt lag in diesem Jahr vor allem bei der Vorinformation der Multiplikatoren über den Welt-Nichtrauchertag.
Zum Welt-Nichtrauchertag strahlte die Deutsche Krebshilfe erneut ihren Filmspot "Sachliche Romanze" im Fernsehen aus. Ab Juli 2004 wird er auf mehr als 870 Kino-Leinwänden in 250 Städten gezeigt. Von Juni bis Mitte August ist der Spot zudem in acht IMAX-Kinos zu sehen. Die Filmakademie Ludwigsburg zeichnete den Filmspot als besten Werbefilm 2003 aus. Der Inhalt:
Ein rauchender junger Mann flirtet im Café über Tische hinweg mit einer attraktiven jungen Frau. Wunderschöne Musik begleitet die ersten Szenen, bis sich der junge Mann an den Tisch der Frau setzt. Er will mit ihr ins Gespräch kommen und bietet ihr eine Zigarette an. Sie schiebt seine Hand beiseite. Danach greift sie in ihre Tasche, holt einen Stimmverstärker heraus und setzt ihn an den Hals. "Danke, ich rauche nicht mehr", spricht sie mit metallisch klingender Stimme. Die junge Frau hat keinen Kehlkopf mehr. Der Appell am Ende des Spots: "Hören Sie auf!"
Der Filmspot ist im Internet zugänglich unter:
www.krebshilfe.de/neu/infoangebot/themen/nr-spot.mpg
Die ARD-TV-Serie Marienhof erhielt das vom AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN zum zweiten Mal vergebene Rauchfrei-Siegel. Mit dem Siegel werden Filmproduktionen ausgezeichnet, in denen auf rauchende Charaktere verzichtet wird oder in denen Raucher - wenn aus dramaturgischen Gründen dringend notwendig - nicht als Identifikationsfiguren dargestellt werden.
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Gewinner bei der diesjährigen Rauchstopp-Aktion Rauchfrei 2004 sind bei den jugendlichen Teilnehmern Vera Christoffel (links) und Elisabeth Scholz. Letztere hat als Helferin ihrer Freundin Vera geholfen, die ersten 30 Tage ohne Nikotin zu überstehen. Die beiden 16-jährigen Gymnasiastinnen aus Appenweier (Baden-Württemberg) gewannen je 2.500 Euro. Bei den erwachsenen Teilnehmern waren Karl-Heinz Evers, 53, aus Lübeck und seine Helferin Gertrud Lohrisch, 87, die glücklichen Gewinner von je 2.500 Euro.
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Tabakrauch schädigt die Lunge und viele andere Körperorgane. Bevor sich der Tabak in blauen Dunst auflöst, hat er bereits auf verschiedene Art und Weise Spuren der Zerstörung hinterlassen. Die Kampagne Rauchzeichen! - gegen Ausbeutung und Umweltzerstörung durch Tabakkonzerne zeichnete am 28. Mai in Hamburg den Tabakkonzern Reemtsma als Musterbeispiel für die Ausbeutung von Bauern und Urwaldzerstörung in Afrika aus.
Das größte Trockenwaldgebiet der Erde, der Miombo-Urwald, wird abgeholzt, um Tabakfeldern Platz zu machen, und wird verheizt in den Öfen der Bauern, um den Tabak zu trocknen. Für ein Kilogramm marktfähigen Tabak müssen bis zu 150 Kilogramm Holz verbrannt werden. Der Tabak wird in der Regel von Kleinbauern angepflanzt, die in einen Teufelskreis aus Schulden und Abhängigkeit von transnationalen Tabakfirmen geraten. Von den vier Euro, die eine Schachtel Zigaretten in Europa kostet, bekommt der Tabakbauer in Tansania nur knapp drei Cent. "Der zur Imperial Tobacco Group gehörende Konzern Reemtsma hat entscheidenden Anteil an dieser beklagenswerten Situation", erklärt Laura Graen, Sprecherin der Kampagne Rauchzeichen!
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Am 31. Mai verteilten die Greenkids in Magdeburg kostenlos Hunderte von Zigarettenschachteln. Die meisten Empfänger - zumindest sofern sie Raucher waren - waren aber eher enttäuscht. Denn statt der Zigaretten für die Lunge fanden sie nur Informationen für ihr Gehirn vor. Auf einem wie bei Medikamenten gestalteten Beipackzettel und gerollten Flyern fanden sie nur Informationen über die Folgen des Tabakanbaus vor. Nach zwei Stunden waren die Vorräte an umfunktionierten Zigarettenschachteln erschöpft. In Berlin konnten sich Interessierte im Vorfeld den Film "Rauchopfer - die Drogen, die Bäume fällt" anschauen und sich Informationen über die Umweltzerstörung durch Tabak holen.
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Berlin |
Mit diesem Plakat unter dem durchaus mehrdeutig gemeinten Motto "Rauchfrei - Der Zug der Zeit - Steigen Sie ein!" warb der Nichtraucherbund Berlin e.V. gemeinsam mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) in den über 300 Trambahnwagen sowohl für rauchfreie Busse und Bahnen als auch für einen Ausstieg aus dem Raucher-Leben. |
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Rauchfrei Der Zug der ZeitSteigen Sie ein!Weltnichtrauchertag
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Schwerin |
Das Aktionsbündnis gegen das Rauchen in Mecklenburg-Vorpommern widmete sich auf seiner 3. Tagung zum Welt-Nichtrauchertag dem Thema "Rauchen - gesellschaftliche oder private Verantwortung?" |
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Vom 5. März bis zum 13. Juni 2004 - und damit auch über den Welt-Nichtrauchertag hinweg - betreuten die NID-Mitglieder Gisela und Horst Keiser, die gleichzeitig auch in der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden e.V. (NIW) aktiv sind, zusammen mit den NIW-Mitgliedern Triwoko Karmino, Katharina Koch und Horst Sehner den Infostand der NID bei der Körperwelten-Ausstellung in Frankfurt/ Main. An 101 Tagen wurden rund 21.000 Handzettel, Broschüren und Postkarten sowie etwa 26.000 Aufkleber an die Besucher abgegeben.
Die Ausstellung wurde von 540.034 Personen aus Deutschland und auch aus dem Ausland besucht. Rund 95 Prozent der Besucher hielten die Ausstellung für sehr interessant, beeindruckend und lehrreich zugleich. Lehrkräfte, die mit ihren Klassen zur Ausstellung gekommen waren, gestanden, den komplizierten Aufbau des menschlichen Körpers auch mit noch so guten Lehrmethoden und Büchern nicht so überzeugend vermitteln zu können. Nach Betrachtung der ausgestellten schwarzen Raucherlungen gaben 8 bis 10 Prozent der Raucher an, mit dem Rauchen völlig aufhören zu wollen.
Den Betreuern für Ihren großen Einsatz herzlichen Dank!
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Der Infostand konnte kaum günstiger platziert sein: direkt am Ausgang. |
Nach den positiven Erfahrungen mit dem ersten kommunalen Wettbewerb zur Suchtprävention hatte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, im Oktober vergangenen Jahres den Startschuss für den zweiten bundesweiten Wettbewerb der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegeben. Städte, Gemeinden und Landkreise waren aufgefordert, im Rahmen des Wettbewerbs vorbildliche Strategien im kommunalen Bereich zur Förderung des Nichtrauchens unter dem Titel "Tabakprävention vor Ort" einzureichen.
Rechtzeitig zum Welt-Nichtrauchertag hat die BZgA die Entscheidung der Jury bekannt gegeben. Ausgezeichnet wurden:
| Kreisfreie Städte |
| Augsburg Berlin Bezirk Steglitz-Zehlendorf Braunschweig Delmenhorst Heidelberg |
| Kreisangehörige Städte und Gemeinden |
| Verbandsgemeinde Bad Bergzabern Hannoversch München Gemeinde Umkirch Stadt Rietberg |
| Landkreise |
| Esslingen Ostalbkreis Regensburg Altmarkkreis Salzwedel |
Insgesamt sind 60.000 Euro an Preisgeldern verteilt worden. Indem die Jury keine Rangfolge bei den Preisträgern festgelegt hat, unterstreicht sie ihre Einschätzung, dass es bei der Förderung des Nichtrauchens auf kommunaler Ebene ganz unterschiedliche Ansätze gibt, die in ihrer Art jeweils besondere Anerkennung verdienen, und dass unter ganz unterschiedlichen Bedingungen jeweils Vorbildliches geleistet wird.
In der Pressemitteilung der BZgA vom 28. Mai ist von der Chance die Rede, mit dem Wettbewerb "besonders gelungene Konzepte im Bereich der Nichtraucherförderung bekannt zu machen und der Öffentlichkeit vorzustellen". Leider befindet sich weder in der Pressemitteilung noch auf der Webseite der BZgA ein Hinweis, wie der Leser Näheres über diese Konzepte erfahren kann. Den Webseiten der prämierten Kommunen ist selten etwas zu entnehmen. Eine der wenigen Ausnahmen ist die Stadt Augsburg. Die vielfältigen Angebote der "Initiative Augsburg Rauchfrei" lassen auf ein großes Engagement schließen. Ansprechpartner ist das Präventionszentrum Sucht des Gesundheitsamtes.
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Vor unserer Tagung zum Welt-Nichtrauchertag möchte ich es nicht versäumen, Ihnen für die übersandten Aufkleber und Broschüren herzlich Dank zu sagen. Einen Teil davon habe ich bereits für einen Nichtrauchertag in einer Reha-Klinik genutzt. Das Material wurde mir schier aus der Hand gerissen... Doris Freudemann |
Schildbürger in Karlsruhe? |
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Als ehemaliger Karlsruher Bürger habe ich beim Lesen des Artikels "Ohne Ascher keine Buße für das Wegwerfen von Kippen" in den Badischen Neuesten Nachrichten an die sagenumwobenen Bürger der sächsischen Kleinstadt Schildau gedacht, die aufgebrochen sind, die Karlsruher Stadtverwaltung zu unterminieren. Man beschließt in der Stadt eine lobenswerte Sicherheitsaktion. Vorher erkundigt man sich bei einem sicher einfachen Bediensteten des Amtsgerichts in Mannheim. Man erfährt, dass ein Bußgeld nur unanfechtbar sei, wenn ca. alle 50 bis 100 Meter in der City Ascher und Papierkörbe stehen, damit unerzogene Mitbürger Zigarettenkippen und Papiertücher entsorgen können. Über soviel Unsinn lacht der selige Karl, dass seine Ruhe zu Ende ist. Lieber
Herr Oberbürgermeister Fenrich, lieber Herr Bürgermeister Eidenmüller,
was bedeutet denn der Umkehrschluss? Na, dämmert es? Wenn nicht alle paar
Meter eine oft unansehnliche "Müllentsorgungsstation" aus
Steuergroschen steht, kann jeder Dreckspatz seinen Müll ungestraft
entsorgen. Doch nicht im Ernst?! Haben Sie und das
Amtsgericht Mannheim noch nichts davon gehört, dass man grundsätzlich
seinen Müll nicht nach Lust und Laune entsorgen darf und z.B. seine
gebrauchten Papiertücher, sein Bonbonpapier, seine Zigarettenschachteln
so lange Und
wer nicht entsprechend verfährt, sollte ein saftiges Bußgeld zahlen müssen.
Singapur lässt mit Euro 247,50 für eine weggeworfene Zigarettenkippe grüßen.
Also nicht |
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1. Protokoll
Herr Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Präsident der NID, begrüßte um 14:15 Uhr im Hotel Privat 19 Einzelmitglieder, 6 Vertreter von Nichtraucher-Initiativen und 10 Gäste (vgl. Teilnehmerliste). Er dankte Herrn Dr. Wolfgang Schwarz, Vizepräsident der NID, für die Organisation der Veranstaltung und stellte die Beschlussfähigkeit der Versammlung fest. Nach ein paar Worten zur Stadt Dresden gab er das Wort weiter an Herrn Prof. Dr. Ekkehart Paditz, der über die von Sachsen ausgehende Initiative zur Verhinderung des plötzlichen Säuglingstodes "Wie mein Baby gut und sicher schläft (Rückenlage, Richtiges Babybett, Rauchfrei)" berichtete.
Danach trug Herr Ernst-Günther Krause, geschäftsführender Vizepräsident der NID, den Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 2003 vor. Dabei nahm er die Gründung der Nichtraucher-Initiative Ulm/Neu Ulm vor 30 Jahren (1974) und die Gründung der NID vor 15 Jahren (1988) zum Anlass für einen Rückblick auf die Entwicklung des Nichtraucherschutzes in Deutschland. Den Abschluss seiner geschichtlichen Rückschau bildete die von den Teilnehmern mit großem Beifall unterstützte Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Herrn Gerhard Haußmann, der mehrere noch heute bestehende Nichtraucher-Initiativen ins Leben gerufen hatte.
Herr Dr. Thomas Stüven bestätigte anschließend die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungsführung, deren Prüfung er zusammen mit Herrn Gerhard Haußmann und Herrn Uwe Vogel, Betriebsprüfer beim Finanzamt Stuttgart, vorgenommen hatte, und stellte den Antrag auf Entlastung des Vorstands. Dem kam die Mitgliederversammlung nach der Kaffeepause und anschließender kurzer Diskussion einstimmig nach.
Herr Dr. Thomas Stüven leitete die Neuwahl des Vorstands. Sie führte dazu, dass der alte Vorstand bei Enthaltung der Kandidaten ohne Gegenstimme wiedergewählt wurde. Zu Rechnungsprüfern wählte die Mitgliederversammlung einstimmig Herrn Dr. Thomas Stüven und Frau Doreen Otto-Pfütze. Die Kandidaten enthielten sich ihrer Stimme.
Alle Gewählten nahmen ihre Wahl an.
Unter Leitung von Herrn Dr. Thomas Stüven fand danach eine Diskussion zu Strategien und Schwerpunkten statt, an der sich viele Mitglieder beteiligten.
Nach seinem Schlusswort erklärte Herr Prof. Dr. Ekkehard Schulz um 18:15 Uhr die Mitgliederversammlung für beendet.
Protokollführer: Ernst-Günther Krause
2. Rechenschaftsbericht
Der Postversand vermittelt wohl am ehesten einen Eindruck von dem, was im Jahr 2003 geleistet worden ist - ehrenamtlich, also völlig unentgeltlich. Auch wenn sich unter den 4.692 Druckschriften rund 3.600 als Postvertriebsstücke versandte Nichtraucher-Infos befinden, lässt der "Rest" doch erkennen, dass im Durchschnitt an jedem Tag des Jahres über drei Versendungen der Post bzw. dem Deutschen Paketdienst übergeben wurden. Mehr als 200 Brief-, Päckchen- und Paketsendungen mussten zuvor individuell gemäß der Anforderung zusammengestellt werden. In über 90 Prozent der Fälle geschah dies bereits am Tag nach dem Eingang der Sendung bei der NID. Wesentlicher Vorteil bei der Beantwortung der E-Mails, deren Zahl stark zugenommen hat, ist, dass E-Mails weniger manuelle Tätigkeit erfordern und dass sie preiswerter sind. Als sehr belastend erwiesen sich jedoch die vielen Spam (unerwünschte E-Mails), von denen täglich meist über 100 eintrafen.
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Die Unterstützung bei der Durchsetzung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz und an Hochschulen bildete wie schon im Vorjahr den Schwerpunkt der Tätigkeit. Im August informierte die NID die zuständigen Gewerbeaufsichtsämter über unzureichenden Nichtraucherschutz an acht Hochschulen und löste dadurch die Einschaltung der Behörde aus - inzwischen zunehmend von Erfolg gekrönt. Stark beansprucht wurde die NID auch von Arbeitnehmern, die in ihren Betrieben Nichtraucherschutz durchsetzen wollten, was in den meisten Fällen nach Einschaltung der Arbeitsschutzbehörde auch gelungen ist. Eine Ausnahme bildet immer noch die Bundesknappschaft, Dienststelle München. Einer Anzeige gegen die Vorgesetzten wegen fahrlässiger Körperverletzung begegnete die Generalstaatsanwaltschaft beim Oberlandesgericht München mit einem prozessoralen Trick.
Die Beobachtung von Fernsehserien und Spielfilmen vom 5. bis 11. Mai, an der sich auch viele Mitglieder lokal-regionaler Nichtraucher-Initiativen beteiligten, führte zu der Feststellung, dass insbesondere deutsche Produktionen und öffentlich-rechtliche Fernsehsender durch übermäßige Darstellung von Rauchsituationen den Tabakkonsum fördern. Leider zeigten sich die Verantwortlichen bisher noch sehr uneinsichtig.
Einen Anstoß für rauchfreie Schulen zu geben, war das Ziel einer Aktion der NID, bei der die Bildungsminister aller Bundesländer angeschrieben wurden.
Die Finanzierung der zweiten Auflage der Broschüre Nichtraucherschutz.de mit 10.000 Stück übernahm die Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung.
Als visuelle Mahnung brachte die NID Poster, Postkarten und Aufkleber mit dem Motiv "Kindesmisshandlung Passivrauchen" heraus. Mit dem Nichtraucher-Info informierte die NID viele Menschen über aktuelle Entwicklungen vor allem beim Nichtraucherschutz. Ihre Webseite www.nichtraucherschutz.de ist eine der am häufigsten besuchten Adressen zu diesem Thema.
Mit den Nichtraucher-Initiativen, dem Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit sowie dem Aktionsbündnis Nichtrauchen und vielen anderen Gesundheitsorganisationen arbeitete die NID wie in der Vergangenheit gut zusammen.
Ernst-Günther Krause
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Die Telefonkosten übernahm wie in den vergangenen Jahren die Nichtraucher-Initiative München e.V. Rund 80 Prozent der Fahrtkosten wurden gespendet; um diesen Betrag sind die Fahrt- und Tagungskosten erhöht. Die Einnahmen aus der Werbung im Nichtraucher-Info stammen aus 2002 und 2003.
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Der NID-Vorstand mit einigen Mitglieder (von links:)
Ursula Deske, Ernst-Günther Krause, Dieter Mennekes, Doreen Otto-Pfütze,
Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Dr. Ortrud Schulz, Dr. Thomas Stüven, Günter Feldt,
Dr. Wolfgang Schwarz, Horst Keiser, Ilse Schwarz.
Ein poetischer Rückblick auf die Mitgliederversammlung in Dresden:
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Allein schon zu tagen in dieser Stadt, Und Schönheit zeigt sich auf Schritt und Tritt Was uns als Nichtraucher interessiert: In Dresden-Neustadt das Hotel Privat, Und beide Stätten der Gastronomie, So auch das Thema Gastronomie |
Wir hörten aus berufenem Mund Auch über das Rauchen am Arbeitsplatz, Die rauchfreie Schule wurde erneut gefordert dass die hierfür zuständigen Minister Vergessen sei nicht an dieser Stelle Für alle, die mehr Zeit mitgenommen, |
Gerhard Sensenschmidt
Für sein dreißig Jahre langes zupackendes, ideenreiches, beharrliches und wirkungsvolles Engagement für eine rauchfreie Gesellschaft hat die Nichtraucher-Initiative Deutschland Gerhard Haußmann zum Ehrenmitglied ernannt. Um die Leistungen und die Bedeutung von Gerhard Haußmann für die Nichtraucher-Bewegung einschätzen zu können, hier ein Auszug aus dem Antrag auf Verleihung des Bundesverdienstkreuzes vom Dezember 2001:
Herr Haußmann arbeitet seit 1974 ehrenamtlich für die Verminderung des Tabakkonsums und den Schutz der Nichtraucher. Wie kein anderer hat er dieses Thema über seinen Wohnort hinaus in viele Städte getragen und dabei bleibende Erfolge erzielt.
1974 initiierte er den Arbeitskreis und später die Nichtraucher-Initiative Ulm/ Neu-Ulm e.V.
1976 initiierte er die Gründung des Arbeitskreises Aktive Münchner Nichtraucher, aus der eineinhalb Jahre später die Nichtraucher-Initiative München e.V. entstand.
1976 initiierte er die Gründung des Arbeitskreises und späteren Vereins Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher e.V.
1977 initiierte er den Arbeitskreis Nichtraucher-Initiative Friedrichshafen.
1977 initiierte er das erste Ulmer Gespräch und später mehrere internationale Bodensee-Treffen von Nichtraucher-Initiativen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
1981 initiierte er zusammen mit Ernst-Günther Krause die Gründung des Bundesverbandes der Nichtraucher-Initiativen Deutschland.
1988 engagierte er sich in besonderem Maße für die Gründung der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V.
Initiieren bedeutet, dass Herr Haußmann die Anschriften von eventuell interessierten Personen in dem jeweiligen Ort beschaffte (Mitglieder des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit oder Mitglieder von Organisationen mit gesundheitsbewusstem Lebensstil u.a. m.), einen Veranstaltungsraum organisierte, die Presse verständigte und versuchte, beim ersten Treffen Personen zu finden, die die Leitung des Arbeitskreises übernehmen. Auf diese Weise entstanden die oben angeführten noch existierenden Nichtraucher-Initiativen sowie solche, die sich inzwischen aus verschiedenen Gründen auflösten bzw. in anderen aufgingen: Kempten, Heilbronn, Böblingen, Lindau, Tübingen, Schwäbisch Gmünd, Reutlingen, Nürnberg, Karlsruhe, Blaubeuren-Laichingen.
Häufig war Herr Haußmann nicht nur bei der Gründung, sondern auch bei der Planung der ersten Aktivitäten dabei, in München 1976 zum Beispiel fünfmal innerhalb eines halben Jahres. Mit seiner Hilfe gelang es, den ersten Münchner Nichtraucherball am 11. September 1976 erfolgreich durchzuführen. Haußmanns Erfahrungen mit eigenen Nichtraucherbällen in Ulm (erstmals 1974) waren dabei entscheidend für das Gelingen. Oftmals war Herr Haußmann auch als Berater bei Versammlungen von Nichtraucher-Initiativen in Augsburg, Biberach, Ehingen, Esslingen, Frankfurt/ Main, Göppingen, Laupheim, Mannheim, Ravensburg und Tuttlingen anwesend.
Neben seinem vieltausendstündigen ehrenamtlichen Arbeitseinsatz ist auch sein finanzieller Einsatz hervorzuheben, der im Laufe der über zweieinhalb Jahrzehnte einen sechsststelligen Betrag erreichte.
Herr Haußmann war auf allen Versammlungen ein gern gesehener Gast, der durch seine sachliche und gleichzeitig mitmenschliche Art zum Erfolg der Nichtraucher-Bewegung wie kaum ein anderer beigetragen hat.
Besonderes Augenmerk legte Herr Haußmann darauf, Kinder vom Rauchen abzuhalten. Sein Engagement in Berghülen, wo er als Grund- und Hauptschullehrer in mehr als zwei Jahrzehnten zahlreiche Nichtraucher-Projekte mit seinen Schülern durchführte, ist in der Region bekannt. Viele Jahre lang setzte er seine Idee vom Nichtraucher-Lotsen um: So wie größere Schüler kleinere Schüler sicher über belebte Straßen bringen, sollten die Nichtraucher-Lotsen versuchen, anderen Schülern die Gefahren des Rauchens aufzuzeigen und sie davor bewahren, mit dem Qualmen anzufangen.
In der Ulmer Gegend hat wohl kaum ein anderer ehrenamtlich tätiger Bürger für mehr Zeitungsartikel und Leserbriefe gesorgt als Gerhard Haußmann. Zum Teil geschah dies als Privatperson, meistens aber in seiner Funktion als Vorstandsmitglied der Nichtraucher-Initiative Ulm/Neu-Ulm e.V. und als langjähriger (mehr als zehn Jahre) - ehrenamtlicher - Geschäftsführer des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V., Landesverband Baden-Württemberg. Er trat in einer ganzen Reihe von Talksendungen im Rundfunk auf und gab viele Interviews.
Herr Haußmann engagierte sich auch in anderen Bereichen des Gesundheits- und Umweltschutzes. Er hat nie versucht, seine vegetarische Lebensweise anderen Menschen aufzudrängen. Seine Kontakte zum Kneippverein Ulm/Neu-Ulm e.V. und zum Bund für Lebenserneuerung e.V. nutzte er zu gemeinsamen Aktionen zur Förderung des Nichtrauchens.
Seit einigen Monaten ist Herr Haußmann (geboren am 27.09.1938) im vorzeitigen Ruhestand.
Das Bundespräsidialamt lehnte den Vorschlag auf Verleihung des Bundesverdienstkreuzes ab, stellte jedoch eine Auszeichnung als "abschließende Würdigung des Lebenswerkes nach Ausscheiden aus seinen Ehrenämtern" in Aussicht. Damit sollte wohl vermieden werden, jemand auszuzeichnen, der im Rahmen seiner ehrenamtlichen Arbeit zur Förderung des Nichtrauchens in den Anfangsjahren auch einmal ungesetzlich gehandelt und öffentlich Tabakwarenreklame und Zigarettenautomaten mit Protestzeichen und -sprüchen versehen hat.
Gerhard Haußmann konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Mitgliederversammlung in Dresden teilnehmen. Die Überreichung der Urkunde fand am 6. Juni 2004 in Ulm statt.
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Liebe Nichtraucher-Freunde, ich danke euch allen herzlich für diese Anerkennung. Es ist wahr: Es war mir vergönnt, in vielen Jahrzehnten des Einsatzes für die Sache der Nichtraucher manche Anregungen zu geben. Eigentlich geht das schon über Generationen hinweg. Vom Urgroßvater wird schon berichtet, dass er als Handwerker (Bortenweber) und Bankdiener Leuten, die mit brennender Zigarre zu ihm ins Haus kamen, die Giftnudel aus dem Mund zog mit den Worten: "Sia entschuldigat, i leg des Deng en dr Kuche uff da Herd. Wenn se ganget, dürfet s'es wiedr mitnehma!" Und als der Sohn (mein Großvater) in jungen Jahren sich von Freunden zum Rauchen einer Zigarre verleiten ließ, prägte der Urgroßvater den denkwürdigen Spruch: "Paule, des oine sag i dir: Dia Haußmänner könnet des Raucha it (nicht) vertraga!" Ich habe mich also bemüht, alte Traditionen weiterzuführen. Aber was hätte ich wohl erreicht ohne eure Mithilfe? Nichts! Aber auch gar nichts! Für eure tatkräftige Unterstützung danke ich euch herzlich. Ich nehme die mir erwiesene Ehrung stellvertretend für euch alle an und bitte euch, euch weiter entschieden für die gute Sache einzusetzen. Vielen Dank! Gerhard Haußmann |
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Oft wird er zitiert, der mündige Bürger. Doch häufig gibt es Schwierigkeiten bei der Auslegung dieses Begriffes. So wie bei jener älteren Dame, deren Schicksal unlängst die Medien bewegte. Das corpus delicti war eine Hundeleine, mit der sie ihren Liebling spazieren führte. Wie aufmerksame Ordnungshüter bemerkten, war diese statt der gesetzlich vorgeschriebenen 5 Meter nur 3 Meter 50 lang. Ein Ordnungsgeld wegen Hundesmisshandlung war daher zwingend geboten. Da sich aber Frauchen störrisch zeigte ("Als mündige Bürgerin werde ich doch wohl selbst entscheiden dürfen, welchen Freiraum mein Hund braucht!") und sich weigerte, das Ordnungsgeld zu zahlen, wurde Beugehaft angeordnet. Hunderechte müssen schließlich geschützt werden. Dass sich Hund und Frauchen trotz der von Amts wegen zu kurzen Leine in trautem Einverständnis befanden, tat nichts zur Sache. Vorschrift ist nun mal Vorschrift.
Fast alles ist schön geregelt hierzulande.
Nein, nicht alles. Es gibt exklusive Freiräume, um die das Gesetz einen schier unerklärlichen Bogen macht. Hier wird der mündige Bürger beschworen, den das Hundefrauchen für sich vergeblich zu reklamieren suchte.
Schutz vor den Gefahren des Tabakrauches? Ach was, man kann doch nicht alles mit Vorschriften regeln wollen! Wir haben doch schließlich den mündigen Bürger, der selbst entscheiden kann, was ihm selbst, seinen Mitmenschen und seiner Umwelt gut oder nicht so gut tut! Der mündige Bürger entscheidet und handelt. 140 000 Todesfälle durch aktives Rauchen allein in Deutschland, dazu mehrere tausend Todesfälle durch Passivrauchen sind das jährliche Ergebnis seines Tuns. Hinzu kommen in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung beeinträchtigte Kinder, enorme Kosten für die Behandlung tabakrauchbedingter Krankheiten und einiges mehr. Was er anrichtet, besitzt gut und gern die Dimension einer Gesundheitskatastrophe.
Wenn es um seinen Hund geht, wird der brave Bürger an die Leine genommen. Stehen aber Gesundheit und Leben von Menschen auf dem Spiel, so liegt es im Ermessen des mündigen Bürgers, die schön groß gedruckten Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen zu beachten oder in Schall und Rauch aufgehen zu lassen. "Seine Sache, wir haben ihn gewarnt!" sind sich offenbar Gesetzgeber und Tabakindustrie einig. Der erhobene Zeigefinger muss genügen, keine weiteren Maßnahmen also. Verbot der Tabakwerbung? Bloß nicht, sonst kämen die treuen Raucher noch auf die Idee, die gesetzlich vorgeschriebenen Warnaufdrucke ernst zu nehmen und auf das Rauchen zu pfeifen. Wo blieben dann Profit und Steuereinnahmen? Die staatlich sanktionierte Tabakwerbung ist das probateste Mittel, mit dem die staatlich sanktionierten Warnungen vor dem Rauchen ad absurdum geführt werden.
Der "mündige Bürger" ist eine Lieblingsvokabel der Tabakindustrie und von Politikern, die sich dieser Industrie und weniger dem Volke verpflichtet fühlen. "Mündig" wurde so auffallend häufig mit "Rauchen dürfen" in Verbindung gebracht, dass jeder Grünschnabel glauben muss, Zigarette im Mund und mündig seien ein und dasselbe.
Jeder Politiker sollte das Ausmaß der durch das Rauchen verursachten Gesundheitskatastrophe mit all ihren sozialen und wirtschaftlichen Folgen kennen. Eine derart katastrophale Entwicklung lässt sich nicht durch naiven Glauben an die Vernunft des "mündigen Bürgers" eindämmen. Tabakrauch gehört zu den Drogen mit dem höchsten Suchtpotenzial. Das Rauchen ist eine Suchtkrankheit, die sich epidemisch ausbreitet und deren Folgen mit den großen Epidemien vergangener Jahrhunderte vergleichbar sind. Ein Suchtkranker ist nicht frei in seinem Handeln. Er ist in Bezug auf Entscheidungen, die den Tabakrauch betreffen, kein mündiger Bürger.
Um die Tabakepidemie wirksam zu bekämpfen, ist ein staatliches Aktionsprogramm dringend erforderlich. Damit ein solches Vorhaben glaubwürdig erscheint, muss sich der Staat von dem Verdacht befreien, er sei selbst am Tabakgeschäft beteiligt. Solange die Tabaksteuer im großen Topf verschwindet, handelt der Staat als Drogendealer. Nur wenn die Abgaben zweckgebunden für Maßnahmen zur Vorbeugung des Rauchens und für die Therapie tabakbedingter Krankheiten eingesetzt werden, befreit sich der Staat vom Vorwurf der Dealerschaft. Über die Finanzierung von Aktionen zur Vorbeugung des Rauchens dürfen auch keine Vereinbarungen mit der Tabakindustrie abgeschlossen werden. Noch immer wird der "mündige Bürger" im Glauben gelassen, Tabak sei ein Lebens- oder Genussmittel wie jedes andere auch, mit den gleichen Risiken und Nebenwirkungen. Tabak wird ja schließlich im Lebensmittelgeschäft feilgeboten. Häufig wird er als Kulturgut oder als Mittel zur Hebung der Lebensqualität gepriesen. Beim Essen und Trinken sind die Risiken jedoch kontrollierbar, beim Rauchen sind sie es nicht. Tabak ist das einzige frei verkäufliche Produkt, das auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und bei aller Vorsicht fast immer fatale Folgen hat. Seine gesundheitsschädigenden und tödlichen Wirkungen sind nicht wie bei anderen Produkten durch vernünftigen Umgang mit ihnen vermeidbar. Sie treffen den Verbraucher mit der Konsequenz eines Russischen Rouletts. Bei Kindern, deren Eltern während der Schwangerschaft und/oder in den ersten Lebensmonaten rauchen, tritt eine Schädigung mit fast absoluter Sicherheit ein. Nach dem neuen Geräte- und Produktsicherheitsgesetz vom 6. Januar 2004, das am 1. Mai in Kraft getreten ist, gehört ein derart gefährliches Produkt sofort aus dem Verkehr gezogen. Schließlich hat der Gesetzgeber mit den Warnaufdrucken auf den Packungen auf die Gefährlichkeit von Tabakwaren hingewiesen. Meint er, sich damit aus der Verantwortung entlassen zu haben?
Wir wissen, das Rauchen kann nicht allein durch einen Paragrafen in einem Verbraucherschutzgesetz aus der Welt geschafft werden. Noch weniger hilft die Hoffnung auf Vernunft. Vor allem dann nicht, wenn staatliches Handeln keine vernünftige und eindeutige Position erkennen lässt. Angesichts der verheerenden Folgen des Rauchens ist eine rauchfreie Gesellschaft die einzig vernünftige Zukunftsvision. Der Heranwachsende erlebt diese Vision über die Stationen rauchfreies Elternhaus und rauchfreie Schule. Wäre es nicht sinnvoll, den ersten Schritt in eine rauchfreie Zukunft dort zu tun, wo der Staat den jungen Menschen auf dem Weg zum mündigen Bürger so unmittelbar wie sonst nie begleitet? Entwickeln wir die rauchfreie Schule zum Ausgangspunkt für eine rauchfreie Gesellschaft!
Dr. Wolfgang Schwarz
Die 7. Deutsche Nikotinkonferenz vom 14./15. Mai 2004 in Erfurt widmete sich drei großen Themenbereichen: Rauchen und Herzkreislauf-Erkrankungen, Rauchen und endokrine Organe sowie Rauchen und Arbeitsplatz.
Im ersten Teil der Tagung beschrieb Prof. Ulrich Keil (Münster) die epidemiologische Situation im europäischen und deutschen Bereich und konnte darauf verweisen, dass es vornehmlich vier große Risikofaktoren für die Auslösung von Herzkreislauf-Erkrankungen gibt: Rauchen, Alkoholkonsum, Hyperalimentation mit Anstieg des LDL-Cholesterols und Bluthochdruck. Die Häufigkeit des Rauchens hat bei Frauen in Deutschland von 26,7 auf 29,0 % zugenommen, während bei Männern ein leichter Rückgang von 39,5 auf 37,4 % zu verzeichnen ist. Alarmierend ist die Zunahme des Rauchens bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren im Zeitraum 1995 - 2000: Es ist ein Anstieg von 21,3 auf 28,3 % zu verzeichnen. Prof. Keil führte weiter aus, dass rauchende Patienten mit einer koronaren Herzkrankheit ihr Risiko für einen Herzinfarkt bei Aufgabe des Rauchens halbieren können. Nach einer europäischen Studie rauchen leider 21 % dieser Patienten weiter. Das Hypertonieproblem im Zusammenhang mit dem Rauchen diskutierte Prof. Manfred Anlauf (Bremerhaven), wobei er hervorhob, dass es über die Abnahme der Gefäßelastizität durch arteriosklerotische Plaques und Veränderungen am Endothel nicht nur zur Hypertonie, sondern auch zu Nierenschäden (Nierenarterienstenosen, renovaskulärer Hypertonie) und maligner Hypertonie kommen kann. Diese Veränderungen können Mitursache für das Auftreten einer Funktionseinschränkung der Nieren sein.
Prof. Peter Scheffler (Homburg) betonte, dass 4,5 Millionen Deutsche an einer peripheren Verschlusskrankheit leiden, wobei die Häufigkeit des Rauchens die Erkrankungen hinsichtlich des Zeitpunktes des Auftretens und der Schwere des Verlaufs begünstigt. Frühberentungen und geschätzte 25.000 Amputationen jährlich werden die Krankenkassen mehr als bisher belasten. Ein großer Anteil dieser Erkrankungen wäre vermeidbar, zumal 70-80 % durch das Rauchen ausgelöst werden. Rauchen ist ein größerer Risikofaktor als der Diabetes mellitus. Der Rauchbeginn vor dem 15. anstelle vor dem 25. Lebensjahr verdoppelt das Risiko für die Entstehung dieser Krankheit. Hervorgehoben wurde in diesem Vortrag auch, dass junge Raucherinnen, die gleichzeitig die "Pille" einnehmen, gehäuft einen Verschluss der Hauptschlagader und der Beckenarterien erleben. Trotz der verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten, die oft nur kurzfristig für den Patienten nutzbringend sind, muss immer wieder auf den Rauchstopp so frühzeitig wie möglich verwiesen werden, weil er die meisten Ursachen für alle bei diesen Gefäßerkrankungen ablaufenden Krankheitsprozesse beseitigen kann.
Prof. K.-D. Kolenda (Holm bei Kiel) wies in seinem Vortrag über die koronare Herzkrankheit im Zusammenhang mit dem Rauchen auf die alarmierende Tatsache hin, dass die Effektivität des Rauchstopps im Vergleich zur Behandlung mit Simvastatin, einem Mittel zur Senkung des Cholesterolgehalts im Blut, zwei- bis dreimal wirksamer ist. Damit könnten die Kassen Gelder bei höherer Effektivität für die gesamte medikamentöse Therapie der koronaren Herzkrankheit bei Rauchern einsparen, wenn der Rauchstopp bei diesem Patientenklientel durchgesetzt würde.
Prof. Knut-Olaf Haustein (Erfurt) betrachtete die Blutgerinnungs- und Fibrinolysevorgänge im Zusammenhang mit dem Rauchen. Rauchen kann im Gegensatz zu reinem Nikotin zahlreiche Teilschritte der Blutgerinnung aktivieren und andererseits die Auflösung der Gerinnsel einschränken. Hervorzuheben sind in diesem Zusammenhang die schon bei jüngeren Rauchern auftretenden Blutungen in das Gehirn (Apoplexie), die zu irreversiblen Schäden mit Halbseitenlähmung führen können. Da bei Rauchern die Fibrinogenspiegel über denen von Nichtrauchern liegen, kommt es zur Viskositätserhöhung und damit zu verschlechterten Fließeigenschaften des Blutes. Das erhöhte Fibrinogen ist mitbeteiligt an der Ausbildung von arteriosklerotischen Plaques, ein Prozess, der bereits bei 14- bis 18-jährigen Rauchern zu beobachten ist. Damit wird die Grundlage für später einsetzende Erkrankungen gelegt. Ein wichtiger Punkt ist auch, dass Acetylsalicylsäure, welche zur Thromboseprophylaxe von zahlreichen Menschen eingenommen wird, seine Wirkung bei Rauchern weitgehend verliert. Nach mehreren Studien sind Raucher, die Träger eines genetisch veränderten Gerinnungsfaktors sind, 5 bis 10 Mal höher gefährdet, eine Blutung zu erleiden, als Nichtraucher.
Im zweiten Teil der Tagung wurden Probleme einer Einflussnahme des Rauchens auf endokrinologische Prozesse abgehandelt, wobei in den drei Vorträgen die Schilddrüse, die weiblichen Keimdrüsen und das komplexe Geschehen der Körpergewichtszunahme vor und nach einem Rauchstopp von Interesse waren. Dr. H.-K. Goischke (Bad Brückenau) unterstrich, dass das Rauchen neben Jod das Wachstum von Thyreozyten befördert: Bei genetisch prädisponierten Patienten werden Wachstumsprozesse im Sinne einer Autoimmunthyreoiditis, aber auch einer endokrinen Orbitopathie angeregt. Bei letzterer wird das Risiko um das 7,7fache im Vergleich zu Nichtrauchern erhöht. Auch die Effektivität einer medikamentösen Therapie bei einer Orbitopathie wird durch das Rauchen deutlich herabgesetzt, so dass bei Schilddrüsenerkrankungen ein Rauchstopp gefordert wird. Prof. Gottwald Klinger (Jena) wies in seinen Ausführungen u. a. auf die antiestrogenen Wirkungen des Tabakrauchs sowie auf die die Fertilität von Mann und Frau beeinträchtigenden Effekte des Tabakrauchs hin. Gerade letzteres Problem ist bezüglich möglicher mutagener Effekte noch gar nicht ausdiskutiert.
Bekanntlich, so Prof. Knut-Olaf Haustein (Erfurt), kann starkes, über Jahre anhaltendes Rauchen zu einer geringfügigen Reduzierung des Körpergewichts führen, wohingegen nach einem Rauchstopp eine von den Studien abhängige, unterschiedlich ausgeprägte Gewichtszunahme zwischen 2,5 bis 8,5 kg über ein bis fünf Jahre beobachtet wurde. Dieser Effekt ist insofern multifaktoriell, als neben dem Essverhalten, der energetischen Bilanz einschließlich der tabakrauch-bedingten erhöhten Fettsäureoxidation die veränderte Insulinresistenz, der Leptinspiegel sowie die Aktivität von Cannabinoid-Rezeptoren das Körpergewicht mitbestimmen. Aus zwei Studien geht hervor, dass Raucherinnen überbetont auf ihr Körpergewicht reagieren, womit gesagt werden soll, dass Raucherinnen sich stets "dicker" fühlen, als sie tatsächlich sind. Die vorübergehende Einnahme von Nikotinpräparaten zur Entwöhnung kann die Zunahme des Körpergewichts während der Zeit der Anwendung um 1-2 kg senken.
Am zweiten Kongresstag wurde ein hoch aktuelles Thema besprochen, zumal Millionen Arbeitnehmer vom "Passivrauchen" am Arbeitsplatz betroffen sein können. Eine im Oktober 2002 vom Bundestag beschlossene Arbeitsstättenverordnung beinhaltet in einem § 3a den Nichtraucherschutz, der für alle
nachfolgenden Vorträge die rechtliche Basis darstellte. In zwei Vorträgen von Prof. Knut-Olaf Haustein und Dr. Jürgen Witthauer (beide Erfurt) wurde verdeutlicht, welche Schadstoffmengen in Räumen, in denen geraucht wird oder in die Tabakrauch zieht, gemessen werden können, wobei die Lüftung der Räume nicht so schnell wie angenommen zu einer Schadstoffbeseitigung führt. Letztere hängt in entscheidendem Maße auch von der Ausstattung der Räume bzw. der Werkhallen ab. In zunehmendem Maße werden neben Nikotin und Cotinin auch andere Schadstoffe aus Zigarettenrauch gemessen, so Solanesol, Schwebstoffe, Nitrosamine, Nitroxid, Akrolein und Kohlenwasserstoffe. Selbst die Aufnahme von Radioaktivität während des Rauchens kann beachtliche Ausmaße annehmen. Die Inkorporation dieser Partikel durch den Passivraucher wird neuerlich verfolgt, so dass die Objektivierung der Schäden immer schärfere Konturen annimmt. Optimal wäre ein striktes Rauchverbot in öffentlichen Räumen. Weniger sicher ist die Trennung von Raucher- und Nichtraucherräumen trotz entsprechender Lüftungsmaßnahmen.
In den folgenden Beiträgen von Michaela Goecke (Bonn), Dr. A. Seidel (Jena), Professor Irmgard Vogt (Frankfurt/Main), Dr. A. Latsch (Köln) sowie Burkhardt Junge (Berlin) wurde eine Bestandsaufnahme über mögliche Raucherentwöhnungskonzepte an Kliniken, Hochschulen und in großen, mittleren bzw. kleinen Betrieben gegeben. Diese Aktivitäten müssen in den kommenden Jahren mehr als bisher verstärkt werden.
Auf zwei von vier Postern wurden die Ergebnisse von anonymen Schülerbefragungen zum Rauchverhalten vorgestellt: In einer Befragung in Erfurt und Jena (Prof. Knut-Olaf Haustein u. a., Erfurt) an 1.857 Schülern und in Hermsdorf an 300 Schülern (Alexander Plötner u. a., Hermsdorf). Aus der Erfurter Befragung geht hervor, dass die Schüler ab dem 10. Lebensjahr das Rauchen probieren und/oder zu regelmäßigen Rauchern werden und dass nach dem 15. Lebensjahr keine Zunahme des Anteils der Raucher mehr zu verzeichnen ist. Über 80 % der Schüler probieren das Rauchen aus Neugier und über 50 % der Schüler rauchen mit Freunden oder auf "Parties". Etwa 9 % der Schüler zeigen Zeichen einer Abhängigkeit. Trotz allem verbinden über zwei Drittel der Schüler das Rauchen mit negativen Attributen. Auch in der Hermsdorfer Befragung spielt das Rauchen unter Freunden bzw. in der Gesellschaft eine dominierende Rolle, wobei allerdings der Mädchenanteil unter den Rauchern nahezu doppelt so hoch ist wie der Anteil von Jungen. Nach einer endgültigen statistischen Bearbeitung werden beide Studien an den betroffenen Schulen diskutiert und der Öffentlichkeit in den kommenden Monaten vorgestellt.
Prof.
Dr. med. Knut-Olaf Haustein
Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für
Nikotinforschung (DGNF)
Eine Lehrerin an einem Kleinstadt-Gymnasium in Rheinland-Pfalz schrieb der NID im Juni 2004:
Mit meinen Schülern der 6. und 10. Klasse habe ich anhand Ihrer Materialien über die Folgen des Rauchens gesprochen. Die Materialien waren sehr gut gelungen und haben bei Schülern der 10. und der 6. Klasse ihre Wirkung nicht verfehlt. Die Schüler waren sehr betroffen, aber auch sehr überzeugt von den Materialien und sind begeisterte Nichtraucher (geworden?).
Die Kinder haben sich um die Aufkleber und Poster gerissen. Einige der Poster haben wir auf Wunsch der Kinder im Klassenraum aufgehängt, die Aufkleber habe ich ihnen geschenkt. Manche Kinder berichteten, dass sie ihrer Mutter oder ihrem Vater gesagt hätten, er oder sie solle aufhören zu rauchen. Und die Eltern hätten tatsächlich dauerhaft damit aufgehört. Die Aufklärung war dank Ihrer Materialien ein voller Erfolg.
Mit dem Poster mit der Nichtraucher- und Raucherlunge bin ich in der Pause ins Raucher-Lehrerzimmer gegangen und habe es meinen rauchenden Kolleginnen und Kollegen gezeigt. Die Reaktionen waren sehr unterschiedlich. Ein Kollege, selbst Raucher, wollte, dass ich das Poster im Raucherzimmer aufhänge. Ein anderer reagierte völlig beleidigt und sagte, die Raucherlunge sei ein Abbild der Seele eines Rauchers, dem man das Rauchen verleidet, indem man ihm solche Bilder zeige (seitdem grüßt er mich jetzt nicht mehr). Eine Kollegin jammerte, ich solle ihr doch so etwas nicht zeigen. Traurig, dachte ich.
Der Aufmerksamkeit der Presse konnte sich der bayerische Umwelt- und Gesundheitsminister Werner Schnappauf sicher sein, als er ein zweijähriges Modellprojekt vorstellte, das an 28 bayerischen Schulen unter dem Motto "Wir brauchen nicht rauchen" laufen soll - alles natürlich auf freiwilliger Basis. Am Ende der Legislaturperiode des Bayerischen Landtags, also im Jahr 2008, so wünscht es sich Schnappauf, sollen möglichst alle Schulen, die Lehrerzimmer eingeschlossen, rauchfrei sein. Reine Verbote, meinte der Minister, nutzten allerdings kaum. Nikotinabhängige bräuchten gesprächs- und suchttherapeutische Unterstützung. Die Schulen seien ein sehr wichtiger Ort für die Präventionsarbeit: "Es muss deutlich werden, dass Nichtraucher-sein das bessere Lebensgefühl gibt."
Während die nordrhein-westfälische Ministerin für Schulen, Jugend und Kinder, Ute Schäfer, ein von oben verordnetes Rauchverbot an Schulen ablehnt und auf Vernunft setzt, ist die Bevölkerung völlig anderer Meinung. 89 Prozent sprachen sich bei einer TED-Umfrage des WDR am 9. Mai für ein Rauchverbot an Schulen aus. Dabei ging es den Anrufern wohl weniger um die Abschaffung von noch vereinzelt vorhandenen Raucherzimmern für Schüler, sondern um ein Rauchverbot für Schüler und Lehrer.
Angesichts von immer mehr rauchenden Jugendlichen hält der Deutsche Philologenverband ein vollständiges Rauchverbot an Schulen für überlegenswert. "Wenn über ein Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden diskutiert wird, dürfen die Schulen nicht außen vor bleiben", meinte der Bundesvorsitzende Heinz-Peter Meidinger. Fairerweise müsse das Rauchverbot dann auch für Lehrer und Lehrerzimmer gelten.
Am 17. Mai wurde die deutsche Gewinnerklasse des 7. europaweiten Wettbewerbs "Be Smart - Don't Start" bekannt gegeben. Es ist die Klasse 6 II der Mittelschule Portitz aus Leipzig. Sie ist eine von 6.150 Klassen, die es geschafft haben, ein halbes Jahr rauchfrei zu leben. Die Klasse 6 II darf sich jetzt über eine Klassenfahrt nach Wien freuen. An dem Wettbewerb, der in insgesamt 15 europäischen Ländern durchgeführt wurde, nahmen allein in Deutschland 9.503 Klassen mit rund 250.000 Schülern teil.
Am 20. Juni 2004 forderte eine Mehrheit der Volksvertreter im Berliner Abgeordnetenhaus in namentlicher Abstimmung den Senator für Bildung, Jugend und Sport, Klaus Böger, auf, ein generelles Rauchverbot an Schulen zu erlassen.
Mit "Kirkeler Mutter kämpft gegen Zigaretten-Qualm" war ein Artikel in der Saarbrücker Zeitung vom 10. März 2004 überschrieben. Nachforschungen ergaben, dass damit Ilona Lang gemeint ist, seit gut zwei Jahren Mitglied der NID. Hier ihr Bericht für das Nichtraucher-Info:
Vor vier Jahren war ich gezwungen, eine Veranstaltung zu verlassen, da meine beiden Kinder den Rauch nicht mehr ertragen konnten. Sie bekamen beide starke Hustenanfälle. Das war der Punkt, an dem ich mir sagte, dass es so nicht weitergehen kann. Ich wandte mich an die Gemeindeverwaltung, Hausherr der Halle, in der die Veranstaltung stattfand. Leider ohne Erfolg. Daraufhin legte ich Unterschriftenlisten in verschiedenen Geschäften, Apotheken, Kindergärten usw. aus.
Ich durfte Flugblätter mit der Bitte, zum Rauchen vor die Türe zu gehen, zwar bei Veranstaltungen auslegen, jedoch wurde meiner Bitte, die Aschenbecher zu entfernen, nicht nachgegeben. Es folgten weitere Unterschriftenaktionen mit anschließender Vorsprache beim Bürgermeister, dieses Mal jedoch im Beisein der Presse.
In unseren zwei Kindergärten fand ich sehr viel Unterstützung, zum Teil auch dadurch bedingt, dass ich dort eine Krabbelgruppe geleitet hatte und deshalb bekannt war. Hier war es für mich relativ problemlos, rauchfreie Veranstaltungen zu erreichen - zur Freude auch vieler Erwachsener.
Im örtlichen Turnverein nahm ich meine Einflussmöglichkeiten als Übungsleiterin des Eltern-Kind-Turnens wahr. Da Sport und Rauchen nicht gerade die wünschenswerteste Kombination ist, ging es hier sogar recht schnell - auch dank einsichtiger Eltern.
Letztes Jahr, nach nochmaligem Gespräch mit den Veranstaltern des Kinderfaschings in unserem Ort, waren diese zum ersten Mal bereit, das "Risiko" einzugehen, die Aschenbecher von den Tischen zu verbannen. Der Erfolg war phänomenal: ein rauchfreier Kinderfasching!
Einen Tag später weigerten sich die Veranstalter im Nachbarort, die Aschenbecher zu entfernen. Es wurde mir aber gestattet, eine Durchsage über Lautsprecher zu machen. Meine Worte wurden mit vereinzeltem Beifall, vorwiegend jedoch mit deutlichen Buh-Rufen bedacht. Ich hatte das Gefühl, versagt zu haben - besonders, nachdem meine beiden Kinder ganz erstaunt bemerkten: "Mama, die rauchen ja trotzdem". Ich ließ mich jedoch nicht entmutigen.
Auch heuer verteilte ich wieder Tischaufsteller mit der Bitte, aufs Rauchen zu verzichten - mit Erfolg. Das Kinderfest in unserem Ort blieb rauchfrei. Diese Regelung ist und bleibt nun fester Bestandteil der Veranstaltung.
Im Nachbarort sind die Veranstalter bisher noch nicht bereit gewesen die Aschenbecher zu entfernen. Zwar ist die Luft schon besser geworden, aber nach ca. eineinhalb Stunden hatte kaum noch jemand Lust, die Halle zum Rauchen zu verlassen . In unmittelbarer Nähe standen ja Aschenbecher.
Ich gebe nicht auf, vielleicht gelingt es beim nächsten Mal. Der Presseartikel über meine Aktionen ist dabei von großem Wert. Vor vier Jahren wurde ich gefragt, ob ich nicht Angst hätte, mich lächerlich zu machen, da ich als einzelne Person nichts ausrichten könne. Meine Antwort war: "Wenn dies der Fall sein sollte, dann mache ich mich gerne lächerlich. Denn jeder überzeugte Raucher, der vor die Türe geht, ist ein Erfolg!" Ich kann nur jedem empfehlen, nicht aufzugeben. Der kleinste Erfolg zählt!
Die NID wurde von Andreas Munsche gefragt, ob es eine gesetzliche Möglichkeit gebe, einen Jugendclub rauchfrei zu machen. Mit den Rauchern sei keine Einigung zustande gekommen, weil diese nicht einsehen würden, dass sie im Winter beim Rauchen frieren sollen.
Niemand kommt nackt in den Jugendclub, sondern in der Kleidung, in der er sich warm genug für einen Aufenthalt im Freien angezogen fühlt. Für die kurze "Zigarettenpause" ist es ihm/ihr ohne weiteres zuzumuten, sich die Bekleidungsstücke anzuziehen, mit denen er/ sie hergekommen ist. Alles andere wäre zumindest moralisch gesehen rücksichtslos und unkameradschaftlich.
Rechtlich gesehen hat der Hausrechtsinhaber (das ist in der Regel der Leiter des Jugendtreffs) die Möglichkeit, zu bestimmen, wo es lang geht. Er kann nicht nur ein Rauchverbot verhängen - und er muss es sogar, weil er für die Gesundheit der Anwesenden, zu denen sicher auch Minderjährige gehören, verantwortlich ist. Jugendliche, die eine speziell für sie geschaffene Einrichtung besuchen, dürfen keinen geringeren gesundheitlichen Schutz genießen als die Arbeitnehmer, für die der Gesetzgeber das Recht auf Nichtraucherschutz ausdrücklich festgeschrieben hat.
Jedem für Minderjährige Verantwortlichen ist zu empfehlen, sich einmal den Paragrafen 225 (Misshandlung von Schutzbefohlenen) im Strafgesetzbuch anzuschauen. Dort heißt es: "(1) Wer eine Person unter achtzehn Jahren ... durch böswillige Vernachlässigung seiner Pflicht, für sie zu sorgen, sie an der Gesundheit schädigt, wird mit Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren bestraft."
Ein Jugendleiter weiß spätestens seit 3. Oktober 2002 - an diesem Tag ist der neue § 3a Arbeitsstättenverordnung in Kraft getreten -, dass Tabakrauch nicht nur für rauchende, sondern auch für nichtrauchende Jugendliche schädlich ist. Wenn er es trotzdem unterlässt, seine Kompetenzen zu nützen, um diese Jugendlichen vor Tabakrauch zu schützen, vernachlässigt er böswillig seine Pflicht.
Ganz auf die Tabakentwöhnung von Jugendlichen zielt die Anti-Rauch-Kampagne, die vom Institut für Therapieforschung Nord (IFT-Nord) durchgeführt und von der Deutschen Krebshilfe, der Deutschen Angestellten-Krankenkasse (DAK), der Europäischen Kommission und dem Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte unterstützt wird.
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Zwei Jahre nach dem Start weist Just be Smokefree eine Erfolgsquote von 14,9 Prozent auf. Die Kampagne setzt auf völlig neue Methoden. So beispielsweise auf einen Selbsttest, mit dem Jugendliche ihr individuelles Raucherprofil erstellen können. Der Test soll helfen, die richtige Strategie zum Aufhören zu finden. Neu ist auch, dass Ärzte, Freunde, Eltern oder Drogenexperten dem Raucher als Paten zur Seite stehen. Zusätzlich unterstützt ein Selbsthilfe-Programm die Schüler beim schwierigen Weg aus der Sucht.
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Tabak- erzeugnis |
Versteuerte Verkaufswerte |
Veränderung zum Vorjahr |
Versteuerte Mengen |
Veränderung zum Vorjahr |
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Zigaretten |
5,2 Mrd. € |
+ 2,6 % |
31,0 Mrd. Stück |
– 2,9 % |
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Zigarren und Zigarillos |
174 Mill. € |
+ 27,8 % |
920 Mill. Stück |
+ 27,2 % |
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Feinschnitt |
434 Mill. € |
+ 36,1 % |
5.145 Tonnen |
+ 26,0 % |
|
Pfeifentabak |
20 Mill. € |
– 13,9 % |
187 Tonnen |
– 14,8 % |
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Insgesamt |
5,8 Mrd. € |
+ 5,1 % |
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Der Rückgang bei den verkauften Zigaretten wurde durch die Zunahme beim Feinschnitt fast kompensiert - gerechnet auf der Basis von 1 Gramm Feinschnitt für eine selbstgedrehte Zigarette. Feinschnitt wird geringer besteuert und ist in der Herstellung billiger. Auf ihn weichen besonders Raucher mit niedrigem Einkommen aus. Freuen kann sich auf alle Fälle der Finanzminister. Die Einnahmen aus der Tabaksteuer stiegen im ersten Quartal 2004 um 5,1 %. Da die erste von drei Erhöhungen der Tabaksteuer (zum 1. Dezember 2004 und 1. September 2005) erst zum 1. März wirksam wurde, lassen die vorliegenden Zahlen keine fundierten Rückschlüsse auf die Auswirkungen der Steueränderung zu. Das zweite Quartal gibt mehr Aufschluss darüber, ob sich die Erwartungen auf höhere Einnahmen erfüllen.
Reiner Oestreich, Präsident des Bundesverbandes des Tabakwaren-Einzelhandels (BTWE) und Mitinhaber des Zigarrenhauses Anthes in Neu-Isenburg, hielt anlässlich der diesjährigen Delegiertenversammlung in Rösrath eine Rede, in der er von einer existenziellen Bedrohung der Tabakwirtschaft sprach (DTZ 21/04). Hier einige Zitate:
Für den 30. März 2004 hatte der Tabakkonzern BAT eine Vielzahl Organisationen, darunter auch die NID, zum Dialog eingeladen. Als Ziel gab BAT an, dass man sich mit ihnen auf "realistische Maßnahmen" verständigen wolle, "die das Risiko des Rauchens mindern". Von den wirklich relevanten Organisationen wollte sich jedoch keine einzige missbrauchen lassen. Denn was als Dialog gepriesen wurde, sollte eine reine Public-Relations-Veranstaltung sein, bei der die Vertreter des Gesundheitsschutzes nichts zu gewinnen, aber viel zu verlieren haben: in erster Linie ihre Glaubwürdigkeit. Es mutet schon makaber an, dass BAT, dessen Produkte jährlich schätzungsweise mehr als 30.000 Menschen den Tod bringen, zum Dialog für einen "Social Report" auffordert.
Maßnahmen zur Verhinderung des Plötzlichen Säuglingstodes
Prof. Dr. Ekkehart Paditz stellte bei der NID-Mitgliederversammlung die von Sachsen ausgehende Initiative zur Prophylaxe des Plötzlichen Säuglingstodes vor. Hier einige Details:
In Deutschland sind zwischen 1980 und 2001 18.285 Kinder am Plötzlichen Säuglingstod gestorben. Im Jahr 2001 waren es 429 derartige Todesfälle, ein Jahr später 349. Der Plötzliche Säuglingstod ist die häufigste Todesursache im ersten Lebensjahr. Die Ursache des Plötzlichen Säuglingstodes ist nicht bekannt. Auch ist eine Vorhersage des individuellen Risikos, am Plötzlichen Säuglingstod zu sterben, noch nicht möglich. Es konnte aber dennoch eine Reihe klar definierbarer und auch beeinflussbarer Risikofaktoren ermittelt werden. Aus Studien geht hervor, dass eine Beeinflussung dieser Risikofaktoren zu einem Rückgang der Häufigkeit des Plötzlichen Säuglingstodes um 80 bis 90 Prozent führen kann.
Die sich daraus ergebenden drei R-Regeln lauten: 1. Rückenlage: nicht in Bauch- und nicht in Seitenlage).
2. Richtiges Babybett: feste Unterlage, nur leichte Zudecke oder besser: Schlafsack, Standort des Bettes: Schlafzimmer der Eltern.
3. Rauchfrei: nicht während der Schwangerschaft rauchen, kein Aufenthalt in Räumen mit Tabakrauch vor und nach der Geburt.
Die weltweit größte Fall-Kontroll-Studie aus 20 Regionen Europas, in die Daten von 745 Fällen des Plötzlichen Säuglingstodes und 2.411 Kontrollkindern eingegangen sind, kam zu dem Ergebnis, dass das Rauchen dosisabhängig ein 9-fach erhöhtes Risiko, in Verbindung mit Co-Sleeping (Säugling schläft im Bett der Eltern) sogar ein 15-fach erhöhtes Risiko darstellt.
Beratungstelefon 0180-50 99 555 (12 Cent/Minute)
Zwischen 15 und 25 Cent kosten einzelne Glimmstängel je nach Marke. Und je teurer eine Zigarette ist, desto größer ist die Nachfrage nach einzelnen Zigaretten. Wer sich eine solche kauft, dem entgehen dann auch die ganzen Warnhinweise, z.B. dass das Rauchen tödlich sein kann. Der Einzelverkauf macht die Zigaretten erst erschwinglich und angesichts der Tatsache, dass Jugendliche im Schnitt im Alter von 13 bis 14 Jahren ihre erste Zigarette rauchen, ist es erfreulich, dass die Bundesregierung im "Gesetz zur Verbesserung des Schutzes junger Menschen vor Gefahren des Alkohol- und Tabakkonsums" als Mindestverkaufsmenge 17 Stück vorgesehen hat.
Wissenschaftler der Universität San Francisco konnten jetzt erstmals nachweisen, dass ein Rauchstopp am Arbeitsplatz sowie in Bars und öffentlichen Gebäuden die Zahl der Herzinfarkte deutlich verringert. Grundlage der Studie sind die Daten von insgesamt 304 Infarktpatienten, die zwischen Dezember 1997 und November 2003 im einzigen Krankenhaus von Helena im US-Bundesstaat Montana behandelt wurden. In der 68.000-Einwohner-Stadt galt zwischen dem 5. Juni und dem 3. Dezember 2002 ein öffentliches Rauchverbot, das ein Gericht später wieder aufhob. Die Mediziner stellten fest, dass in den sechs rauchfreien Monaten die Zahl der Herzinfarkte um 40 Prozent zurückging. In den Nachbarorten von Helena, in denen weiter in der Öffentlichkeit geraucht werden durfte, gab es hingegen keine Veränderung der Krankenzahlen. Die Experten ziehen aus ihrer Studie den Schluss, dass sich ein Rauchverbot in der Öffentlichkeit bereits innerhalb kürzester Zeit auf die Herzgesundheit der Bevölkerung auswirkt. Weser-Kurier, 21.4.04
Nach dem Stadtrat von Los Angeles stimmte auch der des Touristenortes Santa Monica für ein Rauchverbot am Strand. Damit erstreckt sich der rauchfreie Strand im Bezirk Los Angeles auf eine Länge von rund 20 Kilometern.
Seit 1. Mai 2004 ist der Philadelphia International Airport hundertprozentig rauchfrei. Er ist damit der 12. der 25 größten Flughäfen in den USA, die das Rauchen gänzlich verbannt haben.
Das schwedische Parlament hat im Mai ein Rauchverbot für Restaurants, Cafés und Bars verabschiedet. Es soll zum Juni 2005 in Kraft treten. In Norwegen darf bereits ab 1. Juni 2004 nicht mehr geraucht werden, in Irland seit 29. März 2004. www.netzeitung.de, 12.5.04
Am 30. März 2003 trat in New York ein Nichtraucherschutz-Gesetz in Kraft, das auch ein Rauchverbot in Gaststätten beinhaltete. Es wirkte sich seitdem sowohl positiv auf die Zahl der Arbeitsplätze als auch auf die Höhe der Steuereinnahmen aus. Das Gastgewerbe bot nicht nur rund 10.000 neue Arbeitsplätze an, es zahlte auch 8,7 Prozent mehr Steuern.
Für die Tabakindustrie wirkte sich das Rauchverbot negativ aus. Sie erlebte einen Umsatzeinbruch, denn wenn die Gelegenheit fehlt, wird auch weniger geraucht.
EU-Landwirtschaftsminister streichen Beihilfen ab 2010
Die Tabakbauern in der Europäischen Union bekommen von 2010 an keine Subventionen mehr aus Brüssel. Darauf haben sich die EU-Landwirtschaftsminister verständigt. Die deutsche Ministerin für Verbraucherschutz und Landwirtschaft, Renate Künast, begrüßte die Einigung vor allem im Zusammenhang mit dem Kampf gegen das Rauchen.
Der Vereinbarung zufolge soll es von 2006 an eine Übergangsfrist von vier Jahren geben, in denen sich nur noch 60 Prozent der Subventionen an der Produktion orientieren. Danach erhalten die Tabakanbauer nur noch 50 Prozent der bislang gezahlten Prämien, die dann allerdings unabhängig von der produzierten Menge geleistet werden. Bislang hat die EU den Tabakbauern jährlich rund eine Milliarde Euro bezahlt. Künftig ist es nicht mehr möglich, der EU vorzuwerfen, dass sie zwar Maßnahmen gegen das Rauchen in die Wege leite, durch die Subventionen für den Tabakanbau aber das Rauchen fördere. Berliner Zeitung, 23.4.04
Professor Stanton Glantz vom Cardiovascular Research Institute der University of California, San Francisco, untersucht die Auswirkungen der Tabakkontrollpolitik in verschiedenen Ländern der Welt. In Deutschland hat Dr. Annette Bornhäuser vom Deutschen Krebsforschungszentrum die Aufgabe übernommen, die relevanten Daten zu sammeln. Sie greift dabei auch auf Dokumente und schriftliche Aufzeichnungen der NID sowie persönliche Erinnerungen und die Beschreibung von Geschehnissen der letzten 30 Jahre durch NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause zurück. Zweck der Forschungsaktivitäten ist es, den Prozess der Entstehung von Tabakkontroll-Politiken zu dokumentieren und die Effektivität verschiedener Maßnahmen zu bewerten.
Eine besondere Rolle spielt dabei die Frage, wie und in welchem Ausmaß die Tabakindustrie Einfluss auf die Politik genommen hat, um diese zu Entscheidungen in ihrem Sinne zu bewegen. Es gibt eine ganze Reihe von Fällen, in denen dies belegt werden kann: von der Finanzierung einer Fortbildungsveranstaltung für Arbeitsmediziner 1977 in München, deren durch die gezielt ausgewählten Referenten (fast alle standen direkt oder indirekt in Verbindung mit dem Verband der Cigarettenindustrie) manipuliertes Ergebnis dazu geführt hat, dass bereits geplante Nichtraucherschutzmaßnahmen auf die lange Bank geschoben wurden, bis hin zu der Bearbeitung von Bundestagsabgeordneten vor der Abstimmung über das Nichtraucherschutz-Gesetz im Februar 1998 und der - erfolglosen - Kandidatur des Vorstandssprechers des Tabakkonzerns Reemtsma, Ludger Staby, für die CDU bei der Bundestagswahl im selben Jahr.
Dies ist die beste Anwaltsgeschichte des Jahres und wohl auch die des Jahrzehnts. Sie ist wahr und hat den 1. Platz im amerikanischen "Wettbewerb der Strafverteidiger" (Criminal Lawyer Award Contest) gewonnen.
In Charlotte (NC) kaufte ein Rechtsanwalt eine Kiste mit sehr seltenen und sehr teuren Zigarren und versicherte diese dann unter anderem gegen Feuerschaden. Über die nächsten Monate rauchte er die Zigarren vollständig auf und forderte von der Versicherung den ihm entstandenen Brandschaden ein. In seinem Anspruchsschreiben führte der Anwalt aus, dass die Zigarren "durch eine Serie kleiner Feuerschäden" vernichtet worden seien. Die Versicherung verweigerte die Schadens- Regulierung mit der Begründung, die Zigarren wären bestimmungsgemäß verbraucht worden. Der Rechtsanwalt klagte vor Gericht - und gewann! Das Gericht stimmte mit der Versicherung überein, dass der Anspruch unverschämt sei, doch ergab sich aus der Versicherungspolice eindeutig, dass die Zigarren gegen jede Art von Feuer versichert seien und Haftungsausschlüsse nicht bestünden. Folglich müsse die Versicherung zahlen, schließlich hätte sie diesen Vertrag selbst unterschrieben. Statt ein langes und teures Berufungsverfahren anzustrengen, akzeptierte die Versicherung das Urteil sofort und bezahlte 15.000 US-$ an den Rechtsanwalt, der seine Zigarren in "zahlreichen Feuerschäden" verloren hatte.
Nachdem der Anwalt den Scheck der Versicherung eingelöst hatte, wurde er auf deren Antrag wegen "24 Fällen von Brandstiftung" verhaftet. Unter Hinweis auf seine zivilrechtliche Klage und seine eigenen Angaben vor Gericht, wurde er wegen vorsätzlicher Inbrandsetzung seines versicherten Eigentums zu einer Freiheitsstrafe von 24 Monaten (ohne Bewährung) und einer Geldstrafe von $ 24.000 verurteilt.
Am 16. April 2004 gefunden unter: www.m-e-x.de/blog/archive/ 000038. html
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Juli 2004 Suchtform
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