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Seite 13 von 48 Ein Dopingfall Eklat bei der Tour de France. Ein Fahrer des T-Mobile-Teams wurde des Dopings bezichtigt. Dies ist nichts Neues. Spektakulär ist dagegen die Reaktion der Medien. ARD und ZDF stellten unverzüglich die Live-Berichterstattung von der Tour ein. Respekt. Für unerlaubte und die Gesundheit schädigende Verhaltensweisen darf nicht noch öffentlich und massenwirksam Werbung betrieben werden. Doping ist die unerlaubte Anwendung von Anregungsmitteln, um Höchstleistungen zu erzielen. So beschreibt es das Wörterbuch. Unerlaubt ist die Anwendung deshalb, weil der Gebrauch von Dopingmitteln zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden führen kann. Die zugeführte Substanz kann natürliche Leistungsschranken wie Ermüdung oder Erschöpfung aufheben. Dies ist ein illegitimer Eingriff in körpereigene Regulierungen. Ähnliches bewirkt Nikotin. Auch diese Droge greift in körpereigene Regulierungen ein. Sie hilft dabei, Ermüdung zu überwinden oder das Hunger- und Durstgefühl zu drosseln. Manch eitler oder gar prominenter Raucher brüstet sich damit, seine Leistungsgrenzen und seine natürlichen Bedürfnisse mit Nikotins Hilfe bezwungen zu haben. Er qualmt unter dem Vorwand, Höchstleistungen vollbringen zu wollen, ruiniert damit seine Gesundheit für seinen doch so aufopferungsvollen Job und hofft dafür auf Beifall. Was unterscheidet ihn bitte sehr vom gedopten Leistungssportler, der von einem Platz auf dem Siegertreppchen träumt? Nun ja, wird man sagen, Doping ist verboten und Rauchen ist erlaubt. Wirklich? Die zum Dopen verwendeten Produkte sind gewöhnlich legale Medikamente oder wie im Falle des Testosterons sogar körpereigene Wirkstoffe. Nur ist ihr Gebrauch im Zusammenhang mit Leistungssport eben unerlaubt. Nicht gestattet ist aber auch das Rauchen in öffentlichen Räumen in Gegenwart von nichtrauchenden Personen. Dies betrifft Arbeitsplätze, demnächst auch Gaststätten (leider mit Ausnahmen), Verkehrsmittel, Konferenz- und Versammlungsräume und weitere Örtlichkeiten. In diesen Situationen ist also Rauchen ebenso tabu wie Doping beim Leistungssport. Jetzt kommt der brave Bürger ins Grübeln. Ein einziger Dopingfall genügte den Öffentlich-Rechtlichen, die Klappe zuzumachen und das Feld einem Privaten zu überlassen, der damit tönte, der mündige Bürger müsse selbst entscheiden können, was er sich zumuten wolle. Hatten nicht kurze Zeit zuvor öffentlich-rechtliche Fernsehgewaltige einem Alt-Bundeskanzler die Möglichkeit geboten, sich nikotindopend der Öffentlichkeit zu präsentieren? Jeder am Bildschirm konnte miterleben, mit welcher Unverfrorenheit anwesende Studiogäste gezwungen wurden, an der Vergiftung durch Tabakrauch teilzuhaben. Für viele Raucher war das sicher eine willkommene Bestätigung des eigenen rücksichtslosen Verhaltens. Jungen Menschen auf der Suche nach Vorbildern bot der Prominente vor der Kamera ein Beispiel zum Nachahmen. Warum hat hier der dem öffentlichen Recht verpflichtete Sender nicht auch so reagiert wie später zur Tour de France? Für unerlaubte und die Gesundheit schädigende Verhaltensweisen darf nicht noch öffentlich und massenwirksam Werbung betrieben werden. Trotz vieler Proteste nehmen sich unsere Medien noch immer das Recht heraus, das Rauchen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln und in allen Nuancen zu bewerben. Rauchen sei Bestandteil des alltäglichen Lebens, und so müsse es sich auch auf dem Bildschirm widerspiegeln, meinen die Fernsehmacher. Doping ist allgegenwärtiger Begleiter des Leistungssports, hat uns die Tour de France eindrucksvoll gezeigt. Kommt jetzt das Fernsehen auf die Idee, uns bei allen Sportübertragungen auch dopende Sportler als nachahmenswerte Vorbilder zu präsentieren? Schließlich soll doch alles realistisch wirken. Zur Erinnerung: Dopingmittel sind zumeist legale Produkte der Pharmaindustrie. Sollte ihr nicht die gleiche Chance geboten werden wie der Tabakindustrie? Eine starke Lobby legt sich täglich dafür ins Zeug, Nikotindoping salonfähig zu halten. Niemand solle es bitte mit Doping im Leistungssport verwechseln. Alle Ähnlichkeiten sind rein zufällig. Die Dopingpraxis beweist, welche gesundheitlichen Schäden auch mit legalen Produkten bewirkt werden können, wenn diese nicht bestimmungsgemäß angewendet werden. Bei bestimmungsgemäß angewendeten Pharmaprodukten überwiegt der Nutzen gegenüber dem Schaden. Tabakwaren dagegen führen selbst bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu teilweise erheblichen Gesundheitsschäden. Das ist der entscheidende Unterschied. Kluge Menschen fragen sich daher, warum Tabak heute noch zu den legalen Produkten gezählt wird. Unsere Politiker haben sich nun endlich dazu durchgerungen, das Rauchen in öffentlich zugänglichen Räumen für illegal zu erklären. Nein, nicht für ganz illegal. Da das Rauchen als öffentliches Ereignis die wichtigste Voraussetzung für die Rekrutierung blutjungen Rauchernachwuchses und daher für das Überleben der Tabakindustrie ist, haben unsere Regierenden für den Erhalt von Raucheroasen gesorgt. Das war ihnen offenbar wichtiger als die Sorge um die Passivrauchopfer. Nicht von ungefähr erzielten die Landesfürsten bezüglich der Rauchoasen sofort bundeseinheitlichen Konsens, während die Anforderungen an rauchfreie Bereiche in die Länderverantwortung abgeschoben wurden. Warum die Scheu vor ungeteilter staatlicher Verantwortung? Hat die Politik Angst vor der Raucherlobby? Oder gehören gar Wort führende Politiker dazu? Vertreten unsere Anwälte etwa die Gegenpartei? Vielleicht erklärt uns Dieter Hildebrandt deren zögerliche Haltung: „Es kann keiner mit der Faust auf den Tisch hauen, wenn er überall seine Finger drin hat.“ Dr. Wolfgang Schwarz Zurück zum Inhaltsverzeichnis
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