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Nichtraucher-Info Nr. 69 - I/08 Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Donnerstag, 13. Dezember 2007

Mehrere Studien zeigen: Rauchverbot verringert Herzinfarkte durch Passivrauchen

Ein Rauchverbot an öffentlichen Orten senkt die Zahl der Herzinfarkte bei Nichtrauchern deutlich. Das zeigen mehrere Studien in verschiedenen Ländern. Die neueste stammt von Dong-Chul Seo und Kollegen von der Indiana University in Bloomington. Die Wissenschaftler verzeichneten einen drastischen Rückgang der Herzinfarktrate bei Nichtrauchern von fast 60 Prozent (Journal of Drug Education, Bd. 37, S. 217, 2007).

Über knapp vier Jahre hinweg registrierten die Wissenschaftler die Anzahl der Infarkt-Patienten, die in Krankenhäuser zweier unterschiedlicher Regierungsbezirke eingeliefert wurden. Im Monroe County wurde im Laufe der Studie ein Rauchverbot an öffentlichen Plätzen eingeführt, während es im zweiten untersuchten Landkreis, dem Delaware County, keine Beschränkungen für Raucher gab. Im Gegensatz zu älteren Studien galt das Interesse der Forscher speziell den nichtrauchenden Patienten, die keine weiteren Risikofaktoren wie zum Beispiel Bluthochdruck oder einen hohen Cholesterinspiegel aufwiesen.

Wie sie zeigen konnten, verkleinerte sich diese Patientengruppe nach dem Rauchverbot in Monroe County um fast drei Viertel (von 17 auf 5). Im Delaware-Bezirk dagegen, in dem Menschen in der Öffentlichkeit weiter dem Passivrauch ausgesetzt waren, ging die Zahl der Infarkte unter Nichtrauchern nur wenig zurück. Bei den rauchenden Patienten konnten die Forscher in keinem der beiden Bezirke eine signifikante Abnahme beobachten. Nach Meinung der Wissenschaftler liege demnach der Nutzen eines Rauchverbots eher im Schutz der Nichtraucher vor Passivrauch als in einem reduzierten Tabakkonsum von Seiten der Raucher.

Die Studie umfasst zwar nur wenige Einzelfälle und ist anfällig für Fehler, doch Untersuchungsergebnisse aus Italien und New York weisen in dieselbe Richtung.

Im US-Bundesstaat New York ist das Rauchen in der Öffentlichkeit schon seit 2003 verboten. Acht Prozent weniger Infarkte und Einsparungen von 56 Millionen Dollar im Gesundheitswesen, so lautet die Bilanz von Harlan Juster von den staatlichen Gesundheitsbehörden (American Journal of Public Health, Bd. 97, S. 2035, 2007).

"Rauchverbote führen zu substantiellen Verbesserungen im Gesundheitswesen", sagt Juster. Seine Behörde hatte stets die Rate zukünftiger Herzinfarkte hochgerechnet. Vor dem Jahr 2004 trafen diese Prognosen auch immer ein. Doch dann kam das Rauchverbot, und das Infarktrisiko ging zurück. Es waren schließlich 3 813 Fälle weniger als für das Jahr 2004 vorhergesagt.

In Norditalien verzeichneten Wissenschaftler um Francesco Barone-Adesi von der Universität Turin bei Nichtrauchern unter dem 60. Lebensjahr einen Infarktrückgang um elf Prozent (European Heart Journal, Bd. 27, S. 2468, 2006). Ältere Menschen und Raucher profitierten hingegen nicht von dieser Entwicklung.

Zur Erhebung der Daten diente die Piemont-Region mit rund vier Millionen Einwohnern. Ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen besteht dort seit 2004. "Unsere Studie belegt einen raschen Rückgang der Infarktrate", sagt Barone-Adesi. Im Frühjahr 2005 stellten Ärzte in Norditalien die Diagnose Herzinfarkt bei 90 Patienten weniger als im Referenzzeitraum des Vorjahres, in dem das Rauchen noch erlaubt war.

Auch für Nikotinsüchtige verringert ein öffentliches Rauchverbot das Infarktrisiko, allerdings weniger deutlich. "Durch das Verbot schränkt ein Raucher den Zigarettenkonsum ein", sagt Michael Kunze von der Universität Wien. Er nehme dadurch weniger von dem Gas Kohlenmonoxid (CO) auf. "Es ist einer der Hauptauslöser für Herzinfarkte."

CO führt bei Aktiv- wie bei Passivrauchern zu Veränderungen an den Herzkranzgefäßen, beeinflusst die Blutgerinnung und behindert den Transport von Sauerstoff im Blut. "Kohlenmonoxid kann im Blut oder in der Atemluft gemessen werden", sagt Kunze. Es sei geeignet, das Risiko bevorstehender Gefäßverschlüsse mit abzuschätzen.

Als gefährlich erwies sich Passivrauch insbesondere bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten hatten. In Griechenland untersuchten Ärzte über 2 000 Patienten mit Herzschaden (Heart, Bd. 93, S. 309, 2007).

In den ersten 30 Tagen nach einem Herzanfall steigt das Risiko für weitere Attacken um mehr als 60 Prozent. Schuld daran sei vor allem der Passivrauch, sagt Demosthenes Panagiotakos von der Harokopio-Universität in Athen. "Das Risiko eines Anfalls steigt mit der Dosis und der Einwirkdauer des Umweltgifts." Die Anfälle führten nicht selten zum Tod.

www.wissenschaft-online.de, 27.11.07
Süddeutsche Zeitung, 19.11.07

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