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Nichtraucher-Info Nr. 69 - I/08 Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Andre Hotzler   
Donnerstag, 13. Dezember 2007

Klimawandel

ImageDieses Wort spukt wie ein Schreckgespenst durch alle Medien. Bilder von verheerenden Naturkatastrophen illustrieren die Gefahr, in die sich die Menschheit zunehmend hineinbewegt. Als Hauptursache für dieses Desaster wurde der zunehmende Kohlendioxid-Ausstoß ausgemacht. Schuld sei der Konsumrausch, der sich nur mittels höherer Energiegewinnung aus nicht erneuerbaren Quellen befriedigen lässt. Nun wird um Begrenzung des Schadstoffausstoßes gefeilscht, um die Natur nicht noch weiter herauszufordern

Bei allem Wirbel um das Verbrennungsprodukt Kohlendioxid scheint ein anderer für das Klima wichtiger Einflussfaktor in Vergessenheit zu geraten: die massenhafte Abholzung von Wäldern. Ein wesentlicher Teil der Regenwälder wurde und wird gerodet, um Flächen für den Tabakanbau zu gewinnen und um Holz für die Trocknung der Tabakblätter bereitzustellen. Politiker streiten medienwirksam um Emissionsbegrenzungen. Greenpeace versucht, durch spektakuläre Aktionen den Bau neuer Braunkohlekraftwerke zu verhindern. Beinahe gilt schon als Umweltschädling, wer seinen Urlaub mit dem Auto oder gar mit dem Flugzeug statt mit dem Fahrrad antritt. Aber Raubbau an der Natur und Schädigung der Umwelt durch Anbau, Verarbeitung und Konsum von Tabak? – Dieses Thema verschwindet diskret in der Versenkung. Hat Greenpeace Frieden mit der ach so grünen Tabakpflanze geschlossen? Warum erfährt die Welt nichts von entschiedenen, wirksamen Aktionen gegen den Umweltschädling Tabak?

Von jeher nutzt der Mensch nachwachsende und fossile Brennstoffe zur Energiegewinnung und greift so in den Kreislauf der Natur ein. Selbst im Zeitalter der Industrialisierung blieb die Natur in ihrer Selbstregulierung relativ stabil. Sie besitzt eine erstaunliche Toleranz. Doch nun scheint das Gleichgewicht in Gefahr. Höchste Zeit zu handeln. Sonst bleibt der Schaden unumkehrbar. Vielleicht ist es schon zu spät, meinen einige Pessimisten.

Auch gegenüber dem Tabakkonsum zeigte sich die Natur wie auch der Mensch in bedenklicher Weise tolerant. Zwar bedroht das Rauchen wie kein anderer Einflussfaktor das Leben und die Gesundheit der Menschen. Aber die Menschheit existiert weiter. Warum also sollten wir ernstlich besorgt sein? Wie bei der Umwelt wird erst einmal abgewartet und – abgesehen von einigen kleinen Korrekturen – so weitergemacht wie bisher. Dabei sollte allein die Erkenntnis von der fruchtschädigenden und erbgutverändernden Wirkung des Tabakrauches Alarm auslösen. Doch die Natur ist bis zu einem gewissen Grad in der Lage, genetische Schäden zu kompensieren. Ebenso wie sie Eingriffe des Menschen in das Klimageschehen bis zu einem gewissen Grade kompensieren konnte. Schließlich werden die meisten Kinder rauchender Eltern ohne zumindest äußerlich sichtbare Schäden geboren. Aber wie lange noch? Der Anteil der Raucher im zeugungs- und gebärfähigen Alter ist so hoch wie nie zuvor. Die Toleranz der Natur ist nicht unbegrenzt.

Bezüglich der Einstellung der Bevölkerung zum Tabakrauch ist glücklicherweise bereits ein "Klimawandel" zu beobachten. Die allgemeine Toleranz gegenüber der Zwangsberauchung ist sehr deutlich zurückgegangen. Notgedrungen musste sich der Gesetzgeber für einen verbesserten Nichtraucherschutz einsetzen. Der Not gehorchend und nicht dem eigenen Triebe. Viel lieber hätten es viele unserer Volksvertreter dem Selbstlauf überlassen. „Der Markt wird es schon regeln.“ Der Markt, das ist hier in erster Linie die Tabakmafia mit ihrer raffinierten Verführungs- und Beschwichtigungstaktik. Sie uneingeschränkt gewähren zu lassen ist etwa das Gleiche, wie wenn der Klimaschutz den marktbeherrschenden
Energiekonzernen anvertraut würde.

Nichtraucherschutz – klingt das nicht so wie: „Wir machen den aufmüpfigen Rauchgegnern ein Zugeständnis, damit ihr euer legitimes Recht auf ungetrübten Rauchgenuss behalten dürft!“? Wird hier nicht einer gegen den anderen ausgespielt? Geht es nicht vielmehr darum, alle Menschen vor den verheerenden Wirkungen der Tabakgifte zu schützen? Was als „Nichtraucher“-Schutz proklamiert wird, kommt Nichtrauchern und Rauchern gleichermaßen zugute. Immer mehr Raucher begrüßen die gesetzlichen Einschränkungen des Rauchens in der Öffentlichkeit. Der äußere Zwang hilft ihnen schließlich, ihren inneren Zwang zu zähmen und am Ende vielleicht gar zu besiegen.

Wer sich als Anwalt der Raucher aufspielt, hat bestimmt nicht deren Wohl im Sinne. Rauchen ist ebenso wie Alkoholismus aus medizinischer Sicht behandlungsbedürftig. Es gibt keinen Tabakkonsum, der – in welcher Weise auch immer praktiziert – als gesundheitlich unbedenklich eingestuft werden kann. Die totale Ächtung des Gebrauchs dieser Droge wird daher ebenso wie der Klimaschutz zur globalen Herausforderung. Fast überall auf dieser Welt wurde dies erkannt und mit entschiedenen Maßnahmen beantwortet. Nur in Deutschland erfreut sich ein erheblicher Teil der politisch Verantwortlichen noch am Sirenengesang der Tabaklobby. Doch auch hier beginnt sich die Wetterlage zu ändern. Die erste frische Brise kam überraschenderweise aus Bayern, einem doch eher als konservativ geltenden Land.

Bayern will endlich Schluss machen mit jeder Ausnahmeregelung im Schutz der Öffentlichkeit vor den Gefahren des Passivrauchens. Schluss also auch mit den Streitereien zwischen Rauchern und Nichtrauchern über Toleranz und Rücksichtnahme. Vorbei mit der Legalisierung von abgetrennten Räumlichkeiten für Personen, die ihrer Sucht nicht Herr werden können. Kein Gastwirt muss sich mehr Sorge machen, wenn er nicht in der Lage ist, solche Quarantänezimmer anzubieten, die für Unbeteiligte – vor allem für Kinder – zur Gefahr werden können. Könnte dies das Zeichen für einen einsetzenden Klimawandel in Deutschland sein?
Dr. Wolfgang Schwarz

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Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 20. Dezember 2007 )