Home arrow Zeitschrift Nichtraucher-Info arrow Nichtraucher-Info 2008 arrow Nichtraucher-Info Nr. 69 - I/08
Schriftgröße wählen
Nichtraucher-Info Nr. 69 - I/08 Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Donnerstag, 13. Dezember 2007

Studie zur Kohlenmonoxid-Belastung in der EU

RaucherInnen in der Europäischen Union sind erheblich durch tabakrauchbedingtes Kohlenmonoxid belastet: Die 49 392 getesteten RaucherInnen weisen eine durchschnittliche Kohlenmonoxid-Konzentration in der Ausatemluft von 17,5 ppm (parts per million) auf. Dieser Wert ist doppelt so hoch wie die seitens der Europäischen Kommission tolerierte Luftschadstoffbelastung in europäischen Städten, die bei 8,5 ppm liegt. Dagegen liegt die durchschnittliche Kohlenmonoxid-Belastung bei den getesteten 62 433 NichtraucherInnen bei 3,9 ppm, das sind vier Fünftel weniger als bei den RaucherInnen.

Die HELP-COmets-Studie konnte auch deutliche Unterschiede in der Passivrauchbelastung feststellen: Generell stieg die Schadstoffbelastung proportional zur Zeitdauer der Tabakrauchexposition. Bei Personen, die laut eigenen Aussagen Tabakrauch länger als 8 Stunden ausgesetzt waren, stieg der Kohlenmonoxid-Wert auf das Doppelte. Gute Nachrichten gibt es aus EU-Ländern mit umfassendem gesetzlichem Schutz vor Passivrauchen. Dort betrug der Durchschnittswert der Kohlenmonoxid-Konzentration von NichtraucherInnen 2,5 ppm im Vergleich zu 5,2 ppm in Ländern ohne gesetzliche Regelungen – ein klarer Beleg für die erfolgreiche Umsetzung von gesetzlichen Maßnahmen.

"Tabakrauch ist ein komplexes Giftgemisch von Tausenden von Substanzen, darunter über 70 krebserzeugenden und erbgutverändernden Stoffen. Kohlenmonoxid (CO) ist ein giftiges Gas, das bei unvollständiger Verbrennung zum Beispiel von Tabak entsteht und bei der Einatmung den Sauerstoff verdrängt in der Bindung an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin. Als Folge werden alle Gewebe des Körpers schlechter mit Sauerstoff versorgt: Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und körperliche Schwäche können auftreten. Bei hohen Belastungen kann Kohlenmonoxid lebensbedrohlich werden", erläutert Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle im Deutschen Krebsforschungszentrum. "Raucher weisen bei den vorgelegten europaweiten Messungen auf CO die höchsten Werte auf im Vergleich zu den Nichtrauchern. Dabei sollten auch immer die Vielzahl der anderen, noch weitaus gefährlicheren Substanzen mitbedacht werden, die zu schweren Lungenerkrankungen, Krebs und Herz-Kreislauferkrankungen führen. Um jedoch die Schadstoffbelastung durch Tabakrauch bevölkerungs- oder gar europaweit darstellen zu können, bietet sich die vergleichsweise einfache Messmethode der CO-Ausatemluft an. Dies ist im vorliegenden Fall erstmals gelungen.

Die HELP-COmets-Studie (Carbon monOxide measure of exposure to tobacco smoke) basiert auf der EU-weiten Erhebung der Kohlenmonoxid-Belastung von 111 835 RaucherInnen und NichtraucherInnen zwischen März 2006 und Juni 2007. Die EU-Kampagne HELP – Für ein rauchfreies Leben initiierte in allen 27 EU-Mitgliedsstaaten Kohlenmonoxid-Messungen. Die anonym, mittels eines einfachen Atemtests ermittelten Kohlenmonoxid-Werte bilden die Grundlage für die HELP-COmets-Studie. Professor Bertrand Dautzenberg, international anerkannter Lungenspezialist und Tabakexperte (Groupe Hospitalier Pitié Salpêtrière, Paris), betreute federführend die wissenschaftliche Auswertung.

Den Startschuss für die Kohlenmonoxid-Messinitiative gab EU-Kommissar Markos Kyprianou gemeinsam mit zwölf weiteren EU-Kommissaren im März 2006. Die Europäische Kommission lud RaucherInnen sowie NichtraucherInnen auf bisher über 400 Veranstaltungen und Events zur Ermittlung ihres Kohlenmonoxid-Gehalts in der Lunge ein. Die vorliegende Studie umfasst die Auswertung von 111 835 Messdaten, die in den ersten eineinhalb Jahren der Kohlenmonoxid-Messinitiative im Rahmen der HELP-Kampagne erhoben wurden. Zusätzliche 90 000 Messungen wurden bis Oktober 2007 durchgeführt und weitere werden 2008 folgen.

In Deutschland war HELP mit den Kohlenmonoxid-Messungen in verschiedenen Städten zu Gast auf den Jugend-Film-Tagen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowie auf der YOU in Berlin. Zudem führte HELP deutschlandweit eine Universitäts- und Fachhochschul-Roadshow sowie eine Sommertour durch. HELP wird auch 2008 wieder Hochschulen besuchen und auf ausgewählten Events präsent sein. Die aktuellen Eventdaten sind unter www.help-eu.com zu finden.

www.presseportal.de/pm/66469, 8.11.07

Bitte beachten: Die Webseite der HELP-Kampagne der EU heißt www.help-eu.com.. Der Bindestrich ist sehr wichtig. Fehlt er, landet man auf einer Webseite, die eingerichtet worden ist, um kommerzielle Angebote zum Rauchen zu publizieren.

Zurück zum Inhaltsverzeichnis


Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 1. März 2011 )