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Nichtraucher-Info Nr. 71 - III/08 Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Andre Hotzler   
Donnerstag, 21. August 2008

Rauchfrei ist sexy

Ohne Zweifel eine positive Botschaft: "Rauchfrei ist sexy!" Wer ein gewünschtes Verhalten fördern will, muss positiv argumentieren, wissen Werbefachleute. Negative Aussagen kann der Raucher zuhauf auf allen Zigarettenpackungen lesen: "Rauchen kann tödlich sein" oder auch andere schwarz umrandete Texte drängen sich ihm auf. Um mit sich selbst im Reinen bleiben zu können, ignoriert der Raucher solche Angriffe auf sein Selbstverständnis gewöhnlich. Der findige Tabakwarenhandel bietet ihm Einsteckhülsen an, mit denen er die störenden Warnaufdrucke perfekt abdecken kann. Nun hält ihn kein böses Wort mehr von seinem Vergnügen ab.

Die Tabaklobby setzt alle Hebel in Bewegung, um negative Botschaften über das Rauchen zu entkräften. Im Kontrast dazu sorgt sie für ein Universum von positiven Anmutungen aus zahllosen unverdächtigen Quellen, bei denen kaum jemand ahnt, woher hier der Wind weht. Wer will sich schon eingestehen, auf Werbung oder gar Verführung hereingefallen zu sein, wenn er (sie) sein (ihr) lässig rauchendes Idol im Film oder Fernsehen sexy findet? Macht es nicht auch Eindruck, wenn sich ein prominenter Politiker und Altbundeskanzler selbstherrlich und medienwirksam über ein gesetzliches Rauchverbot hinwegsetzt? Ist er dafür nicht auch zum coolsten Kerl Deutschlands gewählt worden? Wahrhaftig ein genialer Werbestreich!

Solche Eindrücke bringen das Rauchen ganz unauffällig mit persönlichen Eigenschaften wie sexy, cool, lässig oder mit Freiheitsdrang in Verbindung, der sich auch über gesetzte Grenzen hinwegzusetzen vermag. Pech eben für den Gesetzgeber, der sich nicht durchsetzen kann und der deshalb schon für den Rückzug übt. Es ist scheinbar für Politiker nicht so einfach, die nach unserem Verständnis recht fragwürdige Freiheit einer Minderheit gegen den von Medizinern als dringend angemahnten Schutz der Mehrheit abzuwägen. Zumal die rauchende Minderheit von einer starken Lobby vertreten wird, die sehr geübt darin ist, Meinungen zu manipulieren.

Hat sie damit Erfolg? Eine deutschlandweite Umfrage, die 2006 im Auftrag eines Pharmaunternehmens durchgeführt wurde, ergab: Raucher betrachten tatsächlich das Rau¬chen gern als sexy. Von den Nichtrauchern aber finden nur 8 % das Rauchen sexy. 45 % von ihnen waren schon einmal abgeschreckt oder angewidert vom Rauchen ihres Partners. Sexy heißt geschlechtlich anziehend oder reizvoll. Kann jemand anziehend oder reizvoll sein, von dem ich wegen seines Körpergeruches abgeschreckt werde und angewidert bin?

ImageGefühle für einen Menschen werden von dessen Körpergeruch mitbestimmt. "Den kann ich nicht riechen!" ist zu einem geflügelten Wort geworden. Bei der Partnerwahl hat der Körpergeruch entscheidende Bedeutung. Die Natur will damit die Partner zusammenführen, deren Gene bei einer Vereinigung die besten Voraussetzungen für einen gesunden Nachwuchs mitbringen. Durch das Rauchen wird diese Absicht der Natur wirksam vereitelt. Ein rauchender Partner vermindert die Aussicht auf ein gesundes Kind sehr deutlich. Tabakrauch schädigt erwiesenermaßen das Erbgut. Wie neuere Untersuchungen belegen, können sich diese Schädigungen bis in die Enkelgeneration fortpflanzen.

Erfreulicherweise ist bei jungen Leuten ein verstärkter Trend zum Nichtrauchen zu beobachten. Sie beginnen offenbar zu verinnerlichen: Nichtrauchen ist sexy! Nichtraucher haben bessere Chancen beim anderen Geschlecht, müssen sich manche Raucher schmerzlich eingestehen. Auch ohne starke Lobby ist das Ansehen der Nichtraucher im Steigflug. Unter den Rauchern vollzieht sich ein Sinneswandel. Bei der bereits zitierten Umfrage waren 80 % der Raucher davon überzeugt: Rauchen hat einen negativen Einfluss auf mein Leben. Aber leider ergeben sich in den meisten Fällen daraus keine Konsequenzen. Die Abhängigkeit vom Nikotin ist meist stärker als der Drang nach Rauchfreiheit, den die meisten Raucher verspüren.

Für das Nichtrauchen zu werben entspräche ganz und gar dem Zug der Zeit. Nur leider ist "Nichtraucher" ein negativer Begriff. Das "Nicht-" kennzeichnet für viele jemanden, der etwas nicht tut, der in einer bestimmten Sache inaktiv ist, weil er es vielleicht nicht kann oder er sich nicht traut. Das "Nicht-" ziert auch den Nichtschwimmer, den Nichttänzer oder den Nichtsportler. Rauchen dagegen imponiert vor allem Minderjährigen als Grenzüberschreitung vom Kind zum Erwachsenen. Wer als Minderjähriger raucht, der "traut sich", diese Grenze allen Verboten zum Trotz zu überschreiten. Scheinbar ist er der Aktive, der sich eine neue soziale Position erobert. Wer nicht raucht, zieht es offenbar vor, ein Kind zu bleiben. So erscheint es jedenfalls aus der Perspektive vieler Minderjähriger.

Wir müssen daher für etwas anderes werben als für das "Tu das nicht!". Der Begriff "Rauchfrei" bedeutet etwas Positives, nämlich frei und unabhängig zu sein von einer Umklammerung, in die der Heranwachsende gerät, wenn er den Rattenfängern von heute auf den Leim geht. Die Tabakverführer werden nicht müde, Rauchen mit Erwachsensein, Freiheit, Geselligkeit, Genuss, Abenteuer und anderen Gegebenheiten in Verbindung zu bringen, die bei jungen Leuten einen hohen Stellenwert haben.

Rauchfrei zu bleiben ist angesichts der vielen Fallen, die überall lauern, durchaus eine respektable Leistung. Wer auf das Rauchen verzichten kann, der zeigt Stärke, weil er fähig ist, seine Persönlichkeit aus eigener Kraft zur Geltung zu bringen. Er braucht nicht die Rauchfahne, um sich in Szene zu setzen. Weil er genügend selbstbewusst ist, muss er sein wahres Ich nicht hinter einem blauen Dunstschleier verstecken. Wer sich dem Wunschpartner in seinem natürlichen Wesen präsentiert, der wird am Ende Erfolg haben - denn: Rauchfrei ist sexy!

Dr. Wolfgang Schwarz

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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 21. Juni 2009 )