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Seite 13 von 29 Wie BILD der Tabaklobby den Weg teerte Bildblog ist ein von mehreren Medienjournalisten betriebenes Watchblog, das die Arbeit der Bild-Zeitung, deren Ableger "Bild am Sonntag" und deren Online-Auftritt "Bild.de" kritisch begleitet. Der Inhalt der Springer-Publikationen wird täglich recherchiert. So kann das Bildblog häufig Fehler in der Berichterstattung, ungenügend recherchierte Artikel und Schleichwerbung nachweisen. Bildblog ging im Juni 2004 online. Heute lesen täglich rund 50.000 Menschen das Weblog. Alle Beiträge des Bildblogs werden unter Pseudonymen wie „Clarissa“, „Hobbes“, „Lupo“ und „spYri“ veröffentlicht. Es wird von Seiten der Betreiber offen gelassen, wer hinter welchem Pseudonym steckt. Am 18. September 2008 befasste sich "spYri" unter "Kommerzielles" mit dem Wirken der Bild-Zeitung zugunsten der Tabakindustrie. Aus dem Rückblick wird deutlich, in welcher fiesen Art BILD damals für das Rauchen und gegen den Nichtraucherschutz agiert hat. Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre hatte die Bild-Zeitung noch weit über vier Millionen Käufer, und man durfte ungestraft in der Öffentlichkeit rauchen. Die Bild-Zeitung unter Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje, selbst Raucher, war damals ein Raucher-Blatt. Eine Nachricht wie "Passivrauchen schadet nicht" brachte es im Februar 1990 zum "Thema des Tages". Im Juni 1989 durfte "Zigaretten-Präsident" Günter Wille via Bild-Zeitung "Bonn den Krieg" erklären, Raucher zum Wahlboykott aufrufen und sich in einem längeren Interview mit Tiedje und einem Kollegen darüber echauffieren, dass "Bonn und die EG" die Zigarettenhersteller dazu zwingen wollten, "künftig quer über jede Zigarettenschachtel eine Raucher-Warnung" zu drucken. Wille, damals Vorsitzender des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) und Chef von Philip Morris, sagte im Interview unwidersprochen: "Die EG-Bürokraten wollen uns zwingen, den Raucher falsch zu informieren. Wir sollen in unserer Werbung behaupten, dass Tabakgenuss zwangsläufig zu bestimmten Krankheiten führt. Das ist Unsinn! (…) Wir werden uns an der Verbreitung staatlich formulierter Lügen nicht beteiligen." Wie die Zigarettenindustrie dann ein Ende 1990 von der Lufthansa geplantes Rauchverbot auf Inlandsflügen zu verhindern suchte, zeigt ein Dokument von Philipp Morris eindrucksvoll, über das die "FAZ" am 18.09.2008 unter der Überschrift "Das Netzwerk der Zigarettenindustrie" berichtet: Bei dem Dokument handelt es sich um den Text zu einer Präsentation. Darin wird deutlich gemacht, dass die Herausforderung für die Zigarettenindustrie geheißen habe: "Killt das Verbot!" ("Kill the ban!"). Auch die Medien spielten seinerzeit bei der Torpedierung dieser Maßnahme offenbar eine wichtige Rolle. In dem Dokument von Philip Morris heißt es: "Wegen guter Beziehungen zum Chefredakteur (der Bild-Zeitung) sorgten wir dafür, dass die Bild-Zeitung unsere Kampagne gegen die Kranich-Linie (Lufthansa) begleitete." Wie diese Begleitung konkret aussah, wird in der Präsentation detailliert beschrieben: Fünf Tage nach der Ankündigung des Rauchverbots forderte die "Erste Raucher Lobby", eine Basisorganisation von rund 3.500 Rauchern in Deutschland (die Zahl ist von der "Ersten Raucher Lobby" frei erfunden, Anm. egk), die Lufthansa zu boykottieren. Wieder widmete die Bild-Zeitung diesem Ereignis die Titelseite. Nicht lange danach veröffentlichte die Bild-Zeitung das Ergebnis einer Umfrage unter Lufthansa-Passagieren durch das angesehene Meinungsforschungsinstitut "infas". Diese offenbarte, dass nicht 90 Prozent (der Passagiere), wie Lufthansa behauptete, sondern nur 30 Prozent für das Verbot waren. Die Bild-Zeitung machte daraus eine Geschichte auf der Titelseite: "Raucherlüge der Lufthansa". Dann veröffentlichte die "Bild"-Zeitung eine spektakuläre Titelgeschichte: "Lufthansa droht: Raucher in Handschellen". Dies war so etwas wie der Wendepunkt in der öffentlichen Debatte. Die Leute waren der Meinung, das sei nicht mehr erträglich. Kurz vor dem Tag, an dem das Verbot in Kraft treten sollte, führte die Bild-Zeitung einen weiteren Schlag gegen die Lufthansa mit einer Titelgeschichte über die schlechte wirtschaftliche Lage: Der Artikel handelte von den Verlusten der Lufthansa und erklärte diese haupt-sächlich mit dem schlechten Service und der Bedienung. Als wichtigstes Beispiel für den schlechten Service nannte er das Rauchverbot. Eine Woche bevor das Verbot in Kraft treten sollte, gab die Lufthansa auf. In einer Pressemeldung kündigte die Fluglinie an, sie habe ihre ursprüngliche Entscheidung rückgängig gemacht. Die Bild-Zeitung schrieb in einem Kommentar: "Lasst uns die Friedenspfeife rauchen!" Der Axel Springer Verlag bestritt der FAZ gegenüber, dass die Zigarettenindustrie und insbesondere Philipp Morris Einfluss auf die Berichterstattung in der Bild-Zeitung genommen habe. Dagegen spricht, dass Günter Wille, damals Philipp-Morris-Chef und Vorsitzender des Verbandes der Cigarettenindustrie, Anfang September, als die Kampagne gegen das Rauchverbot gerade so richtig an Fahrt gewann, zum Axel Springer Verlag wechselte, wo er am 1. Juli 1991 Vorstandsvorsitzender wurde? Günter Wille starb 1993 an Krebs. Zurück zum Inhaltsverzeichnis
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