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Seite 16 von 29 Zigarettenrauch Kein Aerosol ist so dicht gepackt wie das des Zigarettenrauchs. Es enthält einige Prozent Nikotin, was für die Sucht verantwortlich ist. Das Nikotin selbst ist aber auch langfristig keine wirklich gefährliche Substanz, sondern man inhaliert zusätzlich über 7.000 Substanzen, die bevorzugt die Bronchien schädigen. Nur einzelne Verursacher im Teer kennt man genauer. Die Haupterkrankung, die dadurch ausgelöst wird, ist die chronische Bronchitis. Sie beginnt mit der Zerstörung der Flimmerhärchen, die für die Reinigung der Lunge verantwortlich sind. Im Gefolge von Jahren des Inhalationsrauchens mit weiterer Zerstörung der Flimmerhärchen entwickelt sich dann Husten, der anzeigt, dass der Ersatzmechanismus der Reinigung greift, um die Lunge und die Bronchien halbwegs sauber zu halten. Damit der Husten funktioniert, müssen die Schleimdrüsen an Zahl und Funktion zunehmen, denn sonst würde der Husten nicht effektiv sein (besonders quälend ist ja typischerweise der trockene Husten). Die Schadstoffe im Zigarettenrauch erschlagen praktisch alle anderen Schadstoffe, die sonst in der Umgebung herumfliegen. So ist zum Beispiel die viel diskutierte Feinstaubbelastung praktisch irrelevant. Es finden sich zwar geringe statistische Zusammenhänge zwischen einer erhöhten Feinstaubbelastung und der Todesrate, wobei es hier aber viele Erklärungen dafür gibt. So ist es zum Beispiel erstaunlich, dass es keinen Unterschied macht, ob man in Städten mit hoher Staubbelastung und solchen, die nur ein Drittel davon haben, lebt. Möglicherweise ist die Ursache eine ganz andere, denn es ist eben häufig so, dass in der Nähe von verkehrsreichen Straßen (wo man diese höhere Feinstaubkonzentration gemessen hat), im Vergleich zu verkehrsberuhigten Zonen auch andere Bevölkerungsschichten wohnen, die allein den kleinen Unterschied in der Lebenserwartung schon erklären könnten. Vergleicht man die Feinstaubbelastung mit den Risiken des Zigarettenrauchens, sind diese etwa 1 000- bis 10 000-fach so groß. Dieser Unterschied wird in der politischen Diskussion leider praktisch nie angemerkt. Man kann ungefähr davon ausgehen, dass Raucher, die 20 Jahre lang eine Packung am Tag rauchen (oder zehn Jahre lang zwei Packungen), zu über 70 Prozent eine chronische Bronchitis, das heißt Husten und Auswurf, entwickeln. Rauchen sie länger, so bekommen fast alle eine chronische Bronchitis. Diese verschwindet dann meistens nicht mehr, auch wenn mit dem Rauchen aufgehört wird. Eine Untergruppe davon – je nach Alter zwischen 20 und 40 Prozent – entwickelt dann auch noch eine Einengung der Bronchien, eine Obstruktion. Bei manchen zerstören sich auch die Lungenbläschen, so dass die Lungenoberfläche, die normalerweise circa 200 Quadratmeter beträgt, immer weiter abgebaut wird. Dieses nennt man dann Emphysem. Beide dieser Erkrankungen werden heute auch als COPD zusammengefasst. Patienten mit COPD haben dann eine deutlich reduzierte Lebenserwartung, die etwa acht Jahre geringer ist als bei Nichtrauchern. Subjektiv spürt man das zuerst mit Luftnot bei stärkerer körperlicher Belastung. Im Verlauf der fortschreitenden Erkrankung kommt es dann schließlich auch zu Luftnot bei kleineren Bewegungen und in schweren Fällen schon in Ruhe. Bei den meisten Patienten kann man den Krankheitsverlauf wenigstens anhalten dadurch, dass man das Rauchen ganz einstellt. Selbst geringe Zigarettenmengen führen leider dazu, dass der Prozess mit der Selbstzerstörung der Lunge fortschreitet. Circa zehn Prozent der Patienten, die rauchen, entwickeln besonders meist zwischen 40 und 60 Jahren ein Lungenkarzinom. Dieses wird durch kanzerogene Substanzen im Zigarettenrauch ausgelöst. Leider gibt es praktisch keine Früherkennung für den Lungenkrebs. Nur Stadien, die man meist zufällig erkennt (zum Beispiel Röntgenuntersuchung im Rahmen einer Knieoperation) können durch Operation geheilt werden. Das sind aber etwa nur zehn bis 15 Prozent. Bei dem Rest kann man durch entsprechende Verfahren mittels Operation, Strahlen- und Chemotherapie das Leben verlängern, aber leider nicht entscheidend. Je nach Tumortyp liegt nach Diagnosestellung die mittlere Lebenserwartung zwischen einem und drei Jahren. Inhalationsrauchen verursacht auch ganz seltene Lungenerkrankungen wie bestimmte Formen der Lungenfibrosen. Auch diese bleiben stehen, wenn man mit dem Rauchen aufhört. Allerdings spielen diese Erkrankungen mengenmäßig keine Rolle im Vergleich zu den vorgenannten. www.lungentag.de/pressetexte.php In derselben Broschüre beschäftigt sich der frühere NID-Vizepräsident Dr. Wolfgang Schwarz mit dem Thema "Rauchfrei genießen – Funktioniert der Nichtraucherschutz?" Zurück zum Inhaltsverzeichnis
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