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Seite 19 von 29 Inzwischen belegen schon acht Studien: Rückgang der Herzinfarkte nach Einführung von Rauchverboten In der Extra-Ausgabe der Zeitschrift Prävention vom 27. Juli 2008 geht Dr. Gabriele Bolte, im Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit zuständig für das Sachgebiet Umweltmedizin, der Frage nach, welche gesundheitlichen Auswirkungen die Einführung von Rauchverboten hatten. Seit 2004 wurden acht Studien in wissenschaftlichen Zeitschriften mit Peer Review veröffentlicht, die die Entwicklung der Herzinfarktraten in der Bevölkerung seit Einführung eines Rauchverbots in öffentlichen Räumen einschließlich der Gastronomie untersuchten (siehe Tabelle). Bei allen Studien handelt es sich um ökologische Studien, die auf Daten zu Krankenhauseinweisungen und Krankenhausdiagnosen basieren. Die acht Studien beschreiben einen Rückgang der Herzinfarktraten seit Rauchverbotseinführung zwischen 8 % und über 40 %. Drei der acht Studien, die aufgrund der überregionalen Gültigkeit des Rauchverbots, der Größe der Studienpopulation und der angewendeten statistischen Methoden als besonders aussagekräftig einzuschätzen sind, zeigen eine Verringerung der Herzinfarktrate um 8 % bis 19 %. Durch das Studiendesign bedingt haben die Studien Schwächen: Die Studien basieren nicht auf individuellen Expositionsdaten, d.h. es liegen keine Angaben zur Passivrauchbelastung und zum Rauchverhalten der einzelnen Personen vor. Stattdessen wurde ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen als Indikator für eine generell verminderte Tabakrauchbelastung der Bevölkerung angenommen. Dass diese Annahme begründet ist, zeigen Ergebnisse anderer Studien mit einem deutlichen Rückgang der Innenraumluftschadstoffbelastung in gastronomischen Betrieben nach Rauchverbotseinführung und mit einer mittels Biomarker gemessenen Verringerung der Passivrauchbelastung von nicht selbst rauchenden und in rauchfreien Haushalten lebenden Personen. Eine weitere Schwäche kann in der Verwendung von aggregierten Daten der Krankenhausdiagnosestatistik liegen, wenn die Diagnosen nicht valide sind oder wenn nicht alle Herzinfarktfälle ein Krankenhaus erreichen. Zu einer systematischen Verzerrung im Sinne einer Überschätzung des Zusammenhangs zwischen Rauchverbotseinführung und Verringerung der Herzinfarktrate würde es aber z.B. nur dann kommen, wenn sich der Anteil der Personen mit Herzinfarkt, die vor Erreichen eines Krankenhauses versterben, genau mit dem Zeitpunkt der Rauchverbotseinführung vergrößert hätte. Dies erscheint unwahrscheinlich und konnte in zwei der acht Studien durch ergänzende Analyse von Mortalitätsdaten auch als Fehlerquelle ausgeschlossen werden. Schließlich kann in ökologischen Studien nur sehr eingeschränkt auf mögliche Störgrößen kontrolliert werden. | Studien zu Herzinfarktraten in der Bevölkerung (Krankenhausdiagnosen) in Abhängigkeit von dem In-Kraft-Treten eines Rauchverbots in öffentlichen Räumen | | Land | Studienregion | Vergleichsregion | Rauchverbot seit | Studienzeitraum | Analyse | | USA | Stadt Helena, Montana | Region um Helena | 05.06.2002 | 12/1997 bis 11/2003 | zeitliche Sequenz und räumlicher Vergleich | | USA | Stadt Pueblo, Colorado | Region um Pueblo und El Paso County | 01.07.2003 | 01/2002 bis 12/2004 | zeitliche Sequenz und räumlicher Vergleich | | USA | Stadt Bowling Green, Ohio | Stadt Kent, Ohio | 03/2002 | 01/1999 bis 06/2005 | zeitliche Sequenz und räumlicher Vergleich | | USA | New York State | keine | 24.07.2003 | 01/1995 bis 12/2004 | zeitliche Sequenz | | USA | Monroe County, Indiana | Delaware County, Indiana | 01.08.2003 | 08/2001 bis 05/2005 | zeitliche Sequenz und räumlicher Vergleich | | Kanada | Stadt Saskatoon | keine | 01.07.2004 | 07/2000 bis 06/2005 | zeitliche Sequenz | | Italien | Piemont | keine | 10.01.2005 | 02/2001 bis 06/2005 | zeitliche Sequenz | | Italien | Stadt Rom | keine | 10.01.2005 | 01/2000 bis 12/2005 | zeitliche Sequenz | Mögliche Effekte der Jahreszeit, der Außenluftschadstoffbelastung in der Untersuchungsregion oder der Änderung von Diagnosekriterien wurden in einigen Studien berücksichtigt. Dass es in mehreren Studienregionen bei individuellen Risikofaktoren für Herzinfarkt aus den Bereichen Bewegung, Ernährung und berufliche Belastungen unabhängig vom Rauchverbot, aber genau zum Zeitpunkt seiner Einführung zu einer kurzfristigen Änderung der Trends in der Bevölkerung kam, erscheint eher unwahrscheinlich. Von entscheidender Bedeutung für die Aussagekraft der Studien ist, ob von einem Rauchverbot unabhängige zeitliche Trends in der Morbidität (Krankheitswahrscheinlichkeit) in den Analysen beachtet wurden. Dies erfolgte durch entsprechende statistische Analysen in einigen Studien. Darüber hinaus wurde in vier Studien der zeitliche Verlauf der Herzinfarktraten in der Studienregion mit Rauchverbot dem Verlauf in einer Vergleichsregion ohne Rauchverbot gegenübergestellt. Neben den acht in wissenschaftlichen Zeitschriften mit Peer Review publizierten Studien gibt es zusätzlich aus einem Kongressbeitrag und aus Pressemitteilungen (University of Glasgow) Hinweise auf fünf weitere Studien aus Irland, Frankreich und Großbritannien, die ebenfalls eine Verringerung der Herzinfarktrate um 3 % bis 17 % beschreiben. Bisher kann nicht ausgeschlossen werden, dass hierbei ein Publikationsbias eine Rolle spielt, wenn nur Studien mit dem Ergebnis einer Assoziation veröffentlicht werden. Weitere systematische Untersuchungen in Ländern mit umfassendem Rauchverbot sind notwendig um dies auszuschließen. In der Gesamtschau der acht wissenschaftlich publizierten Studien liegen die Stärken der Studien in der stringenten zeitlichen Abfolge und in der Konsistenz der Assoziation Rauchverbotseinführung – Rückgang der Herzinfarktrate in mehreren Ländern und Studienpopulationen. Eine kausale Assoziation wäre biologisch plausibel, da akute und chronische kardiovaskuläre (Herz und Blutgefässe betreffende) Effekte des Passivrauchens eindeutig belegt sind. Zudem können durch ein Rauchverbot in öffentlichen Räumen initiierte Änderungen des Rauchverhaltens bis hin zur Aufgabe des Rauchens zu den beobachteten kardiovaskulären Effekten beitragen. Im Auftrag der International Agency for Research on Cancer bewertete kürzlich eine Arbeitsgruppe die verfügbare Evidenz zur Wirksamkeit von Maßnahmen der Tabakkontrollpolitik. Die Evidenz eines Rückgangs der Herzinfarktraten nach Rauchverbotseinführung wurde als „strong“ bewertet (d.h. konsistente Assoziation bei begrenzter Evidenz der Kausalität). Die Schaffung einer rauchfreien Umwelt bedeutet Prävention in mehrfacher Hinsicht: Nicht nur Gesundheitsschutz vor allem Nichtrauchender durch Verhinderung der Passivrauchbelastung, sondern auch Unterstützung und Anreiz für Rauchende zur Verringerung oder Beendigung ihres Tabakkonsums. Mit den hier kurz beschriebenen Studien zu Herzinfarktraten auf Bevölkerungsebene zeichnet es sich ab, dass Rauchverbote in öffentlichen Räumen einschließlich der Gastronomie eine äußerst erfolgreiche Public Health-Maßnahme sind. Hinweis: Prävention ist die einzige deutschsprachige Zeitschrift für Theorie und Praxis der Gesundheitsförderung. Sie erscheint seit 1978 viermal jährlich zum Jahresabonnement von 21,50 €. www.zeitschrift-praevention.de Zurück zum Inhaltsverzeichnis
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