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Nichtraucher-Info Nr. 73 - I/09 Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Sonntag, 21. Dezember 2008

Eine Million Euro für Herzzentrum von Philip Morris

Die Beantwortung einer Kleinen Anfrage im Berliner Abgeordnetenhaus offenbarte, dass Prof. Dr. Eckart Fleck, Leiter des Klinikums für Innere Medizin / Kardio¬logie des Deutschen Herzzentrums Berlin, zwischen 2003 und 2005 insgesamt 937 000 Euro vom Tabakkonzern Philip Morris erhalten hat. Dank der Protokollnotiz eines Mitarbeiters des Glimmstängel-Herstellers über das "Anbahnungsgespräch" und eines Briefes an Fleck, in dem auf das Gespräch eingegangen wird, liegen beweiskräftige Unterlagen vor, aus denen sich die Schlussfolgerung ziehen lässt, dass sich wieder einmal ein Wissenschaftler die Nähe zu einem Tabakkonzern vergolden ließ.

Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) betont in seiner Stellungnahme vom 21. Oktober 2008, dass die Forschungsgelder ausschließlich für Forschungszwecke verwendet worden seien, sich niemand persönlich bereichert habe und die Mitarbeiter in den Projektveröffentlichungen ausdrücklich auf die Herkunft der Gelder hingewiesen hätten. Doch wie brisant das DHZB das Verhalten von Eckart Fleck einschätzt, geht aus den weiteren Ausführungen hervor:

"Die vorbereitenden Gespräche wurden damals vom DHZB im guten Glauben geführt, es handle sich im konkreten Fall um eine Projektförderung durch eine unabhängige Stiftung, die wissenschaftliche Projekte und Forschungsstipendien vergibt. Heute liegen dem DHZB interne Unterlagen und Gesprächsprotokolle der Tabakindustrie zu den damaligen Gesprächen und Verhandlungen vor, weil diese seit einiger Zeit im Internet zugänglich sind. Dem DHZB waren diese Unterlagen und Gesprächsprotokolle zum Zeitpunkt der Verhandlungen und danach nicht bekannt, und das DHZB hatte folglich auch keine Möglichkeit, die dort festgeschriebenen Darstellungen zu korrigieren.

Nach eingehender, jetzt möglicher Analyse dieser internen Unterlagen und Gesprächsprotokolle der Tabakindustrie stellt sich der Kontext der Projektförderung heute anders dar, als zum Zeitpunkt der Antragstellung absehbar war. Aus diesen Dokumenten geht hervor:

  • Die Forschungsgelder wurden nicht von einer unabhängigen Stiftung vergeben, wie den Antragstellern suggeriert wurde, sondern direkt von dem Unternehmen Philip Morris.
  • Die Förderung des Projektes wurde als uneigennütziger Beitrag zur Grundlagenforschung dargestellt. Tatsächlich war Philip Morris an einer kommerziellen Nutzung der Ergebnisse ("in-house application") interessiert.
  • Philip Morris hat früher eigene kardiologische Studien durchgeführt, die vor allem dazu dienten, die Gefahren des Passivrauchens in Zweifel zu ziehen. Das so entstandene "Negativimage" des Unternehmens in der Fachwelt sollte durch die Förderung externer Projekte aufgebessert werden.

Vor dem Hintergrund der neuen Erkenntnisse über die Ziele der Projektförderung sehen wir die Annahme der Philip Morris-Gelder als Fehler an.

Um vergleichbare Vorfälle in Zukunft zu vermeiden, wird sich das Deutsche Herzzentrum für einen ethischen Kodex zur Ablehnung von Drittmitteln der Tabakindustrie einsetzen. Dieser Kodex soll sich an den entsprechenden Regelungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums orientieren.

Der Verzicht auf die Einwerbung von Drittmitteln bezieht sich konkret und ausschließlich auf die Tabakindustrie, weil ihr im Vergleich mit anderen Branchen der Privatwirtschaft ein Sonderstatus zukommt: Tabakwaren sind die einzigen Produkte, die ihren Konsumenten bei bestimmungsgemäßem Gebrauch erheblichen Schaden zufügen."

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Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 1. März 2011 )