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Wie teuer ist Tabak-Feuer?

Nahezu jedes vierte Feuer in den USA wird durch glimmende Zigaretten ausgelöst. Damit ist der bestimmungsgemäße Verbrauch von Tabak für fast 1.000 Tote und mehr als 3.000 Verletzte pro Jahr verantwortlich. Im Auftrag des Bürgermeisters von Philadelphia untersucht deshalb der Anwalt Stephen Sheller, ob die Tabakindustrie dafür haftbar gemacht werden kann. Auch Angehörige von Opfern, die bei Bränden starben, überlegen, gegen die Tabakindustrie zu klagen.

Zwar spricht niemand den Rauchern die Verantwortung dafür ab, dass eine glimmende Zigarette gelöscht wird. Doch es geht um die Frage, ob die Tabakindustrie genug getan hat, um glimmende Zigaretten weniger brandgefährlich zu machen. Befürworter neuer Regularien werfen nämlich der Tabakindustrie vor, den Zigaretten spezielle Chemikalien beigefügt zu haben, die verhindern, dass die Glimmstängel von selbst ausgehen, wenn sie nicht mehr geraucht werden. Bei zwei Tests eines Bundesinstituts zur Feuergefährlichkeit von Zigaretten fielen die 14 meistverkauften Marken durch. Weniger bekannte Zigaretten verursachten dagegen deutlich weniger Brände.

Aus internen Dokumenten der Tabakindustrie geht hervor, dass sich die Unternehmen der Gefahr ihrer Produkte bewusst waren. In einem Bericht aus dem Jahr 1984 beschreibt das Tobacco Institute der Branche, wie sie es geschafft haben, Feuerwehrleute auf ihre Seite zu ziehen. Die Unternehmen hatten systematisch Feuerwehren und Feuerwehr-Organisationen finanziell unterstützt. "Ehe wir 1982 begannen, waren die Feuerwehren dabei, sich gegen uns zu vereinigen", heißt es in dem Bericht. Mit großzügigen Spenden wurden die Kritiker zum Schweigen gebracht. "Es ist so, als ob die Polizei Geld von der Mafia nehmen würde, um Verbrechen zu bekämpfen", entrüstet sich Andrew McGuire, ein Brandexperte aus San Francisco.

Berliner Morgenpost, 20.3.99


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