Nichtraucher-Info Nr. 42 - II/01

Inhalt:

Abstimmung über Nichtraucherschutz
Was will Ulla Schmidt?
Handy verboten - Zigarette erlaubt
Spenden der Tabakindustrie
Kino-Werbespot gegen Rauchen ausgerechnet von Marlboro
Erinnerung an die Mitgliederversammlung in Dresden
Aus internen Dokumenten der Tabakindustrie
Marlboro verliert Marktanteile
Rückgang des Tabakkonsums
Bürgerantrag gegen Tabakwerbung
Adlkofer und seine Verbindungen
Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai 2001
Gastronomieführer für Nichtraucher 2001
Tabakgestank in der Königstherme
Passivrauchen bewirkt Schlafstörungen bei Kindern
Frühes Rauchen macht anfällig für Angst
Nikotinabhängigkeit schon nach wenigen Tagen
2,5-faches Risiko einer Lungenentzündung durch Passivrauchen
Forschungspreis Rauchfrei Leben 2000
Passivrauchen macht auch Polizei krank
Nikotinsucht steht an erster Stelle
Ex-Raucher um die Hälfte häufiger krank als Nie-Raucher
Raucher sind "gesünder" als Ex-Raucher
Raucher sind im erwerbsfähigen Alter um rund 30 Prozent häufiger krank als Nichtraucher
Deutsches Ärzteblatt lässt Tabaklobbyisten zu Wort kommen
Abstimmung über Rauchverbot darf nicht verweigert werden
EU: Werbeverbote für Alkohol zulässig
Schweden: Sozialminister will rauchfreie Restaurants
Spanien: Andalusien will Geld von der Tabakindustrie
EU: Parlament und Ministerrat uneins über Tabak-Richtlinie
Belgien: Keine Zigaretten aus Schokolade mehr
Schweiz: Entwöhnungshilfe über Handy
Die Pinkelzone im Schwimmbad
Skandal im Clemens-August-Stift
Die Bahn könnte, wenn sie wollte
Erfahrungen eines Deutsch-Amerikaners in Berlin
Gesundheitswegweiser erschienen
Rauchersprechstunde
Kinder vor dem Rauchen schützen
Marlboro steigt aus
Längere Operationszeiten bei Rauchern
Rauchverbot fördert Raucherentwöhnung
Rauchen im Flugzeug-WC kein gefährlicher Eingriff
Zigarettenpause macht Ausbruch möglich
13-jähriger Raucher steckte Haus an
Schafkopf und Skat auf Teneriffa
Internet-Gesundheitsforen
Goethe-Pokal bekommt Ehrenplatz im Olympia-Museum
Lungenposter ein Renner
Wortgewandte Professoren ...
Lungenemphysem durch Rauchen
Gutschein von der Bahn
Warum Raucher älter aussehen
Informative Broschüren
Impressum

Nach den Osterferien:

Abstimmung über Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz

Nach jahrelangem Ringen um einen gesetzlichen Schutz der Nichtraucher werden es die Arbeitnehmer bald leichter haben, ihr Recht auf Nichtraucherschutz durchzusetzen. Der Bundestag wird nach den Osterferien, also voraussichtlich im Mai, über den Antrag auf Verbesserung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz durch Einfügung eines speziellen Nichtraucherschutz-Paragrafen in die Arbeitsstättenverordnung abstimmen. Beim ursprünglich angestrebten Termin für die Zweite und Dritte Lesung (die Woche vor Beginn der Osterferien) hätten die Initiatoren damit rechnen müssen, dass der Ältestenrat den Nichtraucherschutzantrag an den Schluss der Tagesordnung legt. Das hätte eine Behandlung gegen Mitternacht bedeutet, was den Öffentlichkeitswert stark gemindert hätte.

Der Antrag auf Verbesserung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz war am 12. April 2000 von 192 Abgeordneten verschiedener Parteien (SPD, CDU/CSU, Bündnis 90/Die Grünen, FDP) in den Bundestag eingebracht worden. Die PDS-Abgeordneten wurden aus themafremden Gründen ausgeschlossen. Am 29. Juni fand die erste Lesung statt. Danach wurde der Antrag in insgesamt sieben Ausschüssen beraten und fand in allen eine Mehrheit. Es ist damit unwahrscheinlich geworden, dass im Plenum eine andere Mehrheit als in den Ausschüssen zustande kommt.

Die interfraktionelle Nichtraucherschutz-Initiative von Werner Lensing (CDU), Uta Titze-Stecher (SPD), Ekin Deligöz (Bündnis 90/Die Grünen) und Hildebrecht Braun (FDP) hat damit im insgesamt dritten Anlauf gute Erfolgschancen. Zweimal (1996 und 1998) war unter Federführung des früheren CDU-Abgeordneten Roland Sauer eine Initiative zur Verbesserung des Nichtraucherschutzes gescheitert. Damals stand jedoch ein eigenes Nichtraucherschutz-Gesetz zur Abstimmung, das sich nicht nur auf den Arbeitsplatz erstreckte. Es bleibt also noch viel zu tun.
 

Was will Ulla Schmidt?

Von der neuen Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt ist der NID vor allem eines bekannt: Sie stimmte 1998 gegen das Nichtraucherschutz-Gesetz. Ob sich ihre Einstellung in ihrem neuen Amt geändert hat, muss Ulla Schmidt durch Taten zeigen. Die NID will von ihr auch wissen, wie sie zu dem von ihrer Vorgängerin Andrea Fischer und der damaligen Staatssekretärin Christa Nickels angekündigten Vorhaben eines Verkaufsverbots für Tabakwaren an Jugendliche, kombiniert mit der Einführung von "Chipkarten" beim Automatenverkauf, steht.
 

Handy verboten - Zigarette erlaubt

Wer während des Fahrens sein Handy ohne Freisprecheinrichtung benützt, also mit dem Handy in der Hand telefoniert, verstößt gegen die Straßenverkehrsordnung. Wer dagegen am Steuer mit der Zigarette in der Hand angetroffen wird, bleibt unbestraft - es sei denn, er verursacht einen Verkehrsunfall. Diese Regelung ist nichts anderes als ein Bückling vor den rauchenden Autofahrern, die jedes Jahr unschuldigen Menschen den Tod bringen oder sie zum Krüppel machen.

Aber ein Rauchverbot am Steuer könnte ja den Umsatz der Tabakindustrie und die Steuereinnahmen mindern. Deshalb muss man schon bereit sein, ein paar tausend Tote und Verletzte in Kauf zu nehmen. Denn dass Umsatzrückgänge bei der Tabakindustrie zu Umsatzsteigerungen bei anderen Wirtschaftszweigen führen, kann nicht sein - weil es nicht sein darf.
 

Spenden der Tabakindustrie

Die Spenden der Tabakindustrie an die politischen Parteien flossen auch 1999 wieder reichlich. Das geht aus den Rechenschaftsberichten hervor, die Bundestagspräsident Wolfgang Thierse unter Bundestagsdrucksache 14/5050 veröffentlicht hat. So spendete der Marlboro-Hersteller Philip Morris der SPD 41.000 DM (Vorjahr 23.500 DM zuzüglich 39.000 DM vom Verband der Cigarettenindustrie) und der CSU 35.000 DM (28.500 DM). Die CDU erhielt 1999 40.000 DM von der Tchibo Holding AG, die 63,1 Prozent der Obergesellschaft des Tabakkonzerns Reemtsma hält.

1998 schien die CDU leer ausgegangen zu sein. Im berichtigten Rechenschaftsbericht tauchen jedoch - als hätte man es geahnt - 36.000 DM des Verbandes der Cigarettenindustrie sowie 23.500 DM von Philip Morris auf.

Da nur Spenden ab 20.000 DM im Rechenschaftsbericht namentlich aufgeführt werden müssen, könnten im Prinzip auch kleinere Spenden an Bündnis 90/Die Grünen und die PDS geflossen sein. Deren programmatische Zielsetzungen sprechen allerdings dagegen, was man von der FDP jedoch nicht behaupten kann. Ihre Bundestagsabgeordneten lehnen mehrheitlich eine gesetzliche Regelung des Nichtraucherschutzes und die Beschränkung der Tabakwerbung ab. Die FDP befindet sich allerdings nicht in der Regierung, sondern in der Opposition, was ihre Einflussmöglichkeiten sehr stark beschränkt und ihren Wert für die Tabakindustrie erheblich verringert.
 

Zur Erinnerung:

Mitgliederversammlung am 28. April in Dresden

Wie im Nichtraucher-Info Nr. 41 angekündigt, findet die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V.

am 28. April 2001 um 14 Uhr im
Hotel Privat
Forststr. 22, 01099 Dresden
( (03 51) 81 17 70 - Fax 8 01 39 53

statt. Die Tagesordnung ist ebenfalls dem letzten Nichtraucher-Info zu entnehmen.

Am Tag darauf treffen sich die Nichtraucher-Initiativen zu ihrem traditionellen Informations- und Erfahrungsaustausch von 9 bis 13 Uhr ebenfalls im Hotel Privat. Wer mehr über konkrete Arbeit vor Ort erfahren will, ist herzlich eingeladen.
 


 

Kino-Werbespot gegen Rauchen ausgerechnet von "Marlboro"

Der Marlboro-Hersteller Philip Morris verkündete am 20. Februar, dass er in Kinos Werbespots gegen das Rauchen von Kindern und Jugendlichen laufen lassen würde. Dagegen hat sich die NID sofort in Pressemitteilungen und Rundfunkinterviews sowie in Schreiben an die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und alle Regierungen der sechzehn Bundesländer gewandt. Hier ein Auszug aus dem Schreiben von NID-Präsident Prof. Dr. Ekkehard Schulz:

Der Kino-Werbespot des Marlboro-Herstellers Philip Morris, der damit Kinder und Jugendliche vom Tabakrauchen abhalten will, ist nichts anderes als ein schäbiger Trick, mit dem der Drogenkonzern vor allem zwei Ziele verfolgt:

Das erste Ziel ist, in der Öffentlichkeit den Eindruck zu erwecken, dass die Tabakkonzerne gegen das Rauchen von Kindern und Jugendlichen sind. Das zweite Ziel ist, das Rauchen von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Denn wer Rauchen als etwas darstellt, das nur Erwachsene ausüben sollen, wird erst recht bewirken, dass die Kinder und Jugendlichen zur Zigarette greifen. Denn Kinder und Jugendliche streben danach, als erwachsen wahrgenommen zu werden, und übernehmen daher erst recht Verhaltensweisen, die sie mit dem Erwachsensein verbinden.

Rauchen ist grundsätzlich schlecht, sowohl für Kinder und Jugendliche als auch für Erwachsene. Wenn die Tabakkonzerne diese Erkenntnis in den Vordergrund stellen würden, wäre dagegen nichts einzuwenden. Das widerspräche jedoch den Interessen der Drogenhersteller.

Philip Morris, Reemtsma, BAT und wie sie alle heißen, sollten der Nichtraucher-Initiative Deutschland die Gestaltung der Kinospots überlassen. Das wäre der einzige Weg zu zeigen, dass sie es wirklich ernst meinen. Damit ist jedoch nicht zu rechnen, und so hoffe ich, dass sich die neue Bundesgesundheitsministerin nicht für dumm verkaufen lassen und alles unternehmen wird, um diese scheinheilige Anti-Tabakwerbung zu unterbinden.

Verhindert werden muss außerdem, dass die Drogenhersteller ihre Absicht wahrmachen, die Software von Schul-PCs mit - eigennützigen - Nikotin-Warnungen zu versehen. Gleichzeitig ist das Jugendschutzgesetz zu ändern. Wer Kinder und Jugendliche wirklich schützen will, muss nicht das Rauchen von unter 16-Jährigen in der Öffentlichkeit verbieten, sondern den Verkauf von Tabakwaren an alle Minderjährigen.
 

Aus internen Dokumenten der Tabakindustrie zur Wirkung der Werbung auf Kinder

NID-Mitglied Dr. J. Paul Klärner übersetzte Auszüge aus einer von der WHO zusammengestellten Dokumentation über die Unterlagen der amerikanischen Tabakindustrie - hier speziell zur Wirkung der Tabakwerbung auf Kinder:

Tausende interne Dokumente der Tabakindustrie, die durch Gerichtsverfahren bekannt geworden sind, haben den verblüffendsten systematischen industriellen Betrug der Geschichte enthüllt. Die Konzerne leugnen, dass sie Strategien haben, die auf die Kinder zielen. Doch viele Dokumente zeigen, dass die Kinder und Jugendlichen im Zentrum der Aufmerksamkeit der Tabakfirmen stehen, dass besondere Anstrengungen unternommen wurden, um das Rauchverhalten dieser Altersgruppe zu beeinflussen. Man gewinnt das Bild einer Industrie, deren Marktdynamik die Rekrutierung junger Raucher fordert.

Die Unternehmen der Tabakindustrie geben vor, die Erwachsenen seien ihre einzige Zielgruppe, während sie um größere Marktanteile bei den 13- bis 18-Jährigen und sogar der noch jüngeren Kinder kämpfen. Diese Altersgruppen haben für den Tabakmarkt ihr besonderes Gewicht. Denen bietet man die Zigarette wie eine Art Jugendweihe an: ein verbotenes Vergnügen, vergleichbar mit sexueller Aktivität. Hier ein paar Zitate:

R. J. Reynolds (Claude Teage), 1973: "... langfristig brauchen wir den Markt der Jungen ... also müssen wir neue Marken konzipieren, die besonders jungen Rauchern gefallen ..."

Brown & Williamson, 1974: "Die Zielgruppe für die Cool King Size umfasst Männer und Frauen von 15 bis 24 Jahren."

Philip Morris (Robert B. Seligman), 1975: "In der Vergangenheit war der phänomenale Zuwachs von Marlboro großenteils das Ergebnis unseres starken Eindringens in den Markt der jungen Raucher, ... der 15- bis 19-jährigen, ... noch mehr der 15- bis 17-jährigen."

Imperial Tobacco (Canada), 1977: "Es besteht kein Zweifel, dass der Gruppendruck der wichtigste Grund eines Jugendlichen ist, sich für das Rauchen zu entscheiden. ... Auch wenn Rauchen im Alter von 11 bis 13 Jahren fasziniert - mit 16 oder 17 Jahren bedauern viele, dass sie rauchen, weil es ihrer Gesundheit schadet und weil sie nicht aufhören können, wann sie wollen.

Marlboro verliert Marktanteile


 

Rückgang des Tabakkonsums

Die Verluste von Marktanteilen bei der Marlboro sind wohl der Grund dafür, dass Philip Morris nun mit dem Trick "Kino-Werbespots gegen das Rauchen von Kindern und Jugendlichen" das Ruder herumreißen will. Denn hinzu kommt, dass der Tabakkonsum im Jahr 2000 auch insgesamt gesunken ist.
 
 
Tabakerzeugnis
Versteuerte
Verkaufswerte
Veränderung zum Vorjahr
Versteuerte
Mengen
Veränderung zum Vorjahr
Zigaretten
37,5 Mrd. DM
- 2,1 %
139,6 Mrd. St.
- 3,9 %
Zigarren/Zigarillos
992 Mill. DM
+ 8,2 %
2.557 Mill. St.
+ 11,7 %
Feinschnitt
1.449 Mill. DM
- 0,3 %
12.758 t
+ 0,6 %
Pfeifentabak
180 Mill. DM
- 5,5 %
909 t
- 7,5 %
Feinschnittrollen
486 Mill. DM
+ 38,0 %
1.853 t
+ 41,0 %
Insgesamt
40,6 Mrd. DM
- 1,4 %
X
X

Die Einnahmen aus der Tabaksteuer verminderten sich um 2,3 Prozent auf 22,3 Mrd. DM. Quelle: Statistisches Bundesamt
 

Bürgerantrag gegen Tabakwerbung

Der Aufruf zu Bürgeranträgen gegen Tabakwerbung auf kommunalen Werbeflächen (Vgl. Nichtraucher-Info Nr. 41, Seite 30) hatte eine erfreuliche Resonanz: In den vergangenen drei Monaten wurden 30 unterschriftsreife Anträge mit je drei Anlagen angefordert und von mir versandt. Vier weitere Anträge werden zurzeit vorbereitet. Erfreulicherweise sind auch mehrere Großstädte dabei.

Die eine Anlage enthält eine kurze Zusammenfassung der Expertise der Dres. Hahnewinkel und Pohl von 1998 mit der Aussage: Die Tabakwerbung verführt Jugendliche eindeutig zum Rauchen. Durch ein Tabakwerbeverbot wird der Zigaretten-Prokopfverbrauch reduziert.

Ich hoffe, dass bei mir bundesweit noch wesentlich mehr Anträge angefordert werden, damit möglichst vielen Kommunalpolitikern klar wird, dass sie unserer Jugend gegenüber verantwortungslos handeln, wenn sie einem Tabakwerbeverbot den Verdienst an der Tabakwerbung vorziehen. Letzteres geschieht zurzeit bei unseren Bundespolitikern, die das totale europäische Tabakwerbeverbot der EU torpedierten und mehrheitlich nicht bereit sind, ein nationales Tabakwerbeverbot gesetzlich zu verankern. Unser Ziel muss auch weiterhin ein totales europäisches Tabakwerbeverbot sein, denn die Tabakindustrie wird verstärkt auf privaten Werbeflächen für ihr tödliches Produkt werben, wenn die Kommunen auf ihren Flächen die Tabakwerbung einstellen.

Folgenden Städten und Gemeinden gelang es in den Jahren 1991 bis 1998, die Tabakwerbung auf ihren kommunalen Werbeflächen zu beenden: Biberach, Karlsruhe, Vaterstetten und Langenau. Bei den Städten Donaueschingen und Rottenburg scheiterte der Versuch aufgrund eines Gerichtsbeschlusses. Es gilt jetzt zu prüfen, ob auch heute noch mit solchen Gerichtsurteilen zu rechnen ist, nachdem das Bundesverfassungsgericht am 22.01.1997 das bekannte vernichtende Urteil über die Tabakwerbung gefällt hat.

Es erscheint mir zweckmäßig, bei Bürgeranträgen gegen die Tabakwerbung gleichzeitig die oder den Vorsitzende(n) des Gesundheitsausschusses und des Jugendausschusses nachrichtlich zu informieren und die lokale Presse einzuschalten. Zurzeit ist es noch zu früh, um etwas über die Reaktionen der Städte und Gemeinden zu sagen. Es hat bisher sowohl zustimmende als auch ablehnende Reaktionen gegeben. Ein Nebeneffekt der Aktion durch Dr. Paul Klärner in Wuppertal (zehn Ärzte unterstützten den Antrag, keine Tabakwerbung auf städtischen Werbeflächen zuzulassen) war die Gründung einer neuen Nichtraucher-Initiative.

Für die Anforderung weiterer unterschriftsreifer Bürgeranträge samt Anlagen teile ich meine Anschrift mit:

Prof. Dr. med. Ekkehard Schulz
Hungenberg 29
51429 Bergisch Gladbach
Tel./Fax: (022 04) 541 41.
 

Adlkofer und seine Verbindungen

Franz Adlkofer ist es trotz seiner Verfehlungen gelungen, von der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie als Referent zu deren 42. Kongress vom 21. bis 24. März 2001 in Jena eingeladen zu werden. Hierzu nahm Prof. Knut-Olaf Haustein, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Nikotinforschung e.V., Stellung:

"Seit zwei Jahrzehnten versucht die Tabakindustrie mit zahlreichen Aktivitäten nachzuweisen, dass von Nichtrauchern inhalierter Tabakrauch (Passivrauchen) unschädlich oder, wenn überhaupt schädlich, dann minimal schädlich ist. In diesem Zusammenhang hat Prof. Franz Adlkofer, früherer Angestellter des Verbandes der Cigarettenindustrie, langjähriger ‚Sekretar' des von der Tabakindustrie finanzierten Forschungsrates Rauchen und Gesundheit bzw. der anschließend 1992 umgewandelten Stiftung Verum (Verhalten und Umwelt), auf Einladung der Gesellschaft für Pneumologie einen Vortrag zum Passivrauchen übernommen. Vor einigen Jahren von der Redaktion der Zeitschrift Circulation zum Thema Passivrauchen befragt, erklärte Adlkofer ‚...ich in keiner Weise weder finanziell, wirtschaftlich noch in anderer Art eine Verbindung zur Zigarettenindustrie habe' - eine unwahre Behauptung. Professor Adlkofer wurde in der Selbstdarstellung des Verbandes der Cigarettenindustrie vom Juli 1994 mit Bild als Wissenschaftlicher Beirat gezeigt.

Es ist sehr bedenkenswert, dass Adlkofer auf der 42. Pneumologentagung ein Forum geboten bekommt, Befunde vorzutragen, die anschließend von der Tabakindustrie vermarktet und in den Medien platziert werden. Vor dem Hintergrund einer abschließenden Beratung zur Verbesserung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz Anfang April 2001 im Deutschen Bundestag könnten hier ‚Irritationen' entstehen. Überlegenswert ist in diesem Zusammenhang, ob auch Pneumologen durch die Tabakindustrie ‚unterwandert' werden, wie dies selbst bei Mitarbeitern der WHO bekannt wurde. Herr Adlkofer hat auf der Internationalen Konferenz über Innenraumschadstoffbelastung vom 5.-7. 10. 1994 an der Universität Ulm zusammen mit Mitstreitern als Vertreter der Tabakindustrie über das Thema ‚Luftbelastung und Tabakrauch' referiert und dessen Schädlichkeit geleugnet. Ähnliche Aussagen wurden beim Toxikologie-Symposium vom 21.-23. Februar 1995 in Hannover in einer ‚Special Session' dargestellt, wo ebenfalls der Name Adlkofer im Zusammenhang mit der Stiftung Verum im Sitzungsprogramm genannt wurde. Übrigens wird im Mitarbeiterverzeichnis des Pharmakologischen Instituts der Universität München (Leitung Prof. W. Forth) in den 90iger Jahren der Name von Prof. F. Adlkofer angeführt.

Ärzte, die sich engagiert gegen das Rauchen wenden, so wie es seit Jahrzehnten auch die Pneumologen in Deutschland tun, sollten sich nicht ungerechtfertigten Verdächtigungen der Öffentlichkeit aussetzen und alle Kontakte zu Wissenschaftlern, die Kontakte zur Tabakindustrie hatten oder haben, in ihrem eigenen Interesse unterlassen."
 

Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai:
Rauchfreie Luft für freie Bürger!

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat als englisches Motto Second-Hand Smoke: Let's Clear the Air vorgegeben. Als griffiges deutsches Motto wählte die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. Rauchfreie Luft für freie Bürger!

Zusammen mit den angeschlossenen Nichtraucher-Initiativen und allen anderen Organisationen gleicher Zielrichtung will die NID die Atemluft vom "Rauch aus zweiter Hand" befreien. Dies geschieht sowohl durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit, insbesondere die Information der Medien über das wahre Ausmaß der gesundheitlichen Folgen des Passivrauchens, als auch durch die Unterstützung lokaler und regionaler Aktionsprogramme, die die Nichtraucher-Initiativen den Entscheidungsträgern in Städten und Gemeinden vorlegen. Das Aktionsprogramm der Nichtraucher-Initiative München e.V. ist unter <www.ni-muenchen.de/rauchfreier2001.doc> abrufbar. Die WHO hält unter <http://tobacco.who.int> weitere Informationen zum WORLD NO-TOBACCO DAY bereit.

Für Interessenten hält die NID drei Arten von Versandmaterial bereit: Für Nichtraucher ein umfangreiches Nichtraucherschutz-Set, dem auch viele Aufkleber beigefügt sind, für Raucher eine Kurzinformation mit Anschriften von Ansprechpartnern zur Unterstützung der Raucherentwöhnung und für alle Personen mit Einflussmöglichkeiten auf viele Menschen ein umfangreiches Multiplikatoren-Set, das auch einige Poster enthält. Grundsätzlich sind diese Angebote zwar kostenlos, doch bittet die NID um einen Unkostenbeitrag von 5 Mark für Material und Porto.

Seit Ende letzten Jahres fragten viele Journalisten, Krankenkassen, Gesundheitsämter bei der NID nach Informationen zum Welt-Nichtrauchertag an. Dies ist sowohl ein Zeichen dafür, dass sich dieser Tag allmählich im Bewusstsein vieler Menschen verankert, als auch ein deutlicher Fingerzeig darauf, dass die wichtigsten Daten - dazu gehört besonders das Motto - schon mindestens ein halbes Jahr vorher bereitstehen müssen.

Anfang des Jahres forderte Gary Menzel, bis dahin noch Raucher, Informationen zum Welt-Nichtrauchertag an. Einige Wochen später schickte er ein E-Mail:

Vielen Dank für Ihre Hilfe hinsichtlich des Welt-Nichtrauchertages. Stark bleiben werde ich wohl, denn ich fühle mich so wohl wie lange nicht mehr - ohne Husten, Kopfschmerzen etc.

Vielleicht mal ein Tipp von mir: Sehr unterstützt hat mich eine virtuelle Selbsthilfegruppe, nämlich ein Forum im Internet der Zeitschrift stern. Zu finden unter: <www.stern.de/forum/list. php?f48>. Es macht viel Mut, ist sehr rege besucht und hat seit kurzem den ersten statistischen (1 Jahr ohne) Nichtraucher in seinen Reihen. In den nächsten Wochen werden diese "Statistiken" nur so purzeln und das Forum wird weiteren Zulauf bekommen.
 

Gastronomieführer für Nichtraucher 2001
 

Seit Mitte März liegt er vor, der Gastronomieführer für Nichtraucher, Ausgabe 2001. Mit seinen rund 1.000 Anschriften bietet er all jenen Auskunft, die rauchfrei oder zumindest raucharm essen, trinken und übernachten wollen.

Aufgenommen wurden nur nichtraucherfreundliche Bewirtungsbetriebe, (Gaststätten, Restaurants, Cafés, Weinstuben und Teestuben), die folgende Voraussetzungen erfüllen: Sie sind entweder ganz rauchfrei oder sie bieten rauchfreie Räume an. Darüber hinaus sind auch die Bewirtungsbetriebe aufgeführt, die rauchfreie Bereiche mit mindestens 50 Plätzen anbieten oder die die Hälfte ihrer Sitzplätze für Nichtraucher reserviert haben.

Außerdem enthält der Gastronomieführer Beherbergungsbetriebe (Hotels, Pensionen, Gästehäuser), die entweder ganz rauchfrei sind oder rauchfreie Zimmer zur Übernachtung in Kombination mit rauchfreier Bewirtung nach obigen Kriterien anbieten.

Alle Gastronomiebetriebe, also sowohl die in der Broschüre aufgeführten als auch alle anderen (z.B. Vermieter von Zimmern und Ferienwohnungen/Appartements ohne rauchfreie Gemeinschaftsräume), sind im Internet unter <www.nichtraucherschutz.de> oder <www.nichtraucher.org> komfortabel abrufbar.

Die einzelnen Gastronomiebetriebe sind nach Postleitzahlen geordnet. Eine Gesamtübersicht der Postleitzonen für ganz Deutschland befindet sich am Beginn des Anschriftenteils. Innerhalb einer Postleitzahl bestimmen der genaue Ortsname und die Straße die Reihenfolge.

Auf den Seiten 66 bis 68 befinden sich insgesamt 31 nichtraucherfreundliche Gastronomiebetriebe des deutschsprachigen Auslands: Österreich (24) Schweiz (6) und Italien (1). Bei fast allen Betrieben ist eine E-Mail- und Internetadresse angegeben.
 

Tabakgestank in der "Königstherme"
Warten auf gesetzliche Regelung?

Schwangau, das "Dorf der Königsschlösser" in unmittelbarer Nachbarschaft der Stadt Füssen im Ostallgäu, hat eine neue Attraktion, die sich als echter Publikumsmagnet erweist: die "Königliche Kristalltherme". Mag es kritischen Besuchern auch bisweilen etwas zu weit gehen mit den Berufungen auf König Ludwig II und Hildegard von Bingen: das Baden in den unterschiedlich temperierten Mineralwasserbecken mit den vielen Massagedüsen und einem temperamentvollen Strömungskanal macht Spaß und dient - ergänzt durch Dampfbad, Edelsteingrotte und evtl. Sauna - gewiss der Förderung der Gesundheit.

Man sollte nun meinen, dass sich in einer solchen "Gesundheitsoase" das Rauchen von selbst verbietet. Aber leider weit gefehlt. Von Anfang an war das Rauchen an den "bewirtschafteten" Tischen in der Eingangshalle erlaubt, so dass man manchmal froh war, wenn man nach dem Baden das Freie erreicht hatte. Neuerdings laden nun auch Aschenbecher in einer Ecke des Innenbereichs (ausgerechnet neben der "Königstherme"!) zum Rauchen ein. Ein rauchender Badegast hat hier einmal nach einem Aschenbecher gefragt ... Wenn man nur den Wünschen der nichtrauchenden Besuchermehrheit so prompt nachkäme! Uns hat jedenfalls bei unserem letzten Aufenthalt in der Königstherme der scheußliche Tabakgestank, der aus der Raucherecke gezogen kam, mächtig gestört.

Als neulich in der zu Entspannung und Meditation einladenden Edelsteingrotte ein Therapeut im Rahmen eines interessanten kleinen Vortrages auch die gesundheitliche Bedeutung reiner Atemluft hervorhob, erlaubte ich mir, das "unkönigliche" Rauchen in der "Königlichen Therme" anzuprangern. Der schon im Abgang Begriffene antwortete schnell und kurz: "Ja, das Rauchen, das ist unser größtes Problem. Deshalb hoffen wir, dass der Gesetzgeber endlich handelt und in allen öffentlichen Räumen das Rauchen generell verbietet."

Ein Wort in das Ohr unserer Politiker; denn es verrät auf überzeugende Weise, dass sich bei uns im Nichtraucherschutz ohne gesetzliche Regelung so gut wie nichts tun wird. Natürlich ist es zugleich eine Ohnmachtserklärung unserer "Gesundheitsspezialisten", die - bis zu einer (erhofften) gesetzlichen Regelung - nicht auf die Idee kommen (wollen), nach Verbannung aller Aschenbecher ein schön gemaltes Schild am Eingang der Therme anzubringen etwa mit der Aufschrift: "Sie betreten eine Oase der Gesundheit. Wir bitten Sie deshalb, das Rauchen in allen Räumen der Therme zu unterlassen."

Hätte man das bereits bei der Eröffnung der Therme getan, gäbe es heute kein "Rauchproblem". Dafür gibt es genügend Beispiele. "Wehret den Anfängen!" Diese Mahnung gilt nicht zuletzt auch für den Gesundheitsbereich.

Gerhard Sensenschmidt
 

Passivrauchen bewirkt Schlafstörungen bei Kindern

Dr. Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) berichtete in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung von einer 1996 begonnenen Studie an neun- bis elfjährigen Kindern, die Ende 2000 abgeschlossen wurde. Dabei zeigte sich, dass Kinder in Raucherhaushalten doppelt so häufig Atemwegsinfektionen, Bauchschmerzen, Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen haben wie Kinder in Nichtraucherhaushalten. Auch Schlafstörungen sind bei Kindern, die in Haushalten mit Tabakqualm leben, dreimal so häufig wie bei Kindern, die in Haushalten mit rauchfreier Atemluft aufwachsen.
Süddeutsche Zeitung, 7.11.00
 

Frühes Rauchen macht anfällig für Angst

Rauchen bei Jugendlichen wirkt sich im Erwachsenenalter häufig in Ängsten aus. Das haben Wissenschaftler der Universität Columbia in New York bei einer Langzeitstudie mit 688 Probanden herausgefunden. Wer als Jugendlicher mehr als ein Päckchen Zigaretten täglich raucht, hat demnach ein 15,6 Mal höheres Risiko, später unter Panikattacken zu leiden. Nach Angaben der Forscher steigt durch starkes Rauchen in jugendlichem Alter auch die Wahrscheinlichkeit, Platzangst zu bekommen. ARD-Text Seite 546, 8.11.00

Nikotinabhängigkeit schon nach wenigen Tagen

Bisher wurde angenommen, dass die Nikotinabhängigkeit langsam beginnt und sich nur nach längerem täglichen Tabakkonsum ausbildet. Dies kann jetzt als widerlegt gelten. Eine Gruppe amerikanischer und englischer Wissenschaftler verfolgten über ein Jahr lang durch monatliche Befragung das Rauchverhalten von 681 12- bis 13-jährigen Schülern in zwei Kleinstädten in Massachusetts, USA. Etwa jeder Fünfte der 92 Schüler, die begonnen hatten, gelegentlich zu rauchen, zeigte schon innerhalb von vier Wochen Symptome der Nikotinabhängigkeit. Die meisten von ihnen gaben an, dass sie die ersten Zeichen der Abhängigkeit bereits verspürten, bevor sie regelmäßig rauchten oder zu der Zeit, als sie mit dem regelmäßigen Rauchen anfingen. Mitteilungen des ÄARG, 17/00
 

2,5-faches Risiko einer Lungenentzündung durch Passivrauchen

Mehr als einstündiges Passivrauchen am Tag erhöht das Risiko einer Pneumokokkeninfektion (Entzündung der Lunge) um das Zweieinhalbfache. Bei Rauchern beträgt der Faktor 4,1. Zu diesem Schluss kommt eine Studie, die in den drei Großstädten Atlanta, Baltimore und Toronto an 228 Personen mit Pneumokokkeninfektion und 301 Kontrollpersonen im Alter von 18 bis 64 Jahre durchgeführt wurde. Damit bildet Rauchen den höchsten unabhängigen Risikofaktor für diese Erkrankung. Mitteilungen des ÄARG, 17/00
 

Forschungspreis Rauchfrei Leben 2000

Der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit zeichnete zwei Wissenschaftlergruppen mit dem Forschungspreis Rauchfrei Leben 2000 aus. Die Gruppe von der Abteilung Gesundheitsökonomie an der Universität Ulm hat eine Berechnung der volkswirtschaftlichen Schäden des Rauchens in Deutschland vorgenommen. Nach ihrer Analyse müssen dem Rauchen pro Jahr 117.000 vorzeitige Todesfälle und 1,5 Millionen verlorene Lebensjahre zugerechnet werden. Die jährlichen Gesamtkosten des Rauchens beziffern die Volkswirtschaftler und Mediziner auf 33,8 Milliarden DM. Davon entfallen 9,3 Milliarden DM auf Krankheitskosten, 8,2 Milliarden auf den Ausfall an Arbeitskraft durch verlorene Lebensjahre und weitere 16,4 Milliarden auf den Ausfall durch Arbeits- und Erwerbsunfähigkeit. Die Wissenschaftler schätzen die wirklichen Kosten, die das Rauchen verursacht, als erheblich höher ein, da in ihrer Schadensrechnung die Produktivitätsverluste bei unbezahlter Arbeit wie der Hausarbeit oder der Betreuung Angehöriger nicht berücksichtigt sind.

Die zweite Gruppe von den Universitäten Hamburg und Graz ist der Frage nachgegangen, wie Tabakrauch die Blutgefäße schädigt. Sie stellten fest, dass der Rauch in den Gefäßwänden die Fehlsteuerung eines wichtigen Schaltelements, des Enzyms NO-Synthase, bewirkt. Normalerweise produziert dieses Enzym Stickstoffmonoxid, das die Gefäße erweitert und Verschlüsse verhindert. Unter Einwirkung von Tabakrauch stellt sich das Enzym auf die Produktion von aggressiven Substanzen, so genannten freien Radikalen, um, die die Gefäßwände schädigen und ihre Funktion nachhaltig beeinträchtigen. Die Ursache für die Fehlsteuerung der NO-Synthase sehen die Wissenschaftler in dem Mangel an Tetrahydrobiopterin, einer Substanz, die das Enzym für seine normale Funktion benötigt und die von reaktiven Stoffen im Tabakrauch unbrauchbar gemacht wird. Mitteilungen des ÄARG, 17/00
 

Passivrauchen macht auch Polizei krank

In einer Fragebogenaktion an 4.688 Hongkonger Polizisten und Polizistinnen, die nach eigenen Angaben niemals geraucht hatten, wurde untersucht, ob ein Zusammenhang zwischen deren Atemwegssymptomen, dem Aufsuchen eines Arztes wegen dieser Symptome und dem Passivrauchen am Arbeitsplatz besteht. Etwa 80 Prozent der männlichen wie auch der weiblichen Untersuchungsteilnehmer gaben an, dass an ihrem Arbeitsplatz geraucht werde. Durch das unfreiwillige Mitrauchen am Arbeitsplatz wurde das Risiko bei den Männern, an Halsschmerzen, Husten und Auswurf zu leiden, mehr als verdoppelt. Bei den Frauen stieg das Risiko etwa um das 1,5-fache an. Passivrauchen am Arbeitsplatz führte ebenfalls zu einer Zunahme der Arztbesuche wegen der Atemwegsbeschwerden um das 1,5-fache. Mitteilungen des ÄARG, 17/00

Nikotinsucht steht an erster Stelle

Die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren (DHS) veröffentlicht in ihrem Jahrbuch Sucht Daten zu den häufigsten Suchtmitteln. In der Ausgabe 2001 (mit Daten für 1999) stellt sie dar, dass in Deutschland jährlich mehr als 150.000 Menschen Opfer ihrer Sucht würden: Etwa 111.000 Raucher stürben an den Folgen ihres Tabakkonsums, 42.000 Trinker stürben an den Folgen des Alkoholkonsums. 1999 seien zudem 1.812 Rauschgifttote registriert worden.

Von den über 20 Millionen Rauchern stuft die DHS 6,8 Millionen als süchtig ein. Rund 2,7 Millionen Menschen konsumierten missbräuchlich Alkohol (also über das verträgliche Maß hinaus), weitere 1,6 Millionen seien alkoholabhängig. Die Zahl der von illegalen Drogen abhängigen Konsumenten wird auf 100.000 bis 150.000 geschätzt. In der Gruppe der Alkoholtrinker dominierten Männer mittleren Alters. Jeder Zweite von ihnen habe alkoholbezogene Probleme und trinke so viel, dass es zu gesundheitlichen Risiken komme, sich soziale Schwierigkeiten ergäben und sich über die Gefährdung schließlich eine Abhängigkeit entwickle.

Der Berliner Gesundheitsforscher Bergmann, der am Robert-Koch-Institut die gesellschaftlichen Folgen der Sucht untersucht und einige Ergebnisse für das Jahrbuch Sucht 2001 zusammenfasste, gab die volkswirtschaftlichen Kosten allein der Alkoholsucht mit insgesamt 40 Milliarden Mark je Jahr an. Davon würden 23 Milliarden Mark versursacht durch die vorzeitigen Todesfälle, durch Krankheitskosten und den dadurch bewirkten Resourcenverlust, also durch den Verlust an volkswirtschaftlichen Werten, die durch Krankheit und Tod nicht geschaffen werden konnten.

Die Dortmunder Psychologin Franke veröffentlichte im Jahrbuch eigene Forschungen über die unterschiedliche Herkunft alkohol- und tablettenabhängiger Frauen und stellte fest, dass Trinkerinnen statistisch eher gut gestellte Personen mit hohem Bildungsniveau sind, während Tablettensüchtige eher niedrige Bildung haben und häufig an Depressionen leiden. Beiden Gruppen gemeinsam sei eine überdurchschnittliche Einsamkeit, woraus Franke die Feststellung ableitet, ein Leben in Partnerschaft wirke im Blick auf Suchtgefahren präventiv. FAZ, 20.12.00


 

Ex-Raucher um die Hälfte häufiger krank als Nie-Raucher


 

Bei den Veröffentlichungen von Daten über das Rauchverhalten unterschied das Statistische Bundesamt nur zwischen Rauchern und Nichtrauchern. So war es nicht verwunderlich, dass ab der Altersgruppe der über 55-Jährigen die Raucher weniger krank schienen als die Nichtraucher. Denn in der Gruppe der Nichtraucher befanden sich auch die früheren Raucher. Die NID bat deshalb das Statistische Bundesamt um eine getrennte Auswertung der Daten. Und siehe da, es bestätigte sich, was bisher nur vermutet wurde. Die Ex-Raucher sind um die Hälfte häufiger krank als die Nie-Raucher.

.
Raucher sind "gesünder" als Ex-Raucher

Nimmt man die Raucher noch hinzu, zeigt sich, dass die gegenwärtigen Raucher weniger häufig krank sind als die Ex-Raucher. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom so genannten "Healthy Smoker", d.h. vom gesunden Raucher. Die gesundheitlich angeschlagenen Menschen rauchen von vornherein nicht. Alle anderen bleiben entweder Nichtraucher oder geben häufig erst dann das Rauchen auf, wenn sie krank geworden sind. Dann kann es allerdings für eine Gesundung zu spät sein.


 

Raucher sind im erwerbsfähigen Alter um rund 30 Prozent häufiger krank als Nichtraucher

Dies zeigt die Grafik auf der folgenden Seite. In praktisch allen Altersgruppen sind die Raucher um über 30 Prozent häufiger krank als die Nichtraucher. Bei den 20- bis 64-jährigen Rauchern beträgt der Krankenstand im Durchschnitt 9,1 Prozent, bei den gleichaltrigen Nichtrauchern 7,5 Prozent. Nimmt man nur die Altersgruppen der 20- bis 55-Jährigen, dann sinkt der Krankenstand bei den Rauchern im Durchschnitt auf 8,1 Prozent und bei den Nichtrauchern auf 5,9 Prozent. Die Differenz von 2,2 Prozentpunkten besagt, dass die Raucher um 37 Prozent häufiger krank sind als die Nichtraucher. Wer als Unternehmer über hohe Lohnfortzahlungen im Krankheitsfall klagt, sollte durch geeignete Maßnahmen den Anteil der Nichtraucher unter den Mitarbeitern erhöhen, z.B. durch einen wirksamen Nichtraucherschutz, Prämien, Unterstützung der Entwöhnung, Einstellung von Nichtrauchern usw.

Aus den absoluten Zahlen geht hervor, dass der Anteil der Raucher in der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen ihren Höhepunkt erreicht und dann rapide sinkt (von 2,35 Millionen auf 908.000 bei den 60- bis 64-Jährigen). Dagegen nimmt die Zahl der Nie-Raucher zu und erreicht bei den 60- bis 64-Jährigen einen gewissen Höhepunkt (3,165 Millionen). Dies ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass der Anteil der Nie-Raucher in früheren Jahren, erheblich höher war als heute.

Interessant ist, dass der Anteil der weiblichen kranken Nie-Raucher erheblich über dem der männlichen liegt. Anders ist die geschlechtsspezifische Situation bei den früheren Rauchern. Welche Gründe dies hat, lässt sich nur vermuten. Es sind wohl mehrere Faktoren, die hier eine Rolle spielen.


 
 
 
Kranke Nie-Raucher Kranke Raucher Kranke Ex-Raucher
männlich 8,3 % männlich 9,4 % männlich 16,2 %
weiblich 11,6 % weiblich 9,9 % weiblich 14,3 %
gesamt 10,4 % gesamt 9,6 % gesamt 15,5 %

 


 

Deutsches Ärzteblatt lässt Tabaklobbyisten zu Wort kommen

"WHO-Aktion gegen Tabak. Mit Tricks zum Ziel oder: Wie man Zustimmung organisiert." lautete die Überschrift zu einem Artikel, in dem der Verfasser, Hans-Joachim Maes, über die Bemühungen der WHO, ein Rahmenabkommen zur Kontrolle des Tabakkonsums zu Stande zu bringen, herfährt wie ein Geisterfahrer auf der Autobahn. Die NID hat daraufhin die Redaktion des Deutschen Ärzteblattes über den Verfasser informiert:

Hans-Joachim Maes ist dafür bekannt, dass er Vorgänge völlig einseitig darstellt, Dass er sich jetzt die WHO vorgenommen hat und deren Vorhaben eines internationalen Rahmenabkommens zum Rauchen durch Darstellung von Randproblemen torpediert, kommt nur für diejenigen überraschend, die ihn noch nicht von seiner W+D-Funktion her kennen.

"W+D Wissenschaft + Dokumentation" bezeichnet sich als eine "Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH" mit Maes als Geschäftsführer. Laut deren eigener Homepage vom 13. Dezember 2000 (wissdok.de) gibt W+D zwei Bücher heraus: den "Arzneiverordnungs-Report" und "Passivrauchen". Beide zeichnen sich durch einseitigste Kritik aus. Beim Passivrauchen zum Beispiel nimmt Maes alle Studien aufs Korn, die zu einer Bestätigung der Hypothese "Passivrauchen ist gesundheitsschädlich" führen. Dagegen bleiben nahezu alle Studien, die als Resultat hatten, Passivrauchen sei nicht gesundheitsschädlich, von jeglicher Kritik verschont.

Nicht gerade für Seriosität spricht, dass unter der W+D-Internet-Adresse wissdok.de zwar jeder Surfer Zugang zu Daten über die beiden Bücher (Punkt 7 und 8) erhält, nicht jedoch zu den auf dem Bildschirm mit blauer Schrift angebotenen Informationen. So bleibt ein Klick auf die anderen Punkte völlig wirkungslos: "1. Was ist W+D?" - 2. Wie erreicht man W+D? - 3. Unsere Philosophie - 4. Unsere Dienstleistungen - 5. Unsere Techniken - 6. Was ist W+D Nachsicht?". Eine Fehlermeldung erscheint, wenn man auf das Angebot "9. Kaufen" klickt.

Da die Einnahmen aus einem Verkauf des Buches "Passivrauchen" - realistisch gesehen - nie die Ausgaben decken, stellt sich die Frage nach dem Auftraggeber der Passivrauch-Dokumentation. Es liegt nahe, ihn bei der Tabakindustrie zu suchen. Denn in deren Dokumenten ist zu lesen (1988): "(Die weltweite Strategie von Philip Morris besteht darin), so viele Wissenschaftler auf internationaler Ebene zu koordinieren und zu bezahlen, wie nötig sind, um eine Auseinandersetzung über die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens am Leben zu erhalten.

Chefredakteur und Maes unter einer Decke?

Chefredakteur Norbert Jachertz reagierte erst eineinhalb Monate später auf eine Erinnerung der NID hin:

"Herr Maes hat in der Tat Stellung genommen, sowohl was die behaupteten Verbindungen zur Tabakindustrie angeht als auch zur Sache. Die Stellungnahme ist aus unserer Sicht voll befriedigend. Es handelt sich um einen redaktionsinternen Vorgang."

Daraufhin wandte sich die NID an Prof. Jörg-Dietrich Hoppe, den Präsidenten der Bundesärztekammer, die neben der Kassenärztlichen Vereinigung Herausgeber des Deutschen Ärzteblattes ist. Die NID schrieb u.a., dass die Handlungsweise des Chefredakteurs, die Stellungnahme von H.-J. Maes nicht zu veröffentlichen, kein Beispiel für verantwortungsvollen Journalismus sei, sondern die Vermutung zulasse, dass sowohl Maes als auch Jachertz Interessen verfolgen, die mit der grundsätzlichen Intention sowohl des Deutschen Ärzteblattes als auch der Bundesärztekammer nichts gemein hätten. Dem Wunsch des Präsidenten folgend nahm Chefredakteur Jachertz "gern" zum NID-Brief Stellung:

"Ich hatte Ihnen in der Tat mitgeteilt, dass ich Herrn Maes einmal mehr um eine Stellungnahme zu dessen Verbindungen zur Zigarettenindustrie bitten werde. ... Die Stellungnahme stellt mich zufrieden. Mehr war dazu von mir aus nicht zu tun, und dieses habe ich Ihnen mitgeteilt. Ich glaube nicht, dass ich darüber hinaus den Brief von Herrn Maes Ihnen zur Kenntnis geben kann und darf. Die Kritik der WHO am Artikel von Herrn Maes haben wir übrigens veröffentlicht (Heft 5/2001)."

Was der Chefredakteur nicht gesagt hat, ist, dass wesentliche Teile der WHO-Stellungnahme nicht veröffentlicht wurden. Doch nicht nur deshalb hakte NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause am 5. März noch einmal nach:

"... Eigentlich müssten Sie sich ja vorstellen können, dass ich nicht zufrieden damit sein kann, dass die Stellungnahme von Herrn Maes Sie zufrieden gestellt hat. In Ihrem Schreiben vom 30. Januar formulierten Sie noch ‚aus unserer Sicht voll befriedigend'. Haben Sie Herrn Maes denn schon gefragt, ob er damit einverstanden wäre, wenn Sie uns seine Stellungnahme zukommen ließen? Eine Weigerung würde allerdings nicht gerade Seriosität belegen. Zu Ihrer Information: Herr Maes hat schon andere Personen aufs Kreuz gelegt. Vielleicht wäre der Sache ja schon geholfen, wenn Sie sich dazu entschließen könnten zu versichern, dass Sie Herrn Maes auf Grund dieses Vorfalls keine Gelegenheit mehr geben würden, für das Deutsche Ärzteblatt Artikel zum Themenbereich Rauchen zu verfassen."

Kommentar: Ein Chefredakteur einer ärztlichen Zeitschrift, der Artikel zulässt, in denen Organisationen oder Personen angegriffen werden, ohne dass diese vorher Gelegenheit bekommen hatten, Stellung zu beziehen, versteht entweder sein Handwerk nicht, ist überfordert oder muss sich in der Tat Unseriosität vorhalten lassen. Dies gilt erst recht dann, wenn es um Informationen geht, die Leben oder Tod für eine Vielzahl von Menschen bedeuten können. EGK
 

Abstimmung über Rauchverbot darf nicht verweigert werden

Weigert sich der Leiter einer Wohnungseigentümerversammlung, über den Antrag auf ein Rauchverbot während der Versammlung abstimmen zu lassen, und verlässt daraufhin der Eigentümer aus Gesundheitsgründen die Versammlung, so ist dieser Vorgang einem rechtswidrigen Ausschluss des Wohnungseigentümers aus der Versammlung gleichzusetzen. Dies entschied das Oberlandesgericht (OLG) Köln am 16.8.2000 unter Aktenzeichen 16 Wx 87/00.

Soweit ein Wohnungseigentümer beantragt, ein Rauchverbot zu erlassen, handelt es sich um einen Geschäftsordnungsantrag, der ohne Ankündigung in der Tagesordnung zulässig und über den vor den Sachanträgen per Mehrheitsbeschluss abzustimmen ist. Weigert sich der Versammlungsleiter, eine Abstimmung herbeizuführen, leiden die im weiteren Verlauf getroffenen Beschlüsse unter einem formellen Mangel, denn "das Abschneiden des Rechts eines Wohnungseigentümers, Anträge zum Ablauf einer Versammlung zu stellen, durch die ein Passivrauchen unterbunden werden kann, das nach heute herrschender wissenschaftlicher Überzeugung in geschlossenen Räumen als gesundheitsgefährdend eingestuft wird, konnte ihm begründeten Anlass für ein Verlassen des Versammlungsraums geben und kam daher in seinen Auswirkungen einem rechtswidrigen Ausschluss von der Versammlung gleich."

Zuvor war der Nichtraucher in zwei Instanzen gescheitert. Bei der Verhandlung vor dem Amtsgericht Köln hatten der Versammlungsleiter und zwei erschienene Wohnungseigentümer behauptet, es sei über den Antrag abgestimmt worden, ob in der Versammlung geraucht werden dürfe oder nicht. Dabei hätten alle Anwesenden mit Ausnahme des Antragstellers gegen den Antrag gestimmt. Im Versammlungsprotokoll war davon jedoch nichts zu lesen. Der Amtsrichter begründete seine Entscheidung damit, dass die Abwesenheit des Antragstellers auf das Abstimmungsverhalten bzw. das Abstimmungsergebnis keine Auswirkungen gehabt hätte (Aktenzeichen 202 II 175/95).

In zweiter Instanz lehnte das Landgericht Köln unter Aktenzeichen 29 T 137/96 die Klage ab mit der Begründung, der nichtrauchende Wohnungseigentümer hätte keinen Anspruch auf Erlass eines Rauchverbots gehabt. Daher sei die Beschlussfassung inhaltlich nicht zu beanstanden.

Um die Frage, ob ein Anspruch auf ein Rauchverbot bestehe, gehe es jedoch zunächst nicht, sondern darum, ob der Versammlungsleiter über das beantragte Rauchverbot hätte abstimmen lassen müssen, meinte nun das OLG Köln in letzter Instanz. Es bleibt also weiterhin offen, ob Nichtraucher einen Anspruch auf rauchfreie Eigentümerversammlungen haben.
 

Europäische Union
Werbeverbote für Alkohol zulässig

Der Europäische Gerichtshof entschied am 8. März 2001 unter Aktenzeichen C-405/98), dass Werbeverbote für Alkohol im Interesse des Gesundheitsschutzes zulässig sind. In Schweden darf nämlich seit 1979 im Fernsehen nicht mehr für alkoholische Getränke geworben werden. Nach Ansicht der Richter sind solche Beschränkungen möglich. Voraussetzung ist aber, dass nicht gezielt Produkte aus anderen EU-Ländern benachteiligt werden und dass die gesundheitspolitischen Ziele nicht mit milderen Mitteln zu erreichen sind. FAZ, 14.3.01

Kommentar: Damit bestätigen die Richter den Vorrang der Gesundheit vor wirtschaftlichen Interessen. Wenn jedoch schon die Werbung für Alkohol, der in geringeren Mengen für gesunde Menschen nicht schädlich ist, verboten werden kann, dann erst recht die Werbung für Tabakprodukte. Letztere haben nicht einmal Kalorien zu bieten (ein Gramm Alkohol hat immerhin 4,1 kcal bzw. ca. 17 kJ), sondern zehren bei bestimmungsgemäßen Gebrauch an der Substanz. Deutsche Politiker, die angesichts dieser Faktenlage untätig bleiben oder gar ein Tabakwerbeverbot bekämpfen, handeln wider besseres Wissen und verstoßen gegen ihre propagierten Werte, die ohne Ausnahme dem Schutz von Kindern und Jugendlichen besondere Bedeutung beimessen. Sie machen sich zudem mitschuldig an Krankheit, Siechtum und vorzeitigem Tod von Millionen Menschen. EGK

Schweden
Sozialminister will rauchfreie Restaurants

Lars Engqvist, schwedischer Sozialminister, will im Herbst ein Gesetz auf den Weg bringen, das ein generelles Rauchverbot in Restaurants vorsieht - mit einer Ausnahme: In einem separaten Raum darf geraucht, aber nicht getrunken werden. Eine Art "Rauchersalon" wie Anfang des letzten Jahrhunderts. Der Vorschlag hat gute Aussichten, im Parlament eine Mehrheit zu finden, denn Schweden hat den geringsten Raucheranteil in der EU: nur etwa 20 Prozent "Nikotinsklaven". Margareta Persson vom Institut für Volksgesundheit, das vor eineinhalb Jahren die Initiative für rauchfreie Restaurants ergriffen hatte, meinte zu den negativen Reaktionen des Gaststättenverbandes: "Auch gegen das Rauchverbot am Arbeitsplatz gab es anfangs Widerstand. Inzwischen wird das allgemein akzeptiert." Süddeutsche Zeitung, 23.3.01

Spanien
Andalusien will Geld von der Tabakindustrie

Die Regierung der südspanischen Region Andalusien will die Tabakkonzerne an den Kosten des öffentlichen Gesundheitswesens beteiligen. Sollten sich die Unternehmen weigern, werde er sie verklagen, kündigte der andalusische Ministerpräsident Manuel Chaves an. Die Behandlung der durch das Rauchen verursachten Krankheiten koste seine Region umgerechnet 265 Millionen DM. Süddeutsche Zeitung, 24.3.01
 

Europäische Union
EU-Parlament und Ministerrat uneins über Tabak-Richtlinie

Die geplante neue Richtlinie zur Herstellung und Verpackung von Tabakwaren ist im EU-Vermittlungausschuss. Das EU-Parlament hatte in zweiter Lesung doch noch wesentliche Korrekturen an der Vorlage des EU-Ministerrates angebracht. Die Richtlinie "Herstellung, Aufmachung und Verkauf von Tabakerzeugnissen" regelt die Höchstgrenzen für Teer (10 Milligramm) und Nikotin (1 Milligramm) in Tabakwaren und schreibt größere Warnhinweise auf den Verpackungen vor. Hier gibt es keine wesentlichen Differenzen zwischen Ministerrat und Abgeordneten. Allerdings will das Parlament Begriffe wie "light" oder "mild" wieder zulassen, wenn sie traditioneller Bestandteil des Markennamens sind. Die Minister wollen solche Bezeichnungen generell untersagen. Härter als die Minister wiederum will das Parlament beim Verbot von Zusatzstoffen vorgehen. Ammoniak soll ganz verbannt werden, weil es die Sucht fördern soll. Beide Beteiligte sind sich einig, dass die schärferen Regeln auch für Exportzigaretten gelten sollen. Allerdings sind lange Übergangsfristen, zum Teil bis 2007, vorgesehen. Süddeutsche Zeitung, 16.12.00

Belgien:
Keine Zigaretten aus Schokolade mehr

Gesundheitsministerin Magda Aelvoet will die Süßigkeiten in Form von Zigaretten aus dem Verkehr ziehen, weil sie Kinder später dazu verleiten könnten, mit dem Rauchen anzufangen. Belgischen Medienberichten zufolge strebt die Ministerin zunächst an, dass die Hersteller freiwillig auf die Produktion verzichten. Geschehe dies nicht, sei auch ein Verbot möglich. FAZ, 1.11.00

Schweiz
Entwöhnungshilfe über Handy

Mit Kurzmitteilungen (SMS) über das Handy wollen Schweizer Gesundheitsexperten entwöhnungswillige Raucher vom Glimmstängel ablenken. Das Präventionsprogramm EMOX entstammt einer Idee der Berner Stiftung für Gesundheitsförderung und Suchtfragen und der Swisscom mobile. Verspürt der "Ex-Raucher" den Drang nach einer Zigarette, schickt er einfach eine SMS-Kurznachricht von seinem Handy an die Nummer 258. Nur kurze Zeit später erhält er eine Frage oder eine witzige Bemerkung als SMS zurückgeschickt, die bei der Swisscom per Zufallsgenerator aus 60 möglichen Antwort-SMS ausgewählt wird. Diese sollen den Benutzer zum Nachdenken anregen und den Griff zu Zigarette verhindern.
www.heise.de/newsticker/data/...
 

Die Pinkelzone im Schwimmbad

Ich hatte mich mit meiner Familie neulich dazu entschlossen - auch um das schöne Wetter noch ein wenig auszunutzen-, ein Schwimmbad aufzusuchen. Wir packten unseren Picknickkorb und los ging's.

Aaaah, das tat gut, im kühlen Wasser die ersten paar Runden zu schwimmen. Herrlich, dabei die Sonne auf der Haut zu spüren. Bald aber machte mich meine Tochter darauf aufmerksam, dass hin und wieder einige Leute, Männer und Frauen, ins Wasser pinkelten. Ich achtete einmal darauf, und es stimmte tatsächlich. Ich konnte das kaum glauben. Dieses herrliche Wasser zu versauen - das durfte doch wohl nicht wahr sein!

Ich also raus aus dem Wasser und zum Bademeister, ihm alles geschildert und - wie reagierte er? Er sagte: "Ja, ja. Wir wissen leider, dass es immer wieder Pinkler gibt, die außerhalb der Pinkel-Zone ins Wasser pinkeln." Wie bitte? Hatte ich richtig gehört? Pinkel-Zone? Und tatsächlich: hinten in der letzten Ecke des Beckens war eine kleine Zone abgegrenzt und mit einem Schild versehen: "Pinkel-Zone. Ab hier bitte nur Pinkler."

Ich ging etwas näher, um mir die Sache genauer zu betrachten. Und da waren sie: dichtgedrängt hingen sie am Rand des Beckens und unterhielten sich. Manchmal sah man, wie ein Pinkler genüsslich einen Strahl ins Wasser abließ. Die anderen Pinkler wollten von diesem Strahl natürlich nicht berührt werden, aber weil die Ecke halt so klein war, vermischte sich der Urin mit dem Wasser und alle Pinkler schwammen eben in einer mehr oder weniger dichten Urinbrühe.

Teile dieser Urinbrühe vermischten sich mit dem sauberen Wasser im Nichtpinkler-Bereich. Einige Nichtpinkler schüttelten darüber den Kopf, schwammen aber weiter ihre Runden. Andere Nichtpinkler gingen wie ich zum Bademeister.

Wieder andere waren schon dabei, die Sache wissenschaftlich anzugehen und hielten irgendwelche Messsonden in das Wasser der Pinkler-Ecke und in den Nichtpinkler-Bereich. Sie runzelten ob der gefundenen Messergebnisse sorgenvoll die Stirn. Man hörte so einige Wortfetzen wie "Bakterienverseuchung", "Urinkontamination", "bedenklich", "Zwangsbepinkelung", "drohende Hautausschläge" usw.

Wieder andere formierten sich langsam zu Gruppen. Eine dieser Gruppen hatte schon ein Transparent gemalt. Auf diesem stand: "Wir wollen kein verpinkeltes Wasser. Wir wollen in sauberem Wasser schwimmen. Unsere Kinder sollen nicht bakteriell verseucht werden."

Ich stellte mich mit meiner Familie zu dieser Gruppe und wir diskutierten angeregt. Es kristallisierte sich im Laufe der Unterhaltung heraus, dass wir alle eigentlich nur eines wollen: in sauberem Wasser schwimmen. Und da sich urinfreies und urinhaltiges Wasser in einem Becken leider nicht getrennt halten lassen, forderten wir eines: Absolutes Pinkelverbot im gesamten Becken. Keine Pinkelzonen mehr für Pinkler!

Was Pinkeln mit Rauchen zu tun hat? Finden Sie es heraus! W.G.
 

Skandal im Clemens-August-Stift

Kliniken sollten eigentlich ein Ort sein, an dem Kranke so behandelt werden, dass sie wieder gesund werden. Gisela A. hoffte auch darauf, als sie am 28. September 2000 eine stationäre psychosomatische Behandlung in der Clemens-August-Klinik Neuenkirchen begann. Zu ihrem Entsetzen stellte sie jedoch fest, dass sie in einem "Raucherparadies" gelandet war. Jede der sechs Stationen mit jeweils etwa 24 Patienten hatte einen großen Raucherraum. Auf ihrer Station war dieser etwa 5 mal 6 Quadratmeter groß. Die Hälfte der Patienten bestand aus Nikotinkonsumenten.

Als Gisela A. immer wieder die offene Rauchertür schloss, begann der Psychoterror, der sich bis hin zu einem in vulgärer Sprache gehaltenen anonymen Brief steigerte. In der Nacht drang Tabakrauch durch den offenstehenden Fensterflügel in das Zimmer von Gisela A. und hinderte sie am Schlafen. Ihre Vorsprache beim Chefarzt nützte nichts. Im Gegenteil: Sie wurde vorzeitig entlassen mit der von der Postbeamtenkrankenkasse nach Rückfrage bei den behandelnden Ärzten formulierten Begründung, "dass die Ihrerseits aufgeworfene Rauchproblematik in der Klinik bewusst wahrgenommen wurde, Ihnen eine befriedigende Lösung jedoch nicht angeboten werden konnte."

Hohn und Frechheit sondergleichen stellt jedoch die Antwort des Kuratoriumsvorsitzenden über den Caritasverband, Helmut Middendorf, dar. Diesem hatte Gisela A. ihre Erlebnisse geschildert, um Abhilfe zu erreichen. In seinem Brief vom 22. Februar 2001 an die "liebe Frau" A. heißt es:

"Wir sind über Anregungen von Patienten dankbar und bedauern, dass Sie nach Ihrer Ansicht ohne Therapieerfolg gegangen sind. Was die Häufigkeit der Raucherzimmer und der offen stehenden Türen in unserem Haus angeht, werden wir besprechen. Allerdings war es bislang immer unser Bestreben, Rauchern hinreichend Gelegenheit zu geben, damit auch sie sich in unserem Hause wohl fühlen.

Wer eine Allergie gegen Tabakrauch hat, soll sich therapieren lassen!

Wenn Sie so allergisch gegen Rauch sind, so dass Sie ihn schon durch das offene Fenster riechen oder Personen neben sich meiden, die möglicherweise geraucht haben, dann scheint mir, wäre eine Therapie bei Ihnen, um diese so starke Allergie abzubauen, durchaus angebracht. Eine Therapie kann ja auch zu einer größeren Toleranz verhelfen, so dass ich es, um die Tischgemeinschaft nicht zu beeinträchtigen, neben einer Person aushalte, die möglicherweise vor dem Essen geraucht hat.

Ich werde mit dem Chefarzt über Ihren Brief sprechen. So hoffe ich, sollten Sie noch einmal einen Aufenthalt in unserer Klinik erhalten, dass Sie sich dann wohl fühlen."

Diese für gesunde Menschen unbegreifbare Sichtweise wollte die NID nicht so stehen lassen. Vizepräsident Ernst-Günther Krause formulierte am 10. März:

"Sehr geehrter Herr Middendorf,

Ihr Schreiben vom 22.02.01 an die - ehemalige - Patientin Gisela A. ist schon ein starkes Stück. Anstatt sich darum zu sorgen, dass möglichst viele Ihrer Patienten ihre Gesundheit nicht mehr durch Rauchen schädigen, fordern Sie eine nichtrauchende Patientin dazu auf, durch eine Therapie die ‚Allergie' gegen Tabakrauch abzubauen.

Lassen Sie es mich klar sagen: Eine
dümmere Reaktion einer Person in vergleichbarer Stellung habe ich noch nie erhalten.

Menschen, die sich eine natürliche Reaktion auf Tabakgestank erhalten haben, sollen wohl ihre Geruchsorgane schädigen, damit sie das Schadstoffgemisch Tabakrauch nicht mehr wahrnehmen?

Wenn Sie Tabakrauch nicht mehr als Gestank wahrnehmen, dann liegt es wohl daran, dass Sie entweder selbst Raucher sind oder waren und deshalb Duft von Gestank nicht mehr unterscheiden können."
 

Die Bahn könnte, wenn sie wollte

NID-Mitglied Gerhard Haussmann forderte die Deutsche Bahn auf, den Ulmer Hauptbahnhof so wie den Augsburger zu gestalten. Dort seien die Wände rings herum mit Rauchverbotsschildern gekennzeichnet und die meisten Bahnfahrer hielten sich auch daran. In Ulm könne er jedoch keine drei Schritte gehen, ohne mit einem Menschen konfrontiert zu werden, der den Zigarettenqualm vor sich hin bläst.

Doch die Deutsche Bahn AG denkt nicht daran. In Augsburg, so Bahnsprecher Horst Staimer, sei die Bahnhofshalle nicht besonders groß. Deshalb habe man sich hier schon lange für ein Rauchverbot entschieden. In Ulm dagegen sei die Halle viel höher und die Belüftungsmöglichkeiten seien besser. Deshalb gebe es ein Rauchverbot nur im Reisezentrum. Dass sich die Rauchquellen nicht irgendwo hoch droben befinden, sondern alle höchstens zwei Meter über dem Boden und Luftverwirbelungen auch gute Belüftungsanlagen scheitern lassen, will die Bahn AG nicht zur Kenntnis nehmen. Und das Argument, dass nur ab und zu Beschwerden eingingen, ist kein akzeptables Argument. Würde die Bahn nämlich eine größere Zahl der Fahrgäste befragen, ergäben sich eindeutige Mehrheiten für einen rauchfreien Hauptbahnhof Ulm.

Doch lieber huldigt die Bahn einer Minderheit von Nutzern, die für den größten Teil des Drecks sorgen, den die Bahn mit hohem Aufwand beseitigen muss. Dass die Bahn mit solch rückwärtsgewandter Politik in absehbarer Zukunft ihr Defizit beseitigen kann, nehmen wohl nur jene an, die von Betriebswirtschaft und Kundenservice keine Ahnung haben oder deren Durchblick von selbst produziertem Tabakqualm getrübt wird. Das ist skandalös.
 

Erfahrungen eines Deutsch-Amerikaners

In der Hoffnung, ein klein wenig dazu beizutragen, die Verhältnisse für die Nichtraucher in Deutschland zu verbessern, schrieb ein Deutsch-Amerikaner einen Brief an die neue deutsche Gesundheitsministerin Ulla Schmidt. Volkmar Fiedrich hat ihn übersetzt:

Ich bin Deutsch-Amerikaner und schreibe Ihnen in der Hoffnung, dass Sie meine Worte zur Kenntnis nehmen, weil Sie neu in Ihrem Amt als Gesundheitsministerin sind. Als ich bald nach Kriegsende, in den fünfziger Jahren, Kind war, sprach meine Großmutter Deutsch und lehrte mich einige einfache deutsche Sätze. Ich war immer sehr stolz auf meinen deutschen Hintergrund und nie mit Schuldgefühlen und historischer Last der Art beschwert, wie sie sich bei den meisten Deutschen in den letzten 50 Jahren angesammelt haben. Wegen meiner unschuldigen Sichtweise dessen, was Deutscher zu sein bedeutet, habe ich in den letzten 15 Jahren die Deutschen und Deutschland immer dagegen verteidigt, was aus meiner Sicht ein unfaires Vorurteil fast im gesamten Rest der Welt war. Die Aussichten des neuen Deutschland seit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung fand ich aufregend, ebenso die Bildung einer Koalitionsregierung durch SPD und Grüne.

Im vergangenen Jahr wurde meine unschuldige Sichtweise zerstört. Sie müssen wissen, dass ich Asthma habe. Ich hatte die Illusion, ich könnte die Deutschen über die unvorstellbare Schädigung von Menschen mit Atemwegserkrankungen durch die soziale und kulturelle Akzeptanz des Rauchens in Deutschland aufklären. Während meiner Arbeit als Freiwilliger bei einer Nichtrauchergruppe in Berlin wurde ich in Dinge verwickelt, die sich für mich zu einem Alptraum auswuchsen.

Als ich mich in einem Nichtraucherbereich der U-Bahn an rauchende Personen mit der höflichen Bitte wandte, wegen meines Asthmas das Rauchen einzustellen, wurde ich verbal und körperlich angegriffen. In einem Gespräch mit Geschäftsinhabern und Sicherheitspersonal über Personen, die in ausgeschilderten Nichtraucherbereichen rauchten, erkannte ich die unglaubliche Einstellung, die in Deutschland hinsichtlich des Tabaks verbreitet ist.

Jetzt bin ich gründlich desillusioniert. Ich sehe, dass die Tabaksteuer eine wichtige Einkommensquelle für die deutsche Regierung ist. Ich erkenne, dass viele deutsche Raucher nur eine Beschneidung ihres Rechts auf Rauchen sehen, wenn andere saubere und unvergiftete Luft atmen wollen. In Berlin
wird ein Nichtraucher als intolerant bezeichnet, wenn er in einem Nichtraucherbereich einen Raucher um das Einstellen des Rauchens bittet. Ich musste auch die für mich unglaubliche Berliner Sicht von Freiheit ohne Verantwortung zur Kenntnis nehmen, bei der man sich nicht darum kümmert, dass diese Freiheit anderen Qualen bereitet.

Was ich jetzt nachfolgend sage, macht mir großen Kummer: Als Nichtraucher mit Asthma in Berlin lernte ich verstehen, was es bedeutete, in den dreißiger Jahren Jude sein. Wenn ich das meinen deutschen Freunden gegenüber äußere, erklären sie mir, ich dürfe so etwas auf keinen Fall gegenüber Deutschen sagen. Ich erfahre, dass Deutsche daraufhin wütend werden und meine eigentliche Aussage dadurch untergeht. Dies ist ein Teil des Problems. Wenn ich aber so etwas nicht sagen würde, wäre ich unaufrichtig und würde einem Zwang nachgeben. Wenn Deutsche das nicht hören können, wäre alles wahr, was der Rest der Welt über Deutsche denkt. Keine Personengruppe darf mit Recht erwarten, dass andere sich still und duldsam misshandeln lassen, nur damit sie weiterhin ihre eigenen Illusionen aufrechterhalten kann.

Ich weiß von den Millionen Deutscher, die ihr Leben führen würden ohne Bedrohung durch Tabakrauch, auf die sie an jedem Ort und an jedem Tag ihres Lebens treffen. Am meisten schmerzt es mich, wenn Deutsche mir erzählen, sie würden sich aus Angst vor Wut und Gewalt, wie ich sie erlebt habe, vor einem deutlichen Wort scheuen. Das sehe ich als das Wichtigste, was ich über den Zweiten Weltkrieg begriffen habe und was die meisten Menschen auf der Welt nicht verstehen. Deutsche waren ebenfalls Opfer von Deutschen.

In der U-Bahn in Berlin lernte ich das Stillhalten der guten deutschen Menschen kennen, von denen ich seit dem Ende des Krieges so viel gehört hatte. Deswegen verteidige ich jetzt Deutschland und Deutsche nicht mehr, denn nun verstehe ich die Angst anderer Nationen und Völker vor Deutschland. Deutschland ist die einzige Nation in Europa, die auf der Seite der Tabakindustrie anstatt auf der der Gesundheitsbefürworter steht. Ich werde deshalb nicht in das Land meines Großvaters zurückkehren.

Ich hoffe, dass Sie meine Worte nicht ignorieren, wie es so viele andere bei der Kritik eines Außenstehenden an Deutschland tun. Ich hoffe auch, dass Sie zumindest die deutschen Nichtraucher fragen, wie es ihnen ergeht. Und ich hoffe, dass ich eines Tages nach Deutschland zurückkehren und dort in ein Restaurant frei von Zigarettenrauch gehen kann, wie es heutzutage an vielen Orten der Welt möglich ist.

Robert Starkey
 

Gesundheitswegweiser erschienen

Im Januar 2001 ist die dritte aktualisierte Auflage des Gesundheitswegweisers erschienen. Er enthält die Beschreibungen (Aufgaben, Ziele, Angebote) von ca. 200 überregional tätigen Fachinstitutionen aus 20 gesundheitsrelevanten Themengebieten. Auch die NID ist darin aufgeführt.

Das etwa 600 Seiten starke Werk ist zu einem Preis von DM 36,- (einschließlich Versandkosten, Zahlung gegen Rechnung) beim Fachverlag Peter Sabo, Postfach 1069, 55270 Schwabenheim, Fax: (06130) 7971, E-Mail: peter.sabo@t-online.de, zu beziehen.
 

Rauchersprechstunde

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat eine neue Publikationsreihe begründet, die "Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle". Die Rote Reihe wendet sich an Experten, die dazu beitragen wollen, das Rauchverhalten in Deutschland zu vermindern. Der erste Band enthält das Beratungskonzept für eine 30-minütige Rauchersprechstunde, umsetzbar beispielsweise in Arztpraxen, Kliniken, Suchtberatungsstellen, Gesundheitsämtern oder in betrieblichen und anderen Gesundheitszentren. Es ist zu beziehen (Bestell-Nr.: 3184 0000) bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Fax (0221) 8992-257.
 

Kinder schützen

Im Fischer Taschenbuchverlag ist der Ratgeber "Kinder vor dem Rauchen schützen" erschienen. Das Buch richtet sich in erster Linie an interessierte, Rat suchende Eltern und PädagogInnen. Praktische Erfahrungen aus der Suchtprävention werden vor dem Hintergrund jugendlicher Verhaltensweisen dargestellt. Rauchende oder nicht mehr rauchende Jungen und Mädchen reden über ihre Probleme, Schwierigkeiten und Wünsche. Im Anhang finden sich u.a. Info-Materialien und Adressen von Beratungsstellen und Initiativen, darunter auch die NID. Es ist in Buchhandlungen für DM 15,90 erhältlich (ISBN 3-596-14716-6).
 

Marlboro steigt aus

Die Schadenersatz-Zahlung von über 150 Milliarden Mark an Raucher in den USA macht es möglich: Der Tabakkonzern Philip Morris zieht sich im nächsten Jahr aus der Formel 1 zurück. Damit muss Michael Schumacher wohl auf einige Millionen Mark jährlich verzichten. Denn ob ein anderer Sponsor auch bereit ist, jährlich 220 Millionen Mark in den Ferrari-Rennstall zu investieren, muss bezweifelt werden. Wie es auch kommen mag: Wichtig ist, dass die Tabakwerbung keine Chance mehr hat, durch Fernsehberichte über Autorennen das Tabakwerbeverbot im Fernsehen zu umgehen.
 

Längere Operationszeiten bei Rauchern

Bei Rauchern sind die Operationszeiten länger, sie verursachen höhere Fallkosten, ihr Blutverlust bei Operationen ist größer und sie brauchen längere Narkosezeiten. Nur wer einige Monate vor einer Operation aufhört zu rauchen, hat bessere Ergebnisse, Dies berichtete der schwedische Arzt Wolfgang Rauschning von der Orthopädischen Universitätsklinik Uppsala auf dem ersten Welt-Wirbelsäulen-Kongress in Berlin. dpa-Meldung1615, 29.8.00

Rauchverbot fördert Raucherentwöhnung

Untersuchungen amerikanischer Wissenschaftler ergaben: In Unternehmen mit Rauchverbot gewöhnen sich 36 Prozent mehr Angestellte innerhalb eines Jahres das Rauchen ab als in Firmen ohne entsprechende Regelung.
Berliner Morgenpost, 23.12.00
 

Rauchen im Flugzeug-WC kein gefährlicher Eingriff

Unerlaubtes Rauchen auf der Flugzeugtoilette ist kein gefährlicher Eingriff in denLuftverkehr. Mit dieser Entscheidung wies das Oberlandesgericht Düsseldorf die Beschwerde einer Fluggesellschaft zurück. Ein Fluggast hatte durch Zigarettenqualm den Alarmton eines Rauchmelders ausgelöst. Die Airline hatte daraufhin Strafanzeige erstattet. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren aber ein und wurde nun durch das Gericht bestätigt: Der Raucher habe keine konkrete Brandgefahr ausgelöst und auch der Warnton gefährde nicht die Sicherheit des Luftverkehrs (Aktenzeichen 1 Ws 362/00). Berliner Morgenpost, 16.12.00
 

Zigarettenpause macht Ausbruch möglich

Der Gewaltverbrecher Frank Schmökel konnte entkommen, weil seine zwei Bewacher eine Zigarettenpause eingelegt hatten. Das kostete einem unbeteiligten Bürger das Leben.
 

13-jähriger Raucher steckte Haus an

Ein 13-jähriger Raucher hat aus Versehen ein Mehrfamilienhaus im westfälischen Altena angesteckt. Er schnippte unachtsam seine brennende Zigarettenkippe in ein Kellerfenster und setzte so große Mengen Papier und ein Sofa in Brand. Der Junge, der ermittelt werden konnte, gab die Zigarettenaktion zu. Vom Feuer will er aber nichts bemerkt haben. Drei Frauen und ein Kind konnten unverletzt aus dem Haus flüchten. Westfälische Rundschau, 14.9.00
 

Schafkopf und Skat auf Teneriffa

Die meisten, die ich auf Teneriffa kenne, haben sich aus gesundheitlichen Gründen entschlossen, einen großen Teil des Jahres hier zu leben. Im Sommer bringt der Atlantik-Wind Kühlung und im Winter ist es auf der Insel viel wärmer als auf dem Festland. Einmal in der Woche trifft sich eine Gruppe zum Schafkopf-Spielen. Sie sucht Verstärkung und würde sich freuen, wenn aus Deutschland mal ein paar Zünftige hinzukämen. Skatspieler gibt es dagegen genug. Jeden Dienstagnachmittag sind meist sechs bis sieben Tische besetzt.

Wer Interesse hat, kann sich an mich wenden. Ich bin auch gern bereit, bei der Quartiersuche mitzuhelfen. Meine private Telefonnummer: 0034/922-867067. Hanni Werner
 

Internet-Gesundheitsforen

Die neue Gesundheitsplattform www. surfmed.at bietet medizinisches Basiswissen bis hin zu tagesaktuellen News. Eine besondere Stellung innerhalb des Informationsaustausches machen die Foren aus, in denen laufend Fragen gestellt oder Beiträge geliefert werden können.

Viel medizinische Informationen bietet auch die Internet-Adresse www.med-on-net.com, an der auch die NID mit einer Darstellung zum Passivrauchen und Nichtraucherschutz beteiligt ist. Über den Gesundheitspiloten --> Selbsthilfe & Beratung --> Sucht & Abhängigkeiten gelangt man auf die Seiten der NID.

Goethe-Pokal bekommt Ehrenplatz im Olympia-Museum

Nach zehn Jahren Wanderschaft auf allen Kontinenten bekommt der von Prof. Dr. Friedrich Portheine gestiftete Goethe-Wanderpokal seinen Ehrenplatz im Olympia-Museum in Lausanne. In den Jahren zuvor wurden Universitäten und Organisationen, die auf besonders geringe Raucheranteile (5 Prozent) verweisen konnten, ausgezeichnet. Am Columbustag endet die Pokalreise mit der Einstellungszeremonie.

Lungenposter ein Renner

Ohne Wissen der NID ließ die Nichtraucher-Initiative Frankfurt e.V. etliche Plakatwände mit dem Lungenposter bekleben. Das führte dazu, dass aus Frankfurt eine ganze Reihe von Anforderungen kamen, von Einzelpersonen genauso wie von Organisationen. Auch das Frankfurter Polizeipräsidium baute das Lungenposter mit Abbildungen einer Nichtraucher- und einer Raucherlunge und der Frage "Würden Sie auch dann noch rauchen, wenn Ihr Gesicht so schwarz wie Ihre Lunge würde?" in eine Entwöhnungskampagne ein. Kein von der NID angebotenes Poster hatte bisher eine derart große Nachfrage. Es gab auch ein paar kritische Stimmen. Sie legten die Frage wegen des Wortes "schwarz" als rassistisch aus. Die Entgegnung der NID, dass es bei der Auslegung von Worten auf den Kontext ankomme, der durch die Abbildung der Lungen eindeutig gegeben sei, blieb ohne Reaktion.
 

Wortgewandte Professoren ...

In einer Nische im kleinen Café,
da saßen sechs Professoren.
Sie waren wissenschaftlich auf der Höh
und sie waren große Rhetoren.

Es war eine Lust, ihnen zuzuhör'n,
geschliffen war'n ihre Worte.
Sie ließen dabei sich nicht einmal stör'n
durch Kaffee und Sahnetorte.

Der Jüngste von ihnen, ein geistreicher Mann,
der schon an der Uni weit oben,
steckt' pötzlich sich eine Zig'rette an;
dafür wollte keiner ihn loben.

Im Gegenteil, man rümpfte die Nas',
doch mehr nach innen als außen;
denn keiner der andren fünf wollte, dass
dem jungen Kollegen sollt' grausen

vor so viel beschämender Intoleranz.
So senkten den Blick sie nach unten
und haben dann ihren Unmut auch ganz
geduldig und brav überwunden.

Doch bei der fünften Zigarette dann
- die Luft war schon beißend vom Qualme -
musst' schwer sich beherrschen jedermann,
um nicht zu gehen auf die Palme.

Zumal der Raucher im Lokal
selbst keine Rücksicht zollte
dem Nachbarn, der nun endlich mal
die Torte kosten wollte.

Und einem kam jäh die Erinnerung
an eigene Raucherjahre.
Auch er war damals noch ziemlich jung -
ihm drohte schon fast die Bahre.

Man müsste, so dacht' er, ihm sagen doch,
wie groß des Rauchens Gefahren,
um ihn, der so klug, doch so jung auch noch,
vorm Schlimmsten zu bewahren.

Er schaute jetzt in sein blasses Gesicht,
das schon erste Falten zeigte;
er hörte die schönen Worte nicht,
sah nur, wie sein Körper sich neigte,

der allzu schlank, ja dürr schon war,
dass einen erbarmen musste.
War keiner denn sonst in der ganzen Schar,
der ihm das zu sagen wusste?

Nein, er wollte nicht der Erste sein,
der ihn zu warnen wagte!
So kam's - wie fast bei jedem Verein - ,
dass niemand etwas sagte ...

Gerhard Sensenschmidt
(nach einer Beobachtung in Husum im September 2000)
 

Lungenemphysem durch Rauchen

Das Lungenemphysem ist als typische Raucherkrankheit weit weniger im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert als der Lungenkrebs. Vor kurzem traf es das Model Christy Turlington. Vor der New Yorker Presse bekannte die 31-Jährige, dass sie seit ihrer Teenagerzeit stark geraucht und erst aufgehört hatte, als ihr Vater vor drei Jahren an Lungenkrebs erkrankte und starb. "Ich bin erschrocken, dass Rauchen dauerhafte Schäden in meinem Lungengewebe verursachte", kommentierte sie ihre Situation. Rückgängig machen kann man eine solche Aufblähung der Lunge generell nicht. Sauerstoffangereicherte Luft, spezielle Medikamente, in schweren Fällen aber auch Operationen, bei denen überblähtes Lungengewebe entfernt wird, verschaffen Linderung. Mit dem Rauchen sofort aufzuhören, ist bei weitem jedoch die wichtigste Maßnahme. Der Tagesspiegel, 14.12.00
 
 

Gutschein von der Bahn

Karl Raab, Mitglied der Nichtraucher-Liga Bonn e.V., wurde vom Reservierungssystem der Deutschen Bahn AG fälschlicherweise ein Platz im Raucherabteil zugeteilt. Obwohl er noch einen nicht reservierten Platz im Nichtraucherabteil finden konnte, schenkte ihm die DB Reise & Touristik neben entschuldigenden Worten ("einzelne Fehler nicht zu vermeiden") einen Reisegutschein im Wert von 30 DM.
 

Warum Raucher älter aussehen

Raucher sehen älter aus als Nichtraucher. Für dieses auch Laien bekannte Phänomen fanden jetzt britische Forscher um Antony Young von der Guy's, King's and St. Thomas' School of Medicine in London auch eine wissenschaftliche Erklärung, die im Wissenschaftsmagazin The Lancet veröffentlicht wurde. Die Wissenschaftler hatten bei ihren Untersuchungen herausgefunden, dass Raucher in ihrer Haut einen viel höheren Gehalt eines bestimmten Proteins aufwiesen als Nichtraucher. Dieses Protein ist für den Abbau von Kollagen verantwortlich, einer Substanz, die das Bindegewebe elastisch hält. Weil in der Haut von Rauchern folglich weniger Kollagen enthalten ist, altere deren Haut auch schneller und bekomme deshalb mehr Falten.
Süddeutsche Zeitung, 23.3.01
 

Informative Broschüren

Die Koalition gegen das Rauchen hat die Broschüre "Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz" mit Informationen zu gesundheitlichen und rechtlichen Aspekten herausgegeben (Text: Prof. Dr. Friedrich J. Wiebel). Eine weitere Broschüre im Rahmen des WHO-Partnerschaftsprojektes gegen Tabakabhängigkeit enthält insgesamt 20 Beiträge aus den Partnerländern (Polen, Großbritannien, Frankreich, Deutschland), aus den Arbeitsbereichen und aus Modellstädten. Beides ist zu beziehen über die Koalition gegen das Rauchen, c/o Bundesvereinigung für Gesundheit e.V., Heilsbachstr. 30, 53123 Bonn, Tel. (02 28) 987 27-0, Fax 642 00 24.
 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V. für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. Erscheinungsweise vierteljährlich.

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich) unter Beteiligung von Mitgliedern

Anschrift: Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim

Telefon: (089) 317 12 12
Fax: (089) 317 40 47
E-Mail: nid@nichtraucherschutz.de
Internet: http://www.nichtraucherschutz.de

Konto: Postbank München (BLZ 700 100 80) - Konto-Nr. 1924 45-803

Herstellung: Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.