Nichtraucher-Info Nr. 47 - III/02

Juli 2002


 Inhalt:

Nichtraucherschutz-Paragraf nimmt letzte Hürde

Der Welt-Nichtrauchertag in Deutschland

Bahnchef Hartmut Mehdorn Ex-Raucher des Jahres

WHO greift Tabakindustrie an

Mitgliederversammlung der NID

Rundum gelungen - die Mitgliederversammlung in Reimen

Gerhard Sensenschmidt wird 80

Jugendschutz: Fortschritt im Schneckentempo

Regierung Kohl Erfüllungsgehilfin der Tabakindustrie

Schock nach Anti-Tabak-Spot in Frankreich

Rauche nicht - Kampagne fördert Rauchen

Politische Initiativen in Wuppertal

Politische Initiativen in Berlin

Stewens kontra Seehofer

Konsum legaler Drogen nimmt weiter zu

Bundeswehr-Generalinspektor Harald Kujat mit Schnuller

Nichtraucher-Klausel im Mietvertrag

Franz Adlkofer – ein hoffnungsloser Fall

Ethische Leitlinien kontra Tabakindustrie

Verbrecherische Werbung  

Wahre Werbung

Tabakwarenverkauf im 1. Quartal 2002

Postbank warb mit Zigarre

Schülerwettbewerb "Be Smart – Don't Start" erfolgreich

Passivrauchen mindert Intelligenz von Kindern

Forschungspreis Rauchfrei Leben 2002

-> Passivrauchen verursacht bei Kindern Genschäden und Atemwegserkrankungen

-> Jährlich 140.000 Rauchertote in Deutschland

Echt?

Raucher wollen nicht weg vom Glimmstängel

Rauchfreier Kaffeegenuss bei Starbucks

Rauchen in Speiseräumen: Unerwünscht heißt nicht verboten

Gästefragebogen führt zur Nichtraucher-Zone

Umsatzrückgang im Gastgewerbe

DEHOGA verbreitet Wahlkampf-Checkliste

EU: Klage gegen Tabak-Richtlinie zu spät eingereicht

EU: Byrne gegen Zigarettenverkauf an Jugendliche

USA: Millionen Dollar für Passivraucher und Raucher

Rauchen und Passivrauchen gefährlicher als angenommen

Zigarrenfabrikant wird Schweizer Bundespräsident

Rauchfreies Tanzen in Bremen

Rauchfreies Tanzen in Köln

Privatuniversität in Stuttgart rauchfrei

Impressum

 

Abstimmung im Bundesrat: Nichtraucherschutz-Paragraf nimmt letzte Hürde

Mehr als ein Jahr nach der Entscheidung des Bundestages erlangt der Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz im Sommer Gesetzeskraft. Die letzte Hürde nahm der lang ersehnte Paragraf 3a am 21. Juni im Bundesrat. Die Ländervertretung stimmte unter TOP 39 der Änderung der Arbeitsstättenverordnung - verpackt in umfangreiche Änderungen des betrieblichen Arbeitsschutzes - wie erwartet zu.

Gemäß Artikel 82 Grundgesetz werden die Rechtsverordnungen von der Stelle, die sie erlässt (das ist in diesem Fall der Bundesarbeitsminister), ausgefertigt und im Bundesgesetzblatt verkündet. Enthält eine Verordnung kein Datum, an dem sie in Kraft treten soll, so tritt sie am vierzehnten Tag nach Ablauf des Tages in Kraft, an dem das Bundesgesetzblatt ausgegeben worden ist. Das ist vermutlich ein Tag im Juli 2002.

Die NID hat sich frühzeitig auf die neue Rechtslage eingestellt und die wichtigsten Informationen in der Broschüre Nichtraucherschutz.de festgehalten. Fast alle darin angeführten Quellen sind im Internet mit einem einfachen Klick abrufbar: www.nichtraucherschutz.de. Die Broschüre ist bei der NID kostenlos erhältlich.


 
Die Broschüre Nichtraucherschutz.de bietet insbesondere Informationen zum  Nichtraucherschutz

- am Arbeitsplatz
- in der Wohnung
- in der Gastronomie
- an anderen Orten

Sie ist kostenlos erhältlich bei der NID
Carl-von-Linde-Str. 11
85716 Unterschleißheim
( 089 3171212 ( 089 3174047
nid@nichtraucherschutz.de

und lokalen Nichtraucher-Initiativen

Die Broschüre Nichtraucherschutz.de im Internet:

www.nichtraucherschutz.de --> Dokumente --> Nichtraucherschutz.de

Welche Auswirkungen hat die neue Rechtslage?

Künftig ist der Arbeitgeber verpflichtet, "die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind". Das bedeutet, dass in Räumen mit Nichtrauchern generell nicht mehr geraucht werden darf, denn kein finanziell erschwingliches Belüftungssystem kann den Tabakrauch von Nichtrauchern in Räumen mit Raucherlaubnis wirksam fernhalten. Bei Raucherräumen und -bereichen muss darüber hinaus dafür gesorgt werden, dass der Tabakrauch nicht in andere Räume bzw. Gebäudeteile dringt. Ein wirksamer Nichtraucherschutz ist grundsätzlich nur dann gewährleistet, wenn kein Tabakrauch riechbar ist. Nach einer Umfrage der GfK-Marktforschung vom Oktober 2000 sind mindestens 4 Millionen nichtrauchende Erwerbstätige häufig oder ständig Tabakrauch am Arbeitsplatz ausgesetzt.

Wenn es nicht gelingt, betriebsintern eine rechtskonforme Lösung zu erreichen, kann sich der Arbeitnehmer künftig an das Gewerbeaufsichtsamt wenden. Dieses fordert dann den Arbeitgeber dazu auf, die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, z.B. ein Rauchverbot zu verhängen, Raucher und Nichtraucher in getrennten Räumen unterzubringen oder technische Mittel einzusetzen, z.B. Fensterventilatoren, die für Unterdruck im Raucherraum sorgen. Geschieht dies nicht, wird das Gewerbeaufsichtsamt in der Regel ein Bußgeld verhängen. Lässt der Arbeitgeber die danach gesetzte Frist verstreichen, wird die Behörde den Betrieb vor das Gericht zitieren.

Bei Mobbing hilft die NID

Wer Schwierigkeiten bzw. Mobbing am Arbeitsplatz befürchtet, wenn er sein Recht auf Gesundheitsschutz wahrnehmen will, kann sich an die Nichtraucher-Initiative Deutschland wenden. Diese bietet an, als Mittler zwischen den betroffenen Arbeitnehmern und dem Gewerbeaufsichtsamt zu wirken.

Neue Rechtslage bietet Arbeitgebern Argumentationshilfe

Die Vorschrift, nichtrauchende Beschäftigte vor den Gesundheitsgefahren des Tabakrauchs zu schützen, bietet Arbeitgebern Gelegenheit, schon lang ins Auge gefasste Schutzregelungen leichter umzusetzen. Gegenüber ihren rauchenden Mitarbeitern können sie dies jetzt mit der geänderten Rechtslage begründen.

Ökonomisch denkende Arbeitgeber müssten der Nichtraucherschutzregelung eigentlich positiv gegenüber stehen. Denn Raucher sind, das zeigen Daten des Statistischen Bundesamtes, im erwerbsfähigen Alter um rund 30 Prozent häufiger krank als Nichtraucher. Darüber hinaus geben viele Raucher erst dann das Rauchen auf, wenn irreversible gesundheitliche Schäden aufgetreten sind. Aus diesem Grund sind Ex-Raucher im erwerbsfähigen Alter genauso häufig krank wie Raucher. Eine rationale Entscheidung wäre es daher, den Anteil der Nichtraucher im Betrieb zu erhöhen und
Raucher möglichst schnell zur Aufgabe ihrer Verhaltensweise zu bewegen, z.B. durch Beschränkung der Rauchmöglichkeiten, Unterstützung von Raucherentwöhnungsmaßnahmen oder Prämien für Nichtraucher.

Raucherpausen müssen nicht bezahlt werden

In Tarif- und Arbeitsverträgen werden Anzahl und Dauer der Pausen geregelt, nicht jedoch deren Bezahlung. Aus diesem Grund hat ein rauchender Arbeitnehmer keinen Anspruch auf bezahlte Raucherpausen. Bei einer anderen Regelung würde sich ein Arbeitgeber leicht den Zorn der nichtrauchenden Beschäftigten zuziehen.

Bei DuPont ist das Rauchverbot in den Ausweis integriert:


 

Der Welt-Nichtrauchertag in Deutschland

Mit verschiedenen Aktionen wurde der Welt-Nichtrauchertag hierzulande gestaltet.

Internationales Flair bekam der Welt-Nichtrauchertag in Deutschland durch eine Großveranstaltung in München, an der Schulklassen aus 13 EU-Ländern teilnahmen. Sie waren die Gewinner des europaweiten Wettbewerbs rauchfreier Schulklassen (Smokefree Class Competition bzw. Be Smart - Don't Start), zu dem sie die kreativsten und beeindruckendsten Beiträge zum Thema Nichtrauchen beigesteuert haben. Durch das mehr als fünfstündige Programm aus Schüleraufführungen, Gewinnspielen sowie Musik- und Showeinlagen (u.a. von Jeanette Biedermann und der Gruppe Natural) führte die VIVA-Moderatorin und überzeugte Nichtraucherin Sarah Kuttner. Der Musiksender VIVA übertrug Ausschnitte des Bühnenprogramms live im Rahmen einer Sondersendung.

Gleichzeitig mit der Veranstaltung wurde eine gerade anlaufende dreijährige EU-Informationskampagne für das Nichtrauchen bei Jugendlichen präsentiert. Sie steht unter dem Motto "feel free to say no" (Fühl dich frei, Nein zu sagen). In drei Fernseh-Spots bekennen sich europäische Fußballstars - passend zur Fußball-Weltmeisterschaft - zum Nichtrauchen.

Links der Stand der Nichtraucher-Initiative München, dahinter die "Event-Bühne"

 

Eine der beiden Seiten der "Event-Bühne". Rechts drei schwedische Schülerinnen im Pippi-Langstrumpf-Kostüm beim "Fototermin".

Die "Event-Bühne" von vorn mit den Begrüßungsrednern

Die vielen Sitzbänke vor der Bühne waren immer voll besetzt. Für die Verständigung zwischen den Schülergruppen aus 13 EU-Ländern waren Englisch-Kenntnisse unerlässlich - was für manchen des Englischen Unkundigen zu Verständnisproblemen führte.

Zahnärzte warnen Raucher

Die Bayerische Zahnärztekammer bot am Welt-Nichtrauchertag allen Rauchern eine telefonische Beratung. Denn Rauchen führt zu einem erhöhten Parodontose-Risiko und in der Folge zu Zahnverlust.

Podiumsveranstaltung in Berlin

Das Forum Rauchfrei in Berlin führte am Vortag des Welt-Nichtrauchertags eine Podiumsveranstaltung in der Senatsverwaltung für Gesundheit, Soziales und Verbraucherschutz durch. Dabei stand der künftige Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz im Mittelpunkt. Die Broschüre Nichtraucherschutz.de lieferte dazu wertvolle Informationen zur Diskussion.

Tagung in Schwerin

Die Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Martina Bunge, lud zur ersten landesweiten Tagung des von ihr gegründeten Aktionsbündnisses gegen das Rauchen am Welt-Nichtrauchertag ein. Schwerpunkte waren die verschiedenen Dimensionen des Rauchens, die Raucherentwöhnung und die Auswirkungen des Rauchens auf den einzelnen Raucher und die Gesellschaft. Alles stand unter der Grundfrage: "Rauchen - private oder gesellschaftliche Verantwortung?"

Bahnchef Hartmut Mehdorn Ex-Raucher des Jahres

Der in diesem Punkt sehr rege Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher kürte den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, Hartmut Mehdorn, zum Ex-Raucher des Jahres 2002. In der Pressemitteilung heißt es:

Bis Dezember 2000 liebte der "Herr der Züge" seine Sumatra-Zigarillos über alles und rauchte eine nach der anderen. Doch dann war Schluss - von heute auf morgen. "Es war ein Weihnachtsgeschenk an meine Frau Helene!", so der Bahnchef. Und schließlich sei Nichtrauchen ja auch viel gesünder. Sein Rat an alle, die mit dem Rauchen Schluss machen wollen, ist kurz und knapp: "Einfach aufhören!", so Hartmut Mehdorn an den Aktionskreis Stuttgarter Nichtraucher.

Poster trafen zu spät ein

Wieder einmal trafen die Poster und Postkarten zum Welt-Nichtrauchertag (die Druckkosten und den Versand übernahm die Deutsche Krebshilfe) zu spät ein. In den meisten Bundesländern hatten bereits die Pfingstferien begonnen, so dass die wichtigste Zielgruppe in diesem Jahr: Kinder und Jugendliche, die über das Motto Ja zum Sport heißt Nein zum Tabak! ansprechbar sind, meist nicht mehr erreichbar war. Ob es im nächsten Jahr besser klappt?
 
 
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WHO greift Tabakindustrie an

Die Tabakindustrie pumpe trotz gegenteiliger Beteuerungen jedes Jahr Hunderte Millionen Dollar in Sportveranstaltungen, um für ihre Produkte zu werben. Meistens werde dies als Sponsoring getarnt. Allein in den USA hätten die Tabakkonzerne 1999 dafür 113,6 Millionen Dollar ausgegeben. Durch die Ausstrahlung der Formel-Eins-Rennen im Fernsehen erreichten die Tabakmultis bis zu 600 Millionen Zuschauer, darunter viele Jugendliche und junge Erwachsene. Das sagte WHO-Generalsekretärin Gro Harlem Brundtland in einer Pressekonferenz zum Welt-Nichtrauchertag. Die Tabakindustrie sei für jährlich vier Millionen Rauchertote zumindest indirekt verantwortlich.
 

Mitgliederversammlung der
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID)
m 13. April 2002 in Gerabronn

1. Protokoll

Herr Dr. Wolfgang Schwarz, Vizepräsident der NID, begrüßte anstelle des wegen eines Bahndammbruchs später eintreffenden Präsidenten, Prof. Dr. Ekkehard Schulz, um 14:15 Uhr in der Pension Seiffer (Horschhof) 21 Mitglieder, 8 Vertreter von Nichtraucher-Initiativen und 11 Gäste (vgl. Teilnehmerliste) und stellte die Beschlussfähigkeit der Versammlung fest. Danach trug Herr Ernst-Günther Krause, Vizepräsident der NID, den Rechenschaftsbericht für das Geschäftsjahr 2001 vor und erläuterte den allen Anwesenden vorliegenden Bericht über die Einnahmen und Ausgaben.

Frau Gisela Keiser bestätigte anschließend die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungsführung, deren Prüfung sie zusammen mit Herrn Werner Reimann vorgenommen hatte, und stellte Antrag auf Entlastung des Vorstands. Dem kam die Mitgliederversammlung einstimmig nach.

Herr Keiser leitete die Neuwahl des Vorstands. Sie führte dazu, dass der alte Vorstand bei vier Enthaltungen ohne Gegenstimmen wiedergewählt wurde.

Zu Rechnungsführern wählte die Mitgliederversammlung Herrn Gerhard Haussmann, Herrn Dr. Thomas Stüven und Herrn Klaus Timmermann einstimmig bei jeweils drei Enthaltungen.

Die Mitgliederversammlung legte danach mit großer Mehrheit (eine Gegenstimme, vier Enthaltungen) neue Euro-Jahresmitgliedsbeiträge fest. Sie betragen künftig für Einzelmitglieder 30 €, für Familien und Firmen 45 €. Mitglieder ohne bzw. mit geringem Einkommen (Schüler, Studenten, Rentner, Arbeitslose usw.) zahlen den halben Beitrag. Bei einer Doppelmitgliedschaft (Mitglied bei der NID und bei einer lokal-regionalen Nichtraucher-Initiative) beträgt der Beitrag künftig 5 € .

Künftige Schwerpunkte sollten - so das Ergebnis der Diskussion - die Umsetzung des Nichtraucherschutz-Paragrafen 3a der Arbeitsstättenverordnung, das Verbot der Tabakwerbung in der Öffentlichkeit, ein Verkaufsverbot für Tabakwaren an Minderjährige in Verbindung mit der Abschaffung der Zigarettenautomaten sowie der Nichtraucherschutz in der Gastronomie sein. Kontrovers diskutiert wurde die Frage, ob das im Jugendschutzgesetz enthaltene Rauchverbot für Jugendliche unter 16 Jahren beibehalten oder durch ein Verkaufsverbot für Tabakwaren an Minderjährige ersetzt bzw. ergänzt werden soll.

Herr Prof. Schulz dankte den Anwesenden am Schluss für ihren Einsatz und schloss die Mitgliederversammlung um 18:30 Uhr.

2. Rechenschaftsbericht

Hauptaufgabe der NID im Geschäftsjahr 2001 war es, den Beschlussprozess bei der Regelung des Nichtraucherschutzes am Arbeitsplatz durch Änderung der Arbeitsstättenverordnung zu begleiten und den Umsetzungsprozess durch das Arbeitsministerium zu beschleunigen. Gleichzeitig bereitete die NID die Erstellung der Broschüre Nichtraucherschutz.de durch Übersetzung von zwei umfangreichen wissenschaftlichen Studien aus dem Englischen ins Deutsche vor - mit finanzieller Unterstützung durch die Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung.

Wie schon in den Vorjahren engagierte sich die NID bei der Gestaltung des Welt-Nichtrauchertages. Sie informierte die Medien und versandte eine große Menge Material an Multiplikatoren und interessierte Bürger. Das NID-Motto für den Welt-Nichtrauchertag lautete "Rauchfreie Luft für freie Bürger!".

Neu ins Mediensortiment aufgenommen wurde das "Lungenposter", das in Zusammenarbeit mit dem Institut für Plastination entstand. Der Zahl der Anforderungen nach gehört es zu den gängigsten Plakaten. Vom Lungenposter gibt es auch eine Postkarte. Neu gedruckt wurden Rauchverbotsaufkleber, davon ein Teil mit dem Text "Bitte haben Sie Verständnis. Passivrauchen ist gesundheitsschädlich." Vom Gastronomieführer wurden 2001 1.455 Stück verkauft, so dass die Herstellungskosten gedeckt sind. Weiterhin kostenlosen Zugriff auf alle Daten über nichtraucherfreundliche Gastronomiebetriebe haben Interessenten über die nichtraucherschutz.de.

Insgesamt verließen 336 individuelle Briefe, davon etwa 20 per Fax und 178 per E-Mail, 125 Pakete/Päckchen und 5.162 Drucksachen die Geschäftsstelle. Hinzu kommen noch viele weitere Briefe des Vorstands im Rahmen der Bürgeranträge gegen Tabakwerbung und der NID-Referenten Gerhard Sensenschmidt (Schulen/Hochschulen) und Anton Sturm (Region Südostbayern)

Öffentlichkeitsarbeit leistete die NID mittels vier Ausgaben des Nichtraucher-Infos, Pressemitteilungen, Presse- und Rundfunk-Interviews, Stellungnahmen in Zeitungen und Zeitschriften, Leserbriefen und nicht zuletzt als Datenlieferant für Fernsehsendungen. Immer mehr Medienleute holen sich zunächst Informationen aus dem Internetangebot der NID. Viele von ihnen nutzen die Suchmaschine von NID-Mitglied Dr. Werner Eberl, mit der alle Nichtraucher-Infos der vergangenen Jahre nach beliebigen Begriffen durchsucht und die gefundenen Artikel angezeigt und ausgedruckt werden können.

Die gute Zusammenarbeit mit den Nichtraucher-Initiativen und dem Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit erleichterte die ehrenamtliche Tätigkeit und förderte sehr die Verfolgung vieler der gesetzten Ziele.

Die Zahl der Mitglieder erhöhte sich von 663 auf 694. Sie setzen sich zusammen aus 673 Einzelmitgliedern (432 männlich, 241 weiblich), 16 Nichtraucher-Initiativen und 5 Firmen. Ihnen allen für ihr Engagement an dieser Stelle herzlichen Dank!
 

Bericht über die Finanzbewegungen im Geschäftsjahr 2001
  
1 Steuerfreie Einnahmen
1.1 Mitgliedsbeiträge
1.2 Spenden
1.3 Zinserträge
1.4 Materialverkauf
1.5 Werbung im Nichtraucher-Info
1.6 Verkauf Gastronomieführer
1.7 Sonstige Einnahmen/Fehlüberweisungen
1.8 Steuerfreie Einnahmen insgesamt
2000
32.072,12
8.617,55
876,95
9,00
663,00
1.055,00
624,00
43.917,62
2001
34.951,90
11.131,42
903,31
264,20
0,00
5.324,05
24,00
52.598,88
2. Ausgaben
2.1 Porto und Telefon
2.2 Versandmaterial
2.3 Bürokosten
2.4 Druck- und Kopierkosten
2.5 Fahrt- und Tagungskosten
2.6 Mitgliedsbeiträge/Förderung
2.7 Aktualisierung Gastronomieführer
2.8 GfK-Umfrage
2.9 Sonstige Ausgaben (u.a. Kontogebühren)
2.10 Rückzahlung Fehlüberweisungen Vorjahr
2.11 Ausgaben insgesamt
2000
9.598,51
422,68
1.002,24
33.714,11
11.014,08
300,00
2.379,39
764,00
454,67
0,00
59.649,68
2001
13.752,50
876,43
2.172,93
27.734,29
4.623,69
300,00
0,00
0,00
348,32
624,00
50.432,16
3. Schlussbestände
3.1 Kassenbestand
3.2 Postbankkonto
3.3 Festgeldkonto
3.4 Schlussbestände insgesamt

Umrechnung in Euro 

2000
244,64
4.826,68
16.351,80
21.423,12

10.953,47

2001
0,10
2.882,83
20.706,91
23.589,84

12.061,29

Konzentriert und engagiert: Teilnehmer der Mitgliederversammlung
 

Die wiedergewählten Vorstandsmitglieder (von links): Dr. Wolfgang Schwarz, Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Ernst-Günther Krause.
 

Rundum gelungen

Die NID-Mitgliederversammlung 2002 in Reimen
von Gerhard Sensenschmidt

Wie sorgten wir uns doch erst sehr,
ob jeder würde finden her
in dieses abgeleg'ne Land,
das wenigen wohl nur bekannt.

Doch unsre Sorge musst' nicht sein:
fast alle trafen pünktlich ein,
und jeder gut geeignet fand
den Horschhof im Hoh'nloher Land.

Für unsrer Tagung wicht'ge Zwecke
ist gut solch eine stille Ecke,
wo man kann gehen in Klausur
und auch mal sprechen kann Fraktur
und manchmal auch kann heftig streiten
um unsern Weg, der zu beschreiten.

Nicht Nikotin, nicht Alkohol
braucht es, um sich zu fühlen wohl,
wenn Menschen sich zusammenfinden,
die gleiche Ziele eng verbinden.

Wenn alles wohnt in einem Haus,
springt mehr für die Gemeinschaft raus.
Man findet Zeit dann hier viel mehr
für manch Gespräch so nebenher.

Und es ganz selbstverständlich ist,
dass abends man beisammen sitzt
zum Singen, Vortragen und Lachen,
ja, auch ein Tanz kann Freude machen.
Es wurde toll improvisiert,
denn nichts war vorher einstudiert.

Was zeigten sich doch für Talente,
bis dahin völlig unbekannt.
Wir hörten gar Blasinstrumente,
die niemand hatte in der Hand.

Und einer die Gitarre spielte
ganz souverän zu jedem Lied.
Und alle sangen mit, man fühlte
sich heiter, keiner wurde müd.

Als Erster der Professor tanzte
mit seiner sehr charmanten Frau.
Auch meine Frau sprach: "Komm, das kannste
auch noch mit achtzig, komm und schau!"

Getrommelt wurde gar japanisch,
ganz meisterhaft, mit viel Geschick.
Und manchmal wurde es auch spanisch
beim Tanz und auch bei der Musik.

Auf Sächsisch hat es dann sehr nett
mit hoher kräft'ger Stimm' geklungen.
Zart bayrisch wurd' ein Schlafduett
japanisch-deutsch gemischt gesungen.

Allein für diesen Abend hätte
die Teilnahme sich schon gelohnt.
Dabei kam gar nicht man zu Bette
so spät, wie's mancher wohl gewohnt.

Am Sonntagnachmittag fuhr'n viele
nach Kirchberg noch, Schloss Langenburg
und wählten auch noch weitre Ziele
wie ob der Tauber Rothenburg.

So ist der Treff 2002
wohl für die meisten - das ist wahr -
gegangen viel zu schnell vorbei;
wir freu'n uns schon aufs nächste Jahr!

Bist du dann auch einmal dabei ... ?
 

Ein Mensch wird 80

Ein Mensch, der hätte nie gedacht,
dass ihm so lang die Sonne lacht.

Es drohten schon in jungen Jahren
dem Leben mancherlei Gefahren,
als er im Kriege Tag und Nacht
viel Zeit hoch in der Luft verbracht.
Doch Notlandungen, Notabsprung,
er überstand es, und noch jung
an Jahren hatt' er großes Glück:
nach Hause kehrt' er heil zurück.

Er wurde Lehrer mit viel Freude.
Vor keiner Arbeit er sich scheute,
wenn sie den Schülern kam zugute;
man sah ihn stets mit frohem Mute.

Doch öfter drückte es im Magen,
er konnte vieles nicht vertragen.
Es kribbelte auch oft am Herzen;
das alles war ihm nicht zum Scherzen.
Die Ärzte rieten dies und das;
es half nicht viel, nur bisschen was.
Doch was der Grund nun wirklich war:
selbst musst' er's finden, das war klar.

So hört' nach 15 Raucherjahren,
die auch ein Kriegsergebnis waren,
er plötzlich mit dem Rauchen auf.
Und sieh, schon ein paar Wochen drauf
verschwanden alle die Beschwerden,
der Mensch konnt' wieder fröhlich werden.
Das Leben war wie neu gewonnen
und alle Sorgen war'n zerronnen. -

Nun wird er 80, Leute, hört!
Doch hört auch, was er selbst erklärt:
"Ich säße nicht mehr mit im Boot:
als Raucher wär' ich längst schon tot ... !"

Gerhard Sensenschmidt
- zum 16. April 2002 -

Die NID bedankt sich bei Gerhard Sensenschmidt sehr herzlich für seinen großartigen Einsatz in mehr als eineinhalb Jahrzehnten. Wie kaum ein anderer hat er mit der Kraft und der Macht seiner Worte dazu beigetragen, die Vereinsziele zu verwirklichen. Dass ihm noch viele weitere aktive Jahre gegönnt sein mögen, wünschen ihm alle, die ihn kennen und schätzen.

Horst Keiser überreicht Gerhard Sensenschmidt zum 80. Geburtstag ein für Nichtraucher gut verwendbares Geschenk.
 

Jugendschutz: Fortschritt im Schneckentempo

Zuerst sollte das Jugendschutzgesetz noch in dieser Legislaturperiode geändert werden, dann in der nächsten. Doch die Wahnsinnstat eines "Jugendlichen" - rechtlich gesehen ein Erwachsener - in Erfurt machte den Politikern Beine. Nach dem Bundestag stimmte am 21. Juni 2002 auch der Bundesrat der Neuregelung des Jugendschutzgesetzes zu. Danach gibt es ab 2007 ein "Abgabeverbot von Tabakprodukten an Kinder und Jugendliche" - so die Formulierung in der Pressemitteilung des Bundesgesundheitsministeriums. Die Zigarettenautomaten müssen so gesichert sein, dass Personen unter 16 Jahren keine Packungen mehr entnehmen können. Gleichzeitig dürfen Werbefilme für Tabakwaren oder alkoholische Getränke erst nach 18 Uhr vorgeführt werden.

Diese Regelungen sind - ganz ernsthaft betrachtet - vergleichbar mit einem Weitsprungwettkampf, bei dem zwischen dem Letzten und dem Sieger 2 Meter liegen und der Vorletzte 3 cm weiter gesprungen ist als der Letzte. Mehr als 3 cm Fortschritt sind die neuen Normen nicht wert. In der Bevölkerung hätten die Politiker breite Unterstützung dafür bekommen, ein Abgabeverbot für Tabakwaren an die Volljährigkeit zu binden, denn Jugendliche sind immer auch Minderjährige. Nach dem Jugendgerichtsgesetz kann bei 18- bis 20-Jährigen als Heranwachsenden das Jugendstrafrecht angewandt werden. Was anders als der Druck der Tabak- und Automatenindustrie kann die Politiker veranlasst haben, so inkonsequent zu handeln? Ein Verbot von Werbefilmen in Kinos vor 18 Uhr ist nicht nur verlogen, sondern auch lächerlich. Verlogen deshalb, weil es genügend für 6- und 12-Jährige freigegebene Filme gibt, die nach 18 Uhr laufen, und lächerlich erst recht, weil Kinder und Jugendliche schon auf dem Weg zum Kino mit Plakat- und Vitrinenwerbung eingedeckt werden, ganz zu schweigen von der Werbung für legale Drogen in Zeitungen und Zeitschriften.

Von den rund 1,1 Millionen Zigarettenautomaten in den EU-Ländern stehen 800.000 in Deutschland. 400.000 der hierzulande aufgestellten Zigarettenautomaten sind öffentlich zugänglich. In den restlichen EU-Ländern sind es insgesamt nur 50.000. Das macht deutlich, dass der Widerstand gegen die Abschaffung der Zigarettenautomaten in Deutschland ungleich größer ist als in anderen EU-Staaten. Doch wer der jungen Generation ein Leben ohne Drogen ermöglichen will, muss sowohl den Zugang zu Tabakprodukten beschränken als auch die Zigarettenautomaten und die Tabakwerbung aus dem öffentlichen Leben verbannen. Wer an der Verfassungsmäßigkeit solcher Maßnahmen zweifelt, sollte das Bundesverfassungsgerichts-Urteil vom 22.1.97 unter Aktenzeichen 2 BvR 1915/91 lesen: "Im übrigen käme als Maßnahme, die - neben der staatlichen Gesundheitsaufklärung - anstelle der Warnhinweise geeignet wäre, den bedenkenlosen Tabakkonsum einzudämmen, vor allem ein Werbeverbot in Betracht. Auch Auflagen für den Vertrieb wären zu erwägen (z.B. Verbot des Automatenvertriebs und des Verkaufs an Jugendliche)."
 

Regierung Kohl Erfüllungsgehilfin der Tabakindustrie

Diese Überschrift wählte die Süddeutsche Zeitung für einen vierspaltigen Artikel über die Verbindungen zwischen der früheren Regierung Kohl und der Tabakindustrie, die in dem medizinischen Fachjournal The Lancet bloßgelegt wurden. Wegen seines Abstimmungsverhaltens in EU-Gremien war Deutschland in den Verdacht geraten, offene Ohren für die Tabaklobby zu haben. Zwei Politiker wurden namentlich genannt: der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der damalige EU-Kommissar Martin Bangemann.

Bei der Auswertung mehrerer Millionen vertraulicher Berichte in den Internetarchiven der Tabakkonzerne Philip Morris, R.J. Reynolds und Brown and Williams (British American Tobacco) stießen die Wissenschaftler wiederholt auf Staaten, bei denen die Tabakindustrie den Hebel ansetzte: Deutschland,

Großbritannien, die Niederlande, Griechenland und Dänemark. In einem Strategie-Papier von Philip Morris von 1993 heißt es, dass direkt mit dem damaligen Kanzler Kohl zusammengearbeitet werden müsse, um das Tabakwerbeverbot zu verhindern. In der Folge wurde die Bundesregierung mit Argumentationshilfen versorgt. Aus diesen übernahm sie ganze Passagen wortgleich in offizielle EU-Dokumente. 1993 notierte Tabak-Manager David Greenberg, dass die Bundesregierung das Gewünschte getan hätte. Außerdem steht in einem Dokument von Philip Morris, dass auch Dr. Werner Chory, Staatssekretär im damals auch für Jugend zuständigen Bundesgesundheitsministerium, ein "Verbündeter im Kampf gegen das Tabakwerbeverbot" sei. Unter den Dokumenten der Tabakindustrie befindet sich auch ein Dankesschreiben an Helmut Kohl.


 

Schock nach Anti-Tabak-Spot in Frankreich

"Warnung an die Verbraucher: Ein Produkt ist auf dem Markt, das Spuren von Quecksilber, Blausäure, Aceton und Ammoniak enthält" - mit diesem Hinweis in einem nur wenige Sekunden dauernden TV-Spot und in einer tags darauf in mehreren Zeitungen erschienenen ganzseitigen Anzeige ist in Frankreich die neueste staatliche Kampagne zur Förderung des Nichtrauchens angelaufen. Tausende besorgte Fernsehzuschauer und Zeitungsleser griffen innerhalb kurzer Zeit zum Telefonhörer, um das genaue Ausmaß der Gefährdung auszuloten und zu erfahren, welches Produkt gemeint sei. Da es keine Vorwarnungen gegeben hatte und das Info-Telefon schnell überlastet war, wendeten sich besorgte Hilfe Suchende auch an Zeitungsredaktionen und Gesundheitsämter.

Unter der im TV-Spot und in den Anzeigen angegebenen Gratis-Telefonnummer erhielten die Anrufer die Information, dass es sich bei den gesundheitsschädlichen Produkten um Zigaretten handle. Darüber hinaus erteilte die Stimme am Telefon Ratschläge, wie man sich das Rauchen abgewöhnen könne.

"Wir mussten unsere Kampagne dramatisieren und ein Klima der Krise verbreiten, um die Raucher aus ihrem Phlegma aufzurütteln", begründete die beauftragte Werbeagentur die ungewöhnliche Aktion des Staatlichen Instituts zur Vorbeugung und Erziehung in Gesundheitsfragen (INPES). Die Aktion kostet 4,57 Millionen Euro, soll drei Wochen dauern und im September wiederholt werden. Die Welt, 25.6.02
 

Rauche nicht - Kampagne fördert Rauchen

Angeblich will der Tabakkonzern Philip Morris mit der Kampagne "Think. Don't Smoke." Jugendliche vom Rauchen abhalten. Tatsächlich erreicht er aber mit seinen TV-Spots das Gegenteil. Die Kampagne "Truth" (Wahrheit) der unabhängigen US-Stiftung Legacy wirkt dagegen präventiv. "Truth" zielt darauf, die Imagepflege von Tabakkonzernen zu unterlaufen, indem es über deren Vermarktungsstrategien (geschickte Werbung) und zweifelhafte Praktiken (wie die Verschleierung von Risiken) informiert. So ließ Legacy Jugendliche 1.200 Rucksäcke vor dem Sitz eines Zigarettenherstellers auftürmen - als Symbol für die täglichen Todesopfer des Tabakkonsums. Interviews mit 9.000 Teenagern ergaben, dass unter dem Einfluss von "Think. Don't Smoke." der Anteil der Jugendlichen zunahm, die damit rechnen, in naher Zukunft mit dem Rauchen anzufangen. "Truth" hingegen stärkte die Haltung gegen Tabak und schärfte das Bewusstsein für dessen schädliche Auswirkungen.

Auf genau diese Erkenntnisse setzt auch die deutsche Tabakindustrie. Die 11,8 Millionen Euro für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (vgl. Nichtraucher-Info Nr. 46) dürfen laut Vereinbarung "nicht die Zigarettenindustrie, deren Produkte oder den Zigarettenhandel diskriminieren".
 

Wuppertal: 200 Meter Bannkreis für neue Zigarettenautomaten

Der Stadtrat von Wuppertal beschloss im März 2002, künftig keine neuen Zigarettenautomaten im Umkreis von 200 Metern rund um Schulen und Jugendzentren zu genehmigen. Bei den bereits aufgestellten Automaten bleibt der Stadt nur der Appell an die Automatenaufsteller, sie wieder abzubauen. Der Beschluss ging zurück auf einen Bürgerantrag gegen die Werbung für Tabakwaren auf öffentlichen Flächen und gegen Zigarettenautomaten aus dem Jahr 2000, der von NID-Präsident Prof. Ekkehard Schulz angeregt worden war. www.pipeline.de..., 28.2.02
 

Wuppertal: Anträge an den Bundesparteitag

Der Ortsverein Hahnerberg des SPD-Unterbezirks Wuppertal stellte zwei Anträge an den Bundesparteitag der SPD am 2. Juni 2002. Darin forderte er u.a. eine Einschränkung der Tabakwerbung gemäß den Intentionen der EU-Kommission, eine größere Aktion gegen das Tabakrauchen nach dem Muster der Anti-Aids-Kampagne sowie einen Verzicht auf Anzeigen der Tabakwirtschaft im Parteiorgan Vorwärts, auf die Ausstattung des Presseraumes eines Parteitages mit Tabakwerbung sowie auf sonstiges Sponsoring einschließlich Geldspenden durch die Tabakwirtschaft. Da der Parteitag ganz auf die Bundestagswahl ausgerichtet war, hatte der Antrag - noch - nicht den gewünschten Erfolg.
 

Berlin-Steglitz-Zehlendorf: Keine Tabakwerbung auf 50 Plakatwänden

Auf 50 großen Plakatwänden, die auf bezirkseigenen Grundstücken stehen, darf ab sofort nicht mehr für Zigaretten und andere Tabakprodukte geworben werden. Das hat Gesundheitsstadträtin Anke Otto von Bündnis 90/Die Grünen entschieden. Das Verbot erfolgte im Rahmen der Gesundheitskampagne "Leben ohne Rauch".
Berliner Zeitung, 8.3.02
 

Berlin: Wowereit sieht sich beim Rauchverbot bestätigt

Auf das Lob des Nichtraucherbundes Berlin reagierte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit kurz und bündig: Er fühle sich durch das Schreiben des Nichtraucherbundes, in dem dieser ihn für sein konsequentes Durchsetzen eines Rauchverbotes in den Senatssitzungen gelobt wurde, in seiner Haltung bestätigt.
 

München: Stewens kontra Seehofer

Bayerns Sozialministerin Christa Stewens (CSU) will den gesetzlichen Krankenversicherungsschutz für die Personen einschränken, die sich selbst schädigen. Dazu gehören an erster Stelle die Raucher. Doch wer stemmt sich dagegen: Horst Seehofer, Ex-Bundesgesundheitsminister, jahrelang der größte Lobbyist, den die Tabakindustrie in diesem Ministeramt je hatte. Und er will wieder Minister werden.
 

Konsum legaler Drogen nimmt weiter zu

Die legalen Drogen Nikotin und Alkohol fordern weit mehr Menschenleben als illegale Drogen. Darauf wies die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, bei der Vorstellung der Eckpunkte für den Aktionsplan Drogen und Sucht am 25. Juni 2002 in Berlin hin. Allein in Deutschland stürben jedes Jahr 110.000 Menschen an den Folgen des Nikotinkonsums, weitere 42.000 an den Folgen des Alkoholkonsums. Die Zahl derjenigen, die an den Folgen des Konsums illegaler Drogen sterben, nimmt voraussichtlich ab. So erlagen bis Ende Mai 410 Menschen dem Konsum illegaler Drogen, vorrangig Heroin. Das waren 38 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Dem Aktionsplan Drogen und Sucht zufolge soll der Kampf gegen die legalen Drogen verstärkt werden. Caspers-Merk zeigte sich besorgt über das sinkende Einstiegsalter. So würden schon 5 Prozent der 12-Jährigen regelmäßig Alkohol trinken und 7 Prozent regelmäßig rauchen. Der alte "Rauschgiftbekämpfungsplan" von 1990 sei einseitig auf illegale Drogen ausgerichtet und missachte die schweren Gefahren durch legale Drogen.
Süddeutsche Zeitung, 26.6.02

Zigarrenkopf Harald Kujat

Bundeswehr-Generalinspektor Harald Kujat mit Schnuller. Mitte des Jahres wird er Vorsitzender des Nato-Militärausschusses in Brüssel. Es ist zu befürchten, dass seine Zukunftsvisionen nur genau so weit reichen wie der Qualm einer Zigarre.
 

Nichtraucher-Klausel im Mietvertrag

Ein Ehepaar, Mitglied des Aktionskreises Stuttgarter Nichtraucher e.V., hatte mit einer Mieterin schriftlich ein Rauchverbot für eine Zwei-Zimmer-Wohnung vereinbart. Als die Mieterin trotzdem rauchte, kündigten die Vermieter den Mietvertrag. Gegen die fristgerechte Kündigung mit der Begründung, dass in der Wohnung vertragswidrig geraucht werde, erhob die Mieterin Widerspruch. Es folgte eine Räumungsklage beim Amtsgericht Stuttgart.

Der Richter wies in seinem Urteil vom 9.11.01 unter Aktenzeichen 30 C 6501/ 01 die Klage ab mit der Begründung, dass das vertragswidrige Verhalten der Mieterin "nicht die Schwelle einer nicht unerheblichen Vertragsverletzung" erreiche, und verwies die Vermieter "auf eine Unterlassungsklage als das mildere Mittel", da sich "bei unerheblichen Verstößen die Rechte der Vermieter auf diese Klage beschränken". Weiter führte der Richter aus: "Eine erhebliche Belästigung ist auch unter Berücksichtigung des wohlverstandenen Interesses der Kläger, in ihrem Haus nicht mit Zigarettenrauch konfrontiert zu werden, ebenfalls nicht zu erkennen."

Die NID empfahl den Vermietern, gegen das Urteil Berufung einzulegen, weil der Richter sich über das Empfinden anderer Menschen hinwegsetzt und bestimmt, was als erhebliche Belästigung anzusehen ist. Wenn zwei Parteien in freier Entscheidung vertraglich vereinbaren, dass in einer Wohnung nicht geraucht werden darf, dann legen sie damit auch fest, dass sie einen Verstoß gegen diese Vereinbarung in genau diesem Punkt als erheblich ansehen. Sonst hätten sie vereinbaren können, dass nur regelmäßiges Rauchen einen Vertragsverstoß darstellt.

In zweiter Instanz folgte das Landgericht der Auffassung des Amtsrichters nicht mehr. Allerdings drängte es auf einen Vergleich dergestalt, dass der Mieterin in Anbetracht der Wohnungssituation in Stuttgart eine Räumungsfrist bis Ende August 2002 eingeräumt wird und die Vermieter ihr für jeden Monat, den sie früher auszieht, 150 Euro Umzugshilfe zahlen. Da den Vermietern daran lag, die Situation so schnell wie möglich zu bereinigen, willigten sie ein. Noch im März zog die rauchende Mieterin aus.

Instanzenweg beschreiten!

Auffallend ist, dass die bisher bekannt gewordenen Urteile zum Anspruch auf Schutz vor dem Tabakqualm rauchender Nachbarn überwiegend aus der ersten Instanz stammen. Meist wurde das - unbestrittene - Recht des Rauchers, in seiner eigenen Wohnung oder auf dem Balkon zu rauchen, zum Maßstab aller Dinge erhoben. Auch wenn Rauchen gesellschaftlich akzeptiert ist: Die große Anzahl von Rauchverboten an den verschiedensten Orten zeigt, dass der Nichtraucherschutz als ein Gut angesehen wird, das höher einzustufen ist als das schrankenlose Rauchen. Fast drei Jahrzehnte Rechtsprechung auf dem Gebiet des Nichtraucherschutzes zeigen, dass häufig erst die Richter der dritten Instanz das Lustrecht des Rauchers dem Schutzrecht des Nichtrauchers unterordneten.
 

Franz Adlkofer - ein hoffnungsloser Fall

Prof. Gustav Schäcke, nationaler Sekretär der Internationalen Kommission für Gesundheit am Arbeitsplatz (ICOH) und Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin e.V. (DGAUM), hatte zum ICOH-Symposium über Passivrauchen am Arbeitsplatz am 10. April 2002 in der Ludwig-Maximilian-Universität, München, u.a. auch Prof. Franz Adlkofer, geladen. Dieser sollte ein Referat über epidemiologische Erkenntnisse beim Passivrauchen halten. Obwohl Internist und kein Epidemiologe, trug Adlkofer seine epidemiologisch begründeten Zweifel an Ergebnissen der IARC- und der Monica-Studie vor, die alle ein höheres Gesundheitsrisiko für Passivraucher bekundeten.

Gleich zu Beginn der Diskussion über den Vortrag meldete sich NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause zu Wort und entlarvte Franz Adlkofer als langjährigen Mitarbeiter des Verbandes der Cigarettenindustrie. Sichtlich unangenehm berührt ging der Versammlungsleiter, Prof. Schäcke, nicht direkt darauf ein, sondern bat darum, doch Fragen zum Inhalt zu stellen, was drei Teilnehmer des Symposiums auch taten. Alle kritisierten Adlkofer. Einer von ihnen wies sogar nach, dass Adlkofer die Statistik falsch interpretiere. Es sei im Gegenteil so, dass die Einstufung als Ex- bzw. Nie-Raucher sehr stabil sei, wenn man die Gesamtzahl der Befragten nehme und nicht nur eine Teilgruppe von geringer Zahl. Adlkofer konnte dies nicht widerlegen. Er hatte sich - nicht nur als selbst ernannter Epidemiologe - ordentlich blamiert.

 

Ethische Leitlinien kontra Tabakindustrie

Nach am selben Tag schrieb Ernst-Günther Krause an den ICOH-Sekretär:

Sehr geehrter Herr Prof. Schäcke,

es war ja wohl eine traurige Vorstellung, die der von Ihnen eingeladene Vertreter der Tabakindustrie heute beim ICOH-Symposium bot. Einen "Wissenschaftler", der ungestraft Lügner und Betrüger genannt werden kann (vgl. Anlage), sollten Sie scheuen wie der Teufel das Weihwasser. Wollen Sie sich tatsächlich noch in den letzten Jahren Ihrer wissenschaftlichen Laufbahn ihr Renommee als Arbeitsmediziner buchstäblich kaputt machen?

Wenn sich die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin nicht von allen Einflüssen der Tabakindustrie befreit, wird ihr Ansehen und ihr Einfluss in vielen anderen wichtigen Arbeits- und Umweltbereichen in den nächsten Jahren - nicht nur wegen des Nichtraucherschutz-Paragrafen in der Arbeitsstättenverordnung - abnehmen. Wollen Sie bei einer solchen Degeneration wirklich an vorderster Stelle mitwirken oder sind Sie sich mehr wert?

Am 23. Mai 1985 verabschiedete die Mitgliederversammlung der DGAUM die Ethischen Leitlinien für Arbeitsmediziner. Ich hoffe, dass Ihnen diese Leitlinien etwas bedeuten und Sie die Gesundheit und Sicherheit der Arbeitnehmer in den Mittelpunkt aller Ihrer Bemühungen stellen und nicht das Wohlergehen der Tabakindustrie.
 

Verbrecherische Werbung

Diese Zigarettenwerbung von Philip Morris in der Ukraine zeigt eine schwangere Frau.
 

Wahre Werbung

Wie Tabakwerbung aussehen sollte, zeigt die Abbildung einer Zigarettenschachtel aus Brasilien. Sie zeigt eine Frau unter 40 Jahren nach einer Lungenkrebsoperation, angeschlossen an medizinische Geräte. Immer häufiger tritt diese Krebsform in immer jüngeren Altersgruppen auf. Warum? Heutzutage haben es Kinder und Jugendliche sehr leicht, an Zigaretten zu kommen. Das Taschengeld ist in vielen Fällen so hoch, dass für Glimmstängel, die an nahezu jeder Ecke zu haben sind, genügend übrig bleibt. Die immense Zahl der Zigarettenautomaten macht's möglich. Je früher jemand zu rauchen anfängt, je mehr und je intensiver er täglich raucht, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass sich Krankheiten und Tod etliche Jahre früher einstellen. Die Einsicht "Hätte ich doch damals nicht ..." kommt dann leider zu spät.
 

Verkauf von Tabakwaren im ersten Quartal 2002

 
 
Tabakerzeugnis
Versteuerte
Verkaufswerte
1. Quartal 2002 gegenüber
1. Quartal 2001
Versteuerte
Mengen
1. Quartal 2002 gegenüber
1. Quartal 2001
Zigaretten
5,0 Mrd. €
+ 4,6 %
33,6 Mrd. St.
– 2,1 %
Zigarren und Zigarillos
139 Mill. €
+ 15,1 %
730 Mill. St.
+ 20,3 %
Feinschnitt
218 Mill. €
+ 17,9 %
3.273 Tonnen
+ 1,4 %
Pfeifentabak
22 Mill. €
– 7,3 %
213 Tonnen
– 7,7 %
Insgesamt
5,4 Mrd. €
+ 4,0 %
X
X
 

Die Erhöhung der Tabaksteuer zum 1. Januar 2002 führte zu einem mengenmäßigen Rückgang des Zigarettenkonsums um 2,1 %. Gleichzeitig stiegen die Ausgaben bei diesem Tabakerzeugnis um 4,6 Prozent. - der Finanzminister kann sich freuen. Wie  schon bei früheren Tabaksteuererhöhungen stieg ein Teil der Zigarettenraucher auf den billigeren Feinschnitt um. Schon wenige Umsteiger von Zigaretten auf Zigarren und Zigarillos reichen aus, um den Konsum bei diesen Tabakerzeugnissen erheblich zu beeinflussen. Wertmäßig gesehen bilden die Zigaretten mit 92,6 % mit Abstand das meistgerauchte Produkt.
 

Postbank warb mit Zigarre

Es ist zwar nachvollziehbar, was die Postbank bewegt hat, mit einer Zigarre "Für Ihr ganz privates Wirtschaftswunder - Postbank Kapital Invest" zu werben - es einfach hinzunehmen hieße jedoch, den Drogenkonsum von einfallslosen Werbefachleuten fördern zu lassen. Eine solche Werbung ist weder moralisch noch ökonomisch gerechtfertigt. Moralisch deswegen nicht, weil Rauchen absolut gesundheitsschädlich ist, und ökonomisch nicht, weil nur ein winziger Teil der Bundesbürger zu den Zigarrenrauchern zählt: Lediglich drei Prozent aller Raucher konsumieren ausschließlich Zigarren und nur zehn Prozent aller Raucher rauchen sowohl Zigarren als auch Zigaretten. Das bedeutet, dass bei einem Raucheranteil von 38 Prozent in der Bevölkerung zwischen 16 und 69 Jahren nur 3,8 Prozent eine Affinität zur Zigarre haben. Wer eine derart kleine Zielgruppe ansprechen will, sollte ein Werbemittel nehmen, das wirklich die Chance bietet, einen spürbaren Teil der potenziellen Kunden zu erreichen. Dies ist bei einer Werbung in einer Tageszeitung nicht einmal im Ansatz zu erreichen.

Umfrageergebnisse des Statistischen Bundesamtes zeigen: Je höher die Bildung und je höher das Einkommen, desto geringer der Anteil der Raucher. Wenn die Postbank Kunden mit Vermögen ansprechen will, muss sie sich an Nichtraucher wenden und alles vermeiden, worauf diese negativ reagieren: auf Rauchsymbole.

Die Postbank hat die Anzeigenwerbung inzwischen eingestellt.
 

Schülerwettbewerb "Be Smart - Don't Start" erfolgreich

Gudrun Wiborg und Reiner Hanewinkel vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung Nord (IfT Nord) stellten in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift 127/2002 ihre Studie des Schülerwettbewerbs Be Smart - Don't Start vor. Klassen, die an dem Programm teilnehmen, verpflichten sich, für ein halbes Jahr nicht zu rauchen. Klassen, die dieses Ziel erreichen, können eine Reihe attraktiver Preise gewinnen. Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob das Programm eine geeignete Maßnahme darstellt, bei nichtrauchenden Schülern den Einstieg in das Rauchen zu verzögen, und ob das Programm an unterschiedlichen Schularten gleich wirksam ist.

An der Studie nahmen 1.677 Schüler mit einem Durchschnittsalter von 12,8 Jahren teil, die über einen Zeitraum von 12 Monaten zu drei Messzeitpunkten (vor, direkt und 6 Monate nach Wettbewerb) zu ihrem Rauchverhalten befragt wurden. Diese Schüler besuchten Haupt-, Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien.

Nach Beendigung des Wettbewerbs zeigte sich, dass von den Schülern, die beim Wettbewerb mitmachten, signifikant weniger rauchten (7,6 %) als in der Kontrollgruppe (13,1 %). Innerhalb der Schularten ragten die Gesamtschulen hervor mit einer Raucherquote von 5,1 % gegenüber 16,6 % in der Kontrollgruppe. Schlussfolgerung: Der Wettbewerb ist zur Vorbeugung gegen das Rauchen geeignet.
 

Passivrauchen mindert Intelligenz von Kindern

Werden Kinder vollgequalmt, schadet dies ihrer geistigen Leistungsfähigkeit. Selbst wenn sie dauerhaft nur geringe Mengen Zigarettenrauch einatmen, können sie schlechter lesen, rechnen und schreiben. Raucht ein Elternteil weniger als eine Schachtel Zigaretten am Tag, reduziert sich der Intelligenzquotient (IQ) des Kindes um zwei Punkte, berichten amerikanische Forscher in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins New Scientist.

4.300 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 16 Jahren untersuchte das Team um Kimberly Yolton vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center in Ohio für die Studie. Die Wissenschaftler nahmen Intelligenz- und Lesetests vor und ermittelten die Konzentration der Abbauprodukte von Nikotin im Blut.

Nur ein Nanogramm des Nikotin-Stoffwechselprodukts Cotinin pro Milliliter Blut reicht aus, damit die geistigen Fähigkeiten eines Kindes schrumpfen. So fielen die Ergebnisse des Lesetests um einen Punkt und bei Mathematikprüfungen um einen dreiviertel Punkt pro Nanogramm Cotinin schlechter aus. "Diese geringe Abnahme ist im Einzelfall zwar sicherlich nicht spürbar", erklärte Yolton. "Doch das Passivrauchen ist als gesellschaftliches Problem dennoch von großer Bedeutung. Schließlich seien Millionen von Kindern täglich dem Tabakqualm ausgesetzt.
Spiegel Online, 8.5.02
 

Forschungspreis Rauchfrei Leben 2002

Den diesjährigen Forschungspreis Rauchfrei Leben des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit erhielten zu gleichen Teilen Gerald Baier als Vertreter von zwei Arbeitsgruppen aus der HNO-Klinik und Poliklinik sowie dem Institut für Toxikologie der Universität Würzburg und Ulrich John und Monika Hanke vom Institut für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Greifswald.

Passivrauchen verursacht bei Kindern Genschäden und Atemwegserkrankungen

Die beiden Arbeitsgruppen um Gerald Baier untersuchten 216 Kinder im Alter von 2 bis 15 Jahren, die in der HNO-Klinik Würzburg behandelt wurden. Die Studie umfasste eine HNO-ärztliche Untersuchung mit Blutabnahme, eine Allergiediagnostik und den Einsatz eines umweltmedizinischen Fragebogens.

Dabei stellte sich heraus, dass atopische Erkrankungen wie allergische Rhinitis (Heuschnupfen), Asthma und Neurodermitis in der passivrauchenden Gruppe signifikant häufiger (39,5 %) auftraten als in der nicht exponierten Gruppe (23 %). Da zugleich die genetische Vorbelastung durch Eltern und/ oder Großeltern bei den passivrauchenden Kindern signifikant niedriger war, ergab sich ein eindeutiger Zusammenhang zwischen atopischen Erkankungen und Passivrauchexposition.

Darüber hinaus belegen die höheren Adduktspiegel und Mikrokernraten der Kinder aus Raucherhaushalten zweifelsfrei eine gesundheitliche Belastung des kindlichen Organismus mit krebsfördernden und krebserregenden Inhaltsstoffen des Tabakrauchs durch Passivrauchen.

Jährlich 140.000 Rauchertote in Deutschland

Die Zahl der Menschen, die jedes Jahr in Deutschland an den Folgen des Rauchens sterben, wurde in den siebziger Jahren mit 140.000 angenommen. Bei der Berechnung griff man auf von der WHO verbreitete Daten und Fakten zurück. Kritik aus Kreisen der Wissenschaft, die nicht immer frei von Verbindungen zur Tabakindustrie war, ließ später die "amtliche" Zahl auf 90.000 sinken. Die Epidemiologen und Sozialmediziner Ulrich John und Monika Hanke aus Greifswald belegten mit ihrer Studie, dass hierzulande jährlich mindestens 140.000 Menschen an den Folgen des Tabakkonsums sterben.

Sie verwendeten dabei Daten aus dem Mikrozensus 1995 des Statistischen Bundesamtes sowie Daten des US-amerikanischen Departments of Health and Human Services als Grundlage für die Bestimmung der relativen Sterblichkeit für Raucher im Vergleich zu Nie-Rauchern. Das nicht ganz überraschende Ergebnis: Allein bei den Männern verursacht Rauchen 101.319 Todesfälle und bei den Frauen weitere 42.071. Somit sind 9,2 % aller Todesfälle bei Männern und 9,2 % bei Frauen - insgesamt 17 % - durch das Rauchen bedingt.
 

Echt?

Echt oder gefärbt? Das Rätsel um des Kanzlers Haarschopf beschäftigte die Medien mehr als manch anderes brennendes Thema. Objekt der Spekulationen war aber weniger die Echtheit des Haares, sondern die Echtheit und damit die Glaubwürdigkeit der Person, die das Haar schmückt.

Echt sein ist eine Tugend, die immer seltener wird, weil sie den Mut erfordert, sich notfalls über von der Öffentlichkeit vertretene Maßstäbe hinwegzusetzen. Viel leichter ist es, sich so zu zeigen und so zu verhalten, wie es andere von einem erwarten. Immer dem Zeitgeist nachgeben, sich dem Modediktat unterwerfen und mitmachen, was die anderen auch machen, "so bleibt man in".

"Um sich nicht auszuschließen" oder "Weil es die anderen auch tun" sind häufige Argumente von Kindern und Jugendlichen für das Rauchen. Im Grunde haben sie gar nicht das Bedürfnis zu rauchen. Sie beugen sich dem Diktat der anderen. Weil sie fürchten, so wie sie sind nicht angenommen zu werden, verleugnen sie ihre Bedürfnisse und Überzeugungen. Sie geben sich unecht, verbergen ihr wahres Wesen.

Von anderen "so wie ich eben bin" angenommen, akzeptiert, geschätzt und geliebt zu werden ist ein Lebensbedürfnis. Wem dies zuteil wird, dem wird es auch nicht schwer fallen, echt zu sein. Dessen Selbstwertgefühl wird nicht so leicht erschüttert. Selbst einige persönliche Unzulänglichkeiten können daran nicht rütteln. Schließlich hat jeder Mensch einige davon. Wer dagegen zurückgestoßen, abgelehnt oder erst gar nicht beachtet wird, der steht vor der Wahl, sich entweder in sein Schneckenhaus zurückzuziehen und mit einem lädierten Selbstwertgefühl zu leben oder zu versuchen, sein Selbstwertgefühl durch Verwandlung zu retten.

Die beiden Extremfälle aus dieser Verhaltensalternative sind auf der einen Seite der weltfremde Neurotiker und am anderen Ende der sich über alle ethischen Grundsätze hinwegsetzende Amokläufer. Der tragische Vorfall in einem Erfurter Gymnasium zeigt, zu welchen unvorstellbaren Handlungen ein junger Mensch fähig ist, dessen Selbstwertgefühl scheinbar hoffnungslos beschädigt wurde.

Das Rauchen ist zumindest bei jungen Leuten auch ein Mittel, um das Selbstwertgefühl zu stärken. "Um anzugeben" ist ein weiteres häufiges Argument junger Raucher.

Als Kompensationsmittel für ein beschädigtes Selbstwertgefühl steht das Rauchen zwischen den Extremen Schneckenhaus und Amoklauf. Es ist auch ein aggressives Verhalten - zum einen gegen das soziale Umfeld mit seinen lästigen Restriktionen, zum anderen aber auch gegen sich selbst. Damit verbindet das Rauchen die beiden scheinbar gegensätzlichen Tendenzen Rebellion und Resignation zu einer Einheit.

Die wichtigsten Voraussetzungen, um Kinder und Jugendliche gegenüber der Anfechtung des Rauchens widerstandsfähig zu machen, ist die Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühles. Dazu brauchen die Heranwachsenden Resonanz auf ihre Erscheinung und auf ihr Verhalten. Positive Seiten ihres Wesens suchen nach Bestätigung und Anerkennung, negative Wesenszüge und Handlungen erfordern Konsequenzen, die zur Korrektur des Verhaltens anregen, ohne die Persönlichkeit in Frage zu stellen. Wohlwollende Resonanz lässt sie spüren, wie sehr sie beachtet und geachtet werden. Das gibt ihnen Sicherheit und bewahrt sie davor, zweifelhaften Vorbildern und Verlockungen zu folgen.

Es ist durchaus nicht immer leicht, eigene Verhaltensgrundsätze und Bedürfnisse zur Geltung zu bringen, wenn die öffentliche Meinung - unterstützt durch Medien und Werbung - völlig andere Grundsätze und Bedürfnisse gutheißt. Wenn Schüler im Rollenspiel die Aufgabe bekommen, über das Rauchen zu debattieren, so stellt sich fast immer heraus: Es ist leichter, als Raucher seine Position glaubwürdig zu vertreten. Der Nichtraucher hat es viel schwerer, die anderen von seiner Haltung zu überzeugen. Für den Verzehr lässt sich in unserer Konsumgesellschaft eben besser argumentieren als für den Verzicht. Und das, obwohl die meisten Schüler eigentlich nicht rauchen wollen.

Der häufigste Grund für die Aufnahme des Rauchverhaltens ist der Wunsch, seine soziale Position zu verbessern. Das Kind beginnt zu rauchen, weil es kein Kind mehr sein will. Rauchen steht für Erwachsensein, weil Erwachsene rauchen dürfen, Kinder aber nicht. Das Tabu hat große Anziehungskraft. Eben deshalb bemüht sich auch die Tabakindustrie darum, dieses Tabu zu pflegen.

Rauchen steht auch für Männlichkeit. Noch im vergangenen Jahrhundert war es für Frauen tabu, in der Öffentlichkeit zu rauchen. Im Zuge der Emanzipation eroberten sich die Frauen mit Vehemenz diese Männerbastion. Noch heute nimmt das Rauchen bei Mädchen und jungen Frauen stärker zu als bei Jungen und jungen Männern. Es ist Ehrensache, den Männern ebenbürtig zu sein.

Rauchen symbolisiert Ansehen. Nicht umsonst lassen sich Prominente gern mit einem Rauchutensil ablichten oder als Pfeifenraucher des Jahres dekorieren. Kein Wunder, wenn unter den Heranwachsenden bevorzugt diejenigen zu rauchen beginnen, die unter Ihresgleichen das geringste Ansehen genießen.

Rauchen steht für Macht und Kompetenz. Das Rauchen war früher eine elitäre Angelegenheit. So war es eine besondere Ehre, in das Tabakskollegium des preußischen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm aufgenommen zu werden. Heute beginnen unter den Schülern als erste diejenigen zu rauchen, die nicht zur Elite gehören.

Das ursprüngliche Motiv für das Rauchen besteht darin, seinem persönlichen Image Schminke aufzutragen und damit den anderen blauen Dunst vorzumachen.

Der Nichtraucher gewinnt Sympathien, indem er sein Wesen ungeschminkt zur Geltung bringt. Dazu gehören seine Fähigkeiten und Interessen, seine Gefühle und seine Einstellung in all ihren positiven und negativen Schattierungen. Er verbessert sein Image durch Leistungen und nicht vordergründig durch leeres Gehabe. Er bestärkt sein Selbstwertgefühl durch Erfolgserlebnisse nach Erreichen anspruchsvoller Ziele. Dazu braucht er nicht die Genugtuung, sich gegen die Interessen anderer durchgesetzt zu haben.

Im Herzen jung geblieben zu sein, vermag er durch seinen Charme zu beweisen. Er muss dazu nicht unbedingt dem heute gängigen Jugendwahn erliegen, der durch Äußerlichkeiten zu bestechen sucht. Einem gesunden Selbstbewusstsein macht es nichts aus, ob der Haarschopf im Alter schon leicht ergraut oder noch "Havanna"-braun wie in stürmischen Jugendjahren ist. Wohl dem, der sich nicht hinter einem Rauchschleier verstecken muss.
Dr. Wolfgang Schwarz
 

Raucher wollen nicht vom Glimmstängel weg

Die Mehrheit der Raucher in Deutschland will nach einer Untersuchung der Weltgesundheitsorganisation ihr Verhalten nicht ändern. Nur etwa 43 Prozent fassen ins Auge, mit dem Rauchen aufzuhören. Dies ist im internationalen Vergleich sehr wenig - in Schweden wollen sich mehr als 80 Prozent, in den Niederlanden über 70 Prozent das Rauchen abgewöhnen.
www.de.yahoo.com - Juni 2002
 

Rauchfreier Kaffeegenuss bei Starbucks

Die US-Kette Starbucks hat in Berlin die ersten Kaffee-Häuser errichtet. Verschiedenste Kaffee-Sorten können dort in rauchfreier Luft zusammen mit Mehlspeisen, Sandwiches und Snacks genossen werden. Starbucks legt Wert auf eine komfortable und gemütliche Atmosphäre. Um die Ausweitung nach Deutschland auf stabile Beine zu stellen, haben Starbucks Coffee International und die KarstadtQuelle AG die KarstadtCoffee GmbH, Essen, gegründet. Die Anschriften der neuen Starbucks Coffee Houses:

Rosenthalerstr. 40-41, 10178 Berlin, Tel. 030 27890230

Pariser Platz 4 a, 10117 Berlin, Tel. 030 20617990
 

Rauchen in Speiseräumen: Unerwünscht heißt nicht verboten

In einer ganzen Reihe von Vier- und Fünf-Sterne-Hotels wird auf Tischaufstellern, auf Speisekarten, in Prospekten usw. darauf hingewiesen, dass Rauchen in den Speiseräumen unerwünscht ist. Rechtlich gesehen bleibt diese Formulierung bedeutungslos, da das Rauchen nicht verboten wird. Nichtraucher können deshalb auch keine rechtlichen Ansprüche gegenüber dem Gastwirt geltend machen, sollten Raucher ohne Anstand die Bitte nicht befolgen und Tabakgestank verbreiten.

Wie das Urteil des Amtsgerichts Frankfurt vom 15. 11. 2001 unter Aktenzeichen 30 C 1726/ 01-25 (vgl. Nichtraucher-Info Nr. 46, Seite 20) zeigt, muss ein Raucher, der seine Unterkunft über das Reisebüro bucht, damit rechnen, dass das Rauchen in den Speiseräumen von Hotels verboten ist, ohne dass dies einen Reisemangel darstellt. Wenn Gastwirte also ernsthaft an rauchfreien Speiseräumen interessiert sind, sollten sie dies auch klar sagen, z.B. mit den Worten: Bitte haben Sie Verständnis, dass das Rauchen im Speiseraum nicht gestattet ist. Danke!
 

Gästefragebogen führt zur Nichtraucherzone

Ein NID-Mitglied beklagte sich im Gästefragebogen über die Qualmerei im Frühstücksraum des Hotels Mercure Newa in Dresden. Die Accor Hotellerie, zu der das Hotel gehört, handelte rasch. In einem Gespräch mit dem Direktor des Hotels konnte sie durchsetzen, dass dieser den Frühstücksraum in einen Raucher- und Nichtraucherbereich aufteilt. An diesem Beispiel zeigt sich wieder, dass Eigeninitiative nicht immer, aber immer öfter zu Fortschritten beim Nichtraucherschutz führt.
 

Umsatzrückgang im Gastgewerbe

Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes nahm der Umsatz des Gastgewerbes im ersten Quartal 2002 im Vergleich zum ersten Quartal des Vorjahres real um 5,7 % ab. Der Umsatzrückgang traf alle drei Branchen. So setzten das Gaststättengewerbe 5,0 %, das Beherbergungsgewerbe 5,4 % und die Kantinen und Caterer 10,7 % weniger um. Bei Letzteren wirkte sich allerdings aus, dass die Osterfeiertage 2002 in den März fielen. Der allgemeine Trend setzte sich allerdings auch im April fort. Bei Kantinen und Caterern ging der Umsatz im Vergleich zum Vorjahresmonat um real 2,2 % zurück, im Beherbergungsgewerbe sank er um 3,9 % und im Gaststättengewerbe um real 10,1 %.
 

DEHOGA verbreitet Wahlkampf-Checkliste

"Wie werden Sie entscheiden?", so lautet der Titel der DEHOGA-Wahlkampf-Checkliste 2002, die in einer Auflage von 40.000 Exemplaren dafür sorgen soll, dass die Hoteliers und Gastronomen bei der Bundestagswahl die richtige Wahl treffen. Dass die ökonomischen Bedingungen durch mehr Nichtraucherschutz zu verbessern sind, kommt dem DEHOGA jedoch nicht in den Sinn.
 

Europäische Union: Klage gegen EU-Tabak-Richtlinie zu spät eingereicht

Die Klage der deutschen Bundesregierung gegen die EU-Tabak-Richtlinie wurde - mit oder ohne Absicht - einen Tag zu spät eingereicht. Damit kann das Exportverbot von starken Zigaretten von 2007 an wirksam werden. Die Richtlinie zur Herstellung, Aufmachung und zum Verkauf von Tabakerzeugnissen legt niedrigere Grenzwerte als bisher für Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidgehalt pro Zigarette fest.
Süddeutsche Zeitung, 18.5.02
 

Europäische Union: Kein Zigarettenverkauf an Jugendliche

Die Europäische Union will Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Zigaretten erschweren. EU-Verbraucherkommissar David Byrne begründete dies damit, dass die Wahrscheinlichkeit, als Erwachsener Raucher zu werden, sehr gering ist. Wer als Jugendlicher nicht mit dem Rauchen begonnen hat, bleibt meist Nichtraucher. Die EU schlug vor, den Verkauf von Zigaretten an Jugendliche zu untersagen und ihnen den Zugang zu Zigarettenautomaten unmöglich zu machen.

Mit diesen Maßnahmen soll den Bemühungen der Zigarettenindustrie entgegengewirkt werden. Byrne warf den Tabakkonzernen vor, sich in der Werbung besonders auf junge Käufer zu konzentrieren.
www.de.yahoo.com - Juni 2002

 

Miami/USA: 5,5 Millionen US-Dollar für Flugbegleiterin

Eine TWA-Flugbegleiterin hat einen Prozess über 5,5 Millionen Dollar gegen vier große US-Tabakkonzerne, die sie wegen einer durch Passivrauchen verursachten Stirnhöhlenerkrankung verklagt hatte, gewonnen. Seit 1997 versuchen 3.125 Flugbegleiter durch ein System von Sammelklagen über 349 Millionen Dollar gegen die Tabakkonzerne, eine Entschädigung für ihre Krankheiten, die sie durch jahrelanges Passivrauchen auf Flügen erlitten haben, zu erhalten. Bislang hatte jedoch keiner einen Prozess gewonnen. Bei den Beklagten handelt es sich um Philip Morris, R.J. Reynolds, Winston-Salem, Brown & Williamson und Lorillard.
www.de.yahoo.com - Juni 2002
 

Kansas City/USA: 15 Millionen US-Dollar für ehemaligen Raucher

Ein US-Bundesgericht hat den Tabakkonzern R. J. Reynolds zur Zahlung von 15 Millionen Dollar an einen ehemaligen Raucher verurteilt. Der Kläger David Burton, der 43 Jahre lang rauchte, bis ihm 1993 wegen einer Durchblutungsstörung beide Beine amputiert werden mussten, hatte dem Unternehmen vorgeworfen, die Gefahren des Zigarettenkonsums in der Öffentlichkeit zu verschleiern. Der Richter kritisierte in der Urteilsbegründung, R.J. Reynolds habe noch nicht einmal sein Bedauern über das zum Ausdruck gebracht, was dem Kläger passiert sei.
www.de.yahoo.com - Juni 2002
 

Rauchen und Passivrauchen gefährlicher als bisher angenommen

Tabakrauch ist nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowohl für Raucher als auch für Passivraucher krebserregender als bislang angenommen. Experten der International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO haben etwa 3.000 Studien ausgewertet, an denen mehr als eine Million Raucher teilgenommen haben.

Deren Zukunftsaussichten sind demnach grässlich. Mindestens jeder Zweite von ihnen wird an einer Krankheit sterben, die er sich mit dem Tabak eingehandelt hat - zum Beispiel an Krebs, aber auch an einem Herzleiden, Schlaganfall oder Lungenemphysem. Bei der Hälfte von ihnen wird der Tod schon im mittleren Alter eintreten - sie verlieren also im Schnitt 20 bis 25 Lebensjahre. Mit der Studie, die erst im Laufe dieses Jahres vollständig publiziert wird, ist nun erstmals bewiesen, dass Tabakkonsum auch Tumore in Magen, Leber, Gebärmutterhals und Niere auslösen kann. Raucher erkranken fünf- bis sechsmal so häufig an Krebs von Blase und Nierenbecken wie Nichtraucher.

Definitiv ist nun auch bewiesen, dass Passivrauchen töten kann, so das Fazit der WHO. Nichtraucher, die Tabakqualm einatmen, haben ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken.
Süddeutsche Zeitung, 21.6.02
 

Zigarrenfabrikant wird Schweizer Bundespräsident

Zum zweiten Mal ist der Mitinhaber der Zigarrenfabrik Villiger, Kaspar Villiger, nach 1995 für ein weiteres Jahr zum Schweizer Bundespräsidenten gewählt worden. Als Vertreter des Kantons Luzern, den er seit 1989 als Bundesrat vertritt, stand ihm dies zu. Die Tatsache, dass die Tabaksteuer in der Schweiz deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt, hat sicher rein gar nichts mit politischer Lobbyarbeit zu tun. Und dass die Schweiz bei den Maßnahmen gegen das Rauchen und für den Nichtraucherschutz zu den Entwicklungsländern zählt, ist ebenfalls rein zufällig und niemand sollte deshalb Böses vermuten ...

Anfang des Jahres hat sich der Bundesrat die Kompetenz erteilt, die Tabaksteuer um die Hälfte zu erhöhen. Jetzt wird sich zeigen, wie er sie zu nutzen weiß. Erhöht er sie in kleinen Schritten, damit die Raucher beim Stängel bleiben, oder wagt er den großen Schritt, damit der Tabakkonsum nachhaltig sinkt und Kinder und Jugendliche, die nur über geringe Geldmittel verfügen, vom Griff zur Zigarette abgehalten werden? pro aere 1/02
 

Rauchfreie Tanzparty in Bremen

Auf der Suche nach ausgelassenen Tanzangeboten mit großzügiger Tanzfläche, einem inspirierenden Musik-Mix und Atmosphäre entstand vor sechs Jahren die Idee der rauchfreien Tanzparty MEERA. Sie findet jeden 1. Samstag im Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich 70 b und jeden 2. und 4. Sonntag im Veranstaltungssaal der Friedensgemeinde, Humboldtstr. 175 statt. Im Juli macht MEERA Sommerpause. Nähere Auskunft erteilt
Martina Pruß, Zwickauer Str. 4, 28215 Bremen, Tel. 0421 37 12 48.
 

Rauchfreie Tanzparty in Köln

Monatlich einmal an einem Samstag - das nächste Mal am 13. Juli 2002 - treffen sich um 20:30 Uhr junge Frauen und Männer bei guter Musik im Nachbarschaftsheim Kreutzerstr. 5-7 zum rauchfreien Tanzen. Eintrittspreis 6,50 € inklusive 1,50 € Verzehr. Weitere Termine bei Ola Jannkov unter 0221 5718927 und www.tanzspass-koeln.de.

Privatuniversität in Stuttgart rauchfrei

Was empfindet ein Amerikaner, wenn er in eine Hochschule kommt, die nach eigener Aussage einen Spitzenplatz unter den Business-Schools anstrebt und in der munter geraucht wird? Er zuckt zusammen. Auf gleiche Weise reagieren auch die internationalen Professoren. Die Folge: das Renommee schwindet. Deshalb sind jetzt alle Aschenbecher im Gebäude des Stuttgart Institute of Management and Technology (SIMT), einer staatlich anerkannten wissenschaftlichen Hochschule in Stuttgart-Pliening, verschwunden. Wer es nicht lassen kann, muss im Freien rauchen.
Stuttgarter Zeitung, 12.4.02
 
 
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