Nichtraucher-Info Nr. 58 - II/05

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Gesundheitsministerium schließt Vereinbarung mit Betrügerverband Dehoga

Über die Vereinbarung zwischen dem Gesundheitsministerium und dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) ist in den Massenmedien zuhauf berichtet worden. Die NID hat in mehreren Interviews und auf ihrer Internetseite www.nichtraucherschutz.de dazu Stellung bezogen:

Der Präsident der Dehoga, Ernst Fischer, behauptete Anfang des Jahres 2004, dass das Gastgewerbe in Deutschland auf den Markt reagiert und bereits zahlreiche Angebote für Nichtraucher geschaffen habe. Die Aussagen Fischers stützten sich u.a. "auf eine repräsentativ durchgeführte Untersuchung eines renommierten Forschungsinstituts (Marktplatz Hotel, Anm. d.Verf.), bei der über 5.000 gastgewerbliche Unternehmer befragt wurden. Danach verfügen 39 % der befragten Restaurantbesitzer/-betreiber und 41 % der befragten Barbetreiber über einen separaten Gastraum für Nichtraucher", wie Heike Lehmann von der Dehoga in ihrer E-Mail vom 13. Februar 2004 schreibt.

Ein Jahr später schließt das Gesundheitsministerium eine Vereinbarung mit der Dehoga, wonach bis März 2006 30 Prozent aller Speisebetriebe 30 Prozent ihrer Plätze für Nichtraucher bereit halten sollen - obwohl doch schon Ende 2003 39 Prozent dieser Gaststätten über einen separaten Nichtraucherraum verfügt haben sollen. Die Barbetriebe, die doch schon laut Fischer zu 41 % über einen separaten Gastraum für Nichtraucher verfügt haben sollen, werden sogar ganz ausgeklammert.

Die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) hat in ihrer Vereinszeitschrift Nichtraucher-Info vom April 2004 der Dehoga Manipulation vorgeworfen und 1.000 Euro ausgesetzt für die Person, die bis 1. Juli 2004 als erste in Deutschland eine Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern findet, in der 4 von 10 Restaurants oder 4 von 10 Bars einen separaten und uneingeschränkt für Nichtraucher bestimmten Gastraum anbieten. Niemand konnte den Nachweis führen.

Die NID erklärte sich bereit, die Kosten für die Überprüfung der von der Dehoga in Auftrag gegebenen Repräsentativstudie durch einen unter Eid stehenden Sachverständigen unter der Bedingung zu übernehmen, dass diesem sämtliche Umfrage-Unterlagen - also auch die Daten der befragten Betriebe - zur Verfügung gestellt werden. Von der Dehoga kam keine Reaktion. Sie befürchtete wohl die Aufdeckung ihres Betrugs. Es handelt sich dabei um einen Betrug mit Auswirkungen auf die Gesundheit von Millionen Beschäftigten und Gästen. Jeder Tag ohne Nichtraucherschutz in der Gastronomie ist für zehntausende Beschäftigte und hunderttausende Gäste eine gesundheitliche Belastung, die zu Krankheit, Siechtum und frühen Tod führt.

Wer angesichts der vorgetragenen Tatsachen dem Betrügerverband Dehoga auch noch die Erfolgsermittlung überlässt, der ist nicht ernsthaft an einem wirksamen Nichtraucherschutz in der Gastronomie interessiert und stellt sich damit auf eine Stufe mit den Betrügern.

 

Nur die Tabakindustrie muss sich vor einem Rauchverbot in Gaststätten fürchten!

Sowohl das seit 10. Januar 2005 in Italien geltende Rauchverbot in Gaststätten als auch die Erfahrungen mit rauchfreien Gaststätten in anderen Ländern zeigen deutlich: Nur die Tabakindustrie muss sich vor einem Rauchverbot in Gaststätten fürchten, denn der Zigarettenverkauf ging mit dem Rauchverbot spürbar zurück. Ganz anders beim Gaststättenumsatz. Ob in Irland, Norwegen, Australien oder den USA: Allenfalls in einer kurzen Umstellungsphase kam es zu Umsatzrückgängen. Nach ein paar Monaten hatte sich alles wieder eingespielt. Die Raucher kamen wieder, weil sie Leere und Einsamkeit fürchteten, und viele bisher abstinente Nichtraucher kamen, weil sie endlich Appetit anregende und keine Appetit verderbende Luft einatmen konnten.

Wird weniger geraucht, bleiben oder werden mehr Menschen gesund. Der Freude der Gesundheitsministerin steht das Leid des Finanzministers gegenüber. Aber nur kurzfristig. Denn auch ihm müsste klar sein, dass gesunde Bürger leistungsfähiger sind als kranke, die keine oder weniger Steuern zahlen. Die Gesunden sorgen solidarisch für die Kranken. Wer sich jedoch krank raucht, verdient nicht die Solidarität der Gesunden.

Über die Senkung des Tabakkonsums müsste sich eigentlich auch der Arbeitsminister freuen. Denn jeder Euro, der in Güter und Dienstleistungen fließt, die nichts mit Tabak zu tun haben, schafft Arbeitsplätze. Das liegt ganz einfach daran, dass in der Tabakindustrie ein Beschäftigter für einen Umsatz (ohne Tabaksteuer) sorgt, für den in anderen Industriezweigen mindestens zwei bis drei Beschäftigte erforderlich sind.

 

Deutliche Mehrheit für Rauchverbot in Gaststätten

Drei von fünf Deutschen (59 Prozent) wünschen sich ein Rauchverbot in Gaststätten wie in Italien. Das ergab eine repräsentative polis-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa. In Ostdeutschland sprachen sich sogar 67 Prozent der Befragten für rauchfreie Gaststätten aus. Die Zahl der Befürworter italienischer Verhältnisse steigt mit dem Alter. So wollen 66 Prozent der Bundesbürger über 55 Jahren in Gaststätten rauchfreie Luft atmen. Auch bei den Geschlechtern gibt es signifikante Unterschiede. So wünschen 63 Prozent der Frauen ein Rauchverbot in Gaststätten. Für die Studie wurden 1.014 Bürger ab 14 Jahren befragt.

Die Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung hat bei der GfK Marktforschung eine Umfrage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen eines Rauchverbots in Gaststätten in Auftrag gegeben, deren Ergebnis aber bei Redaktionsschluss noch nicht vorlag.

 

Wer misst mit?

Die NID und der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit (ÄARG) haben zwei Partikelmessgeräte angeschafft, mit denen die Tabakrauchkonzentration in der Raumluft gemessen werden kann. Damit ist der Nachweis möglich, dass die Luft in einem Raum auch in größerer Entfernung von der Qualmquelle bei den gängigen Belüftungssystemen mit Tabakrauch kontaminiert ist. Es ist zunächst daran gedacht, die Messungen in monopolartigen Einrichtungen vorzunehmen, z.B. in Flughäfen und Bahnhöfen sowie in Nichtraucherabteilen und -wagen von Zügen der Deutschen Bahn. Danach sollen sie auf andere Orte und Einrichtungen mit ausgewiesenen Nichtraucherzonen ausgedehnt werden.

Zurzeit werden die Geräte, die in den USA hergestellt worden sind, getestet. Anschließend wird eine Bedienungsanleitung in deutscher Sprache erstellt. Nach Einweisung sollen auch Laien in der Lage sein, diese Geräte fachgerecht zu bedienen.

Wenn Sie bereit sind, sich an diesen Messungen zu beteiligen, melden Sie sich bitte schriftlich bei der NID (siehe Impressum auf der letzten Seite). Geben Sie bitte an, in welchen Zeiträumen Sie in der Regel zu Messungen bereit sind. Sie können auch selbst Orte und Einrichtungen für Messungen vorschlagen. Die endgültige Entscheidung über die Messorte treffen die NID und der ÄARG. Anfallende Kosten werden übernommen, Fahrtkosten z.B. im Rahmen der Preise für öffentliche Verkehrsmittel.

 

Gastronomiebetriebe, die oder deren Inhaber Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen sind

Deutschland

Nichtraucher-Pension Ulrich
01239 Dresden, Kauschaer Str. 37
0351/4706146, Angebot: H

Seepark Kurhotel
16348 Wandlitz, Kirchstr. 10
033397/750, Angebot: H

Ferienhaus Birgit Andresen
25917 Sprakebüll, Hauptstr. 32
04662/2258, Angebot: HW

Nichtraucher-Pension Janssen
26725 Emden, Martin-Faber-Str. 1
04921/32977, Angebot: H

Café-Pension Hertha
26757 Borkum, Greune-Stee-Weg 43
04922/2677, Angebot: H

Haus Marianne Langwost
29392 Wesendorf, Demoorweg 9
05376/890775, Angebot: HW

Haus Villa Hügel
54587 Birgel/Eifel, Hardtweg 17
06597/960333, Angebot: H

Pension Sondermann
57462 Olpe-Rhode, Caspar-Klein-Weg 3
02761/61846, Angebot: HW

Café-Rest. Denne
65399 Kiedrich, Oberstr. 22
06123/4979, Angebot: P20-36

Bistro im Fitness-Center Rhein-Main
65428 Rüsselsheim, Pommernstr. 4 a
06142/13466, Angebot: H

Pizzeria Eis Dolomiti
65510 Idstein-Wörsdorf, Wallbacher Str. 5
06126/53561, Angebot: H

Weinstube-Café Schlossblick
67434 Neustadt-Diedesfeld,
Weinstr. 605
06321/86010, Angebot: H

Benner's Hotel am Park
78073 Bad Dürrheim
07726/65900, Angebot: H

Haus Lucia
78141 Schönwald, Schubertstr. 38
0711/748604, Angebot: H

Pension Haus am Wald
79736 Rickenbach-Egg, Jurablick 4
07761/92430, Angebot: H

Ferienwohnung Südschwarzwald
79868 Feldberg, Haslachstr. 35
07033/43271, Angebot: W

Haus Kuntze-Fechner
83707 Bad Wiessee, Rupertiweg 6
08022/83666, Angebot: HW

Restaurant Palais Stuben
85716 Unterschleißheim, Max-Planck-Str. 10
089/37004894, Angebot H

Ferienwohnung Lorke
87534 Oberstaufen, Mühlhalde 6
08386/960391, Angebot: W

Ferienwohnung am Bodensee
88097 Eriskirch, Kirchplatz 6
089/1419543, Angebot: W

Gesundheitshof Taubinger Hof
94107 Untergriesbach, Taubing 12
08593/1211, Angebot: HW

Nichtraucher-Gästehaus Iris
94249 Bodenmais, Bergmeister-Stölzl-Str. 3
09924/1843, Angebot: H

Öhrlein's Hof
95336 Rothwind, Eichberger Str. 9
09229/7197, Angebot: W

Weinstube Schurk Markelsheim
97980 Bad Mergentheim, Hauptstr. 57
07931/2132, Angebot: R

Landferienhaus Arche mit Café-Pension
98667 Langenbach, Am Berg 10
03687/470404, Angebot:
H

 Erläuterungen des Angebots:

H Rauchfreies Haus
R Rauchfreier Speiseraum
W Rauchfreie Ferienwohnung
P20-36 Rauchfreie Zone
(20 von 36 Plätzen sind rauchfrei)

Österreich (0043...)

Ferienwohnung Pelka - Wien
A-1160 Wien, Seitenberggasse 53-63
01/9233632, Angebot: W

Hotel Alpstein garni - Vorarlberg
A-6708 Brand, Haus 122
5559/256, Angebot: H

Biohotel Alpenrose - Kärnten
A-9872 Obermillstatt, Obermillstatt
4766/2500, Angebot: H
2004: 40 Jahre Nichtraucherhotel!

Schweiz (0041...)

Nichtraucher-Restaurant Sternen
CH-8574 Lengwil, Bahnhofstr. 1
71/6882110, Angebot: H
Hotel-Restaurant Stutz - Wallis
CH-3925 Grächen, Schmidji 463
27/9563657, Angebot: H
2006: 10 Jahre Nichtraucherhotel!

Machen Sie rauchfrei Urlaub!

Hier können Sie aufatmen:

Raucherfreies, tierhaarfreies,
kinderfreundliches, ebenerdiges,
modern eingerichtetes

Ferienhaus für 6 Personen

im Ferienpark Falkenstein,

Bayerischer Wald,

zu vermieten.

Telefon: 02636-1763
Fax: 02636-941233
email: Wolfgang-Hees@web.de

 

Rauchfreier Wiener Opernball

Der traditionelle Wiener Opernball, das bedeutendste Ballereignis Österreichs, wurde zur rauchfreien Zone erklärt. Um den Rauchern die Abstinenz zu erleichtern, stellte die Österreichische Apothekerkammer Rauchern einen Nikotin-Inhalator der Pharma-Firma Pfizer zur Verfügung. Der Inhalator sei dem Hand-zu-Mund-Ritual beim Rauchen am ähnlichsten, argumentierte der Vizepräsident des Apothekerverbandes, Max Wellan.

 

Erfahrungen eines Gastwirts

Im Oktober 2004 eröffnete Robert Hrasky in Neuried, ein kleiner Ort am südwestlichen Stadtrand von München, das Café Vor Ort. Hier sein Bericht:

Der alte Pächter war mehr oder weniger Hals über Kopf verschwunden, so dass wir, ohne lang planen zu können, schnell wiedereröffnen mussten. Unser Konzept für das schon bisher vegetarische Restaurant: Salatbüfett, Wärme, Gemütlichkeit, Ruhe, frei von Rauch.

Wenn man meint, dass in ein vegetarisches Restaurant, das noch dazu mit viel Bio-Produkten arbeitet, nur "gesund lebende" Menschen kommen, die weder rauchen noch Alkohol trinken und sich nur von Körnern und Salatblättern ernähren, liegt man falsch. Vor unserem Einstieg schlemmten hier Leute, die so viel Tabakrauch produzierten, dass es trotz sehr guter und moderner Lüftung oft nicht zum Aushalten war. Ein rauchfreies Lokal war deshalb für uns eine Selbstverständlichkeit. Unser hoher Anspruch an Qualität, Frische und Geschmack der Speisen ist nicht in einem verrauchten Lokal zu verwirklichen.

Bedenken hatten wir schon: Werden die Raucher wiederkommen? Wie verhalten sich Gruppen, in denen sich mindestens ein Raucher befindet? Wie läuft es künftig mit Weihnachtsfeiern, Arbeitsessen, Besprechungen, Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Beerdigungen usw.? Wir waren überzeugt, dass der Umsatz pro Kunde leicht zurückgehen würde, da ja die Raucher üblicherweise sitzen bleiben und nach dem Essen zu ihrer Zigarette noch einen Kaffee trinken. Auch hatten wir die Befürchtung, dass wir am Anfang von Tisch zu Tisch rennen und mit den Gästen diskutieren müssten, dass die Zigarette hier nichts mehr zu suchen hat.

Die Praxis sah anders aus: Zum Teil wurde ich umarmt, weil wir uns getraut hatten, ein rauchfreies Lokal zu eröffnen. Der Umsatz pro Kunde entwickelte sich zufriedenstellend. Anders als befürchtet, bleiben die Gäste durch die angenehme rauchfreie Atmosphäre länger sitzen und trinken noch einen Kaffee! Früher sind die Nichtraucher einfach nur früher gegangen und haben auf ihren Kaffee bzw. ihr Dessert verzichtet, weil das verrauchte Lokal für diese Leute nicht mehr gemütlich war. Manche Gäste kommen nur, weil sie bei uns rauchfrei speisen können, obwohl sie sonst fleischliche Kost bevorzugen.

Insgesamt sind wir mit dem Verlauf und der derzeitigen Situation sehr zufrieden. Für den Abend hoffen wir auf noch ein wenig mehr Umsatz. Da sind wir sehr zuversichtlich.

Café Vor Ort
Gautinger Str. 6
82061 Neuried
Telefon 089 7595408

 

Erfahrungen auf einer USA-Reise

Nachdem wir für eine Rundreise durch Neuengland unsere Hotelbuchungen unter Dach und Fach hatten, ging es mit dem Auto von Boston die Atlantikküste entlang in den Bundesstaat Maine bis zur kanadischen Grenze, dann westwärts über New Hampshire nach Vermont, wo wir den Indian Summer mit seiner Farbenpracht so erlebten, wie man ihn sich schöner nicht vorstellen kann, und wieder ostwärts durch Massachusetts und Rhode (Cape Code!) zurück nach Boston.

Natürlich waren wir gespannt darauf, was uns bezüglich des Verhaltens der Raucher erwarten würde. Es wunderte uns nicht, dass auch in diesem Teil des großen Landes in öffentlichen Gebäuden, Hotels und Restaurants nicht geraucht wird. Erstaunlich aber war, mit welcher Diszipliniertheit und Selbstverständlichkeit die Amerikaner die Tabubereiche inzwischen akzeptieren. Das zeigt sich oft u.a. darin, dass es keiner Verbotsschilder oder Hinweise mehr bedarf und "Problemzonen" wie Eingänge, Foyers, Toiletten usw. auch absolut rauchfrei sind. Und das alles nicht nur in Städten, sondern auch auf dem flachen Land in den eher kleinen rustikalen, immer noch einen Hauch alter Westerntradition vermittelnden Country Inns, die wir fast ausnahmslos gebucht hatten.

Ganz ohne "Nichtraucherschock" ging es aber auch diesmal nicht ab: Als wir in Boston unser erstes Hotel betraten, präsentierte sich der Portier mit einer dicken Zigarre, und daneben stand ein Sheriff, der uns zwar mit strengem Blick musterte, den Raucher aber unbehelligt ließ. Unsere Besorgnis machte erst einer Erleichterung Platz, als wir nochmals zurückgingen und uns vergewissern konnten, dass der Portier kalt rauchte und der Sheriff eine Wachsfigur (täuschend echt aussehend!) war. Elke und Kurt Pitzler

 

Warum klappt es ausgerechnet in Italien?

Das Urlaubsland Italien hat die Zeichen der Zeit erkannt: Nichtraucherschutz ist in. Auf diese Kurzformel lassen sich die gesetzlichen Regelungen bringen, die seit Anfang 2005 in Italiens Öffentlichkeit gelten. Den Skeptikern erteilten die Italiener eine glatte Niederlage, denn es gab gänzlich unerwartet keine Probleme bei der Um- und Durchsetzung des Gesetzes. Das bewegte die Drogenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gerlinde Kaupa, zur Äußerung: "Wenn selbst in Ländern wie Italien oder Irland ein Rauchverbot durchsetzbar ist, sollte dies auch bei uns möglich sein.". 

Recht hat sie! Italien geht mit gutem Beispiel voran und wir müssen folgen, auch wenn wir keinen Gesundheitsminister haben, der die Unterstützung des Regierungschefs genießt, auch wenn wir eine private und keine staatliche Tabakindustrie haben, auch wenn sich bei uns wegen geringerer Durchschnittstemperatur das Leben weniger oft im Freien abspielt. "Es muss ein Ruck durch das Land gehen!", wünschte sich vor ein paar Jahren der damalige Bundespräsident Roman Herzog. Wir wünschen uns einen Ruck für rauchfreie Gaststätten. Das ist genau das, was unser Land jetzt braucht. Heraus aus dem lähmenden blauen Dunst. egk

 

Feinstaubbelastung in Raucher-Gaststätten um ein Vielfaches höher als an verkehrsbelasteten Straßen

 

In vielen Städten wird der in der EU geltende Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft überschritten. An maximal 35 Tagen im Jahr darf dies passieren. Bei Überschreitung werden Maßnahmen zur Minderung der Gesundheitsbelastung zur Pflicht der betroffenen Städte und Gemeinden. Umwelt- und Naturschutzverbände fordern drastische Maßnahmen, um die EU-Vorgaben von 1999 einhalten zu können. Sofort nach dem 35. Tag wollen Anwohner besonders belasteter Straßen Gerichte anrufen, um wirksame Maßnahmen zu erzwingen.

 

Feinstaub Dieselruß

 

Tabakrauch ist vor allem Feinstaub und in seiner Zusammensetzung giftiger als der Feinstaub, den vor allem Fahrzeuge mit Dieselmotoren ohne Rußpartikelfilter in die Luft abgeben. Peter Angerer und Rudolf Schierl, Wissenschaftler am Institut für Arbeits- und Umweltmedizin der Universität München, weisen zu Recht darauf hin, dass die Feinstaub-Belastung durch den Gift-Cocktail Tabakrauch ein Vielfaches der Feinstaub-Belastung durch den Straßenverkehr ausmacht. In Nichtraucherwohnungen mit stärkster Verkehrsbelastung haben sie bei ihren Messungen fast nie den Wert 50 Mikrogramm erreicht. In Wohnungen mit Rauchern, ganz egal, ob sie am Stadtrand oder an Straßen mit viel Lkw-Verkehr liegen, wird dagegen ständig das Doppelte des Grenzwerts überschritten. "Wir messen 120, 130 Mikrogramm Feinstaub.". Passivraucher sind deshalb wesentlich gefährdeter als Anwohner z.B. der Landshuter Allee in München. "Ich will wirklich nichts herunterspielen, aber die Relation aufzeigen", begründet Peter Angerer seinen Vergleich.

 

Feinstaub Tabakrauch

 

Trotz dieser enormen gesundheitlichen Belastung wollen die Politiker im Bund und in den Ländern "vorläufig" auf ein gesetzliches Rauchverbot in Gaststätten verzichten und auf Freiwilligkeit setzen - als wenn das Setzen auf Vernunft bei Menschen, die unvernünftig handeln, in der Vergangenheit Erfolg gehabt hätte. Der Verzicht auf ein Gesetz kostet viele Menschenleben.

 

Gäste und Personal wünschen rauchfreie Gaststätten

 Umfragen verschiedener Fernsehsender, Rundfunksender, Zeitungen, Zeitschriften und Meinungsforschungsinstitute fielen eindeutig aus. Drei von fünf Deutschen wünschen sich auch hierzulande ein Rauchverbot wie in Italien. Das ergab eine repräsentative polis-Umfrage im Auftrag der Deutschen Presseagentur (dpa). Die Ostdeutschen begrüßen sogar zu 67 Prozent rauchfreie Gaststätten, ebenso wie 66 Prozent der Bundesbürger über 55 Jahren und 63 Prozent der Frauen in Ost und West. Für die Studie wurden 1.014 Personen ab 14 Jahren befragt. Umfragen, die nicht als repräsentativ gelten, z.B. solche im Internet oder mittels TED, brachten sogar Mehrheiten von bis zu über 80 Prozent für rauchfreie Gaststätten.

Die schweizerische Berufsorganisation Hotel & Gastro Union, die mit 18.200 Mitgliedern die führende Organisation für MitarbeiterInnen im Schweizer Gastgewerbe ist, befragte 821 Beschäftigte aus den Bereichen Service, Küche, Hauswirtschaft und Empfang. Ergebnis: Ein Rauchverbot in Restaurants und Bars wollen 78,5 Prozent. Von den 288 im Service Tätigen sprachen sich 75,5 Prozent für ein Rauchverbot in Restaurant und Bars aus. Das heißt, drei von vier Beschäftigten im Gastgewerbe wünschen ein Rauchverbot in Gaststätten.

 

Nichtraucherschutz-Gesetz auch in Südtirol

Das in Italien mit einem Sonderstatus ausgestattete Südtirol hat ein eigenes Landesgesetz beschlossen, das im Wesentlichen identisch mit dem Bundesgesetz ist. Der vollständige Gesetzestext ist unter www.nichtraucherschutz.de > Dokumente nachzulesen Hier Auszüge:

 Artikel 5 - Geldbußen

(Abs. 1) Wer gegen das Rauchverbot verstößt, unterliegt "einer Geldbuße in der Höhe von Euro 27,5 bis Euro 275; die Geldbuße wird verdoppelt, wenn die Übertretung in Anwesenheit einer augenscheinlich schwangeren Frau oder in Anwesenheit von Säuglingen oder Kindern bis zum 12. Lebensjahr begangen wird."

(Abs. 2) Wer gegen seine Pflicht, für die Einhaltung des Rauchverbots zu sorgen, verstößt, unterliegt "einer Geldbuße in der Höhe von Euro 220 bis Euro 2.200; dieser Betrag wird um die Hälfte erhöht, wenn die von der Durchführungsverordnung beschriebenen lüftungstechnischen Anlagen nicht funktionieren, nicht geeignet gewartet oder nicht voll effizient sind."

(Abs. 3) "Der aus den Geldbußen gewonnene Ertrag wird für die Finanzierung von Projekten zur Prävention gegen den Tabakkonsum verwendet."

Artikel 6 enthält ein Verkaufsverbot für Tabakerzeugnisse an Minderjährige unter 16 Jahren mit Geldbußen von 50 bis 250 Euro bei Verstößen. Zigarettenautomaten müssen laut Artikel 7 zwischen 7 und 22 Uhr mittels Zeitgeber außer Betrieb gesetzt werden.

 

Rauchverbot an Schulen verbreitet sich Widerstand kommt hauptsächlich von Gewerkschaften

Er wolle nicht, dass Schulen zu "Schonräumen" werden, begründet Rainer Dahlem, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Baden-Württemberg seine ablehnende Haltung gegen ein Rauchverbot an Schulen. Die gesellschaftliche Wirklichkeit bestehe nun einmal darin, "dass Rauchen zwar in hohem Maße gesundheitsschädlich ist, dass aber auch Kinder und Jugendliche Tag für Tag mit rauchenden Menschen in Kontakt sind". Auf einen Nenner gebracht: Rauchen ist zwar schlecht. Schlecht ist aber auch, es zu verbieten.

Dass diese Auffassung gerade von Vertretern einer Gewerkschaft kommt, die das bisherige Schulsystem stark kritisiert hat und die es fast von Grund auf ändern will, lässt den Verdacht aufkeimen, dass hier nicht hehre Ziele verfolgt werden, sondern nur die Nikotiniker in den eigenen Reihen davor bewahrt werden sollen, die Örtlichkeit (Straße) mit qualmenden Schülern zu teilen. Kein Wort ist vom Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, vom Vorbild der Lehrer zu hören. Wer jedoch gesellschaftliche Veränderungen fordert, sollte auch bei sich selbst anfangen, auf alle Fälle sich selbst nicht davon ausschließen.

In Hessen gilt das Rauchverbot an Schulen bereits seit 1. Januar 2005. Nach den Sommerferien tritt es auch in Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Brandenburg in Kraft. Berlin spielte den Vorreiter. Zwei Monate nach dem Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses verhängte Schulsenator Klaus Böger mit Beginn des Schuljahres 2004/05 ein Rauchverbot per Erlass. Darin sieht der Hauptpersonalrat eine Verletzung der Rechte der Personalvertretung. Nur ein Gesetz könne das Recht auf Mitbestimmung in personellen Angelegenheiten, wozu das Rauchen gehöre, aushebeln.

Das neue Schulgesetz in Nordrhein-Westfalen sieht zwar ab kommendem Schuljahr ein generelles Rauchverbot (und auch Alkoholverbot) für Schüler und Lehrer vor, doch kann die Schulkonferenz, die sich zu je einem Drittel aus Lehrer-, Eltern- und Schülervertretern zusammensetzt, Ausnahmeregelungen beschließen - und somit etwa Lehrern das Rauchen in einem Raucherzimmer gestatten oder das Verbot für bestimmte Anlässe (z.B. Abschlussfeier) aufheben.

 

Wir hören einfach auf und fliegen von dem Geld nach Amerika

720 Euro kostet der 15-Tage-Trip nach Miami. Den Betrag haben sich zwölf deutsche, marokkanische und mazedonische Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren einfach dadurch zusammengespart, dass sie mit dem Rauchen aufgehört und zusätzlich ein paar Nebenjobs ergriffen haben. Das "miami-project 2005" entstand völlig unorganisiert, einfach so aus dem Gespräch heraus, wie man am besten Schluss mit dem Rauchen machen kann, betont der Leiter des Jugendzentrums Casino im westfälischen Pelkum (Hamm).

 

Rauchverbot für Sporthalle und Foyer

Ein allgemeines Rauchverbot für Sporthallen und alle der Öffentlichkeit zugänglichen Gebäude (also solche mit Publikumsverkehr) hat der Verwaltungsausschuss des Stadtrats von Erbach/Baden-Württemberg beschlossen. Es mache keinen Sinn, in Schulräumen, Hallen und Foyers abends das Rauchen zu gestatten, wenn morgens die Kinder im Unterricht und beim Sport die verqualmte Luft einatmen müssten, begründete Elmar Röhr, SPD, den Antrag. Sein Stadtratskollege Hans Seemann, CDU, unterstützte ihn mit der Feststellung, dass ein Rauchverbot überall dort notwendig sei, wo Kinder verkehrten.

Ein Rauchverbot gilt seit Ende 2004 auch für die Vorräume der Turn- und Sporthallen in Hagen/Westfalen. Anlass dafür war die Beschwerde von Eltern, die in die Otto-Dentsch-Halle gekommen waren, um ihre Tochter zum ersten Mal Handball spielen zu sehen. Oberbürgermeister Peter Demnitz erteilte dem Sportamt den Auftrag, die erforderlichen Schilder anzubringen und das Rauchverbot zu überwachen.

In eine völlig andere Richtung weist der Beschluss des Ortsbeirats der zu Wiesbaden gehörenden Gemeinde Mainz-Amöneburg. Mit der Begründung, dass durch ein Rauchverbot in der Fröbelhalle das Vereinsleben und die dazugehörigen Veranstaltungen in Zukunft praktisch unterbunden werden, stimmte der Ortsbeirat bei einer Gegenstimme für die Aufhebung des Rauchverbots, das mit der Änderung des Hessischen Schulgesetzes zwingend eingeführt worden ist. Der Beschluss des Ortsbeirats dürfte jedoch keine konkrete Auswirkung haben, denn die von ihm empfohlene Auslüftung einer Halle, in der tags oder auch zwei Tage zuvor geraucht wurde, kann die an den Wänden, Böden und Einrichtungsgegenständen haftenden Tabakrauchpartikel nicht hinreichend beseitigen.

Während sich Mitglieder der SPD, CDU und CSU sowie der Grünen immer massiver und in größerer Zahl für rauchfreie Schulen einsetzen, halten sich Vertreter der FDP entweder stark zurück oder sprechen sich wie z.B. im Abgeordnetenhaus in Berlin gegen ein Rauchverbot an Schulen aus. "An vielen Schulen gibt es seit Jahren Raucherinseln, so dass das Rauchen nicht unbedingt öffentlich stattfindet und die Nichtraucher davon nicht belästigt werden", argumentiert Oliver Luksic, Landesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation Julis Saar. Er scheint nicht begreifen zu können, dass die Schule auch eine Erziehungsaufgabe hat und Werte vermitteln soll - Werte, die nicht darin bestehen können, Drogenkonsum in der Schule zu praktizieren.

 

ZITAT DES TAGES

Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.

Mit diesem Slogan wirbt die Nichtraucher-Initiative Ulm/Neu Ulm
für rauchfreie Schulen in der Region.

Südwestpresse Ulm, 19.1.05

 

 

Betroffenheit

Es gibt in dieser Zeit, in der die Gefühle vieler Menschen abgestumpft zu sein scheinen, also doch noch Ereignisse, die allgemeine Betroffenheit auslösen. Ereignisse, die Herzen öffnen und die sogar Politiker zum Nachdenken und Handeln zwingen können. Solch ein bewegendes Ereignis widerfuhr uns Ende vergangenen Jahres. Ein Seebeben in Südostasien mit unvorstellbaren Flutwellen forderte mehr als 220.000 Menschenleben. Das Unheil löste mehr noch als das Augusthochwasser 2002 in Sachsen eine Welle von Mitgefühl und Spendenbereitschaft aus.

Allein die Anzahl der Menschenopfer ist unfassbar. Angesichts des allgemeinen Entsetzens hierüber erscheint es seltsam, mit welcher Gelassenheit eine weitere Katastrophe hingenommen wird, die allein in Deutschland nicht nur einmal, sondern Jahr für Jahr mehr als 140 000 Todesopfer fordert. Ist diese Zahl von Opfern - verursacht durch eine einzelne Verhaltensweise, das Tabakrauchen - nicht ebenfalls unfassbar? Wo bleibt hier die allgemeine Betroffenheit, wo das Nachdenken und Handeln der Politiker?

Die verantwortlichen Politiker kennen sehr wohl das Ausmaß der Schäden durch das Rauchen. Sie nennen auch die Zahl der Todesopfer. Doch anders als die Flutopfer bleiben die Rauchertoten nur statistische Posten ohne protokollarisches Mitgefühl. "Selber schuld!" könnte die lapidare Begründung dafür lauten. In der Amtssprache klingt das dann etwa so: Jeder muss selbst einschätzen können, welches Risiko er eingeht, wenn er Zigaretten, Zigarren oder Pfeife raucht. Für Pflege und Erhaltung seiner Gesundheit ist jeder selbst verantwortlich.

Der letzte Satz mag so stimmen. Der Satz davor dagegen ist sehr fragwürdig. Rauchen bedeutet grundsätzlich ein nicht abschätzbares und nicht hinnehmbares Risiko. Der Raucher hat keinen Ermessensspielraum, in dem er sich vernünftig und gesundheitsbewusst verhalten könnte. Dadurch unterscheidet sich das Rauchen von anderen Verhaltensweisen, bei denen ein Zuviel oder Zuwenig zu einem gesundheitlichen Risiko werden kann. Hier ist das konsumierte Produkt selbst gefährlich und nicht erst die Art und Weise seines Gebrauchs. Es ist daher auch nicht gerechtfertigt, den Tabakkonsumenten in die Verantwortung zu nehmen. Verantwortlich sind die Hersteller und diejenigen, die den Vertrieb des lebensbedrohenden Produkts gestatten.

Der Raucher hat die Möglichkeit, so sagt man, auf den Tabakkonsum zu verzichten. Die Warnungen vor den Gefahren des Rauchens auf den Packungen sind doch nicht zu übersehen. Sind diese Warnungen wirklich als Aufruf zum totalen Verzicht zu verstehen? Die Art und Weise, in der Tabakwaren beworben und gehandelt werden, lässt diese eher als ziemlich harmlose Alltagsprodukte erscheinen. Und die Warnungen? Nun, vor dem Verzehr tierischer Fette wird auch gewarnt, aber Fleisch oder Butter isst doch fast jeder. BSE-verseuchtes Rindfleisch oder Dioxin-belastete Eier sind natürlich tabu. Aber Zigaretten hat der Ver-( Seite 14 GEDANKEN braucherschutz noch nie auf den Index gesetzt. "Ich kann mich also sicher fühlen", wird so mancher Raucher daraus schließen.

Warnhinweise auf den Verpackungen von Tabakwaren entlassen weder die Hersteller noch die staatlichen Stellen aus ihrer Verantwortung und Haftung für die immensen Schäden, die das Rauchen anrichtet. Vor allem die Hersteller bemühen sich mit aller Raffinesse darum, aus einer die Gesundheit schädigenden und das Leben bedrohenden Verhaltensweise Gewinn zu erzielen. Menschenleben werden aufs Spiel gesetzt, um daraus Kapital zu schlagen. Hier erhält das Unwort des Jahres 2004 "Humankapital" eine makabre Bedeutung.

Die richtige Antwort auf dieses böse Spiel mit Menschenleben wäre ein schlüssiges staatliches Handeln. Die Politik hat sich dazu verpflichtet, Schäden vom Menschen abzuwenden. Aber wie es scheint, genießt beim Tabakgeschäft eher der Schadensverursacher als der Geschädigte das Wohlwollen der Regierenden. "Tabakwaren sind legale Produkte", argumentieren diese. Also dürfen sie uneingeschränkt produziert, beworben, gehandelt und konsumiert werden. Aber wer anders als eine Regierung und ein Parlament hat es in der Hand, die Legalität eines unbedingt gefährlichen Produktes aufzuheben oder zumindest einschneidend zu begrenzen? Ist die Politik in unserem Lande nicht fähig, aus einer Katastrophe - 140 000 vermeidbare Todesfälle jährlich sind eine Katastrophe - Lehren zu ziehen und wirksame Maßnahmen dagegenzusetzen?

Glücklicherweise ist die öffentliche Meinung hierzulande der offiziellen Meinung auf Staatsebene um einiges voraus. Die Öffentlichkeit fordert Restriktionen im Tabakkonsum, während sich unsere maßgeblichen Politiker noch mit aller Kraft gegen die auch von internationalen Organisationen und Parlamenten eingeforderten Maßnahmen stemmen und auf ihrer Außenseiterrolle beharren. Im Januar 2005 befragte das Bielefelder Emnid-Institut 1053 Sachsen auch danach, in welchen Einrichtungen das Rauchen verboten werden sollte. Für ein Rauchverbot in Schulen für Schüler und Lehrer sind 94 % der Befragten. Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen befürworten 90 %. Am Arbeitsplatz wollen 75 % ein Rauchverbot, in Restaurants immerhin noch 63 % und in Cafes 58 %. Diese Ergebnisse sollten unsere Politiker nachdenklich stimmen und zum Handeln animieren.

Sicher, es ist nicht möglich, das Rauchen als Erscheinungsform einer Abhängigkeit von der Droge Tabak zu verbieten. Rauchen ist eine Suchtkrankheit, und Krankheiten kann man nicht verbieten, sondern allenfalls therapieren. Sehr wohl aber ließe sich alles unterbinden, was zum Gebrauch der gefährlichen Droge Tabak verführt, also jede Form direkter oder indirekter Werbung. Auch muss das Rauchen überall dort verboten werden, wo es zum Nachahmen anregen oder Unbeteiligte gesundheitlich beeinträchtigen kann. Die Schulen stehen dabei ganz im Vordergrund. Muss es uns nicht betroffen machen, dass deutsche Schüler europaweit den größten Raucheranteil aufweisen? Gibt es da nicht einen Zusammenhang mit dem Schmusekurs unserer Regierenden gegenüber der Tabakindustrie? 

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Welt-Nichtrauchertag 2005

Den diesjährigen Welt-Nichtrauchertag am 31. Mai hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dem Thema Health Professionals and Tobacco Control (Gesundheitsberufe und Tabakkontrolle) gewidmet. Sie fordert die im Gesundheitswesen Tätigen - dazu zählen u.a. Ärzte, Krankenschwestern, Hebammen, Apotheker, Zahnärzte, Psychologen - auf, Regierung und Parlament zu einer Politik der Tabakkontrolle zu bewegen. Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN, dessen Steuerungsgremium aus Vereinen und Organisationen besteht, die sich mit wesentlichen Gesundheitsthemen befassen, führt deshalb eine Unterschriftensammlung bei Angehörigen von Gesundheitsberufen durch. Die Unterzeichner unterstützen mit ihrer Unterschrift folgende sieben an die Bundesregierung gerichtete Forderungen:

1. Stärkung der Gesundheitsprävention, um lebensbedrohliche Krankheiten infolge von Tabakkonsum frühzeitig zu vermeiden. 2. Unverzügliche Novellierung des Jugendschutzgesetzes. Die Altersgrenze für die Abgabe von Tabakprodukten muss von 16 auf 18 Jahre angehoben werden. Die gleiche Altersgrenze soll auch für das Rauchverbot in der Öffentlichkeit gelten. 3. Schaffung eines Gesetzes zum Schutz der Bürgerinnen und Bürger vor dem Passivrauchen in Krankenhäusern, öffentlichen Einrichtungen sowie in Arbeitsstätten mit Publikumsverkehr einschließlich gastronomischer Betriebe bis spätestens 2006. 4. Umsetzung der 3. Stufe der Tabaksteuererhöhung im geplanten Umfang bei gleichzeitiger Erhöhung der Feinschnitt-Besteuerung und verstärkter Bekämpfung des Tabakschmuggels. 5. Einführung eines umfassenden Tabakwerbeverbots bis spätestens 2007. 6. Abschaffung aller Zigarettenautomaten bis spätestens 2008. 7. Verbot der Annahme von Geld der Tabakindustrie durch Regierungs- und Nichtregierungsorganisationen zur Finanzierung von Projekten im Gesundheits-, Sozial- und Bildungsbereich Schlusswort: "Eine umfassende Tabak-Kontrollpolitik ist nicht nur notwendig in Anbetracht akuter und zunehmender gesundheitlicher Probleme der Bevölkerung. Sie stellt - vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung - vor allem eine ethische Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen in unserem Land dar."

Unterschriftenlisten können angefordert werden beim

AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN 
Postfach 1244, 85379 Eching 
Tel./Fax 089 31858748
wiebel@globalink.org

Plakate und Postkarten mit dem Motiv zum Welt-Nichtrauchertag 2005 versendet wie im Vorjahr die Deutsche Krebshilfe, Fax 0228 7299011. Auch die NID stellt ihr umfangreiches Medienangebot für Veranstaltungen in angemessener Stückzahl kostenlos zur Verfügung.

 

 

Tabakkonsum 2004 stark gesunken 

Offiziell Tabak für rund 15 Milliarden Zigaretten weniger verkauft Dem Minus von 20,9 Mrd. Stück bei den Fabrikzigaretten (15,8 %) steht ein Plus von 5.655 Tonnen Feinschnitt (30,4 %), das sind ungefähr 5,7 Mrd. selbst gedrehte Zigaretten, sowie ein Plus von 520 Mill. Zigarren/Zigarillos (16,7 %) gegenüber. Das bedeutet, dass sich im Jahr 2004 etwa 15 Milliarden Zigaretten weniger in Qualm aufgelöst haben als 2003. Auch wenn der Zigarettenschmuggel zugenommen haben sollte - niemand kann nachprüfbare Zahlen vorweisen -, dürfte der Rückgang durch die Erhöhung der Tabaksteuer in einer nicht gerade rosigen Wirtschaftslage den realen Tabakkonsum um eine zweistellige Milliardenzahl gesenkt haben. Dass die Steuereinnahmen nicht in dem erwünschten Ausmaß gestiegen sind, haben sich der Finanzminister und die Bundesregierung selbst zuzuschreiben. Es ist geradezu hirnrissig, den Einflüsterungen der Tabakindustrie zu folgen und durch eine geringere Besteuerung des Feinschnitts ein Schlupfloch zu lassen. Jetzt brauchen sich die Regierenden nicht zu wundern, wenn die Tabakindustrie im Bund mit willfährigen Politikern aus fast allen Parteien, insbesondere aber aus den Reihen der FDP, Krokodilstränen weint und die Aussetzung der dritten Stufe der Tabaksteuererhöhung zum 1. September 2005 fordert. Dem nachzugeben hieße weiter Glaubwürdigkeit verlieren!

 

Tabakverkauf 2004

Tabak-

erzeugnis

Versteuerte

Verkaufswerte

Veränderung

zum Vorjahr

Versteuerte

Mengen

Veränderung

zum Vorjahr

Zigaretten

20,0 Mrd. €

– 5,30 %

111,7 Mrd. Stück

–15,8 %

Zigarren und

Zigarillos

653 Mill. €

+14,6 %

3.637 Mill. Stück

+ 16,7 %

Feinschnitt

2,2 Mrd. €

+ 50,7 %

24.258 Tonnen

+ 30,4 %

Pfeifentabak

94 Mill. €

+ 4,0 %

884 Tonnen

+ 1,6 %

Insgesamt

22,9 Mrd. €

– 1,2 %

 

 

 

Tabakverkauf 2002-2004

Tabakerzeugnis

Einheit

2002

2003

2004

Zigaretten

Millionen St.

145.153

132.603

111.716

Zigarren/Zigarillos

Millionen St.

3.068

3.117

3.637

Feinschnitt

Tonnen

15.473

18.603

25.258

Pfeifentabak

Tonnen

847

870

884

 

Philip Morris musste
Werbekampagne stoppen 

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat vom Tabakkonzern Philip Morris eine Unterlassungserklärung gefordert und bekommen. Darin verpflichtet sich der Zigarettenhersteller, nicht mehr mit dem rechts abgebildeten Motiv zu werben und im Fall der Zuwiderhandlung an den vzbv eine Vertragsstrafe in Höhe von 7.500 Euro zu zahlen.

Den neusten von mehr als 50 Verstößen gegen die Selbstverpflichtung der Tabakindustrie, nicht mit Personen zu werben, die für jünger als 30 Jahre gehalten werden, hatte das Forum Rauchfrei in Berlin dem vzbv gemeldet und um rechtliche Schritte gebeten.

 

 

Philip Morris forscht und verschweigt Ergebnisse

Bereits seit 30 Jahren lässt der Tabakkonzern Philip Morris am Kölner Institut für biologische Forschung GmbH (Infibo) die Folgen des Rauchens und Passivrauchens erforschen. Publiziert worden sind jedoch nur die Ergebnisse, die den Drogenbossen genehm waren.

Wie genau man in der Philip-Morris-Zentrale die Studien in Köln gekannt haben muss, zeigt ein Report aus dem Jahr 1982, der sich mit den Folgen des Passivrauchens beschäftigt. Alle Ratten zeigten allgemeine Erschöpfungserscheinungen nach Ende der täglichen Rauchdosis, heißt es in dem in die USA übermittelten Bericht. Im Unterschied zu den Ratten mit Aktivrauch, die sich am nächsten Morgen wieder erholt hatten, zeigten die passiv rauchenden Ratten ein ungepflegtes Fell und einige von ihnen ausgeprägte Atemprobleme. Um die gleichen Effekte beim Aktivrauchen zu bewirken, hätte die Konzentration des Rauchs um den Faktor drei erhöht werden müssen, heißt es in dem Bericht.

Die Wissenschaftler des Tabakkonzerns haben damit den Beweis dafür geliefert, dass auch geringe Mengen Tabakrauch ausreichen, um die Gesundheit von Passivrauchern zu schädigen. Für die - relativ gesehen - höhere Schädlichkeit des Passivrauchens gegenüber dem Aktivrauchen spielt wahrscheinlich die Zusammensetzung des Tabakrauchs eine entscheidende Rolle. Wer direkt an der Zigarette zieht, nimmt vermehrt die Stoffe auf, die den Körper zur verstärkten Bildung schadstoffabbauender Enzyme veranlassen.

 

Reemtsma-Manager Präsident des Direktmarketing-Verbands 

Woher der Wind weht: Ende Januar 2005 wurde Dieter Weng zum Präsidenten des Deutschen Direktmarketing-Verbandes gewählt. Der 59-Jährige war vor einigen Jahren Marketingvorstand beim Tabakkonzern Reemtsma in Hamburg. www.wuv.de, 1.2.05

Pilot Media arbeitet für Reemtsma 

Die Hamburger Agentur Pilot Media GmbH & Co. KG arbeitet künftig für die Reemtsma Cigarettenfabriken und löst damit Initiative Media GmbH ab. Der Sprecher von Reemtsma, Lars Großkurth, gab bekannt, dass Pilot Media die Mediaplanung für alle Marken des Konzerns übernimmt. Das Mediavolumen wird auf 30 bis 40 Millionen Euro geschätzt. www.wuv.de, 14.1.05

Imperial Tobacco profitiert von Reemtsma 

Der viertgrößte Zigarettenkonzern der Welt, die britische Imperial Tobacco, hat vor zwei Jahren die Reemtsma Cigarettenfabriken für 6,8 Milliarden Euro gekauft und erfolgreich auf Ertrag getrimmt. Reemtsma beschäftigt im Inland rund 2.400 Mitarbeiter. Die Produktivität stieg auch durch den Abbau von 160 Stellen im Jahr 2003 um 6 Prozent. Trotz Schließung von drei Werken in Ungarn, Slowenien und in der Slowakei und Abbau von 1.900 Stellen verbesserte der Imperial Tobacco den Gewinn um 13 Prozent. www.welt.de, 9.11.04 

 

Marlboro dominierte den Motorsport in den letzten Jahren 

Seit 1972 ist Marlboro in der Formel 1 vertreten und seit Jahren wichtigster Partner des Ferrari-Teams. Bei der Befragung von 1.008 deutschen Motorsportinteressierten ab 14 Jahren über bekannte Marken im Motorsport kam die Zigarettenmarke auf 53 Prozent. Auf Platz zwei rangiert West etwas abgeschlagen mit 23 Prozent. Dahinter kommen Shell (21 Prozent), BMV (17 Prozent) und Mercedes-Benz (16 Prozent). Ferrari und Vodafone liegen mit jeweils zwölf Prozent gleichauf.

Das durch die EU verordnete Tabakwerbeverbot in der Formel 1 ab Mitte 2005 zwingt die Tabakkonzerne zum Rückzug aus der "Königsklasse" und wird die Sponsorenlandschaft verändern. So will der globale Mobilfunkbetreiber Vodafone seine Präsenz in der Formel 1 weiter ausbauen und hat sein Engagement bei Ferrari bis 2006 bereits vertraglich verlängert. McLaren-Mercedes hat in der Whiskey-Marke Johnnie Walker bereits einen Nachfolger für die Zigarettenmarke West gefunden. Johnnie Walker zahlt dafür 53 Millionen Euro pro Jahr. Andere Formel-1-Teams wie Renault (bisher Mild Seven), Jordan (Benson & Hedges) und BAR (Lucky Strike) müssen erst potente Nachfolge finden.

Für die Deutschen Tourenwagen-Masters und die Internationalen Touren-Rennen stehen neben Vodafone der ADAC, Blaupunkt, Bosch, Dekra, Dunlop und Hasseröder bereit. http://de.news.yahoo.com, 21.2.05

 

Ferrari + Marlboro linken den Papst

 

 

Ein Haufen Scheinheiliger im Angesicht des höchsten katholischen Würdenträgers. Wer diese Assoziation beim Betrachten des Bildes von der Papst-Audienz der Ferrari-Marlboro-Clique hat, dürfte nicht allein sein. Es bedarf schon einer brutalen Menschenverachtung und einer gemeinen Missachtung der Würde des Nachfolgers Petri, diesem ein Gastgeschenk zu überreichen, das den Markennamen eines Produktes trägt, das millionenfach Leid, Siechtum und Tod verursacht hat und dank der Siege in den Formel-1-Rennen verstärkt bewirkt.

Das Sekretariat des Vatikans reagierte auf die vielen Protestschreiben typisch diplomatisch. Alle Antworten enthielten folgenden Textbaustein:

Ihre Ausführungen wurden aufmerksam zur Kenntnis genommen. Freundlich weise ich Sie darauf hin, dass nach weltweit geltenden Gepflogenheiten Gastgeschenke vom Empfänger nicht einer vorhergehenden Prüfung unterzogen werden. Auf jeden Fall lässt Ihnen Seine Heiligkeit für Ihre Mitsorge um die Gesunderhaltung der Menschen und für den Ausdruck Ihrer Verbundenheit mit dem universalen Hirtendienst des Nachfolgers Petri aufrichtig danken.

Es ist sehr zu bedauern, dass sich der Vatikan nicht einmal in einem solch gravierenden Fall des Missbrauchs der Medienpotenz eines Papstempfangs zu einer offenen Kritik aufrafft. Ob die Hoffnung berechtigt ist, dass dieser Fall Auslöser für eine eindeutige offizielle Stellungnahme gegen das Rauchen sein könnte, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Bekannt ist, dass es auch im Vatikan Nikotinsüchtige gibt.

 

Italien:   200.000 Euro für Angehörige eines toten Rauchers 

Ein Berufungsgericht in Rom hat die italienische Tabakfirma Ente Tabacchi Italiani zu 200.000 Euro Entschädigung für die Angehörigen eines Rauchers, der an Krebs gestorben war, verurteilt. Der Zigarettenproduzent hätte nicht klar genug vor den Gefahren des Rauchens gewarnt, hieß es in der Urteilsbegründung des ersten Urteils dieser Art in Europa. Das Gericht in erster Instanz hatte eine Entschädigung mit der Begründung abgelehnt, Rauchen sei eine freie Entscheidung. 

USA:   Raucher scheitert mit Klage gegen Philip Morris 

Im Jahr 2001 hatte Frederic Reller gegen Philip Morris geklagt. Der Tabakkonzern habe ihn zum Rauchen verleitet und dabei die Sucht- und Krebsgefahr verheimlicht, argumentierte er. Im August 2004 war Philip Morris bereits von zwei Anklagepunkten freigesprochen worden. Kurz darauf starb der Kläger. Nun entschieden die Geschworenen, dass der Tabakkonzern nicht für den Tod des Mannes, der 35 Jahre lang geraucht hatte, verantwortlich sei.

 

USA:   Milliardenklage der Regierung gescheitert

Die amerikanische Regierung ist mit ihrer 280-Milliarden-Dollar-Klage gegen die Tabakindustrie in zweiter Instanz gescheitert. Ein Berufungsgericht wies die Klage aus Verfahrensgründen ab. Nun bleibt der US-Regierung die Möglichkeit, ein weiteres Berufungsverfahren anzustrengen, den Fall vor den Obersten Gerichtshof zu bringen oder eine gütliche Einigung mit der Tabakindustrie anstreben.

Das Justizministerium hatte sich bei der Klage auf ein Gesetz gestützt, das einst für die Bekämpfung der Mafia bestimmt war. Der Tabakindustrie wirft sie die systematische Vertuschung von Risiken vor. Sie sieht die geforderten Milliarden Dollar als Ausgleich für durch das Rauchen verursachte Kosten für das Gesundheitssystem. Verklagt wurden u.a. die Konzerne Philip Morris, RJ Reynolds sowie Brown and Williamson, eine Tochter von British American Tobacco (BAT).

Die Klagesumme orientiert sich an den Gewinnen der Tabakkonzerne in den letzten fünf Jahrzehnten - ausgehend von der Tatsache, dass die Tabakindustrie schon seit den fünfziger Jahren Studien unterdrückt hat, die vor den Gefahren des Rauchens warnten. Das Berufungsgericht, an das sich die Konzerne noch vor Ende des Prozesses vor einem anderen Bundesgericht im September 2004 gewandt haben, begründete nun seine Entscheidung damit, dass die geforderte Einziehung früherer Gewinne nicht geeignet sei, künftige Rechtsverstöße der Branche zu verhindern. Folge des Urteils: Die Aktienkurse der beklagten Unternehmen schossen in die Höhe.

 

Spanien:   Züge über fünf Stunden fahren rauchfrei 

Spaniens staatliche Bahngesellschaft RENFE hat zum 1. Februar 2005 das Rauchen bei Zugfahrten unter fünf Stunden verboten. In der Praxis betrifft das Verbot sowohl die AVE-Hochgeschwindigkeitszüge als auch regionale und innerstädtische Verbindungen und damit etwa 98 Prozent alle spanischen Zugfahrten. Bei Fahrten über fünf Stunden ist das Rauchen nur im Raucherwagen am Ende des Zuges erlaubt. Das Personal wurde in speziellen Kursen psychologisch auf den Umgang mit Fahrgästen, die durch Nikotinmangel Beklemmungszustände bekommen oder aggressiv werden, vorbereitet. 

Frankreich:   TGV ganz rauchfrei 

In den französischen Hochgeschwindigkeitszügen TGV gilt seit 1. Dezember 2004 ein totales Rauchverbot. Damit folgen die TGVs dem vollständigen Rauchverbot in anderen Hochgeschwindigkeitszügen wie dem EUROSTAR (London-Paris-Brüssel) und dem THALYS (Frankreich-Belgien-Niederlande-Deutschland) sowie den ELIPSOS-Nachtzügen (Spanien-Italien-Schweiz) und dem EUROSTAR Italia. 

USA/San Francisco:   Rauchverbot in Parks 

Als erste amerikanische Großstadt hat San Francisco das Rauchen in Parks und auf öffentlichen Plätzen verboten. Damit folgte der Stadtrat dem Beispiel kleinerer Orte in Kalifornien wie Santa Monica oder Beverly Hills. Wer in San Francisco gegen das Rauchverbot verstößt, muss mit einer Geldstrafe in Höhe von 100 Dollar, im Wiederholungsfall mit bis zu 500 Dollar rechnen. 

Europäische Union:   EU-Kampagne gegen Tabakkonsum 

72 Millionen Euro steckt die EU in die Präventions- und Informationskampagne "Help - für ein Leben ohne Tabak", die im März 2005 gestartet wurde. Ziel ist es, vor allem 15- bis 30-Jährige darin zu bestärken, Nichtraucher zu bleiben oder vom Rauchen abzubringen. "Wir müssen erreichen, dass der Tabakkonsum für Jugendliche und junge Erwachsene seinen Charme verliert", erklärte Gesundheitskommissar Markos Kyprianou und fuhr fort: "Nichtrauchen soll zur Norm werden, Rauchen immer mehr zu einer Randerscheinung. Wenn alle EU-Mitgliedstaaten dem Beispiel Irlands, Italiens und Maltas folgen und das Rauchen in öffentlichen Bereichen verbieten, wären wir bereits ein großes Stück weiter."

Die Kampagne soll zunächst als Tour durch alle Hauptstädte führen. In Berlin macht sie zwischen dem 25. und 29. April Station. Im Sommer schließt sich dann eine Phase mit Fernseh- und Kinospots an.

Der Gesundheitsausschuss des Europäischen Parlaments hatte EU-Kommissar Kyprianou mit großer Mehrheit aufgefordert, ein EU-weites Rauchverbot in geschlossenen Räumen, vor allem an Arbeitsplätzen, durchzusetzen.

 

Bakterienreste im Zigarettenrauch

Zigarettenrauch belastet die Raumluft nicht nur mit Nikotin und Teer, sondern auch mit großen Mengen so genannter Endotoxine. Schwedische Wissenschaftler um Lennart Larsson von der Universität in Lund haben bis zu 120-fach erhöhte Konzentrationen dieser schädlichen Substanzen in einem Raum gemessen, in dem vorher geraucht worden war. Endotoxine sind Bestandteile der Zellwand vieler Bakterienarten und kommen in geringen Mengen praktisch überall in der Atemluft vor. Sie sind in diesen Konzentrationen praktisch unschädlich, können jedoch in höheren Dosen Fieber, Blutveränderungen sowie Gefäß- und Atemwegsentzündungen hervorrufen.

Bereits in früheren Studien hatte es Hinweise darauf gegeben, dass Zigarettenrauch größere Mengen Endotoxine enthalten könnte. Um diese Vermutung zu überprüfen, simulierten Larsson und seine Kollegen sowohl aktives als auch passives Rauchen. Bei der anschließenden Analyse des Zigarettenrauchs und der Raumluft fanden die Forscher extrem stark erhöhte Konzentrationen der bakteriellen Substanzen. Die Endotoxine in den Zigaretten stammen wahrscheinlich von Bakterien, die auf und in der Tabakpflanze leben, schreiben die Forscher. Sie vermuten, die große Menge der aggressiven Stoffe könnte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass Raucher so häufig Atemwegsbeschwerden haben. In weiteren Studien wollen die Wissenschaftler nun untersuchen, ob sich die Endotoxine an Staubpartikeln festsetzen und wie Belüftungssysteme die Konzentration der Substanzen beeinflussen können. ddp/bdw - Ilka Lehnen-Beyel, 21.8.04

 

Spätestens mit 35 sollte man Ex-Raucher werden

Wer vor dem 35. Lebensjahr mit dem Rauchen aufhört hat eine gute Chance, wieder ebenso gesund zu werden und genauso lange zu leben wie ein Nichtraucher. Diese Annahme wird durch eine große Studie der amerikanischen Forscher Truls Østbye und Donald Taylor von der Duke-Universität in Durham bestätigt. Sie hatten Gesundheit und Rauchgewohnheiten von mehr als 20.000 Frauen und Männern über 50 untersucht.

Die Mediziner analysierten die Daten aus zwei umfangreichen Studien mit mehr als 20.000 Teilnehmern. Die 12.652 Probanden der einen Studiengruppe waren zwischen 50 und 60 Jahre alt, die 8.124 befragten Teilnehmer der anderen Studie waren 70 Jahre und älter. Alle zwei Jahre waren die Teilnehmer befragt worden, wie sie ihren Gesundheitszustand einschätzen und ob sie Raucher oder ehemalige Raucher sind. Die Lebenserwartung und die verbleibenden gesunden Jahre hingen wesentlich mit dem Rauchen zusammen, fanden die Forscher. "Ex-Raucher fühlten sich gesünder und lebten im Schnitt länger als Raucher", sagt Østbye. Der Gesundheitszustand der Teilnehmer, die vor ihrem 35. Lebensjahr aufgehört hatten, zeigte dabei keinen Unterschied mehr zu Probanden, die niemals geraucht hatten. ddp/bdw - Cornelia Pfaff, 7.6.04

 

650.000 Rauchertote jährlich in der EU

Europaweit ist die Zahl der Todesfälle, die durch das Rauchen verursacht werden, auf 650.000 Menschen gestiegen. Laut einer aktuellen Studie der University of Brisbane sterben allein in Großbritannien 11.000 Menschen an den Folgen des Passivrauchens und somit weit mehr als bisher angenommen. Das British Medical Journal beziffert die Zahl der Todesfälle, die allein durch Passivrauchen am Arbeitsplatz verursacht werden, mit 600 jährlich.

Eine aktuelle australische Studie untersucht anhand des britischen Datenmaterials die Zusammenhänge zwischen Todesursache, Arbeitsplatz, Struktur des Haushalts und Intensität des aktiven und passiven Rauchens. Die Forscher fanden heraus, dass bei der Gruppe der 20- bis 64-Jähigen 2.700 Todesfälle dem Passivrauchen zugeschrieben werden können. Bei der Gruppe der über 65-Jährigen betrug die Zahl sogar 8.000. Weitere 617 Todesfälle werden durch passives Rauchen am Arbeitsplatz verursacht. www.medizinauskunft.de, 14.3.05

 

Arzt muss über Nebenwirkung aufklären

Der Bundesgerichtshof hatte am 15. März 2005 über die Frage der Hinweispflicht des behandelnden Arztes über schwerwiegende Nebenwirkungen zu entscheiden. Die Klägerin, eine Raucherin, forderte Schadensersatz nach einer ärztlichen Behandlung durch eine Gynäkologin. Diese verordnete der 1965 geborenen Frau im November 1994 das Antikonzeptionsmittel Cyclosa, eine sogenannte Pille der dritten Generation, zur Regulierung ihrer Menstruationsbeschwerden. Laut der dem Medikament beigefügten Gebrauchsinformation besteht bei Raucherinnen ein erhöhtes Risiko, an zum Teil schwerwiegenden Folgen von Gefäßveränderungen (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall) zu erkranken. Dieses Risiko nimmt mit zunehmendem Alter und steigendem Zigarettenkonsum zu. Deshalb sollten Frauen, die älter als 30 Jahre sind, nicht rauchen, wenn sie das Arzneimittel einnehmen.

Der Bundesgerichtshof hat das für die Klägerin negative Urteil des Berufungsgerichts mit folgender Begründung aufgehoben:

Die Beklagte, also die Ärztin, sei verpflichtet gewesen, die Klägerin über die mit der Einnahme des Medikaments verbundenen Nebenwirkungen und Risiken zu informieren. Unter den hier gegebenen Umständen reiche der Warnhinweis in der Packungsbeilage des Pharmaherstellers nicht aus. In Anbetracht der möglichen schweren Folgen, die sich für die Lebensführung der Klägerin bei Einnahme des Medikaments ergeben konnten und auch später verwirklicht haben, habe auch die Beklagte ihre Patientin darüber aufklären müssen, dass das Medikament in Verbindung mit dem Rauchen das erhebliche Risiko eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls in sich barg. Aktenzeichen: VI ZR 289/03.

Fazit: RaucherInnen können einen ganz schön teuer kommen.

 

NicStic - die "Zigarettung"?


Die Schweizer NicStic AG will 2005 die NicStic herausbringen, eine rauchfreie Zigarette, die sich von den um etwa 90 Prozent schadstoffreduzierten Zigaretten mehrerer Tabakkonzerne in verschiedenen Punkten unterscheidet. Die vom Camel-Hersteller Reynolds auf einen Testmarkt gebrachte HI.Q bestand aus einem in Papier gerollten Tabakstrang, dessen "genusswirksame" Inhalte durch eine glühende, jedoch vom Tabak isolierte Spitze aus Kohlenstoff, die man zunächst anzünden musste, freigesetzt wurden.

 

Dagegen ist die NicStic ein bis zu 500 Mal verwendbares Refill-Teil im Zigaretten-Format. Sie wird lediglich für jeden Rauchakt mit einem neuen Filter versehen. Der NicStic-Filter besitzt ein integriertes Nikotin- und Aroma-Depot, das für den zigarettenähnlichen Geschmack und die erwünschte Wirkung sorgen soll. Das Refill-Teil besitzt eine Heizquelle, die über die Aufladestation im NicStic-Etui etwa 20 Sekunden lang aufgeladen wird.

 


Die Schweizer Unternehmer sind davon überzeugt, dass sie mit der NicStic richtig liegen und ziehen auf ihrer Internetseite www.nicstic.com einen Vergleich mit Microsoft, deren Gründer Bill Gates mit PC-Betriebssystemen und einer geschickten Vertriebspolitik zu einem der reichsten Männer der Welt wurde. In einem 9 Minuten dauernden Film, den man sich von ihrer Internetseite herunterladen kann (20 MB ZIP-Datei) führen sie an, dass weltweit jährlich mehr als 650 Milliarden Euro für über 5,5 Billionen Zigaretten ausgegeben werden. Ein Prozent Marktanteil für die NicStic würden 6,5 Milliarden Euro Umsatz bedeuten.

Angesichts der in vielen Ländern immer restriktiveren Politik gegenüber dem Rauchen vor allem am Arbeitsplatz und in der Gastronomie könnte diese Einschätzung durchaus zutreffend sein. Ob sich die Raucher von Argumenten für die NicStic überzeugen lassen, wird sich jedoch erst dann zeigen, wenn die NicStic auf dem Markt angeboten wird. Zurzeit sucht die NicStic AG noch nach Investoren. Sie startet in "Kürze" eine neue Emission und bietet Aktien für 9 Schweizer Franken an. Interessenten können sich entweder direkt über die Internetseite, per E-Mail (contact@ nicstic.com) oder per Brief (Bösch 80 A, CH-6331 Hünenberg) melden. Die NicStic AG ist auch telefonisch unter +41(0)41-7990130) sowie unter Fax (-7990131) zu erreichen.

 

Was ist von der NicStic zu halten?

Die NicStic dient den Anpreisungen zufolge der "Zigarettung", also der Erhaltung des Zigarettenrauchens unter veränderten Bedingungen. Der Qualm mit all seinen krebserregenden und reizenden Schadstoffen soll mit der NicStic der Vergangenheit angehören. "Raucher", heißt es auf der Internetseite, "können ihrer Gewohnheit nachgehen, ohne Dritte zu belästigen oder gar zu schädigen." Das ist insoweit richtig, als der Unterschied zwischen Tabakqualm und Nikotin-Aroma-Ausdünstung erheblich und die Gesundheitsbelastung beim NicStic-Konsum für "Raucher" wie für "Passivraucher" beträchtlich geringer ist. Unschädlich ist aber auch die NicStic nicht. Nikotin ist ein starkes süchtig machendes Gift, das für die Gesundheit schädlich ist.

Wie steht es mit dem Passivrauchen bei der NicStic? Das, was der NicStic-Raucher einatmet und nicht an den Schleimhäuten der Atmungsorgane und der Mundhöhle haften bleibt, wird beim Ausatmen an die Umgebung abgegeben. Schon von daher gibt es kein völlig unschädliches NicStic-Rauchen. Wie groß die Mengen des Nikotins und der Aroma-Stoffe sind, die in die Umgebung gelangen, ist vorerst allerdings nur Insidern bekannt.

 

Ob die NicStic am Markt eine Chance hat, hängt sehr stark vom Preis ab. Der liegt jedoch für Außenstehende noch völlig im Dunkeln. Aber bald soll auch dieses Geheimnis gelüftet werden.

Zunächst vier Geschmacksrichtungen geplant

 

Rauchfreie Bahnhöfe mit Raucherlaubnis

 

Die Deutsche Bahn AG ist sehr stolz auf sich. Anfang März hat sie den Bahnhof von Idstein (Hessen) zum tausendsten rauchfreien Bahnhof erklärt. Da das Programm "sehr gut akzeptiert" werde, "führen wir es ständig weiter", sagt Wolf-Dieter Siebert, Vorstandsvorsitzender der DB Station & Service AG. Das "rauchfrei" meint die Bahn aber nicht im wörtlichen Sinne, denn geraucht werden darf in ausgewiesenen Raucherbereichen, Gastronomiebetrieben und speziellen Bereichen in DB Lounges. Immerhin hat sich dieses Vorgehen für die Deutsche Bahn gelohnt. Sie registriert "deutlich sauberere Stationen und Reduzierung der Reinigungskosten".

Stolz ist die Deutsche Bahn auch darauf, dass in einigen Regionen, darunter Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen, Nahverkehrszüge seit Mitte 2004 generell als Nichtraucherzüge fahren. In anderen Regionen sind Züge bestimmter Fahrzeugbauarten rauchfrei, so zum Beispiel ein- und zweiteilige Dieseltriebwagen auf Nebenstrecken in Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Bei der Modernisierung von Nahverkehrswagen, verspricht die Bahn, werden die Raucherbereiche verkleinert. Doch was in anderen Ländern möglich ist, nämlich generell vollkommen rauchfreie Züge anzubieten, weil Nichtraucherplätze nur dann wirklich rauchfrei sind, wenn sie sehr fern von den Raucherabteilen und -wagen liegen, das lehnt die Deutsche Bahn AG zumindest vorerst noch ab. Sie wartet wohl darauf, gesetzlich oder rechtlich dazu gezwungen zu werden.

 

Zwar setzen immer mehr Hochschulen § 5 ArbStättV in die Praxis um, doch gibt es immer noch Fälle, in denen die NID um Rat und rechtliche Unterstützung gebeten wird.

 

 

Manipulierte Internet-Abstimmung

Wer wirklich wissen will, wie das Volk denkt, braucht repräsentative Befragungen. Denn Abstimmungen über den Anruf einer bestimmten Telefonnummer (TED) oder über den Klick auf einen Button einer Internetseite lassen keine wirklichen Rückschlüsse auf die Mehr- und Minderheitsmeinung zu. Diese Erfahrung musste auch der SPIEGEL - zum wiederholten Mal - machen. Die Zahl der Stimmen für und gegen ein Rauchverbot in Gaststätten pendelte sich sehr rasch auf 2 zu 1 ein und blieb zwischen dem 5. und 12. Februar nahezu konstant (zuletzt 24.108 zu 11.864). Innerhalb von zwei Tagen gewannen jedoch die Gegner eines Rauchverbots die Oberhand. Am 14. Februar um 13 Uhr waren es plötzlich 33.024 Voten gegen rauchfreie Gaststätten. Darauf aufmerksam gemacht, nahm der zuständige SPIEGEL-Redakteur die Abstimmung vom Netz. Der zuständige Redakteur bedankte sich beim Informanten, Eugen Hoppe-Schultze, und teilte ihm mit, dass bestimmte Interessengruppen "Roboter" (spezielle Programme) einsetzten, um die Ergebnisse in ihrem Sinne zu manipulieren. Das sei schon öfters geschehen.

 

Vielen Dank für Ihre tatkräftige Hilfe bei unseren langjährigen Bemühungen! 

Mit diesen Worten bedankte sich die Lehrerin Hildegard Holzleitner bei NID-Mitglied Gerhard Sensenschmidt, Oberstudiendirektor a.D., der ihr bei ihren inzwischen erfolgreichen Bemühungen beigestanden hat, die Alexander-von-Humboldt-Schule im niedersächsischen Wittmund zu einer rauchfreien Schule zu machen. In diesem Zusammenhang gewann die Schule den zweiten Preis beim Wettbewerb "Rauchfrei in Niedersachsen - Schulen machen mit". Der Preis beinhaltete das Gütesiegel "Rauchfrei" und 300 Euro für die Schülerkasse. Belohnt wurden einfallsreiche Aktivitäten zum Thema Tabak- und Suchtprävention. 30 Schulen waren in die engere Auswahl gekommen.

 

Pfeifenkopf Nagel zur Spende gezwungen

Hamburgs Innensenator Udo Nagel, zugleich Polizeipräsident, hatte sich vom tabak forum, einer Interessengemeinschaft der deutschen Pfeifen- und Pfeifentabakindustrie sowie deren Importeure, zum Pfeifenraucher des Jahres 2004 küren lassen. Dafür erhielt er sieben Pfeifen einschließlich Koffer im Wert von 1.842 Euro. Von fachlicher Seite unterstützt, wandte sich die Berlinerin Doris Barnekow an Hamburgs Ersten Bürgermeister Ole von Beust und warf dem Innensenator die verbotene Annahme von Geschenken vor. Zugleich schalteten mehrere Hamburger NID-Mitglieder den Petitionsausschuss ein. Um den politischen Schaden so gering wie möglich zu halten, erklärte sich Udo Nagel bereit, 2.000 Euro an die Obdachlosenhilfe zu spenden. Über den Fall berichteten die beiden größten Hamburger Zeitungen.

 

Welt-Gesundheitstag 2005 

Der Welt-Gesundheitstag am 7. April steht unter dem Motto "Mutter und Kind - Gesundheit von Anfang an!". Am Vortag findet im dbb-Forum in Berlin eine Veranstaltung statt, bei der es am Nachmittag auch um das Rauchen von Frauen, insbesondere um das von Schwangeren geht. Veranstalter: Bundesvereinigung für Gesundheit e.V.

 

Zwei lesenswerte Veröffentlichungen 

Das Deutsche Krebsforschungszentrum (dkfz) hat sich im Rahmen der Roten Reihe im Band 3, Tabakprävention und Tabakkontrolle, der internen, ehemals vertraulichen Dokumente der Tabakindustrie angenommen. Der erste Teil beschäftigt sich mit chemischen Veränderungen an Zigaretten und Tabakabhängigkeit. Daraus geht hervor, mit welch krimineller Energie die Verantwortlichen der Tabakkonzerne die Zigarette chemisch so verändert haben, dass sie für Kinder konsumierbar und das Suchtpotenzial gesteigert wurde. Die Broschüre enthält neben einem umfangreichen Literaturverzeichnis auch eine Liste mit vielen Inhaltsstoffen des Tabakrauchs und deren Einstufung in Hinblick auf ihr Krebserzeugungspotenzial durch die International Agency for Research on Cancer (IARC) der WHO und durch die MAK-Kommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).

Eine weitere 12-seitige Veröffentlichung befasst sich mit der erhöhten Gesundheitsgefährdung durch Zusatzstoffe in Tabakerzeugnissen. Es wird aufgezeigt, dass die für Lebensmittel zugelassenen Zusatzstoffe untauglich sind für Tabakwaren, da Zigaretten nicht gegessen werden, sondern geraucht. Die Umwandlung der Zusatzstoffe bei hoher Temperatur und der inhalative Aufnahmeweg führen zu toxischen Effekten, die bei zum Essen bestimmten Lebensmitteln keine Rolle spielen. Die Autoren, Prof. Dr. Heinz Walter Thielmann und Dr. Martina Pötschke-Langer (Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle), fordern deshalb ein Verbot für


1. alle Kanzerogene und Krebsverdachtsstoffe, 

2. alle Zusatzstoffe, die durch Pyrolyse Kanzerogene entstehen lassen, 

3. alle Substanzen, die zur Suchtverstärkung beitragen,

4. alle Substanzen, die es Kindern und Jugendlichen erleichtern, mit dem Rauchen zu beginnen, das heißt alle "Weichmacher", Inhalationsverstärker, Antischmerzmittel, Antihistaminika usw.

Beide Veröffentlichungen können angefordert werden beim dkzf - WHO-CC 
Im Neuenheimer Feld 280 
69120 Heidelberg 
Fax 06221 423020
who-cc@dkfz.de

 

US-Tabakbosse beim Meineid

 

Schwacher Verteidigungsminister 

Der Mann, der nach seinem Herzinfarkt stark sein und nicht mehr rauchen wollte: Peter Struck, Mitte März 2005 bei einem Abstecher zu seinen Soldaten im Kosovo.

 

 

Terminkalender 

23./24 April 2005
Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. 
und Informationsaustausch der Nichtraucher-Initiativen 
in Bad Soden-Salmünster 
Telefon: 089 3171212

27./28. Mai 2005
8. Deutsche Nikotinkonferenz in Erfurt
Telefon 0361 645080
www.dgnf.de

1. Juni 2005
1. Bayerische Konferenz für rauchfreie Krankenhäuser in München
Telefon 0941 5041922
www.dngfk.de

22. Oktober 2005
Jahreshauptversammlung des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V. in Fulda
Telefon 089 3162525
www.aerztlicher-arbeitskreis.de

 

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein

Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

Anschrift:
Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim
Telefon: 089 3171212 - Fax: 089 3174047
E-Mail: nid@nichtraucherschutz.de
Internet: http://www.nichtraucherschutz.de

Konto: Postbank München - BLZ 700 100 80 - Konto-Nr. 192 445 803

Herstellung: Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.