Nichtraucher-Info Nr. 59 - III/05

Inhalt

Tabakindustrie

Politik

Aktionen

Jugend

Nichtraucherschutz

Gedanken

Terminkalender

Impressum

Recht

Gastronomie International-National

International

Medien

Internes

Statistik

 

 

Gesundheitswissenschaftler im Dienste der Tabakindustrie

Der NID sind sie schon seit langem bekannt: die Wissenschaftler Jürgen Freiherr von Troschke, Johannes Siegrist, Johannes Gostomzyk und Karl Überla, über die Der SPIEGEL in seiner 23. Ausgabe 2005 berichtete. Allesamt sind bzw. waren sie im Gesundheitsbereich tätig und haben einen Beitrag dazu geleistet, die Öffentlichkeit über die Risiken des Rauchens und Passivrauchens zu täuschen. Zwangsläufig ist Ihnen deshalb die Mitschuld am Tod tausender Raucher und Passivraucher zu geben - ihnen und all jenen, die Gelder von der Tabakindustrie erhalten und die Folgen des Tabakkonsums verschwiegen oder verharmlost haben.

Troschke zum Beispiel hat sich mindestens zehn Jahre lang Berichte zum Rauchen vom Verband der Cigarettenindustrie bzw. von deren zu diesem Zweck geschaffenen Einrichtungen, dem Forschungsrat Rauchen und Gesundheit und dessen Nachfolgerin, die Stiftung Verum, bezahlen lassen. In Debatten über die Gefahren des Passivrauchens trat Troschke als der große Verharmloser des Passivrauchens und Gegner einer "Diskriminierung der Raucher" auf. Anfang der achtziger Jahre gab er sich bei einer Diskussion im Bayerischen Fernsehen, an der auch NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause teilnahm, als Nichtraucher, der gern passiv mitraucht, zu erkennen. Mit dabei war auch der Vorsitzende von Philip Morris, Günter Wille (später auch Vorsitzender des Verbandes der Cigarettenindustrie), der die Äußerungen Troschkes wohlgefällig aufnahm und sie wohl als Basis für eine fruchtbare Beziehung ansah.

Mit "Ein Fall für den Staatsanwalt" überschrieb die Zeitschrift Stern einen Bericht über die Machenschaften des ehemaligen und geschassten Präsidenten des Bundesgesundheitsamtes, Karl Überla. Dieser hatte u.a. einen Arbeitsbericht über Passivrauchen ganz im Sinne der Zigarettenindustrie zensiert. In den Jahren danach trat er als Zweifler z.B. am Ergebnis einer Studie des Japaners Hirayama auf. Dieser hatte erstmals nachgewiesen, dass Passivrauchen Lungenkrebs verursacht. Überla begründete seine Kritik u.a. damit, dass die Japaner so eng zusammen wohnten und diese Daten deshalb nicht auf Europa mit seinen großen geräumigen Wohnungen übertragen werden könnten. Dass die japanischen Wohnungen schon allein dadurch zwangsbelüftet werden, dass die meisten Wohnungen und Fenster mit Schiebetüren versehen sind und die Durchschnittstemperatur in den Sommermonaten im mittleren und südlichen Japan bei über 30 Grad liegt (Tokio befindet sich auf dem gleichen Breitengrad wie Tripolis, die Hauptstadt von Libyen, Nordafrika), verschwieg er geflissentlich - auch bei einem Vortrag in den Räumen der Universität München Anfang der neunziger Jahre, als er sich danach den kritischen Fragen des Vorsitzenden des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, Prof. Dr. Friedrich Wiebel, und von Ernst-Günther Krause stellen musste.

Geld erhält von der Tabakindustrie nur, wer Gegenleistungen erbringt. Johannes Siegrist z.B. stellte u.a. den Antrag, mit Fördergeldern der Frage nachgehen dürfen, ob traditionelle Risiken wie das Rauchen erst dann zu einer höheren Anfälligkeit für Herzkrankheiten führen, wenn sie mit psychosozialen Belastungen wie "beruflichen Gratifikationskrisen" zusammenfallen würden. Johannes Gostomzyk erstellte z.B. einen Bericht, der die Untersuchung der Amerikaner James White und Herman Froeb als unwissenschaftlich abqualifizierte. Die beiden Wissenschaftler hatten nämlich belegt, dass in verqualmten Büros auch die Lungen von Nichtrauchern leiden, was nicht im Interesse der Tabakindustrie liegen konnte.

Die vier nun vom SPIEGEL angeprangerten Wissenschaftler waren nicht die einzigen, die Gelder von der Tabakindustrie bezogen und mit wohlfeilen Äußerungen deren Position gestützt haben. Was sie von anderen vor allem unterscheidet, ist ihre Forschungsrichtung. Als Gesundheitswissenschaftler sollten sie sich besonders um vorbeugende Maßnahmen zur Gesunderhaltung kümmern, taten aber das Gegenteil. Viele Jahre lang saßen sie und sitzen sie teilweise noch in Beratergremien mit großem Einfluss auf die Gesundheitspolitik.

Es ist dem Berliner Gesundheitswissenschaftler und Publizisten Dietmar Jazbinsek zu verdanken, dass diese Zusammenhänge noch stärker als bisher ans Tageslicht gekommen sind. Bei der Durchsicht einiger der mittlerweile 42 Millionen Schriftstücke, die die amerikanischen Tabakkonzerne ins Internet stellen mussten, war er eher zufällig auf diese Stellen gestoßen und hatte das Ergebnis seiner Recherchen in einem Bericht für das Heidelberger WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle zusammengefasst.

Kommentar: All jene, die gegen oder ohne Bezahlung wissenschaftliche Erkenntnisse zu Lasten der Gesundheit und des Lebens von Millionen Menschen manipulieren, gehören m.E. hinter Schloss und Riegel - ebenso wie ihre jegliche ethische Normen ignorierenden Auftraggeber. egk

 

Welt-Nichtrauchertag 2005 findet gute Resonanz

Der diesjährige Welt-Nichtrauchertag fand in der Öffentlichkeit rege Beachtung. Wohl kaum ein anderer in den letzten zehn Jahren führte zu so viel Meldungen in Presse, Rundfunk und Fernsehen wie der dem Thema Gesundheitsberufe und Tabakkontrolle gewidmete weltweite Aktionstag. Die NID wies in einer Pressemitteilung auf die um 50 Prozent höhere Krankheitshäufigkeit von erwerbstätigen Rauchern und Ex-Rauchern gegenüber Nichtrauchern hin und bot ihr Informationsmaterial sowie ihr Ausstellungs-Set an. Am Morgen des 31. Mai diskutierte Dr. Helmut Weber für die NID im ARD-Morgenmagazin mit dem Raucherclub-Vertreter Klaus Hönig und stellte diesen bloß. Einen Tag später war die NID durch Ernst-Günther Krause bei der Podiumsdiskussion im Rahmen der 1. Bayerischen Konferenz für rauchfreie Krankenhäuser vertreten. Für mehrere Veröffentlichungen in lokal-regionalen Zeitungen und Zeitschriften sorgte NID-Mitglied Peter Treitz.

 

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN führte bei Angehörigen von Gesundheitsberufen eine Unterschriftensammlung mit sieben Forderungen an die Bundesregierung durch. In der Begrünung heißt es am Schluss: "Eine umfassende Tabak-Kontroll-Politik ist nicht nur notwendig in Anbetracht akuter und zunehmender gesundheitlicher Probleme der Bevölkerung. Sie stellt vor allem - vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung - eine ethische Verpflichtung gegenüber den nachfolgenden Generationen dar." Dem schließt sich die NID voll an. Dieses Motiv kann sowohl als Poster im Format A2 als auch als Postkarte angefordert werden bei der Deutschen Krebshilfe, Thomas-Mann-Str. 40, 53111 Bonn, Telefon 0228 72990-11.

Dass der diesjährige Welt-Nichtrauchertag viel Resonanz in den Medien fand, liegt vor allem daran, dass seit Beginn des Jahres immer neue Themen die öffentliche Diskussion belebten. Es fing an mit dem Rauchverbot in Italiens Gaststätten und ging weiter mit der Forderung, die dritte Erhöhung der Tabaksteuer rückgängig zu machen. Danach standen die Zusatzstoffe in Tabakprodukten im Blickpunkt der Öffentlichkeit und zum Schluss das Tabakwerbeverbot. Es ist etwas in Bewegung geraten, das Hoffnung auf weitere, größere Fortschritte macht.

 

Welche Partei soll ich wählen?

Im September wird - so der Stand bei Drucklegung - ein neuer Bundestag gewählt. Das hat mehrere NID-Mitglieder, aber auch solche, die keiner Nichtraucher-Initiative angehören, veranlasst, bei der NID nachzufragen, welche Partei sie denn aus Sicht eines Nichtrauchers wählen sollten. Klare Antwort: Die NID ist ein gemeinnütziger Verein, der sich parteipolitisch neutral verhalten muss und deshalb keine Wahlempfehlung geben darf. Allerdings darf die NID die verschiedenen Positionen der Parteien - sofern sie bekannt sind - darstellen und über Äußerungen und Anträge von Parteimitgliedern sowie über politische Entscheidungen berichten. Die Wertung des Geschriebenen bleibt dem Leser überlassen.

Grundsätzlich gilt, dass politische Parteien für viele Lebensbereiche Vorstellungen über ihre Gestaltung entwickeln und für viele Probleme Lösungsvorschläge erarbeiten und anbieten müssen. Der Themenbereich Rauchen und seine Folgen für die Raucher, die Nichtraucher, das Gesundheitswesen, die Steuereinnahmen usw. ist deshalb nur einer von vielen. Seine Gewichtung innerhalb der Gesamtheit hat jeder Einzelne selbst vorzunehmen.

Die einzige Möglichkeit zur direkten Einflussnahme auf die Wahl eines ganz bestimmten Kandidaten ist durch die Erststimme gegeben. Zum Abgeordneten des Deutschen Bundestages ist nämlich gewählt, wer im Wahlkreis die meisten Stimmen erhalten hat. Bei der für die Zusammensetzung des Bundestages entscheidenden Zweistimme ist das Kreuz gleichbedeutend mit der Wahl aller auf der Landesliste aufgeführten Kandidaten - unabhängig davon, ob sie Raucher oder Nichtraucher sind bzw. für oder gegen Nichtraucherschutz eingestellt sind.

Nachweislich hat noch keine Bundesregierung dermaßen viele Projekte gegen das Rauchen finanziert wie die jetzige aus SPD und Grünen - ein Teil davon allerdings mit den Mitteln aus dem "Tabak-Deal", also mit direkter Unterstützung der Tabakindustrie. Wie die frühere Kohl-Regierung hat die Schröder-Regierung gegen die EU-Richtlinie zum Tabakwerbeverbot geklagt, ist derzeit aber dabei, die Richtlinie noch vor einer Entscheidung des EU-Gerichtshofes umzusetzen. Auch die Erhöhung der Tabaksteuer geht auf ihr Konto. Die Opposition aus CDU/ CSU und FDP stimmte dagegen.

Auf Landesebene haben sowohl CDU- als auch SPD-geführte Länder rauchfreie Schulen eingeführt. Mehrere CDU/ CSU-Abgeordnete machten mit starken Äußerungen gegen das Rauchen Schlagzeilen. Diese Bekundungen wurden von der Parteispitze jedoch als Einzelmeinungen abgetan. Bei der FDP scheint es keinen höherrangigen Politiker zu geben, der die Interessen der Nichtraucher höher schätzt als die Interessen der Tabakindustrie und der Printmedien. Wer diese Partei wählt, muss sich darüber im Klaren sein, dass er die Tabaklobby unterstützt. Doch unabhängig davon: Weitere Maßnahmen gegen das Rauchen und für einen wirksamen Nichtraucherschutz lassen sich wie 2001/02 beim Arbeitsplatz nur parteiübergreifend durchsetzen.

 

FDP gegen Tabakwerbeverbot 

Mit "Bürger sind keine Konsumtrottel" betitelte die FDP-Bundestagsfraktion ihre Pressemitteilung vom 13. Mai 2005 zum von Renate Künast angekündigten Tabakwerbeverbot:

"Es ist schizophren, Werbung für ein legales Produkt zu verbieten. Die Bundesregierung setzt mit dieser Initiative ihren Kurs der staatlichen Überregulierung und Bevormundung fort. Darüber hinaus versetzt sei den ohnehin mit Strukturproblemen kämpfenden Zeitungs- und Zeitschriftenverlagen sowie den Kinos einen weiteren Schlag. Denn in einem schwierigen Werbeumfeld hat sich die Werbung für Tabakwaren als verlässliches Standbein bewiesen, gerade weil sie nicht konjunkturabhängig ist.

Ein Werbeverbot stellt einen schwerwiegenden Eingriff in die marktwirtschaftlichen Mechanismen dar. Es geht vom Menschenbild des Bürgers als Konsumtrottel aus. Die Bundesregierung will durch das Werbeverbot gesellschaftliche Verhaltensweisen verändern, ohne dass wissenschaftlich bewiesen wäre, dass ein Werbeverbot überhaupt den Umfang des Tabakkonsums beeinflusst. Die Erfahrungen aus anderen Ländern sprechen eher dagegen. Der Gipfel der Absurdität ist jedoch, dass die Bundesregierung gegen dieselbe EU-Richtlinie vor dem Europäischen Gerichtshof klagt, die sie jetzt in ein deutsches Gesetz gießen will."

Kommentar: Es ist schizophren, gegen ein Tabakwerbeverbot für ein legales Produkt zu agieren, ohne bereit zu sein, das legale Produkt zu einem illegalen zu machen. Es ist gewissenlos, so zu tun, als ziele die Tabakwerbung auf Erwachsene statt auf Kinder und Jugendliche. Es ist skrupellos, die sittenwidrige Werbung für ein Tod und Elend bringendes Produkt niedriger als die Interessen der Profitierer dieser Werbung zu setzen. Es ist absurd, der Bundesregierung eine Klage vorzuhalten, die man selbst befürwortet. Wer sich so verhält, ist ein Tabaktrottel. egk

 

Zusatzstoffe veröffentlicht

Was könnte wohl die Tabakindustrie veranlasst haben, dem Tabak Stoffe beizufügen? Ganz einfach: Der Tabakrauch soll genießbarer werden, besonders für Kinder und Jugendliche. Ohne Zusatzstoffe wie Kakao, Vanille, Schokoladen oder Zucker käme es nämlich vermehrt zu Husten und Ekelreaktionen. Außerdem soll das Nikotin schneller und gründlicher wirken - dank Ammoniak, Soda und Harnstoff. Schließlich soll die Zigarette ein Produkt sein, von dessen Verkauf man leicht lang "leben" kann. Und was geschluckt und gegessen werden kann, kann doch dann, wenn es verbrannt wird, auch nicht schädlich sein. Oder doch?

Was alles in dem Chemikalien-Cocktail Zigarettentabak steckt, ist auf der Internetseite www.verbraucherministerium.de nachzulesen. Weitere Informationen insbesondere über die Wirkung der Zusatzstoffe und deren Verbrennungsprodukte sind unter www.tabakkontrolle.de zu finden.

 

Meinungsbildung durch die Medien

Wer den Inhalt der Berichte, Meinungen und Kommentare zum Rauchen und Nichtraucherschutz in den Medien seit 1970 analysiert, wird nicht umhin kommen, einen deutlichen Wandel festzustellen. Wurden die Forderungen der Nichtraucher damals noch als Wünsche von Sonderlingen abgestempelt, liegen sie heute im Trend. Die Raucher sind in eine Position geraten, die bestenfalls mit einem geordneten Rückzug zu vergleichen ist. Für ihre - bisherige - Einstellung lassen sich einfach keine nachvollziehbaren und - noch viel weniger - vernünftigen Argumente finden. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Eine solche Ausnahme bildet der Artikel "Feuer frei" im Magazin Nr. 19 der Süddeutschen Zeitung vom 13. Mai 2005. Von der 40-jährigen Susanne Weingarten geschrieben, führt er all die Plattitüden auf, mit der das "hirnrissige" Verhalten Rauchen in der Vergangenheit verteidigt wurde. Statt die logische Schlussfolgerung aus dem Eingangsstatement "Rauchen ist sehr, sehr, sehr, sehr gesundheitsschädlich" zu ziehen, wird behauptet, dass Rauchen etwas mit Genuss und nicht mit Sucht zu tun habe. Gesundheitspolitik gegen das Rauchen sei Moralpolitik. Aus der empirisch gesicherten und im Artikel zitierten Feststellung, dass die Raucherquote mit dem Einkommen entgegengesetzt korreliert (je höher das Einkommen, desto niedriger die Raucherquote), macht die Autorin eine "Diskriminierung von Personen aus der unteren Schicht". Sie scheint nicht begreifen zu wollen, dass das Rauchen "Privileg der Jungen, der Armen, der Neger und der Dummen" ist - so die Antwort eines Managers des US-Tabakkonzerns Reynolds auf die Frage, warum er nicht rauche.

Zur Entlastung von Susanne Weingarten lässt sich sagen, dass das wöchentliche Magazin der Süddeutschen Zeitung sich vor allem dadurch "auszeichnet", dass es das Alltäglichste zu etwas Außergewöhnlichem macht - sowohl vom Text als auch von der Bebilderung her. So gesehen ist der Artikel ein Zeitdokument für die letzten Rückzugsgefechte der Raucher.

Erfreulicherweise weichen die Berichte und Kommentare in der Süddeutschen Zeitung erheblich vom Weingarten-Artikel im SZ-Magazin ab. Auch einer der größten bundesweiten Konkurrenten der SZ, die Frankfurter Allgemeine Zeitung, stellt sich der Realität. So schreibt Joachim Müller-Jung im FAZ-Leitartikel "Zynische Raucherkultur" am 19. Mai 2005: "Die Tabakindustrie steht am Pranger. Ihre Idee, Zigaretten als eine Art Lebenselixier der Erfolgreichen, Besseren und Schöneren anzupreisen, vermag dem hässlichen Bild, das die medizinische Wirklichkeit abgibt, nicht mehr standzuhalten." Am Tag zuvor hatte die eher wirtschaftsfreundliche FAZ die Tabaksteuererhöhungen unterstützt: "Es ist der rot-grünen Bundesregierung hoch anzurechnen, dass sie anders als die CDU-FDP-Regierungen zuvor der Suchtstoff-Lobby trotzt; wenn hier Steuererhöhungen, wie zuletzt die auf den Tabak, zu vermindertem Konsum, einer Erhöhung der Einstiegsschwelle und schließlich sogar zu Steuerminderungen führen, kann man das nur begrüßen.

 

Die NID hat ihre Broschüre Rauchfrei aufwachsen! aktualisiert und in Teilen neu bearbeitet Sie enthält u.a.: 
  1. die durchschnittlichen Geburtsmaße bei Kindern von Nichtraucherinnen und Raucherinnen

  2. Diagramme mit 

    dem Raucheranteil nach Altersgruppen
    mit Daten von Rauchern, Ex-Rauchern und Nie-Rauchern zur Krankheitshäufigkeit, zum Familienstand, zur Schulbildung und zum Einkommen

  3. den Rap-Song "Sie" von SammYB

  4. wichtige Schadstoffe im Tabakrauch

Die Broschüre liegt auch als PDF-Datei auf der Webseite der NID vor. Die NID stellt die Broschüre in angemessener Stückzahl kostenlos zur Verfügung.

 

Für eine Kultur des Nichtrauchens 

Ein Arbeitskreis des Kreisjugendrings Altötting hat in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, den Jugendmitarbeitern des Landkreises und dem Kirchlichen Jugendbüro die Aktion "Für eine Kultur des Nichtrauchens" gestartet und dazu vier Themenkreise ausgewählt: Mit dem "Ehrenkodex für Gruppenleiter" soll erreicht werden, dass diese nicht in Gegenwart der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen rauchen. Durch Ausgabe der von der NID zur Verfügung gestellten Tischaufsteller "Reserviert für Nichtraucher" sollen Gaststätten dazu gebracht werden, überhaupt bzw. mehr rauchfreie Bereiche auszuweisen als bisher. In den Vorbereitungskursen für Brautpaare erhalten alle Teilnehmer eine Aufforderung, ihre Hochzeitsfeier rauchfrei zu gestalten. In der Geschäftsstelle des Kreisjugendrings werden Plakate und anderes Material (auch von der NID) ausgestellt und an Interessierte ausgegeben. Ansprechpartner: Josef Griesbeck, Telefon 08671 6849.

 

 

Das wird die erste Generation sein, die vor ihren Eltern stirbt.

Dr. med. Martina Pötschke-Langer, Leiterin des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle, auf die Frage, was den Kindern droht, die mit 11 und 12 Jahren zu rauchen beginnen und nicht damit aufhören.

 

 

Nichtraucherblock im Berliner Olympiastadion 

Im März 2004 hatte der Nichtraucherbund Berlin e.V. angeregt, dem Wolfsburger Beispiel zu folgen und auch im Berliner Olympiastadion einen Nichtraucherbereich einzurichten. In einer E-Mail der Hertha BSC KG mbH aA vom 26. April 2005 heißt es: "Der ehemalige Block A, der seit Beginn der Rückrunde zum Langnese Familienblock wurde, wir zur neuen Saison auch gleichzeitig zum Nichtraucherblock.

"Rauchfreie" Verwaltung in Grünstadt 

Der Bürgermeister von Grünstadt in Rheinland-Pfalz hat auf die Beschwerde von Eugen Hoppe-Schultze in der Rheinpfalz vom 18. Februar 2005, wonach das Foyer im Allwetterbad oft stark verqualmt sei, reagiert und eine Dienstanweisung erlassen, wie sie dem Nichtraucherschutz-Paragrafen der Arbeitsstättenverordnung entspricht. Es gilt ein generelles Rauchverbot - mit Ausnahmen. Geraucht werden darf nur noch in speziellen Raucherräumen, wobei diese so beschaffen sein müssen, dass keine Besucher und Mitarbeiter belästigt werden. Kein Rauchverbot gibt es im Außenbereich des Bades.

Der Bürgermeister will das Rauchverbot auch auf alle öffentlichen Einrichtungen ausdehnen, an denen die Stadt beteiligt ist. Dazu gehören die Haupt- und die Musikschule, die Jugendwerkstatt und das Haus der Jugend. Die NID wünscht ihm bei den Gesprächen mit den Beteiligten viel Erfolg und hofft, dass dieses Beispiel Schule macht. 

 

Rauchfreie R-Züge in fünf Bundesländern 

In den Regionalzügen der Deutschen Bahn herrscht spätestens zum Jahresende in fünf Bundesländern ein Rauchverbot. Pünktlich zum Welt-Nichtrauchertag kündigte die Bahn an, das Rauchen auch in den Regionalzügen in Bremen und in Niedersachsen zu verbieten. Dazu müssten die knapp 400 Raucherabteile nicht nur umgezeichnet, sondern auch einer gründlichen Tiefenreinigung unterzogen werden. Rauchfreie Regionalzüge gibt es bereits in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Baden-Württemberg. Wann folgen die anderen Bundesländer? Weser-Kurier, 11.5.05 Süddeutsche Zeitung, 31.5.05

Gespräch mit der Bahn 

Prof. Dr. Friedrich Wiebel, Sprecher des Aktionsbündnisses Nichtrauchen, führte am 29. April 2005 in der Berliner Zentrale des Konzerns ein Gespräch mit Vertretern der Deutschen Bahn. Dabei begründete er die Notwendigkeit für einen besseren Nichtraucherschutz bei der Bahn. Der Vorstandssprecher der Bahn sagte zu, dass er die Möglichkeit gemeinsamer Kontrollmessungen der Tabakrauchbelastung in den Zügen mit den Partikelzählgeräten des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit und der NID prüfen werde. Voraussichtlich im September sei eine Entscheidung der Konzernleitung über die von Wiebel geforderten Nichtraucherschutzmaßnahmen zu erwarten.

 

Der Arbeitsagentur Beine gemacht 

Den Mitarbeitern der Arbeitsagentur Wiesbaden scheint ihre Arbeit so viel Frust zu bereiten, dass sie sich nur mit Nikotin arbeitsfähig halten können. Diesen Eindruck gewann NID-Mitglied Markus Fink, als er ein paar Termine wahrzunehmen hatte. Randvolle Aschenbecher und rauchhaltige Luft in den Besprechungszimmern machten ihm den sowieso schon schweren Gang noch schwerer. In Abstimmung mit der NID beschwerte er sich deshalb bei der Agentur für Arbeit Wiesbaden und sandte eine Kopie auch an die Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg. Das zeitigte Wirkung.

Der Vorsitzende der AfA-Geschäftsführung in Wiesbaden, Michael Göschel, teilte Markus Fink mit, dass er dessen Schreiben zum Anlass genommen habe, "diese Problematik nochmals im Führungskreis und in den entsprechenden Gremien zu thematisieren." Um sicher zu stellen, dass die nichtrauchenden Besucher nicht mehr von rauchenden Mitarbeitern belästigt werden, hat die Arbeitsagentur geeignete Vorkehrungen getroffen. So sind - nach dem neuen Geschäftssystem der Bundesagentur - künftig nur noch terminierte Vorsprachen bei Fachkräften möglich, die in rauchfreien Büroräumen stattfinden. Gesprächstermine mit dem Vermittler oder Sachbearbeiter können entweder telefonisch oder in der - rauchfreien - Eingangszone vereinbart werden. Damit sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass sich Markus Fink nun unter rauchfreien Bedingungen einen rauchfreien Job suchen kann. 

 

Nichtrauchermarkt an der Universität Hohenheim 

Einen "Nichtrauchermarkt" mit einem Schnupperkurs zu Entwöhnungshilfen bot der Arbeitskreis Sucht der Universität Hohenheim am Welt-Nichtrauchertag an. Nicht ohne Grund, denn bisher war die Uni Hohenheim teilweise rauchfrei, ab dem Wintersemester 2005/06 wird der ganze Campus rauchfrei sein. Dazu erklärte der Rektor, Prof. Dr. Hans-Peter Liebig: "Abgesehen vom Nichtraucherschutz ist es unser zentrales Anliegen, alle Universitätsangehörigen zu unterstützen, die das Rauchen aufgeben wollen." Das Angebot steht auch nach dem Aktionstag. Unter www.uni-hohenheim.de/ rauchfrei können sich Raucher über hilfreiche Angebote informieren.

 

Marburger Bund fordert rauchfreie Krankenhäuser 

"Die Ärzte haben eine Vorbildfunktion" und "Tabakrauch gehört nicht ins Krankenhaus". Der Vorsitzende des Ärzteverbandes Marburger Bund, Frank Ulrich Montgomery, drückt damit aus, was eine große Mehrheit der Bundesbürger denkt. Ausnahmen von der Regel dürfe es nach Montgomery lediglich dann geben, wenn der Nikotinentzug den Heilungsprozess eines Patienten störe. Doch dies dürfte nur sehr selten der Fall sein. Nach Angaben der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, sind nur 50 der 2000 deutschen Krankenhäuser völlig rauchfrei. Von den Ärzten rauchen rund 20 Prozent, während es beim Pflegepersonal 40 Prozent sind. www.n-tv.de, 23.5.05

 

Hütten des DAV generell rauchfrei

Schon im Sommer 2004 hatte der Deutsche Alpenverein (DAV) beschlossen, den Tabakqualm auf allen seinen 332 Hütten - auch die im Tal gelegenen - zu verbieten. Seit Januar 2005 ist es nun in Kraft. "Hütten sind Stützpunkte in der Natur und damit in erster Linie Anlaufpunkt für erholungssuchende Wanderer und Bergsteiger, die in ihrer Freizeit eine intakte Umwelt erleben wollen", argumentierte der DAV. Viele Bergsportler hätten sich in der Vergangenheit über verqualmte Hütten beschwert. Raucher seien aber nach wie vor gern gesehene Gäste. Manche Hütten, die als leicht erreichbares Ausflugsziel gelten, wollen das Rauchen in bestimmten Räumen weiterhin erlauben. 

 

 

Rauchfreie Schulung durchgesetzt 

Als Angestellter der Gemeinde Gräfelfing nahm Henri Kuntnowitz, zugleich Mitglied der Nichtraucher-Initiative München, im Herbst 2004 an zwei Fortbildungsseminaren in von der Bayerischen Verwaltungsschule (Bay VS) gemieteten Hotelräumen teil - leider unter rechtswidrigen Verhältnissen. Weder wurde Paragraf 5 Arb StättV beachtet noch die Gemeinsame Bekanntmachung der Bayerischen Staatskanzlei und der Bayerischen Staatsministerien vom 3. Mai 2004. Beide verpflichten den Arbeitgeber bzw. die Dienststelle, durch geeignete Maßnahmen für einen wirksamen Nichtraucherschutz zu sorgen.

Henri Kuntnowitz wandte sich deshalb zunächst an die BayVS und etwas später an das für die BayVS zuständige Staatsministerium des Innern, das wiederum die BayVS zur Stellungnahme aufforderte. In der Stellungnahme teilte die BayVS mit, dass die seit einiger Zeit laufenden hausinternen Abstimmungen bezüglich des Nichtraucherschutzes nunmehr abgeschlossen und Regelungen getroffen worden seien, die es Herrn Kuntnowitz erlauben würden, ein vom 18. bis 24. April 2005 stattfindendes Seminar ohne Gefährdung der Gesundheit zu besuchen.

 

 

Wer seine Mitmenschen dazu zwingt,
 passiv mitzurauchen und dafür noch Toleranz einfordert, 
ist entweder dumm oder dreist.

 Peter Hahne

 

Das Motiv Rauchfrei! in den Hauptfarben Gelb und Blau kann als Tischaufsteller (13 x 10 cm) und ovaler Aufkleber in 12 cm Breite kostenlos bezogen werden bei folgender Anschrift: Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. St.-Wolfgang-Weg 1 82445 Grafenaschau Telefon 08841 9864, Fax 08841 47836, www.aerztlicher-arbeitskreis.de.

 

Belastungen

Bei einer Zugfahrt von Stuttgart nach Ulm hatte ich mich vorher am Bahnsteig schon geärgert, dass es immer wieder Leute gibt, die sich ungeniert außerhalb der markierten Raucherbereiche ihre Zigaretten anzünden. Dem konnte ich aber ausweichen. 

Anders war das im Zug. Wegen meines schweren Gepäcks blieb ich im Vorraum. Von weitem hörte ich ein Grölen, dann stiegen kurz vor Abfahrt des Zuges zwei kräftige Männer und eine Frau ein. Einer, mit wilder Mähne und volltätowiert, rauchte. Erst sah es so aus, als wolle er die Zigarette ausdrücken, doch dann rauchte er weiter. Da mich der Tabakqualm störte, bat ich ihn höflich, mit dem Rauchen aufzuhören, hier sei der Nichtraucherbereich. Daraufhin begann eine wüste, unflätige Beschimpfung mit massiver körperlicher Bedrohung von allen drei Leuten mir gegenüber. Ein Argumentieren nützte nichts, sondern heizte die Situation nur noch mehr an. 

Da schaltete sich von den sonst anwesenden Passagieren ein junger Mann ein und bat in ruhiger Art, dass die drei Ruhe geben sollten. Daraufhin wurde er ebenso obszön beschimpft und ebenso bedroht wie ich. Als ich den Schaffner auf dem Gang sah, rannte ich schnell zu ihm hin und bat ihn um Hilfe. Er kam, konnte die Leute aber auch nicht beschwichtigen oder von den Beleidigungen abhalten. Ein paar Mal sah es so aus, dass gleich körperliche Gewalt beginnen würde.

 Vielleicht haben wir es einfach durch ruhiges Dasitzen, festen Blick und Stillschweigen geschafft, dass es bis zum nächsten Halt zu keiner Eskalation kam. Wüst fluchend stiegen die drei aus. Es hätte auch schlimm ausgehen können. Am ganzen Leib vor Aufregung zitternd, dankte ich dem jungen Mann für seine Hilfe. 

Nachts wachte ich dann etliche Male auf von Angst- und Rachephantasien geplagt. Hätte ich den Mund halten sollen und mich dafür einqualmen lassen? Ich hätte aber auch krankenhausreif geschlagen werden können. 

Wolfgang Schwarz, Steinheim

 

 

In Bad Homburg, Berlin, Hamburg, Hannover, Karlsfeld, Meppen und München richteten bis zu vier Plakatwände gleichzeitig einen Appell an rauchende Eltern. Die Kosten in Höhe von 80 bis 150 € trugen engagierte Mitglieder der NID und lokal-regionaler Nichtraucher-Initiativen. Wenn auch Sie die Kosten für eine Plakatwand für zehn Tage spenden wollen (steuerlich abzugsfähig), wenden Sie sich bitte an die NID (Telefon  089 317 12 12) und geben Sie an, welche Plakatwand in ihrem Ort mit dem Motiv beklebt werden soll. Bei Beginn der Klebezeit wird – falls Sie damit einverstanden sind – die örtliche Presse informiert, um die Öffentlichkeitswirkung zu erhöhen.

 

Mitgliederversammlung der 
Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. (NID) 
am 23. April 2005 in Bad Soden-Salmünster

1. Protokoll

Prof. Dr. Ekkehard Schulz, Präsident der NID, begrüßte um 14:10 Uhr im Kurhotel Birkenhof 23 Einzelmitglieder, davon 7 Vertreter von Nichtraucher-Initiativen, und 8 Gäste (vgl. Teilnehmerliste). Den Rechenschaftsbericht des Vorstands für das Jahr 2004 begann er mit der Darstellung der umfangreichen Bemühungen von ihm und NID-Vizepräsident Dr. Wolfgang Schwarz zur Durchsetzung rauchfreier Schulen. Anschließend setzte NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause, den Rechenschaftsbericht fort mit einer Schilderung der vielfältigen Tätigkeiten, die in der Geschäftsstelle anfallen. Dr. Thomas Stüven bestätigte die Ordnungsmäßigkeit der Rechnungsführung, deren Prüfung er zusammen mit Doreen Otto-Pfütze am 26. Januar 2005 in Stuttgart vorgenommen hatte, und stellte den Antrag auf Entlastung des Vorstands. Dem kam die Mitgliederversammlung einstimmig nach. Dr. Wolfgang Schwarz trug anschließend seine und die ihm bekannten Vorstellungen anderer Mitglieder und Nichtmitglieder zum Tagesordnungspunkt "Schwerpunkte und Strategien" vor. Bei der folgenden Diskussion gab es dazu sowohl gegensätzliche als auch übereinstimmende Meinungen. Der Vorschlag von Doreen Otto-Pfütze, die nächste Mitgliedersammlung in Weimar abzuhalten, fand eine große Mehrheit. Die Mitgliederversammlung endete nach einem Schlusswort Prof. Dr. Ekkehard Schulz um 18:15 Uhr. 

Protokollführer: Ernst-Günther Krause

 

2. Rechenschaftsbericht

2004 setzte die NID ihre Bemühungen fort, die Landesregierungen zu bewegen, die rauchfreie Schule zur Norm zu machen. Erfreulicherweise ist dies in einigen Bundesländern inzwischen Realität geworden.

Mit dem Druck des Motivs "Kindesmisshandlung Passivrauchen" in Plakatwandgröße hat die NID die Voraussetzung dafür geschaffen, dieses Thema vielen Menschen buchstäblich vor Augen zu führen. Bis zum Ende des Geschäftsjahres hatten sich schon fünf Mitglieder bereit erklärt, die Kosten für zehn Tage Plakatwandwerbung zu spenden.

Viele Stunden konzentrierte Arbeit erforderte die Unterstützung von Nichtrauchern bei der Durchsetzung ihres Rechts auf Schutz vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch. Manche Einsätze zogen sich sogar über mehr als ein Jahr hin. Der Fall "Bundesknappschaft München" belegte dabei den Spitzenplatz. In mehr als zehn Schreiben mit insgesamt über zwanzig Seiten setzte sich die NID für die Beschäftigten dieser Krankenkasse ein. In ähnlicher Weise half die NID auch Studierenden. Mehrere Mieter und Eigentümer erhielten von der NID individuell zugeschnittene Vorschläge, wie sie sich gegen rauchende Nachbarn zur Wehr setzen können.

Die Anschrift der NID ist in vielen Büchern, Zeitschriften und Datenbanken zu finden. Und selbstverständlich auch im Internet. Wer mit Google auf Suche geht, stößt bei vielen Begriffen auf die Webseite der NID. Ein wichtiger Grund dafür ist, dass alle Ausgaben des Nichtraucher-Infos seit 1996 im Internet zur Verfügung stehen.

 

Der Umfang des Postversands allein durch die Geschäftsstelle zeugt für die zahlreichen Aktivitäten der NID und den damit verbundenen enormen zeitlichen und manchmal auch nervenden Arbeitsaufwand: 
 

Die NID ergänzte ihr Internetangebot um weitere Dokumente und Vorträge, die vor allem Multiplikatoren helfen sollen, die Menschen, mit denen sie zu tun haben, umfassend und fachlich einwandfrei zu informieren. Diesem Ziel dienten auch die beiden Vorträge von Ernst-Günther Krause bei der 2. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle am Ende 2004 in Heidelberg.

Die NID informierte die Presse ungleich mehr über Presseinterviews als über Pressemitteilungen. In vielen Fällen konnte sie Journalisten an andere kompetente Gesprächspartner mit Spezialwissen weiterreichen. Gegen Spendenbescheinigungen erschienen in den Zeitschriften leben & erziehen sowie schwangerschaft & geburt ganzseitige Anzeigen mit dem Motiv "Rauchen während der Schwangerschaft macht ihr Kind süchtig." zusammen mit dem Spendenkonto der NID im Wert von bisher über 150.000 Euro.

Auch dieses Geschäftsjahr war geprägt von einer guten Zusammenarbeit sowohl mit den lokal-regionalen Nichtraucher-Initiativen als auch mit den Organisationen, die im Aktionsbündnis Nichtrauchen das Steuerungsgremium bilden, insbesondere mit deren Sprecher, dem Vorsitzenden des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit, Prof. Dr. Friedrich Wiebel.

Am Ende des Geschäftsjahres hatte die NID 673 Mitglieder: 653 Einzelpersonen (428 männlich, 225 weiblich), 15 Nichtraucher-Initiativen und 5 Firmen.

Allen, die einen Beitrag dazu geleistet haben, den Nichtraucherschutz zu verbessern und die Basis für eine rauchfreie Gesellschaft zu verbreitern, einen herzlichen Dank!

 

D

er Rückgang bei den Mitgliedsbeiträgen ist terminbedingt, d.h. dass die Beitragszahlungen für 2004 teilweise bereits Ende des Jahres 2003, die Beitragszahlungen für 2005 jedoch erst Anfang des Jahres 2005 erfolgt sind. Letzteres hängt damit zusammen, dass zum Jahreswechsel 2005 erstmals eine Aufforderung zur Beitragszahlung versandt wurde, diese aber erst im neuen Jahr bei den Mitgliedern eintraf.

Die Telefonkosten übernahm wie in den vergangenen Jahren die Nichtraucher-Initiative München e.V., so dass die NID nur die Internetgebühren zu tragen hatte. Mehr als 80 Prozent der Fahrtkosten, hauptsächlich die Zuschüsse für die Teilnehmer an der Mitgliederversammlung wurden gespendet.

 


NID-Präsident Prof. Dr. Ekkehard Schulz gestorben

Unser verehrter Präsident Prof. Dr. med. Ekkehard Schulz ist tot. Er verstarb nach schwerer Krankheit am 24. Mai 2005.

Prof. Dr. Ekkehard Schulz (rechts) und Dr. Wolfgang Schwarz bei der Mitgliederversammlung am 23. April 2005 in Bad Soden-Salmünster

 

Ekkehard Schulz wurde am 22. Januar 1931 in Naumburg/Saale geboren. Nach dem Abitur und einer Lehre als Gärtner studierte er 4 Semester Biologie an der Universität Jena, wechselte aber dort interessehalber zum Medizinstudium. Nach dem medizinischen Staatsexamen in Jena führte ihn seine ärztliche und wissenschaftliche Tätigkeit über Erfurt, Hamburg und Kassel nach Köln, wo er an der Universität seit 1972 Innere Medizin mit den Schwerpunkten Hämatologie/Onkologie und Gastroenterologie lehrte. Darüber hinaus war er ab 1974 Ärztlicher Direktor des Vinzenz-Palotti-Hospitals in Bergisch-Gladbach.

Seiner Frau Ortrud folgend engagierte sich Ekkehard Schulz ab 1988 im Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit und später in der Nichtraucher-Initiative Deutschland. Am 6. Mai 2000 wurde Prof. Dr. Ekkehard Schulz in Dresden zum Präsidenten der NID gewählt. Es wurde sehr schnell offensichtlich: Mit seiner Person hatten wir die erste Wahl getroffen. Dem Präsidenten war es nie genug, mit seinem Namen und Titel nur zu Repräsentationszwecken in Erscheinung zu treten. Stets mischte er sich ein und brachte Projekte auf den Weg. Sein jüngstes Projekt, über dessen Erfolge er am 23. April 2005 auf der Mitgliederversammlung der NID ausführlich berichtete, hatte die Durchsetzung eines generellen Rauchverbotes an allen Schulen in Deutschland zum Ziel. Wenn inzwischen in einer Reihe von Bundesländern staatliche Rauchverbote an Schulen erlassen wurden oder vorbereitet werden, so ist das auch Ekkehard Schulz zu verdanken. Als nächstes plante er, eine analoge Regelung für Kindergärten und -tagesstätten einzufordern.

Es wird uns schmerzlich bewusst, wie sehr uns unser Präsident als leidenschaftlicher Streiter für ein rauchfreies Leben fehlen wird. Wir werden ihn als engagierten Förderer unseres Anliegens und als lieben Freund in Erinnerung behalten und ihm ein ehrendes Andenken bewahren. 

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Verdrängungstaktik

Verdrängung ist ursprünglich ein Begriff aus der Psychoanalyse. Wie ihr Begründer Sigmund Freud annahm, verdrängt der Mensch unangenehme, schmerzhafte und beschämende Erlebnisse ins Unterbewusstsein. Von dort aus bestimmen sie über sein Verhalten weiter, obwohl der Mensch sich dessen nicht bewusst ist. Dieser Vorgang ist unwillkürlich. Es gibt aber auch eine willkürliche Verdrängung ungeliebter Wahrheiten, die nicht so recht in ein vorgefasstes Weltbild passen. Diese Krankheit befällt vorzugsweise Personen, die per Gesetz zur Wahrheit verpflichtet sind. 

So haben sich Politiker dem Grundgesetz gemäß verpflichtet, Schaden vom Volk abzuwenden. Mit deutscher Gründlichkeit versuchen sie, dieser Verpflichtung gerecht zu werden. Hygiene-, Umwelt- und Sicherheitskontrollen sind nahezu allumfassend. Aber nur nahezu. Eine Gefahrenquelle wird mit beharrlicher Konsequenz außen vor gelassen, obwohl sie als wichtigste Ursache für Krankheit und verfrühten Tod bekannt ist. Das enorme Gefahrenpotenzial der Droge Tabak ist ein ungeliebtes Faktum, das Politikerhirne liebend gerne verdrängen. Schließlich geht es um die Glaubwürdigkeit der Politiker als zuverlässige Schutzpatrone. 

Die Politiker rühmen sich gern ihrer konsequenten Drogenpolitik. "Keine Macht den Drogen" ist ihr Wahlspruch. Demzufolge wird alles getan, um die Verbreitung von Drogen zu verhindern. Drogendealer bekommen die volle Härte des Gesetzes zu spüren. In der Schule haben Drogen nichts zu suchen - wenn nur die Droge Tabak nicht wäre und wenn nicht ausgerechnet die Vorbilder der Schüler, die Lehrer, zu gewissen Anteilen dieser Droge verfallen wären. Ehrlicherweise müsste es heißen: "Drogen haben in der Schule eigentlich nichts zu suchen, aber wir lassen auch Ausnahmen zu." Doch das brächte die ganze Anti-Drogenpolitik ins Wanken. Also, was nun? Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Totales Rauchverbot an Schulen oder Verdrängung der Tatsache, dass auch Tabak eine Droge ist. 

Mit der Verdrängungsvariante ist allerdings bei den smarten Schülern nicht viel auszurichten. Tabak ist die Droge mit dem höchsten Gefährdungs- und Suchtpotenzial. Das hat sich inzwischen herumgesprochen. Wenn der gefährlichsten aller Drogen an der Schule mit so viel Nachsicht begegnet wird, warum dann nicht auch die weniger gefährlichen Drogen freigeben? Inkonsequenz in der Drogenpolitik ist die denkbar schlechteste Voraussetzung für eine wirksame Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit an der Schule. 

An dieser Stelle kommt dann oft die Belehrung über legale und illegale Drogen. Was legal oder illegal ist, bestimmt nicht der Sachverstand, sondern der Gesetzgeber. Zu den illegalen Drogen gehören neben Haschisch und Heroin im Grunde auch geschmuggelte Zigaretten, denn auch hier stehen Vertrieb und Erwerb unter Strafe. Allein die Steuerbanderole auf der Packung macht aus der bösen Droge ein wohlfeiles, als Freudenspender gepriesenes "Genussmittel". Das Böse mutiert unversehens zum Guten, sobald daraus für den Fiskus ein geldwerter Vorteil ergibt. Wem fällt da nicht der unselige Ablasshändler Tetzel und sein bekannter Spruch ein: "Sobald das Geld im Kasten klingt, die Seele in den Himmel springt!". Schon Martin Luther geißelte die seltsame Verwandlung des Bösen in das segensreich Gute durch den Götzen Mammon als hinterhältigen Betrug.

Damit uns Mammon weiterhin gewogen bleibt, meinen unsere verantwortlichen Politiker, muss das Tabakgeschäft mit äußerster Diskretion betrieben werden. Nur nicht den Tabak und die mit ihm befassten Giftmischer verteufeln! Lieber einen verantwortungsvollen, bedachtsamen Umgang mit dem Kräutlein predigen, zu dem natürlich die ungestümen jungen Wilden noch nicht fähig sind. Die Alten aber seien erfahren genug, das Risiko des Rauchens für sich und für andere einzuschätzen und sich danach zu verhalten. Und schon ist das Rauchen gesellschaftsfähig, Minderjährige selbstverständlich ausgenommen. Das Wort "Drogen" soll möglichst nie in Zusammenhang mit den Wörtern "Zigaretten" oder "Tabak" stehen, um nur keine bösen Gedanken aufkommen zu lassen. Böswillige Personen sollen gar Politiker als Drogendealer beschimpft haben. Bloß das nicht!

Um auch weiterhin mit ruhigem Gewissen Tabaksteuern einstreichen zu können, müssen Politiker eine inzwischen riesige Menge von gesicherten Erkenntnissen über die Gefährlichkeit von Tabakrauch ignorieren oder verdrängen. Jedes andere Produkt mit ähnlich verheerenden Folgen würde Verbraucher- und Umweltschützer unverzüglich auf den Plan rufen. Tabak dagegen wird immer wieder diskret verschwiegen, wenn mit wissenschaftlicher Akribie Umweltgifte oder Gesundheitsgefahren aufgelistet werden.

Ein typisches Beispiel für diese Verdrängungstaktik ist der Feinstaub. Experten haben alle möglichen Quellen von Feinstaub bestimmt und über Abhilfen nachgedacht. Ob Dieselruß, Reifenabrieb oder Industrieabgase, alle diese Feinstaubarten bewegten die Gemüter und füllten die Zeitungsspalten. Um den in der EU geltenden Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Außenluft einzuhalten, wurde über Straßenbefeuchtungen und über zeitweilige Fahrverbote nachgedacht. Die wichtigste und für den Menschen gefährlichste Feinstaubquelle, der Tabakrauch, spielte bei den heiß geführten Auseinandersetzungen merkwürdigerweise überhaupt keine Rolle. Dabei beträgt die Feinstaubkonzentration in den Wohnungen von Rauchern oft auf Dauer mehr als das Doppelte des für die Außenluft geltenden Grenzwertes.

Ein weiteres treffendes Beispiel betrifft das Rauchen am Steuer. Verkehrsminister, ADAC und Polizei sind sich einig: Keine Drogen am Steuer! Folgerichtig forderten kürzlich einige vernünftig denkende Politiker ein Rauchverbot beim Führen von Kraftfahrzeugen. Rauchen beeinträchtigt schließlich die Aufmerksamkeit und Konzentration. "Nix da!" riefen Verkehrsminister und ADAC postwendend. Wie bitte, fragen wir, gilt denn das Drogenverbot im Straßenverkehr nicht mehr? Ist da etwa jemand über seine eigenen Grundsätze geStolpert? 

Dr. Wolfgang Schwarz 

 

Positive Erlebnisse mit dem Raucher Kurt Sontheimer 

Der Tod des Politologen Prof. Dr. Kurt Sontheimer betrifft mich persönlich - nicht in dem Sinn, dass sein Ableben mir sehr nahe geht, sondern weil er für mich während meines Studiums der Wirtschaftspädagogik 1976 bis 1981 eine wesentliche Rolle gespielt hat. Seit meiner Jugendzeit interessiere ich mich sehr für Politik, und deshalb war es für mich selbstverständlich, nach dem Grundstudium statt einer speziellen Betriebswirtschaftslehre Politikwissenschaft zu wählen. Das eröffnete mir zudem die Möglichkeit, an allgemeinbildenden Schulen nicht nur Wirtschaftsfächer, sondern auch Sozialkunde zu unterrichten.

Schon damals gab es an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) ein Rauchverbot in den Vorlesungs- und Seminarräumen, das bei den Betriebs- und Volkswirtschaftlern durchwegs eingehalten wurde. Ganz anders sah es bei den Politikwissenschaftlern aus. Deren Seminarräume befanden sich im Geschwister-Scholl-Institut, und mit wenigen Ausnahmen wurde dort durchwegs geraucht. Zu den wenigen Ausnahmen trug auch ich bei, indem ich eine halbe Stunde vor Beginn des Seminars erschien, alle zum Aschenbecher degradierten Gefäße entfernte, die Fenster weit öffnete und sofort Einspruch einlegte, wenn einer der Anwesenden eine Zigarette aus der Packung nahm und sie sich anzünden wollte. Manche Referenten unterstützten mich dabei voller Überzeugung, andere etwas zähneknirschend, indem sie meinen Hinweis auf das in der Hausordnung verankerte Rauchverbot bestätigten. An dieses hatte ich zuvor die Referenten einige Tage vor der ersten Seminarstunde erinnert.

Die Vorlesungen fanden meist in den Sälen der LMU statt - auch die von Kurt Sontheimer, der Zeit seines Lebens SPD-Mitglied war. Er gehörte zu den wenigen Professoren, zu deren Vorlesungen ich gern ging, weil sie ihre Gedanken verständlich vortrugen. Kurt Sontheimer war schon damals bundesweit bekannt als ein Politologe, dessen Stellungnahmen zur aktuellen Politik (in der Zeit der Kanzlerschaft Willi Brandts und Helmut Schmidts) regelmäßig im Fernsehen gesendet wurden.

Leider war Kurt Sontheimer Kettenraucher. Und wie es bei Nikotinsüchtigen häufig der Fall ist, greifen sie in einer Pause automatisch zu einer Zigarette und zünden sie an. So auch Kurt Sontheimer in der ersten Vorlesung im Wintersemester 1978. Nachdem ich kurz nach Beginn der Pause schon einige andere Kommilitonen hinausgebeten hatte, wandte ich mich auch Kurt Sontheimer zu und machte ihn auf das Rauchverbot im Hörsaal aufmerksam. Zunächst verwies er auf das offene Fenster, doch als ich ihm entgegnete, dass dies jeder sagen könnte, verließ er den Saal und rauchte auf dem Gang weiter. Eine Woche später wiederholte sich das Spiel, jedoch verkürzt, weil Sontheimer nach einem Hinweis meinerseits sofort und ohne Widerrede den Hörsaal verließ. Damit hatte er Rauchverbot verinnerlicht.

1976 begann nicht nur mein Studium, sondern auch mein Engagement in der Nichtraucher-Initiative München, deren Vorsitzender ich seit der Vereinsgründung am 2. November 1977 bin. Die Erfahrungen mit der ehrenamtlichen Arbeit bewogen mich, für meine Diplomarbeit ein Thema zu wählen, das mit dem Rauchen zu tun hat. Mit dem Assistenten Sontheimers, Dr. Wilhelm Bleek, gegenwärtig Professor an der Ruhr-Universität Bochum, vereinbarte ich als Thema: "Der Staat als Erziehungs- und Sozialisationsinstanz am Beispiel des Rauchens". Im Herbst 1980 gab ich die Diplomarbeit ab. Ein paar Monate später erzählte mir Willhelm Bleek, übrigens ein lebenslanger Nichtraucher, dass sich Kurt Sontheimer bei der Aufteilung der Diplom- und Magisterarbeiten ganz gezielt meine Diplomarbeit aus dem Stapel herausgenommen hätte, um sie selbst zu korrigieren.

Im dreiseitigen Gutachten kam Kurt Sontheimer zu dem Schluss, "dass der Verfasser sein Problem (starkes Engagement als Gefahr für wissenschaftliche Einseitigkeit), wie ich finde, in einer mustergültigen Weise angeht und keineswegs der Gefahr erliegt, für subjektive Wert- oder Vorurteile eine wissenschaftliche Begründung zu suchen. Die Prämisse (Schädlichkeit des Rauchens), von der der Verfasser ausgeht, ist ebenfalls durch neuere Untersuchungen als wissenschaftlich gerechtfertigt anzusehen. Folglich dreht sich für den Autor alles um die Frage, was der demokratische Staat tun kann, um der gesellschaftlich schädlichen Praxis des Rauchens Einhalt zu gebieten."

An einer anderen Stelle heißt es in dem Gutachten: "Dabei ist ihm sehr wohl bewusst, dass dem staatlichen Handeln in diesem Bereich Grenzen gesetzt sind und dass gerade in einer pluralistischen Demokratie letztendlich nicht alles auf die Staatsorgane ankommt, sondern auf die Willensbestrebungen der gesellschaftlichen Gruppen. Deshalb ist seine abschließende Empfehlung auch nur die eine Aufforderung an alle an dieser Frage interessierten Personen, in möglichst vielen sozialen Gruppen wirksam zu sein, um das Kräfteverhältnis in diesen Gruppen stärker zu ihren Gunsten bestimmen zu können, so dass die bereits bestehenden Möglichkeiten staatlicher Einwirkungen auf das schädliche Raucherverhalten wirksamer und erfolgreicher genutzt werden können." Das Gutachten endete mit der Bewertung "Sehr gut". Dies zeugt dafür, dass Kurt Sontheimer ein hohes Maß an Objektivität besessen hat, das nicht allen Wissenschaftler zu eigen ist.

Es wäre mir eine große Freude gewesen, wenn es der 1928 geborene Kurt Sontheimer, angeregt durch meine Diplomarbeit, geschafft hätte, vom Rauchen loszukommen. Doch er soll es nach Auskunft eines Freundes überhaupt nicht versucht haben. Wie seine Frau ist er ebenfalls an Hautkrebs, der Metastasen entwickelt hatte, gestorben. Wer denkt, dass Hautkrebs mit Rauchen nichts zu tun hat, liegt falsch. Rauchen schädigt die Hautgefäße und das Immunsystem. Deshalb ist Hautkrebs bei Rauchern nicht nur weiter verbreitet, sondern auch häufiger tödlich als bei Nichtrauchern.

Erfreulicherweise ist sein damaliger Assistent, Prof. Dr. Wilhelm Bleek, Zeit seines Lebens Nichtraucher geblieben und hat mit dazu beigetragen, dass sich die Ruhr-Universität Bochum seit dem Sommersemester 2004 Rauchfreie RUB nennen kann. An diesem Beispiel und an einer Reihe anderer - selbst in der damaligen "Raucherhölle" Geschwister-Scholl-Institut lässt es sich inzwischen nahezu rauchfrei studieren - zeigt sich, welche Entwicklung der Nichtraucherschutz seit Anfang 1970 genommen hat, als zum ersten Mal Studenten mit der Gründung eines Vereins (Club aktiver Nichtraucher - CAN) ihre Bedürfnisse manifestiert haben. Zwar gibt es immer noch einige sture Böcke wie den Rektor der Universität Tübingen, Eberhard Schaich (siehe unten), doch auch solche Fossilien werden sich nicht mehr lange halten können. Erforderlich ist, dass sich immer mehr Menschen bereit finden, sich für die Um- und Durchsetzung ihres Rechts auf gesunde und damit rauchfreie Luft einzusetzen.

Ernst-Günther Krause 

 

Strafanzeige der NID gegen Uni-Rektor

Die NID stellte am 17. Mai 2005 eine Strafanzeige gegen den Rektor der Universität Tübingen, Prof. Dr. Eberhard Schaich, wegen fahrlässiger Körperverletzung gemäß § 229 StGB mit der Begründung, dass dieser sich beharrlich und böswillig geweigert habe, sowohl seine nichtrauchenden MitarbeiterInnen als auch die Studierenden als Mitglieder der Hochschule vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch zu schützen.

Drei Wochen zuvor hatte der Rektor der Süddeutschen Zeitung ein Interview gegeben, in dem er sich rühmte, das Rauchen auf den Fluren als Zeichen der Toleranz zu erlauben. Dabei berief er sich auf das Gewerbeaufsichtsamt, das anscheinend das rechtswidrige Verhalten hingenommen hat. Die NID hat deshalb das Gewerbeaufsichtsamt aufgefordert, bis zum Ende des Sommersemesters wirksame Maßnahmen zum Schutz der nichtrauchenden Beschäftigten, die wie die Studierenden von dem Schadstoffgemisch Tabakrauch auf den Gängen betroffen sind, herbeizuführen. Sehr einfach wäre es zum Beispiel, die zum Rauchen animierenden Ascher auf den Fluren zu entfernen.

Die Staatsanwaltschaft Tübingen hat es am 1. Juni 2005 abgelehnt, Ermittlungen gegen Eberhard Schaich einzuleiten. Die Begründung dafür zeigt nicht nur ein hohes Maß an Unkenntnis über die Schädlichkeit des Tabakrauchs, sondern auch den Versuch, mit an den Haaren herbeigezogenen, juristisch unhaltbaren Einwendungen ein Verfahren zu verhindern, das dann, wenn es nicht um die Unterlassung von Maßnahmen gegen das Rauchen, sondern z.B. um solche gegen Asbeststaub-, Formaldehyd- Cadmium-Emissionen ginge, sofort eingeleitet worden wäre. Man stelle sich nur vor, was los wäre, wenn der Rektor nichts gegen schadstoffbelastetes Trinkwasser unternehmen würde. Die NID hat deshalb am 8. Juni 2005 eine Beschwerde gegen die Ablehnung eines Ermittlungsverfahrens bei der Generalstaatsanwaltschaft Tübingen eingereicht.

Den Schriftwechsel hierzu stellt die NID auf ihrer Webseite www.nichtraucherschutz.de zur Verfügung.

 

Tabakverkauf im ersten Quartal 2005 

Tabak-

erzeugnis

Versteuerte

Verkaufswerte

Veränderung

zum Vorjahr

Versteuerte

Mengen

Veränderung

zum Vorjahr

Zigaretten

4,7 Mrd. €

– 9,4 %

23,8 Mrd. Stück

–23,3 %

Zigarren und

Zigarillos

148 Mill. €

– 15,2 %

882 Mill. Stück

– 4,4 %

Feinschnitt

798 Mill. €

+ 83,8 %

7.488 Tonnen

+ 44,8 %

Pfeifentabak

16 Mill. €

– 18,6 %

154 Tonnen

– 17,6 %

Insgesamt

5,7 Mrd. €

– 2,7 %

 

 

 

Wie wirksam eine Tabaksteuererhöhung sein kann, ist ohne Schwierigkeiten an obigen Zahlen ablesbar. Im ersten Quartal 2005 wurde gegenüber dem ersten Quartal 2005 fast ein Viertel weniger (Fabrik-) Zigaretten verkauft. Auch bei den Zigarren und Zigarillos sowie dem Pfeifentabak ist der Rückgang deutlich. Eine Ausnahme bildet lediglich der Feinschnitt, der so niedrig besteuert ist, dass besonders Raucher mit niedrigem Einkommen auf ihn ausweichen konnten. Allerdings drehte sich die Mehrheit von ihnen ihre Zigaretten nicht selbst, sondern schob den Tabak in Zigarettenhülsen, also in vorgefertigte Sticks. Wer diese Methode wählte, zahlte dafür nur halb so viel wie jemand, der Markenzigaretten kaufte. Der Absatz der Sticks nahm deshalb im Jahr 2004 stark zu, nämlich von 5,4 Mrd. auf 13,5 Mrd. Stück, während die Zigarettenäquivalente des traditionellen Feinschnitts zum Selbstdrehen nur geringfügig von 19,9 Mrd. auf 19,8 Mrd. stiegen. Aufgrund der steuerlichen Ungleichbehandlung von Zigaretten und Sticks entgingen dem Staat Einnahmen in Höhe von annähernd einer Milliarde Euro. Schlussfolgerung: Wer den Tabakkonsum stärker senken und gleichzeitig mehr Einnahmen aus der Tabaksteuer haben will, darf keine Schlupflöcher lassen.

 

Dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung bleibt!

Am 10. Mai 2005 sah der CDU-Haushaltspolitiker Georg Schirmbeck noch klare Anzeichen dafür, dass die dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung in Kürze kippen werde. Er begrüßte dies, weil mit der Tabaksteuererhöhung keine gesundheitspolitischen Effekte erzielt worden seien. Und er verstieg sich sogar in die Behauptung, dass der Anteil jugendlicher Raucher zugenommen habe und nicht zurückgegangen sei. Auf welche "wissenschaftlichen Untersuchungen" er sich dabei stützte, ließ er allerdings offen. Die FDP legte am 15. Juni in der Sitzung des Haushaltsausschusses sogar einen Gesetzentwurf vor, der zum Inhalt hatte, die dritte Stufe der Tabaksteuererhöhung auszusetzen - und scheiterte erfreulicherweise. Zwar hatten in den Monaten zuvor auch manche SPD-Politiker Zweifel an der Tabaksteuererhöhung erkennen lassen. Doch die Vernunft und nicht die Lobby der Tabakindustrie siegte.

 

Schweden: Rauchverbot in Gaststätten 

Am 1. Juni 2005 trat in Schweden das Gesetz in Kraft, das Rauchen in allen geschlossenen Räumen verbietet, in denen Getränke ausgeschenkt oder Speisen serviert werden. Damit liegt Schweden auf einer Linie mit dem Nachbarstaat Norwegen sowie den EU-Staaten Irland, Italien und Malta. Eine Umfrage des schwedischen Hotel- und Restaurantverbands lässt Schwedens Gastwirte auf steigende Umsätze dank Rauchverbot hoffen. Demnach gaben 18 % der Befragten an, dass sie Kneipen und Restaurants ohne blauen Dunst nun öfter besuchen werden. Für 79 % bewirkt die neue Regelung keine Verhaltensänderung. Nur 3 % kündigten eine Reduzierung ihrer Besuche in Bars, Cafés und Restaurants an. Gourmet Report, 25.5.05

 

Italien: Rauchverbot wird eingehalten 

Es gibt kaum ein Gesetz in Italien, das so selten gebrochen wird wie das Gesetz, in dem u.a. der Nichtraucherschutz in Gaststätten geregelt wird. Bei Polizeikontrollen in 3.120 Lokalen wurden nur 171 Verstöße festgestellt, von denen auch noch 120 die Vorschriften über die Position und die Unterschrift des obligatorischen Rauchverbotsschildes betrafen. Es blieben also nur 51 "echte" Verstöße (1,6 %), die vor allem in Nachtclubs und Kneipen begangen wurden.

Speiselokale haben sogar wachsenden Zulauf. Die Gäste bleiben allerdings weniger lang, weil sie nach dem Essen zum Rauchen ins Freie müssen. Damit machen sie - bestimmt nicht zum Ärger des Wirtes - den Platz frei für die nächsten Kunden. www.fr-aktuell.de, 5.4.05

 

Schweiz: Keine Umsatzeinbußen durch Rauchverbot 

Um der Standardbehauptung der Gaststättenverbände, dass ein Rauchverbot die Gäste vom Besuch abhalten, die Umsätze verringern und so die Arbeitsplätze gefährden würde, auf den Grund gehen zu können, analysierte die Schweizerische Fachstelle für Alkohol und andere Drogenprobleme (SFA) die aktuelle Forschungslage. Das Ergebnis: Von rund 100 seriösen Studien, welche die ökonomischen Auswirkungen von Rauchverboten in der Gastronomiebranche beleuchten, gibt keine einzige einen Hinweis auf negative Folgen. Auch eine breit angelegte neue Studie, an der SFA-Forschungsleiter Gerhard Gmel beteiligt war, zeigt am Beispiel von 446 Gemeinden in Ottawa (Kanada), dass die Einführung rauchfreier Zonen keinen Einfluss auf den Umsatz der Restaurants und Bars hat. 

Schweiz: Nichtraucher geben mehr Trinkgeld 

Eine aktuelle Schweizer Studie belegt, dass in Basel der rauchfreie Teil eines Cafés ebenso gut besucht wurde wie der Raucherteil. Der Umsatz war in beiden Teilen gleich groß, die Trinkgelder fielen im Nichtraucherbereich aber um 22 Prozent höher aus. www.presseportal.ch, 6.4.05

 

 

Deutschland: Umsatz im Gastgewerbe 2004 weiter gesunken 

Zum dritten Mal ist der Umsatz im gesamten Gastgewerbe gesunken: nominal 1,3 % und real 2 % gegenüber 2004. Damit fiel der Umsatzrückgang allerdings geringer aus als in den zwei Jahren zuvor (2003 gegenüber 2002: nominal - 4,9 %, real - 6,0 %; 2002 gegenüber 2001: nominal - 4,6 %, real - 8,1 %). 'Die negativen Zahlen gehen jedoch ausschließlich auf das Gaststättengewerbe zurück. Die Beherbergungsbetriebe (Hotels, Pensionen usw.) verbuchten nämlich auch 2004 wieder einen Zuwachs. Es kam z.B. zu 9 % mehr Übernachtungen von Gästen aus dem Ausland. Die höchsten Zuwächse entfielen auf die Volksrepublik China (36,5 %), die USA (15,1 %), Spanien (18,6 %) und Frankreich (10,0 %). Warum stieg die Zahl der Übernachtungen und sank der Umsatz bei der Bewirtung? Der Grund dafür ist wohl im nicht bedarfsgerechten Angebot der Gastwirte zu suchen. Fragt man nämlich die Besucher aus den USA (Zuwachs der Übernachtungen gegenüber 2003: 570.000), dann ist häufig zu hören, dass Deutschland viele schöne Dinge zu bieten habe, was aber fehle, seien rauchfreie Gaststätten. Man wolle für die schönsten Tage im Jahr keine gesundheitsgefährdende Umgebung.

 

USA-New York: Umsatzsteigerung nach Rauchverbot 

Im Bericht der Stadtbehörden von New York ist nachzulesen, dass zehn Monate nach der Einführung des Gesetzes für rauchfreie Arbeitsplätze die Steuereinnahmen von Restaurants und Bars um 8,7 Prozent angestiegen waren. Der Nichtraucherschutz hat also die Umsätze deutlich erhöht. www.presseportal.ch, 6.4.05

 

Irland: Kontaktsuche vor der Gaststätte 

Ein Rauchverbot in Bars und Restaurants bietet neue Perspektiven für kontaktsuchende Singles. Der irische Gesundheitsminister Michael Martin berichtete von einem "gesellschaftlichen Phänomen". Die Männer folgten den Frauen, wenn sie zum Rauchen nach draußen gingen. www.n24.de, 3.12.04

 


Dieses Foto zeigt das Nichtraucher-Restaurant Amalfi in Runkel an der Lahn. Es wurde am 5. Mai 2005 nach längerer Renovierung offiziell eröffnet. Der Gastraum hat Platz für 60, der Nebenraum für 30 und die Terrasse für 20 Gäste. Im Biergarten hinter dem Haus können 60 bis 70 Besucher Platz nehmen. Geöffnet ist das Restaurant täglich von 11:30 bis 15:00 Uhr sowie von 17:30 bis 24:00 Uhr.

Auf dem gesamten Gelände, also auch auf der Terrasse und im Biergarten, darf nicht geraucht werden. Die Inhaber Gisela, Horst und Klaus Keiser sowie der Pächter Mario di Blasio wollen ihren Gästen ein gesundes Umfeld in angenehmer Atmosphäre bieten. Auf dem 1.320 m2 großen Grundstück haben sie einen Kinderspielplatz mit Doppelschaukel, Balkenwippe, Sandkasten und einem Spielhaus eingerichtet. Dort können die Kinder nach dem Essen in frischer Luft ihren Bewegungsdrang ausleben. Eine mannshohe Hecke schirmt sie von der Straße ab, so dass die Eltern den Aufenthalt im Restaurant sorgenfrei genießen können.

Zwar hält das strikte Rauchverbot im Gebäude und im Freien den einen oder anderen Raucher - und auch manche gemischte Raucher-Nichtraucher-Gruppe davon ab, sich im Amalfi niederzulassen, doch kommen inzwischen zunehmend auch Nichtraucher, die sich in der Vergangenheit jeglichen Besuch einer Gaststätte versagt haben. Die Kapazitätsgrenze des Restaurants ist allerdings noch nicht erreicht. Deshalb: Schauen Sie, lieber Leser, doch einmal vorbei. Das kommt nicht nur dem Amalfi, sondern letztlich auch der gesamten rauchfreien Gastronomie zugute.

Restaurant Amalfi
August-Gerhardt-Str. 1 
65594 Runkel an der Lahn 
Telefon 06482 949360
Fax ( 06482 949236

 


Raucher sind arm dran.
Sie haben viel weniger Geld in der Tasche als die Nichtraucher. Das zeigt das Ergebnis der von der Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung unter Mitwirkung der Nichtraucher-Initiative Deutschland bei der GfK Marktforschung in Auftrag gegebenen Repräsentativ-Studie. Aus den Daten lässt sich zudem schließen, dass Nichtraucher für die Gastronomie ein erheblich größeres Potenzial darstellen als der rauchende Teil der Bevölkerung. Raucher verdienen nicht nur weniger als Nichtraucher. Mit jedem Cent, um den die Tabaksteuer erhöht wird, steht ihnen auch weniger Einkommen für alle anderen Genüsse des Lebens zur Verfügung. Sie müssen jeden Euro zweimal umdrehen.

 In die Auswertung gingen die Antworten von 1.948 Personen ein, die anhand eines strukturierten Fragebogens unter Einsatz modernster "Multimedia Pen Pads" befragt wurden. Bei manchen Fragen, z.B. zum Einkommen und zur Schulbildung, machten nicht alle Interviewten die geforderten Angaben, so dass die Basis teilweise unterschiedlich ist. In einigen Fällen erscheint es außerdem sinnvoll, nicht alle Altersgruppen in die Auswertung einzubeziehen. So sind z.B. im obigen Diagramm die Einkommen der über 69-Jährigen nicht enthalten, weil sie in der Regel kein Arbeitseinkommen mehr beziehen. Weitere Auswertungen erscheinen in der nächsten Ausgabe des Nichtraucher-Infos.

 

China: Rauchfreie Olympiade 2008? 

China will bis 2008 das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden verbieten. Außerdem soll die Olympiade 2008 in "nikotinfreien Städten stattfinden". Konkret heißt das, dass bis 2008 das Rauchen in allen öffentlichen Gebäuden inklusive Bars und Restaurants verboten wird. www.aerzteblatt.de, 28.4.05

 

Italien: Gesundheitsminister warnt vor Gesundheitswahn 

Italiens neuer Gesundheitsminister Francesco Storace unterscheidet sich erheblich von seinem Vorgänger. Er sprach sich gegen übertriebenen Gesundheitswahn und für die Erhöhung der Zahl der Plätze aus, an denen Rauchen erlaubt ist. Vor seiner Ernennung zum Gesundheitsminister war Storace Präsident der Hauptstadtregion Latium, die bei der Regionalwahl Anfang April an die Opposition fiel.

 

Schweiz: Philip Morris will stabiles Geschäftsumfeld 

Ganz überraschend unterstützte der Tabakkonzern Philip Morris eine parlamentarische Initiative für einen gesetzlichen Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz, in öffentlichen Räumen, Restaurants und Verkehrsmitteln. Dabei geht es dem Marlboro-Produzenten vor allem um ein stabiles Geschäftsumfeld. www.bielertagblatt.ch, 2.5.05 

 

Italien: 400.000 Euro für Opfer des Passivrauchens 

Das Arbeitsgericht in Rom hat den Angehörigen einer Frau, die wegen Passivrauchens an Lungenkrebs erkrankt ist, rund 400.000 Euro Schadensersatz zugesprochen. Demnach muss das Bildungsministerium, in dem die Frau arbeitete, 268.000 Euro für die erlittene medizinische Erkrankung sowie weitere 132.000 Euro für die moralische Verletzung zahlen. Die Frau musste in dem Ministerium sieben Jahre lang in einem Zimmer mit mehreren Rauchern arbeiten. Trotz Beschwerden wurde sie nicht in ein anderes Zimmer versetzt. 1992 diagnostizierten die Ärzte Lungenkrebs, der eindeutig durch Tabakrauch verursacht worden ist. Nach einer Lungenoperation und Chemotherapie starb die Frau vor einigen Jahren im Alter von 57 Jahren bei einem Verkehrsunfall.

 

Spanien: Ab 2006 umfassender Nichtraucherschutz 

Die Raucher, sagte Vize-Regierungschefin Maria Teresa Fernandez de la Vega, hätten sich bisher einer der lockersten Gesetzgebungen der Welt erfreuen können. Damit müsse nun Schluss sein. Von 2006 an wird das Rauchen am Arbeitsplatz, in öffentlichen Gebäuden und geschlossenen Sportanlagen ohne Ausnahme verboten sein. Gaststätten dürfen für Raucher künftig nur 30 Prozent des Gastraums bereitstellen, wenn für gute Belüftung und räumliche Abtrennung gesorgt wurde. Weser-Kurier, 25.4.05

 

USA: Rauchverbot im Marlboro-County Montana 

Der Wilde Westen ist endgültig nicht mehr das, was er war: Ausgerechnet im US-Bundesstaat Montana, dem Land des "Marlboro-Man", wo die Marlboro-Werbespots gedreht wurden, gilt vom 1. Oktober 2005 an ein absolutes Rauchverbot in der Öffentlichkeit. Berliner Morgenpost, 20.4.05

 

USA: Schadenersatzklagen selten erfolgreich 

In der ersten Instanz werden vielen Tabakopfern oft viele Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Die Berufungsgerichte reduzieren dann entweder die Summe erheblich oder sprechen die Tabakkonzerne sogar frei bzw. weisen die Klage ab. Häufig sterben die klagenden Raucher vor Ende des sich über mehrere Jahre hinziehenden Rechtsstreits und ihre Angehörigen führen den Prozess nicht weiter. Ende der neunziger Jahre waren noch mehr als 500 Klagen von Rauchern anhängig, im Frühjahr 2005 nur noch knapp über 200. Süddeutsche Zeitung, 17.5.05

 

Italien: Starker Rückgang beim Tabakkonsum 

Um rund neun Prozent oder 138.000 Zigarettenpackungen ging der Tabakkonsum in ersten vier Monaten nach Einführung des Rauchverbots in Gaststätten gegenüber den Vergleichszeitraum 2004 zurück. portal.tirol.com, 19.5.05 

 

Indonesien: Philip Morris kauft seinen Konkurrenten 

Angesichts eines immer schwierigeren Geschäfts in den USA und Europa steigt der Tabakkonzern Philip Morris groß in den indonesischen Markt ein. Er kaufte 40 Prozent der Aktien des Konkurrenten Sampoerna, die Nummer drei in Indonesien, und bot den Eignern an, auch den Rest der Anteile zu übernehmen. de.news.yahoo.com, 15.3.05

 

Großbritannien: Rauchfreies Parlament 

Seit 2. April 2005 gilt im britischen Parlament ein umfangreiches Rauchverbot. Rauchen ist nur noch in wenigen Raucherzonen und auf der Außenterrasse gestattet. Im Sitzungssaal des Unterhauses ist das Rauchen schon seit 1693 verboten.

Presseberichten zufolge plant die britische Regierung auch ein Rauchverbot für Restaurants. Es soll auch für Kneipen gelten, die kein Essen anbieten, weil ein generelles Rauchverbot einfacher sei. www.szon.de, 15.2.05 Berliner Morgenpost, 20.6.05

 

Tour de Tabac: Vortragsreise von John Waluye 

Der tansanische Journalist John Waluye, Mitautor des Buches "Rauchopfer" (zusammen mit Helmut Geist und Peter Heller), kämpft seit vielen Jahren gegen die Machenschaften der Tabakindustrie in seiner Heimat. Seine Vortragsreise (Tour de Tabac) anlässlich des Welt-Nichtrauchertages führte ihn zwischen dem 25. Mai und 6. Juni nach Berlin, Halle, Magdeburg, Hannover, München, Heidelberg, Bonn und Hamburg. Die Tour de Tabac wurde unterstützt von: Stiftung Umverteilen, Rettet den Regenwald, Eine Welt Netzwerk Hamburg, Evangelischer Entwicklungsdienst. Wer sich mit der Thematik vertraut machen will, dem sei das Taschenbuch Rauchopfer - Die tödlichen Strategien der Tabakmultis, erschienen im Horlemann Verlag (ISBN 3-89502-181-4) zum Preis von 9,90 € empfohlen.

 

Reemtsma-Manager müssen 1,5 Millionen € Bußgeld zahlen 

Das gegen drei ehemalige Manager des Tabakkonzerns Reemtsma geführte Ermittlungsverfahren ist gegen Zahlung von 1,5 Millionen Euro Bußgeld eingestellt worden. Den Reemtsma-Mitarbeitern war vorgeworfen worden, durch den Schmuggel von Zigaretten aus Osteuropa einen Zollschaden von 6,6 Millionen Euro verursacht zu haben. Ihr persönliches Verschulden sei aber gering gewesen. www.gea.de, 24.6.05 

 

Marlboro wird teurer 

Die Preis für die Schachtel Marlboro wird gesenkt, doch die einzelne Zigarette wird teurer, weil die Packung zwei Stück weniger enthält. Die jetzige 4-Euro-Packung wird ab September 3,80 Euro kosten, doch wird der Käufer nur noch 17 statt 19 Zigaretten vorfinden. Auf diese Weise gibt Philip Morris die nächste Tabaksteuererhöhung voll an seine Kunden weiter. onwirtschaft.t-online.de, 24.6.05

 

Fußballtrainer wirbt für Tabakgeschäft 

"Dem Tabakwaren-Fachhändler Rudolf Heim war es gelungen", schreibt die DTZ (Die Tabak Zeitung), "den mittlerweile bundesweit bekannten Fußballtrainer Jürgen Klopp vom Bundesliga-Aufsteiger Mainz 05 zu einer Autogrammstunde vor sein Geschäft am hinteren Domplatz zu holen". Auf dem Foto zum Bericht waren fast ausschließlich Kinder im Alter von 5 bis 12 Jahren zu sehen. Die Autogrammstunde musste wegen des großen Andrangs sogar verlängert werden.

Das Forum Rauchfrei in Berlin hat diesen Fall dem Verbraucherzentrale Bundesverband e.V. vorgetragen. Zweifel bestehen allerdings, ob die Selbstverpflichtungserklärung der Tabakkonzerne (keine jugend- und sportbezogene Werbung) auf diesen Fall angewandt werden kann. Denn rein rechtlich gesehen handelt es sich um eine Firmenwerbung und nicht um die Werbung für ein bestimmte Zigarettenmarke. Unabhängig davon: Dieser Fall ist abscheulich.

 

Pisspoint-Aufkleber
 als Zielhilfe zum Rauchverbot 

Die schweizerische Pisspoint GmbH in Zürich bietet sogenannte Pisspoints als Zielhilfe für die Pissoir-Benutzung an. Sie werden zwei bis drei Zentimeter über dem Abfluss eingeklebt. Sobald der Aufkleber vom Urinstrahl getroffen wird, wird die obere Farbschicht durchsichtig und es kommt das darunter liegende Motiv zum Vorschein. Die Spülung setzt den Ursprungszustand wieder her. Gastwirte, die ihre Toiletten frei von Kippen halten wollen, können die Aufkleber zusätzlich auch als Eyepoints für Türen, Wände, Scheiben usw. haben. Informationen sind unter www. pisspoint.ch/shop erhältlich. Die Aufkleber gibt es auch in Englisch und Französisch.

 

Kein Rauchverbot bei Fußball-WM 

Das Organisationskomitee der Fußball-Weltmeisterschaft ist gegen ein Rauchverbot in den Stadien. Ihr Sprecher Gerd Kraus kündigte aber an, dass mit vielen Aktionen an die Fans appelliert werden soll, "Rücksicht auf ihre Sitznachbarn zu nehmen und nicht zu rauchen". Beispiele für die Wirksamkeit solcher Appelle konnte er allerdings nicht vorlegen.

 

Retourkutsche 

In den letzten Jahren ist die Anzahl jener Talksendungen, in denen die Moderatoren ihren Gästen gestatten, die Nikotinsucht offen zu demonstrieren, immer kleiner geworden. Dieser Prozess muss weitergehen bis zum besten Ende: einem völlig rauchfreien Fernsehen.

Amelie Frieds Talkshow "3 nach 9" wirkt deshalb wie ein Fossil und übt vielleicht gerade deshalb einen Reiz auf all jene aus, für die das rauchfreie Fernsehen eher Heute als Morgen Wirklichkeit werden muss. Hinzu kommt, dass mit Radio Bremen ein gebührenfinanzierter Sender den Konsum legaler Drogen und die gesundheitliche Beeinträchtigung von Nichtkonsumenten zulässt, als ob es sich um eine banale Selbstverständlichkeit handelt.

Es gibt also genügend Gründe, etwas gegen derart abnormes Verhalten zu unternehmen. Allerdings darf dabei nicht jedes Mittel Recht sein. Eine vulgäre Sprache ist dabei ebenso kontraproduktiv wie die Lahmlegung der Webseite der Moderatorin. Denn unflätige Mittel erlauben eine Retourkutsche, die bei geschickter Handhabung zu einer Solidarisierung mit dem angegriffenen Menschen führt. Personen, die mit einem gehörigen Maß an Selbstbewusstsein ausgestattet sind, ist nicht mit Flegelmanieren beizukommen. Da genügt kein einfaches Draufhauen, da ist überlegtes und eventuell auch koordiniertes Vorgehen erforderlich: Wie und womit ist Amelie Fried am ehesten zu überzeugen und auf den gewünschten Weg zu bringen? Das erfordert nicht nur jede Menge geistiger Arbeit, das erfordert auch eine erhebliches Maß an Geduld und Ausdauer. egk

 

31 17.000 Feinstaubpartikel auf dem Alexanderplatz, 100.000 im Auto 

Am 22. Mai maßen Umwelttechniker die Feinstaubbelastung auf dem Berliner Alexanderplatz und im Auto nach dem Anzünden einer Zigarette. Das Ergebnis fiel eindeutig aus: Die Luft auf dem Alexanderplatz enthielt 17.000 Partikel Feinstaub pro Kubikzentimeter. Bei der Luft im Pkw kam es sofort zu einem Vollausschlag auf 100.000 Partikel pro Kubikzentimeter. Die Messungen waren Teil der Aktion "Rauchfreies Auto für Kinder", für die Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner kurz vor dem Welt-Nichtrauchertag den Startschuss gab. www.nd-online.de, 23.5.05

 

Die Lunge 

Mit einer Fläche von 100 Quadratmetern ist die Lunge etwa halb so groß wie ein Tennisplatz. 

Tag für Tag bewegt sie 10.000 bis 15.000 Kubikmeter Luft - so viel, wie man zum Aufblasen eines Heißluftballons benötigt.

10.000 Liter Blut
fließen täglich durch die Lunge und versorgen den Körper mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff. 

Die vielen Verästelungen der Lunge ergeben zusammen eine Länge von 700 Metern

Die Lunge
steht in ständigem Kontakt mit der Umwelt und verfügt über effektive Selbstreinigungs- und Abwehrmechanismen, die durch Rauchen und Passivrauchen beeinträchtigt und zerstört werden.

 

 

Terminkalender 

 

22. Oktober 2005

Jahreshauptversammlung des 
Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit e.V. 
in Fulda

Telefon 089 3162525
www.aerztlicher-arbeitskreis.de

7. bis 8. Dezember 2005 

3. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle 
in Heidelberg 

Telefon 06221 42-3008 
who-cc@dkfz.de www.tabakkontrolle.de

29./30. April 2006 

Mitgliederversammlung der 
Nichtraucher-Initiative Deutschland 
in Weimar 

Telefon 089 3171212

 

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein

Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

Anschrift:
Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim
Telefon: 089 3171212 - Fax: 089 3174047
E-Mail: nid@nichtraucherschutz.de
Internet: http://www.nichtraucherschutz.de

Konto: Postbank München - BLZ 700 100 80 - Konto-Nr. 192 445 803

Herstellung: Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.