Nichtraucher-Info Nr. 61 - I/06

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Impressum

 

Neue seriöse Studien zeigen:
Jährlich über 3 300 Passivrauchtote in Deutschland

"Passivrauchen – ein unterschätztes Risiko" lautet der Titel von Band 5 der Roten Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle des Deutschen Krebsforschungszentrums. Die 72-seitige Broschüre enthält alle wesentlichen Informationen über die Schädlichkeit des Tabakrauchs für Nichtraucher und die sich daraus ergebenden rechtlichen und politischen Schlussfolgerungen. Besonderen Wert haben die Verfasser darauf gelegt, ihre Ausführungen wissenschaftlich zu untermauern. Dabei haben sie höchste Maßstäbe angelegt. Die Kernaussagen sind so formuliert, dass sie auch ein Laie verstehen bzw. ohne viel Hintergrundwissen nachvollziehen kann.

Die Publikation wurde erstellt von Wissenschaftlern des Deutschen Krebsforschungszentrums, Heidelberg, des Instituts für Epidemiologie und Sozialmedizin der Universität Münster und des Hygiene-Instituts des Universitätsklinikums Heidelberg. In vier Kapiteln geben sie einen Überblick über die Inhaltsstoffe des Passivrauchs, das Ausmaß und die Folgen der Tabakrauchbelastung in Innenräumen sowie die erforderlichen Maßnahmen, um zu verhindern, dass jährlich über 3 300 Todesopfer und zusätzlich ungezählte Kranke aufgrund des Passivrauchens zu beklagen sind.

Wichtige Kernaussagen: 

1. Tabakrauch enthält über 4 800 Substanzen. Bei über 70 dieser Substanzen ist nachgewiesen, dass sie krebserregend sind oder im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. 

2. Die chemische Zusammensetzung von Passivrauch gleicht qualitativ der des Tabakrauchs, den Raucher inhalieren. 

3. Die Verweildauer einzelner Komponenten des Passivrauchs in der Raumluft ist beträchtlich. Deshalb gefährdet auch "kalter" Tabakrauch die Gesundheit.

4. Lüftungstechnische Anlagen schützen nicht wirksam vor den Schadstoffen des Tabakrauchs, da selbst die modernsten Ventilationssysteme die gefährlichen Inhaltsstoffe des Tabakrauchs nicht vollständig aus der Raumluft entfernen können.

5. Über 170 000 Neugeborene jährlich werden bereits im Mutterleib den Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt.

6. Die Hälfte aller Kinder unter sechs Jahren und etwa zwei Drittel aller Sechs- bis Dreizehnjährigen leben in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht.

7. In der Erwachsenenbevölkerung werden mehr als 35 Millionen Nichtraucher zu Hause, am Arbeitsplatz, in ihrer Freizeit oder gleichzeitig an mehreren dieser Orte häufig mit den Schadstoffen des Passivrauches belastet.

8. Kurzatmigkeit bei körperlicher Belastung, erhöhte Infektanfälligkeit, Kopfschmerzen und Schwindel können bereits bei kurzzeitigem Passivrauchen auftreten.

9. Passivrauchen ist verantwortlich für die Entwicklung zahlreicher chronischer Krankheiten mit Todesfolge.

10. Etwa 60 Säuglinge sterben jährlich durch Passivrauch im Haushalt und weil die Mutter während der Schwangerschaft rauchte (plötzlicher Kindstod – SIDS).

11. Über 260 Nichtraucher sterben jährlich an passivrauchbedingtem Lungenkrebs.

12. Über 2 140 Nichtraucher sterben jährlich an einer durch Passivrauchen hervorgerufenen koronaren Herzkrankheit.

13. Über 770 Nichtraucher sterben pro Jahr an einem passivrauchbedingten Schlaganfall.

14. Über 50 Nichtraucher sterben jährlich an durch Passivrauchen bedingten chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD).

15. Passivrauchen ist zudem verantwortlich für die Entwicklung zahlreicher nicht tödlicher Fälle von koronarer Herzkrankheit, Schlaganfall und COPD.

16. An den Folgen des Passivrauchens sterben in Deutschland jährlich mehr als 3 300 Nichtraucher; das sind mehr Todesfälle als durch illegale Drogen, Asbest, BSE und SARS zusammen.

Die Broschüre kann kostenlos bezogen werden bei: 

Deutsches Krebsforschungszentrum 
Stabsstelle Krebsprävention 
Im Neuenheimer Feld 280 
69120 Heidelberg 
Fax 06221 423020 – who-cc@dkfz.de

Sie liegt auch als PDF-Datei unter www.tabakkontrolle.de bereit.

 

Mitgliederversammlung 2006

Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland findet am 

29. April 2006 um 14 Uhr in Weimar

statt. Am Tag darauf treffen sich die Nichtraucher-Initiativen zu ihrem traditionellen Informations- und Erfahrungsaustausch von 9 bis 13 Uhr am selben Ort. 

Tagesordnung 

1. Bericht des Vorstands 
2. Bericht der Rechnungsprüfer 
3. Diskussion und Entlastung des Vorstands 
4. Neuwahl des Vorstands 
5. Neuwahl der Rechnungsprüfer 
6. Verschiedenes

Anträge zur Tagesordnung können wie gewohnt zu Beginn der Mitgliederversammlung gestellt werden.

Tagungshaus ist die Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW), Jenaer Straße 2/4, 99425 Weimar, Tel. 03643 827-0, Fax. 03643 827-111, Internet: www.ejbweimar.de.

Die EJBW befindet sich auf einem ruhigen, parkähnlichen Gelände oberhalb des Parks an der Ilm im Zentrum von Weimar. Sie verfügt über ein modernes Konferenzgebäude mit Speisesaal und mehrere Übernachtungshäuser mit gutem Jugendherbergsstandard. In einem Zimmer können bis zu 3 Personen übernachten. Bettwäsche ist vorhanden, Handtücher sind mitzubringen. Für die NID ist ein eigenes Haus mit insgesamt 12 Zimmern reserviert. Im gesamten Tagungshaus ist das Rauchen verboten.

Die Übernachtung mit Vollpension kostet pro Tag im Ein-Bett-Zimmer 58,55 € (42,55 € mit Frühstück) und im Zwei-/ Drei-Bett-Zimmer pro Person 50,55 € (34,55 € mit Frühstück). Eine verbindliche Buchung ist folgendermaßen vorzunehmen: 

1. Nachricht an: Doreen Otto-Pfütze Kirschbachtal 4 99425 Weimar Tel. 03643 51 66 36 ottopfutze@aol.com 

2. Überweisung von mindestens 50 Prozent des Rechnungsbetrages bis zum 31. Januar 2006

Empfänger: Doreen Otto-Pfütze 
Konto-Nr.: 303 40 03 
Geldinstitut: VR Bank Weimar 
Bankleitzahl: 820 641 88 
Verwendungszweck: MV 2006 + Name + Telefon-Nr. 

3. Zahlung des Restbetrages am Anreisetag an Doreen Otto-Pfütze

Anreise mit der Bahn: Vom Hbf mit der Stadtbuslinie 1 (Richtung Ehringsdorf) bis zum Goetheplatz. Hier umsteigen in Linie 2 (Richtung Bodelschwinghstraße) oder Linie 9 (Richtung Süßenborn). Ausstieg Haltestelle Hellerweg. Bei Anmeldung bis zum 31. März 2006 organisiert Doreen Otto-Pfütze eine preiswerte Abholung mit Taxi (max. 4 €).

Anreise mit dem Auto: Über die Autobahn A4 bis Abfahrt Apolda. Dann auf der B87 Richtung Apolda bis zur Kreuzung Umpferstedt. Hier links auf der B7 Richtung Weimar. Ab dem Ortsschild Weimar sind es 1,2 km, bis links die EJBW mit dem zwischen zwei Villen liegenden Tagungsgebäude erscheint, wo sich vor dem eingezäunten Basketballplatz der Parkplatz befindet.

Stadtrundgang: Bei Nachfrage von mindestens zehn Personen organisiert Doreen Otto-Pfütze am Samstag von 10 bis 12 Uhr einen Stadtrundgang ab EJBW zum Preis von höchstens 8 € pro Person. Anmeldefrist: 31. März 2006.

Zur Person: Doreen Otto-Pfütze ist für die NID im Bundesland Thüringen aktiv. Sie hat nicht unerheblich dazu beigetragen, dass wir das EJBW rauchfrei genießen können.

 

 

Aus globaler Verantwortung:

WHO stellt nur noch
Nichtraucher ein

 

Der Tabakkonsum ist die größte vermeidbare Todesursache in der Welt. 5 Millionen Menschen sterben jährlich an den Folgen des Tabakkonsums. Den gegenwärtigen Trend hochgerechnet werden es im Jahr 2020 10 Millionen Menschen sein, die allein in den Entwicklungsländern an Krankheiten sterben, die mit dem Tabakkonsum in Zusammenhang stehen. Das sind mehr Todesopfer, als durch Malaria, Müttersterblichkeit und Unfälle zusammen verursacht werden.

Zudem macht Tabakkonsum süchtig. Es gibt keine sichere Verwendung des Tabaks, ganz egal ob man ihn raucht, lutscht, kaut oder schnupft. Es gibt auch keine sichere Grenze, bis zu der Tabakkonsum unschädlich ist. Damit ist gemeint, dass die Substanzen im Tabak oder im Tabakrauch sogar in geringen Mengen schädlich sein können.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht an vorderster Front der weltweiten Kampagne, die Tabakepidemie in den Griff zu bekommen. Die WHO hat die Verpflichtung zu gewährleisten, dass dies in all ihrem Handeln erkennbar ist. Das schließt auch die Einstellungspraxis und das Ansehen der Organisation und ihrer Angestellten ein.

Mit diesen Worten begründet die WHO ihren Beschluss, künftig nur noch Nichtraucher einzustellen (WHO policy on non-recruitment of smokers or other tobacco users - frequently asked questions). Die gegenwärtigen 2 400 Mitarbeiter in Genf (nur für diesen Sitz gilt vorerst die neue Einstellungspraxis) müssen aber nicht die Kündigung befürchten. Scheiden sie jedoch aus, z.B. weil ihr befristeter Vertrag abläuft, haben sie nur dann die Chance auf eine Wieder- bzw. Weiterbeschäftigung, wenn sie wie diejenigen, die noch nie Mitarbeiter der WHO waren, folgende Fragen mit Nein beantworten:

  • Rauchen Sie oder konsumieren Sie Tabakprodukte?
  • Falls Sie gegenwärtig rauchen oder Tabakprodukte konsumieren: Würden Sie damit fortfahren, wenn Sie bei der WHO angestellt sind?

Disziplinarmaßnahmen werden gegen alle Angestellten ergriffen, die entgegen ihren Angaben doch zu Tabakprodukten greifen. Selbstverständlich unterstützt die WHO ihre Mitarbeiter mit einem breiten Angebot an Entwöhnungsmaßnahmen dabei, den Tabakkonsum einzustellen. Im Gebäude der WHO in Genf gilt bereits seit einigen Jahren ein striktes Rauchverbot. Das erleichterte schon bisher die Befreiung von der Tabakabhängigkeit.

 

Raucher kassiert Nichtraucher-Prämie

---> Kündigung

 

Monatlich 100 Euro mehr erhalten Mitarbeiter der LASERLINE Digitales Druckzentrum Bucec & Co Berlin KG (www.laser-line.de), wenn sie nicht rauchen. Der 42-jährige Sandro B. wollte beides: rauchen und kassieren. Jeden Monat bestätigte er auf einem besonderen Formular, dass er weder im Betrieb noch in der Freizeit raucht bzw. geraucht hat. Doch eines Tages wurde er von einem Privatdetektiv erwischt, den die Firma auf ihn angesetzt hatte, weil sich Anhaltspunkte dafür ergeben hatten, dass er die Vereinbarung nicht einhält.

Um die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern, war das Rauchen am Arbeitsplatz verboten worden. Wer trotzdem rauchen wollte, musste ins Freie. Der "positive Anreiz für das Nichtrauchen" in Form einer Prämie sollte auch zu einem reibungslosen Arbeitsablauf beitragen, denn "Nichtraucher machen weniger Pausen, sind effektiver", so Babette Deuse, Sprecherin von Laserline.

Der Betrieb kündigte dem gelernten Drucker Sandro B. zunächst fristlos, war aber später bereit, die fristlose Kündigung in eine ordentliche Kündigung umzuwandeln, wenn der Arbeitnehmer auf weitere Rechtsmittel verzichtet. Dieses Angebot nahm Sandro B. auch an.

Vor dem Arbeitsgericht Berlin ging es am 1. Dezember 2005 nicht um die Frage, ob eine auch auf den privaten Bereich ausgedehnte Nichtrauch-Vereinbarung rechtens ist, sondern ausschließlich darum, ob Sandro B. die Kündigung anfechten darf, obwohl er sich zuvor mit der Umwandlung der fristlosen in eine ordentliche Kündigung einverstanden erklärt hatte. Die Richterin entschied gegen den Kläger. 

Berliner Morgenpost + B.Z., 2.12.05 

Raucher-Pausen sind nicht wie ein Gang zur Toilette

 Arbeitgeber, die jeden Gang zur Toilette außerhalb der offiziellen Pausen notieren und diese Zeit ebenfalls als Pausenzeit werten wollen, handeln rechtswidrig, denn durch die Erledigung einer ganz normalen menschlichen Notdurft wird die laufende Arbeitszeit nicht unterbrochen.

Ganz anders hingegen sieht es bei den Raucherpausen aus. Rechtlich gesehen handelt es sich dabei um Arbeitsunterbrechungen, die nicht als Arbeitszeit anerkannt werden müssen. Wer außerhalb der offiziellen Pausen den Arbeitsplatz zum Rauchen verlässt, riskiert unter Umständen ein Abmahnung – insbesondere wenn dies häufig geschieht und der Sachverhalt dem Beschäftigten bekannt gemacht worden ist. Bewährt haben sich betriebliche Pausenregelungen, die nicht rauchende Arbeitnehmer nicht benachteiligen.

 

Rauchende Beamte können zur
Entwöhnungstherapie verpflichtet werden

Tabak qualmende Beamte müssen sich unter Umständen auf Geheiß ihres Dienstherrn einer Therapie unterziehen. Sie seien verpflichtet, auf ihre Gesundheit zu achten, um damit ihre Dienstfähigkeit zu erhalten. Das entschied jetzt das Verwaltungsgericht Wiesbaden als zuständige Disziplinarkammer für Bundesbeamte in Hessen.

Im vorliegenden Fall ging es um eine Beamtin der Deutschen Post AG, die in Offenbach Briefe zustellt und häufig wegen Atemwegserkrankungen arbeitsunfähig war. Ihre Ärzte rieten ihr deshalb zu einer Raucherentwöhnungstherapie, dies allerdings ohne Erfolg. Zuletzt wollte die Post die uneinsichtige Briefzustellerin zur Therapie verpflichten. Die Beamtin weigerte sich jedoch, an der Entwöhnung teilzunehmen – was der Dienstherr mit einer Geldbuße ahndete.

Im Grundsatz konnte das Gericht die Vorgehensweise der Post nachvollziehen. Die Staatsdienern auferlegte Pflicht zur Erhaltung ihrer Gesundheit, die die Verwaltungsrichter aus der allgemeinen beamtenrechtlichen Treuepflicht ableiten, könne weit in den privaten Bereich hineingreifen. Dabei gelte es abzuwägen zwischen der persönlichen Freiheit des Beamten einerseits und der Funktionsfähigkeit des öffentlichen Dienstes andererseits. Wirke sich nämlich das Verhalten eines Beamten – im vorliegenden Fall dessen Weigerung, an einer Therapie teilzunehmen – maßgeblich auf den Dienst aus, überwiege das öffentliche Interesse. Schließlich müssten die Kollegen des Beamten häufiger für ihn einspringen, wenn dieser erkranke.

Die Briefzustellerin blieb allerdings diesmal noch von der Geldbuße verschont. Das Gericht kam zu dem Ergebnis, dass diese aufgehoben werden müsse, weil die Beamtin über die disziplinarrechtlichen Folgen ihres Verweigerungsverhaltens nicht aufgeklärt worden war. 

Wiesbadener Kurier, 22.11.05

 

Tabakkonzern darf auf Olympia anspielen

Der Tabakkonzern BAT hatte in einer Dreier-Plakatserie Zigarettenschachteln der Marke Lucky Strike unter anderem in ein Anordnung präsentiert, die an die Olympischen Ringe erinnerte. Unterlegt waren die Abbildungen mit Sprüchen wie "Die Ringe sind schon in Athen". Das Landgericht Darmstadt hat eine Unterlassungsklage des Nationalen Olympischen Komitees gegen den Tabakmulti abgelehnt mit der Begründung, dass die Ringe selbst auf den Plakaten gar nicht verwendet wurden und die Vorschriften des Olympiaschutzgesetzes eng auszulegen seien. Die Begriffe "olympisch" und "Olympia" seien seit langem Bestandteile der Sprache, sodass es mehr als fraglich erscheine, ihre Verwendung von Lizenzgebühren an das IOC abhängig zu machen.

 Schwäbische Zeitung, 22.11.05

 

Volle Tabaksteuer auch für Sticks

 

Die bisher preisgünstigeren Zigaretten-Sticks müssen künftig in Deutschland wie normale Zigaretten besteuert werden. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied am 10. November 2005 in Luxemburg unter Aktenzeichen: C-197/04, dass es sich bei den vorgefertigten Röllchen nicht wirklich um Tabak-Feinschnitt für Selbstdreher handle. Deswegen dürfe auch der niedrigere Steuersatz für Selbstgedrehte nicht auf die Sticks angewendet werden.

Die Sticks – im Verfahren vor dem höchsten EU-Gericht ging es um "West Single Packs" der zum Konzern Imperial Tobacco gehörenden Reemtsma-Gruppe – sind nach Feststellung des Gerichts Zigaretten und müssen dementsprechend besteuert werden. Zigaretten seien nach geltendem Recht auch "Tabakstränge, die durch einen einfachen nichtindustriellen Vorgang in eine Zigarettenpapierhülse geschoben werden". Dem Gericht zufolge ist dies eindeutig der Fall. Die Bundesregierung, die von der EU-Kommission verklagt worden war, hatte dies bestritten: Es seien "mehrere aufeinander folgende Verfahrensschritte nötig", die "eine genaue und geübte Handhabung erforderten".

Das Gericht legte im Urteil dar, der vorportionierte Tabak werde in einer Aluminiumhülse in eine Zigarettenpapierhülse eingeführt. Anschließend werde die Verpackung entfernt und der Tabak bleibe in der Hülse: "Daraus folgt, dass die in Rede stehenden Tabakstränge durch einen einfachen nichtindustriellen Vorgang in Zigarettenpapierhülsen geschoben werden." Damit seien alle Kriterien für die Definition einer Zigarette erfüllt. Die Bundesrepublik Deutschland muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Das Gericht folgte in seinem Urteil einer Empfehlung des Generalanwalts vom Juni. Reemtsma hatte damals erklärt, bei einer Besteuerung von Sticks als Zigaretten werde wahrscheinlich der grenzüberschreitende Handel angekurbelt. Dies werde zu Steuerausfällen führen.

Nach der Veröffentlichung des Urteils forderte der Zigarettenhersteller eine schonende Umsetzung. Eine ausreichend lange Übergangsfrist und eine stufenweise Anhebung der Besteuerung könne die Auswirkungen auf den Markt und die Beschäftigten minimieren, erklärte Reemtsma-Vorstandssprecher Richard Gretler in Hamburg. Sein Unternehmen habe bereits verschiedene Produktantworten für die besonders preisbewussten Raucher vorbereitet. 

www.n-tv.de/600264.html, 10.11.05

Die Finanzverwaltung hat sich bereit erklärt, eine Übergangsfrist bis zum 31. März 2006 für die Umstellung der Besteuerung einzuräumen.

 

Tabakverkauf im dritten Quartal 2005 

Tabakerzeugnis

Versteuerte
Verkaufswerte

Veränderung
zum Vorjahr

Versteuerte
Mengen

Veränderung
zum Vorjahr

Zigaretten

5,3 Mrd. €

+ 2,3 %

25,7 Mrd. Stück

– 11,0 %

Zigarren und Zigarillos

189,0 Mill. €

+ 8,1 %

1,1 Mrd. Stück

+ 6,8 %

Feinschnitt

1,1 Mrd. €

+ 79,6 %

7.511 Tonnen

+ 43,5 %

Pfeifentabak

23,0 Mill. €

– 11,2 %

224 Tonnen

– 13,9 %

Insgesamt

6,6 Mrd. €

+ 10,3 %

 

 

 

Der neue Bundesfinanzminister Peer Steinbrück kann sich freuen: Die Tabaksteuereinnahmen lagen im dritten Quartal mit 3,9 Milliarden Euro um 13,5 Prozent über denen vom Vorjahresquartal. Mit der Änderung der Besteuerung der Sticks werden die Einnahmen aus der Tabaksteuer im nächsten Jahr Rekordwerte erreichen und es ermöglichen, dass dem Zweck, der mit der Steuererhöhung in drei Stufen erreicht werden sollte, wenigstens teilweise gedient werden kann: die pauschale Abgeltung der Aufwendungen der Krankenkassen für versicherungsfremde Leistungen. Ursprünglich war vorgesehen, den Krankenkassen im Jahr 2005 2,5 Milliarden und in den Folgejahren 4,2 Milliarden Euro aus den erhöhten Tabaksteuereinnahmen zukommen zu lassen. Das Ausweichen der Raucher auf die niedrig besteuerten Produkte Feinschnitt und Sticks ließ das jedoch nicht zu. Es besteht die begründete Hoffnung, dass die Politiker daraus lernen.

 

Schmuggel-TÜV-Studie als PR-Gag: 
VdC liest Kaffeesatz aus Mülltüten

Der Verband der Cigarettenindustrie (VdC) geht angesichts eines rückläufigen Tabakkonsums und des jüngsten Urteils des Europäischen Gerichtshofs zur Besteuerung von Sticks wieder in die Marketing-Offensive. Mit Schreckensmeldungen über ausufernden Zigarettenschmuggel versucht der Verband der deutschen Nikotindrogendealer sowohl die Verbraucher zu verunsichern als auch Lobbyismus bei der Bundesregierung für einen einfacheren Tabakdrogenhandel zu betreiben.

Als besonderen PR-Gag haben sich die Strategen der Zigarettenindustrie diesmal eine "Studie" in Kooperation mit dem TÜV Berlin-Brandenburg ausgedacht. Zusammen mit dem TÜV untersuchte der VdC monatlich 500 Zigarettenschachteln aus 21 mit Bedacht ausgewählten Entsorgungsgebieten des Dualen Systems. Diese Zigarettenschachteln wurden sorgfältig anhand ihrer Steuerbanderolen daraufhin überprüft, ob die Kippen in Deutschland versteuert wurden.

Nach einem Focus-Bericht vom 12.11. 2005, der sich auf die VdC-Studie beruft, ist inzwischen jeder sechste Glimmstängel nicht mehr in Deutschland versteuert. Diese noch relativ klare Aussage wird jedoch immer unschärfer: Aus "nicht in Deutschland versteuert" wird sehr schnell "nicht versteuert", und am Ende wird nur noch "Schmuggelware" als Synonym verwendet.

Unzählige Zeitungs- und Zeitschriftenberichte schüren seitdem die Panik vor dem angeblichen Schmuggelwahn, ohne jedoch weitere Fakten einzubeziehen.. Das zeigt deutlich, dass der VdC diese Pseudo-Studie nur als Vorwand für eine medienwirksame Selbstdarstellung nutzt und keinesfalls an einer sachlichen Aufklärung interessiert ist. Die untersuchte Datenmenge von durchschnittlich gerade einmal 24 Packungen je Entsorgungsgebiet ist mit Sicherheit keine Basis für verlässliche statistische Aussagen. Diese Argumentation der Tabaklobby bewegt sich auf dem Niveau von Kaffeesatzleserei.

Die Einbeziehung des TÜV in die Studie stellt dabei keinen Widerspruch dar, sondern soll der Sache nur den Anschein von Seriosität vermitteln. Denn der TÜV garantiert lediglich die Einhaltung gewisser Bedingungen bei der Datenerhebung. Interessanterweise wird in einigen Berichten sogar erwähnt, dass gewisse Schlussfolgerungen "nach Angaben des VdC zuverlässig" seien. Wohlgemerkt, hier wird nicht vom TÜV gesprochen, denn die Interpretation der durch die Studie gewonnenen Daten erfolgt durch den VdC und lässt erhebliche Zweifel an den bereits medienwirksam vermarkteten Resultaten aufkommen.

Aus ausländischen Steuerbanderolen lässt sich nur ablesen, dass eine Packung nicht in Deutschland versteuert wurde. Daraus abzuleiten, es handele sich um Schmuggelware, ist nicht nur unseriöse Spekulation, sondern blanker Unsinn. Für diesbezügliche verlässliche Aussagen wären wesentlich weiter gehende Informationen notwendig, die sich nicht aus den untersuchten Müllsäcken ableiten lässt. Letztendlich garantiert der EU-Binnenmarkt einen freien Warenverkehr, ohne Strafzölle und andere Restriktionen für (billigere) Ware aus anderen EU-Ländern.

Dass der VdC seine Kunden des massiven Schmuggels bezichtigt, ist ein anschauliches Beispiel dafür, dass sich dieser Industriezweig nicht nur verbal auf dem Niveau von Drogendealern bewegt. Die eigenen Kunden zu kriminalisieren, um die eigenen zweifelhaften Geschäfte zu sichern, kann sich nur die Tabakindustrie leisten. Das Bedrückende daran ist, dass sich nicht nur die nikotinkranken Kunden dadurch blenden lassen, sondern auch die Bundesregierung. Denn kein anderer Wirtschaftszweig wird von höchster Stelle derart hofiert und mit Samthandschuhen angefasst.

Es kann davon ausgegangen werden, dass die Details der Studie des VdC niemals veröffentlicht werden. Daran kann die Tabaklobby auch gar kein Interesse haben, denn mit konkreten Fakten würde sie sich nur noch weiter angreifbar machen. Es handelt sich also um eine reine Alibistudie, mit der sich der VdC medienwirksam schmückt. Wichtig sind nur die Schlagworte "Studie" und "TÜV", der Rest ist nichts als Marketing der Tabaklobbyisten.

Ähnlich lag der Fall bei der DEHOGA-Studie. Danach sollten bereits 40 Prozent der Lokale über Nichtraucherbereiche verfügen. Wer jedoch konkrete Anschriften verlangte, wurde mit inhaltsleeren Floskeln abgespeist. 

Lutz Schäfer www.aktiv-rauchfrei.de, 11/2006

 

FDP Arm in Arm mit der Tabakindustrie

Einzig die FDP steht fest an der Seite des Industriezweiges, dessen Produkte jährlich 110 000 bis 140 000 Menschen das Leben kostet. Die anderen Parteien scheuen offensichtlich bewusst enge öffentliche Kontakte mit der Tabakindustrie. Dies zeigen die Reaktionen auf die Einladung des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) zu seiner Vortragsveranstaltung "Freiräume der Kommunikation" am 2. November 2005 in Berlin. Als einzige Politikerin tritt neben mehreren Verbandsvertretern die FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin in Erscheinung als Referentin zum Thema "Kommunikation und Marktwirtschaft und europäische Gesetzgebung".

Auch Thomas Isenberg, Leiter des Fachbereichs Gesundheit/Ernährung der Verbraucherzentrale Bundesverband e.V., hatte abgesagt, ebenso die frühere Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk. So blieben die Veranstalter mit wenigen Gästen unter sich. Es war ein richtiges Insider-Treffen und wurde von der Presse nicht wahrgenommen. Nur der Tabakzeitung ist zu entnehmen, was wer zu welchem Thema gesagt hat.

"Wir müssen wieder von der Anklagebank", forderte Uli Veigel, der Vizepräsident des Gesamtverbandes Kommunikationsagenturen. Tabak sei einst als Medizin, als Währung und als Genussmittel bekannt geworden, heute werde er plötzlich als Droge dargestellt.

Gerrit L. de Bruin, Vorstandsvorsitzender des VdC, feierte die Selbstverpflichtung zur Beschränkung in der Tabakwerbung als "konsequenten Jugendschutz". Seine Aussagen wurden allerdings noch von der FDP-Politikerin Koch-Mehrin überboten. Der Tabakzeitung zufolge sprach sie sich deutlich gegen Werbeverbote aus: "Der Bürger muss selbst entscheiden können und dabei umfassend informiert werden." Ein Werbeverbot sei immer auch eine Art Freiheitsberaubung, die Selbstverpflichtung ein besseres Regulativ.

Zwar profitieren alle Bundesbürger indirekt von der Herstellung und dem Handel mit Tabakprodukten, z.B. dadurch, dass mit den Einnahmen aus der Tabaksteuer, der Grundsteuer, der Gewerbesteuer, der Körperschaftsteuer usw. öffentliche Aufgaben finanziert werden, doch ist das kein Freibrief dafür, alle nur möglichen Gelder von der Tabakindustrie anzunehmen und Public Relations für Unternehmen zu betreiben, die unmittelbar vom Tabakkonsum profitieren. So kritisiert das Forum Rauchfrei zu Recht, dass die ehemalige Staatssekretärin Sabine Bergmann-Pohl, Lungenfachärztin und Präsidentin des Berliner Landesverbandes des Deutschen Roten Kreuzes, Gelder der Körber-Stiftung annimmt, die fast zur Hälfte aus der Herstellung von Maschinen stammen, mit denen Zigaretten hergestellt werden.

 

Es stell sich die Frage, ob die FDP künftig als Strategie zur Verhinderung von Straftaten die Selbstverpflichtung potenzieller Verbrecher propagiert
egk

 

Seehofer kippt Gesetz zum Tabakwerbeverbot

Wäre es nicht zu einer Neuwahl des Bundestags gekommen, hätten wir vielleicht schon ein Tabakwerbeverbot. Die grüne Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Kühnast, hatte einen Gesetzentwurf formuliert und Mitte Mai auf den Gesetzesweg gebracht, um der EU-Richtlinie zu genügen. Diese forderte von den EU-Mitgliedstaaten, ein Tabakwerbeverbot bis zum 1. August 2005 in nationalen Gesetzen zu verankern. Der Bundesrat mit Unionsmehrheit stoppte jedoch das Gesetz. Wegen der Neuwahlankündigung wurde das Tabakwerbeverbot dann nicht weiter verfolgt.

In den Koalitionsverhandlungen wurde zwischen CDU/CSU und SPD vereinbart, die Entscheidung des EU-Gerichtshofs (EuGH) zur Klage der Bundesregierung gegen das Tabakwerbeverbot abzuwarten. Der in der Großen Koalition verantwortliche Minister Horst Seehofer (CSU) lehnt ein Tabakwerbeverbot mit der Begründung ab, dass sonst ein Werbeverbot für Bier drohe. Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) soll argumentiert haben, Werbung für legale Produkte müsse legal bleiben.

Kommentar: Angesichts derartiger Begründungen sind Zweifel an der Fähigkeit zu logischem und vernünftigen Denken und Handeln der Kabinettsmitglieder angebracht. Moralisch disqualifiziert haben sich beide. egk

Mit einer Entscheidung des EuGH ist im Frühjahr 2006 zu rechnen. Für den 23. Februar ist die Stellungnahme des Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshofs vorgesehen. Da das Gericht bisher fast immer dem Plädoyer des Generalanwalts gefolgt ist, dürfte bereits Ende Februar feststehen, ob die EU-Richtlinie gegen europäisches Recht verstößt. Welt, 1.11.05

 

Urologen fordern Tabakwerbeverbot

Der Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs ist in der breiten Öffentlichkeit bekannt. Dass die meisten Raucher an Herzkreislauf-Erkrankungen sterben, ist schon weit weniger verankert. Fast unbekannt ist hingegen der Zusammenhang zwischen Rauchen und Blasenkrebs. "Wir Urologen", stellt Prof. Margit Fisch, Pressesprecherin der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) fest, "haben mit dem Blasenkarzinom einen klassischen Raucherkrebs zu behandeln". Das ist für die DGU Grund genug, ein Tabakwerbeverbot zu fordern und die Klage gegen die EU-Richtlinie anzuprangern. Drei Prozent aller bösartigen Tumore sind Harnblasenkarzinome.

Pressemitteilung der DGU, 9.12.05

In einer Vielzahl von internationalen Studien konnte belegt werden, dass Tabakkonsum das Risiko, ein Urothelcarcinom (Krebs der inneren Blasenschleimhaut) der Harnblase zu entwickeln, drastisch erhöht. Das Risiko, eine manifeste Tumorerkrankung zu entwickeln, erhöht sich um den Faktor zwei bis acht und hängt von der Anzahl der insgesamt gerauchten Zigaretten, der Intensität des Rauchens und der Zeit des praktizierten Rauchens ab.

 

Weniger Rauch in Spielfilmen, doch Cool-Faktor bleibt


Brad Pitt zelebriert Gewalt im Film "Fight Club" - mit Zigarette zwischen den Lippen

 

Forscher des St. Michael Medical Center in Newark analysierten das Rauchverhalten in 447 Kinohits der Jahre 1990 bis 2000. Sie ermittelten, dass die Filme gegenüber früher "rauchfreier" geworden sind. In zwei Dritteln der großen Blockbuster (kommerziell besonders erfolgreiche Spielfilme) rauchte niemand. Von den "Independent Movies" blieb die Hälfte rauchfrei.

Die Charaktere, die zur Zigarette griffen, waren allerdings weniger positiv: 36 Prozent der Bösewichte und nur 21 Prozent der Helden rauchten. Auch die sozioökonomischen Umstände spielten eine Rolle: nur zehn Prozent der reichen Filmhelden waren Raucher, während fast die Hälfte der Ärmeren zum Glimmstängel griffen.

Dass die Raucher im Film heute die "Loser", die Verlierer, sind, ist allerdings kein Grund zur Entwarnung. Weiter bestehen bleibt der "Cool-Faktor", das heißt, dass es völlig egal sei, wer im Film raucht und wer nicht. "Film- und Fernsehhelden sind Rollenmodelle, egal ob sie jetzt einen guten oder schlechten Charakter mimen. Ihr Handeln hat Vorbildwirkung auf die Kinder", so die Expertin Anna Adachi-Mejia von der Dartmoor Medical School in Lebanon.

Im Film „Payback“ spielte Mel Gibson z.B. einen Dieb mit miesem Charakter. „Dennoch war er der Held des ganzen Streifens und extrem cool“, so Karan Omidvari vom St. Michael’s Medical Center in Newark. „Und vor allem Teenager finden es gut, schlecht zu sein.“ Sie identifizieren sich besonders gerne mit Charakteren, die gegen gesellschaftliche Normen rebellieren. Kein Wunder, wenn Jugendliche versuchen, ebenso cool zu wirken wie diese Filmvorbilder. Mit die einfachste Möglichkeit für sie scheint dabei das Rauchen zu sein. Denn – so fand das Team um Karan Omidvari heraus – viele der Film-Bösewichter rauchen. 

Und wie sieht es in Deutschland aus? Während in den amerikanischen Spielfilmen immer weniger geraucht wird, schaut es in den deutschen Spielfilmen, zumindest in denen, die für das öffentlich-rechtliche Fernsehen produziert werden, sehr düster aus. Im Jahr 2005 hat es z.B. fast keinen Tatort-Krimi gegeben, in dem nicht geraucht wurde. Teilweise wurden das Anzünden der Zigarette, das Ziehen an der Zigarette und das Ausatmen des Tabakqualms richtiggehend zelebriert. Vom seit 2002 geltenden Nichtraucherschutz-Paragrafen in der Arbeitsstättenverordnung scheinen alle Beteiligten noch nichts gehört zu haben. Kein Wunder, wenn der Verdacht aufkommt, dass hier illegale bezahlte Werbung für das Rauchen betrieben wird.

 egk

 

Rauchen verschlimmert Rheuma 

Neue Studien der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie haben ergeben, dass Rauchen Rheuma fördern und darüber hinaus den Krankheitsverlauf und den Behandlungserfolg negativ beeinflussen kann, sagte die Generalsekretärin, Prof. Erika Gromnica-Ihle. Internationale Studien an Zwillingen zeigten, dass Raucher im Vergleich zu ihren nichtrauchenden Geschwistern ein zwölffach höheres Risiko eingingen, an einer rheumatoiden Arthritits zu erkranken,. Außerdem verlaufe die Krankheit schwerer und schmerzhafter. Erst nach zehn Lebensjahren ohne Zigarette sinke das Risiko wieder auf das Niveau von Nichtrauchern. 

Weser-Kurier, 23.9.05

 

Acrylamid im Blut durch Rauchen 

Einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover zufolge haben Raucher erhöhte Werte der Krebs erregenden Substanz Acrylamid im Blut. Der Stoff werde nicht nur über erhitzte und kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Pommes frites, Kartoffelchips oder Bratkartoffeln aufgenommen. In viel höherem Ausmaß gelange Acrylamid mit dem Tabakrauch in den Körper. Mit etwa 1,5 Mikrogramm pro Liter Blut lagen die Werte bei Rauchern etwa drei Mal höher als bei Nichtrauchern (0,4 Mikrogramm).

Unter Leitung von Prof. Renate Wrbitzky hatten Wissenschaftler seit Herbst 2003 untersucht, ob auch unterschiedliche Ernährungsweisen einen messbaren Einfluss auf die Belastung mit Acrylamid haben. Bei mehr als 80 Prozent der insgesamt 395 Teilnehmer wurde Acrylamid im Blut nachgewiesen. Einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Konzentration der Substanz im Blut und dem Ernährungsstil stellten die Forscher jedoch nicht fest. Nur wer mehrmals pro Woche Pommes frites und Kartoffelchips aß, hatte leicht erhöhte Acrylamid-Werte. "Der Unterschied ist jedoch gering und aus wissenschaftlicher Sicht nicht signifikant", betonte Wrbitzky. 

Weser-Kurier, 14.10.05

 

Jeder Zweite stirbt an Herzkreislauf-Erkrankung 

Im Jahr 2004 starben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 818 271 Personen. Bei nahezu jedem zweiten Verstorbenen wurde – wie auch schon in den Vorjahren – der Tod durch eine Erkrankung des Kreislaufsystems ausgelöst. Einem Krebsleiden erlag gut ein Viertel aller Gestorbenen. Somit sind rund drei Viertel aller Sterbefälle mit Ursachen verbunden, bei denen in vielen Fällen ein Zusammenhang mit dem Rauchen anzunehmen ist. Todesursache Sterbefälle Krebs der Verdauungsorgane 68 475 Krebs der Atmungsorgane 41 806 Herzinfarkt 67 149 Das wird besonders deutlich bei der Unterscheidung nach Geschlecht. Während bei den Frauen "nur" 11 379 Sterbefälle auf Krebs der Atmungsorgane zurückzuführen sind, sind es bei den Männern 30 427.

 

Todesursache

Sterbefälle

Krebs der Verdauungsorgane

68 475

Krebs der Atmungsorgane

41 806

Herzinfarkt

67 149

 

Über 39 000 Sterbefälle durch Lungenkrebs

Im Jahr 2003 starben in Deutschland 40 865 Personen an Erkrankungen, die in Zusammenhang mit dem Konsum von Tabakprodukten gebracht werden können. Neben Lungenkrebs (39 286 Sterbefälle) werden auch Kehlkopfkrebs (1 542 Sterbefälle) und Luftröhrenkrebs (37 Sterbefälle) zu den Folgeerkrankungen des Rauchens gezählt. Insgesamt waren im Jahr 2003 knapp 5 Prozent aller Sterbefälle auf eine für Raucher symptomatische Erkrankung zurückzuführen. Auffällig ist, dass an den genannten Todesursachen drei Mal mehr Männer als Frauen starben. 

Anstieg zwischen 1984 und 2003 

Im Vergleich zum Jahr 1984 ist ein Anstieg dieser Todesursachen zu erkennen. Vor 21 Jahren starben mit 33 589 Personen knapp 4 Prozent an den oben genannten Krankheiten. Mit 27 931 gestorbenen Männern (84 Prozent) war deren Anteil an rauchspezifischen Todesursachen um mehr als fünf Mal höher als der der weiblichen Gestorbenen.

Allein der Lungenkrebs stellte 2003 in Deutschland die vierthäufigsten Todesursache dar; 1984 war er noch die sechsthäufigste Todesursache. Mit 28 652 Todesfällen im Jahr 2003 war er bei den Männern sogar – wie bereits 2002 – die dritthäufigste Todesursache. War Lungenkrebs im Jahr 2002 noch die zehnthäufigste Todesursache bei Frauen, so belegt er 2003 Platz 8. Das durchschnittliche Alter der an Lungen-, Kehlkopf- und Luftröhrenkrebs Gestorbenen lag 2003 bei 69 Jahren. Bei Berücksichtigung aller Todesursachen sterben die Menschen in Deutschland durchschnittlich im Alter von 76 Jahren, somit sterben Personen mit für Raucher symptomatischen Erkrankungen durchschnittlich sieben Jahre früher. 

Statistisches Bundesamt, 27.5.05

 

Eltern prägen stark Einstellung zu Alkohol und Tabak

Wissenschaftler der Universität Dartmouth in New Hampshire (USA) studierten spielerisch 120 Kinder zwischen zwei und sechs Jahren auf ihre Einstellungen zu Alkohol und Tabak: Die Kleinen schlüpften jeweils mit Hilfe von Puppen in die Rolle eines Erwachsenen, der einen Freund zu gemeinsamem Essen eingeladen hat. Weil für das Essen noch nichts eingekauft war, schlug ein Versuchsleiter, der die Rolle des eingeladenen Freundes verkörperte, einen Einkauf vor.

In einem Puppen-Supermarkt konnten die Kinder daraufhin einkaufen, was sie für einen netten Abend von zwei Erwachsenen für wichtig hielten. 73 verschiedene Waren lagen bereit. Neben Waren, die die Kinder selbst gerne mögen, z.B. Kuchen und Süßigkeiten, wählten sie auch Obst, Gemüse, Hühnchen oder eine Zeitung – Produkte, die hauptsächlich von Erwachsenen genutzt werden. Gut die Hälfte der Kinder kaufte Alkohol, ein Drittel Zigaretten. Es stellte sich heraus, dass Kinder von rauchenden Eltern vier Mal so häufig zu Zigaretten griffen wie Kindern von nichtrauchenden Eltern. Auch beim Alkohol war ein ähnlicher Effekt zu beobachten. 

Die Zeit, 6.9.05

 

Tabakkonsum kann Augenlicht kosten

Raucher erblinden doppelt so oft wie Nichtraucher. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der AMD Alliance in Großbritannien. Der Zusammenhang zwischen der altersbedingten Makuladegeneration (AMD) und Rauchen sei nun so direkt nachgewiesen wie der Zusammenhang zwischen Lungenkrebs und Rauchen. Viele Raucher wissen allerdings noch nicht, dass Tabakkonsum das Augenlicht kosten kann. AMD tritt in trockener und feuchter Form auf. Bei 90 Prozent der Erkrankungen handelt es sich um die trockene Form, die nicht behandelt werden kann. AMD Alliance und das Royal National Institute of the Blind fordern daher Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen sowie die Finanzierung einer Kampagne durch die britische Regierung.

www.amdalliance.org, 10.12.05

 

Passivrauchen in der Kindheit
erhöht Krebsrisiko deutlich

Rauchende Eltern legen einer neuen Studie zufolge den Grundstein für eine spätere Krebserkrankung ihrer Kinder. Passivrauchen in der Kindheit erhöht beispielsweise das Risiko für Nasen- oder Lungenkrebs. Darüber erkranken Kinder rauchender Mütter auch häufiger an Blasen- oder Nierenkrebs.

Für die Studie hatten Prof. Kari Hemminki und Bowang Chen von der Abteilung Molekulargenetische Epidemiologie des Deutschen Krebsforschungszentrums Daten des nationalen schwedischen Familien-Krebsregisters ausgewertet. Es erfasst über Generationen hinweg Krebserkrankungen in schwedischen Familien. Die Analyse umfasste Daten aus den Jahren 1958 bis 2002 von 18 000 Müttern und 42 000 Vätern mit Lungenkrebs. Bei den Nachkommen dieser Menschen waren nahezu 174 000 Krebserkrankungen verzeichnet. Durch den Vergleich mit den Erkrankungsraten bei Nachkommen nicht rauchender Eltern ermittelten die Wissenschaftler spezifische Krebsrisiken, die nicht mit den eigenen Rauchgewohnheiten der Betroffenen oder mit erblichen Risiken zu erklären sind.

Kinder rauchender Mütter hatten jeweils ein 1,5faches Risiko für Krebserkrankungen der oberen Luftwege und für Blasenkrebs. Bei Nasenkrebs stieg das Risiko um fast das 3fache und bei Lungenkrebs um das 1,7fache. Nachkommen männlicher Lungenkrebspatienten wiesen ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Nasenkrebs und etliche andere Krebsarten auf, nicht jedoch für Blasen- und Nierenkrebs.

Die Effekte auf Blase und Nieren sind laut Studie unabhängig vom Rauchverhalten des Vaters und daher vermutlich den Nikotinabbauprodukten zuzuschreiben, die das Kind einer rauchenden Mutter im Mutterleib oder mit der Muttermilch aufnimmt und über Nieren und Blase ausscheidet. Diese Organe sind in der Wachstumsphase besonders empfindlich. 

Handelsblatt, 13.9.05

 

3. Deutsche Konferenz zur Tabakkontrolle


Ein Blick auf die Informationsstände vor dem Konferenzsaal

Am 7. und 8. Dezember 2005 fand in Heidelberg die 3. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle statt. Den rund 300 Teilnehmern wurden ein breites Themenspektrum geboten, das nahezu alle wichtigen Aspekte umfasste. Am ersten Tag stand die Veröffentlichung der Studie über die Passivraucheropfer in Deutschland im Mittelpunkt des Interesses. Prof. Dr. Ulrich Keil legte dar, wie sein Team bei der Ermittlung der erschreckenden Zahlen vorgegangen ist, und betonte mehrmals, dass es sich bei der Zahl von über 3 300 Passivrauchtoten um eine Zahl handelt, die nach strengsten wissenschaftlichen Kriterien ermittelt worden ist. Dr. Kerstin Schotte gab den Konferenzteilnehmern einen Überblick über die gesetzlichen Regelungen zu rauchfreien Einrichtungen in den Ländern der europäischen Region der WHO. Danach liegt Deutschland im unteren Mittelfeld. Prof. Dr. Friedrich Wiebel zeigte u.a. anhand von eigenen Messungen auf, dass die Luft in den Gastronomiebetrieben stark tabakrauchhaltig und in höchstem Maß gesundheitsschädlich ist.

In den sechs Workshops am Nachmittag ging es vor allem um Tabakentwöhnung, rauchfreie Krankenhäuser, Netzwerkarbeit und die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft Frauen und Tabak. Danach wurden Prof. Dr. Friedrich Portheine mit dem WHO-Weltnichtraucherpreis sowie Dr. Reiner Hanewinkel und Carsten Merten mit dem Forschungspreis Rauchfrei leben ausgezeichnet (Bericht folgt im Nichtraucher-Info Nr. 62).

Am zweiten Tag der Konferenz standen die Erfahrungen mit der Tabakkontrolle in der Schweiz sowie die Initiativen von Bund und Ländern in Deutschland auf dem Programm. Viel Aufmerksamkeit erhielten Johannes Lischke und Gudrun Liebherz vom Staatlichen Schulamt in Frankfurt am Main bzw. von der Behörde für Bildung und Sport in Hamburg für ihre Vorträge über die Erfahrungen mit der Umsetzung des Beschlusses zu rauchfreien Schulen.

Die drei Vorträge am Nachmittag widmeten sich dem Einfluss der Tabakindustrie auf Politik und Wissenschaft sowie der Frage, welche Handlungen der Tabakindustrie als kriminell einzustufen und damit strafbar sind. Auch dazu mehr im Nichtraucher-Info Nr. 62. Am Schluss verabschiedeten die Teilnehmer einstimmig die 3. Heidelberger Deklaration zur Tabakkontrolle (siehe unten).

Die NID war bei der Konferenz durch mehrere Mitglieder, darunter auch einige Nichtraucher-Initiativen, vertreten und präsentierte ihr Material auf einem Infostand. NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause hielt im Rahmen des Workshops zur Netzwerkarbeit in Deutschland einen Vortrag zum Thema "Synergie-Effekte hauptamtlicher und ehrenamtlicher Tätigkeit bei der Tabakkontrolle". Der Vortrag liegt als Word-Datei vor und kann zusammen mit der dazugehörigen Powerpoint-Datei unter www.nichtraucherschutz.de heruntergeladen werden.

 


Das über dem Eingang zum Konferenzsaal aufgehängte
Transparent der NID wurde auch im heute-journal des ZDF gezeigt.

 

Heidelberger Deklaration der
3. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle
am 07. und 08. Dezember 2005 

Die gegenwärtige Situation bzgl. der Tabakrauchbelastung von Nichtrauchern in Deutschland ist völlig inakzeptabel. Jährlich viele tausend Todesopfer und zusätzlich ungezählte Kranke aufgrund des Passivrauchens zu Hause, am Arbeitsplatz, in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsmitteln sowie in der Gastronomie können nicht länger hingenommen werden. Daher fordern die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der 3. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle nachdrücklich:

1. ein umfassendes Bundesgesetz zur Gewährleistung u. a. rauchfreier öffentlicher Einrichtungen/Verkehrsmittel und rauchfreier Arbeitsplätze sowie eine umfassende, bundesweite und nachhaltige Informationskampagne zu den Gefahren des Passivrauchens. 

Diese Maßnahmen würden endlich dazu beitragen, dass die Zahl der Passivrauchopfer in Deutschland drastisch gesenkt wird. Hier ist die Politik gefordert. Außerdem fordern die Teilnehmer der 3. Deutschen Konferenz für Tabakkontrolle für die laufende Legislaturperiode: 

2. weitere Tabaksteuererhöhungen und gleiche Besteuerung von Tabakwaren aller Art auf dem Steuerniveau von Fabrikzigaretten 

3. ein umfassendes Tabakwerbeverbot (einschließlich der Umsetzung der EU-Richtlinie zu Tabakwerbung und zum Sponsoring) 

4. Abschaffung aller Zigarettenautomaten und Lizenzierung der Verkaufsstellen für Tabakprodukte 

5. Novellierung des Jugendschutzgesetzes mit der Anhebung der Altersgrenze von 16 auf 18 Jahre für die Abgabe von Tabakprodukten und für das Rauchen in der Öffentlichkeit 

6. Anerkennung der Tabakabhängigkeit als behandlungsbedürftige Suchterkrankung und der Abrechnungsfähigkeit ihrer Therapie

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer fordern staatliche und nichtstaatliche Organisationen sowie Einzelpersonen auf, keine Zuwendungen von der Tabakindustrie und ihr nahe stehenden Institutionen anzunehmen.

 

Immer mehr Deutsche für rauchfreie Gastronomie

Die Mehrheit der Bundesbürger würden ein Rauchverbot in Gaststätten begrüßen. Nach einer von der NID und der Dieter Mennekes Umwelt-Stiftung bei der GfK Marktforschung in Auftrag gegebenen Repräsentativ-Studie vom Februar 2005 sind 52,9 Prozent der 1 948 über 15 Jahre alten befragten Personen für ein Rauchverbot. Die Frage wurde im Rahmen einer Mehrthemenuntersuchung gestellt, das heißt, dass die Frage nach der Einstellung zum Nichtraucherschutz in Gaststätten nur eine von vielen Fragen war. Dies und die Vielzahl der Interviewten sowie die neutrale Art der Fragestellung sichern ein realistisches Ergebnis.

Frage 1: Sprechen wir nun kurz über das Rauchen von Zigaretten. Welche der Aussagen auf diesem Bildschirm

beschreibt ihr persönliches Verhalten in Bezug auf das Zigarettenrauchen?

Frage 2: In Irland, Schweden, Italien und anderen Ländern ist das Rauchen in Gaststätten (Restaurants) zum Schutz der Nichtraucher verboten. Auf den folgenden Bildschirmen sehen Sie einige Aussagen zum Thema Gaststättenbesuch und Rauchen in Gaststätten. Bitte wählen Sie jeweils die Aussage aus, die für Sie persönlich zutrifft. Mit "Gaststätten" meinen wir einen gastronomischen Betrieb, der ein volles Speisenangebot hat.

Umfragen z.B. des Nachrichtenmagazins SPIEGEL im zweiten Halbjahr zeigen, dass der Anteil derjenigen, die rauchfreie Gaststätten wünschen, weiter zunimmt. Hinzu kommt, dass die Raucher nicht nur klar in der Minderheit sind, sondern auch über weit weniger Einkommen verfügen als die Nichtraucher. Seit mehreren Jahren gehen die Umsätze im Gaststättengewerbe spürbar zurück. Eine Wende ist nur mit einem gesetzlichen Rauchverbot in Gaststätten zu schaffen. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) hat sich in der Vergangenheit als Lobbyist der Tabakindustrie betätigt und eine gesetzliche Regelung torpediert. Die NID empfiehlt den Mitgliedern der DEHOGA, sich eine neue Verbandsspitze zu wählen, die die wirklichen Interessen der Gastwirte vertritt.

An uns ist es, dafür zu sorgen, dass die Interessen der Mehrheit der Bevölkerung stärker als bisher zur Geltung kommen. Eine Gesundheitsschädigung ist nicht toleranzfähig. Niemand würde in einem Schwimmbad mit Pinkelerlaubnis seine Runden drehen. Gastwirte können erst dann mit Nichtrauchern rechnen, wenn sie ihnen neben gutem Essen rauchfreie und nicht nur raucharme Luft anbieten.

 

 

Was hat das Matterhorn mit Grächen zu tun?

Es war reiner Zufall, dass ich vor fast genau 40 Jahren zum ersten Mal das Matterhorn mit eigenen Augen sehen konnte. Ich war damals – wegen eines defekten Fahrrads per Anhalter – unterwegs von München nach Genf und machte einen kleinen Schlenker mit der Zahnradbahn nach Zermatt. Dass dies dann ein paar Tage später sogar mit der Besteigung des Monte Rosa, der mit 4.638 Metern fast 200 Meter höher ist als das Matterhorn, endete, kann ich auch heute noch kaum glauben.

Als ich vor acht Jahren von einem Nichtraucherhotel in Grächen hörte, wurden in mir Erinnerungen an das Matterhorn und den Monte Rosa wach und es dauerte nicht lange, bis ich die Gelegenheit beim Schopf ergriff und ein paar Tage Urlaub im Hotel Stutz mit Blick auf schneebedeckte Drei- und Viertausender machte. Der Aufenthalt war für mich ein so großer Genuss, dass ich 2006 schon zum fünften Mal hintereinander für eine Woche im 1 600 Meter hoch gelegenen Grächen Aktivurlaub mache. Bisher hatte ich bis zu 17 FreundInnen mit dabei, die einen, um mit mir auf Hütten und Berge zu steigen, die anderen, um sich nur ein bisschen zu bewegen. Sie alle lobten nicht nur die reizvollen Wanderwege und die berauschenden Ausblicke, sondern auch die hervorragende Betreuung und Bewirtung im Hotel Stutz: Hans Oggier kümmert sich vor allem um das seelische Wohl und ist den Gästen ein umsichtiger und unterhaltsamer Tourenführer. Ursula Oggier sorgt für das leibliche Wohl, und das so hervorragend, dass ein Fünf-Sterne-Koch voll Neid erblassen würde. Wer Näheres wissen will, ruft mich am besten an unter Tel. 089 317 12 12. 

Ernst-Günther Krause

 

Urlaub 2006 im

Nichtraucher-Hotel STUTZ
in Grächen/Matterhorntal

mit einem erlebnisreichen Ferienprogramm

Nähere Informationen:

www.nichtraucherhotel.ch
Telefon 0041 27 956 36 57

 

Pubertäts-Pickel

Für viele Heranwachsende sind sie ein ständiges Ärgernis, diese hässlichen Pickel im Gesicht. Sie markieren die schwierige Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein und sind rein gar nicht dazu geeignet, den Jugendlichen ein "erwachsenes Aussehen" zu geben. Aber sie sind leider häufig ein Symptom der Pubertät. Offenbar ist der Körper nicht immer in der Lage, den Übergang zum Erwachsensein ohne sichtbare Probleme zu bewältigen.

Auch im psychischen Bereich verläuft die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen nicht problemlos. Der Konflikt zwischen Freizügigkeit und Unterwerfung ist in dieser Phase allgegenwärtig. Schon das Kleinkind versucht, durch Trotzreaktionen oder mit Pfiffigkeit einen Ausweg zu finden. In der Pubertät findet der kindliche Trotz häufig ein neues Ausdruckssymbol: die Zigarette im Mundwinkel. Sie ist so ebenfalls ein Symptom für Schwierigkeiten bei der Bewältigung der Pubertät, also auch eine Art Pubertäts-Pickel.

Fakt ist: Das Rauchverhalten wird vorwiegend im Pubertätsalter erworben. Im Erwachsenenalter wächst das Bedürfnis, vom Rauchen wieder freizukommen, und sinkt die Bereitschaft, sich auf das Rauchen einzulassen. Das Rauchen ist also kein Symbol des Erwachsenseins, sondern eher ein Andenken an die Zeit, in der die Kinderschuhe zu drücken begannen.

Ein Rotznasen-Image der Zigarette wäre jedoch fatal für das Geschäft. Bei der wichtigsten Einsteiger-Gruppe, den Halbwüchsigen, verlöre das vermeintliche Erwachsenensymbol erheblich an Bedeutung. Die Tabakindustrie versucht daher den Anschein zu wahren, sie produziere ausschließlich für die gehobenen Ansprüche Erwachsener. "Wir wollen nicht, dass Minderjährige rauchen!", betont sie scheinheilig. Auf der anderen Seite versucht sie durch miese Tricks – wie zum Beispiel durch Beimischungen von Geschmacksstoffen im Tabak – alles, um selbst Kindern das Rauchen schmackhaft zu machen. Ohne den so wichtigen pubertären Nachwuchs – das weiß die Tabakindustrie genau – würde es der Branche schlecht ergehen.

Dieser Erkenntnis folgend ist die schöne bunte Zigarettenwerbung primär an den blutjungen Raucher-Nachwuchs adressiert. Sie zeigt die heiß ersehnte Erwachsenenwelt in der jugendgemäßen Version einer Spaßgesellschaft. "So unbeschwert kann das Leben sein, wenn du nur die richtigen Zutaten nimmst!" Welche Zutat das Leben so glücklich macht, verrät die Werbung natürlich auch. Wenn schließlich die Tabakindustrie zu einem Pop-Musik-Wettbewerb einlädt oder Auslandspraktika für junge Leute ausrichtet, so wird deutlich, welche Zielgruppe sie im Visier hat.

Die hohe Ansprechbarkeit Jugendlicher für den Drogenkonsum sowie die gezielten Versuche der Tabakindustrie, diese Gegebenheit für ihre Profitinteressen zu nutzen, scheinen unsere Regierenden nicht im Geringsten zu beunruhigen. Warum sonst würde sie die am 1. August 2005 europaweit in Kraft getretene EU-Richtlinie zum Tabakwerbeverbot und weitere Bestrebungen für ein totales Verbot der Tabakwerbung und des Sponsorings durch die Tabakindustrie mit allen Kräften boykottieren? Nach Schätzungen des Deutschen Krebsforschungs-Zentrums Heidelberg würde der Tabakkonsum bei Jugendlichen nach einem umfassenden Werbeverbot um mehr als 13% zurückgehen. Bei Erwachsenen wären es nach Angaben der Weltbank 7%.

Tabakwerbung zu verbieten ist eine Seite der Vorbeugung. Die wesentliche Seite ist die, den jungen Leuten zu zeigen, was im Gegensatz zu den Verheißungen der Tabakwerbung im Leben wirklich glücklich macht. Das Gesundheitsportal Lifeline.de hat dazu vier Eckpfeiler gefunden. Ein glückliches Lebensgefühl wird getragen von Herausforderungen, Hingabe, echten Freundschaften und Dankbarkeit.

Vor allem junge Menschen brauchen Herausforderungen, an denen sie sich messen können, mit denen sie wichtige Erfahrungen sammeln und durch deren Bewältigung sich ihre Persönlichkeit entwickelt. Das Erfolgserlebnis ist eine Quelle der Lebensfreude und des Glücks.

Die Hingabe an eine Sache oder an ein persönliches Anliegen bindet die Aufmerksamkeit an etwas Positives. Sie ist auf die Zukunft gerichtet und lässt für negative Erlebnisse aus der Vergangenheit keinen Raum.

Freundschaftliche und liebevolle Beziehungen zu anderen Menschen vermitteln soziale Integration und emotionale Geborgenheit. Einsamkeit und Ausgestoßensein sind zermürbend und treiben am Ende häufig in die Abhängigkeit von Tabak, Alkohol und anderen vermeintlichen Seelentröstern.

Wer selbst für die kleinsten schönen und angenehmen Dinge im Leben dankbar sein kann, der läuft weniger Gefahr, sich von den Widrigkeiten in seinem Umfeld erdrücken zu lassen.

Wem es gelingt, aus eigener Kraft glücklich zu werden, der kann auf zweifelhafte Glücksverheißer verzichten. Das Abstoßende und Entwürdigende am Rauchen ist, das eigene Wohlbefinden vom Konsum einer Droge abhängig gemacht zu haben. Dies sollten wir bei der Werbung für das Nichtrauchen in den Vordergrund stellen anstatt mit dem Unheil zu drohen, das einen Raucher später im Leben einmal ereilen könnte. Das Hier und Heute ist wichtig, um vor allem junge Leute überzeugen zu können.

Der Konflikt zwischen Freizügigkeit und Unterwerfung ist ganz souverän lösbar, wenn ich mich meinen eigenen Lebensregeln unterwerfe, die im Einklang mit den Regeln des sozialen Zusammenlebens stehen. Rauchen symbolisiert Defizite in der Selbstbestimmung, der Raucher unterwirft sich in seiner Abhängigkeit fremden zweifelhaften Interessen. Seine Emanzipation steckt noch in den Kinderschuhen. Sind die Zigaretten also doch seine Pubertäts-Pickel? 

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Korb für Raucher – sie sind nicht begehrenswert

Im Nichtraucher-Info Nr. 60 wird in einem Diagramm festgehalten, dass Raucher doppelt so oft ledig wie Nie-Raucher und um ein Viertel seltener verheiratet als Nie-Raucher und Ex-Raucher zusammen sind. Daraus wird gefolgert, dass Raucher weniger bereit oder fähig sein, Bindungen einzugehen als Nichtraucher.

Ich sehe das ganz anders. Aus eigenen Erfahrungen kann ich sagen, dass sich zwar schon viele Raucher um mich – und da können Sie jetzt gerne schmunzeln – beworben haben, ich ihnen aber deutlich gemacht habe, dass ein Raucher für mich als Partner nicht infrage kommt. Es kann ja dann jeder selbst entscheiden, ob er bis dahin lediglich aus Langeweile geraucht hat und es für sich (und nicht für mich) aufgibt oder eben doch so süchtig ist, dass er davon nicht mehr los kommt.

Ich habe mich nämlich irgendwann gefragt, ob ich mir einen rauchenden Partner wirklich antun muss, zumal ich vollkommen rauchfrei aufgewachsen bin und so etwas überhaupt nicht kenne. Kaum atembare Luft, Ekel erregende Küsse, stinkende Finger, verqualmte Klamotten usw. – ich kann daran nichts toll finden. Lässt sich ein Nichtraucher, den der Rauch eigentlich stört, trotzdem für längere Zeit mit einem Raucher in der Hoffnung ein, dass sich das mit dem Rauch schon regeln wird, muss er damit rechnen, arg enttäuscht zu werden. Der sachten Mitteilung, dass der Rauch eigentlich doch stört, folgt dann nämlich in der Regel die Entgegnung: "Na, du hast mich doch aber mit Rauch kennen gelernt, also musst du das jetzt auch akzeptieren."

Insofern kann ich der Schlussfolgerung über die Bindungsunfähigkeit der Raucher nicht zustimmen. Für mich ist das Ergebnis vielmehr ein Zeichen dafür, dass Raucher die weniger begehrten Partner sind. Die Mehrzahl der Nichtraucher will eben gar keinen Raucher als Partner haben. Wer sich als Nichtraucher auf einen vermeintlichen Kompromiss einlässt, für den wird die Qualmerei des Partners früher oder später eben doch ein Streitthema, sei es, weil die Wände öfter tapeziert werden müssen, die Kasse ohnehin knapp ist oder inzwischen Kinder da sind. Teilweise wünschen sich Raucher aber auch einen Nichtraucher als Partner, weil sie meinen, dann einfacher vom Rauchen loszukommen. 

Marion T.

 

Spanien wird Paradies für Nichtraucher

Am 1. Januar 2006 tritt in Spanien ein Gesetz in Kraft, das nicht nur rauchfreie Arbeitsstätten, sondern auch rauchfreie Gaststätten vorschreibt. Wer am Arbeitsplatz rauchen will, muss ausnahmslos vor die Tür. Und wer in einer Gaststätte die Schadstoffe des Tabakrauchs inhalieren will, muss sich ein Lokal aussuchen, das mehr als 100 Quadratmeter Fläche hat. Denn nur in diesen darf für Nikotinsüchtige ein abgetrennter Bereich eingerichtet werden, der jedoch nur maximal 30 Prozent der Gesamtfläche einnehmen darf. Ein Rauchverbot gilt außerdem in Schulen, Sportstätten, Krankenhäusern, Museen, Aufzügen, Telefonzellen, Metros, Zügen und in anderen öffentlichen bzw. öffentlich zugänglichen Einrichtungen. Wer gegen das Rauchverbot verstößt, muss mit harten Strafen rechnen. Tabakkonsumenten droht ein Bußgeld von 30 bis 600 Euro. Gastronomen, die sich nicht an die Vorschriften halten, erwartet eine Strafe bis zu 10 000 Euro.

Das Tabakkontrollgesetz beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, durch Begrenzung des Rauchens für mehr Rauchfreiheit zu sorgen. Es sieht auch vor, die niedrigen Tabakpreise 2007 auf das EU-Niveau anzuheben und die Tabakwerbung zu verbieten, zum Teil mit Übergangsfristen von drei Jahren. Künftig dürfen Tabakwaren nur an Volljährige verkauft werden. 

Süddeutsche Zeitung, 16./17.12.05

 

Südtirol/Italien: 
Geldstrafe für Wirtin wegen rauchender Gäste

In Bozen ist erstmals eine Wirtin bestraft worden, in deren Lokal zwei Besucher von der Polizei mit der Zigarette im Mund erwischt worden sind. Die Wirtin will gegen die Strafe Einspruch einlegen mit der Begründung, sie habe den Kunden aufgefordert, das Rauchen einzustellen oder die Gaststätte zu verlassen. Da die Kunden dieser Aufforderung nicht nachgekommen seien, trage sie keine Schuld. Im Gesetz werde von den Gastwirten nicht verlangt, die Polizei zu verständigen. Einer der beiden Kunden wurde mit einer Strafe von 60 Euro belegt. Der zweite Kunde ist Ausländer. Es könnte sein, dass dieser deshalb ungeschoren davon kommt, heißt es in der Meldung von Tirol Online vom 23.11.05. Die im Gesetz vorgesehenen Strafen für die Wirte sind sehr hoch. Sie liegen zwischen 250 und 2 500 Euro und werden auch noch verdoppelt, wenn sich im Lokal eine "augenscheinlich schwangere Frau oder ein Kind unter 12 Jahren aufhält".

 

China ratifiziert Anti-Tabak-Konvention der WHO

Das bevölkerungsreichste Land der Erde hat die Anti-Tabak-Konvention der Weltgesundheitsorganisation ratifiziert. Mit schätzungsweise 350 Millionen Rauchern ist China auch der größte Markt für Tabakprodukte. Demzufolge sterben jährlich etwa 1,2 Millionen Chinesen an den Folgen des Rauchens.

 

Rauchverbot in Schweizer Zügen

Seit 11. Dezember 2005 ist in den Zügen der Schweizer Bundesbahnen (SBB), der BLS Lötschbergbahn, der Südostbahn und 16 weiteren Bahnunternehmen das Rauchen verboten. Mit dem Rauchverbot wollen die Transportunternehmen dem Kundenbedürfnis nach mehr Reisequalität und dem Schutz vor dem Passivrauchen Rechnung tragen.

Auch in den Bahnhöfen darf nicht mehr geraucht werden. Das Rauchverbot gilt für alle öffentlich zugänglichen und geschlossenen Räume und Zirkulationsflächen sowie für die Tiefbahnhöfe. Weiter geraucht werden darf auf offenen Bahnsteigen. Bei der SBB wird das Verbot zuerst auf den sieben größten Bahnhöfen eingeführt, bis Ende 2006 folgen die anderen Bahnhöfe. SBB-Sprecher Christian Kräuchl erklärte, dass die Bahn dem allgemeinen Trend folge, wonach Rauchen in öffentlichen Räumen zunehmend als unangenehm empfunden werde. Mit der Maßnahme sollen Reisende und das Personal geschützt werden. Renitente Raucher müssen mit einer Geldstrafe in Höhe von 25 Franken rechnen. Außerdem können sie vom Bahnpersonal aus dem Zug gewiesen oder mit einem Bahnhofverbot belegt werden. Für diese Maßnahmen reichen die bestehenden Gesetze aus.

Außer auf Einsicht setzen die Transportunternehmen auch auf die Wirkung einer Informationskampagne, bei der die unten abgebildeten Plakate mit Motiven aus der Zigarettenwerbung verwendet wurden.

 

 

Nordirland:
Rauchverbote ab 2007
 

Die Regierung Nordirlands hat beschlossen, das Rauchen am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden (dazu zählen auch die Gaststätten) ab April 2007 zu verbieten. Bei seiner Entscheidungsfindung orientierte sich der nordirische Gesundheitsminister Shaun Woodward auch an den Erfahrungen der Republik Irland und des US-Bundesstaats New York. Durch eine saubere Planung und Vorbereitung hat Woodward sich eine breite Mehrheit in der Bevölkerung für seine Pläne gesichert. Laut einer Umfrage signalisierten 91 Prozent von 70.000 befragten Nordiren ihre Zustimmung für ein umfassendes Rauchverbot. 

Ireland Online, 17.10.05, Scotsman.com, 18.10.05

 

Irland + New York/USA: 
Rauchverbote gut für die
Gastronomie und Arbeitsplätze 

Für Irland und New York hatten Tabaklobbyisten Arbeitsplatzverluste und einen Umsatzrückgang von 15 bis 20 Prozent für die Gastronomie vorhergesagt. Entgegen den Prognosen sank der Umsatz seit Einführung des Rauchverbots jedoch nur um 0,2 Prozent, wobei kein Zusammenhang mit dem Rauchverbot nachgewiesen ist. Relativiert wird diese Zahl durch einen Vergleich mit dem Zeitraum vor Einführung des Rauchverbots. Von 2001 bis 2004 sank der Umsatz der irischen Wirte nämlich um 15 Prozent. Seit Einführung des Rauchverbots hat sich der Markt also besser entwickelt, als in den vorhergegangenen Jahren.

Positive Entwicklungen gibt es auch auf dem Arbeitsmarkt. Gegenüber dem entsprechenden Vorjahresquartal unmittelbar vor Einführung des Rauchverbots stieg die Zahl der in der Gastronomie Beschäftigten in Irland im ersten Quartal 2005 um 1 400 auf 23 200 an. In New York schuf die Gastronomie seit Einführung des Rauchverbots mehr als 10 000 neue Arbeitsplätze, der Umsatz stieg um 9 Prozent. 

Ireland Online, 17.10.05, Scotsman.com, 18.10.05

 

Tessin/Schweiz:
Gastronomie wird rauchfrei 

Mit 46 zu 17 Stimmen bei 13 Enthaltungen verabschiedete der Große Rat des südlichsten Schweizer Kantons Tessin eine Änderung des Gaststättengesetzes, die ein generelles Rauchverbot für Restaurants, Bars und Diskotheken vorschreibt. Bis Personal und Gäste in den Genuss rauchfreier Luft kommen, müssen sie sich allerdings noch bis zu einem Jahr gedulden. Im italienischsprachigen Tessin war das Rauchverbot beim Nachbarn Italien mit Interesse aufgenommen worden, insbesondere dessen ökonomischer Erfolg. Aus diesem Grund sprach sich auch der Branchenverband Gastro Ticino, der etwa 1 600 Mitglieder repräsentiert, für die Einführung des Rauchverbots aus. Dass das Rauchverbot noch durch die für den 12. März 2006 festgesetzte Volksabstimmung (Referendum) gekippt wird, ist angesichts der Stimmung in der Bevölkerung nicht anzunehmen.

 

Auch die Schweiz hat(te) ihre(n) Tabakwissenschaftler

Der Journalist Dietmar Jazbinsek deckte auf, dass sich der Schweizer Sozialwissenschaftler Peter Atteslander (Schwerpunkt: Verwendung von Methoden der empirischen Sozialforschung in der Epidemiologie) jahrelang von der Tabakindustrie für seine angebliche Unabhängigkeit bezahlen ließ. Hier ein Ausschnitt aus dem umfangreichen Artikel "Forschen schadet Ihrer Gesundheit" in Die Weltwoche Nr. 47 vom 24. November 2005, in dem Atteslanders Tätigkeit als Lobbyist der Tabakindustrie gegenüber der WHO dargestellt wird.

"Wie diese Lobbyarbeit konkret ablief, zeigt das Beispiel der Weltgesundheitsorganisation. Ende 1988 hatten Topmanager der Zigarettenbranche im so genannten «Boca Raton Action Plan» den Entschluss gefasst, das Tabakkontrollprogramm der WHO zu sabotieren. Zu diesem Zweck sollten eigene Berater als vermeintlich unabhängige Fachleute in die Gesundheitsorganisation eingeschleust werden.

Peter Atteslander hatte dank seines Renommees als Lehrbuchautor offenbar keine Mühe, an Einladungen zu WHO-Konferenzen heranzukommen. Nachdem er im November 1991 einen Kongress zum Thema «Public Health in the Year 2000» besucht hatte, informierte er seine Leute bei der Tabakindustrie über «die zu erwartenden Aktivitäten» der Gegenseite. Als ein Jahr später eine Folgekonferenz stattfand, beantragte Atteslander bei dem Londoner Anwaltsbüro Shook, Hardy & Bacon, über das die Tabakgelder ab-gerechnet wurden, die Übernahme seiner Reisekosten, um seine Kontakte zur WHO vertiefen zu können.

Wie wichtig diese Kontakte für die Industrie sein konnten, sollte sich schon kurze Zeit später erweisen. Im April 1993 erfuhr der Soziologe während eines Aufenthalts in Peking, dass die chinesische Regierung eine landesweite Untersuchung plante, um den Gesundheitszustand der Bevölkerung zu erfassen. Nach seiner Rückkehr plädierte er gegenüber dem Philip-Morris-Konzern für einen Eingriff in das laufende Forschungsprogramm und bot von sich aus an, bei der «Beschaffung und Überprüfung des Fragebogens» behilflich zu sein. In der Folge schrieb Atteslander mehreren Repräsentanten der WHO und erkundigte sich nach Details der China-Studie. Für wen die Informationen gedacht waren, erwähnte er in seinen Briefen nicht. Im August 1995 konnte er nach einem weiteren China-Besuch vermelden, dass die Regierung lediglich an Planungsgrundlagen für die medizinische Infrastruktur interessiert war und «Anti-Raucher-Kampagnen nicht auf der Prioritätenliste stehen». Auch die Mitteilung, dass es sich bei der Pekinger Vertretung «um ein völlig ineffektives Außenbüro der WHO handelt», war für die Tabakleute eine gute Nachricht. China gilt für die Zigarettenhersteller als Markt der Zukunft, seit sie in den westlichen Industriestaaten empfindliche Umsatzeinbussen zu verzeichnen haben."

Der vollständige Artikel ist im Internet unter http.//www.weltwoche.ch/artikel/ AssetID=12651&CategoryID=73 einsehbar.

 

Rudi Carrell an Lungenkrebs erkrankt 

Über 50 Jahre lang hat der beliebte Entertainer stark geraucht. Die Meldung, dass Rudi Carrell im Alter von 70 Lungenkrebs hat, ist deshalb nicht wirklich überraschend. Eine Chemotherapie habe er schon hinter sich, heißt es in der Berliner Zeitung vom 13. November 2005. Außerdem sehe er abgemagert aus und habe tiefe Falten im Gesicht. Rudi Carrell gilt als außerordentlich vital, doch sind die Heilungsaussichten beim Lungenkrebs äußerst gering. Doch die Hoffnung aufzugeben, ist nicht zu Carrells Stil.

"Ich wäre ohne Humor nie 70 geworden", wird Rudi Carrell zitiert. Es gelinge ihm fast immer, seine Krankheit zu vergessen, "auch weil ich niemand damit belästigen möchte".

 

Rauchen im Flugzeug endet mit Knast

Ein 50-jähriger Grieche steckte sich auf dem Flug mit Olympic Airways von Athen nach New York eine Zigarette an. Als ihn ein Flugbegleiter darauf aufmerksam machte, dass Rauchen nicht gestattet sei, rastete der Passagier aus und schlug auf den Flugbegleiter ein. Von einem griechischen Gericht wurde er nun zu 15 Monaten Haft wegen Gefährdung des Luftverkehrs verurteilt. 

www.spiegel.de, 18.11.05 

 

Raucherin wollte Flugzeugtür öffnen

Weil sie das Bedürfnis hatte, eine Zigarette zu rauchen, versuchte eine 34-jährige Französin, auf dem Flug von Hongkong nach Brisbane in Australien den Notausgang zu öffnen. Vor einem Gericht in Brisbane bekannte sie sich schuldig und wurde unter Auflagen auf freien Fuß gesetzt. Ihre Anwältin hatte vorgetragen, dass die Raucherin zur Tatzeit unter dem Einfluss von Schlaftabletten und Alkohol gestanden sei. 

Welt kompakt, 22.11.05

 

10 Prozent mehr Gehalt für Nichtraucher 

Das Hotel Holiday Inn in Dresden zahlt seinen Mitarbeitern eine Prämie in Form von 10 Prozent des Gehalts, wenn sie nicht rauchen. Begründung: Raucher machen zusätzliche Pausen. Dies ist den nichtrauchenden Kollegen gegenüber unfair. Das Holiday Inn übernimmt auch die Kosten für die Tabakentwöhnung der Beschäftigten. 

Bild Berlin, 17.10.05

 

Angelina Jolie ekelt sich vor Rauch 

Die Schauspielerin Angelina Jolie stellte ihrem Traummann Brad Pitt ein Ultimatum: entweder sie oder die Zigarette. Sie ekle sich vor dem Aschenbechergeschmack beim Küssen und für ihre beiden Kinder sei Tabakqualm nicht gesund. Der Angesprochene war nicht gerade hoch erfreut, doch er entschied sich offensichtlich gegen die Zigarette. 

Berliner Zeitung, 14.10.05

 

Sollte öffentliches Rauchen verboten werden? 

Der Verfasser des Artikels, der am 13. März 2005 in der Welt am Sonntag erschienen ist, bringt in seinem Plädoyer für ein Leben ohne Passivrauch einige interessante Vergleiche.

Rauchen ist eine Sucht, die anders als Alkoholismus nicht nur dem Süchtigen, sondern auch seinen Nachbarn schadet. Brennender Tabak verseucht die Luft mit Schadstoffen. Würde die Lebensmittelindustrie Waren verkaufen, die nur einen Bruchteil des Gifts einer einzigen Zigarette enthielten, wäre ein Skandal die Folge. Besucher von Restaurants verlangen zu Recht die Reinheit der Speisen, müssen aber hinnehmen, dass sie parallel zum sauberen Essen verseuchte Luft zu sich nehmen. Das ist unverständlich. Viel logischer wäre es, der Reinheit der Luft so viel Wert beizumessen wie der Reinheit der Lebensmittel.

Deswegen sollte Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen vollständig verboten werden. Vor allem in Restaurants, aber auch in Eisenbahnen. Flugzeuge und teilweise auch Flughäfen und Bahnstationen sind seit geraumer Zeit rauchfrei. Dieser Erfolg sollte auf die letzten Raucherreviere übertragen werden.

Man mag den Geruch von Rauch in einer Kneipe für gemütlich halten. Aber das ist so unsinnig wie die Meinung mancher Motoristen, das Autofahren ohne Gurt mache sie freier, oder Motorradfahren ohne Helm sei männlicher. Gesundheitsgefahr als Ausdruck persönlicher Entfaltung anzusehen, ist ein zum Glück überwundener Irrtum. Nur in Restaurants lebt der Aberglaube vom besseren Leben durch kollektive Vergiftung weiter.

Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die des Anderen beginnt. Raucher in Restaurants belästigen andere Menschen unablässig. Eigentlich geböte es schon die Höflichkeit, auf das Rauchen zu verzichten. Weil diese Höflichkeit aber fehlt, muss der Gesetzgeber einschreiten. 

Christoph Keese

 

Wie seriös sind Repräsentativ-Befragungen?

Einer EMNID-Umfrage zufolge befürworten 56 Prozent der Bundesbürger ein Rauchverbot in "Kneipen, Büros und öffentlichen Gebäuden". Nach einer vom Magazin Stern in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage fordern nur 38 Prozent der Bundesbürger strengere Gesetz zum Schutz vor dem Passivrauchen. TNS Infratest brachte es im Auftrag des Politmagazins SPIEGEL auf 47 Prozent Bundesbürger, die rauchfreie Gaststätten für wünschenswert halten. Die GfK-Umfrage im Auftrag der NID führte zu 53 Prozent Befürwortern. Die Repräsentativität wird stark bestimmt von der Fragestellung, der Auswahl der Befragten, der Art der Befragung (telefonisch, schriftlich) und der Zahl der Befragten (1000 oder 2000). An diesen Kriterien gemessen liegt die Umfrage der GfK Marktforschung an erster Stelle.

 

Neue Drogenbeauftragte
hat noch nie geraucht

Sabine Bätzing, Nachfolgerin von Marion Caspers-Merk als Drogenbeauftragte der Bundesregierung, hat noch nie geraucht. Die am 13. Februar 1975 geborene Diplomverwaltungswirtin (FH) ist seit 2002 Mitglied des Bundestags und widmete sich bisher schwerpunktmäßig dem Jugendschutz. Sie sieht die Senkung der Raucherquote und den Ausbau des Nichtraucherschutzes als eine der größten gesundheitspolitischen Herausforderungen an.

 

Minister Goppel
raucht nicht mehr 

Angela Merkel wirkte als Katalysator bei der Tabakentwöhnung. Thomas Goppel, Bayerischer Staatsminister für Wissenschaft, Forschung und Kunst, hatte vor der Bundestagswahl versprochen, mit dem Qualmen aufzuhören, wenn der Deutsche Bundestag Angela Merkel zur Bundeskanzlerin gewählt hat. Und der Minister hielt sein Versprechen. Goppel war – mit zwei Jahren Unterbrechung – seit 1974 Pfeifenraucher.

 

Der neue James Bond
raucht nicht mehr 

Über Jahrzehnte hinweg griff der von Ian Fleming geschaffene Superagent James Bond (mit der Lizenz zu töten) in der filmischen Version in bestimmten Situationen zur Zigarette. Der neue James Bond, Daniel Craig, wird in der nächsten Folge dieser weltweit erfolgreichen Reihe, "Casino Royale", nicht mehr rauchen. Das haben die Produzenten entschieden, teilte der Onlinedienst Actustar mit. Damit wolle man der Pflicht Hollywoods nachkommen, der Jugend ein Vorbild zu geben.

 

 

Terminkalender 

29./30. April 2006 

Mitgliederversammlung der  Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. 

in Weimar 

Telefon 089 3171212

 

12.-15. Juli 2006

13. Weltkonferenz Rauchen oder Gesundheit in Washington, DC

www.13thwctoh.org

 

18. November 2006

Rauchfreie Tanzveranstaltung in Wiesbaden

20 Jahre Nichtraucher-Initiative Wiesbaden e.V.

Telefon 06122 2194 - Fax 06122 6357

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein

Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

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Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.