Nichtraucher-Info Nr. 62 - II/06

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DEHOGA liefert manipulierte Zahlen

Das nehmen dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) nicht einmal die eigenen Mitglieder ab: 31,5 Prozent der Gaststätten, die regelmäßig Speisen anbieten und über mehr als 75 qm Gastfläche oder mehr als 40 Sitzplätze verfügen, sollen dem DEHOGA zufolge mindestens 30 Prozent Nichtraucherplätze anbieten. Die 31,5 Prozent liegen jedoch so weit von der Wirklichkeit entfernt, dass schon eine Menge Unverfrorenheit und Betrugsenergie dazu gehört, um Politik und Öffentlichkeit derart für dumm zu verkaufen. Hinzu kommt, dass Nichtraucherplätze keine rauchfreien Plätze sind, sondern teilweise mit dem Schadstoffgemisch Tabakrauch genauso belastet sind wie ausgewiesene Raucherplätze (vgl. Seite 6 ff.).

Aufgrund des nachhaltigen Drucks von vielen Seiten musste der DEHOGA nähere Daten veröffentlichen. Diese entlasten ihn jedoch nicht, sondern zeigen, wie die Manipulation angelegt ist. Danach hat das Unternehmen Marktplatz Hotel GmbH / CHD Expert Group eine Befragung durchgeführt, deren Ergebnis repräsentativ genannt wurde, obwohl die Methodik keinesfalls den Grundsätzen seriöser Marktforschung entspricht.

Zwischen dem DEHOGA und der Marktplatz Hotel GmbH, die sich als "europäischer Marktführer in der Beschaffung, dem Management und der Analyse von Informationen auf dem Ausser Haus Markt" bezeichnet, besteht seit der Gründung 1996 eine enge Verbindung. Zu den Gesellschaftern von Marktplatz Hotel gehört nämlich auch der Hotelverband Deutschland im DEHOGA. Kein Wunder also, dass hier eine interessengeleitete und keine unabhängige Befragungsaktion stattfand. Der DEHOGA wollte keine gesetzliche Regelung. Deshalb musste ein Ergebnis her, das die Wirksamkeit der Vereinbarung zwischen dem Bundesgesundheitsministerium und dem DEHOGA belegen sollte.

Wie wurde manipuliert? Marktplatz Hotel lieferte schon Anfang 2004 die gewünschten Daten: Der damalige und heutige DEHOGA-Präsident Ernst Fi scher behauptete damals, dass das Gastgewerbe in Deutschland auf den Markt reagiert und bereits zahlreiche Angebote für Nichtraucher geschaffen habe. Diese Aussagen stützen "sich u.a. auf eine repräsentativ durchgeführte Untersuchung eines renommierten Forschungsinstitutes (Marktplatz Hotel), bei der über 5.000 gastgewerbliche Unternehmer befragt wurden. Danach verfügen 39 % der befragten Restaurantbesitzer/-betreiber und 41 % der befragten Barbetreiber über einen separaten Gastraum für Nichtraucher", schrieb Heike Lehmann vom DEHOGA in ihrer E-Mail vom 13. Februar 2004 an NID-Mitglied Bernhard Seelmann. Weiter heißt es darin: "Da es sich hierbei um eine anonyme Umfrage gehandelt hat, liegen uns leider keine Daten hinsichtlich der Unternehmensnamen oder der genauen Standorte vor. Wir bitten Sie dafür um Ihr Verständnis."

Von der NID um die Adressen der befragten Gastronomiebetriebe gebeten, antwortete Marktplatz Hotel am 4. März 2004: " Leider haben wir ein solches Merkmal nicht in unserer Datenbank und können Ihnen dementsprechend auch kein Adressmaterial (zur nichtraucherfreundlichen Gastronomie, Anmerkung der NID) liefern. Die einzige Chance sehe ich in einer Teilnahme an der Gesamtmarktbefragung 2004/2005 mit der Platzierung einer Frage. Wir werden wie im letzten Jahr 250.000 Betriebe der Hotellerie und Gastronomie mit Hilfe eines Fragebogens zum Einkaufsverhalten, zu Ausstattungsmerkmalen etc. befragen. Hier besteht für unsere Kunden die Möglichkeit, eigene Fragen an die Branche zu platzieren und umfangreiche Ergebnisse aus dieser Studie zu erhalten." Wenn schon Anfang 2004 rund 40 Prozent der befragten Gastronomiebetriebe sogar über einen eigenen Gastraum für Nichtraucher verfügt haben sollen, stellt sich die Frage, warum die Vereinbarung zwischen DEHOGA und Gesundheitsministerium als erstes Ziel nur 30 Prozent Gaststätten mit 30 Prozent Nichtraucherplätzen vorsieht und aus welchen Gründen ein Marktforschungsunternehmen, das 2004 so total versagt hat, zwei Jahre später wieder beauftragt wurde festzustellen, ob die Vereinbarungskriterien erfüllt sind. Es gibt nur einen Grund: Manipulation.

Möglichkeiten der Manipulation

Marktplatz Hotel spricht von einer jährlich wiederkehrenden schriftlichen Omnibusbefragung von Betrieben des Gaststätten- und Beherbergungsgewerbes, die im Januar und Februar durchgeführt wird. Zielgruppe der Befragung seien Hotels, Hotels Garnis und Pensionen (21 194) sowie gastronomische Betriebe mit den Schwerpunkten Getränke bzw. Speisen. Marktplatz Hotel bezieht sich dabei auf die Umsatzsteuerstatistik 2003. Danach gibt es 11 137 Hotels und 3 310 Hotels Garnis sowie 6 447 Pensionen. Warum die 18 932 Gasthöfe nicht zur Zielgruppe gehören, obwohl sie im Gegensatz zu den Hotels Garnis regelmäßig Speisen anbieten, ist nicht nachzuvollziehen.

Rätselhaft ist ebenso die Zahl von 175 762 Betrieben, die Getränke und Speisen anbieten. Zwar wird gesagt, dass "in diesem Zusammenhang und im Rahmen einer Gesamtmarktbefragung keine Imbissstuben oder systemgastronomische Betriebe (z.B. McDonalds, Pizza Hut oder Nordsee) so wie Saisonbetriebe (Eissalons) berücksichtigt" werden, doch ist es auch dem von der NID befragten Experten der Marktforschung nicht möglich gewesen, für die Zahl 175 762 eine Erklärung zu finden. Aber vielleicht können die Leser weiterhelfen: 

Gastgewerbe laut Umsatzsteuerstatistik 2003

Speisengeprägte Gastronomie

133 163

Rest. mit herkömmlicher Bedienung

89 012

Rest. mit Selbstbedienung

2 000

Cafés

9 619

Eissalons

6 833

Imbissstuben

25 699

Getränkegeprägte Gastronomie

56 199

Schankwirtschaften

45 017

Diskotheken und Tanzlokale

2 123

Bars

1 587

Vergnügungslokale

270

Sonstige getränkegeprägte Gastronomie

7 202

Kantinen und Caterer

8 974

Kantinen

4 766

 

"In einer ersten Welle", gibt Marktplatz Hotel bekannt, seien "quotierte und durch eine Zufallsquote bestimmte Betriebe direkt angeschrieben worden". Wie viele Betriebe einen Fragebogen erhalten haben, lässt Marktplatz Hotel im Dunkeln.

"In einer zeitlich versetzten zweiten Welle ist nahezu 100 000 Ausgaben der auflagenstärksten Fachzeitung für Gastgewerbe und Beherbergung der Fragebogen beigelegt worden", behauptet Marktplatz Hotel. Es gibt jedoch keine einzelne Fachzeitung, die eine derart große Auflage hat. Die Allgemeine Hotel- und Gaststättenzeitung als das "offizielle und alleinige Organ des DEHOGA Bundesverbandes" hat eine Druckauflage von weniger als 30 000 Exemplaren (Mediadaten 2006). Sie gilt als Europas größte wöchentlich in deutscher Sprache erscheinende Fachzeitung für die Hotellerie und Gastronomie. Ein Konkurrenzmagazin (gastgewerbe – Das Branchenmagazin) entstammt auch den eigenen Reihen (fünf DEHOGA-Landesverbände) und bringt es auf einen verkaufte Auflage von 30 700 – also weit entfernt von jenen "nahezu 100 000 Ausgaben".

Wie Marktplatz Hotel angesichts der gesamten Vorgehensweise und aus 4 792 auswertbaren Fragebögen eine Repräsentativität behaupten kann, ist völlig unverständlich. Schon angesichts der Tatsache, dass die Gastronomen in den Gastgewerbe-Zeitungen und -magazinen an den Termin 1. März 2006 erinnert wurden, lässt vermuten, dass fast alle Gastronomen mit Nichtraucherplätzen den Fragebogen zurückgeschickt, alle anderen ihn jedoch zurückgehalten haben.

Was noch mehr wundern muss, ist, dass die Marktplatz Hotel GmbH ihr Datenmaterial nicht nutzt. Sie bietet auf ihrer Webseite gegen Bezahlung Wunschadressen nach bestimmten Kriterien an, darunter die Anschriften aller Betriebe nach der Zahl der Sitzplätze (1 bis 20, 21 bis 50, 51 bis 100), der Speisen- oder Getränkeorientierung, des Gastronomietyps (Restaurants, gehobene Restaurants, Hotelgastronomie usw.). Wer Interesse an echten Daten hat, wer nicht manipulieren will, kann glaubhafte repräsentative Daten ermitteln.

 

Stichprobenverfahren liefert 10 Prozent

Wie viele Gastronomiebetriebe erfüllen die Vereinbarung zwischen DEHOGA und Bundesgesundheitsministerium? Antwort darauf gibt das Ergebnis der Umfrage, die unter Anleitung des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit vorgenommen wurde. Mitglieder der NID, der NIW und von Pro rauchfrei setzten sich ans Telefon und befragten im Februar insgesamt 1 074 Gastronomiebetriebe in Berlin, Mainz, Erlangen und Wiesbaden. Diese wurden nach einem anerkannten Stichprobenverfahren (z.B. jeder dritte, jeder fünfte, jeder zehnte im Telefonbucheintrag unter Gaststätten) ausgewählt. Die Antworten wurden in einer Excel-Datei festgehalten und stehen allen Interessierten zur Überprüfung samt Anschriften zur Verfügung: www.ni-d.de/ presse/Umfrage-Gastronomie-2006.xls.

Die Antworten der befragten Gastwirte stellen keine Meinungsäußerung, sondern reine Fakten dar. Mit diesem Angebot präsentiert sich der Gastwirt der Öffentlichkeit und damit seinen potenziellen Gästen. Es gibt keinen Grund, diese Daten geheim zu halten. In der Transparenz liegt auch der wesentliche Unterschied zwischen der Befragung der Marktplatz Hotel GmbH und der des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit. Transparenz ist besonders dann unerlässlich, wenn die Beteiligten jeden Anschein einer Manipulation vermeiden wollen. Dem DEHOGA scheint daran überhaupt nicht zu liegen. 

Stadt

mit
NR-Bereich

ohne
NR-Bereich

Berlin

76 = 10,0 %

682 = 90,0 %

Erlangen

10 = 10,4 %

  86 = 89,6 %

Mainz

7 = 5,0 %

134 = 95,0 %

Wiesbaden

5 = 6,3 %

  74 = 93,7 %

 

 

 

 

 

Immer mehr Menschen (60 Prozent) für rauchfreie Gaststätten

Über 80 Prozent der Nie-Raucher und über 70 Prozent der Ex-Raucher sowie immerhin 25 Prozent der aktiven Raucher sprechen sich in Deutschland für komplett rauchfreie Gaststätten aus. Insgesamt sind dies 60 Prozent der Bevölkerung. Das ist das Ergebnis einer bundesweiten Repräsentativbefragung vom Februar 2006, die im Auftrag des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz) von der GfK Marktforschung durchgeführt wurde. Befragt wurden über 2 000 in Deutschland lebende Personen im Alter ab 16 Jahre. Die gleichen Fragen wurden bereits ein Jahr zuvor, im Februar 2005, im Auftrag der Dieter Mennekes Umweltstiftung in Zusammenarbeit mit der NID gestellt. Ein Vergleich der Ergebnisse beider Jahre macht deutlich, dass in allen gesellschaftlichen Gruppen (Nie-Raucher, Ex-Raucher und Raucher) die Befürwortung rauchfreier Gaststätten weiter ansteigt, zuletzt von 53 auf rund 60 Prozent. Die Zustimmung stieg insbesondere unter den Rauchern deutlich. Über eine Beeinträchtigung ihres Wohlbefindens durch Tabakrauch in Gaststätten klagen 84 Prozent der Nichtraucher und immerhin 35 Prozent der Raucher.

Weitere Daten enthält die Publikation "Rauchfreie Gaststätten" des dkfz – anzufordern per Fax (06221 423020) oder E-Mail (who-cc@dkfz.de) oder als PDF-Datei unter www.tabakkontrolle.de.

 

Feinstaubmessungen zeigen:

Nichtraucherplätze häufig so giftig wie Raucherplätze

Dass die vom DEHOGA und Gesundheitsministerium gepriesenen Nichtraucherplätze keine rauchfreien Plätze sind, sondern größtenteils ausgesprochene Giftinhalationszonen, belegen Feinstaubmessungen der NID und des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit in den ersten beiden Monaten des Jahres 2006 in München und Berlin. Denn Feinstaub in Gaststätten ist vor allem Tabakrauch (siehe nächste Seite). Von den kleinen lungengängigen Partikeln befindet sich in Nichtraucherzonen meist die fünf- bis 20-fache Menge von Partikeln, die sonst in von Tabakrauch unbelasteten Räumen anzutreffen sind. Selbst Nichtraucherräume sind, bedingt durch Luftwirbel und nicht zu kontrollierende Luftströme, in der Regel keine rauchfreien Räume.

 

Ein Paradebeispiel für die Unwirksamkeit von Nichtraucherplätzen bietet das traditionsreiche Münchner Lokal Unionsbräu Haidhausen. Es wird geführt von Ludwig Hagn, dem Präsidenten des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes und Stellvertretenden Präsidenten des Dehoga. Am Eingang des Lokals verkünden Aufkleber, dass hier den Bedürfnissen sowohl der rauchenden als auch der nichtrauchenden Gäste Rechnung getragen wird. Doch wer darauf setzt, wird schnell eines Besseren belehrt. Im Gastraum gibt es zwei Tischreihen, eine mit und eine ohne Aschenbecher. Da die Trennung zwischen Raucher- und Nichtrauchertischen der Länge nach erfolgt (der Raum ist etwa viermal so lang wie breit), sitzen Nichtraucher und Raucher stets Tisch an Tisch. Kein Wunder also, dass die Messungen an Nichtraucherplätzen dieselbe Schadstoffbelastung bringen wie die an Raucherplätzen.

Der Unionsbräu bietet auch einen eigenen Raum für Nichtraucher an. Dieser wird jedoch ausschließlich vom Raucherraum her belüftet und weist deshalb nur um etwa ein Drittel geringere Feinstaubwerte auf.

 

Das Weisse Brauhaus, ein zweites renommiertes Traditionslokal in München, hat eine ganze Nichtraucher-Etage. Sie liegt jedoch oberhalb der Raucheretage im ersten Stock. Die warme schadstoffhaltige Luft steigt deshalb nach oben und reichert die dort befindliche Luft mit Tabakverbrennungsprodukten an, so dass – je nach Abstand zur obersten Treppenstufe – Feinstaubwerte von bis zum 5- bis 20-fachen Wert für unbelastete Räume zu messen sind. Wirklich tabakrauchfreie Luft können nur gänzlich rauchfreie Gaststätten bieten.

 

Was ist Feinstaub?

Die Sammelbezeichnung für alle festen Teilchen in der Luft ist Schwebstaub. Dieser kann Bestandteile von Rauch, Ruß und Staub enthalten. Wie gefährlich Staub für die Gesundheit ist, hängt im Wesentlichen von der Staubart und der Partikelgröße ab. Kurz gesagt: Je kleiner die Staubpartikel, umso größer ist die Gesundheitsgefahr, weil die feinen Staubpartikel beim Einatmen sehr tief bis in die kleinsten Lungenverästelungen eindringen. Dies trifft besonders für den so genannten Feinstaub zu.

Die Definition von Feinstaub beruht auf dem 1987 durch die amerikanische Umweltbehörde EPA eingeführten National Air Quality Standard for Particulate Matter*) (PM 10: Ø < 10 µm). 1997 wurde die amerikanische Richtlinie durch den PM 2,5: Ø < 2,5 µm ergänzt.

Feinstaub kann natürliche Ursachen haben oder vom Menschen verursacht sein. Er entsteht hauptsächlich bei Industrieprozessen, bei der Behandlung und dem Transport staubender Güter sowie bei Verbrennungsprozessen aus stationären und mobilen Quellen. Auch die Landwirtschaft trägt zur Feinstaubemission bei – und in geschlossenen Räumen der Tabakrauch. 

Arbeit und Gesundheit Unterrichtshilfe Dezember 2005, Herausgeber: Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften

Feinstaub

Ruß

(im Wesentlichen aus
Kohlenstoff bestehende
Teilchen, entstanden
durch unvollständige
Verbrennungsprozesse)

 

Staub

(feinstverteilte feste
Teilchen in der Luft,
entstanden durch
mechanische Prozesse
oder Aufwirbelung)

 

Rauch

(feinstverteilte feste
Teilchen in der Luft,
entstanden durch
chemische oder
thermische Prozesse)

 

*) Particulate Matter = Stoffe, Material auf partikularer Basis µm = Mikrometer = also Millionstel Meter

 

Ins öffentliche Bewusstsein kamen die Gesundheitsgefahren durch Stäube, als im Sommer 2005 in einigen deutschen Innenstädten Fahrverbote für Kraftwagen mit Dieselmotoren ohne Partikelfilter drohten, weil an mehr als 35 Tagen im Jahr eine höhere Konzentration an Feinstaub in der Luft gemessen wurde, als nach europäischem und deutschem Recht zulässig war. Der Grenzwert bezieht sich auf Partikel der Größe < 10 µm und wird in µg (Mikrogramm ) pro Kubikmeter angegeben: Der Wert von 50 µg für PM 10 darf an nicht mehr als 35 Tagen im Tagesmittel überschritten werden. Tabakrauch enthält sowohl große, also PM 10-Partikel, als auch kleine (PM 2,5- und PM 1,0-Partikel). Tabakrauch-spezifisch sind vor allem die kleinen Partikel und für diese gilt: Je kleiner, desto gefährlicher!

Tabakrauch ist vor allem Feinstaub. Große Mengen davon sind sehr klein und deshalb besonders gesundheitsschädlich. Sie dringen in die Körperzellen ein und zerstören sie. Etliche Substanzen im Tabakrauch sind nicht nur als Feinstaubpartikel bekannt, sondern werden auch als Gifte in verschiedenen Listen geführt. Das bekannteste ist das Nikotin, aber auch Nickel, Zink und Cadmium sowie die verschiedenen Nitrosamine und andere mehr bilden eine toxische Mischung mit enormem Schädigungspotenzial. Doch auch die in der Gasphase befindlichen Stoffe und Verbindungen lassen nichts an Gefährlichkeit zu wünschen übrig: Kohlenmonoxid, Benzol, Toluol, Formaldehyd, Blausäure usw. stehen immer wieder im Mittelpunkt der Berichterstattung – selten jedoch in Verbindung mit Tabakrauch. Dass die zahlreichen Zusatzstoffe im Tabak dazu beitragen, den Giftcocktail Tabakrauch noch toxischer werden zu lassen, braucht nicht besonders betont zu werden.

Als allererste Schutzmaßnahme fordern die Berufsgenossenschaften, "möglichst keinen Staub entstehen zu lassen. Da sich dies bei vielen Arbeiten nicht ganz vermeiden lässt, müssen technische Schutzeinrichtungen verhindern, dass gesundheitsschädliche Stoffe in die Atemluft der Beschäftigten gelangen." Tabakrauch entsteht nicht bei einem Produktionsprozess, sondern bei der Ausübung eines Privatvergnügens. Seine schädliche Wirkung für andere Menschen ist leicht vermeidbar durch eine kostenlose Schutzvorkehrung: Rauchen nur im Freien.

 


Die NID fordert die
Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf,
die Verbreitung des
hochgiftigen Schadstoffgemisches Tabakrauch so zu regeln,
dass die Bürger an jedem Ort und zu jeder Zeit
wirksam vor Tabakrauchimmissionen geschützt werden.
   


Es könnten noch ein paar Bundestagsabgeordnete mehr sein, die sich öffentlich für rauchfreie Gaststätten aussprechen und eine gesetzliche Regelung für unabdingbar halten. Erfreulicherweise gehören dazu jedoch Abgeordnete aus allen Fraktionen – mit Ausnahme der FDP. Während sich z.B. Maria Eichhorn (CDU/CSU), Karl Lauterbach und Marlies Volkmer (SPD), Ulrike Höfken (Grüne) und Daniel Rühmkorf (Linkspartei) für den Weg über ein Gesetz aussprechen, lehnt Detlef Parr (FDP) dies strikt ab. Seine Begründung besteht aus der alten Leier: Es gäbe gute Erfahrungen mit freiwilligen Vereinbarungen, die Tabaklobby nehme ihre Rolle ernst und leiste viel für die Aufklärung. Die Vermutung, dass er sich damit einen Job bei der Tabakindustrie sichern oder Spenden für seine Partei einfahren will, scheint nicht unbegründet.

Angesichts der guten Erfahrungen mit rauchfreien Gaststätten in anderen Ländern wäre es völlig unbegreiflich, würde der Gesetzgeber in Berlin zögern. Im März hat das britische Unterhaus mit 364 gegen 184 Stimmen ein Gesetz verabschiedet, das ein Rauchverbot in den englischen Pubs und sogar in den berühmten Privatclubs, die nur Mitgliedern zugänglich sind, beinhaltet. Im schweizerischen Kanton Tessin nahmen 56,3 Prozent der Bürger an einer Abstimmung teil. Mit 90 384 zu 23 945 Stimmen bewilligten sie eine Änderung des kantonalen Gaststättengesetzes. Sie entschieden sich damit für die italienische Regelung, deren Bilanz nach einem Jahr äußerst erfreulich ist: Rund eine halbe Million Italiener haben mit dem Rauchen aufgehört; es wurden 5,7 Prozent weniger Zigaretten verkauft; mittlerweile gehen 9,6 Prozent der Menschen häufiger als früher in Restaurants und erhöhen den Umsatz.

Seit Jahren geht der Umsatz des Gastgewerbes in Deutschland zurück. Im Jahr 2001 gab es das letzte Plus gegenüber dem Vorjahr. Während sich der Umsatz im Beherbergungsgewerbe (Schwerpunkt Übernachtung) jedoch wieder erholte, blieb die Umsatzentwicklung im Gaststättengewerbe (Speisen und Getränke) negativ. Rauchfreie Gaststätten, das zeigen die Erfahrungen in Italien, Irland und anderen Ländern, können den Trend umkehren.

 

Prozentuale Umsatzentwicklung im Gastgewerbe

Jahr
2001
2002
2003
2004
2005

Gaststätten
100,0
95,3
89,2
85,5
83,7
Beherbergung
100,0
97,6
92,8
93,7
94,2
 

Rauchfrei-Regelungen in der Europäischen Union

Das WHO Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle ermittelte den gegenwärtigen Stand der gesetzlichen Regelungen zum Schutz vor dem Innenraumschadstoff Tabakrauch in den Ländern der Europäischen Union. Ein Ja bedeutet, dass es in öffentlichen Einrichtungen bzw. in der Gastronomie ein grundsätzliches Rauchverbot gibt, das höchstens noch spezielle Raucherräume mit wirksamen Belüftungsmaßnahmen zulässt.

Nichtraucherschutz in Europa
 Nichtraucherschutz in der Europäischen Union
Nichtraucherschutz in der EU
Europäische Union - Nichtraucherschutz

 

Dass eine rauchfreie Umgebung positive Auswirkungen auf das Gesundheitswesen hat, bedarf keiner weiteren Begründung. Je länger gesetzliche Regelungen auf sich warten lassen, desto höher steigen die Kosten, die von der heutigen und den Kinder- und Enkel-Generationen getragen werden müssen. Im globalen Wettbewerb zu bestehen, ist nur rauchfrei möglich. egk

 

Eindeutige Mehrheit für rauchfreie Fastnachtsitzung

Die Allgemeine Zeitung, in Rheinland-Pfalz beheimatet, bot ihren Lesern im Februar ein "Internetvoting" zum Thema "Rauchen in Fastnachtsitzungen: Ja oder nein?" an. Eingeleitet hatte die Zeitung die Abstimmung mit einem großen Artikel, in dem sie das Ergebnis ihrer Umfrage unter den Vorsitzenden verschiedener Karnevalsvereine vorstellte. Danach halten die meisten Vereinsvorsitzenden ein "Glimmstängel-Verbot" nicht für nötig.

Ganz anders fiel jedoch das Ergebnis der Abstimmung per Internet aus. Eine "überwältigende Mehrheit" stimmte für rauchfreie Fastnachtsitzungen. Vom ersten bis zum letzten Tag des Internetvotings (9. bis 16. Februar) blieben die Mehrheitsverhältnisse trotz dreier weiterer Aufforderungen zur Teilnahme unverändert.

 

600 Jugendliche feiern in Anti-Drogen-Disco

Geselligkeit und Spaß, Tanz und Disco-Party muss nicht mit Alkohol verbunden sein. Zur "drogenfreien Zone" wurde die Fritz-Kiehn-Halle für Jugendliche zwischen zwölf und sechzehn Jahren aus dem ganzen Kreis. Die Stadtjugendpflege Trossingen hatte in Zusammenarbeit mit den Jugendreferaten Aldingen, Spaichingen und Tuttlingen von 18 bis 22 Uhr zur Anti-Drogen-Disco eingeladen und mehr als 600 Jugendliche kamen aus dem Ort und der ganzen Umgebung zwischen Geisingen, Tuttlingen und Schwenningen. Busse übernahmen den Abhol- und Bringdienst.

Prävention könne nicht früh genug einsetzen, erklärt Claudia Hübsch von der Stadtjugendpflege Trossingen. "Bei den Anti-Drogen-Discos sollen die Jugendlichen bewusst auf Alkohol und Rauchwaren verzichten und sehen, dass man trotzdem viel Spaß haben kann. Oder sogar noch viel mehr Spaß, weil ja der Kopf klar bleibt." Wer versuchte, Alkohol in die Halle zu schmuggeln oder Unruhe stiftete, flog raus. Die Anti-Drogen-Disco in Trossingen ist keine Eintagsfliege. Dank der Kooperation zwischen fünf Jugendämtern können sich die Jugendlichen in diesem Jahr auf insgesamt fünf Anti-Drogen-Discos vergnügen. Es sei wichtig, Jugendliche frühzeitig und immer wieder auf die unterschiedlichen Suchtgefahren hinzuweisen, bevor sie in den Teufelskreis der Abhängigkeit geraten, begründete Claudia Hübsch ihr Engagement und das ihrer Kolleginnen und Kollegen.

www.szon.de, 18.03.06 www.jumit.net, 18.03.06

 

 

Nichtraucher-Café Glatzer Stube

Peggy Dinter, Inhaberin der Glatzer Stube, Breite Straße 24, 38899 Hasselfelde im Harz, ( 039459 73506, ( 71778, p.dinter@t-online.de, schreibt der NID:

Das Rauchen in öffentlichen Einrichtungen, insbesondere in Gaststätten beschäftigt mich schon lange. Der beigefügte Artikel, erschienen in der Harzer Volksstimme vom 1. März 2006, veranlasst mich, Ihnen zu schreiben.

Im Mai vorigen Jahres erfüllte ich mir nach Aufgabe meines "sicheren", gut bezahlten Arbeitsplatzes einen großen Traum – ich eröffnete ein gemütliches, stilvolles schlesisches Traditions-Café. Ich hatte vorher lange überlegt, wie ich das Thema Rauchen in meinem Café zukünftig handhaben sollte. Schließlich bin ich jemand, der als Nichtraucher und von Migräne Geplagter in Gaststätten sehr unter den Rauchern leidet.

Ich fasste den Entschluss, der mir aus meinem persönlichen Umfeld und seitens fachkundiger Stellen viel Unverständnis und Prophezeiungen eines baldigen Insolvenzverfahrens einbrachte: Ich eröffnete mein Café mit insgesamt 80 Sitzplätzen in drei unterschiedlich großen Räumen als Nichtraucher-Café und informierte meine Gäste darüber auf der Speisekarte.

 

Dieser Schritt war, im Nachhinein betrachtet, mutig, aber richtig: In den zehn Monaten des Bestehens meines Cafés haben insgesamt nur sechs Gäste (!) das Café vor dem Verzehr wegen des Rauchverbots wieder verlassen. Dafür begrüßt ein Großteil der Gäste diesen Schritt. Sie kommen aus allen Altersklassen und sind sowohl Raucher als auch Nichtraucher. Selbst bei größeren Veranstaltungen wie Familien- oder Betriebsfeiern sowie bei der Bewirtung von Busreisegesellschaften war das Rauchverbot niemals ein Problem. Im Gegenteil, alle loben die guten Luftverhältnisse. Neben vielen anderen Dingen hat auch das generelle Rauchverbot zu einer Erhöhung der Zahl der Stammgäste geführt.

Ich möchte Ihnen dieses positive Beispiel eines nicht im Dehoga organisierten Gaststättenbetriebes nicht vorenthalten und würde mich über eine Antwort von Ihnen sehr freuen.

 

 

Neues bei www.nichtraucher.org

1. Mehr Daten 

Angefangen hat der Datenbestand im letzten Jahrhundert mit den Betrieben, die bei verschiedenen nationalen Organisationen gemeldet waren. Die meisten und genauesten kamen von der NID. Erfreulicherweise wächst die Datenbank aber stetig weiter. Ein Danke hier an die Wirte und die Gäste, die Eintragungen machen!

Ausdrücklich möchte ich an dieser Stelle noch mal sagen, dass es durchaus erwünscht ist, wenn ein Gast einen Betrieb an Stelle des Wirts einträgt. Schauen Sie aber bitte vorher nach, ob der Betrieb nicht schon eingetragen ist. Dubletten nachträglich zu entdecken und zu entfernen ist nervig. Danke!

Vielen Dank auch an alle Besucher der Betriebe, die hier einen Kommentar zu dem Betrieb abgegeben haben! Pro Monat erhalten wir ca. 10 Kommentare. Es dürfen ruhig mehr sein!.

Im Februar 2006 wurden speziell für Restaurants neue Datenbankfelder hinzugefügt:

- Art der Küche (Nationalität/Spezialität) - Link auf ein Foto des Restaurants - Anzahl der Sitzplätze drinnen/draußen/für Privatveranstaltungen - Reservierungen unnötig/möglich/ empfohlen/notwendig - Öffnungszeiten (ggf. auch wie lange es warmes Essen gibt) - Haustyp (Café/Pizzeria/Kneipe/etc.)

Die Wirte werden nach und nach per E-Mail angeschrieben und gebeten, die Angaben zu ergänzen.

2. Neue Portale 

Neben der bewährten Suchmaschine nichtraucher.org/gvs.html und der unten beschriebenen geografischen Suche wurden neue Frontends für die Datenbank entwickelt. Eine ausführliche Beschreibung findet sich in nichtraucher.org/aktuell.html. Am Ende dieser Seite ist auch ein Feedback-Knopf, wo weitere Wünsche bzgl. der Suchmaschinen mitgeteilt werden können.

Hier sei nur rauchfrei.freude.org erwähnt, eine ganz einfache Suchmaschine nur für die ganz rauchfreien Betriebe. Man kann das Land und die Art des Betriebes mit Radio-Buttons einstellen und in einem freien Textfeld eine Stadt oder eine Region oder den Teil des Betriebsnamens oder ein Feature (z.B. Garage) angeben.

3. Geografische Suche 

Die wichtigste Neuerung ist die geografische Suche. Sie ist vor allem dann der bisherigen Suche nach Bundesland, Stadt, Postleitzahl überlegen, wenn man nicht in der "Mitte einer Postleitzahl" wohnt, weil man ja auch mal in die Nachbarregion reinschauen will, wenn die nicht so weit weg ist.

Deshalb haben wir fast alle eingetragenen Betriebe geocodiert, d.h. wir haben die Postleitzahl und (was in ca. 40 % der Fälle möglich war) metergenau auch Straße und Hausnummer in Geo-Koordinaten (Grad nördl. Breite, östl. Länge) umgerechnet. Vielen Dank hier an alle, die dabei geholfen haben! Wer bei den restlichen 60 % noch die genaueren Koordinaten beisteuern will, bitte unter nichtraucher.org/geo.html einchecken.

Unter nichtraucher.org/gvgeos.html sind jetzt Abfragen der Art "alle rauchfreien Betriebe um Umkreis von 15 km rund um das Zentrum der Postleitzahl 12345" möglich. Dabei spielen auch Staatengrenzen keine Rolle mehr, was besonders für die Bewohner an der schweizerischen und österreichischen Grenze interessant ist, weil auch relativ viele Betriebe aus diesen Nachbarländern eingetragen sind. 

Ja, wenn man schon die Koordinaten hat, kann man die Betriebe doch auch in eine Karte einzeichnen, oder? Ja, unter nichtraucher.org/geo.html findet sich ein sog. Network-Link für das GoogleEarth-Programm, welches seit Sommer 2005 für Windows 2000/XP und seit Januar 2006 für MacOS X Tiger verfügbar ist. Mit diesem Programm (die Klasse dieser Programme nennt sich Earth Browser) lässt sich die ganze Welt von der Satellitenperspektive aus betrachten. Man kann dabei die Ausschnitte immer weiter vergrößern, bis man manchmal sogar einzelne Autos erkennen kann. 

Wenn man GoogleEarth installiert, den o.g. Network-Link aktiviert und dann mit der Maus einen Karten-Ausschnitt festgelegt hat, werden nach einigen Sekunden die Begrenzungs-Koordinaten dieses Ausschnitts an den nichtraucher.org-Server übermittelt. Dieser liefert dann die Liste der rauchfreien/raucharmen Betriebe zurück, die in diesem Ausschnitt liegen. Diese Betriebe werden nun in Form von sog. Placemarks in die Karte eingezeichnet. Beim Klicken auf ein solches Placemark sieht man den Rauchfreiheitsgrad und kann weiter auf "Infopage" klicken, womit im Web-Browser die Basisdaten des Betriebs angezeigt werden, ggf. mit Kommentaren und Link auf Homepage und Email. Es werden nur die Betriebe angezeigt, von denen wir die genauen Koordinaten haben. 

Die Namen der komplett rauchfreien Betriebe erscheinen hellgrün, die Namen der raucharmen Betriebe dunkler und unauffälliger. In der Liste links im GoogleEarth-Browser sind alle schwarz auf weiß lesbar. Viel Spaß beim Earth-Browsen wünscht

Werner Eberl!

 

Beschwerdeautomat

Nicht immer fallen einem auf die Schnelle die treffenden Formulierungen ein, um den Sachverhalt so auszudrücken, dass er beim Empfänger möglichst die gewünschte Wirkung erfüllt. Das hat Peter Kratzer u.a. dazu bewegt, eine Webseite zu gestalten, die genau für diese Fälle nützliche Dienste leisten kann.

www.beschwerdeautomat.de

heißt seine Webseite, die eine größere Zahl von Vorlagen für Schreiben zu verschiedenen Themen bereitstellt. Der Beschwerdeautomat erlaubt nicht nur den Versand eines Schreibens an einen fest vorgegebenen Empfänger, sondern bietet auch die Möglichkeit, das Schreiben durch wenige Mausklicks an spezielle Gegebenheiten anzupassen. Wer bestimmte Formulierungen aus den Vorlagen in seine eigene Datei übernehmen will, kann dies mit den üblichen Mitteln (markieren > kopieren > Inhalte einfügen) problemlos tun.

Der Beschwerdeautomat bot im März 2006 Vorlagen für folgende Themenkreise an: 

> öffentliche Verkehrsmittel, insbesondere Deutsche Bahn 
> Gastronomie 
> Arbeitsplatz 
> Jugendschutz 
> Tabaksteuer 
> Sonstiges 

Unter dem letzten Punkt befinden sich beispielsweise Beschwerden über verqualmte Veranstaltungsstätten (Theater, Konzertsäle, Kinos etc.), über Verstöße gegen Lebensmittelhygiene in Bäckereien, über den Feinstaub Tabakrauch, über Tabakwerbung in Zeitungen, Zeitschriften etc., über Sponsoring durch die Tabakindustrie. Schauen Sie einfach einmal hinein!

 



  

Rauchverbot in der Polizeidirektion Hannover

Am 2. November 2005 hatte sich die NID auf Bitte von nichtrauchenden Beschäftigten an die Polizeidirektion Hannover gewandt und sie aufgefordert, rechtskonforme Zustände beim Nichtraucherschutz herzustellen. Am 7. Februar 2006 erhielt die NID von einem der nichtrauchenden Beschäftigten folgendes Fax:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin sehr erfreut darüber, Ihnen mitteilen zu können, dass mit Wirkung vom 01.02.2006 ein generelles Rauchverbot in der gesamten Polizeidirektion Hannover verhängt wurde. Danach ist Rauchen nur in gesondert abgetrennten Bereichen bzw. außerhalb von Dienstgebäuden erlaubt. In Dienstfahrzeugen ist es ebenfalls verboten zu rauchen.

Bisher kann ich von einer guten Akzeptanz und Umsetzung des Verbotes berichten. In meinem Dienstbereich sind Nichtraucher dem Tabakrauch nun endlich nicht mehr ausgesetzt. Über andere Gebäude kann ich bisher nichts aussagen, gehe aber gleichwohl ebenfalls davon aus, dass die Umsetzung gelungen ist.

Sollte es dennoch zu Schwierigkeiten kommen, werde ich mich auch in Zukunft vertrauensvoll an Sie wenden.

Abschließend möchte ich mich bei Ihnen für Ihre Hilfe bedanken und werde Ihre Arbeit weiterempfehlen. Für eine rauchfreie Zukunft in möglichst vielen Lebensbereichen.

Mit freundlichem Gruß

Es kommt selten vor, dass die erfolgreiche Einschaltung der NID zu so einem umfangreichen und detaillierten Dankschreiben führt. Fast immer sind es nur ein oder zwei Sätze, mit denen telefonisch oder per E-Mail (fast nie per Brief) mitgeteilt wird, dass § 5 Arbeitsstättenverordnung nach Tätigwerden der NID im Betrieb um- und durchgesetzt worden ist. Zurzeit ist die NID in zwei Fällen im Nahbereich München aktiv. Im Allgemeinen richtet die NID die erste Aufforderung in Absprache mit dem/den Hilfesuchenden an den Betrieb. Hält dieser die gesetzte Frist zur Umsetzung des Nichtraucherschutzes nicht ein, verständigt die NID die zuständige Behörde. Gibt es auch dann keine Fortschritte zu vermelden, informiert die NID die Öffentlichkeit.

 

Rauchverbot bei der ESWE Versorgungs AG

NID-Mitglied Andreas Oppel berichtet, dass bei der ESWE Versorgungs AG (früher Stadtwerke Wiesbaden) seit Januar 2006 innerhalb des Gebäudes ein generelles Rauchverbot herrscht. Wer rauchen will, muss ins Freie. Selbstverständlich werden die Raucherpausen nicht bezahlt. Das hat manchen Mitarbeiter bereits bewegt, mit dem Rauchen aufzuhören – vielleicht gerade noch rechtzeitig, denn erfahrungsgemäß gilt beim Rauchen der abgewandelte Gorbatschowsche Spruch: Wer zu spät aufhört, der verliert sein Leben.

 

Erfolgsmeldungen

In den letzten Monaten erreichten die NID eine ganze Reihe von Erfolgsmeldungen, in denen u.a. mehrere Mitglieder von zum Teil beträchtlichen Fortschritten beim Schutz vor Tabakrauch in Einrichtungen mit Publikumsverkehr (Rathäuser, Bürgerhäuser, Mehrzweckhallen, Banken und Sparkassen, Krankenhäuser usw.) berichten. Zum Teil gingen die Erfolge auf der lokalen Ebene auf die Initiative der Mitglieder zurück. Ihnen allen einen herzlichen Dank und die Bitte, weiter aktiv zu bleiben. 

 

Landgericht Mainz rauchfrei 

Eine gute Tat wollte er wohl am Schluss noch vollbringen. In einer seiner letzten Amtshandlungen verfügte der scheidende Präsident des Mainzer Landgerichts Dr. Rolf Höfel ein Rauchverbot "in den Fluren, Treppenhäusern und Sitzungssälen". Im Betreff des Erlasses heißt es: "Gesundheitsvorsorge; hier: Rauchverbot".

 

Terminals der Citibank ab April 2006 rauchfrei 

Bis Ende März wird die Citibank alle Filialen mit Rauchverbotspiktogrammen ausgestattet haben, teilte eine Vorstandsassistentin ihrem Kunden Roman Bächer mit. Dieser hatte sich darüber beschwert, dass die Vorräume mit den Selbstdienungsterminals häufig voller Tabakrauch seien. Einem amerikanischen Unternehmen müsste der Schutz seiner nicht rauchenden Kunden ein besonderes Anliegen sein. 

 

Rauchfreies Rathaus in Münster 

Oberbürgermeister Dr. Berthold Tillmann ist einer entsprechenden Empfehlung des Ältestenrates gefolgt und hat ein Rauchverbot für sämtliche Räume des Rathauses und des Stadtweinhauses erlassen. Es gilt sowohl für städtische Veranstaltungen als auch für Veranstaltungen von Vereinen und Organisationen. Die Raumvergabe-Bescheide enthalten seitdem einen Hinweis auf das Rauchverbot. Jahrelang hieß es, ein Rauchverbot sei nicht möglich. Erst die verstärkte Klage und die Anregung verschiedener Bürger und Selbsthilfegruppen führte zu einem Umdenken bei den Verantwortlichen.

 

Schweiz:
Bundesgericht schützt Allergiker vor Tabakrauch 

Das Schweizer Bundesgericht hat präzisiert, wie der Schutz von Nichtrauchern am Arbeitsplatz zu gestalten ist. Zum Schutz von Rauchallergikern muss der Arbeitgeber mehr unternehmen als zum Schutz "gewöhnlicher" Nichtraucher. Gemäß Arbeitsrecht hat die Firma im Rahmen des betrieblich Möglichen dafür zu sorgen, dass Nichtraucher durch das Rauchen anderer nicht belästigt werden. Das Bundesgericht bestimmte nun, dass der Schutz auch die subjektiv empfundene Belästigung umfasst. Der Kläger war entlassen worden, weil er ein generelles Rauchverbot für alle Räume seiner Arbeitsumgebung verlangt hatte. www.bernerrundschau, 23.3.06

Anmerkung: Tabakrauch ist bereits dann schädigend, wenn er riechbar ist!

 

Weltnichtrauchertag 2006:
Tabak ist tödlich in jeder Form oder Verkleidung

Die WHO (Weltgesundheitsorganisation) hat den diesjährigen Weltnichtrauchertag unter das Motto "Tobacco: deadly in any form or disguise" gestellt. Sie will damit ins Bewusstsein rufen, dass alle Tabakprodukte, in welcher Form oder Verkleidung auch immer, letztlich tödlich sind. Die WHO spielt dabei vor allem auf Zigaretten an, die in vielen Ländern noch mit Begriffen wie "leicht", "mild", "nikotinarm", "teerarm" usw. als weniger gesundheitsschädlich angepriesen und verkauft werden. Gemeint sind aber auch Schnupftabak, Rauchtabak, Kautabak oder rauchloser Tabak. Grundsätzlich gilt, dass Tabak, in welcher Gestalt er auch angeboten und konsumiert wird, letztlich tödlich ist. Näheres unter

www.who.int/tobaccocommunications/events/wntd/2006/en/index.html und www.who-nichtrauchertag.de.

 

Aktion Rauchfrei 2006

Das Deutsche Krebsforschungszentrum führt auch im Jahr 2006 erneut in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, der WHO und vielen anderen Partnern eine Rauchfrei-Aktion durch.

Möglichst viele RaucherInnen sollen dazu bewegt werden, ab dem 1. Mai 2006 vier Wochen lang nicht zu rauchen, um ihnen dadurch den Schritt zur langfristigen Aufgabe des Rauchens zu erleichtern. Wer vier Wochen durchhält (und hoffentlich auch das restliche Leben) kann am Wettbewerb "Rauchfrei 2006" teilnehmen, bei dem es Euros und Dollars zu gewinnen gibt. Teilnehmen können aber auch NichtraucherInnen, die RaucherInnen dabei helfen, vom Tabak loszukommen.

Zu gewinnen sind jeweils 2.500 Euro für einen erwachsenen und für einen jugendlichen Raucher bis zum 18. Lebensjahr. Die gleiche Summe erhält der jeweilige Helfer. Insgesamt werden 10.000 Euro ausgelost. Hinzu kommen noch ein europäischer (2.500 US-$) und ein internationaler Preis (10.000 US-$).

Seit 1. März 2006 liegen die Teilnahmekarten in vielen Apotheken, den Geschäftsstellen der AOK, der Barmer Ersatzkasse und der BKK sowie in einer Reihe von Arztpraxen, Kliniken, sozialen Einrichtungen und Betrieben aus. Die Teilnehmer können sich auch direkt im Internet anmelden: www.rauchfrei2006.de. Gewinnen können nur die Teilnehmer, die nachweislich im Monat Mai nicht geraucht haben, und ihre Helfer. Der Nachweis wird durch einen Urintest erbracht. Dazu erhalten die Preisträger einen Teststreifen, den sie zu ihrem Arzt mitnehmen. Der Arzt macht dann den Test und informiert die Koordinierungsstelle.

 

Mietminderung wegen rauchender Nachbarin
Amtsgericht: 15 Prozent – Landgericht: 5 Prozent

Der Käufer der im Münchner Künstlerviertel Schwabing gelegenen Wohnungen wollte sich die Möglichkeit, die Miete zu erhöhen, nicht entgehen lassen. Um 20 Prozent hob er die Nettokaltmiete an. Doch angesichts der Tatsache, dass seit einiger Zeit aus der Wohnung unter ihr über geöffnete Fenster, Schächte und Leitungen sowie das Treppenhaus Tabakrauch dringt, wollte die 78-jährige Malerin und Autorin Toska Ludwig die Mieterhöhung nicht hinnehmen. Sie behielt einen Teil der Miete ein. Dagegen klagte der Vermieter.

Das Amtsgericht München entschied am 29. Juli 2005 unter Aktenzeichen 473 C 39740/04, dass eine Mietminderung in Höhe von 15 Prozent "bis zur Beendigung der aus der im Erdgeschoss rechts des gleichen Anwesens gelegenen Wohnung dringenden Geruchsbelästigungen infolge von Zigarettenrauch und Duftmitteln (Räucherstäbchen, Duftlampen)" gerechtfertigt ist. Gegen dieses Urteil legte der Vermieter Berufung ein. Vor dem Landgericht München kam es am 21. Dezember 2005 zu einem Vergleich, in dem der Vermieter den Anspruch auf Mietminderung akzeptiert. Die Miete wird jedoch nur um 5 Prozent und nicht um 15 Prozent – wie vom Amtsgericht entschieden– gemindert. Hierbei spielt sicher eine Rolle, dass Toska Ludwig den zweijährigen Rechtsstreit endlich beendet wissen wollte.

Die NID lieferte der Rechtsanwältin von Tosca Ludwig Argumentationshilfen. Da dieser Fall für ähnlich gelagerte Fälle von Bedeutung sein könnte, werden hier die Entscheidungsgründe auszugsweise wiedergegeben:

Entscheidungsgründe des Amtsgerichts

(...) Das Gericht geht aufgrund der durchgeführten Beweisaufnahme davon aus, dass die Wohnung der Beklagten durch das Eindringen von Zigarettenrauch einen Mangel aufweist, der den vertragsmäßigen Gebrauch der Mietsache beeinträchtigt. 

So hat die Zeugin A, die eine unmittelbare Nachbarin der Beklagten ist, angegeben, die Mieterin X sei eine starke Raucherin. Sie habe ihr gegenüber angegeben, mindestens eine Schachtel am Tag zu rauchen. Auch ihr häufig anwesender Lebensgefährte sei starker Raucher. Über Undichtigkeiten der Wohnungstüre wäre teilweise der Rauch auch in die Wohnung der Zeugin gelangt. Dies habe sich durch Abdichten mit Tesamoll gebessert. 

Darüber hinaus berichtete die Zeugin, auch die Erfahrung gemacht zu haben, dass Rauch aus der unter ihr liegenden Wohnung in ihre Wohnung dringt. Dies wäre auch bei geschlossenen Fenstern der Fall gewesen. Sie habe daher die Vermutung, dass der Rauch über Lüftungs- und Leitungsschächte in ihre Wohnung gelange. Diesen Rauchgeruch, der auf diese Weise in ihre Wohnung gelange, habe sie als sehr intensiv empfunden. Ferner habe sie aus der Wohnung X auch den Geruch von Räucherstäbchen und Duftkerzen wahrgenommen. 

Die Zeugen B und C haben bestätigt, dass sie bei Besuchen bei der Beklagten oft Rauchgeruch wahrgenommen haben. Während der Zeuge C dies als eher schwach, aber unangenehm schildert, sagte die Zeugin B aus, den Geruch als sehr stark empfunden zu haben. Sie habe Probleme mit den Augen bekommen und Heiserkeit verspürt. 

Beide Zeugen gaben an, dass der Rauch auch bei geschlossenen Fenstern in die Wohnung der Beklagten kam.

Der Zeuge C gab hierzu detailliert an, dass der Rauch zum einen über einen Lüftungsschlitz der Speisekammer eindringen könne sowie auch über einen ca. 1 cm breiten Spalt unter der Wohnungstüre. Des weiteren hatte er den Eindruck gewonnen, dass der Rauch auch über Leitungen und einen Notkamin in die Wohnung der Beklagten drang. 

Alle Zeugen machten auf das Gericht einen glaubwürdigen Eindruck, insbesondere der Zeuge C, der als Sohn der Beklagten zu dieser in einem persönlichen Näheverhältnis steht, war sichtlich bemüht, eine möglichst ausgewogene und sachliche Aussage zu machen. 

Die Zeugen haben glaubhaft dargelegt, dass erhebliche Geruchsbelästigungen durch Zigarettenrauch festzustellen waren. 

Ferner steht aufgrund der Aussagen zur Überzeugung des Gerichts fest, dass der Zigarettenrauch auch aufgrund baulicher Mängel, wie schlecht isolierte Türen und Fenster und Leitungen in die Wohnung der Beklagten dringt. 

Es war auch zu dieser Frage kein Sachverständigengutachten mehr einzuholen, da die Zeugen bestätigt haben, dass der Rauch auch bei geschlossenen Fenstern in der Wohnung der Beklagten deutlich zu riechen war. 

Das Gericht hat nicht verkannt, dass es für den Vermieter nicht möglich ist, das Rauchverhalten seiner Mieter zu beeinflussen. Aber zum einen ist ein Vertretenmüssen des Vermieters nicht erforderlich, da die Minderung selbst dann eintritt, wenn die Ursache des Mangels außerhalb seines Einflussbereichs liegt oder von ihm nicht beseitigt werden kann (BGHZ 93, 142, 144). 

Darüber hinaus sind es in diesem Fall auch bauliche Mängel, die dazu führen, dass der Rauch auch bei geschlossenen Fenstern in die Wohnung der Beklagten eindringt. Die Beseitigung derselben liegt sehr wohl im Einflussbereich des Vermieters. 

Gerichtsbekannt ist, dass es zu Gesundheitsbeeinträchtigungen durch passives Rauchen kommt. Somit liegt keinesfalls eine rein subjektive Beeinträchtigung vor, sondern vielmehr eine objektive. 

Das Gericht geht auch nicht von einer Verwirkung des Minderungsrechts aus. Hier fehlt es schon am Umstandsmoment. Die Beklagte hat mit Schreiben vom 14.10.2003 sowie 05.11.2003 den Mangel gerügt. Dass sie zunächst versucht hat, durch Gespräche mit ihrer Nachbarin die Angelegenheit gütlich zu regeln, darf ihr nicht zum Nachteil gereichen und konnte nicht dahingehend verstanden werden, dass sie ihr Minderungsrecht künftig nicht mehr ausüben will. (...)

 

Wohlfühlwelten

Ein angenehmes und später nachdenklich machendes Erlebnis gab den Anlass zu diesem Beitrag. Mit meiner Frau und mit Freunden war ich unlängst zum Brunch in einem noblen Vier-Sterne-Hotel. Angenehmes Ambiente, aufmerksame Bedienung, ein erstklassiges Buffet, eine gemütliche Sitznische sowie eine qualmfreie Umgebung ließen keine Wünsche offen.

"Heile Welt" wollte ich gerade feststellen, als mein Blick auf einen kleinen, noch unbenutzten Aschenbecher auf unserem Tisch fiel. Kurze Recherche: Überall in Sichtweite standen solche Gefäße, aber keiner der Gäste im gut besuchten Restaurant rauchte. Frage an die nette Kellnerin, warum denn Aschenbecher, wenn bei den Gästen absolut kein Bedarf nach blauem Dunst zu wohlschmeckenden Speisen bestehe. Antwort: "Unsere Gäste sollen sich bei uns wohl fühlen. Sie sollen auch rauchen dürfen, wenn sie es möchten!" Auf meinen Einwand, ich fühlte mich nur in qualmfreier Umgebung wohl, hatte sie sogleich eine Lösung parat: "Dort hinten stehen keine Aschenbecher auf den Tischen - Sie können gern ..." und zeigte auf einen kleinen, schmalen Zipfel im Restaurant.

Im Verständnis der Bedienung besteht das Restaurant offenbar aus einem großzügigen Wohlfühlbereich mit bequemen Sitznischen und einer ausgegrenzten Ecke weitab vom Buffet für sich beschwerende Rauchgegner. Bei unserem Besuch war die "Nörglerecke" unbesetzt, denn es gab außer meiner verwunderten Anfrage wegen der Aschenbecher keinen Grund zur Beanstandung. "Wo - mal ehrlich - liegt denn Ihr Problem?", wird sich unsere Kellnerin gefragt haben. Ganz selbstverständlich hat sie all ihre Gäste ohne nachzufragen an die Tische mit den Aschenbechern platziert. Das ist schließlich der Bereich für die normalen Gäste. Für ausgefallene Wünsche haben wir ja noch diese Plätze im Abseits. Schonkost bereitet der Küchenmeister doch auch nur für die Gäste zu, die sie extra bestellen. Diese vom DEHOGA inspirierte Unternehmensphilosophie ist offensichtlich allen Bediensteten in Fleisch und Blut übergegangen.

"Wir dürfen die Raucher nicht ausgrenzen!" Mit dieser Begründung werden diese mit nicht rauchenden Gästen an einen Tisch gesetzt. Ja nun, wer sich beschwert, der grenzt sich halt selber aus. Wer Tabakrauch partout nicht ausstehen kann, der muss sich doch nicht unbedingt zu den anderen Gästen setzen. Wir diskriminieren niemanden! Die Tabaklobby und ihre Gefolgsleute versuchen, den Interessenkonflikt zwischen Rauchern und Nichtrauchern zu verwischen, indem sie ihren Keil zwischen "tolerante" Nichtraucher und "militante" Rauchgegner zu setzen versuchen. Die von der Lobby ausgemachte "militante" Fraktion wird als genussfeindlich, intolerant und unverträglich abqualifiziert.

Aber tragen wir mit der Ausrichtung unserer Bestrebungen nicht selbst mit zu dieser absurden Ausgrenzungsphilosophie bei? Wir bekennen uns zum Nichtraucherschutz und übersehen dabei oft die anderen, die vor den Gefahren des Tabaks und seiner Inhalts- und Verbrennungsstoffe zu schützen sind. Rauchen in Gaststätten ist mehr als nur ein Problem des Nichtraucherschutzes. Es beeinträchtigt die Gaststättenhygiene und betrifft dadurch Raucher wie Nichtraucher. Für die Beschäftigten in der Gastronomie ist es eine Frage des Arbeitsschutzes, egal ob Raucher oder Nichtraucher.

Rauchfrei-Strategie statt Nichtraucherschutz-Strategie 

Der Wechsel von der Nichtraucherschutz- zur Rauchfrei-Strategie ist nicht nur eine Namensänderung. Er bedeutet ein neues Verständnis unseres Aufgabenprofils. "Nichtraucherschutz" wird häufig als notgedrungene Rücksichtnahme auf besondere, für viele Leute vielleicht auch abwegige Befindlichkeiten missverstanden und entsprechend lax gehandhabt. Wir selbst sprechen doch häufig die Konflikte zwischen Nichtrauchern und Rauchern an, wenn wir über Nichtraucherschutz sprechen. Dies wird gern als ein Streit um Befindlichkeiten aufgefasst und lenkt vom eigentlichen Problem ab. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Die Polarisierung zwischen Rauchern und Nichtrauchern schüttet Wasser auf die Mühlen der Tabaklobby.

Bei "Rauchfrei" geht es um den Sachverhalt "Schadstofffrei", also um den Schutz aller Personen vor dem Innenraumschadstoff Tabakrauch, mit dem sich der Gesetzgeber entsprechend seiner politischen Verantwortung auseinanderzusetzen hat. Hier steht nicht eine besondere Personengruppe, sondern die Glaubwürdigkeit des Umweltschutzes zur Debatte. Gibt es eine wichtigere Aufgabe des Umweltschutzes als Menschenleben zu schützen? Müssten die Verantwortlichen nicht längst aufwachen, wenn allein durch Passivrauchen in Deutschland jährlich 3 300 Menschen sterben?

Ein totales Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen steht längst auf der Tagesordnung, selbst wenn dies unsere Politiker anders als ihre Kollegen in den meisten europäischen Ländern noch nicht realisiert haben sollten. Die Gastronomie - um auf unser Ausgangsthema zurückzukommen - würde damit Wohlfühlwelten für alle ihre Gäste schaffen. 

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Roger Menck, Mitglied der Nichtraucher-Initiative Ulm, erwies sich auch an den Stränden von Playa del Carmen im Süden Mexikos als aktiver Mitstreiter für eine rauchfreie Umwelt. Während seiner mehrwöchigen Vorbereitungen auf die Senioren-Weltmeisterschaften im Fechten und Modernen Fünfkampf nutzte er in seinem Trainingscamp jede Gelegenheit, gegen Tabakrauchbelästigung und Verschmutzung durch Zigarettenkippen zu demonstrieren.

Kirchenvertreter paktieren mit der Tabakindustrie

 

Am 8. März 2006 demonstrierten zwei Dutzend Mitglieder des Forum Rauchfrei vor der Zentrale des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC) in Berlin. Ihr Protest galt u.a. Bischof Wolfgang Huber, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, und Karl Jüsten, Leiter des (katholischen) Kommissariates der deutschen Bischöfe. Die beiden hohen Kirchenvertreter hatten zugesagt, auf dem Podium bzw. als Moderator an dem Gespräch über „Freiräume“ teilzunehmen. Den Begriff interpretierte der VdC mit „sich einzumischen und sich einzubringen in gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Prozesse. Auch Freiräume in der Ökumene und in der Auseinandersetzung mit anderen Religionen.“

Huber und Jüsten ließen sich nicht blicken; vermutlich waren sie durch die Tiefgarage in das Gebäude gelangt. Deshalb waren Mitglieder des Forum Rauchfrei in die Rolle der Kirchenpräsentanten geschlüpft. In angemessener kirchlicher (Ver-) Kleidung bemühten sie sich, die Gäste von der Teilnahme an der Veranstaltung abzubringen. Ein anderes Forumsmitglied trat als Zigarettenproduzent auf und trug ein mannsgroßes Kreuz aus zwei Zigaretten.

Leider huschten die meisten Gäste an den Demonstranten nur wortlos vorbei. Viele mieden das Gespräch und wollten auch ihre Namen oder ihren Beruf nicht preisgeben. Es handelte sich offenbar um eine geschlossene Gesellschaft, denn selbst eine Journalistin, die keine persönliche Einladung vorweisen konnte, wurde abgewiesen.

Johannes Spatz, Sprecher des Forum Rauchfrei, kritisierte, dass die Repräsentanten der Kirchen durch ihre Beteiligung der Tabakindustrie mehr Prestige verliehen. Die Tabaklobby verfolge mit der Veranstaltung allein das Ziel, ihr schlechtes Image aufzubessern. Spatz warf den Kirchenvertretern vor, dass sie unfähig seien, klare Grenzen zu ziehen. Die Tabakindustrie produziere und verkaufe Waren, die bei bestimmungsgemäßem Ge- und Verbrauch zum Tode führen. Allein in Deutschland sterben an den Folgen des Rauchens 140.000 Menschen pro Jahr. Die Kirchenvertreter könnten den Widerspruch zwischen dem Schutz des Lebens, für ( Seite 24 TABAKINDUSTRIE/KIRCHE den sie eintreten, und dem Interesse der Tabakindustrie, vom Verkauf tödlich wirkender Produkte zu profitieren, nicht auflösen. Es handle sich hier um den extremen Fall, in dem auch nur eine punktuelle Mitwirkung oder Bereitschaft zum Gespräch bei von der Tabakindustrie organisierten bzw. finanzierten Veranstaltungen unterbleiben müsse.

Das Forum Rauchfrei teile die Auffassung der Weltgesundheitsorganisation, dass es keine Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie und auch keine Beteiligung an deren Veranstaltungen geben dürfe. Nach eigenen Aussagen der Tabakindustrie (BAT) geht es ihr darum, den "Kontrollverlust über die öffentliche Diskussion zum Thema Rauchen und Tabak“ wett zu machen. BAT prahlt, der Konzern habe „ein Beziehungsgeflecht zu allen Teilen der Gesellschaft aufgebaut und das Marktklima hier zu Lande entspannt“. Dieses Beziehungsgeflecht hat dazu beigetragen, so Spatz, dass in der Bundesrepublik ein Freiraum für die Tabakindustrie entstehen konnte – ohne gesetzliches Rauchverbot in Gaststätten und ohne Verbot der Tabakwerbung.

Auf ein Beschwerdeschreiben des Ärztlichen Arbeitskreises Rauchen und Gesundheit antwortete der Dr. Hermann Barth, Präsident des Kirchenamtes, auch im Namen von Huber: „Es mag extreme Fälle und Situationen geben, in denen eine auch nur punktuelle Mitwirkung oder Bereitschaft zum Gespräch unterbleiben müssen. Aber ich bitte um Verständnis, wenn Bischof Dr. Huber diesen Grenzfall im Falle der Gesprächseinladung des VdC nicht gegeben sieht.“ Es fehlt jegliche Begründung. Die Verbindungen zwischen der Tabakindustrie und der Kirchenspitze scheinen schon viel weiter gediehen als bisher angenommen. Denn völlig unverständlich ist, warum "Brot für die Welt", eine Einrichtung der evangelischen Kirche zur Förderung von Hilfsprojekten zur Selbsthilfe und zur Bekämpfung von Elend und Not in der Dritten Welt, mit einer Anzeige in der Tabakzeitung, dem Sprachrohr der Tabakindustrie, um Spenden wirbt. In der Anzeige vom 3. Februar 2006 heißt es: "Gemeinsam können wir dazu beitragen (auch in der Anzeige fett gedruckt), dass Menschen nicht aufgrund ihrer Armut, Benachteiligung oder Behinderung an einem vollwertigen selbstverantwortlichen Leben gehindert werden.“ Dies klingt zynisch vor dem Hintergrund der Prognose der Weltgesundheitsorganisation, die für die nächsten Jahrzehnte 10 Millionen durch Rauchen bedingte Todesopfer vorwiegend in der Dritten Welt voraussagt.

Den Kirchenleuten sei das Buch "Rauchopfer" empfohlen, in dem der tansanische Journalist John Waluye die tödlichen Strategien der Tabakmultis in seiner Heimat schildert. 2004 verlieh die Kampagne "Rauchzeichen!" den "unliebsamen Preis" dem Reemtsma-Konzern.

 

 

Tabakverkauf 2005

 

Tabak-

erzeugnis

Versteuerte

Verkaufswerte

Veränderung

zum Vorjahr

Versteuerte

Mengen

Veränderung

zum Vorjahr

Zigaretten

19,5 Mrd. €

– 2,3 %

96 Mrd. Stück

– 14,3 %

Zigarren und

Zigarillos

663,8 Mill. €

+ 1,6 %

4,0 Mrd. Stück

+ 10,7 %

Feinschnitt

3,7 Mrd. €

+ 67,2 %

33.232 Tonnen

+ 37,0 %

Pfeifentabak

84,7 Mill. €

– 10,1 %

804 Tonnen

– 9,1 %

Insgesamt

24,0 Mrd. €

+ 4,6 %

 

 

 

Die starke Zunahme beim Feinschnitt wird wohl zum letzten Mal im Jahresvergleich so deutlich ausfallen wie 2005, denn zum Feinschnitt zählt neben der klassischen losen Variante auch vorportionierter Tabak, so genannte Sticks. Für diese Steckzigaretten wird nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs ab dem 1. April 2006 statt der ermäßigten Steuer für Feinschnitt der weitaus höhere Satz für Fertig-Zigaretten fällig. Der Feinschnitt zum Selberdrehen ist von dem Urteil – leider – nicht betroffen. Es ist zu hoffen, dass die Bundesregierung bei der Suche nach Steuereinnahmen diese Quelle nicht übersieht, vor allem weil sie den Vorteil hat, den Tabakkonsum zu senken und gleichzeitig auch die Belastung des Gesundheitswesens zu verringern.

Selbst schuld. Diese Schlussfolgerung lässt sich aus der Tatsache ziehen, dass das Ziel der dreistufigen Tabaksteuererhöhung, über die Steuer-Mehreinnahmen die Gesetzliche Krankenversicherung zu entlasten und gleichzeitig den Tabakkonsum zu verringern, teilweise verfehlt wurde. Ein Vergleich der Tabaksteuereinnahmen für die 22 Monate nach der 1. Stufe der Tabaksteueranhebung zum 1. März 2004 mit den Einnahmen aus den Vergleichsmonaten vor der Steueranhebung ergibt eine rechnerische Mindereinnahme von rund 200 Millionen Euro für alle Tabakerzeugnisse. Die Mindereinnahme bei Zigaretten in Höhe von 1,6 Milliarden Euro wurde dabei nur teilweise durch Mehreinnahmen beim Feinschnitt in Höhe von ca. 1,4 Milliarden Euro kompensiert. Hätte man die ungleiche Besteuerung von Feinschnitt und Fabrikzigaretten damals beseitigt, sähe die Bilanz der rotgrünen Bundesregierung besser aus. 

Neue Variante: Volumentabak 

Unter dem Namen "West Single Tobacco" hat Reemtsma einen neuen Volumentabak in den Handel eingeführt. Durch eine spezielle Aufbereitung verfügt der Tabak über besonders viel Volumen. Dadurch ist es möglich, für 1,30 Euro 17 Zigaretten zu stopfen. Die gleiche Anzahl Fabrikzigaretten kostet 3,60 Euro. Das ist die Antwort von Reemtsma auf das Urteil des EU-Gerichtshofs. Wenn die Regierung Merkel jetzt nicht mit einer Erhöhung der Steuer für Feinschnitt reagiert, ist sie für die entstehende Haushaltslücke voll verantwortlich, d.h. selbst schuld.

 

Erhöhte Sterblichkeit durch Rauchen in mittleren Jahren

Eine umfangreiche norwegische Studie zeigt, dass weibliche Raucher ebenso häufig an Lungenkrebs sterben wie rauchende Männer. Lediglich das kardiovaskuläre (Herz und Gefäße betreffende) Risiko ist bei Frauen geringer. Die "Norwegian Counties Study" umfasst 24 505 Frauen und 25 034 Männer der Jahrgänge 1925 bis 1941. Von ihnen sind 2 333 Frauen und 4 680 Männer bereits in einem Alter von 40 bis 70 Jahren gestorben. In diese Jahre fällt auch der Altersgipfel des Bronchialkarzinoms, das überwiegend durch das Rauchen ausgelöst wird. In diesen Jahren starben 26 Prozent der Raucherinnen, die 20 Zigaretten am Tag geraucht hatten, aber nur 9 Prozent der Nichtraucherinnen. Das Verhältnis beträgt also 3 zu 1. Bei den Männern liegt die Sterbequote insgesamt etwas höher (41 Prozent Raucher und 14 Prozent Nichtraucher), das Verhältnis blieb jedoch gleich.www.aerzteblatt.de, 22.3.06

 

Der Irrtum der Genussraucher

Die norwegischen Forscher Aage Tverdal und Kjell Bartveit haben an 43 000 Männern und Frauen die Folgen leichten Rauchens überprüft. Schon bei einem Konsum von ein bis vier Zigaretten pro Tag steigt das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen um das Dreifache an. Bei Lungenkrebs war das Risiko der Männer ebenfalls um das Dreifache, bei Frauen sogar um das Fünffache erhöht. Verglichen mit Menschen, die nie geraucht hatten, war bei Personen, die pro Tag einige wenige Zigaretten konsumiert hatten, auch die Sterblichkeit eindeutig erhöht: Leichte Raucherinnen starben 2,9-mal häufiger und leichte Raucher 2,7-mal häufiger an Durchblutungsstörungen des Herzens wie Angina pectoris oder Herzinfarkt. 

Wenn man alle Todesursachen zusammen nimmt, lag die Sterblichkeit bei den leichten Rauchern 1,6-mal und den leichten Raucherinnen 1,5-mal höher als bei Nichtrauchenden. Falsch ist demnach die Annahme, erst ab einem täglichen Konsum von fünf Zigaretten würde die Gesundheit ernsthaft Schaden leiden. www.n24.de, 12.12.05

 

Zahnwurzelbehandlung bei Rauchern häufiger 

Bei Rauchern wird die Wurzelbehandlung um rund 70 Prozent häufiger fällig als bei Nichtrauchern, hat eine amerikanische Zahnmedizinerin im Rahmen einer über drei Jahrzehnte laufenden Studie ermittelt. Dass Rauchen schädlich ist, sei längst bewiesen, betont Elizabeth Krall Kayer von der Boston University. Aber vielleicht lasse sich dies am Beispiel der relativ häufigen Wurzelbehandlung besser verdeutlichen als anhand von Lungenkrebs und anderen durch Rauchen verursachten Krankheiten.

Kaye analysierte Daten einer im Jahr 1968 begonnenen Studie. Bei 811 Teilnehmern mit 18 893 anfangs "kerngesunden" Zähnen wurden in den folgenden Jahrzehnten 998 Wurzelbehandlungen durchgeführt. www.morgenwelt.de, 24.2.06

 

Zwei Sitze für Aktion Rauchfreie Universität Hannover

13 Studentenlisten standen im Januar 2006 zur Wahl für den Studentischen Rat an der Universität Hannover. Auf der Liste 12 kandidierten Volker Sellmeier und Michael Gutbier. Ihr Ziel, das sie auch im Listennamen festschrieben: eine rauchfreie Universität Hannover. Auf Anhieb erzielten sie 214 Stimmen. Dadurch ist die Aktion Rauchfreie Universität Hannover (ARU) nun mit einer eigenen Liste im Studentenrat vertreten. Für die Senatswahl ging sie ein Zweckbündnis mit dem RCDS ein, um die Wahlchancen zu erhöhen.

Der Name der Initiative ist Programm. Unter Berufung auf den Nichtraucherschutzparagrafen in der Arbeitsstättenverordnung verlangt die ARU von der Universitätsleitung, die Nichtraucher wirksam vor Tabakrauch zu schützen. Nach vor der Wahl zum Studentischen Rat hatte die ARU die zuständige Arbeitsschutzbehörde eingeschaltet. Diese hat der Universität eine Frist für die Einleitung geeigneter Maßnahmen bis Ende Juni 2006 gesetzt.

Ziel der ARU ist ein generelles Rauchverbot in allen Gebäuden der Universität und des Studentenwerks. Sie fordert die Integration einer "Rauchfreien Hochschule" in das Leitbild der Universität Hannover und den Verzicht auf Sponsoren- und Forschungsgelder der Tabakindustrie.

Die ARU ist gegen die Werbung für Tabakprodukte auf dem Campus, für ein Verbot des Verkaufs von Zigaretten auf dem Gelände der Universität und für Aufklärungsmaßnahmen und Angebote zur Tabakentwöhnung für Studierende und Hochschulangehörige.

 

Leichte Fortschritte an der Universität Frankfurt/Main

Seit Jahren versuchen Studenten der Universität Frankfurt am Main, den Nichtraucherschutz an ihrer Hochschule voranzubringen. NID-Mitglied Christian S., Student der Volkswirtschaft im fünften Semester und wegen einer Lungenerkrankung besonders auf reine Luft angewiesen, drohte im März 2005 mit einer Klage. Bei der Universitätsleitung rannte er nach deren Aussage damit offene Türen ein, doch an dem unzureichenden Schutz vor dem Schadstoffgemisch Tabakrauch hat sich nicht sehr viel geändert.

Dies sieht Ralf Beyer, der Pressreferent der Uni, etwas anders. Er verweist darauf, dass inzwischen Raucherzonen ausgewiesen worden und diese von den Studenten und Mitarbeitern bisher gut angenommen worden seien. Allerdings gibt er zu, dass die aufgestellten rauchdurchlässigen Wände eher einen Signal gebenden Charakter hätten und nicht für echten Schutz sorgen würden. Er kündigt eine Verordnung des Präsidiums an, die das Rauchen an den meisten Orten verbietet. Einzelne Raucherecken solle es in den Gebäuden jedoch weiterhin geben.

Die NID empfiehlt der Universitätsleitung, sich Nachhilfeunterricht von den Hochschulen geben zu lassen, die bereits rauchfrei sind, z.B. die Ruhr-Universität Bochum.

 

Wettbewerb Sport rauchfrei in der Schweiz

Alle Sportvereine in der Schweiz können an dem Wettbewerb Sport rauchfrei teilnehmen und 100 000 Franken gewinnen. Dieser Betrag wird unter 30 Gewinnern verteilt. Die Teilnehmer (Gruppen von mindestens 10 Personen) verpflichten sich, ihre Maßnahmen für tabakfreie Zeiten und Zonen im Sport mindestens zwischen dem 1. April und dem 30. Juni 2006 einzuhalten.

Aus vier vorgegebenen Bereichen müssen die Teilnehmer drei Themen auswählen und während der drei Monate einhalten. 

1. Wir sorgen für tabakfreies Trainings- und Wettkampfgelände 

2. Bei uns treten Trainer, Leiter und Funktionäre verantwortungsbewusst und als Vorbilder auf. 

3. Wir verzichten auf Tabaksponsoring. 

4. Wir stehen öffentlich zu unserer Haltung: tabakfrei. 

Der Wettbewerb steht unter dem englisch formulierten Motto COOL & CLEAN ... for the SPIRIT of SPORT. Informationen unter www.sportrauch frei.ch.

 

Nichtraucherhotel
DIEKSEEHÖH

     Komfort-Ferien-Appartments,
     -Suiten und -Zimmer direkt am
      Dieksee mitten im Naturpark
          "Holsteinische Schweiz"

Selten findet man als Nichtraucher passende Urlaubsangebote. Anders in Malente, wo auch Sie als "Nichtraucher" im Hotel DIEKSEEHÖH zu Ihrem Recht kommen. In unserem reizvollen, direkt am See gelegenen Nichtraucherhotel kann man ungestört die wertvollsten Tage des Jahres genießen, ohne von lästigem Qualm behelligt zu werden. Zudem ist das Grundstück wasseraderfrei, bietet komfortable Ausstattung eines 3-Sterne-Hauses sowie eine große Terrasse mit direktem Blick auf den See. Wenn Sie Ihr Frühstück in Ihrem Zimmer genießen wollen, ist das ohne zusätzliche Kosten möglich. Wir freuen uns auf Sie!

Preise pro Person und Tag jeweils inklusive Frühstück:

Sommer:  Doppelzimmer 29,00 bis 47,00 € – Einzelzimmer 36,00 bis 63,00 €
Winter:     Doppelzimmer 24,00 bis 38,00 € – Einzelzimmer 29,00 bis 51,00 €

Jörg und Anne Schlusnus, Diekseepromenade 17, 23714 Bad Malente
Tel. 04523/9973-0  *  Fax 04523/9973-30
e-Mail: info@diekseehoeh.de; Internet: www.diekseehoeh.de

 

Prof. Dr. med. Ferdinand Schmidt gestorben

Er war ein Mann der ersten Stunde und er prägte wie kein anderer den Kampf für eine rauchfreie Gesellschaft. Prof. Dr. med. Ferdinand Schmidt starb am 26. Januar 2006 im Alter von 82 Jahren. Mit dem Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V., den er 1971 gründete, schuf er die Basis für eine Gegenbewegung zur damals scheinbar allmächtigen Tabakindustrie. Er lehrte deren Bossen und insbesondere den Wissenschaftlern, die sich korrumpieren ließen, das Fürchten.

Über eine riesige Zahl von Artikeln in Zeitungen und Zeitschriften beeinflusste Ferdinand Schmidt die Meinungsbildung der Leser. Vor Millionen von Zuhörern und Zuschauern in Rundfunk und Fernsehen wies er auf die Folgen des Rauchens und Passivrauchens hin. Wie kein anderer erkannte er sehr bald, dass Fortschritte beim Nichtraucherschutz schneller über die Rechtsprechung zu erreichen sind. 1974 gewann das jetzige NID-Mitglied Dr. Ulrich Hempel mit Unterstützung von Ferdinand Schmidt den erst Prozess. Das Verwaltungsgericht Schleswig sprach dem Zahnarzt das Recht zu, bei pflichtgemäßen Fortbildungsveranstaltungen vor Tabakrauch geschützt zu werden. Es folgten weitere, zum Teil jahrelang dauernde Prozesse. Hier seien nur die des Kölner Stadtamtmanns Klaus Goldbecker erwähnt, der in zwei Verfahren bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen musste, um letztlich Recht zu bekommen.

Eine umfangreiche Darstellung des Wirkens von Ferdinand Schmidt erschien im Nichtraucher-Info Nr. 23 und ist unter www.ni-d.de/NRI/23/nrinfo23-Medienpr.html zu lesen.

Von den Nichtraucher-Initiativen wurde Ferdinand Schmidt oft als Vater wahrgenommen, der, wenn notwendig, auch einmal einen Streit schlichtete. Seinen Tod sehen sie auch als Auftrag. Auf ihrem Kranz am Grab heißt es:

Seinen tatkräftigen Kampf für eine rauchfreie Welt führen wir weiter.

Die Nichtraucher-Initiativen in Deutschland

 

Der damalige Präsident der NID, Prof. Gerhard Mai, überreicht Prof. Ferdinand Schmidt (re) den Medienpreis für eine rauchfreie Gesellschaft
 

Argumente für rauchfreie Schulen

Vom kommenden Schuljahr an wird das lang angekündigte Rauchverbot an bayerischen Schulen Wirklichkeit. Im Vorfeld gab es dazu auch kritische Kommentare. Auf einen davon reagierte Helmut Heckenstaller mit einem Leserbrief, der am 2. November 2005 der Süddeutschen Zeitung zu lesen war.

Tanjev Schultz äußert sich in seinem Kommentar kritisch über das Rauchverbot, das ab dem Schuljahr 2006/07 an allen bayerischen Schulen gelten soll. Natürlich ist "mit Verboten auch noch kein Kampf gegen die Droge gewonnen", sogar die große Aufklärungsarbeit in den vergangenen Jahrzehnten hat aus Deutschland noch längst kein Nichtraucherland gemacht. Es wäre aber ein viel größerer Fehler, wenn sich Politiker nicht aktiv mit dem Problem der hohen Raucherzahl in Deutschland beschäftigten. Der Gesetzentwurf der bayerischen Staatsregierung hat schließlich nicht nur symbolische Bedeutung, sondern bringt das Thema Rauchen zur Diskussion und fordert Lehrer und Schüler auf, verstärkt Aufklärungsarbeit zu betreiben. Daran sollten sich auch die Krankenkassen beteiligen.

Es geht schließlich nicht nur darum, Schüler davon zu überzeugen, mit dem Rauchen aufzuhören, sondern sie erst gar nicht zu Rauchern werden zu lassen. Ein Schulhof, der rauchfrei ist, hat ohne Zweifel Wirkung. Nicht nur im Fernsehen und in der Werbung können Film- und Musikstars positiven oder negativen Einfluss ausüben. Auch in der realen Welt, etwa auf dem Schulhof, gibt es Vorbilder, deren Rauch- oder Nichtrauchverhalten Schüler beeinflusst. Hinzu kommt: Wer sich häufig in einer Gruppe von Rauchern befindet, gerät eher in Gefahr, selbst Raucher zu werden. Zumindest in der Schule, in der unsere Kinder einen Großteil ihrer Jugend verbringen, sollten sie diesem Risiko nicht ausgesetzt sein.

Verbote verzeichnen außerdem durchaus Erfolge: In Italien ergaben Untersuchungen, dass seit dem Rauchverbot in öffentlichen Räumen und Gaststätten jeder Fünfte mit dem Rauchen aufgehört hat. Dies tun auch amerikanischen Forschern zufolge 3,8 Prozent der Raucher, die an rauchfreien Arbeitsplätzen tätig sind. Darüber hinaus sollte man nicht die Passivraucher vergessen, deren Gesundheit durch Rauchverbote geschützt wird: In Norwegen beobachteten Barbesitzer am ersten Tag des Rauchverbots in Kneipen höhere Besucherzahlen als sonst – Grund war vor allem die erträglichere Luft für Nichtraucher. Seit dem Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden in der amerikanischen Stadt Helena soll Ärzten zufolge die Zahl der Herzinfarkte um mehr als die Hälfte gesunken sein. Der Grund: Die schädlichen Auswirkungen des Passivrauchens blieben aus.

Schüler vom Glimmstängel abzuhalten, ist und bleibt eine wichtige Arbeit in der gesundheitlichen Aufklärung durch Lehrer, Staat und Eltern. So gehört das Thema Gesundheit nicht nur in das private Umfeld unserer Kinder, sondern auch in den Unterricht, Dass es dazu einer gesetzlichen Vorschrift bedarf, ist schade, aber bestimmt nicht sinnlos.

 

Kein Rauchverbot bei Fußball-WM

Statt das Rauchen in den Stadien wie bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 in Südkorea und Japan zu verbieten, haben sich die Bundesregierung und der Weltfußballverband FIFA lediglich bereit gefunden, eine gemeinsame Kampagne unter dem Motto "No smoking, please" durchzuführen. Außerdem sollen in den Medienzentren der Stadien separate Raucherzonen ausgewiesen werden.

 

Keine Heilungsfortschritte beim Lungenkrebs

Krebs ist kein Todesurteil mehr. Mehr als die Hälfte der rund 400 000 Patienten, die in Deutschland alljährlich von ihrem Arzt eine Krebsdiagnose mitgeteilt bekommen, sterben nicht an ihrer Krankheit. Allerdings ist Krebs nicht gleich Krebs. Die Onkologen unterscheiden inzwischen mehr als 300 verschiedene Tumorerkrankungen. Manche haben eine Heilungschance von fast 100 Prozent. Beim Brustkrebs zum Beispiel überleben rund 80 Prozent der Patientinnen die nächsten fünf Jahre nach der Diagnose. Dagegen sind es beim Lungenkrebs nur rund 20 Prozent.

Lungenkrebs steht auch nach wie vor weit an der Spitze der Krebstodesfälle insgesamt: Auf 100 000 Einwohner kommen laut Deutschem Krebsforschungszentrum bei den Männern 38,1 Fälle mit Todesursache Lungenkrebs, gefolgt vom Krebs des Dick- und Enddarms (18,0 Prozent) und der Prostata (13,8 Prozent). Bei den Frauen liegt der Brustkrebs mit 18,2 Prozent zwar noch vorn, doch holt der Lungenkrebs (11,3 Prozent) stark auf und liegt schon geringfügig vor dem Dick- und Enddarmkrebs (11,2 Prozent).

Hier lässt sich ein eindeutiger Bezug zur immer größer werdenden Zahl rauchender Frauen herstellen. Da sich Lungenkrebs nicht von heute auf morgen entwickelt, sondern meist 15 bis 30 Raucherjahre braucht, rechnen Experten mit weiter steigenden Lungenkrebszahlen bei den Frauen. 27. Deutscher Krebskongress vom 22. bis 26. März 2006 in Berlin

 

 

Terminkalender 


29./30. April 2006 

Mitgliederversammlung der  Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. 

in Weimar 

Telefon 089 3171212
 


12.-15. Juli 2006

13. Weltkonferenz Rauchen oder Gesundheit in Washington, DC

www.13thwctoh.org
 


18. November 2006

Rauchfreie Tanzveranstaltung in Wiesbaden

20 Jahre Nichtraucher-Initiative Wiesbaden e.V.

Telefon 06122 2194 - Fax 06122 6357


6. bis 7. Dezember 2006

4. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg

www.tabakkontrolle.de

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein

Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

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Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.