Nichtraucher-Info Nr. 64 - IV/06

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GfK-Umfrage zeigt:

Größte Zustimmung für rauchfreie Gaststätten bei CDU/CSU-Wählern

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet ein gesetzliches Rauchverbot in der Gastronomie. Bei einer repräsentativen Umfrage der GfK Marktforschung unter 1 000 Bundesbürgern sprachen sich Ende August 54% der Befragten für ein Rauchverbot in Restaurants, Kneipen, Bars und Diskotheken aus, 46 % waren dagegen. Auftraggeber der Umfrage war der Ärztliche Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V., unterstützt von der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. Die GfK-Gruppe ist in Deutschland das größte und in Europa sowie weltweit die Nummer 4 unter den Marktforschungsunternehmen.

Die größte Zustimmung erfährt die rauchfreie Gastronomie mit 61,6 % unter den Wählern der CDU/ CSU. Auch bei einer Zusatzfrage liegen die Unionsanhänger eindeutig an der Spitze: Zwei von drei CDU/CSU-Wählern (66,1%) sind Nichtraucher. Die zweithöchste Zustimmungsquote (53,5%) gibt es bei den Wechselwählern, die keiner bestimmten Partei nahe stehen. Von den Anhängern der SPD sprechen sich 52,8% für ein Rauchverbot in der Gastronomie aus. Die einzige im Bundestag vertretene Partei, bei der die Gegner einer gesetzlichen Regelung in der Mehrheit sind, ist die FDP.

Dass sich die Mehrheit der Bevölkerung eine rauchfreie Gastronomie wünscht, geht auch aus vielen anderen Umfragen und aus Abstimmungen im Internet und per Telefon hervor. Aber dass der Vorsprung der Befürworter im Lager der Christdemokraten am größten ist, damit hätte wohl niemand gerechnet. Dieses Ergebnis ist eine echte Entscheidungshilfe und stärkt allen Unionsabgeordneten den Rücken, die sich für einen umfassenden und konsequenten Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens einsetzen.

Umfrage der GfK Marktforschung zu einem
gesetzlichen Rauchverbot in der Gastronomie 

Zu diesem Thema wurden drei Fragen im Rahmen einer Mehrthemenuntersuchung (GfK CLASSIC BUS) gestellt. Die Ergebnisse beruhen auf den Antworten von 978 Männern und Frauen im Alter ab 16 Jahre, die repräsentativ für die Grundgesamtheit stehen. Die Erhebung fand zwischen dem 11. und 18. August 2006 statt. Wichtigste Ergebnisse in pdf-Datei unter www.ni-d.de/presse/

Frage 1:

Gegenwärtig werden Rauchverbote in der Gastronomie (Restaurants, Kneipen, Bars, Diskotheken etc.) in der Öffentlichkeit und Politik diskutiert. 

Wären Sie für ein gesetzliches Rauchverbot, das Gäste und Beschäftigte in der Gastronomie vollständig vor dem Passivrauchen schützt? (Ja / Nein)

Zustimmung zu einem Rauchverbot
Ergebnis nach Bevölkerungsgruppen in Prozent

alle
Befragten

Frauen

Männer

Raucher

Nicht-
raucher

neue Bun-
desländer

alte Bun-
desländer

54,0

59,0

48,5

23,5

74,7

60,4

52,3

 

Zustimmung zu einem Rauchverbot
Ergebnis nach Parteipräferenz in Prozent

CDU/
CSU

SPD

Bündnis 90/
Die Grünen

PDS/
Linke

FDP

andere
Parteien

keine
Partei

61,6

52,8

51,5

50,6

44,6

35,3

53,5

 

Drei viertel aller Nichtraucher sprechen sich für eine rauchfreie Gastronomie aus. Sie suchen verqualmte Gaststätten nur ungern auf oder überhaupt nicht. Selbst von den Rauchern stimmt ein knappes Viertel für ein Rauchverbot. Es stellt sich allerdings in diesem Zusammenhang die Frage, ob Menschen, deren Verhalten zu einer erheblichen Gesundheitsschädigung ihrer Mitmenschen führt, überhaupt ein Mitbestimmungsrecht haben sollen. Jemanden, der anderen Schaden zufügt, darüber abstimmen zu lassen, ob er weiterhin seine Mitmenschen schädigen darf, erscheint doch ziemlich absurd. Das hieße ja, den Gammelfleischhändler über die Gesundheit der Kunden bestimmen zu lassen. 

Frage 2: Rauchen Sie selbst, wenn auch nur gelegentlich? 

Rauchverhalten

Ergebnis nach Bevölkerungsgruppen in Prozent

alle
Befragten

CDU/
CSU

SPD

Bündnis 90/
Die Grünen

PDS/
Linke

FDP

andere
Parteien

keine
Partei

40,5

33,9

46,9

41,9

38,9

44,1

50,6

39,0

Frage 3: Welcher Partei stehen Sie am nächsten? 

Parteipräferenz  
Ergebnis nach der Nähe zu einer Partei in Prozent

CDU/CSU

SPD

Bündnis 90/
Die Grünen

PDS/
Linke

FDP

andere
Parteien

keine
Partei

24,3

24,2

4,8

4,6

2,6

4,8

34,7

 

Der Zustimmung ihrer Wähler nach müssten eigentlich CDU und CSU die Parteien sein, denen der Schutz vor dem hochgiftigen Schadstoffgemisch Tabakrauch ein vorrangiges Anliegen ist. Und in der Tat ging die interfraktionelle Initiative 1997/98 federführend von dem CDU-Abgeordneten Roland Sauer aus. Doch stimmten damals am Ende 74 Prozent der CDU- und 82 Prozent der CSU-Abgeordneten gegen das Nichtraucherschutz-Gesetz.

Gegenwärtig gibt es in beiden Parteien mehrere starke Befürworter, aber auch Gegner. So wendet sich z.B. der CDU-Abgeordnete Bernhard Kaster, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, in Pressemitteilungen und in Interviews gegen einen wirksamen gesetzlichen Schutz vor dem Passivrauchen. Wenn man sich näher mit den Gründen dafür beschäftigt, wird schnell klar, woher der Wind weht: Kaster hatte viele Jahre verschiedene politische Ämter in Trier und Umgebung inne. Derzeit sitzt er als Vertreter des Wahlkreises 205, zu dem Trier gehört, im Deutschen Bundestag. In Trier ansässig ist die Heinz van Landewyck GmbH, eine Tabak- und Zigarettenfabrik. Ähnlich liegt der Fall beim CSU-Bundestagsabgeordneten Hartmut Koschyk, der gemeinsam mit Kaster gegen eine gesetzliche Regelung agiert. Koschyks Wahlkreis ist Bayreuth – und in dieser Stadt hat der Tabakkonzern British American Tobacco (BAT) eine größere Produktionsstätte. Die Dritte im Bunde ist Marlene Mortler aus Roth bei Nürnberg (CSU), seit Januar 2006 Vorsitzende des Tourismusausschusses. Ihre Äußerungen wiesen sie als linientreues Sprachrohr des Betrügerverbandes Dehoga aus. egk

 

Was können wir, was können Sie tun?

Vornehmste und wichtigste Aufgabe des Staates ist der Schutz seiner Bürger nach innen und nach außen. Das Ausmaß des Schutzes muss vom Gefährdungspotenzial abhängen und darf nicht von der Finanzkraft der einen oder anderen Interessengruppe bestimmt werden. Beim Tabakrauch handelt es sich um ein hochgiftiges Schadstoffgemisch, das auch beim Nichtraucher durch Passivrauchen schwere Krankheiten und vorzeitigen Tod hervorrufen kann. Artikel 2 Grundgesetz verpflichtet den Staat sogar zu geeigneten Maßnahmen, wenn die körperliche Unversehrtheit anderenfalls nicht gewahrt werden kann. Praktisch alle obersten Staatsorgane haben die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens als bewiesen anerkannt und gefolgert, dass Nichtraucher zu schützen sind. Allerdings hapert es bisher mit der Umsetzung in wirksame Gesetze.

In Deutschland bereitet die Bundesregierung gewöhnlich die Gesetze vor und der Bundestag beschließt sie. Beim Schutz vor dem Passivrauchen haben sich bisher alle Bundesregierungen stark zurückgehalten. Auch die jetzige Bundesregierung will die Initiative dem Parlament überlassen. Sie fürchtet zum einen den destruktiven Einfluss der Tabaklobby und zum anderen den Zwist im eigenen Lager, das sich aus Rauchern und Nichtrauchern, aus Befürwortern und Gegnern eines gesetzlichen Schutzes vor den Schadstoffen des Tabakrauchs zusammensetzt. Deshalb hoffen wohl die Befürworter eines gesetzlichen Nichtraucherschutzes innerhalb der Bundesregierung darauf, dass sich im Bundestag eine interfraktionelle Mehrheit von Abgeordneten für einen derartigen Vorstoß findet, während die Gegner auf ein Scheitern setzen.

Verkompliziert hat sich die Situation durch die Initiative des SPD-Abgeordneten Lothar Binding, dessen erster Gruppenantrag durch einen zweiten Gruppenantrag, deren Antragsteller (Binding, Reimann, Spielmann) ebenfalls der SPD-Fraktion angehören, ersetzt wurde. Mehrere CDU/CSU-Abgeordnete, die anfangs zur Mitarbeit bereit waren, sagten ein Treffen mit den SPD-Abgeordneten offensichtlich auf Druck ihres Fraktionsvorsitzenden Volker Kauder ab.

Was sich auch in den nächsten Wochen tut: Die NID bittet die Leser dieser Zeilen, aktiv in das Geschehen einzugreifen und den politisch-gesellschaftlichen Meinungsbildungsprozess zu beeinflussen.

Schreiben Sie vor allem den Bundestagsabgeordneten Ihres Wahlkreises (den über die Landesliste eingezogenen ebenso wie den direkt gewählten) sowie namhaften Politikern Ihres Bundeslandes!

Schreiben Sie Leser-/Hörer-/Zuschauerbriefe, wann immer sich Gelegenheit dazu bietet!

Halten Sie Ihre Meinung nicht vornehm zurück, sondern äußern Sie diese gegenüber der Familie, Verwandten, Freunden, Bekannten, Kollegen usw. und aktivieren Sie diese für unsere gemeinsamen Ziele!

 

Wegen Tabakrauch nur mit Gasmaske zu betreten:

Über 200 bis über 600 Mikrogramm giftiger Feinstaub in
Gastronomiebetrieben, Discos und Fernreisezügen In der
 

Mitte September 2006 herausgegebenen Publikation "Tabakrauchbelastungen in deutschen Gastronomiebetrieben und in Fernreisezügen" (abrufbar unter www.tabakkontrolle.de) zeigt das Deutsche Krebsforschungszentrum anhand eigener Messungen, dass die Feinstaubbelastung überall dort, wo geraucht wird, extrem gesundheitsgefährdende Werte erreicht. Mitarbeiter und Gäste müssten "Schutzmasken mit Luftfilter tragen", schloss Dr. Martina Pötschke-Langer, Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention des dkfz und des WHO-Kollaborationszentrums für Tabakkontrolle in Heidelberg. Hier einige Auszüge:

 

Konzentration lungengängiger Partikel einer Größe bis 2,5 µm in einem Restaurant mit Raucherlaubnis in Frankfurt am 30.9. 2005. Die Werte links bis zum Betreten und rechts nach Verlassen des Restaurants entsprechen den Werten, die in rauchfreien Gaststätten gemessen wurden.

 

 

Die Spitzenwerte lagen in einer Bar mit Raucherlaubnis in Frankfurt am 30.9./1.10.2005 bei 700 bis knapp unter 1 000 µg.

µm = Mikrometer (Millionstel Meter) µg = Mikrogramm (Millionstel Gramm)

 

Die höchsten Feinstaubwerte in der Diskothek

Oft das Hundertfache der Menge, die in einem rauchfreien Raum anzutreffen ist.

 


Ab 1. Oktober 2006 werden die Bistros in den Zügen der Deutschen Bahn
zur Nichtraucherzone. Ein Schritt in die richtige Richtung!

 

Nichtraucherführer des Dehoga ein Desaster

Ein echtes Desaster für den Dehoga stellt seine Internetseite www.nichtrau cherfuehrer.de dar. Auf ihr soll der Gast "schnell und unkompliziert Restaurants und Cafés in ganz Deutschland" finden, die mindestens 30 Prozent Nichtraucherplätze bereithalten. Einfach ist die Suche schon, die Zahl der eingetragenen Gastronomiebetriebe ist jedoch sehr gering, weit entfernt von den 31,5 Prozent aller Betriebe, die nach dem Dehoga schon die Bedingungen der Vereinbarung zwischen ihm und dem Bundesgesundheitsministerium erfüllen sollen. Vor allem Schnellrestaurants (McDonalds, Burger King) tauchen auf, die Starbucks Coffee Houses und die Restaurants in den Kauf- und Warenhäusern, die spätestens um 20 Uhr schließen. Etliche kleinere Restaurants (Bistros) und Cafés findet man, die ebenso wie die Kaffeehäuser und viele Pizzerias überhaupt nicht unter die "Vereinbarung" fallen.

Fünf Monate nach Start der Dehoga-Webseite, auf der sich jeder Gastwirt kostenlos eintragen kann, sind am 15. September 2006 folgende "Top-Städte" zu vermelden: Berlin mit 240 Eintragungen, Hamburg 166, München 110, Köln 88 Düsseldorf 74, Frankfurt/Main 65, Dresden 55, Nürnberg 53, Hannover 52 und Stuttgart 52. Selbst wenn alle gemeldeten Gaststätten alle Kriterien der "Vereinbarung" erfüllen würden, stellen diese Zahlen ein echtes Desaster für den Dehoga dar. In Berlin beispielsweise stehen über 3 500 Gaststätten und Restaurants im Telefonbuch, in Hamburg und München sind es über 2 000. Im Vergleich dazu nehmen sich die Dehoga-Zahlen sehr mickrig aus. Zwar fehlen etliche Gaststätten mit nichtraucherfreundlichem Angebot im Dehoga-Nichtraucherführer, doch dafür stehen auch viele drin, die es nicht verdienen. So ließ die Berliner Gesundheitssenatorin Heidi Knaake-Werner 88 als "rauchfrei" gemeldete Berliner Gaststätten überprüfen – mit niederschmetterndem Ergebnis: In 23 (26 Prozent) wurde geraucht. Manche Eintragungen sind doppelt vorhanden.

Erfreulich ist, dass der Dehoga auf die Mail der NID vom 29. Juni 2006 reagierte und den Begriff "rauchfrei" durch "Nichtraucherplätze" ersetzte. Die NID hatte darauf hingewiesen, dass Plätze, die als Nichtraucherplätze deklariert sind, in der Regel keine rauchfreien Plätze seien. Die Bezeichnung "rauchfreie Plätze" für die unter www.nichtrau cherfuehrer.de eingetragenen Gastronomiebetriebe sei deshalb generell falsch. Sie sei höchstens für Betriebe ohne jegliche Raucherlaubnis zulässig oder für einige wenige, deren Nichtraucherraum auch lüftungstechnisch den Tabakrauch fernhalte. Als bestes Beispiel für einen rauchhaltigen Nichtraucherraum führte die NID den Raum an, den der Stellvertretende Dehoga-Präsident Ludwig Hagn in seinem Restaurant Unionsbräu den nichtrauchenden Gästen anbietet (vgl. Nichtraucher-Info Nr. 62).

Mit diesem Motiv wirbt der Dehoga für seine Webseite.

 

 

Bräustüberl in Andechs zur Hälfte rauchfrei

Mit Bekannten hatte ich Ende April 2006 einen Ausflug zum Kloster Andechs mit anschließender Einkehr im dortigen Bräustüberl unternommen. Wir hatten uns einen der drei Tische erobert, die in einem Raum des Bräustüberls in einer Ecke für Nichtraucher reserviert sind. Diese drei Tische stellen etwa 2 Prozent des gesamten Platzangebotes in den beiden großen Räumen des Bräustüberls dar.

In einem Brief an die Betreiber der Gastronomie im Kloster Andechs erläuterte ich anschließend, dass schätzungsweise 80 Prozent der Bräustüberl-Besucher Nichtraucher sind (wie persönliche Zählungen ergaben) und dieses geringe Angebot von Nichtraucherplätzen absolut unzureichend ist. Man müsste stattdessen einen der beiden Räume komplett als rauchfreien Bereich deklarieren.

Anfang September folgte ein weiterer Besuch im Kloster Andechs und zur großen Überraschung und Freude war der Vorschlag meines Briefes realisiert. Ein kompletter Raum, gut die Hälfte des gesamten Platzangebotes, war konsequent als rauchfreier Bereich ausgewiesen. Deutliche Hinweisschilder an den beiden Eingangstüren sowie keine Aschenbecher auf den Tischen ließen keine Missverständnisse aufkommen. Jetzt können etwa 250 Personen die Köstlichkeiten an Speisen und Getränken im Kloster Andechs rauchfrei genießen!

Theodor Dohmen

 

Nichtraucherbereich beim Brunch aufgehoben

Das Café-Restaurant Peach in Ludwigshafen bricht Verträge nach Gutdünken. Anders ist das Geschehen, das aus Erich Fiedlers Schreiben an den Gastwirt hervorgeht, nicht zu werten:

Ich habe Gutscheine für den in Ihrem Restaurant sonntags und feiertags stattfindenden "großen Brunch" gekauft. Da auf diesen der Vermerk "Reservierung erbeten" aufgedruckt ist, hat meine Frau versucht, einen Tisch in dem für Nichtraucher reservierten Bereich zu bekommen. Leider hat Ihre freundliche Mitarbeiterin meiner Frau mitgeteilt, dass der Nichtraucherbereich während des großen Brunches aufgehoben ist. Es ist nicht in Ordnung, dass während des Verkaufs der Gutscheine der Anschein erweckt wird, dass ein Nichtraucherbereich vorhanden ist, obwohl er bei der Einlösung nicht genutzt werden kann. Dies grenzt an Vortäuschung falscher Tatsachen. (...)

Ich bin nicht zu einem Brunch in von Rauch verseuchter Luft bereit und will auch nicht auf gutes Wetter warten, um die Gutscheine, die ein halbes Jahr Gültigkeit haben, im Freiluftbereich einzulösen. Wenn Sie nicht bereit sind, sich an die Rauchfrei-Bedingung zu halten, unter der ich die Gutscheine erstanden habe), muss ich Sie auffordern, mir den Kaufpreis umgehend zurückzuerstatten.

 

Public Relations für eine "Mörderbande"

Der eine forscht und findet Reparaturmechanismen, die Schäden am DNA-Erbgut beheben können, der andere verkauft Produkte, die das DNA-Erbgut schädigen. Beim ersten handelt es sich um Thomas Carell, Wissenschaftler an der LMU München, beim zweiten um den Tabakkonzern Philip Morris. Beide arbeiten sozusagen Hand in Hand zum beiderseitigen Nutzen. Das lässt sich der Hersteller von todbringenden Produkten auch etwas kosten: Die 100 000 Euro für den Philip-Morris-Preis - je 25 000 für jeden Forscher (zu Carell gesellen sich Hannah Monyer, Bernhard Rieger und Joachim Ullrich) sind jedoch gut angelegt. Denn kaum ein anderes Public-Relations-Instrument ist so gut dafür geeignet, Sympathie in der Öffentlichkeit zu erzeugen, wie eine Preisverleihung.

Und Thomas Carell? Der freut sich über das Geld und die Auszeichnung. Ihn kümmert nicht die makabre Anerkennung, die Intention seines "Partners", sondern ausschließlich seine Eitelkeit. Dafür lässt er sich gern zum Handlanger einer "Mörderbande" machen. Diese Bezeichnung wählte Everett Koop, der damals höchste US-Gesundheitsbeamte (Surgeon General), als er die Einladung zu einer Fernsehdiskussion mit Managern der Tabakkonzerne ablehnte ("Mit dieser Mörderbande diskutiere ich nicht"

 

Für die geladenen Gäste ließ Philip Morris einen roten Teppich auslegen. Deshalb fielen die vom Ärztlichen Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit, von der NID und von Klaus Klages, der sich selbst als "Anti-Tabak-Aktivist" bezeichnet, rechts und links präsentierten Plakate und Spruchbänder erst recht auf.


Manchen Philip-Morris-Preis-"Gästen" war es anzusehen, dass ihnen die Demonstration unangenehm war.

 

Tabakindustrie missbraucht Modellprojekt Rauchfreie Krankenhäuser
für die eigene PR

In dem Artikel Toleranz und Rücksichtnahme – British American Tobacco (BAT) unterstützt Projekt 'Rauchfreie Krankenhäuser' der Tabak-Zeitung vom 7. Juli 2006 wurde versucht, die Arbeit des Deutschen Netzes Rauchfreier Krankenhäuser für die Öffentlichkeitsarbeit der Tabakindustrie zu missbrauchen. Zusätzlich wurde auf der Webseite von BAT der Anschein von ideeller Nähe zum Netz Rauchfreier Krankenhäuser erweckt. Christa Rustler, die Nationale Koordinatorin des European Network for Smoke-free Hospitals, stellte hierzu in einer Pressemitteilung fest: "Weder das Deutsche noch das Europäische Netzwerk Rauchfreier Krankenhäuser werden materiell oder ideell von BAT unterstützt. Wir lehnen auch für die Zukunft jedwede Unterstützung aus der Tabakindustrie ab und distanzieren uns entschieden von diesen Veröffentlichungen. Die Meldungen sind nicht mehr als ein Public-Relations-Trick. Der Zigarettenkonzern will als verantwortungsbewusstes Unternehmen erscheinen, obwohl er für die Erkrankung und den Tod von Tausenden Rauchern verantwortlich ist."

 

13. Weltkonferenz "Rauchen ODER Gesundheit"

"Schaffen wir die Voraussetzungen für eine von Tabakrauch freie Welt" (Building Capacity for a Tobacco-free World) war das Motto dieser Konferenz, die vom 12. bis 15. Juli 2006 weit über 4000 Teilnehmer aus aller Welt in Washington, DC, zusammenführte. Die Botschaft dieser eindrucksvollen Veranstaltung lautete "Wir können handeln und wir müssen handeln, um eine globale menschliche Katastrophe zu verhindern". Es gilt durch eine zunächst 50 %ige Reduzierung des Tabakkonsums bis zum Jahre 2050 weltweit 200 Millionen Menschenleben zu retten. Im 20. Jahrhundert forderte das Rauchen 100 Millionen Todesopfer. Im 21. Jahrhundert werden es 1 Milliarde Opfer sein, wenn es nicht gelingt, das Rauchen entscheidend zurückzudrängen.

Um erfolgreich zu sein, sollten öffentliche Gesundheitskampagnen auf vier Säulen aufbauen: zuverlässige und überzeugende wissenschaftliche Beweise, leidenschaftliche Verfechter des Anliegens, Medienkampagnen zur Verbreitung der Botschaft sowie einschlägige Gesetze und Regelungen. An wissenschaftlichen Beweisen für die verheerenden Folgen des Rauchens und Passivrauchens mangelt es nicht, auch nicht an leidenschaftlichen Verfechtern einer rauchfreien Gesellschaft und einer rauchfreien Welt. Jetzt muss es gelingen, die Medien und die Gesetzgeber für unser Anliegen zu gewinnen, das Rauchen als die derzeit größte Gefahr für die Gesundheit und das Leben des Menschen zu eliminieren.

Die Konferenz stellte übereinstimmend fest: Eine tabakfreie Welt ist nicht länger unmöglich. Bis dahin ist es allerdings noch ein langer Weg, der eine globale Zusammenarbeit erfordert. Kein einzelnes Land kann die Situation im Alleingang wesentlich beeinflussen. Dafür ist die international agierende Tabakmafia ("Big Tobacco") viel zu mächtig. Nationale Aktionen werden erfolgreich sein, wenn sie international gebündelt sind. Als Beispiel dafür wurden international gültige Werbeverbote für Tabakwaren genannt, die unabdingbar sind, um junge Leute vor dem Einstieg in den Tabakkonsum zu bewahren.

Es ist unmöglich, an dieser Stelle die Ergebnisse der Konferenz auch nur annähernd umfassend darzustellen. Dazu war das Programm zu vielseitig und aus der Sicht eines einzelnen Teilnehmers nicht zu überblicken. Das Konferenzprogramm listet mehr als 200 Veranstaltungen an den vier Veranstaltungstagen auf. Um die Übersicht einigermaßen zu erleichtern, wurden die Parallelsitzungen fünf wiederkehrenden Themengruppen zugeordnet: 1. Leute (auf Individuen oder Personengruppen bezogenes Vorgehen), 2. Politik (offizielle Regelung des Gebrauchs von Tabakprodukten), 3. Praxis (Handhabung des Nichtraucherschutzes), 4. Produzent (vom Tabakanbau bis zum Erreichen des Konsumenten) und 5. Produkt (Wirkung und Folgen des Tabakkonsums).

Bevor die 13. Weltkonferenz "Rauchen ODER Gesundheit" am Mittwoch eröffnet wurde, trafen sich die Teilnehmer am Vormittag mit denen des vorausgehenden UICC Krebskongresses zu einer gemeinsamen Plenarveranstaltung mit dem Ziel, gemeinsame Anstrengungen im Kampf gegen den Tabakkonsum zu mobilisieren. Die Experten sollen lernen, die Tabakpandemie zu verstehen und gezielt darauf zu reagieren. "Wenn wir wüssten, wann und wo die nächste Vogelgrippe-Pandemie auftreten wird und wie wir ihr begegnen könnten, würden die Verantwortlichen in geeigneter Form reagieren", betonte der Vorsitzende der 13. Weltkonferenz, Dr. Seffrin von der Amerikanischen Krebsgesellschaft. Das Rauchen ist im Vergleich dazu das größere Desaster.

Die Eröffnungssitzung der 13. Weltkonferenz "Rauchen ODER Gesundheit" hatte das Motto: "Weltweite ökonomische Gerechtigkeit und eine von Tabakrauch freie Welt erreichen". Die Konferenz fand erstmalig in einer rauchfreien Stadt, in Washington DC, statt. Am 4. April 2006 trat nach dreijährigem, ununterbrochenem Kampf ein Gesetz in Kraft, nach dem bis 1. Januar 2007 alle Innenraum-Arbeitsplätze einschließlich Bars und Restaurants rauchfrei sein werden.

Zu Beginn gedachten die Teilnehmer des früheren Generaldirektors der Weltgesundheitsorganisation, Dr. Lee Jong-wook, der am 22. Mai 2006 plötzlich verstorben ist. Dr. Lee hatte die Verabschiedung der WHO-Rahmenkonvention Tabakkontrolle ganz wesentlich unterstützt. "Er war sehr stolz auf die Rahmenkonvention Tabakkontrolle und wir werden seine Vision fortsetzen", sagte die stellvertretende Generaldirektorin der WHO, Frau Dr. Catherine LeGales-Camus.

Die Konvention wurde inzwischen von 133 Staaten ratifiziert. Diese Staaten repräsentieren 77 % der Weltbevölkerung. 60 Staaten, darunter die USA, haben sich ihr noch nicht angeschlossen.

Die WHO-Rahmenkonvention war Thema der Plenarsitzung am Donnerstag. Das Ziel der Konvention sei es, künftige Generationen vor den Gefahren des Tabakrauchens zu schützen, betonte Yumiko Mochizuki-Kobayashi von der WHO. 2005 forderte das Rauchen weltweit 5 Millionen Todesopfer, ein Opfer alle 6 Sekunden. 2020 werden es 10 Millionen Opfer sein, alle 3 Sekunden eines, sofern es nicht gelingt, die Tabakepidemie zu beenden. Maria Julia Muñoz aus Uruguay berichtete, ihr Land sei das erste rauchfreie Land in Südamerika. Im September 2004 ratifizierte es die Rahmenkonvention, bereits im September 2005 erfolgte ein gesetzliches Rauchverbot in allen öffentlichen Innenräumen. Diese Restriktionen fanden bei 80 % der Bevölkerung Zustimmung. Selbst Raucher und Gastwirte unterstützen das Dekret.


Am Freitag nahm das Plenum den Gegner unseres gemeinsamen Kampfes ins Visier. "Entwicklung der Tabakindustrie: Wird das Spiel jemals zu Ende sein?", hieß das Rahmenthema. Sein Anliegen war es, Szenarien für die Einstellung der Tabakproduktion und des Tabakkonsums zu entwickeln. Es könne nicht das Ziel sein, sich durch Gefährdungsreduktion mit dem Nikotinkonsum und damit auch mit der Tabakindustrie zu arrangieren.

Unter den zahlreichen Vorträgen in den Parallelveranstaltungen ist der von Sir Richard Peto, Vereinigtes Königreich, zu "Gefahren des Rauchens und der Nutzen des Rauchstopps" besonders hervorzuheben. Die eindrucksvollen Statistiken sind unter www.deaths fromsmoking.net im Internet abrufbar. Die Diskette "Deaths from Smoking" liegt bei der NID-Geschäftsstelle vor. Der sehr umfangreiche Report of the Surgeon General (USA 2006) "The Health Consequences of Involuntary Exposure to Tobacco Smoke" liegt ebenfalls als CD in der Geschäftsstelle.

Die NID präsentierte am Freitag ein Poster unter dem Titel "Capacity Building in Germany by the NichtraucherInitiative Deutschland e.V. (Nonsmokers Initiative Germany). Berichtet wurde über die vielfältigen Aktivitäten der NID. Von den Besuchern wurde ich hauptsächlich zur Haltung Deutschlands zum EU-Tabakwerbeverbot sowie zur Entwicklung rauchfreier Schulen in Deutschland angesprochen. Weitere Poster präsentierten u.a. Prof. Dr. Friedrich Wiebel für das Aktionsbündnis Nichtrauchen zum Thema "Tobacco Control in Germany: an Uphill Battle" (Tabakkontrolle in Deutschland: ein mühseliger Kampf) und Johannes Spatz (Forum Rauchfrei) zu "Germany: Paradise for the Tobacco Industry" (Deutschland - ein Paradies für die Tabakindustrie).

Die Konferenz wurde am Samstag mit einer eindrucksvollen Abschlussveranstaltung beendet, die größtenteils von Jugendlichen gestaltet wurde. In einer Videoschau stellten die jungen Leute die größten Lügen und Tricks der Tabakwerbung vor und stifteten für die abgebrühtesten Unverschämtheiten symbolische Preise.

Die diesjährige Weltkonferenz "Rauchen ODER Gesundheit" bestach durch eine exzellente Organisation und eine enorme Fülle von interessanten Vorträgen, von Diskussionsrunden, Poster, Videoschauen, Ausstellungen sowie von Internet-Arbeitsplätzen zur freien Nutzung. Die Mitwirkung junger Konferenzteilnehmer symbolisierte: Unser Ziel, die Schaffung einer tabakfreien Welt, können wir nur mit der Jugend und für die Jugend zum Nutzen künftiger Generationen erreichen.

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Zwei Tage Sonderurlaub für Nichtraucher

Die BuS Elektronik GmbH im sächsischen Riesa belohnt ihre nichtrauchenden Mitarbeiter mit zwei zusätzlichen Urlaubstagen im Jahr. Der Anreiz habe sich gelohnt, antwortet der Inhaber und Geschäftsführer Werner Maiwald. Vor zehn Jahren hätten noch etwa 40 Prozent der Mitarbeiter geraucht, heute seien es keine fünf Prozent. Von den gut 600 Beschäftigten nutzten etwa 20 die Raucherecke, die anderen zündeten sich weder dort noch anderswo auf dem Gelände eine Zigarette an. Die Regelung lasse sich gut kontrollieren. Nur Beschäftigte, die das ganze Jahr zumindest im Betrieb nicht rauchen, bekommen den Zusatzurlaub im Folgejahr.

Die Kosten für die beiden Urlaubstage, die man sich auch auszahlen lassen kann, beziffert der Unternehmer auf rund 150 000 Euro im Jahr. Maiwald sieht in den Ausgaben eine Investition in die Gesundheit seiner Mitarbeiter, die sich auch für den Betrieb auszahlt. Der Krankenstand und die Fehlzeiten seien zurückgegangen, die Maschinen und Anlagen stünden seltener still und würden nicht länger durch den Tabakrauch verunreinigt. Finanziell sei das ein Nullsummenspiel, aber die ganze Atmosphäre habe sich ohne Qualm verbessert – für die Menschen genauso wie für die Maschinen. Der Betriebsrat trage die Vereinbarung mit. Rückfälle von ehemaligen Rauchern gebe es kaum. Als neue Mitarbeiter würden nur Nichtraucher eingestellt – was inzwischen ja auch die Europäische Kommission für rechtens erachtet hat. FAZ, 12.8.06

 

Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz noch unzureichend umgesetzt

Der führende Personaldienstleister hierzulande, die Randstad Deutschland GmbH & Co. KG mit über 30 000 Mitarbeitern hat von Anfang Mai bis Anfang Juni 2006 die für Personalentscheidungen zuständigen Führungskräfte von 304 Unternehmen befragt. Danach ist das Rauchen noch in 14,5 Prozent der Unternehmen uneingeschränkt möglich. In über einem Drittel ist das Rauchen dagegen grundsätzlich untersagt, in den anderen ist das Rauchen nur in Einzelbüros sowie in speziellen Aufenthaltsräumen erlaubt. In dreiviertel der Unternehmen, wo der Arbeitsplatz zum Rauchen verlassen werden muss, braucht die Pause nicht nachgearbeitet zu werden.

Es stellt sich allerdings die Frage, inwieweit das Ergebnis als repräsentativ angesehen werden kann – was Randstad allerdings auch nicht behauptet. In der Vergangenheit hat sich immer wieder herausgestellt, dass die Führungskräfte in den Personalabteilungen mittlerer und größerer Unternehmen entweder nicht Bescheid wussten, was am konkreten Arbeitsplatz wirklich los ist, oder die tatsächlichen Verhältnisse schön färbten. Der NID sind einige Fälle bekannt, in denen die Geschäftsleitung behauptet hatte, dass die Arbeitsstättenverordnung voll eingehalten werde, und nichtrauchende Beschäftigte vom Gegenteil berichteten.

Bayern: § 5 ArbStättv ist 53 Prozent der Betriebe nicht bekannt

Die Randstad-Zahlen unterscheiden sich deutlich von den Zahlen, die im Jahresbericht der Bayerischen Gewerbeaufsicht, der am 22. Juni 2006 dem Bayerischen Landtag vorgelegt wurde, aufgeführt sind. Danach musste die Hälfte der überprüften Betriebe beanstandet werden. Fast ein Drittel hatte noch keine Maßnahmen zum Nichtraucherschutz eingeleitet. Nur bei 15 Prozent der kontrollierten Firmen herrschte ein generelles Rauchverbot.

Die NID bietet den unter Passivrauchen leidenden nichtrauchenden Beschäftigten ihre Hilfe an. Unter Wahrung der Anonymität nimmt sie Kontakt mit den Betrieben auf und verständigt im Misserfolgsfall die für den Arbeitsschutz zuständige Behörde. 

www.presseportal.de 15.9.06 
Abendzeitung Nürnberg, 23.6.06

 

Gewerkschaft NGG schwenkt um 

Völlig neue Töne sind von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) zu hören. Der früher stark auf das Wohlergehen der Tabakindustrie ausgerichteten Gewerkschaft scheint die Situation in der "Genuss-Branche" mit dem unaufhaltbaren Abbau von Arbeitsplätzen und den schmäleren Arbeitseinkommen die Lust auf die Abwehr gesetzlicher Schutzregelungen vergangen zu sein. In der Pressemeldung vom 28. Juni 2006 heißt es:

Einen besseren Gesundheitsschutz der im Hotel- und Gaststättengewerbe Beschäftigten vor den schädlichen Einflüssen des Passivrauchens hat Franz-Josef Möllenberg, Vorsitzender der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), gefordert. Anders als die Gäste hätten die Beschäftigten der Branche nicht die Möglichkeit, einfach das Lokal zu wechseln, wenn sie durch Passivrauchen geschädigt würden.

Besondere Gefahr bestehe in den kleineren Gaststätten und Kneipen, die von der Zielvereinbarung Nichtraucherschutz zwischen dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband und dem Gesundheitsministerium ausgenommen seien. „Auch in Betrieben mit weniger als 75 Quadratmeter Gastfläche und weniger als 40 Sitzplätzen muss der Gesundheitsschutz der Beschäftigten einen höheren Stellenwert haben.“

Die Zielvereinbarung beziehe sich auf die Gäste. Der Plan, die Angebote für nichtrauchende Gäste schrittweise zu erhöhen, müsse eingehalten und seine Umsetzung im Herbst nächsten Jahres kontrolliert werden.

Möllenberg plädierte in der derzeit aufgeheizten Diskussion für eine differenzierte Betrachtung: Die Änderung der Arbeitsstättenverordnung wäre ein sinnvoller Schritt, um den im Gastgewerbe Beschäftigten den Anspruch auf einen rauchfreien Arbeitsplatz zu sichern. Ein generelles Rauchverbot sei das letzte Mittel. „Aber der Arbeits- und Gesundheitsschutz für die Beschäftigten der Branche muss Vorrang haben“, so Möllenberg.

 

Freiheit, die ich meine...

Der tropisch heiße Sommer hat es geschafft, was viele bisher für unmöglich gehalten haben. In der politischen Landschaft taute das Eis, in dem Rituale festgefroren waren, gegen die sich die überwältigende Mehrheit der Bürger unseres Landes innerlich und zunehmend nach außen hin zur Wehr setzte. Erich Böhme schrieb in einem Zeitungskommentar über dieses Ereignis: "Es naht der Herbst, und es gilt nun Abschied zu nehmen von einer kulturellen Institution, an die wir uns über die Jahrhunderte gewöhnt haben." Er meinte damit "das Entsenden zarter oder schwerer Rauchwölkchen in die Luft".

Erich Böhme überfiel eine nostalgische Wehmut, wie er selbst öffentlich eingestand. Angesichts der erdrückenden Beweise über die Gefahren des Passivrauchens - vom Aktivrauchen ganz zu schweigen - erkennt sein logischer Verstand durchaus die Notwendigkeit, "...das Rauchen in öffentlichen Gebäuden bis hin zu Restaurants und Bars schlechthin zu verbieten, wie das Parlament sich anschickt". Nachdem ihm jedoch die politische Ahnengalerie dieses Landes, umrahmt von Zigaretten- und Pfeifenwölkchen bis hin zum Duft der großmännischen Cohiba, in Erinnerung kam, beschlich ihn wieder ein wehmütiger Zorn. "Puristische Gesundheitsapostel" nennt er die Politiker, die geholfen haben, das Eis zu brechen.

Derart sentimentale Ergüsse sind durchaus dazu geeignet, gegen Notwendiges und Vernünftiges Stimmung zu machen. Flugs reden dann Lobbyisten von Zwangsverboten, die nur dazu taugen, die persönliche Freiheit zu knebeln. Die glimmenden Pfeifen, Zigaretten oder Zigarren von Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Helmut Kohl oder von Gerhard Schröder sind uns doch wohl angenehmer in Erinnerung als die kalte Pfeife von Herrn Ulbricht, nach der seine Untertanen haben tanzen müssen, sinniert Erich Böhme. "Zarte Rauchwölkchen" verbindet sich mit Freiheit, das "Nicht" vor dem "Rauchen" mit Knebelung und Zwang. So schleicht sich gegen das, was vom Verstand her nicht mehr abzulehnen ist, aus dem Unterbewusstsein ein gewisser Widerstand heran. Diese "Gehirnwäsche", Herr Böhme, hätte die Tabakwerbung gewiss nicht besser hinbekommen!

Konfliktgegenstand ist das Rauchen in öffentlichen Räumen. Was heißt Konfliktgegenstand? Rauchen gefährdet Unbeteiligte auch dann, wenn es zwischen Rauchern und Nichtrauchern im gleichen Raum friedlich und damit scheinbar konfliktfrei zugeht. Wo Unbeteiligte gefährdet werden, hat der Staat eine Regelungspflicht. Das Ende der Rauchfreiheit ist hier angesagt. Mit Freiwilligkeit ist nichts zu erreichen, dämmert es nun endlich in Politikerhirnen. Nicht weil der Rauch andere belästigt, sind Verbote erforderlich, sondern weil er andere gefährdet. Ginge es lediglich um Belästigung, so wäre es durchaus opportun, den Konfliktparteien eine freiwillige Regelung ihrer Probleme nahe zu legen.

Dem Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) will diese Tatsache absolut nicht schmecken. Er beharrt auf seiner Zielvereinbarung vom 1. März 2005 mit dem Bundesgesundheitsministerium. "Mit dieser Vereinbarung wollen wir einem generellen Rauchverbot per Gesetz zuvorkommen und es überflüssig machen", sagte Gerhard Schwabe, Geschäftsführer des Dresdner Dehoga-Regionalverbandes, der Presse mit der stolzen Gewissheit, damit Ulla Schmidt ein Schnippchen geschlagen zu haben. "Gäste haben genügend Auswahl, sich das Passende zu suchen", hält er allen vor, die ihre Mahlzeit in sauberer Luft einnehmen wollen. Wie lange diese Gäste nach einer rauchfreien Lokalität suchen müssen, scheint ihn wenig zu interessieren. Angebot und Nachfrage klaffen hierzulande noch weit auseinander. Das bestätigte die Wirtin einer Gaststätte in Dresden eher unfreiwillig: "Die meisten unserer Gäste bevorzugen den Nichtraucherbereich, der 30 Prozent unseres Platzangebotes ausmacht", pries sie ihr im nationalen Vergleich sicher großzügiges Zugeständnis an die seltsamen Vorlieben ihres Publikums.

So also funktioniert der Markt, der alles ganz von selbst und ohne Gesetzeszwang regeln soll. Mögen auch die meisten Gäste rauchfrei essen wollen, die überwiegende Zahl der Plätze bleibt raucherfreundlich. Man vertraut halt der grenzenlosen Toleranz der Nichtraucher. "Möglichst wenig Einschränkungen für unsere Gäste" heißt die Devise. Wem die qualmverhangene Kneipenatmosphäre nicht passt, der soll doch bitte zu Hause bleiben.

Wer auf den Gaststättenbesuch verzichtet, weil er sich keiner Gefährdung seiner Gesundheit aussetzen will, erleidet eine Beeinträchtigung seiner persönlichen Freiheit. Sollen zwei Drittel der Erwachsenen diese Beeinträchtigung hinnehmen, damit ein Drittel die Freiheit genießen kann, zu rauchen, wo immer es beliebt? 

Dr. Wolfgang Schwarz

 

Gesunde Wettbewerbsfähigkeit

Im renommierten Handelsblatt war dieses Jahr zu lesen:

"Was schränkt die Produktivität und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft am meisten ein? Während einige Analysten meinen, eine inflexible Arbeitsmarktpolitik, Bildungsdefizite oder gar risikoscheues Management seien für die unbefriedigende Arbeitsproduktivität hier zu Lande verantwortlich, kommt langsam eine andere, beunruhigende Wahrheit an die Oberfläche. Deutsche Arbeitnehmer leiden an einer ganzen Reihe von chronischen Krankheiten, und ihr schlechter Allgemeinzustand wirkt sich zunehmend negativ auf die Produktivität und die Gesundheitskosten sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer selbst aus. Deshalb sind deutsche Unternehmen nicht so wettbewerbsfähig, wie sie sein könnten." (...)

"Rauchen ist natürlich ebenso ein wichtiger Faktor für den schlechten Gesundheitszustand deutscher Arbeitnehmer" wie Übergewicht, mangelnde Fitness und übermäßiges Trinken. Wer sich solcherart verhält, gerate schneller in Stress und werde anfälliger für so genannte Wohlstandskrankheiten.

 

Chemische Untersuchungsanstalt entdeckt:
 
Bei Rauchern hilft Sanieren nichts

Hohe Formaldehyd-Konzentrationen durch blauen Dunst 
Auch die Passivraucher nehmen viele Schadstoffe auf

Daß Rauchen schädlich ist, sagt einem "der Gesundheitsminister" auf jeder Zigarettenreklame. Bestätigt sehen kann sich dieser (der eigentlich eine Frau ist und Lehr heißt) jetzt auch durch ein Untersuchungsprogramm der Chemischen Untersuchungsanstalt der Stadt Nürnberg. Bei der Untersuchung von Formaldehyd-Belastungen in Innenräumen stieß diese auf den Raucher als wesentlichen Schadstoff-Emittenten.

Wie mehrfach berichtet, hat die Stadt Nürnberg umfangreiche Untersuchungen nach Formaldehyd in Kindertagesstätten veranlasst. Sanierungsmaßnahmen wurden dabei bereits dann durchgeführt, wenn eine Konzentration von 0,075 ppm überschritten war. Das Bundesgesundheitsamt empfiehlt als Richtwert für Innenräume 0,1 ppm. Mittlerweile konnten die Raumluftverhältnisse in den Kindertagesstätten in der gewünschten Weise verbessert werden. 

Auffällig war jedoch für die Mitarbeiter der Chemischen Untersuchungsanstalt, dass immer dann Schwierigkeiten auftauchten, wenn sich Raucher – auch nur kurzfristig – in den Räumen aufhielten. Dies war teilweise der Fall, wo das strikte Rauchverbot in Kindertagesstätten nicht eingehalten wurde. Wesentlich gravierender war der Einfluß jedoch in Räumen, wo das Rauchen erlaubt ist. In einem Zimmer von 30 Kubikmetern Volumen wurde nach dem Rauchen von fünf Zigaretten bereits eine Formaldehyd-Konzentration von 0,18 ppm gemessen. Das liegt weit über dem vom Bundesgesundheitsamt empfohlenen Richtwert. Kommen in einem solchen Raum noch Beiträge aus anderen Formaldehyd-Quellen, wie Möbeln oder Holzverkleidungen hinzu, können ganz beträchtliche Belastungen auftreten. Hier waren Messwerte von bis zu 0,4 ppm zu beobachten. 

Angesichts der Formaldehydmengen, die hier in die Luft geblasen wurden, kann selbst bei bester Sanierung belasteter Räume die Einhaltung des Richtwertes von 0,1 ppm nicht gesichert werden, wenn danach weiter geraucht wird. Dies ist auch dann der Fall, wenn nur sporadisch geraucht wird. Formaldehyd schlägt sich nämlich besonders auf glatten Oberflächen nieder und wird dort je nach Veränderung der Raumluftverhältnisse wieder abgegeben, wodurch eine einmalige Belastung auch noch Wochen und Monate später Nachwirkungen zeigen kann. 

Dabei ist Formaldehyd keineswegs das einzige Produkt beim Tabakrauchen, das als gesundheitsgefährdend einzustufen ist. Ein durchschnittlicher Raucher nimmt während eines 8-Stunden-Arbeitstages neben Teer und Nikotin auch 200 Milligramm Kohlenmonoxid, 100 bis 500 Nanogramm Benzpyren, 1,5 mg Acrolein, 2 bis 5 mg Stickoxide, 0,5 bis 1 mg Formaldehyd und 100 bis 500 ng Dimethylnitrosamin auf. Von letzterem, das neben Teer und Benzpyren als krebsauslösend gilt, nimmt auch der Passivraucher 40 bis 400 ng auf. Bei Formaldehyd ist er mit 0,1 bis 0,4 mg "dabei". 

Daraus ergibt sich, so die Chemische Untersuchungsanstalt: Gute Raumluft ist nur bei striktem Rauchverbot zu erzielen.

Text unter dem Foto mit einem Raucher am Schreibtisch:

Der einsame Raucher schädigt zunächst einmal nur sich selbst. Jedoch lagert sich Formaldehyd auf Wand- und Möbelflächen ab, so dass spätere Besucher selbst dann mitleiden müssen, wenn sich der Gastgeber "ihnen zuliebe" zurückhält. Dies bestätigte jetzt ein Bericht der Chemischen Untersuchungsanstalt. Foto: Archiv

Dieser Artikel ist 16 Jahre alt. Er stammt aus der
Nürnberger Zeitung
vom 16. November 1990 
und hat nichts von seiner Aktualität verloren.

 

Schläge, Tritte und Spucke für Zivilcourage 

Am 4. Mai 2006 las Prof. Dr. Ludger Schiffler (LS), Präsident der NID, in der Zeitung, dass ein ausländischer Student aus Ostafrika (StO), der zwei Mädchen auf das Rauchverbot in der Berliner U-Bahn hinwies, von diesen geschlagen und getreten wurde. Nach mühevollen Recherchen bekam er Kontakt mit diesem Studenten und konnte ihm endlich für seine Zivilcourage danken. Der Student gewährte ihm folgendes Interview:

LS: Wann passierte der Vorfall? 
StO: Am Morgen des 3.5.2006, um ca. 6 Uhr, fuhr ich in Berlin mit der U-Bahn zu meiner Arbeit. Zwei junge Mädchen, punkmäßig gekleidet, ca. 18 Jahre alt, stiegen ein und sahen, dass außer mir sich noch andere Farbige in dem Wagen befanden. Sie machten laut rassistische Bemerkungen wie: „Hier sind aber viele Außerirdische“. Sie hatten anscheinend die Nacht in einer Disko verbracht.

LS: Wie kam es zu der Auseinandersetzung? 
StO: Beide Mädchen setzten sich dann mir schräg gegenüber und fixierten mich. Sie machten viele spöttische Bemerkungen über mich. Ich ignorierte sie.

LS: Wie kam es zur Auseinandersetzung wegen des Rauchens? 
StO: Eines der Mädchens steckte sich eine Zigarette an. Da ich eine Allergie habe, vertrage ich den Rauch gar nicht. Um kein Aufsehen zu erregen, ging ich zu dem Mädchen und bat sie leise, die Zigarette auszumachen.

LS: Wie reagierte sie? 
StO: Sie sagte: „Du kannst machen, was du willst. Ich werde weiterrauchen."

LS: Was machten Sie dann? 
StO: Ich sagte: „Ich werde die Polizei anrufen. In der U-Bahn ist das Rauchen nicht erlaubt.“ Doch beide Mädchen haben mich nur ausgelacht. Dann wollte sich die andere auch eine Zigarette anzünden. Da habe ich mein Handy herausgeholt und das rauchende Mädchen fotografiert. Sogleich schlugen beide auf mich ein. Von ihrem Sitz aus trat die Rauchende auf meine Brust. Sie spuckte mich an. Als die U-Bahn zum Halten kam, bin ich zur Tür getreten und habe durch Winken dem Zugführer angezeigt, dass es ein Problem gibt. Ein BVG-Mitarbeiter kam und ich schilderte den Vorfall. Ich wollte ihm das Foto auf dem Handy zeigen. Das eine Mädchen trat dann auf meine Hand, so dass das Handy zu Boden fiel. Der Mitarbeiter sagte, dies sei ein persönliches Problem und der Zug müsse weiterfahren. Die Mädchen hatten mittlerweile die Zigaretten in ihre Taschen gesteckt. Eine Mitfahrerin machte mir zum Vorwurf, dass ich wegen des Rauchens die Mädchen angesprochen habe. Ich sagte ihr, dass die Gesetze doch eingehalten werden müssten.

LS: Haben Sie zugestimmt, dass der Zug weiterfuhr? 
StO: Ja. Auch ich wollte pünktlich an meinem Arbeitsplatz erscheinen. Aber kaum war der Zug angefahren, haben mir die Mädchen gedroht, dass sie dafür sorgen würden, dass ich umgebracht würde. Sie würden Leute kennen, die gerne dafür sorgen würden, dass es in Ostberlin keine Neger gäbe. Ich hörte, wie das eine Mädchen vorschlug, mich zu meiner Arbeitsstelle zu verfolgen und dann der Polizei zu sagen, er habe uns belästigt.

LS: Was taten Sie dann? 
StO: Bei der nächsten Haltestelle sah ich einen BVG-Mitarbeiter, stieg aus, um ihn um Hilfe zu bitten. Die beiden Mädchen folgten mir. Ich erzählte ihm den Vorfall. Währenddessen riefen die beiden Mädchen die Polizei an. Ich ging mit dem Mitarbeiter zu seiner Dienststelle. Die beiden Mädchen beschimpften mich weiterhin. Der Mitarbeiter gab sich als Sicherheitsbeamter zu erkennen. Die Mädchen waren nun entsetzt. Ein Kollege nahm ihnen die Ausweise ab und holte die Polizei. Dieser zeigte ich meine Jacke, voll mit Speichel, und dem Fußabdruck des Mädchens auf meiner Jacke. Nachdem ich der Polizei meinen Ausweis gezeigt hatte, nahmen diese die beiden Mädchen mit auf die Wache.

Später wurde ich zum Verhör geladen. Ich erstattete Anzeige und bekam gesagt, dass ich vor Gericht aussagen müsse, jedoch würde dies noch eine Zeit lang dauern.

LS: Danke für das Gespräch.

Kommentar: Dieser Fall zeigt wieder einmal, dass Menschen mit Zivilcourage gefährlich leben. Ich selbst erhielt schon einmal auf dem Bahnsteig einen Schlag mit dem Regenschirm auf den Rücken von einem männlichen Fahrgast, den ich zuvor auf das Rauchverbot in der U-Bahn hingewiesen hatte. Ein weiblicher Fahrgast spuckte mir einmal kurz vor dem Verlassen der S-Bahn ins Gesicht, nachdem ich sein Rauchen in der S-Bahn gerügt hatte. Diese Fälle haben mich aber nicht davon abgehalten, dort einzugreifen, wo es Regelverletzungen – nicht nur das Rauchen betreffend – gibt, deren wortlose Duldung langfristig zu Verhaltensweisen führt, die nur schwer wieder zu ändern sind. Für einen Studenten aus Ostafrika ist es viel schwerer als für mich als Einheimischen, einem Regelverstoß zu begegnen. Um so mehr Hochachtung habe vor dessen Zivilcourage. egk

 

Rauchfrei-Siegel für vorbildliche Filme

Das AKTIONSBÜNDNIS NICHTRAUCHEN zeichnete den Fernsehfilm "Charlotte und ihre Männer" mit Marianne Sägebrecht und die ZDV-TV-Serie Wilsberg mit Leonard Lansik mit dem Rauchfrei-Siegel 2006 aus. "Produktionen, die auf rauchende Charaktere verzichten oder Raucher nicht zu positiven Rollenmodellen stilisieren, helfen dabei, das Nichtrauchen als den gesellschaftlichen Normalzustand darzustellen", betonte die Präsidentin der Deutschen Krebshilfe, Dagmar Schipanski. Regisseur Dirk Kummer legte Wert darauf, dass außer Marianne Sägebrecht auch alle Schauspieler in Nebenrollen und die Komparsen rauchfrei agieren: "In den Händen eines Schauspielers entfaltet die Zigarette auch eine große Anziehungskraft – insbesondere auf Jugendliche". Und Leonard Lansink hebt hervor: "In der TV-Serie Wilsberg gehört es zu unserer Strategie, ganz bewusst auf das Rauchen zu verzichten".

 

Rauchfrei baden in Kaiserslautern und Reichshof

Die monte mare Unternehmensgruppe hat ihre Bäder in Kaiserslautern (Pfalz) und im westfälischen Reichshof zu rauchfreien Bädern erklärt. Nicht nur im Bereich der Wasserbecken und der Sauna, sondern auch in den Gastronomiebereichen ist das Rauchen seit 15. September bzw. 1. Oktober 2006 tabu. Zur Begründung erklärt der Marketingleiter Jörg Zimmer: " Wir hatten neutral abzuwägen, welche der beiden berechtigten – allerdings gegensätzlichen – Interessen der Raucher und Nichtraucher für uns als Betreiber die größere Schutzwürdigkeit besitzt". Im Vorgriff auf die zu erwartenden gesetzlichen Neuregelungen hat man nun die Innenbereiche der beiden Freizeitbäder zu rauchfreien Zonen erklärt – sicher eine gute Entscheidung.

 

Gespräch mit dem Allergie- und Asthmabund

Für den 12. Oktober 2006 hat der Deutsche Allergie- und Asthmabund e.V. namhafte Organisationen aus dem Gesundheitsbereich, Krankenkassen, und Politiker, aber auch Vertreter des Dehoga und Gastwirte, die schon rauchfreie Lokale betreiben, zu einem Gespräch am runden Tisch im Europa-Hotel in Ludwigshafen eingeladen. Mit dabei ist auch die NID, die durch Horst Keiser, den Vorsitzenden der Nichtraucher-Initiative Wiesbaden, vertreten wird. Es geht um Wege zu einem wirksamen Nichtraucherschutz besonders für jenen Teil der Bevölkerung, der unter Atemwegserkrankungen leidet.

 

Kosten und Nutzen schulischer Tabakprävention 
Eine Evaluation am Beispiel "Be smart - Don't start"

Die Arbeit von David Hoeflmayr gründet sich auf eine Dissertation an der Universität Hamburg. Sie ist gegenwärtig, da bundesweit um die Durchsetzung rauchfreier Schulen gerungen wird, eine wichtige und wertvolle Argumentationshilfe zugunsten einer frühzeitigen umfassenden Tabakprävention. Generelle Rauchverbote an Schulen können die gesundheitserzieherische Arbeit nicht ersetzen. Beide Einflussbereiche sind im Sinne eines doppelgleisigen Vorgehens notwendig, um erfolgreiche Präventionsarbeit zu leisten.

Häufig wird Prävention unter dem Vorwand einer ungünstigen Kosten-Nutzen-Relation als vernachlässigbar abgetan. Vorliegende Arbeit versucht erstmalig, ein schulisches Präventionsprogramm nach dem Kosten-Nutzen-Effekt zu bewerten. Ausgangspunkt dafür sind die hohen ökonomischen Kosten des Rauchens. "Allein die Kosten für die medizinische Behandlung und Arbeitsausfälle belaufen sich in Deutschland auf 16,6 Mrd. € pro Jahr" (zit. nach Ruff et al. 2000).

Der Autor kann in seiner Kosten-Nutzen-Analyse für das schulische Tabakpräventionsprogramm "Be smart – Don't start" eine erfreulich positive Bilanz ziehen. Gesamtkosten von ca. 5,9 Mio. € steht ein Gesamtnutzen von etwa 20,9 Mio. € gegenüber. Wie er selbst einschätzt, liegen die Bewertungen eher zu niedrig als zu hoch. Als Nutzen zählen hier nur die Gesundheitskosten und nicht die Gesundheit selbst als persönlicher Wert. Über die eigentliche Fragestellung hinaus enthält die Arbeit eine Fülle von Aussagen zu den gesundheitlichen und ökonomischen Folgen des Rauchens, zum Rauchverhalten verschiedener sozialer Gruppen oder zum Ansatz und zur Wirksamkeit verschiedener Präventionsmodelle. Erörterungen zur Gesundheitsökonomie nehmen einen breiten Raum ein. Für den wissenschaftlich interessierten Leser ist das Buch eine wahre Fundgrube. Die zahlreichen Grafiken und Tabellen sind für jeden interessant, der sich in der Praxis mit Tabakprävention beschäftigt. Es kostet sicher einige Mühe, den theoretischen Überlegungen des Autors zu folgen, die Mühe aber wird mit erheblichem Erkenntnisgewinn belohnt.

Dr. Wolfgang Schwarz

David Hoeflmayr: Kosten und Nutzen schulischer Tabakprävention, Nomos Verlagsgesellschaft Baden-Baden, Gesundheitsökonomische Beiträge Band 49, 361 Seiten, broschiert, 69,00 €, ISBN 3-8329-1835-3.

 

Nichtraucherkids 

Im Schweitzerhaus Verlag ist das Buch Nichtraucherkids – Tipps und Tricks zum rauchfreien Leben, mit Ernährungs- und Bewegungstipps für coole Nichtraucher erschienen. Das von Gabi Kahl und der Autorin Karin Stritzelberger reichlich illustrierte kartonierte Buch wendet sich vor allem an Jugendliche. Beigefügt ist eine Autosuggestion-CD. Nichtraucherkids: 150 Seiten, 18,50 €, ISBN 3-939475-00-9, www.nichtraucher-kids.de.

 

Stabile Umsätze und gesicherte Arbeitsplätze 
nach Einführung der rauchfreien Gastronomie 

Die Kritiker einer rauchfreien Gastronomie behaupten immer wieder, dass nach der Einführung mit massiven Umsatzeinbußen und dem Verlust von zahlreichen Arbeitsplätzen zu rechnen ist. Objektive Daten aus anderen Ländern, die die Stabsstelle Krebsprävention des Deutschen Krebsforschungszentrums ermittelt und zusammengestellt hat (abrufbar unter www.tabakkontrolle.de), widerlegen diese häufig interessengeleiteten Behauptungen. Die wichtigsten Kernaussagen:

Nach der Einführung einer rauchfreien Gastronomie in Irland blieben die Umsätze in Restaurants, Bars und Pubs stabil. Eine ähnliche Entwicklung ließ sich auch für Norwegen feststellen. 

 Mit Nachdruck erklärte der irische Ministerpräsident Bertie Ahern am 12. Juli 2006: »Ich kann Ihnen versichern, dass in Irland kein einziges Pub wegen finanzieller Verluste durch das Rauchverbot schließen musste.« 

 In Irland konnten nach Einführung einer rauchfreien Gastronomie zusätzliche Arbeitsplätze in Hotels und Restaurants gewonnen werden. ? 98 Prozent der irischen Bevölkerung (darunter 94 Prozent der Raucher) bezeichneten die Gesetzesinitiative als eine positive Maßnahme zur Förderung der öffentlichen Gesundheit.

 Beobachtungen aus den USA belegen auch langfristig positive ökonomische Auswirkungen durch eine rauchfreie Gastronomie. ? In Kalifornien konnten nach der Einführung rauchfreier Restaurants (1995) und rauchfreier Bars (1998) bis zum Jahr 2005 rund 245.000 neue Arbeitsplätze in der Gastronomie geschaffen werden.

 In New York wurden seit der Einführung des „New York State’s Clean Indoor Air Act“ (Juli 2003) bis Juli 2005 über 36.000 neue Arbeitsplätze in der Gastronomie geschaffen. 

 Die vorliegenden internationalen Erfahrungen zeigen, dass nach der Einführung einer rauchfreien Gastronomie stabile Umsätze und gesicherte Arbeitsplätze die Folge sind. Darüber hinaus findet sich auch in der Bevölkerung eine mehrheitliche Zustimmung für eine rauchfreie Gastronomie. Umfragen aus Ländern mit rauchfreien Bars und Restaurants belegen sogar eine steigende Zustimmung nach der Umstellung. 

Die Autoren kommen zu folgender Schlussfolgerung

Die Einführung einer rauchfreien Gastronomie führt zu keinen Umsatzeinbußen und zu keinem Abbau von Arbeitsplätzen. In vielen Ländern steigen stattdessen Umsätze, Gewinne und Beschäftigung. Zu diesen Ergebnissen kommen internationale Untersuchungen aus Europa wie auch aus den USA. Ferner zeigt sich auch in der Bevölkerung eine mehrheitliche Zustimmung für eine rauchfreie Gastronomie, die nach Einführung der Gesetzesinitiative weiter ansteigt. Alle Behauptungen von Kritikern rauchfreier Bars und Restaurants können demnach widerlegt werden: Gesetzliche Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter und Gäste vor Passivrauchen haben keine nachteiligen wirtschaftlichen Konsequenzen zur Folge.

 

Großbritannien: 
Tom und Jerry rauchen nicht mehr

Die Beschwerde eines Fernsehzuschauers führte zu einer Untersuchung durch die zuständige Aufsichtsbehörde Ofcom. Diese kam zu dem Ergebnis, dass der Kater Tom in mehreren Episoden der Serie mit Glimmstängel auftritt, ohne dass der Tabakkonsum verurteilt wird. So raucht Tom in einer Szene des US-Comic-Klassikers eine selbst gedrehte Zigarette, um damit eine Katze zu beeindrucken. In einer anderen Szene pafft Toms Gegner in einem Tennismatch eine dicke Zigarre. Der Kinderkanal Boomerang erklärte sich damit einverstanden, strittige Raucherszenen künftig aus "Tom und Jerry" herauszuschneiden. "Wir stellen fest, dass das Rauchen in 'Tom und Jerry' häufig als Stilelement genutzt und nicht verurteilt wird", erklärte Ofcom. Der Zeichentrickfilm sei in den vierziger bis sechziger Jahren gedreht worden, als Rauchen gesellschaftlich noch nicht umstritten war. Aus heutiger Sicht seien die Hürden jedoch höher, um die Darstellung von Raucherszenen in Filmen zu rechtfertigen. www.org.at, 22,8.06

USA/Spanien:
Rauchfreie Strände in Kalifornien und Spanien

Das Rauchverbot in öffentlichen Gebäuden und Restaurants in Kalifornien wird auch auf die meisten Strände ausgeweitet – mit zum Teil drastischen Strafen. Seit 2003 haben 19 Kommunen und Küstenorte Rauchverbotsschilder an ihren Stränden aufgestellt. In der Ortschaft Morro Bay droht denjenigen, die trotzdem rauchen, im Wiederholungsfall eine Strafe von bis zu 1 000 Dollar (rund 800 Euro). Die meisten Kommunen begnügen sich jedoch mit 100 Dollar. Mangels Verstößen bleiben die Einnahmen aus dieser Art von Straftaten jedoch sehr gering.

Während sich in Kalifornien rauchfreie Strände schon fast überall durchgesetzt haben, sind kippenlose Strände in Europa noch die Ausnahme. In Spanien, von Temperatur und Landschaft her am ehesten mit Kalifornien vergleichbar, beginnen aber immer mehr Orte zumindest für Teile des Strandes ein Rauchverbot zu verhängen, z.B. in L'Escala (Katalonien).

Völlig gegen den Trend handelt man auf Mallorca. Um der Flut der Zigarettenstummel, welche die Raucher üblicherweise in den Sand werfen, Herr zu werden, hat die Inselregierung 600 000 Strand-Aschenbecher angeschafft, die künftig neben Liegestühlen und Sonnenschirmen in den Boden gepflanzt werden sollen – und zwar von den Rauchern, die sich diese Aschenbecher kostenlos aus Automaten am Strand holen sollen. Das Wohlergehen der Nichtraucher scheint auf Mallorca völlig nebensächlich zu sein.

Wer an deutschen Küsten rauchfrei Urlaub machen will, findet dazu an der Ostsee Gelegenheit. In Langeoog gibt es z.B. schon rauchfreie Strandabschnitte von 100 Metern Länge. www.tagblatt.ch, 29.6.06

 

Wortschatz zum Rauchen Englisch-Deutsch 

Jochen Lüders, Lehrer und Mitglied der Nichtraucher-Initiative München bietet auf seiner Webseite 14 Fotos von Zigarettenschachteln mit englischen Warnhinweisen mit Übersetzung ins Deutsche an: www.jochen-lueders.de/vocab.htm#Gesundheit. Hier ein Beispiel

  

Rauchen reduziert die Durchblutung und verursacht Impotenz

 

Rauchverbot an Schulen zeigt Wirkung 

Das Rauchverbot an den Hamburger Schulen zeigt Wirkung. Vor allem jüngere Schüler fangen deutlich seltener mit dem Tabakkonsum an, seitdem dieser auf den Schulhöfen und in den Pausenhallen untersagt ist. "Die Zahl der 14- bis 15-jährigen Neukonsumenten von Zigaretten hat sich praktisch halbiert", erklärte die Schulsenatorin Alexandra Dinges-Dierig. Vor den Sommerferien 2005 hätten über 35 Prozent der 14- bis 15-Jährigen geraucht, Danach waren es nur noch 18,4 Prozent, wie eine Umfrage unter 3 000 Hamburger Schülern ergab. Bei den 16- und 17-Jährigen war das Verhältnis 45 zu 35 Prozent.

 

Rauchverbot im Fußballstadion 

Vom 22. September an gilt in den Langnese-Familienblöcken und anderen Blöcken der Südkurve im Oberrang des Borussia-Park in Mönchengladbach ein Rauchverbot. Auf der Webseite www.borussia.de wird diese Entscheidung nicht der öffentlichen Diskussion zugeschrieben, sondern damit begründet, dass der Verein mit gutem Beispiel voran gehen möchte. "Im Langnese-Familienblock sind natürlich viele Kinder bei unseren Spielen anwesend. Deshalb haben wir uns zum Schutze der Jugend zu einem Rauchverbot in den betreffenden Blöcken entschieden", erklärt der Geschäftsführer der Borussia VfL 1900 Mönchengladbach GmbH, Stephan Schippers. Ein erster Schritt zum völlig rauchfreien Stadion.

 

Parteispenden der Tabakindustrie 

Den Rechenschaftsberichten der Parteien nach spendete der Tabakkonzern Philip Morris von 2002 bis 2004 folgende Summen: 56 700 Euro an die CDU, 47 950 Euro an die SPD, 41 720 Euro an die CSU und 32 450 Euro an die FDP. Ins Auge fällt, dass – gemessen an ihrem Stimmenanteil bei den Wahlen – besonders CSU und FPD unverhältnismäßig viel Geld von der Tabakindustrie erhielten. Die Grünen gelten offensichtlich nicht als ernsthafte Ansprechpartner für Spenden aus dem Alltagsdrogengeschäft. Bei der Bewertung der Parteispenden ist zu beachten, dass im Rechenschaftsbericht nur Spenden ab 10 000 Euro namentlich aufzuführen sind. Ein geldwerter Vorteil bietet sich den Parteien außerdem dadurch, dass sie bei Bundesparteitagen die Einrichtung der Presselounges mit umfangreicher Technik den Tabakkonzernen überlassen. taz, 22.9.06

 

Urteil gegen Lucky-Strike-Werbung 

Das Landgericht Hamburg hat dem Tabakkonzern BAT am 18. Juli 2006 (Az 407 O 57/06) verboten, gezielt Studenten mit dem Spruch "Sind Münzen wichtiger als Scheine?" zu umwerben. Die Werbung war nach Ansicht der Kammer geeignet, junge Menschen zum Rauchen zu veranlassen. Die Zeitschrift "UniSpiegel" richte sich gezielt an Studenten, von denen viele 19 bis 21 Jahre alt seien. Geklagt hatte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbV) – angestoßen vom Forum Rauchfrei, Berlin.

 

Geteilte Meinungen über den Film Thank you for smoking 

Für die einen ist er ein Film gegen die Tabakindustrie, andere sehen in ihm eher eine satirisch-komödiantische Kritik an der heutigen Werbung, und von einer dritten Gruppe kommen Äußerungen, die den Film als äußerst geschickte Public Relations zugunsten der Tabakindustrie erscheinen lassen. Letztere verweisen auf den Titel des Films, der den Zeitungs- und Zeitschriftenlesern suggeriert, dass sich hier jemand für das Rauchen bedankt. Denn viele Leute belassen es beim Lesen bei der Überschrift. Deshalb verwundert es nicht, wenn die Pressesprecherin des Verbandes der Cigarettenindustrie, Andrea Winkhardt, von einem "Klasse Film" spricht.

Im Film ist der Held, Nick Naylor, Chefpressesprecher der Tabakindustrie und sehr schlagfertig. Als er in einer Talkshow neben einen krebskranken Jungen gesetzt wird, sagt er, dass die Tabakindustrie kein Interesse haben könne, einen Kunden zu töten. Vielmehr sei es die Anti-Raucher-Liga, die seinen Tod will, damit sie Recht behalten könne. Nick ist hemmungslos und sexy. Er reiht sich ein in die Galerie von Massenmördern wie der Hunnenkönig Attila und Dschingis Khan. In der Runde der Kaufleute des Todes, wie sich die Lobbyisten der Alkohol- und Waffenindustrie nennen, mit denen er den Feierabend verbringt, wetteifert Nick darum, welche Branche für die meisten Toten sorgt. Die Frage ist nur, ob diese Satire so begriffen wird, wie sie von den Filmemachern gemeint ist.

 

Tabakverkauf im zweiten Quartal 2006

 

Tabak-

erzeugnis

Versteuerte

Verkaufswerte

Veränderung

zum Vorjahr

Versteuerte

Mengen

Veränderung

zum Vorjahr

Zigaretten

5,0 Mrd. €

– 2,1 %

23,6 Mrd. Stück

– 7,4 %

Zigarren und

Zigarillos

201,1 Mill. €

+ 26,3 %

1 405 Mill. Stück

+ 54,6 %

Feinschnitt

414,8 Mill. €

– 47,8 %

4 427 Tonnen

– 41,1 %

Pfeifentabak

25,7 Mill. €

+ 13,3 %

244 Tonnen

+ 8,9 %

Insgesamt

5,6 Mrd. €

– 7,3 %

 

 

Der gesunkene Verkaufwert ist vor allem auf das steuerliche Aus für den vorproportionierten Feinschnitt (so genannte Sticks) zurückzuführen. Für diese Steckzigaretten wird nach dem Urteil des EU-Gerichtshofs mit Beginn des 2. Quartals 2006 statt der ermäßigten Steuer für Feinschnitt der weitaus höhere Satz für Fertigzigaretten fällig. Offensichtlich ist ein Teil der früheren Steckzigarettenkäufer entweder auf Zigarillos umgestiegen oder hat das Rauchen aufgegeben. Zigarillos sind immer noch preiswerter als Zigaretten, doch ist die Bundesregierung durch eine EU-Richtlinie angehalten, diese Zigarillos bis Ende 2007 wie Zigaretten zu besteuern.

Die Verband der deutschen Rauchtabakindustrie behauptet, dass die Tabaksteuererhöhungen zu einem Anstieg der Produktfälschungen und des Schmuggels geführt habe. Echte Beweise kann er dafür jedoch nicht liefern.

 

Bundesgerichtshof
Warnhinweis gilt für alle Tabakprodukte
auch ohne ausdrückliche gesetzliche Pflicht

Der BGH teilte die Auffassung des klagenden Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), dass auch ohne eine ausdrückliche gesetzliche Verpflichtung der Warnhinweis im Interesse des Gesundheitsschutzes geboten ist. "Jede Form des Rauchens ist gefährlich, und das müssen die Verbraucher wissen," sagte Patrick von Braunmühl, stellvertretender Vorstand des vzbv. Mit seinem Urteil hob der BGH die Entscheidungen der beiden Vorinstanzen auf. Diese hatten einen Wettbewerbsverstoß verneint, weil das Lebensmittel- und Bedarfsgegenständegesetz (LMBG) keine Hinweispflichten für Tabakerzeugnisse enthält. Die Tabakprodukt-Verordnung schreibe Warnhinweise lediglich auf den Verpackungen vor. Auch die Werberichtlinien der Zigarettenindustrie enthalten lediglich für Zigaretten eine eindeutige Selbstverpflichtung zur Verwendung von Warnhinweisen in der Anzeigen- und Plakatwerbung. (BGH-Urteil vom 13. Juli 2006 unter Az I ZR 234/03)

 

Es muss doch noch möglich sein... 
Von Rauchern und Schwimmbad-Pinklern 

"Ein radikales Rauchverbot auch in der Gastronomie halte ich für falsch", sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, der "Passauer Neuen Presse". Zwar müssten Nichtraucher stärker vor den Gefahren des Mitrauchens geschützt werden. Deshalb solle es in öffentlichen Gebäuden ein Verbot geben. "Aber es muss doch möglich sein, dass sich Raucher in Gaststätten eine Zigarette anzünden können", hob er hervor. Besonders die letzten Worte veranlassten Dr. med. Lothar Erbenich vom Krankenhaus Waldfriede in Berlin zu folgenden Gedanken:

Volker Kauder hätte genauso gut formulieren können: "Es muss doch möglich sein, dass ich mich an den Rand eines belebten Schwimmbeckens stelle und einfach hinein pinkle!" Wie absurd ist doch für jedermann die Vorstellung, dass ein Schwimmbad in einen Pinklerbereich und einen Nichtpinklerbereich unterteilt wird. Allein bei der Vorstellung, im Nichtpinklerbereich zu schwimmen, überkommt einem der Ekel. Denn jedermann weiß, dass sich das verpinkelte Wasser aus dem Pinklerbereich mit dem sauberen Wasser aus dem Nichtpinklerbereich mischt. Doch genau das passiert zurzeit in der kompletten Gastronomie mit der Raumluft. Da helfen keine Nichtraucher- und Raucherbereiche. Da genügt es, wenn nur ein einziger Raucher eine einzige Zigarette anzündet.

Für alle Nichtraucher ist Kauders Forderung schlicht und ergreifend eine Zumutung, um nicht zu sagen ein Aufruf zur Körperverletzung. egk

 

Marathon365 gegen Krebs

Der 40-jährige Niederländer Richard Bottram läuft seit dem 30. Juli 2006 ein Jahr lang jeden Tag einen Marathon. Die Strecke führt ihn durch vierzehn europäische Länder. Mit seinem Projekt will er Spenden- und Sponsorengelder für die Erforschung von Medikamenten gegen Krebs und die Unterstützung von Menschen, die an Krebs erkrankt sind, sammeln.

Der Grund für sein "Projekt" ist die Erkrankung und der Tod seiner Lebensgefährtin Elise Bila. Im Juni 2004 diagnostizierten Ärzte bei ihr Lungenkrebs. Kurz danach schrieb diese in ihr Tagebuch: "In der Broschüre, die mir der Lungenspezialist gegeben hat, steht, dass Lungenkrebs zu 90% durch Rauchen verursacht wird. Auch ich hab in meiner Jugend ein paar Jahre kräftig geraucht, obwohl ich wusste, dass es nicht gut für mich ist. Ich muss gerade an meine Nichte und meinen Neffen denken, die Zigaretten immer 'Stinkerstengel' nennen. Aber die Frage ist ja nicht: Wie hast Du a+ngefangen, sondern viel mehr: Wie kommst Du wieder davon los?"

Elise Bila ist am 21. Juni 2005 im Alter von 37 Jahren gestorben. Ihre Eltern sollen starke Raucher gewesen sein. Näheres unter www.marathon365.org.

 

Günter Grünwald redet Klartext 

Der Kabarettist und Komiker Günter Grünwald sprach sich am 15. September 2006 in seiner Freitagscomedy, einer Mischung aus Kabarett, Stand-up Comedy und Satire, klar für rauchfreie Gaststätten aus. Er hielt den Befürwortern verqualmter Ungastlichkeit vor, den Nichtrauchern das Essen in den Gaststätten verleidet zu haben und außerdem nicht zwischen Passiv-Rauchen und Passiv-Schweinebratenessen unterscheiden zu können. Ein so deutliches Plädoyer für rauchfreie Gastlichkeit von einem beliebten Komiker ist sicher sehr selten und deshalb um so erfreulicher. Die nächsten Termine von Grünwald Freitagscomedy im Bayerischen Fernsehen: 13.10., 10.11. und 1.12.2006 jeweils 22:30 Uhr.

 

Der feine Max

Von allen Nichtraucher-Verbänden 
hält er sich stets streng distanziert. 
Die Mittel, die an Info-Ständen 
die Mitglieder oft gern verwenden, 
erscheinen plump ihm und borniert. 

Zwar stört ihn sehr das viele Rauchen 
in Gasthaus, Schule und Betrieb. 
Doch dass wir hier Vereine brauchen, 
die "anpöbeln" und "giftig fauchen", 
ist alles andre ihm als lieb. 

Er hält sich an die Wissenschaften, 
verkündet in gemessnem Stil, 
was diese an Erkenntnis schafften, 
in Worten dann zusammenstrafften - 
für viele weltfremd und steril ... 

Der feine Max will nicht kapieren, 
dass beides schwer ist von Gewicht: 
die Wissenschaft zu honorieren, 
jedoch auch nicht zu ignorieren 
die Sprache, die der Bürger spricht! 

Gerhard Sensenschmidt (11. August 2006)

 

Textfeld: 	Hubertus – Hotel Garni	Wolfratshauser Str. 53
	Haus für Nichtraucher	82067 Ebenhausen
	Ebenhausen/Isartal	Telefon 08178 -39 51 + Fax -78 521

 

    Nichtraucherhotel

      DIEKSEEHÖH

     Komfort-Ferien-Appartments,

     -Suiten und -Zimmer direkt am

      Dieksee mitten im Naturpark

          "Holsteinische Schweiz"

Selten findet man als Nichtraucher passende Urlaubsangebote. Anders in Malente, wo auch Sie als "Nichtraucher" im Hotel DIEKSEEHÖH zu Ihrem Recht kommen. In unserem reizvollen, direkt am See gelegenen Nichtraucherhotel kann man ungestört die wertvollsten Tage des Jahres genießen, ohne von lästigem Qualm behelligt zu werden. Zudem ist das Grundstück wasseraderfrei, bietet komfortable Ausstattung eines 3-Sterne-Hauses sowie eine große Terrasse mit direktem Blick auf den See. Wenn Sie Ihr Frühstück in Ihrem Zimmer genießen wollen, ist das ohne zusätzliche Kosten möglich. Wir freuen uns auf Sie!

Preise pro Person und Tag jeweils inklusive Frühstück:

Sommer:  Doppelzimmer 29,00 bis 47,00 € – Einzelzimmer 36,00 bis 63,00 €

Winter:     Doppelzimmer 24,00 bis 38,00 € – Einzelzimmer 29,00 bis 51,00 €

Jörg und Anne Schlusnus, Diekseepromenade 17, 23714 Bad Malente

Tel. 04523/9973-0  *  Fax 04523/9973-30

e-Mail: info@diekseehoeh.de  Internet: www.diekseehoeh.de

 

 

Terminkalender 


18. November 2006

Rauchfreie Tanzveranstaltung in Wiesbaden

20 Jahre Nichtraucher-Initiative Wiesbaden e.V.

Telefon 06122 2194 - Fax 06122 6357

21. Oktober 2006

Jahreshauptversammlung
Ärztlicher Arbeitskreis Rauchen und Gesundheit e.V. in Heidelberg

Telefon 089 3162525
www.aerztlicher-arbeitskreis.de


6./7. Dezember 2006

4. Deutsche Konferenz für Tabakkontrolle in Heidelberg

www.tabakkontrolle.de

 

Impressum

Das Nichtraucher-Info ist ein

Mitteilungsorgan der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen und die Öffentlichkeit.

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.

Erscheinungsweise: vierteljährlich

Herausgeber: NID-Vorstand
Prof. Dr. phil. Ludger Schiffler
Ernst-Günther Krause
Dr. paed. Wolfgang Schwarz

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

Anschrift:
Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim
Telefon: 089 3171212 - Fax: 089 3174047
E-Mail: nid@nichtraucherschutz.de
Internet: http://www.nichtraucherschutz.de

Konto: Postbank München - BLZ 700 100 80 - Konto-Nr. 192 445 803

Herstellung: Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos erscheint mit Beihefter.