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Gaststättenverband manipuliert Zahlen Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Dienstag, 21. Februar 2006
Dass Nichtraucherplätze nicht gleichbedeutend mit rauchfreien Plätze sind, ist offensichtlich. Etwas schwieriger ist es nachzuprüfen, ob sich die Zahl der Lokale mit Plätzen ohne Aschenbecher seit Ab-schluss der Vereinbarung spürbar erhöht hat. Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) bejaht dies. Doch sein Präsident Ernst Fischer hatte das schon Anfang des Jahres 2004 behauptet, dass das Gastgewerbe in Deutschland auf den Markt reagiert und bereits zahlreiche Angebote für Nichtrau-cher geschaffen hätte. Seine Feststellung stützte Fischer u.a. "auf eine repräsentativ durchgeführte Un-tersuchung eines renommierten Forschungsinstituts (Marktplatz Hotel, Anm. d.Verf.), bei der über 5.000 gastgewerbliche Unternehmer befragt wurden. Danach verfügen 39 % der befragten Restaurantbesit-zer/-betreiber und 41 % der befragten Barbetreiber über einen separaten Gastraum für Nichtraucher", wie die Dehoga-Mitarbeiterin Heike Lehmann in ihrer E-Mail vom 13. Februar 2004 schreibt.
Ein Jahr später schloss das Gesundheitsministerium eine Vereinbarung mit dem Dehoga, wonach bis 1. März 2006 30 Prozent aller Speisebetriebe 30 Prozent ihrer Plätze für Nichtraucher bereit halten sollen - obwohl doch schon Ende 2003 39 Prozent dieser Gaststätten über einen separaten Nichtraucherraum verfügt haben sollen. Die Barbetriebe, die doch schon laut Fischer zu 41 % über einen separaten Gastraum für Nichtraucher verfügt haben sollen, werden sogar ganz ausgeklammert.

Die Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) hatte in ihrer Vereinszeitschrift Nichtraucher-Info vom April 2004 dem Dehoga Manipulation vorgeworfen und 1.000 Euro ausgesetzt für die Person, die bis 1. Juli 2004 als erste in Deutschland eine Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnern findet, in der 4 von 10 Restau-rants oder 4 von 10 Bars einen separaten und uneingeschränkt für Nichtraucher bestimmten Gastraum anbieten. Niemand konnte den Nachweis führen.

Die NID hatte sich auch bereit erklärt, die Kosten für die Überprüfung der von dem Dehoga in Auftrag gegebenen Repräsentativstudie durch einen unter Eid stehenden Sachverständigen unter der Bedin-gung zu übernehmen, dass diesem sämtliche Umfrage-Unterlagen - also auch die Daten der befragten Betriebe - zur Verfügung gestellt werden. Von dem Dehoga kam jedoch keine Reaktion. Er befürchtete wohl die Aufdeckung seines Betrugs. Es handelt sich dabei um einen Betrug mit Auswirkungen auf die Gesundheit von Millionen Beschäftigten und Gästen. Jeder Tag ohne Nichtraucherschutz in der Gastro-nomie ist für zehntausende Beschäftigte und hunderttausende Gäste eine gesundheitliche Belastung, die zu Krankheit, Siechtum und frühen Tod führt.

Die NID fordert deshalb die Abgeordneten des Deutschen Bundestages auf, die Verbreitung des hochgiftigen Schadstoffgemisches Tabakrauch so zu regeln, dass die Bürger wirksam vor Tabakrauchimmissionen geschützt werden.

Ernst-Günther Krause geschäftsführender Vizepräsident
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 3. Oktober 2006 )