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Wissenschaftler im Dienst der Pharmaindustrie Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Mittwoch, 20. März 2013

Nikotin soll es auf Rezept geben

Am 20. März 2013 hält der Wissenschaftliche Arbeitskreis Tabakentwöhnung (WAT) seine 14. Frühjahrs-Tagung in Frankfurt am Main ab. Die "Finanzierung der Tabakentwöhnung" mit der Frage "Wo stehen wir in der Kostenerstattung der Behandlung der Tabakabhängigkeit?" steht zwischen 13 bis 17 Uhr auf der Tagesordnung (www.wat-ev.de). In halbstündigen Referaten einschließlich fünf Minuten Diskussion soll Druck auf den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) ausgeübt werden, die ärztliche Behandlung der Tabakabhängigen und die Nikotinersatztherapie (NET) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufzunehmen.

NET-Dank-Pharma.jpgGeld des Beitragszahlers

Das Eingangsreferat hält Mechthild Dyckmans (FDP), Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Sie hatte sich schon Ende letzten Jahres als Sprachrohr der Pharmaindustrie gezeigt, war aber von ihrem Parteikollegen, Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr, zurückgepfiffen worden. Dem war offensichtlich nicht wohl bei dem Gedanken, zum Jahreswechsel in den Medien sowohl als Lobbyist der Tabakindustrie als auch als Lobbyist der Pharmaindustrie zu landen. Doch beim WAT, einem sehr überschaubaren kleinen Kreis von Ärzten und Wissenschaftlern, die sich mit der Tabakentwöhnung beschäftigen, kann Dyckmans "das Geld des Beitragszahlers weiterhin freihändig verteilen", beklagt Ernst-Günther Krause, geschäftsführender Vizepräsident der Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID).

Verhältnis Aufwand zu Ertrag entscheidend

Für ihn ist die WAT-Tagung "eine reine Interessenveranstaltung mit dem Ziel, die Kosten der Nikotinersatztherapie der Allgemeinheit aufzuhalsen". Es lägen keine von der Pharmaindustrie unabhängigen Studien vor, die einen erheblichen Vorteil medikamentenunterstützter Tabakentwöhnung aufzeigen. "Darüber hinaus müssen Aufwand und Ertrag einer Therapie in einem akzeptablen Verhältnis zueinander stehen", betont Krause. Es gebe mehrere Entwöhnungsmethoden, die eine hohe Erfolgsquote bei geringen Kosten aufweisen.

So hatte zum Beispiel eine sechswöchige verhaltenstherapeutische Gruppentherapie der Universität Tübingen mit sechs Sitzungen à 90 Minuten für 130 € eine langfristige Erfolgsquote (ein Jahr) von 22 % gebracht. Die in der Studie ebenfalls angewendete Therapie mit einem Selbsthilfemanual, auch als "Bibliotherapie" bezeichnet, brachte es auf 19 %. In vielen Städten und Gemeinden bieten Volkshoch-schulen und Krankenkassen Raucherentwöhnungskurse an. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hält für entwöhnungswillige Raucher die Webseite www.rauchfrei-info.de bereit.

Gutachten der Pharmaindustrie

Die Autoren des Gutachtens "Raucherentwöhnung und Nikotinersatztherapie im deutschen Gesundheitssystem" sprechen von 20 % Erfolgsquote durch Nikotinersatztherapie. Die Autoren sind Prof. Dr. Uwe May, von 1995 bis 2011 Abteilungsleiter im Bundesverband der Arzneimittelhersteller, und Cosima Bauer, von 2005 bis 2011 Mitarbeiterin im Bundesverband der Arzneimittelhersteller. Frederic Grande, der dritte Autor, ist seit August 2012 Angestellter von May und Bauer.

Das 86-seitige Gutachten ist auf der Webseite www.may-bauer.de zu finden und in Kurzfassung unter www.monitor-versorgungsforschung.de (01/2013). Bezahlt hat es die "Initiative Raucherentwöhnung" (IR), ein Zusammenschluss der Hersteller von Nikotinersatzprodukten: GSK Consumer Healthcare, Johnson & Johnson und Novartis, organisiert im Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH). Die IR hat als Ziel ausgegeben, "die Akzeptanz der Raucherentwöhnung und der Nikotinersatztherapie zu stärken".

Ärzte und Arztpraxen ungeeignet für Raucherentwöhnung

"Tatsache ist, dass die meisten Arztpraxen weder von den Räumlichkeiten noch von der Einrichtung her für die Suchtbehandlung geeignet sind", erklärt Ernst-Günther Krause. Darüber hinaus wüssten Ärzte zwar viel darüber, wie organische Erkrankungen zu therapieren sind, besäßen aber im Allgemeinen nur wenig Kenntnis über die Behandlung von Suchterkrankungen. Krause prognostiziert, "dass die Arztpraxis bei Aufnahme der Nikotinersatztherapie in den Leistungskatalog der GKV zum Schnelldurchgangsort für die Ausstellung von Nikotin-Rezepten werden würde". Die Behandlung der Tabakabhängigkeit gehöre in die Hände von Spezialisten (Nikotintherapeuten), die nicht dem ärztlichen Berufsstand angehören müssen. "Wer Karies hat, geht zum Zahnarzt und nicht zum Hausarzt." Die NID sieht regionale Entwöhnungszentren als beste Möglichkeit, den mehr als 50 Prozent Rauchern, die sich von ihrer Nikotinabhängigkeit befreien wollen, eine effektive Unterstützung zu geben.

Für die Tabakentwöhnung muss die Tabakindustrie aufkommen

Nicht die Solidargemeinschaft der Krankenversicherten stehe in der Pflicht, Tabakentwöhnung zu bezahlen, sondern die Tabakindustrie, erklärt Krause. Seine Begründung: "Die Tabakindustrie profitiert vorrangig vom Verkauf von Produkten, die süchtig machen. Sie hat die Suchtwirkung ihrer Produkte durch Zusätze und spezielle Verfahren auf das Niveau mancher illegaler Drogen gesteigert." Das schließe nicht aus, auch von den Rauchern einen Beitrag einzufordern. "Eine finanzielle Beteiligung stärkt die Motivation durchzuhalten. Ein 40-jähriger Raucher, der bis zu seinem 70. Geburtstag nicht mehr raucht, spart bei einer Schachtel Zigaretten am Tag mehr als 50.000 Euro."

Ernst-Günther Krause
Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 21. März 2013 )