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Tabakrauch – gesundheitsschädlich auch im Freien Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Dienstag, 12. Januar 2016
Tabakrauch löst sich im Freien weder rasch auf, noch verdünnt er sich gravierend. Aufnahmen eines Kamerateams von PLAN-BILD zeigen das auf eindrucksvolle Weise. Im Scheinwerferlicht sind die Rauchschwaden vor dunklem Hintergrund auch noch in mehreren Metern Entfernung von der Rauchquelle deutlich zu erkennen: https://www.youtube.com/watch?v=sYwcPiZDdYA (Video: 4:58 Minuten).


"Die Gesetze der Physik und Chemie gelten auch für Tabakrauch", erklärt Ernst-Günther Krause, geschäftsführender Vizepräsident der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V., "Die etwa 1.000 Grad Celsius heiße Glutzone an der Zigarette erwärmt die umgebende Luft. Diese dehnt sich aus und steigt zusammen mit dem Tabakrauch nach oben oder wird von Seitenwinden und Luftwirbeln in alle Himmelsrichtungen getragen."

Krause verweist auf eine Gruppe von Wissenschaftlern, die in der japanischen Großstadt Kobe die Luftbelastung durch Tabakrauch im Freien gemessen hat (1). Noch im Abstand von 4, 11, 18 und 25 Metern zur Rauchquelle hätten sie Feinstaubkonzentrationen festgestellt, die um ein Vielfaches über den Werten für tabakrauchfreie Luft liegen.

Eine Erklärung dafür liefern Wissenschaftler der ETH Zürich (2). Sie ermittelten, dass 3.000 Kubikmeter Frischluft erforderlich sind, um den Tabakrauch einer Zigarette so zu verdünnen, dass er keine Reizungen mehr verursacht. "3000 Kubikmeter sind ein quadratischer Raum mit 32 Metern Seitenlänge und 3 Metern Höhe ", verdeutlicht Krause. Soll der Tabakrauch einer Zigarette nicht mehr wahrzunehmen sein, sind zur Verdünnung sogar 19.000 Kubikmeter Frischluft nötig.

Tabakrauch besteht aus einer Vielzahl fester und gasförmiger Partikel. Die festen Partikel können mit einem Feinstaubmessgerät erfasst werden – auch dann, wenn sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind, denn die meisten Partikel des Tabakrauchs messen nur ein bis zwei Millionstel Meter. In dieser Größe sind sie lungengängig und deshalb besonders gefährlich.

"Alle diese Daten belegen, dass Tabakrauch auch im Freien selbst in größerer Entfernung von der Rauchquelle noch eine gesundheitsschädliche Konzentration aufweisen kann", resümiert Krause und zitiert eine Stelle aus dem Tabakatlas 2015 des Deutschen Krebsforschungszentrums (3). Danach können "Kanzerogene bereits in geringsten Mengen Krebs erzeugen. Für Tabakrauch kann deshalb kein Grenzwert festgelegt werden, unterhalb dessen keine Gefährdung für die Gesundheit anzunehmen ist."

Diese Erkenntnis trifft auch auf Tabakrauch im Freien zu. Wenn Tabakrauch zu riechen ist, befinden sich in der eingeatmeten Luft auch zahlreiche gesundheitsschädliche Substanzen. Dazu stellt der Bundesgerichtshof in seinem Urteil vom 16. Januar 2015 zum Rauchen auf dem Balkon fest: "Gesundheitsschädliche Immissionen durch Tabakrauch sind wesentliche Beeinträchtigungen, die nicht geduldet werden müssen. (...) Sie überschreiten stets die Grenze dessen, was der beeinträchtigte Mieter hinzunehmen hat."

Literatur:

1  Yamato Hiroshi, Mori Nagisa, Horie Rumi, Gracon Loic, Taniguche Miholko, Armada Francisco: Designated Smoking Areas in Streets Where Outdoor Smoking is Banned, Kobe Journal of Medical Sciences, http://www.who.int/kobe_centre/publications/SFC-DSA/en/

2  Junker Martin et al: Acute sensory responses of nonsmokers at very low environmental tobacco smoke concentrations in controlled laboratory settings, in: Environmental Health Perspectives Bd. 109, Nr. 10, Oktober 2001, S. 1045 – 1052, http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC1242082/pdf/ehp0109-001045.pdf

3  Deutsches Krebsforschungszentrum (Hrsg.): Tabakatlas Deutschland 2015, ISBN 978-3-95853-123-9, https://www.dkfz.de/de/tabakkontrolle/download/Publikationen/sonstVeroeffentlichungen/Tabakatlas-2015-final-web-dp-small.pdf
Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 12. Januar 2016 )