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Die volkswirtschaftlichen Kosten des Tabakkonsums kurzgefasst Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Mittwoch, 4. Oktober 2006
Die medizinische Wissenschaft hat sich bisher weitgehend nur mit den Kosten des Rauchens für die Sozialversicherung beschäftigt. Es gibt dabei viele unterschiedliche Ansätze und vor allem eine große Zahl von Einflussgrößen, für die Schätzungen notwendig sind, da nicht hinreichend handfeste Daten vorliegen. Kein Wunder also, dass zum Teil recht unterschiedliche Ergebnisse herauskommen. Die im August 1998 veröffentlichte Studie des Bundesamtes für Gesundheit der Schweiz kommt zu dem Ergebnis, dass die Kosten des Tabakkonsums bei 2,7 Prozent des Sozialprodukts liegen.

Alle diese Studien versuchen, den Anteil des Rauchens an verschiedenen Krankheiten (zwischen 5 und 22) kostenmäßig zu erfassen. Nur ein Teil der Studien schließt die Tatsache mit ein, dass Menschen, die länger leben, gerade im Alter höhere Kosten verursachen.

Aus meiner Sicht führen diese Ansätze nicht weiter. Sie verheddern sich in einer Unzahl von Faktoren und erfassen doch nur einen Teil der Auswirkungen des Tabakkonsums. Beispielsweise beschäftigt sich keine Studie mit den kostenmäßigen Auswirkungen des Passivrauchens auf Kinder und Erwachsene. Nach den Erfahrungen des Lungenspezialisten Prof. Dr. Ulrich Hüttemann, Universität Göttingen, ist zum Beispiel das kindliche Asthma, sofern es nicht erbmäßig bedingt ist, in fast allen Fällen auf das Passivrauchen zurückzuführen.


Mein Ansatz beruht auf drei Faktoren: die Krankheitshäufigkeit, die Frühinvalidität und die Übersterblichkeit, die durch Rauchen verursacht werden. Für alle drei gibt es hinreichendes Zahlenmaterial vom Statistischen Bundesamt und von Lebensversicherungen. Darüber hinaus festigen die Ergebnisse vieler medizinisch-epidemiologischer Studien die Schlussfolgerungen.

Grundfrage ist: Um welchen Betrag verringert der Tabakkonsum das Sozialprodukt? (hier als Bruttoinlandsprodukt: Gesamtwert aller Sachgüter und Dienstleistungen, die im Inland produziert bzw. erbracht wurden)

Auf der Basis von 1997 (die Zahlen aus früheren Vorträgen über die volkswirtschaftliche Bedeutung des Tabakrauchens beziehen sich auf 1991 bzw. 1992 und auf das frühere Bundesgebiet) ergeben sich daher folgende Zahlen:

Raucher sind im erwerbsfähigen Alter laut einer Umfrage des Statistischen Bundesamtes vom Mai 1992 um den Faktor 1,3 häufiger krank als die Nichtraucher. Da bei insgesamt 35,805 Millionen Erwerbstätigen ein Erwerbstätiger 1997 mit rund 100.000 Mark an der Erarbeitung des Bruttoinlandsprodukts (3,64 Billionen Mark) beteiligt ist, verringert sich dieses aufgrund der durch Rauchen verursachten Arbeitsunfähigkeitstage (386.000 Mannjahre Ausfallzeit) um etwa 38 Milliarden DM.

Fünf Jahre Frühinvalidität durch Rauchen (so die Bundesregierung 1974) vermindern - bei rund 100.000 von 283.000 Zugängen 1996 - das Bruttoinlandsprodukt um mindestens 50 Milliarden Mark.
Die Übersterblichkeit bei Rauchern von 1,8 (Schweizer Rückversicherung) bei einem Ausfall von 5 produktiven Jahren führt zu einer Senkung des Bruttoinlandsprodukts um mindestens 15 Milliarden DM. Nach Peto, Lopez u. a. verlieren Raucher, die im Alter von 35 bis 69 Jahren sterben, im Durchschnitt 21 Lebensjahre.

Kurz gefasst: Durch Rauchen verursachte Krankheitshäufigkeit, Frühinvalidität und Übersterblichkeit vermindern das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um mehr als 100 Milliarden DM.

Wer krank oder frühinvalide ist bzw. früher stirbt, kann keine Leistung erbringen, also kein Auto herstellen, keinen Passagier befördern oder keinen Kunden beraten.

Betrachtet man die betriebswirtschaftliche Seite des Rauchens, so kommt man nicht umhin festzustellen, dass den Unternehmen durch Entgeltfortzahlung bei Arbeitsunfähigkeit für kranke Raucher (Lohnneben-)Kosten in Höhe von mehr als 10 Milliarden DM entstehen. Dabei ist noch gar nicht berücktsichtigt, dass auch ein spürbarer Betrag an Entgeltfortzahlung für kranke Passivraucher anfällt. Hinzu kommt, dass diese Ausgaben ohne jegliche Gegenleistung entstehen.

Rauchen kommt uns teurer, als wir denken! Dieses Motto des Weltgesundheitstages von 1995 drückt aus, dass leider vielen Menschen zu wenig die ökonomischen Auswirkungen des Rauchens bewusst sind.

Ernst-Günther Krause

Diplom-Handelslehrer

Der Verfasser ist seit 1988 geschäftsführender Vizepräsident der Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V.