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Passivrauchen und Lungenkrebsrisiko Drucken E-Mail
Veröffentlicht von Ernst-Günther Krause   
Mittwoch, 4. Oktober 2006
Deutsches Krebsforschungszentrum

Stiftung des öffentlichen Rechts
Passivrauchen und Lungenkrebsrisiko
Während der ursächliche Zusammenhang von Tabakrauchen und Entstehung von Tumoren der Lunge und anderer Organe eindeutig feststeht, ist seit den ersten Berichten über einen möglichen Zusammenhang zwischen Lungenkrebsrisiko und Passivrauchen im Jahre 1981 dieses Thema weiter epidemiologisch beforscht und intensiv debattiert worden. Ende der 80er Jahre sind einige Übersichtsarbeiten erschienen, in denen versucht wurde, die epidemiologische Evidenz zusammenzufassen. Je nach Zeitpunkt dieser Übersicht haben die entsprechenden Autoren über 10 Fall-Kontroll-Studien und bis zu vier Kohortenstudien betrachten können. Eine synoptische Betrachtung der Resultate einzelner epidemiologischer Studien beinhaltet eine detaillierte Bewertung der jeweils angewandten epidemiologischen Methoden und eine qualitativ oder auch quantitativ gewichtete Zusammenfassung der beobachteten Effekte (ausgedrückt als relatives Lungenkrebsrisiko von gegenüber dem Passivrauchen exponierten Personen verglichen mit nicht exponierten).

Aus allen Zusammenstellungen ist erkennbar, daß die vorgestellten Studien zum überwiegenden Teil Risikoerhöhungen bei Passivrauchexposition berichten, welche je nach Studiengröße und -anlage von unterschiedlicher statistischer Signifikanz ausfallen. Die Autoren der jeweiligen Zusammenfassungen diskutieren mögliche Erklärungen für die beobachteten Effekte. Dabei bleibt nicht aus, daß methodischen Aspekten, wie insbesondere der Validität der Expositionsbestimmung, unterschiedliches Gewicht beigemessen wird. In Würdigung sämtlicher Umstände gelangen die verschiedenen Autoren zu Einschätzungen, die sich nicht gegenseitig ausschließen, die sich aber in ihrer Art unterschiedlich lesen. Sie schwanken von der Einschätzung, daß der geschätzte Effekt durch Passivrauchen im Unschärfebereich der heutigen epidemiologischen Verfahren liegt, bis zur Aussage, daß ein kausaler Effekt sehr wahrscheinlich ist.

Die dabei diskutierte Frage der Validität fragebogenmäßig erhobener Informationen zur Passivrauchexposition hat zu einer Reihe von methodischen Untersuchungen geführt, in welchen Fragebogenangaben mit Untersuchungen zum Kotiningehalt im Urin gekoppelt wurden. Diese haben übereinstimmend gezeigt, daß fragenbogenmäßig erhobene Angaben zur Passivrauchanamnese als sehr valide eingeschätzt werden können, da sie gut mit den biochemischen Markern korrelieren.

Diese methodischen Schwierigkeiten und Probleme beachtend wurde in den USA eine weitere Fall-Kontroll-Studie zum Lungenkrebs bei nichtrauchenden Frauen durchgeführt, die in vielerlei Hinsicht methodisch besser und auch wesentlich größer als alle vorherigen Studien ist. Diese Studie zeigt mit großer Deutlichkeit einen klaren Anstieg des Lungenkrebsrisikos mit zunehmender Passivrauchexposition. Die Resultate dieser Studie stimmen qualitativ und quantitativ mit den zusammengefaßten Effekten aus den oben angesprochenen synoptischen Betrachtungen einzelner früher durchgeführter Studien überein und unterstützen eindeutig die in der Synopse ausgedrückten Sichtweisen, daß Passivrauchen mit einem erhöhten Lungenkrebsrisiko einhergeht.

Die epidemiologischen Daten werden aus toxikologischer Sicht zusätzlich gestützt durch den Nachweis vieler Schadstoffe im Nebenstromrauch, oft in höheren Konzentrationen als im Hauptstromrauch. Unter diesen in die Umgebungsluft abgegebenen Stoffen befinden sich auch gentoxische, krebserzeugende Substanzen wie z.B. polyzyklische Aromate, Nitrosamine und aromatische Amine, so daß eine Exposition trotz der stattfindenden starken Verdünnung als Gesundheitsrisiko betrachtet werden muß.

Die mit dem Passivrauchen einhergehende Erhöhung des Lungenkrebsrisikos ist sicherlich deutlich niedriger als die mit dem Aktivrauchen assoziierte. Andererseits ist die Exposition gegenüber Passivrauchen unfreiwilliger Natur und, abgesehen von möglichen Risiken für andere Tumorformen, mit vielen anderen störenden und gesundheitschädigenden Aspekten verbunden.

Aufgrund der vorliegend wissenschaftlichen Untersuchungen sieht das Deutsche Krebsforschungszentrum im Passivrauchen einen erkennbaren Risikofaktor für die Entstehung des Lungenkrebses und schätzt, daß in der BRD jährlich etwa 400 Lungenkrebstodesfälle bei Nichtrauchern auf Passivrauchen zurückzuführen sind.
Quantitative Betrachtung
Um eine quantitative Abschätzung durchzuführen, wieviel Lungenkrebstodesfälle bei Nichtrauchern pro Jahr in der Bevölkerung auf Passivrauchen zurückgeführt werden können, sind folgende Annahmen zu machen (die Berechnungen beziehen sich auf die Bundesrepublik Deutschland, inkl. neue Bundesländer):

Anzahl der Lungenkrebstodesfälle pro Jahr:

Männer: ca. 25.000; Frauen: ca. 5000. (siehe Referenzen A)

Anteil der Nichtraucher unter den Lungenkrebstodesfällen:


Männer: 2,5 = 625; Frauen: 25 % = 1.250. (siehe Referenzen B)

Prävalenz des Passivrauchens:

(Anteil p der Männer bzw. Frauen, die eine regelmäßige Exposition gegenüber dem Tabakrauch anderer Personen haben)

Männer: 50-70 %; Frauen: 60-80 %. (siehe Referenzen C)

Relatives Risiko für Passivrauchen:

Das Risiko für einen Nichtraucher mit Passivrauchexposition, an Lungenkrebs zu sterben, gegenüber dem Risiko eines Nichtrauchers ohne Passivrauchexposition ist um etwa das 1,4fache (RR = 1,4) erhöht. (siehe Referenzen D)

Aus diesen Angaben läßt sich der Anteil der Lungenkrebstodesfälle unter Nichtrauchern, der auf Passivrauchen zurückgeführt werden kann, schätzen. Dieser Anteil wird auch als attributables Risiko bezeichnet. Das attributale Risiko (AR) errechnet sich nach der Formel

AR = [p (RR - 1)] / [p (RR - 1) + 1]. (siehe Referenz E)

Unter Annahme von RR = 1,4 und einer mittleren Prävalenz für Männer von p = 0,6 und Frauen von p = 0,7 ergibt sich:

ARMänner = 20 %, ARFrauen = 22 %.

Für die Bundesrepublik Deutschland ergibt sich daraus eine geschätzte Anzahl von ca.

625 * 0,2 + 1.250 * 0,22 = 400 Lungenkrebstodesfällen bei Nichtrauchern pro Jahr,

die auf Passivrauchexposition zurückzuführen ist.

Eine Referenzliste kann angefordert werden beim Deutschen Krebsforschungszentrum, Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg


Nichtraucher-Initiative Deutschland - Carl-von-Linde-Str. 11 - 85716 Unterschleißheim

Letzte Aktualisierung ( Donnerstag, 5. Oktober 2006 )