Nichtraucher-Info Nr. 49 - I/03

Januar 2003


 Inhalt:

Presse zensiert sich beim Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz selbst

Die Änderung der Arbeitsstättenverordnung

Einladung zur Mitgliederversammlung

NID hilft bei Mobbing am Arbeitsplatz

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler (zum Tabakwerbeverbot)

72 Prozent für Tabakwerbeverbot

Nach der Flut (Spenden für nichtraucherfreundliche Gastronomie)

Studieren ohne Tabakqualm

E-Mail-Vernetzung für Protestaktionen

Bürgeranträge gegen Tabakwerbung

Änderung Tabakprodukt-Verordnung (Rauchen ist tödlich ...)

Tabak-Quartals-Statistik

Rauchfreie Clubnite in Passau

Wie komme ich zu einem rauchfreien Urlaub?

Gunst, Geschäft und Nächstenliebe

Goethe-Preis für David Byrne

Rüffel für Johannes Rau

Vermieter reinigte mit Chemikalien: Schmerzensgeld

Rauchen auf Balkon ist hinzunehmen

Werbung mit 'sicherem Erfolg' verboten

Tabakwerbung auf Schulgrundstück

amnesty international's unanständige Werbung

Tobias Moretti Pfeifenraucher des Jahres

Die Stützen der Tabakindustrie (Brückner, Adlkofer ...)

Mayer-Vorfelder - Alkohol und Nikotin-Ruine

Neue EU-Klage gegen US-Tabakkonzern

Griechenland: Rauchbeschränkungen

USA: Rauchverbot in New Yorker Gastrononomie

Großbritannien: 3200 Zigaretten zollfrei

Brasilien: Tabakpflanze im Wappen

Italien: Filme ohne Rauch

Welt-Nichtrauchertag 2003

Projektbüro Nichtraucherschutz und Tabakprävention

Nichtraucherschutz auf Bahnhöfen verbessert

Deutsche Post drückt sich beim Nichtraucherschutz

Lungenkrebs häufigste Ursache bei Thailands Mönchen

BADvertising

Terminkalender

Impressum

 

Änderung der Arbeitsstättenverordnung: 

Presse zensiert sich beim

Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz selbst!

Einen Tag nach der Veröffentlichung der Änderung der Arbeitsstättenverordnung am 2. Oktober 2002 im Bundesgesetzblatt trat der Nichtraucherschutz-Paragraf 3a in Kraft. Doch diese Tatsache, die für Millionen Arbeitnehmer und hunderttausende Betriebe jeder Größenordnung von enormer Bedeutung ist und über die die NID die drei wichtigsten Nachrichtenagenturen sowie viele größere Zeitungen informierte, wurde in der Presse bewusst verschwiegen. Warum?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Der Nichtraucherschutz-Paragraf gilt auch für Redaktionsräume. In diesen wird aber häufig und zum Teil auch sehr intensiv gequalmt. Logischerweise müsste dies dann der Vergangenheit angehören. Doch in einer Zeit, in der die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft arg nachlassen und Personal abgebaut werden muss, ist die Verbreitung von Nachrichten, die den Status quo am Arbeitsplatz ändern, nicht zweckdienlich. Da wird das Wort Pressefreiheit schnell so interpretiert, wie es in totalitären Staaten üblich ist: Veröffentlicht wird nur das, was den eigenen Interessen dient.

Über das Rauchverbot in New Yorker Restaurants, über die Beschränkung des Rauchens in Griechenland, über das Rauchverbot auf Parkbänken in einem kleinen, völlig unbekannten Ort in Kalifornien - um nur einige aktuelle Beispiele zu nehmen - wird zum Teil mehrspaltig berichtet, aber über das, was im eigenen Land geschieht, nur so lange, wie es opportun erscheint gegenüber dem Verleger, dem Chefredakteur oder den Kolleginnen und Kollegen. Das ist Selbstzensur pur.

Wenn Russlands Staatspräsident die Freiheit der Berichterstattung über den Terrorismus beschränkt, schreit die hiesige Presse auf. Doch wer sich in einem freien Land selbst zensiert, sollte sich zuerst an die eigene Nase fassen.

 

 

Die Änderung der Arbeitsstättenverordnung

Im Bundesgesetzblatt Jahrgang 2002 Teil I Nr. 70 Seite 3.777 bis 3.816 wurde am 2. Oktober 2002 die Verordnung zur Rechtsvereinfachung im Bereich der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes bei der Bereitstellung von Arbeitsmitteln und deren Benutzung bei der Arbeit, der Sicherheit beim Betrieb überwachungsbedürftiger Anlagen und der Organisation des betrieblichen Arbeitsschutzes veröffentlicht. Hier der Teil, der die Arbeitsstättenverordnung betrifft:

A r t i k e l 7

Änderung der Arbeitsstättenverordnung

 

Die Arbeitsstättenverordnung vom 20. März 1975 (BGBl. I S. 729), zuletzt geändert durch Artikel 6 des Gesetzes vom 24. August 2002 (BGBl. I S. 3.412), wird wie folgt geändert:

1. Die Inhaltsübersicht wird wie folgt geändert:

a) Nach der Angabe "§ 3 Allgemeine Anforderungen" wird folgende Angabe eingefügt:

"§ 3a Nichtraucherschutz".

b) Nach der Angabe "§ 31 Liegeräume" wird die Angabe "§ 32 Nichtraucherschutz" aufgehoben.

2. In § 1 Abs. 2 wird nach dem Wort "gilt" die Anführung ",abgesehen von § 3a," eingefügt.

3. Nach § 3 wird folgender § 3a eingefügt:

"§ 3a

Nichtraucherschutz

(1) Der Arbeitgeber hat die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die nichtrauchenden Beschäftigten in Arbeitsstätten wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt sind.

(2) In Arbeitsstätten mit Publikumsverkehr hat der Arbeitgeber Schutzmaßnahmen nach Absatz 1 nur insoweit zu treffen, als die Natur des Betriebs und die Art der Beschäftigung es zulassen."

4. § 32 wird aufgehoben.

Diese Verordnung trat am Tag nach der Verkündung, also am 3. Oktober 2002, in Kraft.

Informationen zur neuen Rechtslage enthält die Broschüre Nichtraucherschutz.de (siehe Kasten). Wer Schwierigkeiten bzw. Mobbing am Arbeitsplatz befürchtet, wenn er sein Recht auf Gesundheitsschutz wahrnehmen will, kann sich an die Nichtraucher-Initiative Deutschland wenden. Diese bietet an, als Mittler zwischen den betroffenen Arbeitnehmern und dem Gewerbeaufsichtsamt zu wirken.

 

Die Broschüre

 Nichtraucherschutz.de

bietet insbesondere  Informationen

zum   Nichtraucherschutz

am Arbeitsplatz

in der Wohnung

in der Gastronomie

an anderen Orten

Sie ist kostenlos erhältlich bei der

NID:  Carl-von-Linde-Str. 11

85716 Unterschleißheim

'  089 3171212  6  089 3174047

nid@nichtraucherschutz.de

und lokalen Nichtraucher-Initiativen

 

 

Mitgliederversammlung 2003

Die nächste ordentliche Mitgliederversammlung der Nichtraucher-Initiative Deutschland findet am

26. April 2003 um 14 Uhr in Oberwesel

statt. Am Tag darauf treffen sich die Nichtraucher-Initiativen zu ihrem traditionellen Informations- und Erfahrungsaustausch von 9 bis 13 Uhr am selben Ort.

Tagesordnung

1. Bericht des Vorstands

2. Bericht der Rechnungsprüfer

3. Diskussion und Entlastung des Vorstands

4. Künftige Strategien und Schwerpunkte

5. Verschiedenes

 

Wie in den vergangenen Jahren erstattet die NID den Teilnehmern die Hälfte des Preises für die Bahnfahrt oder die Hälfte der vom Finanzamt festgesetzten PKW-Kilometerpauschale.

Das Jugendgästehaus Oberwesel ist eines der modernsten Häuser des Deutschen Jugendherbergswerkes und steht auch Erwachsenen-Gruppen für Tagungen offen. Die NID hat einen Belegungsvertrag abgeschlossen. Wer an der Mitgliederversammlung teilnehmen und im Jugendgästehaus einmal oder mehrmals übernachten will, muss sich über die NID (siehe Kasten unten) anmelden.

Nähere Daten zum Tagungshaus

Anschrift:

Jugendgästehaus Oberwesel

Auf dem Schönberg

55430 Oberwesel

Anmeldung:

Nur über Gerhard Haußmann

Amselweg 13  -  89180 Berghülen

' 07344 7869  6 07344 921623

Preise pro Person (Vollpension):

im Doppelzimmer             29,80 €

im Einzelzimmer            38,40 €

Alle Zimmer sind mit Dusche/WC aus­gestattet. Im Haus befindet sich ein beheiz­tes Hallenschwimmbad. Rund um das Haus gibt es viele Wan­dermöglichkeiten.

Anfahrt:

Das Tagungshaus ist mit dem PKW erreichbar über die A61 (Koblenz-Ludwigshafen), Ausfahrt Laudert/ Oberwesel, dann weiter  bis zur Stadteinfahrt Oberwesel und der Be­schilderung folgend.

Bahnreisende fahren auf der Stre­cke Mainz-Koblenz bis Oberwesel. Von dort führt ein Fußweg zu dem mit Blick auf den Rhein gelegenen Ju­gendgästehaus. Wer vom Bahn­hof abgeholt werden will, teilt dies bitte bei der Anmeldung mit.

 

NID hilft bei Mobbing am Arbeitsplatz 

In vielen Betrieben haben es nichtrauchende Arbeitnehmer schwer, zu einer rechtskonformen Lösung zu kommen. Von den rauchenden Kollegen sind sie einem Mobbing ausgesetzt, das in manchen Fällen bis zum Straftatbestand der Androhung von Gewalt in Form von Schlägen oder gar des Mordes ("... machen wir dich kalt") reicht. Uneinsichtige Arbeitgeber deuten arbeitsrechtliche Maßnahmen (Kündigungen) an. Die Arbeitsmarktlage erleichtert es ihnen Druck auszuüben.

Leiharbeitskräfte haben es besonders schwer

Einen besonders schweren Stand haben die nichtrauchenden "Leiharbeitskräfte". Bis sie den Nichtraucherschutz durchgesetzt haben, sind sie entweder schon wieder woandershin abgeordnet oder als nicht vermittelbar eingestuft worden. Sie sollten der Leiharbeitsfirma deutlich machen, dass sie ihre Arbeitsleistung nur dann erbringen können, wenn die gesetzlichen Bestimmungen und insbesondere die des Paragrafen 3a Arbeitsstättenverordnung eingehalten werden. Dass sich das nicht jeder Arbeitnehmer offen leisten kann, liegt auf der Hand.

Aus diesen Gründen bietet die NID den betroffenen Arbeitnehmern an, das zuständige Gewerbeaufsichtsamt zu benachrichtigen, wenn sie zuvor den Sachverhalt schriftlich hinreichend geschildert haben. Ihr Name wird dabei geheimgehalten. Denn der Nichtraucherschutz greift unabhängig davon, ob nichtrauchende Beschäftigte sich durch Tabakrauch belästigt oder gesundheitlich beeinträchtigt fühlen oder nicht - so das Bayerische Landesamt für Arbeitsschutz, Arbeitsmedizin und Sicherheitstechnik in einer Darstellung der Änderung der Arbeitsstättenverordnung (www.lfas.de).

Die rechtliche Grundlage für einen wirksamen Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz ist vorhanden. Jetzt geht es darum, ihn auch in die Praxis umzusetzen. Jedes Gesetz kann seine Wirkung nur durch Menschen entfalten, die bereit sind, für die Durchsetzung zu kämpfen. Dafür brauchen sie die Unterstützung von Gleichgesinnten.

Aus einem Schreiben

an die NID:

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Polizeibeamter in Nordrhein-Westfalen und auf meiner Dienst­stelle gibt es mehr Raucher als "normale" Menschen. Der Schutz der Nichtraucher ist etwas, was auf unserer Dienststelle fehlt und von den Nichtrauchern dringend gewünscht wird. Aus diesem Grund bin ich an Informationen, Unterlagen, Tipps etc. sehr interessiert.

Mit freundlichen Grüßen

 

Der Polizeibeamte erhielt

das Informations-Set der NID und die Broschüre Nichtraucherschutz.de

 

Sehr geehrter Herr Bundeskanzler!

Zwei wichtige politische Entscheidungen sind Ende des Jahres 2002 gefallen. So billigten das Europäische Parlament und der EU-Ministerrat in Brüssel den überarbeiteten Entwurf der EU-Kommission für ein Tabakwerbeverbot. Die Einstellung der Tabakwerbung in Printmedien, Radio und Internet sowie das Verbot des Sponsorings großer Sportereignisse (z.B. Formel 1) fand in beiden Organen eine große Mehrheit. Ein paar Tage zuvor hatte in Berlin der Bundesrat der neuen Tabakprodukt-Verordnung zugestimmt.

Laut Grundgesetz haben Sie als Bundeskanzler die Richtlinienkompetenz und sind damit verantwortlich für alle politischen Entscheidungen ihrer Regierung. Weder die Tabakindustrie noch die Medien haben es Ihnen gedankt, dass Sie als einziger Regierungschef in der EU genauso wie ihr Vorgänger alles unternommen haben, um ein Tabakwerbeverbot zu verhindern. Seit der Bundestagswahl vom 22. September ist in den Printmedien kein freundliches Wort über Sie geschrieben worden. Es gibt also keinen Grund, Rücksicht auf - falsche - Freunde zu nehmen.

Sie, Herr Bundeskanzler, haben unabhängig davon alle Argumente auf Ihrer Seite: Ab Oktober 2003 müssen laut der nunmehr geltenden Tabakproduktverordnung alle Zigarettenpackungen abwechselnd einen der folgenden drei Warnhinweise enthalten: "Rauchen ist tödlich" oder "Rauchen kann tödlich sein" oder "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu" (die ersten beiden Hinweise alternativ). Menschenverachtend handelt eine Regierung, wenn sie sich für die Werbung für tödlich wirkende Produkte stark macht. Gewissenlos müssen Abgeordnete genannt werden, die Kinder und Jugendliche der Werbung für absolut gesundheitsschädliche Produkte aussetzen.

In allen EU-Staaten wird die Tabakwerbung zum Wohl der jungen Generation verboten - nicht so in Deutschland. Hier folgt man katzenbuckelnd der Tabakindustrie und einer kleinen Zahl von Unternehmen, die an der Tabakwerbung ein paar Euro verdienen. Sehr geehrter Herr Bundeskanzler, es ist zutreffend, dass sich die Oppositionsparteien CDU/CSU und FDP noch viel mehr als die SPD gegen ein Tabakwerbeverbot wenden. Das ist traurig - vor allem bei Parteien, die das Wort "christlich" im Namen führen. Verantwortungsvolle Politik ist vor allem eine Politik, die für die Nachkommen lebenswerte Verhältnisse schafft. Das können weder Zigarette noch Tabakwerbung. EGK

 

Nach der Flut 

Das Hochwasser in Sachsen bewirkte mit dem Rückgang der Flut zwei in diesem Ausmaß unerwartete Ereignisse: eine Flut von Solidaritätsbekundungen aus allen Teilen Deutschlands in Form tätiger Hilfe oder von Geldspenden sowie eine Flut von Stornierungen, die das Gastgewerbe sehr hart traf.

In der Nichtraucher-Pension Ulrich in Dresden wurden für die Monate August und September fast alle Buchungen storniert. Das Gästehaus Schütze am Klosterteichplatz, das als erste Pension in Dresden ausschließlich Nichtraucher beherbergte, wartete vergeblich auf Gäste. Im Nichtraucherhotel Privat ging die Auslastung von nahezu ausgebucht auf nahezu Null zurück.

Alle drei Nichtraucher-Häuser in Dresden blieben von der Wasserflut zum Glück verschont. Dennoch wurden sie wirtschaftlich sehr schwer getroffen. Ihre Betreiber haben die Unterstützung durch die Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V. dankbar zur Kenntnis genommen. Sie warten nun auf wieder steigenden Zuspruch von nichtrauchenden Gästen.

Lothar Richter, Inhaber des Nichtraucherhotels, vertraut auf die Anziehungskraft seines 3-Sterne-Superior-Hauses. Sein moralisches Empfinden wehrt sich dagegen, angesichts der immensen Flutschäden in anderen Häusern Spenden anzunehmen. Er bat darum, seinem Haus zugedachte Spenden dorthin zu geben, wo das Hochwasser direkt zugeschlagen hat.

Ein solches Haus fanden wir in Bad Schandau, dem Herzen der Sächsischen Schweiz. Die Pension Poliwania wird im Gastgeberverzeichnis 2002 Sächsische Schweiz als Nichtraucherpension geführt. Sie hat neun Gästezimmer mit sechzehn Betten, die aber nicht mehr vermietbar sind, weil das Hochwasser das gesamte Erdgeschoss und Teile der 1. Etage zerstört hat. Lieselotte Bahmann, die Inhaberin, setzt alles daran, neu im Frühjahr 2003 wieder Nichtraucher als Gäste empfangen zu können. Das Haus ist seit 1850 im Familienbesitz und steht unter Denkmalschutz. Die verquollenen alten Holztüren dürfen nicht einfach ersetzt werden. Sie sind aufwendig zu restaurieren.

Betroffen vom Umfang der Zerstörung und beeindruckt vom Optimismus der Inhaberin haben wir uns wohl auch im Sinne der Spender dazu entschlossen, der Pension Poliwania den Hauptanteil der eingegangenen Spenden zu überweisen.

Lieselotte Bahmann und Ilse Schwarz besichtigen den Schaden

Die Empfänger der Spenden sind den Spendern für ihre Hilfsbereitschaft sehr dankbar. Sie und die anderen Nichtraucherhotels und -pensionen würden sich freuen, künftig wieder mehr Gäste willkommen heißen zu können. Überzeugen Sie sich selbst, was Sachsen und seine nichtraucherfreundlichen Gastgeber in Stadt und Land zu bieten haben!

Dr. Wolfgang Schwarz

Ein herzlicher Dank den Spendern!

Hiermit möchte ich mich bei allen Spendern ganz herzlich für die Unterstützung in schwerer Zeit bedanken. Ich habe mich unsagbar gefreut. Jeder Euro hilft ein Stück weiter.

Es ist mein Elternhaus - im Jahr 1850 erbaut und unter Denkmalschutz stehend. Sieben Doppel- und zwei Einzelzimmer stehen den Gästen zur Verfügung.

Die Flut hat 80.000 Euro Schaden angerichtet. Es ist sehr schwierig, alles wieder so herzurichten, wie es war. Die Preise sind sehr hoch. Ich denke und hoffe, dass ich alles nach und nach schaffen werde. Meine Gäste sollen sich wieder wohlfühlen. Ostern 2003 werde ich voraussichtlich wieder öffnen.

Lieselotte Bahmann

Die Pension steht noch nicht im Gastronomieführer für Nichtraucher. Deshalb hier die Anschrift:

Pension Poliwania

Badallee 15

01814 Bad Schandau

' 6 035022 42403

PensionPoliwania@aol.com

www.Pension-Poliwania.de

 

Spenden bis 1. Dezember: 2.191 Euro Zwischen 20 und 501 Euro überwiesen 14 NID-Mitglieder bis Anfang Dezember 2002 zweckgebunden auf das Vereinskonto. Die Spender können sicher sein, dass ihre Spende voll und ganz an die am stärksten vom Hochwasser betroffenen rauchfreien Gastronomiebetriebe geht.

 

Volltreffer

Wir bedanken uns sehr herzlich für die Drucksachen des Info-Sets. Gleichzeitig bitten wir Sie um Ge­nehmigung, Inhalte aus Ihren Bro­schüren (mit Quellenangabe) über­nehmen zu dürfen. Wir beteili­gen uns am Schülerwettbewerb zur poli­tischen Bildung mit dem Thema "Nichtrauchen ist cool" und gestal­ten dazu in der Aula eine Stellwand. Außerdem wird das Thema Nicht­rauchen Schwerpunkt der nächsten Ausgabe unserer Schülerzeitung sein.

Arbeitsgemeinschaft

Schülerzeitung Volltreffer

Albert-Einstein-Volksschule Augsburg

 

Genehmigung gern erteilt!

 

Studieren ohne Tabakqualm

Am 6. November 2002 diskutierten 40 Teilnehmer in der Frankfurter Goethe-Universität bei einer Veranstaltung unter dem Titel "Die nicht WISSEN, was sie SCHAFFT - Perspektiven zur Lufthygiene an deutschen Hochschulen" Mittel und Wege, wie man den Nichtraucherschutz an den Universitäten verbessern kann. Beklagt wurde vor allem, dass sich viele Studierende erst durch Rauchschwaden in die mit einem Rauchverbot belegten Vorlesungs- und Seminarräume quälen müssten. Da der Tabakqualm die Eigenschaft hat, sich durch geöffnete Türen hindurch in andere Räume zu verbreiten, gebe es an den Universitäten für Studierende keine rauchfreien, sondern höchstens rauchärmere und rauchstärkere Zonen. Das Recht auf ein Studium ohne gesundheitliche Beeinträchtigung werde dadurch mit den Füßen getreten (siehe auch www.netgz.de).

Studierende, die sich für mehr Nichtraucherschutz an ihrer Universität einsetzen wollen, können sich bei NID-Mitglied Eric Manneschmidt registrieren lassen, am besten per E-Mail an eric.manneschmidt@gmx.de. Anfang 2003 erhalten sie dann per E-Mail - auf Wunsch auch schriftlich - Informationen darüber, wie sich der Nichtraucherschutz an der Uni am besten erreichen lässt.

 

E-Mail-Vernetzung für Protestaktionen 

Positive und übermäßige Darstellung des Rauchens im Fernsehen und in der Presse, himmelschreiende Verletzung des Nichtraucherschutzgebotes, perverse Aktionen der Tabakindustrie: Wer dagegen protestieren bzw. seine Meinung kundtun und dadurch etwas bewirken will, muss schnell handeln und viele Mitstreiter haben. Stefan Feltges vom Nichtraucher-Schutzbund Nordrhein-Westfalen ist bereit, alle Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen, die ihm ihre E-Mail-Adresse (evtl. auch Fax-Nummer) bekannt geben, über aktuelle Ereignisse zu benachrichtigen - zum gemeinsamen, vielfältigen Protest. Wer von einem protestwürdigen Ereignis erfährt, sollte ihn umgekehrt auch darüber informieren: Stefan Feltges, Remscheider Str. 65, 51103 Köln, Stefan.Feltges@t-online.de.

 

Bürgeranträge gegen Tabakwerbung - eine vorläufige Bilanz

Nach der Zwischenbilanz der Bürgeranträge gegen Tabakwerbung auf kommunalen Werbeflächen im Nichtraucher-Info Nr. 44 möchte ich eine vorläufige Bilanz ziehen und mich bei allen Antragstellern beiderlei Geschlechts für ihre Mitarbeit herzlich bedanken.

Offensichtlich haben nicht alle Städte/Gemeinden die Anträge bearbeitet, denn von den über 60 Anträgen erhielt ich nur 44 Rückmeldungen, die in 4 Kategorien eingeteilt werden konnten:

6 Städte/Gemeinden bzw. Stadtbezirke (Bad Soden am Taunus, Berlin-Mitte, Berlin-Steglitz-Zehlendorf, Kleinrinderfeld, Laupheim, Langenau) teilten uns mit, dass sie in den letzten Jahren die Tabakwerbung auf ihren kommunalen Werbeflächen beendet haben (Laupheim und die zwei Berliner Bezirke zusätzlich die Alkoholwerbung).

7 Städte/Gemeinden haben beschlossen, bei Neuverträgen oder Folgeverträgen mit Werbefirmen keine Tabakwerbung mehr auf kommunalen Werbeflächen zu gestatten: Bergisch Gladbach, Dormagen, Erftstadt, Freiburg im Breisgau, Kaarst, Meerbusch und Puchheim.

27 Städte/Gemeinden wünschen ein gesetzliches, umfassendes Tabakwerbeverbot durch die Bundesregierung und sehen leider aufgrund der jetzigen Gesetzeslage keine Möglichkeit, ihre meist langfristigen Verträge mit Werbefirmen zu ändern (Alfter, Berlin-Neukölln, Berlin-Lichtenberg-Hohenschönhausen, Bernkastel-Kues, Brandenburg, Bonn, Cottbus, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt an der Oder, Hamburg, Köln, Lahnstein, Leinfelden-Echterdingen, Leonberg, Mittweida, München, Neu-Ulm, Neuss, Potsdam, Radebeul, Solingen, Sankt Augustin, Stuttgart, Wiesbaden und Wuppertal).

Die Stadt Düsseldorf fasste am 5. Dezember 2001 folgenden Beschluss: "Die Verwaltung wird gebeten, den Deutschen Städtetag mit  dem Thema des Verbots der Tabakwerbung auf städtischen Werbeflächen als Düsseldorfer Initiative einzuschalten." Dies geschah im Januar 2002. Der Deutsche Städtetag sah keine Handlungsmöglichkeit.

4 Städte/Gemeinden möchten keine Änderung der Vertragssituation (Hannover, Leipzig, Leverkusen, Ulm). Hannover und Leipzig wollen vor allem nicht auf die Einnahmen durch die Tabakwerbung verzichten.

Fazit: 40 der 44 Städte/Gemeinden in Deutschland stehen voll hinter unserem Anliegen: Schluss mit der Tabakwerbung!

Von folgenden Städten/Gemeinden ist mir aufgrund von Pressemitteilung bekannt, dass sie z.T. schon seit zehn Jahren auf ihren kommunalen Werbeflächen keine Tabakwerbung mehr zulassen: Biberach, Langenau, Laupheim, Karlsruhe und Vaterstetten.

Drei Fakten behindern nach meinen Erfahrungen massiv den Wunsch der Städte/Gemeinden, auch in Deutschland die Tabakwerbung zu beenden:

1. Die Gesetzeslage

Mehrere Städte/Gemeinden weisen auf zwei Urteile des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg hin, die in den entscheidenden Punkten fast wörtlich übereinstimmen. Im Urteil vom 14.08.1992 unter Aktenzeichen 10 S 816/91 wurde der Stadt Donaueschingen und im Urteil vom 12.03.1993 unter Aktenzeichen 5 S 2249/91 der Stadt Rottenburg ein lokales Werbeverbot für Tabak, aber auch für Alkohol untersagt, da ein solches Verbot in die Gesetzgebungskompetenz des Bundes fällt.

Städte und Gemeinden können jedoch die Verträge mit den Werbefirmen ordentlich kündigen, um danach im Wege einer offenen Ausschreibung dem Anbieter den Vorzug zu geben, der auf Tabakwerbung - und evtl. auch auf Alkoholwerbung - verzichtet. Allerdings empfiehlt es sich, dieses Kriterium nicht als entscheidend für die Auswahl hinzustellen, um keinen Angriffspunkt zu bieten. Es gibt aber auch Verträge, in denen die Tabakwerbung und auch die Alkoholwerbung ausdrücklich ausgeklammert wurden.

2. Das Sponsoring und die Werbeeinnahmen

Die Stadt Hannover begründete ihre Ablehnung mit dem möglichen Verlust von Werbeeinnahmen: "Die für das Jahr 2000 erzielten Pachteinnahmen aus dem Plakatanschlag mit Tabakwerbung betrugen 921.000 DM. Gemessen an den gesamten Pachteinnahmen in Höhe von 3.070.825 DM sind das rund 30 %. Eine Neuaquirierung der bisher mit Tabakwerbung belegten Werbeflächen durch andere Werbetreibende würde nach Auskunft der Deutschen Städtemedien GmbH (DSM) rund zwei bis drei Jahre dauern. Die dann daraus zu erzielenden Werbeeinnahmen würden nur rund 20 % (etwa 614.000 DM) der gesamten Einnahmen aus Plakatwerbung betragen. Daraus würden sich dauerhaft Mindereinnahmen von rund 300.000 DM/Jahr ergeben."

Was die Verführung Jugendlicher durch Tabakwerbung anbelangt, folgt der Rat der Stadt Hannover voll und ganz der Argumentation der Werbewirtschaft: "Danach kommt der Werbung wohl nicht die von den Petenten dargestellte entscheidende Bedeutung zu.

"Die Stadt Leipzig argumentiert folgendermaßen: "Die Werbeeinnahmen bedeuten eine zusätzliche Entlastung der Städtischen Haushalte und kommen dem einzelnen Bürger letztlich wieder zugute. Das betrifft u.a. auch die kostenlose Bereitstellung, Wartung und Schadensbeseitigung von Fahrgastunterständen des ÖPNV, Stadtinformationsanlagen u.a. Bei einem Ausfall der Werbung für Tabakwaren ist mit einer Verringerung der Dienstleistungen für den Bürger oder ggf. mit einem Rückbau von Fahrgastunterständen in Leipzig zu rechnen."

Durch Sponsoring von Fahrgastunterständen oder kostenfreie Werbung für städtische Veranstaltungen, Vereine und im Vorfeld von Wahlen für Parteien sowie kostenfreie Ausstattung des Stadtgebietes mit Stadtplänen gelingt es der Werbewirtschaft wohl in fast allen Städten, dass besonders der Finanzausschuss nicht mehr frei entscheiden kann, was in einer Stadt zu folgender Formulierung führte: "Der Stadt ist es mit den eingesparten Mitteln möglich, andere Aufgaben zu erfüllen, u.a. Maßnahmen der Suchtprävention durchzuführen."

3. Tabakwerbung auf privatem Grund

Den durch ein Tabakwerbeverbot auf kommunalen Werbeflächen nicht lösbaren Konflikt schildert die Stadt Leipzig korrekt: "Die Werbung für Tabakwaren würde verstärkt in Werbeanlagen Dritter auf privatem Grund überwechseln und die finanziellen Einnahmen gingen der Stadt verloren". Von der Stadt Brandenburg erfuhrt ich, dass bereits 80 % der Werbeflächen auf privatem Grund stehen, auf die die Stadt kaum einen Einfluss hat. Auch in der Stadt Karlsruhe wird fleißig auf privaten Werbeflächen für Tabakwaren besonders in den Ausfallstraßen geworben.

Die Städte, die unsere Bürgeranträge/Petitionen mit Nichtbeantwortung "bestraften", erinnern mich an eine Verlautbarung von Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg: "Es ist dem Untertanen untersagt, den Maßstab seiner beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen." Viele Bürgeranträge wurden von Artikeln in den Lokalzeitungen in unserem Sinne begleitet, was einen nicht zu unterschätzenden Nebeneffekt darstellte.

Fortbestehende Tabakwerbung bedeutet für die Tabakindustrie in Deutschland eine weiterbestehende soziale Akzeptanz für ihr legales, todbringendes Produkt.

"Werbeverbote für Tabakwaren sind für die Tabakindustrie wie das Weihwasser für den Teufel", schreibt deshalb Prof. Dr. Knut-Olaf Haustein. Außerdem weist er in seinem Buch Tabakabhängigkeit (ISBN 3-7691-0394-4) auf die Abnahme des Pro-Kopf-Verbrauchs an Tabakwaren in den europäischen Ländern hin, die ein Werbeverbot eingeführt haben. Solange ganz Deutschland übersät ist von Tabakautomaten und Sonnenschirmen der Tabakindustrie, gibt es für uns noch viel zu tun. Auch der Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen wies in dem Gutachten 2000/01 eine "mangelnde Präventionsorientierung des deutschen Systems" nach und stellte schwerwiegendste Defekte bei der Bekämpfung des Rauchens fest, wobei Deutschland von unseren Nachbarstaaten sogar als Bremser in der Tabakkontrolle angesehen wird.

Da die Auswertung der Antworten der Städte und Gemeinden auf unsere Bürgeranträge ergab, dass weitaus die meisten Städte Schluss mit der Tabakwerbung machen möchten, ihre Einflussmöglichkeiten aber beschränkt sind, habe ich in einem Schreiben mit zahlreichen Anlagen im März 2002 die

Gesundheitsminister der Länder und kommunale Spitzenverbände gebeten, wie bereits 1996 erneut von der Bundesregierung ein generelles Tabakwerbeverbot entsprechend der EU-Richtlinie 98/43/EG einzufordern. 

Prof. Dr. med. Ekkehard Schulz

Präsident der NID

 

Rauchen ist tödlich oder kann tödlich sein

Ab Oktober 2003 stufenweise neue Bestimmungen für Zigaretten- und Zigarettenpackungen

Die EU macht's möglich: Am 8. November 2002 stimmte der Bundesrat der neuen Tabakprodukt-Verordnung zu. Sie setzt die Richtlinie 2001/37/EG des Europäischen Parlamentes und des Rates vom 5. Juni 2001 zur Angleichung der Rechts- und Verwaltungsvorschriften der Mitgliedstaaten über die Herstellung, die Aufmachung und den Verkauf von Tabakerzeugnissen in deutsches Recht um. Allerdings dauert es noch eine Weile, bis der Schadstoffgehalt im Tabakrauch beschränkt wird und Käufer von Zigaretten eindeutiger als bisher auf die Folgen ihres Handelns hingewiesen werden. Frühester Termin ist der 1. Oktober 2003, spätester Termin ist der 1. Juli 2004, wobei für Tabakprodukte, die keine Zigaretten sind, noch längere Übergangsregelungen gelten (1. Juli 2005).

Hauptinhaltsstoffe des Tabakrauchs

Laut § 2 Tabakprodukt-Verordnung darf eine gewerbsmäßig hergestellte Zigarette im Rauch höchstens folgende Werte erreichen:

Teergehalt 10 Milligramm

Nikotingehalt: 1,0 Milligramm

Kohlenmonoxidgehalt: 10 Milligramm

 

Zur Analyse muss eine amtlich anerkannte Methode angewandt werden. Als Prüflaboratorien werden nur solche zugelassen, die bestimmte Anforderungen erfüllen.

Zusatzstoffe müssen veröffentlicht werden

Die Hersteller und die Einführer (bei Import) von Tabakerzeugnissen müssen der zuständigen Behörde einmal jährlich bis 30. November in einer nach Markennamen und Art gegliederten Liste alle bei der Herstellung der einzelnen Tabakerzeugnisse verwendeten Zusatzstoffe einschließlich der Mengen in absteigender Reihenfolge ihres Gewichtsanteils mitteilen. Dieser Liste ist eine Erklärung beizufügen, in der die Gründe für die Hinzufügung der Zusatzstoffe zu den Tabakprodukten erläutert werden. Außerdem muss die Liste auch die toxikologischen Daten enthalten, die dem Hersteller oder Einführer insbesondere hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Auswirkungen und unter dem Gesichtspunkt süchtig machender Wirkung bekannt sind.

Kennzeichnung von Packungen

Die drei Schadstoffwerte (Teer, Nikotin, Kohlenmonoxid) müssen auf der Schmalseite der Packung angegeben werden und mindestens 10 Prozent dieser Fläche einnehmen. Außerdem muss die Packung so gekennzeichnet sein, z.B. durch eine Chargennummer, dass der Ort und der Zeitpunkt der Herstellung festgestellt werden kann.

Allgemeiner Warnhinweis

Künftig muss die Packung einen der folgenden allgemeinen Warnhinweise enthalten:

"Rauchen ist tödlich" oder "Rauchen kann tödlich sein" oder "Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu"

Diese Warnhinweise sind abwechselnd so zu verwenden, dass sie regelmäßig auf den Packungen erscheinen, wobei nur einer der ersten beiden Warnhinweise zu verwenden ist. Das bedeutet mit hoher Wahrscheinlichkeit, dass die Zigarettenpackungen wohl nur mit dem zweiten und dem dritten allgemeinen Warnhinweis auf der am ehesten ins Auge fallenden Breitseite - so die Vorschrift - bedruckt werden.

Ergänzender Warnhinweis

Auf allen Zigarettenpackungen muss zusätzlich zum allgemeinen Warnhinweis abwechselnd einer der 14 ergänzenden Warnhinweise zu lesen sein (siehe Tabelle auf dieser und der nächsten Seite).

Der allgemeine Warnhinweis muss mindestens 30 Prozent der Außenfläche der entsprechenden Breitseite der Packung einnehmen, für den ergänzenden Warnhinweis sind mindestens 40 Prozent vorgesehen. Bei Verpackungen von anderen Tabakerzeugnissen als Zigaretten (z.B. Feinschnitt) müssen beide Warnhinweise mindestens eine Fläche von 22,5 cm2 bei einer Breitseite von mehr als 75 cm2 einnehmen. Die Packung von nicht zum Rauchen bestimmten Tabakprodukten (z.B. Kautabak) muss mit dem Warnhinweis "Dieses Tabakerzeugnis kann Ihre Gesundheit schädigen und macht abhängig." versehen sein. Hier die ergänzenden Warnhinweise:

1.  Raucher sterben früher.

2.  Rauchen führt zur Verstopfung der Arterien und verursacht Herzinfarkte und Schlaganfälle.

3.  Rauchen verursacht tödlichen Lungenkrebs.

4.  Rauchen in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind.

5.  Schützen Sie Kinder – lassen Sie sie nicht Ihren Tabakrauch einatmen!

6.  Ihr Arzt oder Apotheker kann Ihnen dabei helfen, das Rauchen aufzugeben.

7.  Rauchen macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!

8.  Wer das Rauchen aufgibt, verringert das Risiko tödlicher Herz- und Lungenerkrankungen.

9.  Rauchen kann zu einem langsamen und schmerzhaften Tod führen.

10.   Hier finden Sie Hilfe, wenn Sie das Rauchen aufgeben möchten: (Telefonnummer/Postanschrift/Internetadresse/Befragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker).

11.   Rauchen kann zu Durchblutungsstörungen führen und verursacht Impotenz.

12.   Rauchen lässt Ihre Haut altern.

13.   Rauchen kann die Spermatozoen schädigen und schränkt die Fruchtbarkeit ein.

14.   Rauch enthält Benzol, Nitrosamine, Formaldehyd und Blausäure.

 

Tabak-Quartals-Statistik

Die Steuererhöhung machte es möglich: Die "Tabakstinker" gaben mehr Geld für weniger (Fabrik-)Zigaretten aus. Ein Teil der Nikotiniker wich auf Ersatzprodukte aus. Daher nahm der Verkauf von Feinschnitt etwas zu. Die Zigarren und Zigarillos - von der letzten Tabaksteuererhöhung verschont - profitierten (und das schon seit vielen Jahren) von der im Vergleich zu Zigaretten deutlich geringeren Tabaksteuer. Derzeit werden etwa so viel Zigarren und Zigarillos geraucht wie vor zehn Jahren.

Tabakerzeugnis

Versteuerte Verkaufswerte

III/2002 gegenüber

III/2001

Versteuerte Mengen

III/2002 gegenüber

III/2001

Zigaretten

5.730 Mill. €

+ 5,1 %

38,6 Mrd. Stück

– 1,3 %

Zigarren und Zigarillos

144 Mill. €

+ 19,5 %

795 Mill. Stück

+ 32,4 %

Feinschnitt

267 Mill. €

+ 28,1 %

3.899 Tonnen

+ 8,6 %

Pfeifentabak

23 Mill. €

– 15,2 %

219 Tonnen

– 15,3 %

Insgesamt

6.163 Mill. €

+ 4,5 %

X

X

 

Steuersätze ab 2003: Zigaretten: 6,17 Cent/Stück und 24,23 % des Kleinverkaufspreises. Feinschnitt: 21,40 € je Kilogramm und 18,32 % des Kleinverkaufspreises. Keine Steuererhöhung bei Zigarren und Zigarillos.

 

Rauchfreie Clubnite in Passau

Die "Clubnite" in der ehrwürdigen Passauer Redoute lud am 18. Oktober ein und sie kamen - wenn auch viel weniger als in den Vorjahren. Am vielversprechenden Motto "Don´t smoke -just kiss" kann es also nicht gelegen haben, vielleicht eher an den Eintrittspreisen (12.50 Euro), die natürlich in Relation zum Angebot gesetzt wurden. Und manch einer mag auch 3,50 Euro beispielsweise für eine Flasche Becks als zu hoch empfunden haben.

Musikalisch gesehen wurden Grooves-Music, orientalische Rhythmen mitsamt einer professionellen Bauchtänzerin und auch die Trommel-Einlagen der Hamburger Percussion-Combo Abacaxi den Besuchern präsentiert. Aus NID-Sicht erfreulich: No-Smoking im Veranstaltungssaal, im Nebenraum und im Eingangsbereich der 1. Etage. Das darunter liegende Foyer war hingegen Schauplatz der Süchtigen, und wer dort durchgehen musste, um zum Ausgang zu gelangen, der bekam natürlich auch seinen Teil ab.

Lobenswert das Engagement des Veranstalters überhaupt, eine No-Smoking-Veranstaltung ins Leben zu rufen. Und das beweist: Es geht also doch! Das sollte Schule machen, und interessierte Veranstalter aus anderen Städten können ihre Anfrage gerne an www.redoutensaal.de via E-Mail richten. Vor Ort waren leider keine weiteren Informationen, Aufkleber etc. zum Leit-Motto erhältlich und auch ein Statement via Mikrophon glänzte durch Abwesenheit. Dafür durfte "Red Bull" fleißig Werbung machen...

Im Eingangsbereich lenkten überall kleine Schilder die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich: "Danke, dass Ihr hier nicht raucht.", "Für Rauchpausen steht Euch das Foyer im Erdgeschoss zur Verfügung", "Hier im Foyer darf gerne wieder geraucht werden." Das letztgenannte Angebot wusste regen Zulauf zu verzeichnen, und wer die überquellenden Ascher dort gesehen hat, der weiß, dass nur kneipenerprobte Süchte sich dort wohl fühlen können. Schade, dass keine Lüftungsanlage diese Giftwolke schnellstens abzog. So machte sich auch ein Teil in den oberen Veranstaltungsräumen breit, dort, wo jene sich aufhielten, die froh waren, von diesem Müll verschont zu bleiben.

Ein Grüppchen Unverbesserlicher hielt sich gar nicht an das Agreement und paffte genüsslich an den mitgebrachten Stängeln mitten in der ausgewiesenen NR-Zone. Gut, dass dies der Security auch endlich mal auffiel und sie diese Leute freundlich nach unten ins Foyer verwies. Mediterrane und orientalische Spezialitäten wurden im rauchfreien Nebenraum angeboten und dazu gehörten auch die als "Zigarren" (!) bezeichneten Teigröllchen mit Schafskäse... So wenig Feingefühl verwundert nicht, zumal der Anbieter in seinem Döner- und Weingeschäft fleißig Aschenbecher verteilt hat, auch im Eingangsbereich, und keine Probleme damit hat, dass der Rauch auch in seine Lebensmittel zieht.

Fazit: Ein relativ rauchfreier Abend, dazu ein Kulturfestival - für diejenigen, die sich von der Musik angesprochen fühlen (fast nur junge Leute waren dort). Das sollte Schule machen. Jeder ist aufgerufen, dafür Werbung zu machen. Leute: Nur wenn Ihr etwas unternehmt, kann sich auch etwas ändern!

Klaus Mayer

 

Wie komme ich zu einem rauchfreien Urlaub?

Ein Vorschlag zur Vorgehensweise

1. Ich frage per E-Mail bei mindestens 20 Hotels/Pensionen in der von mir gewünschten Gegend an: "Haben Sie Nichtraucherzimmer und wird bei Ihnen im Frühstücksraum geraucht?".

2. Nachdem ich die Antworten erhalten habe (oft sehr "lustige", z.B.: "Es ist uns leider nicht möglich, unseren Gästen das Rauchen zu verbieten"), suche ich das für uns geeignete Haus aus. Den Häusern, die keine Nichtraucherzimmer anbieten und in denen im Frühstücksraum geraucht werden darf, sage ich natürlich wieder mit einer entsprechenden Erklärung ab.

Wenn ich den Urlaub dann angetreten habe, versuche ich mit den Gastronomen ins Gespräch zu kommen und ihnen zu zeigen, wie gut ich solche rauchfreien Zonen im Hotelgewerbe finde und dass ich ihr Haus u.a. aus diesem Grund gewählt habe. Ich bestärke sie, nichtraucherfreundlich wieterzumachen.

Ich denke, wenn viele Nichtraucher so oder ähnlich verfahren, dann würde bei dem einen oder anderen Gastronomen die Erkenntnis geweckt werden, dass sich Nichtraucherfreundlichkeit lohnt.

Wenn ich eine Gaststätte oder ein Cafe betrete, stelle ich sofort die Frage: "Wo ist hier der Nichtraucherbereich?" Auch das trägt dazu bei, den Gastronomen bewusst zu machen, dass es eine Nachfrage nach rauchfreiem Speisen und Trinken gibt.

Rosemarie Pangerl

 

Gunst, Geschäft und Nächstenliebe 

"Es hat alles zwei Seiten. Aber erst wenn man erkennt, dass es drei sind, erfasst man die Sache." Diesen merkwürdigen Spruch von Heimito von Doderer präsentierte die "Sächsische Zeitung" am 12. Oktober 2002.

Auf der Suche nach einem plausiblen Beispiel für die Wahrhaftigkeit dieser Aussage entdeckte der aufmerksame Leser zwei Meldungen in derselben Ausgabe dieser Zeitung: eine gute Nachricht im vorderen Teil, eine schlechte weiter hinten. Die Quelle des Guten wie auch des Bösen hatte denselben Namen: Philip Morris, der Tabakgigant.

Unter dem Stichwort "Lichtblick" steht die Schlagzeile: "Philip Morris spendet für Flutopfer". Und weiter: "Mit einer Großspende von 250.000 US-Dollar will das Unternehmen Philip Morris zur Beseitigung der verheerenden Flutschäden in Sachsen beitragen." Wie gut doch, dass es Philip Morris gibt! Und wie gut auch, dass es Raucher gibt, die diese edle Spende erst möglich machen! Die Tabakbranche hat sich schon oft als Mäzen von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Sport ins Scheinwerferlicht gerückt, aber nie, ohne zugleich den Namen eines ihrer Produkte mit ins Bild zu bringen. Diesmal Großzügigkeit ganz ohne Eigennutz? Im Bild ist kein Produktname zu sehen, sondern lediglich das Firmenlogo mit den Buchstaben PM unter der Krone. Steht das P für Philanthrop = Menschenfreund? Oder steht es für "Prima, Prima"?

Wofür steht dann das M? Die zweite Meldung wird uns weiterhelfen. Der Bericht aus den USA trägt den Titel "Die Zeit verraucht". Es geht um Betty Bullock, eine krebskranke Raucherin, der ein Geschworenengericht in Los Angeles 28 Milliarden Dollar Entschädigung zu Lasten von Philip Morris zugesprochen hat. Diese unglaublich hohe Geldstrafe soll den Tabakmoloch davon abhalten, mit der wissentlichen Herstellung eines tödlichen Produktes Riesensummen zu verdienen. Betty Bullock wird von den ihr zustehenden Milliarden keinen Cent sehen, vermuten andere Betroffene aus eigener Erfahrung. Von elf kranken Rauchern, die ihre Prozesse gewonnen haben, wurde bisher nur einer entschädigt. "In den meisten Fällen sterben die Kläger, bevor sie einen Cent erhalten", sagte die Anwältin eines der Opfer. Ihre Mandantin Patricia Henley wartet seit 1999 auf ihre Entschädigung von 50 Millionen Dollar. Philip Morris hat bisher noch nie einem seiner Opfer die vom Gericht festgesetzte Entschädigung gezahlt. Dazu die Anwältin: "Die Tabakkonzerne verhalten sich wie Massenmörder, die keine Reue zeigen."

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Das sind also die zwei Gesichter eines Tabakmammuts wie PM: P wie Philanthrop - Menschenfreund auf der einen, M wie Misanthrop - Menschenfeind oder "Miese Masche" auf der anderen Seite.

Zwei Seiten haben wir beleuchtet. Wo aber ist die dritte, von der eingangs gesagt wurde, man solle sie erkennen, um die Sache wirklich zu erfassen?

In ihrer nächsten Ausgabe am 14. Oktober 2002 brachte die erwähnte Zeitung Licht in das Dunkel. Unter dem Titel "Zwölf Milliarden Euro Sündensteuer" veröffentlichte sie ein ausführliches Gespräch mit dem Deutschlandchef von Philip Morris, Hermann Waldemer. Bereits der Titel suggeriert, wer der wahre Sünder sein soll. Herrn Waldemer drückt kein schlechtes Gewissen. "Ich fühle mich wohl in meiner Haut. ... Das Entscheidende ist, dass wir dieses Produkt verantwortungsvoll (!) an Erwachsene vermarkten, die wissen, was sie tun." Wer also Zigaretten raucht, der ist erwachsen und weiß, was er will. Diese Botschaft wird jeden Heranwachsenden begeistern, der nach Idealen sucht. Das bisschen Risiko, das Herr Waldemer einräumt, kommt doch jugendlicher Abenteuerlust geradezu entgegen. Ein wirklich ernstes Risiko geht nach Herrn Waldemer nur ein, wer von Philip Morris auf Billigimporte vor allem aus China umsteigt.

Das Original zu rauchen tut auch dem Fiskus gut. "Dreiviertel des Packungspreises zahlt der Raucher ohnehin schon an Herrn Eichel. Er ist unser Hauptaktionär." Das sagt Herr Waldemer sicher nicht nur so dahin. Aktionär zu sein heißt, nicht nur zu kassieren, sondern vor allem auch, den Geschäftsinteressen des Unternehmens zu dienen. So subventioniert beispielsweise Herr Eichel mit den Geldern aller Steuerzahler den Tabakanbau in Deutschland. Das erfuhren wir aber nicht aus dem Gespräch mit Herrn Waldemer, sondern aus einem Bericht des ARD-Politmagazins "FAKT", ebenfalls am 14. Oktober 2002.

Bundesregierung und Bundestag hätscheln ihren Günstling PM und die anderen der Branche nach besten Kräften. Das lästige Tabakwerbeverbot wurde erfolgreich zur Strecke gebracht. Die Idee von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt, eine Art Gesundheitssteuer auf Tabakwaren zu erheben, die der Prävention und Gesundheitsförderung zugute kommen sollte, wurde postwendend abgeschmettert. Das Ergebnis? "Philip Morris qualmt richtig gut" titelte die Zeitung am 18. Oktober 2002 im Wirtschaftsteil. Zitat: "In Deutschland steigerte Philip Morris den Angaben zufolge den Zigarettenabsatz (im 3. Quartal) um 5,4 Prozent. Der deutsche Marktanteil legte leicht zu, auf fast 37 Prozent. Mit der Marke f6 ist Philip Morris auch die Nummer eins in Ostdeutschland. In Dresden betreibt der Konzern eine Zigarettenfabrik mit rund 440 Mitarbeitern."

Die f6 Cigarettenfabrik Dresden GmbH stellte im vergangenen Jahr zwölf Milliarden Zigaretten her. Davon entfielen sieben Milliarden auf die Ost-Marken f6, Juwel und Caro. Die übrigen fünf Milliarden wurden unter den Markennamen Marlboro und Chesterfield exportiert. Der Umsatz stieg 2001 um 1,2 Prozent auf 775 Millionen Euro. Das Werk schreibt seit zehn Jahren schwarze Zahlen.

Das freut die Wirtschafts- und Finanzminister von Bund und Land. Das Geschäft mit dem Tod ist offensichtlich auch ganz im Sinne von verantwortli chen Politikern unseres Landes.

In den USA bläst den Tabakriesen der Wind der Justiz ins Gesicht. Im Tabakland Griechenland gelten seit dem 1. Oktober 2002 Bestimmungen, die das Rauchen in der Öffentlichkeit erheblich einschränken. Ab 1. Januar 2003 wird dort jede Zigarettenwerbung in Kinos, im Radio und auf Plakatwänden verboten. Ein wesentlicher Teil der Tabaksteuer kommt Anti-Raucher-Kampagnen zugute.

Gute Nachrichten für Nichtraucher kommen aus allen Teilen der Welt. Überall regt sich Widerstand gegen das Rauchen und gegen solche, die mit den Giften im Tabakrauch Geschäfte machen. "Entwickelt sich in Deutschland eine ähnliche Antirauch-Bewegung wie in den USA?" fragt die Zeitung den Deutschlandchef von Philip Morris. Darauf Herr Waldemer: "Die Deutschen sind etwas entspannter." Wen oder was meint er damit? Bezogen auf die deutsche Politik hat er wohl Recht. Entspannter geht es kaum, was das Verhältnis zwischen Tabakwirtschaft und Politik betrifft. Alle wichtigen Parteien wurden und werden von der Tabakindustrie mit Spenden angefüttert. Daraufhin fällt es den Abgeordneten im Parlament schwer, im wachsenden Tabakkonsum etwas Anstößiges zu entdecken. Nun gut, aufklären sollte man schon ein wenig. Wer noch feucht hinter den Ohren ist, der müsste neben der Sexualaufklärung auch etwas Aufklärung zu einer anderen Erwachsenendomäne, dem Rauchen, erfahren. Aber bitte keine Anti-Rauch-Kampagne, sondern nur eine "Dafür-bist-du-noch-zu-jung"-Aktion. Die Maßnahmen dürfen "nicht die Zigarettenindustrie, deren Produkte oder den Zigarettenhandel diskriminieren oder erwachsene Raucher verunglimpfen." Dieses Gentleman Agreement trafen die Drogenbeauftragte der Bundesregierung und die Bundesgesundheitsministerin im März 2002 mit der Tabakindustrie (siehe Nichtraucher-Info Nr. 46 - II/02, S. 1-2). Beide Parteien waren zufrieden mit dem Handel. Der Deal war der Tabakindustrie 11,8 Millionen Euro in fünf Jahren wert: Er verschaffte ihr eine weiße Weste und schützt sie vor möglichen Angriffen von offizieller Seite.

Friede, Freude, Eierkuchen? Vielleicht trifft Werner Schneyder den Kern, wenn er sagt: "Wer gegen manche Leute und Vorgänge nicht böse genug ist, der ist schlichtweg nicht gut genug."

Dr. Wolfgang Schwarz

Zeitgleich mit den Wahlen in den USA im November 2002 gab es auch mehr als 200 Volksabstimmungen über ver­schiedenste Themen. In Florida entschied sich die Bevölkerung mehrheitlich dafür, das Rauchen in öffentlichen Restaurants zu verbieten. In Arizona sprachen sich die Bürger für eine drastische Erhöhung der Tabaksteuer aus. Mit ähnlichen Ergebnissen wäre auch in Deutschland zu rechnen, wenn das Volk entscheiden könnte. EGK

 

Goethe-Preis für EU-Kommissar David Byrne 

Auf dem 5. Europäischen Gesundheitsforum vom 25. bis 28. September 2002 im österreichischen Bad Hofgastein erhielt EU-Kommissar David Byrne für seinen engagierten und mutigen Einsatz zur Förderung des Nichtrauchens den von NID-Mitglied Prof. Dr. Friedrich Portheine gestifteten Johann-Wolfgang-von-Goethe-Wanderpokal, eine 20 kg schwere Büste aus reinem Silber. In den letzten Jahren hat kein anderer Politiker in der EU so intensiv und erfolgreich gegen die Tabakindustrie gekämpft wie Byrne. Auf seine Initiative hin läuft zurzeit die europaweite Informationskampagne "Feel free to say no". Ein würdiger Preisträger.

 

Rüffel für Bundespräsident Johannes Rau

Während der eine für seinen Einsatz gegen das Rauchen geehrt wird, erhält der andere einen Rüffel für sein Rauchen in der Öffentlichkeit. Denn den Besuch des ökologischen Vorzeigebetriebes Herrmannsdorfer Werkstätten im oberbayerischen Glonn nützte Bundespräsident Johannes Rau, um vor aller Augen seine Nikotinabhängigkeit zu demonstrieren, berichtete NI-Mitglied Inge Brack. Das ist eines Staatsoberhauptes unwürdig.

 

Vermieter reinigte mit giftigen Chemikalien: Schmerzensgeld

Vermieter dürfen ihre Bemühungen um den Werterhalt ihres Eigentums nicht so vornehmen, dass daraus eine Gesundheitsgefährdung entsteht. Im vorliegenden Fall hatte ein Vermieter zur Reinigung des Hausflurs das Dichlormethan enthaltende Mittel "Team Ölfleckenentferner" eingesetzt,. Bei der Mieterin traten in der Folge so große Gesundheitsbeschwerden auf, dass sie die Wohnung umgehend verlassen musste. Der Sachverständige hielt Vergiftungserscheinungen zwar für eher unwahrscheinlich, doch das Oberlandesgericht Hamm entschied am 6. September 2001, dass die bei der Klägerin auftretenden Beschwerden wie Atemnot, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Brechreiz und Schwindel durch die "gesundheitsschädigend unsachgemäße Anwendung des Ölfleckenentferners" ein Schmerzensgeld nach § 847 BGB rechtfertigt. Das Gericht hielt 1.000 DM Schmerzensgeld für angemessen (Aktenzeichen 27 U 50/01).

Nichtraucher leiden an denselben gesundheitlichen Beschwerden, wenn sie freiwillig oder gezwungenermaßen Tabakrauch einatmen müssen. Atemnot, Kopfschmerzen, Augenbrennen, Brechreiz und Schwindel sind typische Beschwerden, die beim Passivrauchen auftreten. Damit bietet dieses in zweiter Instanz gefällte Urteil eine Basis für - bisher nur aus den USA bekannte - Prozesse zur Erlangung von Schmerzensgeld bei aufgezwungenem Tabakrauch.

 

Unverständlich: Rauchen auf dem Balkon ist hinzunehmen

Völlig unverständlich ist das Urteil des Amtsgerichts Wennigsen vom 14. September 2001 unter Aktenzeichen 9 C 156/01. Danach muss der nichtrauchende Nachbar dafür sorgen, dass der Qualm des auf dem Balkon rauchenden Nachbarn nicht in seine Wohnung dringt.. Vom Verursacherprinzip hat der Richter anscheinend noch nie etwas gehört. Für schädliche Umwelteinwirkungen hat derjenige gerade zu stehen, der sie verursacht. Folglich ist er es, der dafür sorgen muss, dass seine Mitmenschen vor für die Gesundheit und das Wohlbefinden schädlichen Einflüssen bewahrt werden. Das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist immer höherwertiger als das der freien Entfaltung der Persönlichkeit. Wäre es anders, müssten wir nicht nur die Verfassung umschreiben, sondern auch die meisten Gerichtsentscheidungen revidieren.

 

Werbung mit sicherem Erfolg wettbewerbswidrig

Das Oberlandesgericht Dresden hat am 23. April 2002 unter Aktenzeichen 14 U 2516/01 entschieden, dass die Werbung für eine Methode der Raucherentwöhnung dann wettbewerbswidrig ist, wenn sie den Eindruck erweckt, sicher zum Erfolg zu führen, ohne dass dies nachweisbar ist. Damit wird dem "Heilpraktiker" Leonhard Kröning (Deutsche Nichtraucherhilfe) untersagt, auf diese Weise um Kunden zu werben.

 

Tabakwerbung auf Schulgrundstück 

Ein Camel-Plakat an einer Plakatwand an der Grundstücksgrenze des Berliner Oberstufenzentrums für Handel in der Wrangelstraße nahm das Forum Rauchfrei in Berlin zum Anlass für eine Pressemitteilung. Darin kritisierte Forums-Sprecher Johannes Spatz, dass die zuständige Behörde das bereits vor Jahren erlassene Tabakwerbeverbot auf Schulgrundstücken offensichtlich nicht kontrolliere. Er forderte den Berliner Senat auf, sich für ein vollständiges Tabakwerbeverbot in Deutschland einzusetzen.

 

amnesty international's unanständige Werbung

Im LTU-Bordmagazin 2/02 erschien eine ganzseitige Werbung von amnesty international. Die Schauspielerin Franka Potente (Lola rennt) saß mit brennender Zigarette neben einem gefüllten Aschenbecher auf einem Holztisch. Sieben Zentimeter neben ihr prangte ein zwei Zentimeter großes Rauchverbotszeichen. Im Hintergrund war zu lesen: "Ich kann nichts gegen mein Lampenfieber tun. Aber ICH KANN was gegen staatlichen Mord unternehmen." In einem Schreiben der NID an ai in Bonn heißt es u.a.: "Meinen Sie nicht, dass Bild und Worte zur Schlussfolgerung 'Ich kann etwas gegen staatlichen Mord unternehmen, indem ich mich vorher selbst umbringe.' führen können? Es wäre sicher im Sinne vieler staatlich verfolgter und gepeinigter Menschen, wenn ai nicht mit der Anpreisung gesundheitsschädlicher Verhaltensweisen von Sympathieträgern für die eigene Sache werben würde."

Tobias Moretti Pfeifenraucher des Jahres

Der aus der TV-Serie "Kommissar Rex" bekannt gewordene Schauspieler Tobias Moretti ist vom Tabakforum, einer Vereinigung von Tabak- und Pfeifenimporteuren, zum Pfeifenraucher des Jahres 2002 gekürt worden. Wes Geistes Kind der Schauspieler ist, zeigt sein Bericht darüber, wie er seine Frau kennen gelernt hat. Als er sie zum ersten Mal sah, hätte sie gerade selbst eine Pfeife geraucht. "Das hat mich fasziniert, und ich dachte, das ist ein sehr interessantes Wesen." Süddeutsche Zeitung, 19.11.02

Es gelingt der Tabakindustrie immer wieder, mehr oder weniger bekannte Personen des öffentlichen Lebens für die Annahme von Auszeichnungen zu gewinnen, vor denen Menschen, die noch ein wenig Verantwortungsbewusstsein in sich tragen, zurückschrecken. Moretti scheint jedoch wie auch andere Prominente vor ihm nach der Devise zu handeln: Hauptsache, dein Name erscheint in den Medien. Jede Veröffentlichung bringt dich einem neuen Filmangebot näher. Denn entscheidend ist nicht, ob dein Auftritt positiv oder negativ ausfällt, entscheidend ist vielmehr, dass du im Gedächtnis derjenigen bleibst, die ihre Auswahl nach dem Kriterium der Bekanntheit treffen. Schlagzeilen sichern in dieser Branche häufig das Einkommen. Da ist man dann auch gern bereit, fremde Meinungen gegen Bezahlung zu vertreten.

 

Die Stützen der Tabakindustrie

Adlkofer, Bergler, Brückner Gostomzyk, Hundsdörfer, Maes und Überla - Personen, die in den letzten vier Jahrzehnten zu Stützen der Tabakindustrie wurden. Die Zeitschrift Stern, seit zwei Jahren von der Tabakindustrie wegen wahrheitsgetreuer Artikel über das Rauchen mit Anzeigenboykott bestraft, hat unter Verwendung von NID-Informationen eine Art Dossier über diese sieben Personen erstellt (Ausgabe 45/2002). Vieles war der NID schon bekannt, einiges ist neu.

Ernst Brückner hat es in der Tabakhierarchie am weitesten gebracht. Seit einigen Jahren ist er Geschäftsführer des Verbandes der Cigarettenindustrie (VdC). Viele Jahre lang hat er als Stellvertreter Insiderwissen angehäuft. Nach außen meist sehr unauffällig, nach innen jedoch ausgesprochen rigoros, hat er es geschafft, die Stellung der Tabakindustrie in Deutschland nicht nur zu behaupten, sondern sogar zu festigen. Er hatte ein Händchen dafür, in den politischen Parteien genau die Personen auszumachen, die als Lobbyisten der Tabakindustrie auf den politischen Meinungsbildungsprozess Einfluss nehmen konnten.

Selbstverständlich weiß Brückner um die ganze Schädlichkeit des Rauchens. Aus diesem Grund raucht er auch nur hin und wieder eine Zigarette - nicht wegen des Genusses, sondern wegen seiner Position als die Geschicke der Tabakindustrie wesentlich bestimmender leitender Angestellter. Das Ergebnis eines CO-Tests durch NID-Vizepräsident Ernst-Günther Krause kurz vor einer Fernsehdiskussion belegt Brückners prinzipielle Tabakabstinenz. Der VdC-Geschäftsführer brachte es lediglich auf 3 ppm, einen Wert, der nur geringfügig, nämlich um 1 ppm über dem für Nichtraucher geltenden Wert liegt. Echte Raucher erreichen zweistellige Werte bis hin zu von der NID gemessenen 50 ppm. Seine eigenen Kinder sieht er am liebsten ohne Glimmstängel. Schließlich sollen sie ihren Vater überleben.

Eine von Brückners Aufgaben ist es zu betrügen. Obwohl ihm bekannt war, dass das Rauchen die Verhaltensweise ist, die die meisten Todesopfer fordert, bagatellisierte er die Gesundheitsrisiken. Obwohl er intern über die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens informiert wurde, streute er in der Öffentlichkeit Zweifel. Obwohl einschlägige Untersuchungen die für neutrale Beobachter banale Erkenntnis bestätigten, dass Tabakwerbung den Tabakkonsum insbesondere von Jugendlichen fördert, stritt er jeglichen Zusammenhang nach außen hin ab. Dies macht ihn zu einem der Hauptschuldigen am Leid und am Tod von Millionen Menschen.

Franz Adlkofer besorgte den Kontakt zu willfährigen Wissenschaftlern. Bis 1995 war er leitender Angestellter des VdC. Schon in dieser Zeit übernahm er die Aufgabe eines "Wissenschaftlichen Sekretärs der Forschungsgesellschaft Rauchen und Gesundheit". Später fungierte er als "Sekretar" der Stiftung Verum. Die finanziellen Mittel kamen ausschließlich vom VdC. Die wesentliche Aufgabe der nach außen hin mit seriösen Namen ausgestatteten Einrichtungen war es, scheinbar wissenschaftlich begründete Zweifel über die wahre Gesundheitsschädlichkeit des Rauchens und des Passivrauchens zu säen, um Maßnahmen zur Verminderung des Tabakkonsums zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern.

Um die Veröffentlichung einer Zuschrift in der renommierten Zeitschrift Circulation zu erreichen, behauptete Adlkofer, dass er "in keiner Weise, weder finanziell, wirtschaftlich, noch in anderer Art eine Verbindung zur Zigarettenindustrie" habe. Da dies den Tatsachen Hohn sprach, konnte er im Nichtraucher-Info Nr. 33 - I/99 ungestraft "Lügner und Betrüger" genannt werden. Vollends lächerlich machte sich Adlkofer, als ihm beim Symposium über Passivrauchen am Arbeitsplatz am 10. April 2002 in der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität, ein Zuhörer nachweisen konnte, dass er in seinem Vortrag epidemiologische Daten über die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens völlig falsch interpretiert hatte.

Gabriele Hundsdörfer, Leiterin des Referats 317 (Epidemiologie, Krebs-, Herz-Kreislauferkrankungen, Naturheilkunde), stellte seit Anfang der 80er Jahre die Kontaktperson im Bundesministerium für Gesundheit dar. Von ihr erhielten Brückner & Co. die Informationen, die es ihnen ermöglichten, schnell und gezielt auf Maßnahmen zu reagieren, die ihnen das Geschäft zu verderben drohten. In "gedeihlicher" Zusammenarbeit mit Hundsdörfer gelang dem VdC 1995 sogar, das Bundesgesundheitsamt zu einer wissenschaftlichen Tagung über kleine Risiken zu nötigen. Zweck: Relativierung der Risiken des Passivrauchens.

Karl Überla verlor sein Amt als Präsident des Bundesgesundheitsamtes wegen Bestechlichkeit. So ließ er sich u.a. Vorträge, in denen er die Gesundheitsschädlichkeit des Passivrauchens in Zweifel zog, von der Tabakindustrie bezahlen.

Reinhold Bergler, Psychologe von der Universität Bonn, belastete seine Mitarbeiter fast bis zur Erschöpfung, um ein von Brückner gewünschtes Ergebnis zeitgerecht präsentieren zu können: Tabakwerbung und Zigarettenautomaten würden den Tabakkonsum von Jugendlichen nicht beeinflussen.

Hans-Joachim Maes nutzte seine Fähigkeit zu akribischem Arbeiten, um im Auftrag der Tabakindustrie in wissenschaftlichen Studien und Publikationen nach Fehlern und Schwächen zu suchen mit dem Ziel, durch eine Vielzahl kleiner und kleinster Kritikpunkte - auch wenn sie noch so konstruiert und absurd erscheinen - das eigentliche Ergebnis einer wissenschaftlichen Studie zu entwerten oder gar eine ganze Organisation wie die WHO ins Zwielicht zu rücken.

Johannes Gostomzyk, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention, schließlich förderte oder unterdrückte Informationen zum Vorteil der Tabakindustrie.

 

Mayer-Vorfelder - Alkohol- und Nikotin-Ruine

Es gibt Sportfunktionäre, die keine Gelegenheit auslassen, als widerliches Beispiel für unsportliches Verhalten durch die Gegend zu laufen. Zu diesen gehört auch Gerhard Mayer-Vorfelder, Präsident des Deutschen Fußballbundes. Mit einer Dreistigkeit, die ihresgleichen sucht und wohl kaum findet, "glimmstängelt" er bei jedem Fußballspiel, dem er die Unehre als Zuschauer gibt, auf der Tribüne herum. Selbst nicht in der Lage, auch nur eine Halbzeit eines Senioren-Spiels ohne Atemnot zu überstehen, begast der Nikotiniker die Umstehenden mit dem hochgiftigen Schadstoffgemisch Tabakrauch. Die Südwestpresse veröffentlichte einen Leserbrief des Sportlehrers und Mitgliedes der Nichtraucher-Initiative Ulm/ Neu-Ulm, Roger Menck:

Wes Geistes Kind der ehemalige Kultusminister und jetzige DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder wirklich ist, bewies er einmal mehr beim Damenfußball-Länderspiel Dänemark gegen Deutschland am 17. Oktober im Ulmer Donaustadion. Zigaretten qualmend und paffend demonstrierte diese mittlerweile zur "Alkohol- und Nikotinruine" mutierte (Un-)Person vor Hunderten von anwesenden Schulklassen seine Rücksichtslosigkeit und seinen (Sucht-) Egoismus! Es ist eine wahre Schande für den (Fußball-)Sport, solch ein miserables Vorbild an seiner Spitze zu dulden. Im Jahr des WHO-Mottos "Ja zum Sport heißt Nein zum Tabak!", das sogar bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Südkorea international respektiert wurde, setzt sich der "Dauerignorant" MV rücksichtslos über sportliche Leitgedanken hinweg. Wie lange noch?

Auf dem Bild kann man gut die teergelbe vordere Zahnreihe erkennen.

 

Während der Funktionär den Zuschauern seine Nikotinabhängigkeit demonstriert, wirbt der Nationalspieler im Rahmen der EU-weiten Kampagne feel free to say no für ein rauchfreies Leben. Michael Ballack weiß genau, dass Sport und Rauchen so viel miteinander zu tun haben wie Himmel und Hölle.

 

 

 

 

 

Rauchen?

Find ich zum Kotzen!

 

Neue EU-Klage gegen US-Tabakkonzern

Die EU-Kommission ist entschlossen, ihren Kampf gegen Geldwäsche, Zigarettenschmuggel und die damit verbundene Schwerkriminalität fortzuführen und am Ende auch zu gewinnen. Dies ist die Quintessenz der Stellungnahme der zuständigen EU-Kommissarin Michaela Schreyer. Im Februar hatte ein US-Gericht ihre Klage gegen die Tabakkonzerne Reynolds, Philip Morris und Japan Tobacco wegen Schmuggels aus formalen Gründen abgewiesen. Nun reichte die EU-Kommissarin eine neue Klage ein, diesmal gegen den fünftgrößten US-Tabakkonzern R. J. Reynolds (Camel). Sie umfasst 149 Seiten. Als Nebenkläger treten zehn EU-Staaten auf, unter ihnen auch Deutschland.

Jahr für Jahr verlieren die EU-Länder durch den illegalen Handel Hunderte Millionen Euro an Steuereinnahmen. Die Klage konzentriert sich jetzt vor allem auf Geldwäsche. Reynolds wird beschuldigt, an Kriminelle zu liefern, obwohl der Konzern über deren Machenschaften bestens im Bilde sei. Schmuggler, Terrorgruppen, Drogenhändler und Waffenschieber verdienen oder waschen mit dem Zigarettengeschäft Milliardensummen.

Begehrte Absatzziele sind Länder mit hohen Tabaksteuern: Großbritannien, Frankreich, Italien und auch Deutschland. Die US-Tabakkonzerne bestücken die Ladungen mit Papieren, die sie zum Weitertransport z.B. nach Polen oder Montenegro ausweisen. Dadurch entfallen Einfuhrzölle in Deutschland. Die Fracht wird dann beim Transport durch Deutschland nachts in Wäldern abgeladen oder aus dem Osten wieder zurückgeschafft. "Nach den eingeführten Mengen müsste zum Beispiel in Montenegro jeder Bürger einschließlich der Neugeborenen zehn Päckchen täglich rauchen", stellt ein Experte der EU-Behörde für Betrugsbekämpfung fest. Auch der Weg über Freihäfen ist beliebt, in denen Exporteure Zigaretten an die Mafia weitergeben, die sie nach Osten schickt - als Gemüse oder Wein getarnt.

Auch der Sohn des irakischen Diktators Saddam Hussein scheint ein guter Kunde des Herstellers der Camel zu sein. Uday Hussein soll Milliarden bei dem Tabakkonzern gekaufte Zigaretten über die Türkei in den Irak gelenkt haben. Bestätigen sich die Anschuldigungen hat Reynolds sowohl das UN-Embargo als auch ein US-Gesetz gebrochen, das Exporte in den Irak untersagt. Ein Bombardement Iraks käme Reynolds jedenfalls sehr ungelegen.

Schätzungen zufolge werden nur 15 Prozent der illegalen Transporte entdeckt. Zu wenig - besonders aus Sicht der Tabakkonzerne. Denn sie kassieren letztlich doppelt: Das Geld für die missglückte Lieferung haben sie schon und das Geld für die Ersatzlieferung werden sie noch erhalten.

 

Griechenland: Rauchbeschränkungen an vielen Orten

Bis zu den Olympischen Spielen im Jahr 2004 soll die Zigarette weitgehend aus dem öffentlichen Leben in Griechenland verschwunden sein. Die Regierung erließ eine Reihe von Rauchverboten für öffentliche Gebäude und Krankenhäuser. Seit 1. Dezember 2002 müssen Cafés und Restaurants mindestens die Hälfte ihrer Sitzplätze für Nichtraucher reservieren. Von 2003 an soll jede Zigarettenwerbung aus dem Straßenbild und aus den Kinos verschwinden. Die Rauchverbote gelten auch für Schulen, Universitäten und öffentliche Transportmittel. Das griechische Kabinett ging mit gutem Beispiel voran. Ende Mai hatte Regierungschef Kostas Simitis seinen Ministern zum letzten Mal das Rauchen während der Sitzungen erlaubt. Danach wurden die Aschenbecher im Saal abgebaut. Süddeutsche Zeitung, 7.10.02

 

USA: Rauchverbot in New Yorker Gastronomie

New Yorks neu gewählter Bürgermeister macht ernst mit dem Nichtraucherschutz in der Gastronomie. Er hat dem Stadtrat eine Verordnung vorgelegt, die in den mehr als 13.000 Bars, Spielhallen, Cafés und privaten Clubs das Rauchen verbietet. Die Zustimmung gilt als sicher. Bloomberg argumentiert: "Die Luft in einer typischen New Yorker Bar ist viel gefährlicher als die im Holland Tunnel zur Hauptverkehrszeit." Wochenlang hatte das Gesundheitsamt die Schadstoffe in Kneipen und Nachtclubs gemessen mit dem von Bloomberg in Form eines Vergleichs ausgedrückten Ergebnis.

Dass ein Rauchverbot den Umsätzen der Gastronomie schaden könnte, wird bestritten. In Kalifornien sei das Rauchen in Bars und Restaurants bereits seit 1998 verboten. Umsatzeinbußen hätten sich nicht eingestellt. Wer einen Job in der Gastronomie annehmen will, soll nicht zum Passivrauchen gezwungen werden. Dass die Tabakindustrie ein Rauchverbot in der Gastronomie ablehnt, sei verständlich. Schließlich erhöhe sich mit jedem weiteren Rauchverbot die Zahl derjenigen, die mit dem Rauchen endlich Schluss machen wollen und es mangels Gelegenheit zum Rauchen auch eher schaffen.

Bloomberg hatte zuvor bereits die Tabaksteuer kräftig erhöht. In New York kostet eine Schachtel mittlerweile 7,50 Dollar, also mehr als doppelt so viel, wie in Deutschland für die gleiche Menge Zigaretten ausgegeben werden muss. Dadurch sind die Verkaufszahlen fast um die Hälfte gesunken. Allerdings machen seitdem Internetfirmen, die Zigaretten verschicken, sowie Indianer-Reservate auf Long Island, die traditionell von der Steuer befreit sind, erheblich höhere Umsätze. Weser-Kurier, 10.8.02 Süddeutsche Zeitung, 25.10.02 www.nytimes.com, 19.10.02

 

Großbritannien: Bis zu 3.200 Zigaretten gibt es zollfrei

10.200 Autos konfiszierte der britische Zoll im Jahr 2001, weil die Autofahrer mehr als 20 Stangen Zigaretten auf dem Kontinent gekaufte Zigaretten mit sich führten. Da die Tabaksteuer in Großbritannien sehr hoch ist (eine Zigarettenschachtel kostet etwa 7,30 Euro), sparen sich die Raucher eine ganze Menge Geld, wenn sie sich zum Beispiel in Deutschland die Zigaretten für 3 bis 3,50 Euro pro Packung besorgen. Nach einer Kampagne des Massenblattes The Sun dürfen sich die britischen Raucher jetzt mit deutlich mehr billigen Glimmstängeln eindecken. Statt 800 gelten neuerdings 3.200 Zigaretten als die Menge, ab der im Normalfall die Zollbeamten einen Weiterverkauf vermuten. Auch die Mengen für Alkohol wurden erhöht. Süddeutsche Zeitung, 31.10.02

Kommentar: Da tragen in Großbritannien Regierungen unterschiedlicher politischer Couleur seit vielen Jahren durch eine kontinuierliche Erhöhung der Tabaksteuer und damit der Zigarettenpreise dazu bei, den Anteil jugendlicher Tabakkonsumenten in ihrem Land erheblich zu senken - und dann wird ihnen im eigenen Land und in Brüssel ein Knüppel zwischen die Beine geworfen. Zumindest bei Tabakwaren handelt es sich um absolut gesundheitsschädliche Produkte, die völlig zu Unrecht "Genussmittel" genannt werden. Der Begriff "Suchtmittel" kommt derart lebenszerstörenden Produkten schon näher und für diese darf es keinen freien Markt geben. EGK

 

Brasilien: Tabakpflanze soll aus Wappen verschwinden

Das brasilianische Staatswappen soll nach Meinung des Senators Jefferson Peres von der linksgerichteten Demokratischen Arbeiterpartei (PDT) geändert werden. Denn unauffällig, aber unverkennbar ranken links eine Kaffee- und rechts eine Tabakpflanze hoch. Der Kaffee sei für ihn in Ordnung, doch der Tabak müsse weg. Er brachte deshalb einen entsprechenden Gesetzentwurf in den Ausschuss für Justiz- und Verfassungsfragen ein. Als Ersatz schlägt Peres die Guaraná-Pflanze vor. Sie mache sich ästhetisch vorteilhafter als Tabakblätter.

Tabakpflanze oder Guaraná-Pflanze?

 

Italien: Filme ohne Rauch

Der italienische Gesundheitsminister Girolamo Sirchia hat die großen TV-Sender (die fast alle Regierungschef Silvio Berlusconi gehören) um rauchfreie Programme gebeten. Vor allem der Jugend dürften nicht länger falsche Vorbilder geboten werden. Ein Komitee solle sich darum kümmern. Süddeutsche Zeitung, 26.7.02

 

Welt-Nichtrauchertag 2003

Das englische Motto des nächsten Welt-Nichtrauchertages am 31. Mai 2003 lautet: "Tobacco free fashion and films". Die an der Festlegung des deutschen Mottos beteiligten Organisationen konnten sich bis Redaktionsschluss noch nicht auf ein gemeinsames Motto einigen. Die NID hat als Motto "Mode und Film - stilvoll nur rauchfrei!" vorgeschlagen.

 

72 Prozent für Tabakwerbeverbot

Die Tagesschau bot im Internet das Tabakwerbeverbot mit folgendem Text zur Abstimmung an:

Die EU hat ab 2005 Tabakwerbung in Zeitungen und Zeitschriften, Radio und Internet verboten. Reklame für ein Produkt, das jährlich allein rund 100.000 Bundesbürger tötet, muss verboten sein, meint Brüssel. Berlin stimmte gegen das Verbot, unter anderem wegen der Auswirkungen auf den ohnehin angeschlagenen Zeitungsmarkt. Was meinen Sie - ist ein Tabakwerbeverbot richtig?

Bis 3. Dezember hatten 3.045 Personen www.tagesschau.de gewählt und ihre Meinung durch Anklicken einer der vorgegebenen Antwort kundgetan:

Antwort

Ja

Nein

Keine Meinung

Insgesamt

Stimmen

2.188

824

33

3045

Prozent

72

27

1

100

 

 

An "die da oben":

Schützt doch endlich unsre Jugend

vor des Nikotins Gefahren!

Preist das Nichtrauchen als Tugend,

die man sollte sich bewahren!

 

Aber dafür müsst ihr geben

auch ein Beispiel jederzeit

durch ein rauch- und suchtfrei Leben,

zu dem selbst ihr seid bereit!

 

Sorgt dafür, dass auch die Lehrer

stets ein gutes Vorbild sind,

dass die Eltern - was wär' fairer -

Rücksicht nehmen auf ihr Kind!

 

Sorgt dafür, dass auch das Fernsehn

uns nicht zeigt ein Rauchgelichter!

Was allein wir wirklich gern sehn:

Raucher nur als Bösewichter!

 

Gerhard Sensenschmidt

 

Projektbüro Nichtraucherschutz und Tabakprävention in Betrieben

Alle Unternehmen, die Hilfestellung bei der Umsetzung des neuen Nichtraucherschutz-Paragrafen der Arbeitsstättenverordnung benötigen, können sich an das vom Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (früher nur Gesundheit) finanzierte Projektbüro "Nichtraucherschutz und Tabakprävention" wenden. Es ist bei der Bundesvereinigung für Gesundheit angesiedelt.

Kontaktpersonen:

Michaela Goecke und Bettina Berg

Heilsbachstr. 30 - 53123 Bonn

 '   0228 98727-13   6 0228 6420024

bb@bvgesundheit.de

www.who-nichtrauchertag.de

 

Nichtraucherschutz auf Bahnhöfen verbessert

Mit der Beschränkung des Rauchens auf größeren Bahnhöfen hat sich auch der Nichtraucherschutz deutlich verbessert. Auch wenn nicht alle Raucher Ihre Glimmstängel dort in Qualm aufgehen lassen, wo es die Deutsche Bahn wünscht, ist die Zahl derjenigen, die die ausgewiesenen Raucherzonen aufsuchen, so groß, dass die Atemluft deutlich weniger belastet ist als zu früheren Zeiten. Ein anhaltendes Problem stellen die gastronomischen Einrichtungen im Bahnhof dar. Dort wird - außerhalb der Zuständigkeit der Deutschen Bahn AG - teilweise recht munter weiter gequalmt. Weil es nur in den wenigsten Fällen gelingt, Gastronomen zur freiwilligen Ausweisung von rauchfreien Zonen zu bewegen, bleibt nur der Weg über einen gesetzlichen Nichtraucherschutz für alle öffentlich zugänglichen Räume.

 

Deutsche Post drückt sich beim Nichtraucherschutz vor klaren Aussagen 

Ein wirres Plakat macht bei der Deutschen Post AG die Runde: Den großen Lettern "Rauchfrei am Arbeitsplatz" folgen darunter die klein gedruckten Sätze "Mit Verboten und Anordnungen ist es nicht getan. ... Alle Raucher sind aufgefordert darauf zu achten, dass niemand durch Tabakrauch belästigt und durch Passivrauchen gesundheitlich gefährdet wird. Wir setzen auf ein einvernehmliches Miteinander." Einvernehmlich heißt doch, dass alle mit der Regelung einverstanden sein müssen. Was ist jedoch, wenn die Raucher mit der vorgeschlagenen Lösung nicht einverstanden sind, weil sie eine andere Vorstellung von Belästigung und Gesundheitsgefährdung haben? Deshalb: Klare Worte zur Konfliktvermeidung!

 

Lungenkrebs häufigste Todesursache bei Thailands Mönchen

Zwischen 1997 und 2000 hat sich die Zahl der an Raucherkrankheiten leidenden Mönche in Thailand um 86 Prozent erhöht. Lungenkrebs ist bei ihnen sogar zur häufigsten Todesursache geworden. Nach neuen Umfragen raucht die Hälfte aller buddhistischen Mönche. Deshalb bietet die Regierung nun Seminare über die Gefahren des Rauchens an und will die Klöster zu Nichtraucherzonen erklären.

BADvertising

ist der Name einer englischsprachigen Website (www.badvertising.org), die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Verführung durch Tabakwerbung auf kreative Weise zu bekämpfen. Durch Veränderung bzw. Verfremdung von Tabakwerbung soll der Betrachter erkennen, wie sehr Zigarettenwerbung manipuliert und die Wahrheit versteckt. Besucher erhalten eine Anleitung ("How to badvertise"), wie sie eigene Kreationen einscannen und an die Website schicken können. Vor allem an Schulen könnte dieser Ansatz eine sinnvolle Ergänzung bzw. Alternative zum traditionellen warnenden und "aufklärenden" Unterricht sein. Gemeinsam mit einem Kunst- oder PC-Grafik-Lehrer könnten sich die Schüler produktiv und kreativ mit (Zigaretten-) Werbung auseinandersetzen. Jochen Lüders

 

Terminkalender

 

22. Februar 2003

Faschingsball in Wiesbaden

' 06122 2194

 

26./27. April 2003

Mitgliederversammlung der

Nichtraucher-Initiative Deutschland e.V.

und

Informationsaustausch der Nichtraucher-Initiativen in Oberwesel

' 089/3171212

 

16./17. Mai 2003

6. Deutsche Nikotinkonferenz in Erfurt

' 0361/64508-0

 

3. bis 8. August 2003

12. Weltkonferenz Rauchen oder Gesundheit in Helsinki

wctoh2003@congcreator.com

www.wctoh2003.org 

 

Impressum

 

Das Nichtraucher-Info ist ein Mitteilungsorgan der

Nichtraucher-Initiative Deutschland (NID) e.V.

für Mitglieder von Nichtraucher-Initiativen 

und die Öffentlichkeit.

 

Der Bezugspreis ist im Mitgliedsbeitrag enthalten.
Erscheinungsweise vierteljährlich.

 

Herausgeber: NID

Redaktion: Ernst-Günther Krause (verantwortlich)

unter Beteiligung von Mitgliedern

 

Anschrift:

Carl-von-Linde-Str. 11

85716 Unterschleißheim

Telefon: 089 3171212

Fax: 089 3174047

E-Mail: nid @ nichtraucherschutz.de

Internet: http://www.nichtraucherschutz.de

 

Konto:

Postbank München (BLZ 700 100 80)

Konto-Nr. 192 445 803

 

Herstellung:

Lang Offsetdruck GmbH

Ein Teil des Nichtraucher-Infos

erscheint mit Beihefter.